Ausgabe 
(30.7.1915) 177. Zweites Blatt
Seite
169
 
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Wüulste sitzen. Strahlenförmi

Ceiesige, kegelförmige Basaltmasse,

6 zweites Blatt f

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal

wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Feit⸗ erscheinen monatlich zweimal.

fragen

Die Duma hat das Wort.

In tragischer Stunde tritt die russische Reichsduma rn Verzweifelt versuchen die Millionenheere Ruß- ands sich der furchtbaren eisernen Umklammerung Hinden burgs und Mackensens zu erwehren. Warschau ist bedroht; das Schicksal Russisch-Polens scheint sich zu erfüllen. Noch nimmt die ungeheure Entscheidungsschlacht, die größte, die die Weltgeschichte jemals gesehen, ihren unerbittlichen Fort gang, und unter ihrem entsetzlichen Alpdruck versammeln ich in Petersburg die Vertreter des russischen Volkes. Als Zar Nikolaus nach den ersten schweren Niederlagen seiner Armeen in Galtzien, die den Auftakt zu der jetzt drohenden Katastrophe bildeten, den Ukas an sein Volt richtete, in dem er seinen unerschütterlichen Willen kundgab, den Krieg trotz vorübergehender Fehlschläge fortzuführen bis zumsieg

eichen Ende, und gleichzeitig die Einberufung der Volks- tretung versprach, mag er wohl gehofft haben, daß sich bis zu dem Tage des Zasammentritts der Duma die mili⸗ Miese e Lage Rußlands günstiger gestaltet haben würde. Diese Hoffnung ist bitter getäuscht worden. Seitdem der Be scher aller Reußen zum letzten Male zu seinen Völkern sprach, hat Rußland auf den Schlachtfeldern in Galizien und len nur neue, noch folgenschwerere Niederlagen erlitten, und die so lange zum Schweigen verurteilte Duma wird just während der letzten Phase des gewaltigen Entschei dungsringens zu Worte kommen. Hätten der Zar und seine Ratgeber dieses unglückselige Zusammentreffen ahnen können, so würden sie sicherlich das Parlament niemals ein berufen haben. Aber heute wagt selbst der russische Allein scher nicht mehr, sein feierliches Versprechen nicht zu alten. Das Parlament verlangt, auch einmal zu Worte zu kommen, und die militärische und wirtschaftliche Lage Ruß lands ist so düster und gefahrdrohend, daß ihm dieser Wunsch nicht verwehrt werden kann, wenn sich nicht nach langer Zeit wieder das Gespenst der Revolution erheben soll.

Die Duma hat das Wort. Wird sie wirklich den Mut und die Möglichkeit haben, offen und ungehemmt zu sprechen? Das ist die Frage. Es fehlt nicht an Anzeichen, daß die russische Regierung, die allen Grund hat, eine Kritik ihrer Handlungen wührend des vergangenen Kriegs jahres zu fürchten, alles daran setzen wird, um der Volks- vertretung die Wortfreiheit zu beschneiden. So hat der Dumapräftdent bereits vorgeschlagen, die Erklärungen der Regierung möchten in geheimer Sitzung erfolgen, und als sich die Kadettenpartei gegen diesen Ausschluß der Oeffent⸗ lichkeit sträubte, wurde der 1 5 gemacht, wenigstens die Debatte über die Regierungserklärungen hinter ver⸗ schlossenen Türen zu führen! Die Angst der russischen Macht⸗

er vor der Wahrheit kennt eben keine Grenzen. So hat

die russische Kriegspartei, die mit Hilfe ihrer eng⸗ chen und französischen Verbündeten Deutschland in weni⸗

Monaten niederzuringen glaubte, die politische Situa⸗

n nach einem Kriegsjahr gewiß nicht gedacht. ö Auch in Frankreich und England träumte man sichs anders, als man vor einem Jahre fröhlich auszog, um Deutschland zu zerschmettern. Aber unsern gallischen Fein⸗ den fehlt niemals die Freude an der schönen Phrase, die sie über alle erlittenen bitteren Enttäuschungen hinweg⸗ tröstet. Auch die französische Kammer wird, wie die russische Duma, in den ersten Tagen des August zu einer feierlichen Sitzung zusammenkommen, in der Herr Viviani im Namen der Regierung und Herr Des chanel im Namen des Parlaments Reden halten werden. In diesen Reden ol dieheilige Einheit Frankreichs zum Aus- * kommen, und die anze Sitzung ist als eine Art Jubiläumssitzung anläßlich der Wiederkehr des

es der Kriegserklärung gedacht. Wahrlich eine f. rbare Jubelfeier, in der die Erinnerung an ihre eigenen Niederlagen begehen wollen. Aber der Gedanke hat trotzdem auch im verbündeten England Widerhall geweckt, denn das englischeZentralkomitee für nationale patriotische Vereine bereitet ebenfalls für den

