von Jameson und seinen Kumpanen gewesen sein? Aber das ist lange her. Auch sollte man in London nicht vergessen, daß es sich um eine Rauberbande handelte, die zwar unter der Hand von englischen Regierung organisiert, aber von dem offiziellen Eng⸗ land verleugnet wurde. 5 Das sind bittere Wahrheiten, die durch den Mund dieser ge⸗ wiß unparteiischen Quellen England gesagt werden. Das Funda⸗ ment unseres guten Rechtes und des Unrechtes unserer Gegner findet hier neue seste Stützen.
Die Argonnenkämpfe vom 20. Juni bis 2. Juli. II. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: An der von Binarville nach Vienne le Chäteau führenden Straße ist das Gelände übersichtlich, der Wald ist ziemlich licht und zudem im Lauf der Zeit derartig zerschossen, daß hier die in drei Terrassen übereinanderliegenden, französischen Gräben deut⸗ lich zu sehen sind. Der vorderste Graben war etwa 100 Schritt von der deutschen Stellung entfernt. Weiter nach Osten wird der Wald außerordentlich dicht, Dornengestrüpp und dickes Unter⸗ a ls bedeckt den Boden, man kann kaum 10 Schritte weit sehen. Die deutsche und französische Kamyfstellung waren hier durch ein kleines Tal getrennt, dessen Sohle nicht einzusehen war. Auf der 5 1 Front dieses Abschnittes hatten Patrouillen festgestellt, daß die Franzosen im Talgrunde ein 30 Meter breites Hinder⸗ nis angebracht hatten, bestehend aus einem Gewirr von Stachel⸗ draht, einer Wand aus Drahtmaschen und einem breiten Wasser⸗ graben. Jenseits dieses Hindernisses auf halbem Hang befand sich im dichten Unterholz die französische Hauptstellung, mehrere hinter⸗ einanderliegende Gräben mit starken Eindeckungen, Blockhäusern und Maschinengewehrständen. Außerdem hatte der Feind diesseits des Drahthindernisses in Postenlöchern und einzelnen Sappen⸗ köpfen kleinere Abteilungen bis nahe an die deutsche Stellung vorgeschoben. 5 Ruhig und klar bricht der Morgen des 20. Juni an. Hüben und drüben ist heute alles früher munter als sonst: Bei den Deutschen in Erwartung des bevorstehenden Kampfes, bei den FPranzosen, weil sich im Morgengrauen gerade die Regimenter 55 und 255 in der vorderen Linie ablösen. Punkt 4 Uhr vormittags öffnen die deutschen Batterien ihr Feuer. Etwas später beginnt das Schießen der Minenwerfer. Von Stunde zu Stunde steigert sich die Heftigkeit des Feuers; die Wirkung des Artillerie- und Minenfeuers ist verheerend. Beim Feinde drängt sich alles in den Unterständen und eingedeckten Teilen der vordersten Linie zusammen, denn weiter rückwärts legt die deutsche Artillerie mit ihrem rasenden Feuer über die Verbindungslinie eine Sperre, die so leicht kein Mensch lebend durchschreiten kann. In den deutschen Gräben werden die letzten Vorbereitungen getroffen: Hunderte von Sturmleitern zum Erklimmen der vorderen Grabenwand stehen bereit, die Bajonette werden aufgepflanzt, jeder legt sich seine Handgranaten zurecht, die Pioniere sind mit Drahtscheren und mit Gerät zum Ueberwinden der Hindernisse ausgerüstet. Alle Uhren sind auf die Sekunde gleich gestellt. Um 8 Uhr 30 Minuten rmittags wird das Artillerie- und Minenfeuer bis zur letzten, ößten Heftigkeit gesteigert, und