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(28/07/1915) 175. Zweites Blatt
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0 8 5 1 e f N Sweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Familiendlätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Ein Jahr deutsche geldpost.

7 Man hat die Organisation und die Leistungen der deut 1 schen Feldpost von 1870, mals mustergültig bezeichnet. Das . waren sie auch. 104 Millionen Briefe hat die Feldpost da 5 mals vom 15. Juli 1870 bis Ende März 1871 befördert. 1 So etwas war noch nicht dagewesen, und die Feldpost 1 durfte mit Recht stolz darauf sein. Und was lheistett * unsere jetzige Feldpost? Nahezu 15½% Millio- nen Briefewerdentäglichvonahr verarbeitet. 1 Das ist das 35fache dessen, was die Feldpost 1870/71 täglich geschafft hat. Dabei haben die Feldpostbeamten von da mals auch im Schweiße ihres Angesichts gewirkt. 2300 waren es. Jetzt sind es 5400, also knapp mal mehr. Wenn diese dabei in einer Woche das leisten, was jene in Monaten bewältigt haben, so hat man wohl auch im jetzigen Kriege Anlaß, mit der Organisation der deutschen Jeldpost zufrieden zu sein. Denn nur aus ihr läßt sich eine derartige hervorragende Leistung erklären.

Nach der Front sind aus dem Deutschen Reich durch Vermittlung der heimischen Feldpostsammelstellen von e 1914 bis Ende Juli 1915 etwa 2,4 Milliarden Feldpostbriefe befördert worden. Da außerdem etwa 1,6 Milliarden Feldpostbriese im Felde aufgeliefert worden sind, umfaßt die gesamte Beförderungs leistung der deutschen Feldpost bis jetzt etwa 4 Milliarden Briefe. Bei den 23 heimischen Postsammelstellen ist das Personal seit Mitte August 1914 von 3100 Köpfen auf 13 bis 14009 angewachsen. Die Menge der täglich ins Feld gehen den Feldpostbriefsäcke, die im vorigen Dezember bei Ab beförderung der Weihnachts-Feldpost mit 29000 Stück den Höhepunkt erreicht hatte, stellt sich gegenwärtig auf 45000. Dies bedeutet eine Belastung der Feldpostbeförderungs 8 denen u. a. 800 Feldpostkraftwagen gehören, mit Millionen Kilogramm Briefpost täglich. 2

Nicht wenig haben zu der dauernd gesteigerten Be nutzung der deutschen Feldposteinrichtungen, wie sie in anderen kriegführenden Ländern auch nicht annähernd zu verzeichnen ist, die mannigfachen seit Kriegsbeginn ge 5 5 Verkehrsverbesserungen beigetragen. Dazu ge

hören die Ermäßigung des Portos für Feldpostbriefe über

500 Gramm bis 250 Gramm von 20 Pfg. auf 10 Pfg., die

8 Zulassung von Feldpostbriefen nach dem Heere im Gewicht von über 250 Gramm bis 500 Gramm, die Nichtbeanstan

dung von Gewichtsüberschreitungen bei den portopflich tigen Feldpostbriefen bis zu 10 Prozent des Höchstgewichts,

die Zulassung von Zeitungsbestellungen für Heeresange⸗ hörige durch Familienmitglieder in der Heimat oder andere Personen, die unentgeltliche Ausgabe von Feldpostkarten⸗ briefen an die Truppen im Felde, die Zulassung von Feld⸗

riefen mit Flüssigkeit, die Einführung besonderer Feld⸗

nweisungen zu Sparkassenzahlungen u. a. m. Auch

ie fortgesetzten und mannigfachen Bemühun der Post⸗ verwaltung, dem Publikum bei Benutzung 5 Feldpost⸗ einrichtungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sind der Ausgestaltung des Feldpostbriefverbehrs förderlich gewesen. Durch die 8 5 Oktober v. J. erfolgte Ausgabe eines besonderenMerkblatts für Feldpostsendungen, das seit⸗ dem in sechs weiteren, viele Hunderttausende von Exem plaren umfussenden Auflagen erschienen ist und das jeder mann auf Wunsch am Postschalter kostenfrei erhält, ist es den weitesten Kreisen des Publikums möglich geworden, sich über alle einschlägigen Fragen, namentlich auch hinsichtlich der Adressierung und Verpackung der Feldpostsendungen,

leicht und zuverlässig zu unterrichten. Gleichen Zwecken in a Verbindung mit praktischer Unterweisung dienen die auf 5 Betreiben der Postverwaltung dauernd vermehrten Kriegs schreibstuben und privaten Feldpostverpackungsstellen. Ihre Zahl ist allein seit Januar von 3000 auf etwa 8000 ge

iegen. Ueber die Hälfte davon sind in Schulen unter

Gießener Freilichtbühne.