1 165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Franzosen die

N

4. August Versammlungen nicht nur in Großbritannien, sondern im ganzen britischen Weltreich vor, in denen der Jahrestag des Kriegsausbruchs gefeiert werden soll. Auch in dieser ernsten Zeit gibt es heikere Momente! Die Fran⸗ zosen wollen die bald einjährige Besetzung des reichsten Industriegebiets durch die siegreichen deutschen Truppen feiern, die Engländer die Lahmlegung ihrer Flotte durch die deutschen Unterseeboote! Von einer Beteiligung der russischen Verbündeten an dieser Jahresfeier ist jedoch nicht die Rede. Und nach den Nachrichten, die über die Stimmung der russischen Abgeordneten zu uns dringen, scheint die Reichsduma, in der vonheiliger Einheit nicht viel zu merlen ist, wenig Lust zu verspüren, dem Beispiel des fran⸗ zösischen Parlaments zu folgen. Der Zar und der Großfürst Generalissimus werden meinen: Leider! 7 Petersburg, 29. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphen-⸗Agentur: Der Ministerrat hat der Einbringung eines Gesetzes in der Dum a zugestimmt, wodurch ein besonderer Beratungs-Ausschuß für die Vereinheitlichung der Maßnahmen zur nationalen Verteidigung eingesetzt werden soll. Anklagematerial gegen die politik der Entente aus den belgischen Archiven. Berlin, 29. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) DieNord- deutsche Allgemeine Zeitung beginnt heute in einer Sonderbeilage mit der Veröffentlichung von den in Brüssel vor- 47 1 75 Berichten der belgischen Vertreter in Berlin, London und Paris an den Minister des Aeußern in Brüssel aus den Jahren 1905 bis 1914. Unter der Ueberschrift Aus belgischen Archiven bemerkf dieNorddeutsche All- gemeine Zeitung u. a. hierzu: Die Archive der belgischen Re- 1 förderten bereits verschiedene Dokumente von geschicht⸗ icher Bedeutung zutage. Erneute Nachsorschungen führten zum Auffinden weiteren wertvollen Materials, nämlich der Berichte der belgischen Gesandten im Auslande an die belgische Regierung. Die Instruktionen an die Gesandten wurden nicht aufgefunden. Die belgische Regierung scheint sie mit sich fortgeführt zu haben, ebenso wie die auf die belgische Neutralität bezüglichen Faszikel. Die aufgefundenen gesandtschaftlichen Berichte bieten ein unge- wöhnliches Interesse als Quellenmaterial für die Vorgeschichte des Krieges. Ihre Bedeutung liegt darin, daß sie geschrieben sind von den Vertretern eines Staates, der an der großen Weltpolitik nur mittelbar und sozusagen nur als Zuschauer beteiligt war. Die Berichte können daher Anspruch erheben, als eine objektive diplomatische Darstellung der internationalen Ausbruch des Kri anz dem französi ie Westmächte in druck fanden in

Ereignisse vorausahnte, die nur und in so verhängnisvoller Weise in die Geschicke Belgiens eingegriffen haben.

Die heutige Sonderbeilage enthält eine Reihe von Berichten Jahr 1905 war das Jahr der russi⸗

Es war das Jahr des zwei⸗ das wie die Entente von

der NameVogelsberg.

