. ob Sweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den kreis ießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Donnerstag, 29. Juli 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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Die Argonnenkämpfe vom 20. Juni bis 2. Juli. 1
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Unter geschickter Ausnutzung des unwegsamen Argonnen-Wald—⸗ irges war es den Franzosen Ende September gelungen, starke äfte wie einen Keil zwischen die westlich und östlich der Argonnen kämpfenden deutschen Truppen zu treiben. Gleichzeitig von Mont- blainville und Varennes aus östlicher Richtung und von Nord— westen über Binarville drangen die Deutschen in die Wälder ein. geringsten Widerstand fanden die Teile, die an der Straße Varennes—Le Four de Paris durch die Osthälste der Ar- gonnen vorgingen. Hier gelang es schnell, die Franzosen bis an das Tal der Biesme bei Four de Paris zurückzuwerfen. Um den Rest des Keils in den westlichen Argonnen zu beseitigen, mußte die über das Moreau⸗Tal⸗-Bagatelle-Pavillon-St. Hubert⸗ Pavillon vorgebogene Stellung eingedrückt werden. Die beiden 1 Pavillons wurden nach einigen Tagen weggenommen. aber kostete es Wochen und Monate der erbittertsten und blutigsten Nahkämpfe, um die Franzosen Schritt für Schritt und Graben für Graben zurückzudrängen. Es vergingen in den Wintermonaten keine acht Tage, ohne daß irgendwo dem Feinde ein Graben, ein Blockhaus oder ein Stüßzpunkt entrissen wurde, bald von kleinen Pionier und Infanterieabteilungen, bald von * Verbänden bis zu Brigaden und Divistonen. Während die Franzosen sich mit zäher, unermüdlicher Widerstandskraft unmer wieder an jedes kleine Grabenstück und Postenloch klammerten, benutzten sie die so gewonnene Zeit, um sich hinter ihrer Front als neuen Rüghalt eine Reihe von Stützpunkten zu schaffen, die sie mit allen Mitteln moderner Feldbefestigungskunst. ausbauten. Im Dezember hatten die von Osten vordringenden Truppen den Rand des tief eingeschnittenen Charme-Bachtales erreicht. Bald darauf, am 29. Januar, stürmten württembergische Regimenter drei starke, hintereinanderliegende französische Stellun⸗ 2 südlich des Moreau Tales. So waren die Deutschen von eiden Seiten vors der Linie der neuen feindlichen Befestigungen angekommen. Auf dem Höhenrücken, der sich aus der Gegend des Bagatelle-Pavillons nach Westen über den Argonnenrand bis nach Servon hinzieht, lagen die befestigten Werke Labordore, Martin, Central, Cimetisre und Bagatelle. Nach Südosten zweigt sich von diesem Höhenzug die sogenannte Eselsnase ab, auf deren Rücken die Franzosen ebenfalls außerordentlich starke, etagen— förmig angeordnete Stellungen ausgebaut hatten, die in unmittel⸗ barem Zusammenhang mit dem Bagatelle-Werk standen. Nach Osten und Südosten fallen die steilen Hänge der Eselsnase in das tief eingeschnittene Charme-Bachtal ab. Auch östlich von dieser Schlucht saßen die Franzosen noch in einigen zähe verteidigten Stützpunkten, genannt„Storchennest“,„Rheinbabenhöhe“ und „St. Hubert⸗Rücken“. Ein Blick auf die Karte zeigt, welchen Wert für die Deuts die Wegnahme der feindlichen Anlagen ben mußte. Wur doch dann die Franzosen ihrer über⸗ öhenden, von der natürlichen Boden, estaltung zu Festungen ge⸗ ffenen Stellungen beraubt und— die in das Biesmetal ab⸗ allenden Berghänge in eine erheblich ungünstigere Lage zurück⸗ gedrängt. . So war also die Erstürmung der französischen Werke nördlich von der Straße Servon—Montblainville und an den Hängen des Cbarme-Bachtales das Ziel der unter der Führung des Generals v. Mudra in den Argonnen kämpfenden Truppen.