Der Spenglermeister Bimbächer.

D du liebe, gute, alte Zeit, die du in deinem engen Kraut⸗ und Blumengärtlein noch Raum und Licht hattest für die rare

5 nze, die wir heut mit ein wenig Rührung und ein bischen heit, aber mit viel Ueberlegenheit Original nennen! Eine hohe Mauer war um dein Pflanzgärtlein, spitzgieblig und winklig

1 2 die brave Stadt darüber hinein, und draußen irgendwo 5 klang ganz' undeutlich das Getriebe der Welt. Drinnen aber blühte und duftete es in allen Farben und Formen, und Blumen Kräuter warens zufrieden und verlangten nach keiner Ver- edlung. Da sproßte noch aus dem goldenen Boden des Hand- werks und zwischen Hexingstonne und Zuckerhut die Ehrfurcht vor Schurzfell, Elle und selbstgeklebten Papierdüten; da galten noch g Hausmacherwurst und Spargroschen, und die Frühschoppenstunde Par der Mittelpunkt, wo Wohl und Wehe der Stadt und ihrer * Bürger fest verankert lagen. Du bist verschwunden und dahin, 8 25 Zeit der Originale! Asphalt und Straßenbahn und Miets⸗

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häuser haben dich langsam in die Erinnerung gedrängt, und 1 heute bringen wir nur mehr ein wehmütig Seufzerlein für deine

Tugend und Gott seis geklagt ein unehrerbietig Lachen

5 dein unmodernes Habit auf. Aber trotzdem ist unser Herz unbeteiligt, wenn von dir die Rede ist; wir suchen und en in deinem verknitterten Gesicht zuguterletzt, bekannte Züge, verwandtes Mienenspiel, und ganz am Ende verfließen die Grenzen, zu einem bösen Gegensatz zwischen uns kommt es nie. Wir

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165. Jahrgang

Gießener Anzeig

i General⸗Anzeiger für Oberhessen

Mittwoch, 28. Juli 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S8 51, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

gebracht. Auch werden auf Ersuchen der Postbehörde schon seit Monaten in zahlreichen oberen Volksschulklassen sowie in den meisten Fortbildungsschulen die Schüler über die wichtigsten Feldpostbestimmungen unterrichtet. Hierdurch ist erfreulicherweise eine Abminderung der vielen unrichtig adressierten und mangelhaft verpackten Feldpostbriefe er reicht worden. Freilich kommen noch immer täglich 150000 solcher Sendungen in der Heimat auf. Bei mehr als zwei Dritteln davon gelingt es den Bemühungen der Feldpost sammelstellen, ihnen den Weg zu weisen, der vermutlich zum Ziele führt. Und auch noch im Felde selbst scheut die Post keine Arbeit, umkranke Briefe wenn irgend möglich zu heilen, damit sie den Empfänger erreichen. Auf dem östlichen wie auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist aus schließlich zu dem Zweck dauernd eine Felopostanstalt tätig. Von diesen beidenFeldausgleichsstellen verarbeitet die jenige in St. Quentin, die mit nicht weniger als 50 Beam ten besetzt ist, täglich 12000 solcher oßt auf den ersten. Blick scheinbar ganz hoffnungsloser So ist es nicht nur der von der deutschen Feldpost bisher bewältigte riesenhafte Verkehr, der ihr unsere Hochachtung einträgt, sondern auch die unermüdliche Fürsorge, die sie jedem ihr anvertrauten Sendlinge zuteil werden läßt, mag er auch für die weite und beschwerliche Reise manchmal recht unzu länglich ausgerüstet worden sein.

Kriegsbriefe aus dem Gsten. Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Zur Einnahme von Rozan und Pultusk.

Makow, den 24. Juli.

Tas erste Vorwerk von Rozan fiel am 19. Juli, süddeutsche Truppen stießen in einem unerhört tapferen, 1600 Meter langen Sprung vorwärts und nahmen die Höhe 132 links und rechts der Reichsstraße Pultusk-Rozan. Die genommene russische Stellung wurde sofort als deutsche Sturmstellung ausgebaut. Sie ist keine 3 Kilometer von Rozan entfernt: durch das Scheren sernrohr konnte ich deutlich die roten Dächer und Giebel von Rozan erkennen, ebenso die hohen Erdwerke von Fort 234, hinter denen die Ziegeldächer von Kasernenbauten ziemlich unvor⸗ sichtig leuchteten. Die hübsche alte Kirche, auf deren Turm die russische Artilleriebeobachtung war, wurde mit 40 Schuß zertrümmert.