dann— um 8 Uhr 50 Minuten ittags,— bricht auf der ganzen Front der Sturm los. Fort- gerissen von glühendster Begeisterung und dem todesverachtenden Willen zum Siege stürzen sich die braven Leute auf den vordersten 3 Graben. Ohne selbst zu wissen, wie, durchbrechen ste im Handumdrehen das Drahthindernis. Viele bleiben im tacheldraht hängen, zerfetzen die Kleider, fallen hin, springen wieder auf, und weiter gehts, den seuerspeienden Blockhäusern 25— 5 Zur gleichen Zeit hat die Artillerie ihr Feuer weiter nach rückwärts verlegt. Zu beiden Seiten der Straße nach Vienne le Chateau gelingt der Sturm am schnellsten, hier hat das vor⸗ itende Feuer am furchtbarsten gewirkt, in einem einzigen Anlauf werden die drei französischen Gräben und die Wagen- arrikade drüben auf dem nächsten Höhenrücken genommen, die sten Offiziere und etwa 100 Mann fallen in den genommenen äben und Unterständen den Siegern als Gefangene in die Hände. dichten Walde geht es langsamer vorwärts: Hier kommt es im dersten französischen Graben zu einem heißen, erbitterten Nah⸗ pf. Jedes Maschinengewehr, jedes Blockhaus, jede Schießscharte, Unterstand muß hier einzeln angegriffen und genommen den. Unsere Leute vollbringen in dem ihnen unbekannten abengewirr, mitten zwischen den Hindernissen, im Kampf gegen en unsichtbaren wohlgedeckten Feind, Heldentaten voll Kalt⸗ lütigkeit und Todesmut. Ein Trupp Württemberger mit ihrem arferen Führer, Leung N ac sich trotz des heftigsten von allen Seiten auf sie nieder⸗ prasselnen Feuers oben auf das Dach und machen mit Revolver⸗ chüssen und Handgranaten durch die Schießscharten die Besatzung d ihr Maschinengewehr unschädlich. Von einem Nachbargraben zu Tode getroffen, fällt der heldenhafte junge Offizier. Eine kleine Abteilung stürmt bis weit in die feindlichen rückwärtigen Stellungen hinein, verliert aber die Verbindung mit den Kame- raden und wird abgeschnitten. So sind es oft gerade die Tapfersten, die im Drang nach vorwärts allzuweit vorstürmen und dann dem inde in die Hand fallen. An einer anderen Stelle des Labordoͤre— es, an der der Sturm auf ganz besonders starke Hindernisse und Befestigungen stößt, gelingt es Leutnant Walker, mit einer mpagnie in ein schmales Stück der feindlichen Stellung ein⸗ zudringen. Von vorne und beiden Seiten durch weit überlegenen Feind eingeschlossen, ohne rückwärtige Verbindung zu seinem Ba- taillon, hält er sich stundenlang im rasendsten Feuer. Endlich um 8 abends brechen aus beiden Flanken neue Kompagnien zu todesmutigen Kameraden durch. Alles, was sich in den stellt, bird niedergemacht oder gefangen genommen. Ebenso heiß und blreig tobt der Nahkampf im östlichen Teil des Labordsre⸗ Werkes. Zwei der tapfersten jungen Führer, Leutnant v. Spindler und Fähnrich Kurz, vom Infanterie-Regiment„Kaiser Wilhelm“ Nr. 120, gelingt es, mit wenigen Leuten in den feindlichen Graben hineinzuspringen und ihn nach rechts und links aufzurollen. Beide ssen ihren Heldenmut mit dem Leben bezahlen. Ihr gutes deutsches Blut ist nicht umsonst geflossen. Als es Abend wird, sind e eee eee eee ee ee eee eee eee eee:
8 hatten, während Schopenhauers Geist nach innen gerichtet war.