In mühsamer Arbeit und unter fortgesetzten Kämpfen arbeiteten sich Infanterie und Pioniere auf der ganzen Front mit Sappen und Minenstollen Schritt für Schritt bis auf Sturmentfernung an 15 feindliche Hauptstellung heran. Die Franzosen ahnten, was ihnen blühte, denn sie schoben in letzter Zeit immer mehr Truppen
in den schmalen Abschnitt der Westargonnen: Außer dem seit Ja⸗
nuar dort befindlichen XXXII. Armeekorps wurden nacheinander
5 5 neuformierte 126. Infanteriedivision aus der Gegend nordwest⸗ lich von Verdun und die 150. Infanteriebrigade aus dem, Bereich
des V. Armeekorps herangezogen. Mitte Juni war es schließlich
so weit, daß der große Angriff ausgeführt werden konnte. Um
ö den entscheidenden Stoß gegen die Werke Central—Cimetidre—
Bagatelle—Eselsnase die nötige Ellenbogenfreiheit zu gewinnen,
mußten zunächst das in der rechten Flanke gelegene Labordérewerk
die starken Stellungen an der Straße Binarville— Vienne la
„Wer ein Uind aufnimmt in meinem Namen,
der nimmt mich auf.“
Regierung und Volk treffen Vorbereitungen mannigfacher Art, um die Ernte des neuen Jahres zu sichern. Und eingefleischte Stadtmenschen, welche sonst immer nur„schönes Wetter“ haben. wollen und dem guten Petrus grollen ob jeden Regengusses, den er hernieder sendet, lugen sehnsuchtsvoll nach Wolken aus und flehen Regen herab für unsere Felder.
Es reifen uns aber noch andere Saaten als die da draußen, deren Gedeihen für die Zukunft unseres Volkes nicht weniger wichtig ist. Und auch für die Hälmchen und Halme dieser Saat ist es von größter Wichtigkeit, daß ihnen Regen und Sonnenschein in richtigem Maße zuteil werde. Und hier sind wir gottlob nicht abhängig von Wind und Wetter— hier haben wir selber die Macht, Hilfe zu schaffen, sobald wir den Willen dazu haben.
Ich spreche von dem Nindersegen unseres deutschen Volkes, von dieser wichtigsten Aussaat für die Zukunft, die uns eing Bürgschaft sein soll für bessere Zeiten und für ein ferneres, kraftvolles Gedeihen unseres Deutschtums.
Fällt der Mehltau auf diese emporsprossende Saat— dann
wehe dir, Deutschland! „Nicht der höllische Sturm, der über die Völker des Erdballs dahinbraust, knickt uns diese Blüten. Die Natur schützt den Menschen— Frühling nach weiser göttlicher Vorsehung dadurch, daß sie jedes Alter nur nach seiner Kraft und seinem Vermögen jegliches Schwere empfinden läßt. Und so erklärt es sich auf höchst natürliche Weise, daß unsere Schuljugend sich nicht lange bei etwelchen Verlusten aufhält, sondern lieber jubelnd unsere Siege feiert. Also nicht der Orkan, welcher die Meere aufwühlt, die Länder verwüstet, die Menschen durcheinander würfelt und in arimmem Zorn gegeneinander beitscht— sondern die Begleit- erscheinungen dieses Orkans sind es, die uns viel zartes Wachs⸗ tum, viele frohe Entwickelung unserer Jugend zerstören.
Kummer und seelisches Versagen der oft hartgeprüften Mutter, Verzagtheit, Kleinmut, Nörgeleien, ja, gestehen wir es offen, — 19 Mangel an Lebensreife in dieser schweren und doch so großen Zeit der Heimsuchung, kurz, Mangel an reiner Luft und an warmem belebendem Sonnenschein im buchstäblichen und im bildlichen Sinne: Kinderseelen legt und sie am Wachstum und Gedeihen hindert. Und selbst, wo die Umgebung ihr Aeußerstes tut, um in den größeren Städten und in dem Steinmeer der Großstadt den
ndern ein bißchen freie Luft zu verschaffen— es bleibt doch nur ein Notbehelf!—
Da schreitet ungesehen und doch pernehmbar der große„Kinder freund“ durchs weite ind. Und wo ein behäbiges Bauern— 5. srün seines Obstgartens hervorlugt, ein bescheidenes Häuschen im freundlichen Blumengarten ein- d winkt, wo im Walde und an der See Erholungsstätten der
das ist der Mehltau, der sich auf die zarten I.
stattlicher Gutshof sich zeigt, wo neben der
Chateau weggenommen werden. Dieser vorbereitende Angriff wurde am 20. Juni, der Hauptstoß am 30. Juni und 2. Juli ausgeführt.