Es gibt Torheiten, auf die mögen Kundige noch so oft auf merksam machen, immer wieder wagen sie sich hervor und spuken in den Köpfen Unkundiger weiter. Zu diesen Torheiten gehört der NameVogels gebirge, der sich sogar in erdkundliche Lehr⸗ bücher und auf Landkarten südlich durch die Künzig vom Spessart, westlich durch die Wetterau vom Taunus und durch die Lahn vom Westerwalde, östlich durch die Fulda von der Rhön getrennt wird, im Norden an das Knüll⸗ birge reicht und den größten Teil der hessischen Prodinz Ober⸗

215 einnimmt, heißt Vogels ber

teres ist eine willtürliche, jüngere und gänzlich irri schöpfung, für die weder eine sprachlich liche Notwendigkeit 1 noch auch ein Recht besteht; sie ist im birge selbst durchaus nicht boden ständig und wird auch von keinem echten Vogelsberger gebraucht. Die Ursache des Irrtums liegt wohl in dem Gedanken, daß man ein* nicht Berg nennen könne. Das Wort Gebirge ist aber jünger als das Work Berg, und dieses meint nach seiner Grundbedeutung lediglichdas Hohe, das Erhabene.(Vergleiche Weigand. Deutsches Wörterbuch.) Es besteht also sprachlich nicht der mindeste Grund gegen den Namen Vogelsberg. Eine 3 Erscheinung haben wir a z. B. in Namen wie Odenwald, chwarzwald, Böhmer Wald. Hier handelt es sich doch ebenfalls nicht um eine einzelne, abgegrenzte Waldung. Hier meint man vielmehr weite, wechselnde Landschaften mit Wäldern, Tälern, Ortschaften, Wiesen uff. Man beachte ferner, daß der Taunus sowohl in der Erdkunde als auch bei den Bewohnern auch die. heißt. Zum Vergleiche darf darauf hingewiesen werden, 5 in der lateinischen Sprache mons 1 und silva= ld zur Bezeichnung ganzer Gebirge dienen. Jucleta mons sind osegus mons ist der Wasgenwald, Gabreta silva Auch das französische montagne und das Gebirge bedeuten

Neu⸗ e oder eine erdkund⸗

Höhen,

da Wa

die Sudeten, V.

der Böhmer Wald uff. englische mountain können Berg und

Aus erd in seiner engeren Bedeutung unendlich viel passender für den Vogelsberg, den man mit dem erdkundlichen SchlagworteDeut⸗ scher Aetng bezeichnet hat, als es das Wort Gebirge im land⸗ lrfi Sinne wäre. n der Vogelsberg bildet eine einzige, und zwar die größte in Deutsch⸗ einzelnen Erhebungen, wie kleine Kuppen oder Stra streichen allseitig die Täler hinab und nehmen die reichen Wasserläufe auf. 0

Geschichtlich ist der Name Vogelsgebirge gänzlich unhalt⸗ bar, da gerade in den ältessen Urkunden nur der Name Vogelsberg delegt ist. Der älteste Beleg findet sich im Weistum von Flor⸗

tak vom Jahre 1236, wo der Name Jvygelsberg lautet. Um 1370

auf der

eingeschlichen hat. Das Gebirge, das

g und nicht Vogelsgebirge. d ng

eschichtliches]

kundlichen Gründen ist der Name Berg gerade

wird ein Hausbesitzer

Der

2

drücklich abgelehnt, Auch Professor Dr. O. Buchner

trage desVogelsberger Höhen-Klubs herausgab,

Zeit auch in einige bessere Kartenwerke eingeschlichen hat, ab⸗

zulehnen. Professor Dr. W Sievers, Vertreter der erdkundlichen Wissenschaft an der Ludwigs⸗Universität zu Gießen, äußert sich

in einem Briefe an mich in folgenden Worten:Der Name Vogels⸗ gebirge ist eine Entstellung. Nicht kundige Geographen haben geglaubt, daß ein Gebirge, als welches der Vogelsberg gewiß

anzusehen ist, keinBerg sein könne, und in ihren Schriften den

Goethe hat bekanntlich die Baukunst als eine

Freitag, 30. Juli 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, Gießen.

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straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗

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durch das verbündete Japan unter Ausnutzung der französisch⸗ russischen Allianz eine Brücke zu einer russisch englischen Verstäu⸗ digung zu schlagen. Das kaum verschleierte Ziel war, eine große antideutsche Kombination zu schaffen, ein Werkzeug, das, wenn Tag und Stunde günstig war, zur Vernichtung der aufstrebenden Kraft Deutschlands dienen sollte. Parallel ging diesen Anschlä⸗ gen die Tätigkeit der deutschfeindlichen Presse, die ihren Mittel⸗ punkt in London hatte und bemüht war, die gegen Deutschland gerichtete Tendenz zur herrschenden in der öffentlichen Meinung Englands zu machen. Sie fand ein Echo in Frankreich und bald auch in Rußland und verstand in der Folgezeit alle Schachzüge der gegen uns gerichteten Politik des englischen Kabinetts erst einzuleiten und dann als nationale Notwendigkeiten zu recht⸗ fertigen. Die Befürchtungen, welche diese Wühlpolitik Englands hervorrufen mußte, wurden von den Vertretern Belgiens recht⸗ zeitig erkannt und mit Sorge verfolgt. Graf Lalain g, der bel⸗ gische Gesandte in London, Baron Grein dl, der ausgezeichnete Vertreter Belgiens in Berlin, und Herr A. Leghait, der den Brüsseler Hof in Paris vertrat, wiesen mit gleicher Aufmerksam⸗ leit auf die Gefahren der sich vorbereitenden Entwicklung in ihren Berichten hin. Am 7. Februar spricht sich Lalaing dahin aus, daß die Feindseligkeit Englands auf Neid und Furcht vor den Zukunfts⸗ möglichkeiten zurückzuführen sei und daß die Agitation der Presse und die drohende Rede des Admirals Lee an das englische Publikum zu der chauvinistischen Vorstellung führte, daß Deutsch⸗ land überhaupt kein Recht habe, seine Flotte zu vermehren. Wenige Tage danach gibt Greindl diesen Gedanken noch schärferen Ausdruck und weist auf den rein defensiven Charakter der deutschen Kriegsmarine hin. Die wahre Ursache des Hasses der Engländer gegen Deutschland sei die Eiferfucht, welche die

außerordentliche Entwickelung der deutschen Handelsflotte und des

Handels und der Industrie Deutschlands hervorgerufen haben. Ein wesentliches Motiv zu der Entente mit Frankreich sei für Eng⸗ land der Wunsch gewesen, freie Hand gegen Deutschland zu haben. Im April und Mai, als das Eintreffen Ka

uns die belgischen Berichte volles Verständnis für die Haltung Teutschlands in der Marokkofrage. Herr Leg halt macht auf den demonstrativen Charakter der Reise aufmerksam, die gleich nach Delcasses Sturz den König Eduard VII. nach Paris führte. Die

Intrigen, die dahin gingen, den Zufammentritt der Konferenz.

zu verhindern, treten dabei recht plötzlich zutage und führen

Leghait zu dem charakteristischen Schluß, daß man wohl versucht 2

sein könne, der wohlwollenden Politik, die England Frankreich gegenüber befolge, macchiavellistische Absichten zuzuschreiben. Leg⸗ hait spricht dies in einer späteren Depesche ganz direkt aus, daß es die Schuld Delcassés war, daß er sich einbildete, über das Schicksal Marokkos bestimmen zu können, ohne mit den Interessen Teutschlands zu rechnen Auch Graf dür sel, der im Juli und August Greindl in Berlin vertrat, weist auf die Feindselig⸗

keit der englischen Politik d lo. vorübergehen, um Deutschland Schwierigkeiten zu bereiten. So habe es während des Aufstandes in Südwestafrika die Hererds

als kriegführende Macht anerkannt und dem Cap verboten, uns 25

Proviant und Munition zuzuführen.

Greindl verfolgt mit Sorge die Kampagne der 5 2 2 3 9

Deut

d li Fium Rußland gegen und der* Finanz, u 2

winnen und sieht eine Kombination ent

Jahre des europäischen Friedens, jetzt ist r ü der Zersetzung geschwächt, in dem sich! reich⸗Ungarn befindet.

Die neue Tripel⸗Entente, Frankreich, England und Rußland, wird

den Dreibund nicht ersetzen, sondern vielmehr die Ursache steter

Beunruhigung sein. Unmöglich sei der Anschluß Rußlands an Eng⸗ 1

land nicht. Die Entente sei noch unwahrscheinlicher gewesen, aber Rußland hasse Deutschland als Nachbarn, dessen Zivilisation der

barbarische Stolz der Russen als Demütigung empfinde. Der

jetzige Krieg bildet die glänzendste Widerlegung des Urteils, das Greindl hier über den Zustand der Zersetzung unseres österreichisch⸗ ungarischen Bundesgenossen fällte. Er verfiel demselben schweren 1 Irrtum, mit dem auch unsere Gegner in den Krieg gegangen sind. Im Oktober wirft er die Frage auf, ob wohl die Leute, die sich in England stellten, als fürchteten sie eine deutsche Invasion die doch unmöglich sei aufrichtig seien, und seine Befürchtung ist, daß sie den Konflikt herbeizuführen suchen, um

Das würde, schreibt er, den Ueberlieferungen der englischen Politik durchaus entsprechen. Die letzte Greindlsche Depesche läuft in die Frage aus: Ich frage mich, wann Deutsch⸗ land die englische Politik durchkreuzte. Sollten es die Erinnerun⸗ gen an des Kaisers Krüger⸗Telegramm nach der Gefangennahm⸗

lands zu vernichten.