as folgert nun der Mitarbeiter der„Temps“ hieraus? Er er⸗ kennt in der Geringschätzung der Baukunst bei Schopenhauer eine a rr aus der die angebliche deutsche Feindschaft gegen
ie Baukunst zu erklären sei. Dabei bekennt er selbst, daß man Schopenhauer wahrhaftig nicht als einen Vertreter des Pan- ermanismus bezeichnen könne; sehr behutsam aber weicht er der itzlichen Frage aus; warum man dann nicht lieber Goethe in böherem Grade als Schopenhauer als Vertreter des deutschen Tenkens ansehen soll. Daun müßte man freilich auf eine besondere Empfänglichkeit der Deutschen für die Baukunst, auf eine besondere N.— der Baudenkmäler durch sie schließen. Aber das würde 75 sranzosen natürlich nicht in den Kram passen, und die Logik, deren sie sich so oft, und gewiß auch nicht ohne Recht, rühmen, wird hübsch bescheidentlich in den Winkel gestellt, wenn es gilt den bösen„boches“ etwas am Zeuge zu flicken.
e Eine dichterische Weltkriegprophezeiung. Am 13. Juli 1889 starb in fast sechzigjährigem Alter auf seinem Gute Stiftungstal bei Graz Robert Hamerling. Kurz vor seinem Tode hat der berühmte Dichter eine Weissagung nieder⸗
chrieben. Unter den zahlreichen Prophezeiungen, die den Welt⸗ krieg und seine Folgen vorausgesagt haben, beanspruchen die fol⸗ genden Verse dieser Weissagung ein besonderes Interesse:
.„Deutsches Voll, die weite Erde wird vor dir im Staub erzittern. Denn Gericht wirst du bald halten mit den Feinden in Gewittern. Englands unberührten Boden wird dein starker Fuß zerstampfen, Ueberall wird auf zum Himmel hoch das Blut der Feinde dampfen. Und den tönernen Giganten Rußland stürzest du zerborsten, In der Ostsee reichen Landen wird der reiche Adler horsten. Desterreich, du totgeglaubtes, eh die zwanzig Jahr vergehen Wirst du stolz und jugendkräftig vor den vielen Völkern stehen, sie werden dich, erzitternd, beugend sich vor deinem Ruhm,
7
„Leutnant Sommer, erstürmen ein Blockhaus, war
der größte Teil des L und die gesamten Stellun⸗
ern beider See nach Vienne le Chateau im Neft der Württemberger und der preußischen Landwehr. Mehrere heftige Gegenangrifse der Franzosen werden abgewiesen. Sieben Offiziere, 627 Mann, 6 Maschinengewehre, 15 Minenwerfer, mehr als 1000 Gewehre und viel ät, Waffen und Munition sind die Beute der Sieger.
Kriegsbriefe aus dem Westen.
Von unserm Kriegsberichterstatter. (unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, nerboten) Kloster Oelenberg. l
Großes Hauptquartier, 21. Juli.
Unweit von Mülhausen, bei dem Dorfe Reiningen, liegt in der oberelsässischen Ebene auf einem niederen Hügel das Trappisten⸗ kloster Oelenberg. Es ist durch eine lange Vergangenheit mit der Kulturgeschichte des Landes eng verwachsen. Im elften Jahr⸗ hundert von der Gräfin Heilwig von Egisheim, der Mutter des einzigen Deutschen, der auf dem Stuhle Petri gesessen hat, Leos IX., für Augustinex gestiftet, kam es, nachdem es die Wechsel⸗ fälle des Bauern-, der Schweden⸗ und der Franzosenkriege leidlich überstanden hatte, im 17. Jahrhundert an die Jesuiten. In der großen Revolution wurden Kirche und Kloster mit allem Reichtum an Andenken, die sie einschlossen, sinnlos zerstört. Dann erwarben die Ruinen im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts Trappisten, unter deren Fürsorge der wüste Platz wieder aufzublühen begann. Aber schon in der Revolution von 1830 erschienen Räuberbanden, die unter dem Losungsgeschrei„Freiheit und Menschenrechte“ die kaum aus den dürftigsten Anfängen herausgediehene Anstalt mit Brand und Plünderung bedrohten. Da zog einer der Patres, der frühere österreichische General von Geramb, seine alte, in mancher Schlacht pulvergeschwärzte Uniform an und stellte sich an die Spitze der ordnungsliebenden Bauern der Umgegend, die sich, Protestanten und Katholiken ohne Unterschied, mit Sensen und Dreschflegeln bewaffnet hatten, um das„Freiheits“-Gelichter zu vertreiben. Angesichts dieses Widerstandes ließen es die Blusen⸗ männer nicht auf einen Kampf ankommen, sondern zogen schleu⸗ nigst ab. Seither war dem Kloster eine Zeit ruhiger Entwicklung beschieden gewesen und dank dem Weitblick seiner Aebte und dem Fleiße sowie der vorbildlichen Lebensführung seiner Väter und Brüder kam es zu Wohlstand und großem Ansehen. Namentlich auf dem Gebiet der Landwirtschaft und des Gartenbaues leistete es Mustergültiges und wurde zum Lehrmeister für die Gegend.