——
Kriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Makow, 21. Juli. Vor Pultusk.
In dem stürmischen Vormarsche ist ein Atemholen eingetreten. Die schweren Geschütze müssen jetzt sprechen: wir sind dicht vor Pultusk. Die Straße von Ostrolenka nach Pultusk liegt im Ar⸗ tilleriefeuer, das noch langsam und in großen Pausen einsetzt. Als ich heute durch das schöne, saftgrüne Wiesental der Oshitz zur Front fuhr, fielen ein Dutzend Schüsse während des ganzen Vormittags. Nur die Ballonabwehrkanonen hatten etwas zu tun, da ein russischer Flieger sich in Richtung Malow sehen ließ. Vor den aufsteigenden Schrapnellwölkchen flog er bald in Richtung des Narew zurück.
In dem schnell fließenden klaren Wasser der Oshitz badeten die Truppen den Staub der letzten schweren Märsche herunter 5 soweit sie nicht in der Schützenlinie standen. Gestern hatten die Russen mit einem frischen Korps angegriffen, allerdings ohne große Kraft; trotzdem war der Tag heiß und die nächsten Tage versprachen noch heißere Arbeit.
Das Gefühl, daß„es geht“,„glänzend geht“, und diese Freude über die ungeheure Offensive mit ihrem greifbaren Erfolg Tag für Tag ist in jedem Mann lebendig. Es geht manches Gefühlchen in solchen schweren Tagen verloren, aber das starke Gefühl bleibt. In dem Gutspark von dem Vorwerk Kobylin liegen die Gräber der dort in heftigen Kämpfen Gefallenen. Ihrem Hauptmann und Batteriechef haben die Leute— müde und noch im Gefecht fest— ein Grab gemacht, von dem die paar Blumen mühsam genug geholt werden mußten. An dem schönen sauberen Kreuz hängen. ein paar Stunden Appbeit und starkes deutsches Soldatengedenken. Wie viele solcher, mib rührender Sorge geschmückten Gräber habe ich gesehen in diesen Tagen und eines gemerkt, je länger dies alles währt, desto heißer fühlen sie sich zusammen, alle, deren Leben, unter den Kanonen steht, denen die Heimat ein ferner guter Traum ist und deren täglicher Wills und Gedanke dem Siege gehört.
Vor Kobylin liegt das Feld— Kartoffelacker und niedriger Hafer—, auf dem Landwehr und Reserven die russische Kavallerie— attacke der 14. Husaren und Kosaken abwehrten. Eine weit ge⸗ schwungene Linie, in der sich dis Unseren leicht eingegraben hatten und davor 300 Meter, 400 bis 1000 liegt wohl alle 20 Schritt Pferd und Reiter. Vielleicht etwas über ein Dutzend Pferde sind über die Linie gekommen, sie liegen dicht hinter dem Infanterie⸗ graben, nur 5 oder 6 haben das Gutshaus von Kobylin erreicht, hier fand auch ihr Galopp ein Ende.
Das lichte Herrschaftshaus sieht deutsch aus. Es lag völlig verlassen hinter den schönen Parkbäumen und den noch sorgfältig eschnittenen Hecken. Das übliche Kriegsbild sonst, viel Wirrwarr, Kinderbilder, eine blonde Puppe, dann eine Nummer der„Illu⸗ stration“ vom 14. September 1912. Sie liegt zuoberst auf dem Schreibtisch. Ich schlage auf: Das erste Bild auf der ganzen Seite: „Ein Händedruck 0 neutralem Gelände“,„Wilhelm II. und General Pau“. Das Bild ist während der Schweizer Manöver 1912 aufgenommen. Unser Kaiser reicht dem sich tief verneigenden General die Hand. Pau, der 4870 den rechten Arm berlor, streckt die Linke hin. Es gibt merkwürdige Erinnerungen in diesen verlassenen Zimmern
Schloß, Park und Aecker sind völlig einsam, weder Truppen noch Bewohner: man fährt durchs Land, das gespenstisch in der Mittagshitze anmutet, wenn das Sonneflirren über den Roggen⸗ feldern das einzige Bewegen und ein Vogelrascheln das einzige Leben auf Meilen ist und das Schloß um die Felder von eben vergangenem Werktag tätiger Menschen sprechen.