Namenverballhornisiert. In Oberhessen heißt das Gebirge nur der Vogelsberg. 8.

Ueber die Herkunft des Namen s gehen die Ansichten auseinander. Buchner schreibt, und Sturmfels schließt sich ihm an:Wahrscheinlich hat die jetzt kahle, 600 Meter hohe Kuppe des Vogelsberges, 4 Kilometer nordnordöstlich von Ulrichstein, die Veranlassung zur Benennung des ganzen Gebirges gegeben. Sturm- fels sagt dann weiter:Vielleicht hat auch die Kuppe der 570 Meter hohen Fugelsburg(früher Fogalesberg Berg des Fugal, Fogal, in heutiger Form Vogel) bei dem Torfe Völzberg, 3 Kilometer südöstlich von Hartmannshain, dem Gebirge den Namen gegeben. Dann läge der Name eines Mannes zugrunde, der vermutlich dort im Gebiete größeres Besitztum hatte. Sturmfels meint dann weiter: Vielleicht verdankt der Vogelsberg auch seinen Namen dem Reich⸗ tume an Vögeln, die seine herrlichen Wälder beleben.

Welcher Bedeutung man auch immer sich zuneigen will, eines steht jedenfalls fest, zulässig ist als Name des Gebirges ausschließ⸗ lichDer Vogelsberg, und wir in Hessen haben nicht die mindeste Lust, uns diesen bodenständigen, alten und passenden Namen verfälschen zu lassen. Hg.

*

Schopenhauer, Goethe und die Kathe⸗ dralen. Was für wunderliche Kapriolen die Franzosen machen, um Steine zu finden, die sie gegen die bösen Deutschen werfen können, das übersteigt jetzt schon selbst die kühnsten Erwartungen. So wird jetzt in einem Aufsatze desTemps Schopenhauer als Zeuge heraufbeschworen, um zu erweisen, daß die. Deutschen von alters her eine Feindschaft gegen die Baukunst haben, aus der heraus sie mit besonderer nne ihre Geschosse auf den Dom von Reims, auf die Hallen von Ypern usw. richten. Man höre

und staune] Bei Schopenhauer findet sich eine Aufzeichnung, die

sich mit einem Ausspruche Goethes über die Baukunst beschäftigt. 8 Art gefrorener Musik bezeich und die Ansicht vertreten, daß sie in ihren Wirkungen viele Aehnlichkeit mit der Mufik aufweise. Schopenhauer hat an dieser Auffassung Goethes Anstoß genommen. Für ihn stand die Baukunst viel mehr unter allen Künsten am niedrigsten, weil sie an den Stoff gebunden sei und sich nur mit Mühe über den bloßen Nützlichkeits-Zweck zu erheben imstande sei. Die Analogie zwischen der Symmetrie in der Baukunst und dem Rhythmus in der Musik schien ihm nur äußerlicher Art zu sein. Die Musik hat er bekanntlich als die höchste, als die absoluteste aller Künste verehrt, die uns allein das wirkliche Sein und innerste Wesen der Welt offenbare, während er die Bankunst an das andere Ende der Stufenleiter der Künste gestellt sehen wollte. Offenbar geht nun die Verschiedenheit der Ansichten Goethes und Schopenhauers in erster Linie auf eine Verschiedenheit ihrer persönlichen Geistesverfassung zurück: Goethe

hatte im höchsten Maße dasäußere Gesicht e wie es die Griechen ö

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0Kaiser Wilhelms in Tanger und der darauffolgende Sturz Delcassés in England einen wahren Sturm der Entristung hervorxief, zeigen

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hin. England lasse keine Gelegenheit

N scheint. Der von Deutschland geführte Dreibund 8 9

um die Kriegs- und Handelsflotte und damit den ganzen auswärtigen Handel Deutsch⸗ 5

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