Außer Elsässern waren es namentlich 11 die in das Kloster eintraten. Und merkwürdigerweise hat es stets als„deutsch“ gegolten, obwohl es auch in der Zeit, wo unter Napoleon III. die gesamte elsässische Geistlichkeit ohne Unterschied der Konfession sich gegen die Verwelschung der Schul- und Kirchensprache wen⸗ dete, meines Wissens nicht mehr hervorgetreten ist als andere 8 Anstalten, die sich damals als Hochburgen der alten
olkssprache bewährten. gegen hat sich 1870 das Trappisten⸗
kloster Oelenberg dadurch ausgezeichnet, daß es aus eigenem An⸗ triebe ein Lazarett einrichtete, in welchem deutsche Soldaten eine sehr liebevolle Pflege fanden. Das hat kein Geringerer als Moltke anerkannt, der das Lazarett während des Krieges besucht hat Auf sein Eingreifen ist es dann auch zurückzuführen gewesen, daß während des Kulturkampfes Oelenberg nicht aufgehoben wurde.
Es war inzwischen eine stattliche Anlage geworden. Zwar ver- rieten seine Gebäulichkeiten nach außen nichts von seiner fast tausendjährigen Geschichte, aber sie waren, wenn auch in langen Zeitabständen, hintereinander erwachsen, wie es eben die Geld⸗ mittel zugelassen hatten, doch in einer strengen Einheitlichkeit zu⸗ sammengehalten. Denn die Trappisten, die reformierten Zister⸗ zienser, fühlen sich als Erben des Geistes der großen Baukünstler, welche den slawischen Osten Deutschlands missioniert und uns als Andenken daxan die herrlichen Abteien hinterlassen haben, welche sich in den kiefernumrahmten Seen der Mark Brandenburg spie⸗ geln, Streng nach alter Bauregel steht die Kirche, alle übrigen Gebäude beherrschend, nach Osten, nach Sonnenaufgang, gerich⸗ tet. Im Süden schließt sich daran das Viereck des Kreuzganges, dann die übrigen Räume, Kapitelsaal, Sakristei, Sprechsaal, Stu⸗ diensäle, Speisesäle und abgetrennt die Wohnungen der Laien⸗ brüder. Es gibt nichts Organischeres, als den alten Klostergrund⸗ riß. Und auch darin waren die Oelenberger Trappisten die wahren Erben der Mönche, die Chorin erbaut haben, daß sie die Werke der Menschenhand zu Gottes Ehre mit Schönheit schmückten. Ich kenne keine schönere neue Klosterkirche, als die erst 1905 ein⸗ geweihte des Klosters Oelenberg, die ganz in romanischem Stile ausgemalt und mit wundervollen Glasmosaikfenstern geschmückt
Alles das war; denn heute ist das Kloster eine Ruine, die schlimmer zugerichtet ist, als sie nach der französischen Revolution ausgesehen haben 4 a 1„ a Während ich in Mülhausen weilte, hörte ich, daß die Fran⸗ zosen von den Vogesenhöhen aus mit weittragendem Geschütze schwersten Kalibers plötzlich begonnen hätten, ohne jeden Anlaß in das friedlich weit hinten in der Ebene gelegene Kloster hinein zuschießen. Man hatte den in Mülhausen wohlbekannten Abt gesehen, der bei der Kommandantur vorgefahren war, um für seine Ordensbrüder die Erlaubnis zur Abreise zu erwirken. Auch einzelne Patres und Brüder hatte man gesprochen, die ernst und wortkarg — das völlige Schweigegebot hat für sie der Krieg aufgehoben— das Unglück berichteten. Ich beschloß sofort, das Kloster zu be⸗ suchen, zumal mir mitgeteilt wurde, daß die Franzosen mit meh- reren eingestellten Batterien geschossen hätten und daher voraus— sichtlich ihr Zerstörungswerk bald vollenden würden. 5