Nach Makow zu wirds wieder lebendiger. In Prasznysz huschen nur die Katzen durch das verbrannte Gemäuer, aber Kolonnen rattern an dem kleinen weiß⸗gelben Rathaus, das unversehrt inmitten des Marktplatzes steht, vorbei. In Makow selbst herrscht dann das rührige Leben einer Stadt unmittelbar hinter der Linie. Alle Quartiere sind belegt,— aber alles Bier— leichtes kühles Warschauer Gebräu ist noch nicht getrunken. Die Leute freuen
Kirche das traute Pfarrhaus liegt, wo in stillem Gartenfrieden!
ein ländliches Lehrerhaus, oder am Waldesrande ein einsames Forst⸗ haus auftaucht; allüberall klopft der treuste Kinderfreund, klopft und klopft, bis die geschäftige Hausfrau horcht, bis Haustöchter und Mägde aufmerken. Sie sehen ihn nicht, den stillen Gast, aber deut⸗ lich hören sie seine Stimme, deutlich und unabweisbar:„Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf!“
„Was, Ihr habt ohnehin schon zuviel?“—„Das Brot reicht gerade für Euch und die Eurigen?“ Kennt Ihr denn nicht die Geschichte von der Witwe zu Sarepta und ihrem Oelkruge? oder traut Ihr Eurem Gott nicht mehr die alte Kraft zu?
„Ihr habt keinen Platz? Habt kein einziges überflüssiges Bett? Ist denn nicht der Vater oder der Sohn im Felde? Steht sein Bett nicht leer oder habt Ihr nicht einen Heuboden oder eine Kammer, die sich nett und sauber herrichten und in der sich mit Stroh oder Heu ein Lager richten ließe?„Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf“, dies Wort werdet Ihr nun nicht wieder los, das geht Euch nach und Ihr fühlt das Auge dessen, der es gesagt hat, liebreich fragend, mahnend und verheißend auf Euch ruhen. Ihr habt recht, Ihr lieben geplagten deutschen Frauen und Mädchen— es liegt schon viel auf Euren Schultern. Die drängende Arbeit in Feld und Garten muß geschafft werden, hängt doch der Eurigen und Eures Volkes Wohl davon ab. Aber unsere Feldgrauen an der Front, unsere Schützer und Helden haben es auch micht leicht— schwer und schwerer legen sich die Anforderungen des Tages auf ihre Schultern und sie versagen doch nicht! Sie halten durch, sie bilden eine Mauer von„sie zwingen den Feind, und wir Frauen daheim, wir wollten versagen, wir wollten nicht willig die Schultern hinhalten, um noch eine neue Bürde auf uns zu nehmen?„Nein— gebt her! wir wollen nicht hinter unsern Tapfern im Felde zurückstehen, wir wollen unsern redlichen Anteil an der Arbeit für unseres Volkes Zukunft.„Einer aber trage des andern Last“— wer hat doch dies köstliche Wort gesprochen?
Und handelt es sich denn in Wahrheit um eine Last? ist's nicht neben der Bürde eine Freude, eine große, herzerquickende Freude, die Ihr Euch gönnen sollt, die Ihr auch in bescheidenen Verhältnissen Euch gönnen dürft in dieser schweren Zeit?!
Auf vielen großen Besitzungen herrscht seit langem die schöne Sitte, für die mmerzeit ein paar Ferienkinder aufzunehmen. Ich kenne einige liebe deutsche Frauen, die nehmen solche Kinder nicht nur in ihr Haus, sie nehmen sie an ihr Herz und die warme Mütterlichkeit, mit welcher sie dieselben umfassen und umsorgen, folgt diesen später in ihr Werktagsleben wie eine leichte Erinnerung, erscheint ihnen wie ein goldglänzender Stern, und wer wagt den Sogen auszumessen, der Gebenden und Nehmenden aus solchem Verhältnisse wird? g
Mie mancher jungen Witwe winkt hier ein köstlicher Beruf und eine Arbeit, die ihr den besten Trost spenden würde! Wie manche Mutter, die ihren Sohn und ihres Lebens Hoffnung verlor und der das Herz fast fühllos wurde vor Schmerz, gewinnt wieder Leben und Liebe durch diese Arbeit an den Kindern. a
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nach vorn fährt, nachdem ich ihm die Quelle verraten habe.„Wohl bekomms!“„Wird schon! Wird schon!“ 3 5 Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Aus dem Reiche.