Je mehr ich mich Oelenberg näherte, desto mehr fiel mir eine wahre Völkerwanderung der Landbewohner auf, die in Sonutags⸗ kleidern nach dem Kloster pilgern und ihm einen Beileidsbesuch abstatten wollten. Für die eigenartige Stellung, die das Kloster sich zu schaffen verstanden hat, ist es kennzeichnend, daß auch die evangelischen Bewohner der Umgegend aufgebrochen waren, wie man auch in Mülhausen nur Worte des ingrimmigsten Abscheus egen diese barbarische Tat der französischen„Befreier“ hören onnte. Die mitleidigen Leute kamen aber nicht an ihr Ziel. Ju hinlänglichem Umkreise waren alle nach dem Kloster führenden Straßen abgesperrt, und auch ich wurde ausdrücklich gewarnt, daß ich mich auf eigene Verantwortung in einen Bereich begäbe, der in der Zone der frauzösischen Batterien liege.
Aeußerlich standen die Gebäude noch ziemlich aufrecht. Nur der mit einem großen Kreuze überhöhte Dachreiter der Kirche war vollständig von Granatsplittern abgedeckt, so daß er aussah wie das Balkengerippe eines Vermessungsgerüstes, an dem ein paar lockere Bretter im Winde klapperten. Aus dem Hofe konnte man in die beiden Schlafsäle der Patres sehen, deren Wände von zwei Granaten weggerissen worden waren. In den Außenmauern der Kirche waren ein paar Breschen. Die Mauer zu dem Klostergarten war fast ganz umgeworfsen.
Aber viel schlimmer sah es innen aus. Das feine Ziergewölbe über dem Altar der Kirche war zertrümmert und lag teils auf dem Altar und teils vor ihm. Ein Volltreffer war durch die Orgel gegangen, hatte diese in einen Haufen Spaltholz verwandelt und war dann auf der Chorempore, glücklicherweise als Blindgänger, liegen geblieben. Zu der Empore konnte man nur noch unter Lebensgefahr auf einer aus allen Fugen hängenden Stiege hinauf⸗ turnen. Alle Fensterscheiben der Kirche waren zertrümmert, alle Fenster des Kreuzganges durch eine einzige Explosion hinausgebla⸗ sen worden, so daß nur noch die leeren, ballonartig auseinander geblähten Bleiperglasungen vor den Höhlen hingen.
In den beiden Schlafsälen hatten die einschlagenden Granaten die harten, kistenartigen Pritschen, die den Trappisten als Bett dienen, ebenso wie die um jedes Bett gehenden Holzzellen kurz und klein geschlagen und durcheinandergeblasen. In den Studien⸗ sälen konnte keiner der Brüder sein Lesepult mehr erkennen, alles war zu Spreu und Splittern zermalmt. Das alte Bild eines beten⸗ den Heiligen, das an der Wand 55—.— hatte, war wie von Schrotschüssen durch Prellstücke des Mauersteines zerfeßzt.