Berlin, 28. Juli.(WTB Nichtamtlich.) Die„Nordo, Allg. Ztg.“ schreibt über die Lage der deutschen Zivilgefangenen in Frankreich: Wie die Regie⸗ rung der Vereinigten Staaten von Amerika mitteilt, be⸗ suchte der Vertreter der amerikanischen Botschaft in Paris die Zivilgefangenenlager in Frankreich und berichtete über verschiedene Mißstände. Seine Wahrnehmungen sind der französischen Regierung mitgeteilt und von dieser nachher untersucht worden. Nach dem jetzt vorliegenden Bericht erkannte die französische Regierung die vorgebrachten Kla⸗ gen durchweg als berechtigt an und traf für die Beseiti— gung der Mißstände Anordnungen—
Berlin, 28. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kaise rin hat sich gestern abend nach Ostpreußen begeben und traf heute früh in Allenstein ein. Dort stieg die Kron⸗ prinzessin in den Salonwagen der Kaiserin. In Allen⸗ stein fand auch ein Empfang Hindenburg s statt. Die Weiterreise nach Neidenburg erfolgte in Begleitung des Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten.
Aus Stadt und Cand. a Gießen, 29. Juli 1915.
Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Res. Wilh. Heß, Res.-Inf.-Agt. 118, aus Worms.— Garde- süsilier Ludw. Müller. Inf.-Rgt. 115, aus Offenbach.— Res. Albert Hartmann, Res.⸗Ins.-Rat. 68, aus Niederscheld.— Ers.-⸗ Res. Karl Pfeiffer, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 83, aus Eile rtshausen.— Ers.⸗Res. Heinr. Lautenschläger, Inf.⸗Rgt. 168, aus Nieder- Beerbach.— Flis. Peter Schüler, Garde-Gren.-Rgt. 5, aus Darmstadt.— Off.-Stellv. Friz Lohmann, Landsturm-Rgt. 20, aus Dillenburg.— Landwehrm. Konr. Becker, Inf.-Rgt. 118, aus Schlitz.— Kriegssreiw. Gefr. Heinr. Ernst Friedr. Goerne 1 Drag.-Rgt. 23, aus Darmstadt.— Lt. d. L. Apotheker Gustav Reitz, Landsturm-Inf.⸗Bat. 2, aus Darmstadt.— Ers.-Res. August Specht, Landwehr ⸗Inf.-Rgt. 118, aus Leusel.— Leutn. stud. jur Willy Lahr, Inf.-Agt. 116, aus Wetzlar.— Vize wachtmeister
Albert Karl Schäfer, Res.-Ins.⸗Agt. 253, aus Offenbach a. M. T. Landsturm-Rekrut Karl Blammeser, Res.-Inf.-Agt. 221, aus Offenbach a. M.— Schütze Lorenz Fritz, Res.-Inf.-Rgt. 222, au Salzhausen. 5
* Selbstzünder⸗ Zigarren. Neuerdin garren zur Versendung ins Feld in den Handel gebracht wor⸗ den, die an ihrem vorderen Ende mit einer durch Reibun gent zündbaren Masse versehen sind. Diese sogenannten Sel bst⸗ ünder⸗(Eszet) Zigarren gehören zu den leicht entzünd⸗ lichen Gegenständen, die nach der Postordnung zur Versendung mit der Post nicht zugelassen sind. Vor Zuwider wird von der Postverwaltung dringend gewarnt.
Landkreis Gießen.
tt. Lich, 28. Juli. Der Maurermeister Heinrich Stengler von hier, gegenwärtig Vizefeldwebel im Fuß-Artillerie-Regiment Nr. 14, wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse aus-
J Birklar, 29. Juli. Gestern erhielt die Familie Gilbert Ott die Nachricht, daß ihr Sohn Heinrich, Vizefeldwebel im Res.⸗ Inf.-Regiment 222, der seit Anfang Juni vermißt wurde, sich ir russischer Gefangenschast befindet.