Der Pater Prior führte mich in seine schlichte Zelle, die bisher verschont geblieben war. Hier lagen in einer Ecke auf⸗
gesammelt die Grangtstücke, darunter eines von acht Kilo
Daß nicht alles in Flammen aufging, war lediglich der Geistes⸗
lag eine weiße deutsche Kava en i blutiges Einschußloch zeigte und u hatte den einzigen Men schen 1 55 der de 4 worden war, einem Pierdeburschen, der den iere aus dem brennenden Stall zu retten, mit dem Lel t büßen müssen.. 5 0 165 Ein trauriges Bild der Verwüstung bot die wertvolle Kloster⸗ bücherei dar. Zwar waren die kostbarsten Handschriften recht⸗ zeitig gerettet worden, doch war noch Unersetzliches genug 155. Grunde gegangen, da die Franzosen diesen Raum mit Bran 8 bomben beschossen und die Bücher sofort Feuer gefangen hatten. gegenwart einiger Soldaten der Stallwache zu verdanken, welche mitten im Granatenhagel in den Raum eingedrungen waren und die brennenden Bände durch das Fenster in den Hof geschleudert hatten. Nun wax man eifrig damit beschäftigt, den Rest der Kostbarkeiten zu bergen. g Die Patres und Brüder hatte ein gutes Geschick bewahrt. Die Granaten in dem Schlafsaal, die keinen lebend übrig ge⸗ lassen hätten, waren eine knappe halbe Stunde vor Schlafenszeit angekommen. In die Kirche war mitten in der Morgena geschossen worden. g 8 Nun waren die Patres abgereist, um sich in 1 Klöstern ein Unterkommen zu suchen Nur der Pater Prior und der Pater Scheffner sowie einige Laienbrüder waren zurückge⸗ blieben, um die wertvolle Ernte des Klosters zu bergen. Für sie hatte die deutsche Militärverwaltung bombensichere Unter⸗ stände unter der Erde bauen lassen, in die sie sich bei einer neuen Beschießung flüchten konnten. Denn eine solche wurde stündlich A kater bet hiez, Serbe Bic ee nd leider iese r g nicht g 2 war kaum nach Mühlhausen zurückgekehrt, als ich nahe Granateneinschläge in schneller Folge vernahm und hörte, daß Kloster Oelenberg brenne. 8 tit 75 schweren Granaten, zugleich aus drei Batterien, die Franzosen das Kloster in Trümmer geschossen. Hier gibt es keine Ausrede, keine Entschuldigung. Dies ist eine verbrecherische Freveltat, für die kein militärischer Vorwand vorlag. Es ist der alte französische Geist, der hier gewaltet hat, derselse Geist, der die blühenden Abteien und prangenden Schlösser der Vogesen in den Raubkriegen Ludwigs XIV. in Ruinen verwandelt bat, jener echt französische Hunnengeist, der darauf ausgeht, Ge⸗ biete, die er nicht gewinnen kann, in Wüsteneien zu verwandeln, jetzt die ihm erreichbaren Teile des Oberelsaß, wie ehedem die Pfalz und die Ufer des Rheins. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Vermischtes. Lynchjustiz auf den Wochenmärkten. Man schreibt uns: Die übertriebenen Preissorderungen, denen die deutsche Hausfrau in der letzten Zeit vielerorts auf den Wochen- märkten begegnet und die bereits Gegenstand lebhafter Erörterungen in der Presse geworden sind, haben hier und da bei temperament⸗ vollem Publikum zu Maßnahmen eigenartiger Selbsthilfe geführt. So kam es jüngst in Erfurt auf dem Markte zu einem großen Skandal zwischen Käufer und Händler, der fast in Tätlichteiten ausgeartet wäre, wenn nicht die Hand der Obrigkeit rechtzeitig eingegriffen hätte. Die Erfurter sind sehr schlecht auf ihre„Höken“ zu sprechen, was auch nicht wundernimmt, wenn man erfährt, daß die Hausfrauen, die angesichts der ganz unverhältnismäßig hohen Preise nicht kausen wollten, gelegentlich Liebens würdigkeiten einstecken mußten wie:„Ihr sollt nur froh sein, daß Ihr Über⸗ haupt noch was zu fressen kriegt!