Kreis Alsfeld. l
Von der Ohm, 28. Juli. Eine eigentümliche Erscheinung in der Vogelwelt bietet, wie uns ein Naturfreund schreibt, das vollständige Verschwinden der Stare während der Reise unserer Vogelkirschen. Bis zum Eintritt dieser Reife flogen die
Im kleinen ländlichen Betriebe, wo die Arbeit drängt und dt werden kann auf die Sorge für tägliche War⸗ tung und Kost, könnten vielleicht eine Mutter mit einem oder zwei Kindern aufgenommen werden, und diese Mutter müßte dann
mit Hand anlegen und das Essen für ihre Wirte, für sich selber und ihre Kinder bereiten.
Keine Last machen, sondern nach besten Kräften helfen und sich der Hausordnung fügen, sei auch hier die Losung!
Viele größere Jungen und Mädchen sind wohl 8 sich, wenn es sein muß, nach Art der Wandervögel selbst ihre Kost zu bereiten; sie sind nach ein paar belehrenden Worten auch wohl imstande, das Vieh zu hüten, die Beete im Garten zu jäten, fleißig zu begießen, die Steige zu harken, Beeren und Pilze zu suchen. Reisig aus dem Walde zu holen und was dergleichen mehr ist Solche leichtere Arbeit im Freien ist äußerst gesund für die größerer Kinder und kann eine Hilfe sein für die gaftlichen Wirte.
Man sage nicht, Stadtkinder seien für derartige Arbeiten nicht zu gebrauchen. Stadtkinder, die zur Erholung ins Gebirge geschickt waren, wacker beim Heuen zugriffen und es ging ihnen bald von der Hand wie altgewohnte Arbeit und ist ihnen vorzüglich bekommen.
Mit gutem Willen von allen Seiten und mit der richtigen Auffassung der ganzen Sache gegenüber läßt sich viel erreichen.— Auf die Auffassung freilich kommt alles an!
In alten Lesebüchern findet sich häufig als Beispiel auf⸗ opfernder selbstloser Mutterliebe das Gedicht:„Der Löwe von Florenz.“ Der Inhalt ist kurz folgender: Der grimme Löwe bat seine Kette zerrissen, den Käfig zertrümmert und rast nun durch die Straßen der Stadt. Alles hat sich angstvoll in die Häuser geflüchtet, nur ein kleines Kind spielt ohne Verständnis für den Vorgang und deshalb furchtlos auf dem Marktplatze. Schon naht sich das brüllende Raubtier— das Kind scheint verloren— da stürzt sich eine Frau, die Mutter des Kindes, dem L6 gegen, hebt das Kindlein empor und trägt es vor den verblüfften Löwen eilenden Laufes in ihr Heim. Ihre Mutter⸗ liebe besiegte Schrecken und Todesgefahr.
Als Kind war ich jedesmal zu Tränen gerührt, wenn ich dies Gedicht las Jetzt empfinde ich anders. Verächtlich und unnatürlich erscheint mir jede Frau, die in gleicher Lage nicht in derselben. Weise handeln würde. Aber verächtlich und die, ob selber Mutter selbe wagte! Mütterlichkeit ist jedem kleinen Mädchen angeboren. Dieser tiefste und zarteste Zug im Weibe zeigt sich in früher Kindheit schon im beseelten Spiel mit der Weise den jüngeren Geschwistern oder Gefährten gegenüber. N Aber Mutterliebe, die nur ihr eigen Fleisch und Blut liebt und nur für dieses ihr Leben—
Augen des
jämmerlich erschiene mir auch jede Frau, oder nicht, für jedes fremde Kind nicht das!
Höchste, ist nur zu häufig mit Eigenliebe und Eitelkeit
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Alexander Zirkler, Drag.-Ngt 23, aus Darmstadt.— Ers.-Res. gs sind Zi⸗ handlungen
gezeichnet. 908
Ich habe des öfteren beobachtet, wie verwöhnte
Puppe, zeigt sich bald in oft rührender 1
als Spiel setzt, ist e