“ Ein nicht alltägliches Bild konnte man vor kurzem auch auf dem Wochenmarkte zu Gera beobachten. Dort forderte eine sich besonders anmaßend gebär dende Bäuerin von einem Herrn einen offenbaren Wucherpreis für ein Stückchen Quarkkäse. Der Käufer verzog keine Miene, bezahlte wortlos den verlangten Preis und ließ sich den Käse geben, um ihn im nächsten Augenblick— der Verkäuferin ins holde Antlitz zu schmieren. Der Vorgang erregte eine gewaltige Heiterteit, der sich selbst ein gestrenger Hüter des Gesetzes nicht entziehen konnte, so daß er der keisenden Bäuerin mit dem Käsegesicht noch obendrein einen Verweis erteilte. Ein Fall ganz besonders gewaltsamer Justiz aber trug sich in Schweinfurt zu, wo sich die Käufer namentlich von den Butter- und Eierhändlern derart übervorteilt hielten, daß sie kurzerhand einen vernichtenden Angriff auf die Marktvorräte unternahmen. Es entwickelte sich eine richtige kleine Schlacht. Man bewarf die Verkäufer mit den Eiern, und große Klumpen Butter flogen wie Geschosse durch die Luft. Erst alt die Polizei mit eiserner Faust eingriff, gelang es, die Ruhe wieder her- zustellen. Große Mengen Butter und viele Hunderte von Ciern aber bedeckten das Kampfgefild, ein Anblick, der allerdings kaum geeignet war, die blindwütige Vernichtung unserer wertvollsten Nahrungsmittel als den rechten Weg zur Ausrottung des Markt- wuchers erscheinen zu lassen.
Märkte.
Jo. Wiesbaden, 29. Juli. Heu- und Strohmarszt. Bezahlt wurde sür Heu(altes) 5,00— 5,80 Mk., Heu(neues) 0,00 bis 0, Mk., Stroh(Richtstroh) 2,80—0,00 Mk., Krummstroh 2,30 Mk. Alles für 50 Kilo. Die Ausuhr wurde flott abgesetzt.— Frucht- markt. Auf dem heutigen Markt war nichts angefahren.
—— Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. N Gottesdienst in der Synagoge(Süd-Anlage). Samstag. den 31. Juli 1915. 6 Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbatausgang: 9.05 Uhr.
—————— K.———ͤ——ͤ—ͤ—— Monatl. Uebersicht der Todesfälle in der Stadt Gießen. Monat Juni 1915. ö Einwohnerzahl: angenommen zu 32 90(inkl. 1600 Mann Militär). terblichkeitsziffer: 28,40%,, Nach Abzug von 37 Ortsfremden: 15,00. Er Kinder
Es starben an 5 5. N ar Zul. wachsene im! 1b. 0 Altersschwäche 6(I) 6(I)—— Masern 1—— 65 Diphtherie 2(2) 155 17 2(0 Keuchhusten 1— 1— Wundkrankheiten 1 K—* Tuberkulose der Lunge 7(2) 7(2)—— 5 Tuberkulose anderer Organe 4(2) 2(2)— 2 Lungenentzündung 5(3) 402) 10)— Influenza 1 1— 8 angeb. ererbter Syphilis 1— 1— anderen Krankheiten der Atmungsorgane 1 1—— Krankheiten der Kreislauf- organe 5 5(8)—— Gehirnschlag 7(1 7(1)—— anderen Krankheiten des Nervensystems 5() 2(1)— 9 Magen- und Darmkatarrh 1(8)— 100— anderen Krankheiten der Ver- dauungsorgane 6(4 5(3)— 10) Blinddarmentzündung 2(J) 2(I)—— Krankheiten der Harn- organe 4(2) 402—— Krebs* 460 463—— anderen Neubildungen 2(2) 2(2) 5— Selbstmord 2() 2()—— Verunglückung 5(3) 5(3)—— anderen benannten Todes- ursachen 5(50) 65(5)— 1 Summa. 78(7 65(% 1% J Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel 0 der Todesfälle in der betreffenden Krankheit 74
nd — des Ostens nennen, zweites deutsches Kaisertum...“
3 1 2 4
die meisten von giftigen Gasen gelb angelaufen. Auf ihnen
N
5
auf irts
nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
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