Am 22. wurde von norddeutschen Truppen die Höhe 105 genommen, von Höhe 132 konnte ich ganz deutlich die vernich⸗ tende Wirkung unserer aq schweren Artillerie beobachten, von der fast jeder Schuß saß. egen 2 Uhr zeigten die Russen eine weiße Fahne. Ueber 500 wurden gefangen genommen. Die Höhe 132 hatte derweilen ziemlich heftig unter russischem Artillerie- feuer zu leiden, die Granaten gingen dicht neben den Graben, der, San 7 Front natürlich verändert worden war, keinen guten Schutz bot. 0

Am 23. wurde Höhe 118 gegen 10 Uhr innerhalb 10 Minuten genommen, so daß der Kranz von festen Vorstellungen vor Rozan heute in deutscher Hand ist. Gleichzeitig begann in der Nacht vom 22. zum 23. die Beschießung von Pultusk mit ganz schweren Kalibern, und der Narewübergang wurde artileristisch mit unge⸗ heurer Wucht vorbereitet. Unter dem Dröhnen der allerschwersten Geschütze schien die ganze kleine Stadt Makow zu erzittern, die entsetzten Einwohner flüchteten in die Keller. Die schein⸗ bar jedenfalls nicht erhebliche Artillerie der Festung wurde so niedergehalten und die russis Stellungen südwestlich von Boby mit schwerstem Kaliber zugedeckt, ebenso wie der Brücken⸗ kopf von Chmeliewo, der sestungsähnlich ausgebaut war und den Uebergang über den Narew deckte. Gegen Mittag des 23. war das rechte Narewufer hier und an zwei Stellen oberhalb in der Hand der Stürmenden, und die Pioniere begannen unter feindlichem Feuer mit dem Brückenschlag. Unweit Cejo sah ich die wackeren nackenden Pioniermannschaften, wie sie ihre Schiffsbrücke über den Narew eben fertig bekamen. Die Sonne glänzte auf den weißen Körpern. Das russische Infanterie- und Maschinengewehrfeuer am andern Ufer war von der vorgezogenen Feldartillerie zum Schweigen ge bracht worden. Es war ein schönes Bild, das da heraufleuchtete

8 Aber die Polizei legte sich noch im letzten

Augenblick dazwischen, indem sie dem Zukünftigen Lowischens ein

Meinung der Leute in wohlwollender Ueberlegenheit zu dem Erb⸗ onkel des neuen Schwiegersohnes und zwax mit einem bordierten Kutscher, der ihm noch fünfzehn Gulden schuldig war. Was die beiden Autoren an köstlichen Episoden, an bodenständigem Mutter- witz und harmloser Frohlaung in diese Familientragikomödie hinein- gesponnen 185 läßt sich beim besten Willen nicht wiedergeben. Aus allen Winkeln heraus und auf Schritt und Tritt kichert und neckt die Lokalmuse und fegt unter allen möglichen Kapriolen den Staub von den Figuren aus dem Lachkabinett von anno dunnemals, so daß sie uns fast wie neu anmuten. Im Motto der Posse heißts: Man muß doch ebbes schwätze, wammer kahn steife Ehleboge hat. Das ist fraglos ein wenig bescheiden. Es handelt sich neben dem Schwätzen auch noch um ein lustig und ansehnlich Stückchen Heimatgeschichte, das Laune und Geschmack in eine überaus ge⸗ fällige Form gegossen haben Drum sei dem Bimbächer diese längere Betrachtung nicht mißgönnt, und der Freilichtbühne ihre lokalhistorische Tätigkeit doppelt gedankt.

War das gestern abend ein Gaudium im Stadttheater und eine Solidarität mit all den sonderbaren Käuzen auf der Bühne. Hinsichtlich der Kritik stehn die Liebhaberspieler gemeiniglich jen⸗ seit von Gut und Böse; wenn man sich aber des Jubels von gestern abend erinnert, den das ausverkaufte Haus nach jedem Aktschluß anstimmte, müßten einem auch so alle Waffen aus der Hand geschlagen sein. Dank der Mühe, die sich W W. Göttig mit seiner in der Hauptprobe von Direktor Steingoetter appro⸗ bierten Spielleitung gegeben hatte, klappte alles ausgezeichnet. Das Hauptverdfenst am Erfolg beansprucht die Wahrscheinlich⸗ keit, mit der W. Göttig den geräuschvollen Titelhelden auf die Bühne stellte, an dem übrigens vieles, was gut ist, gleichzeitig nicht eben häufig ist. So muß der Bimbächer ehn und ge⸗ redet haben; und weil jeder das fühlte, genügte am Schlusse ein Naseschneuzen oder Kopfkratzen, um die Stimmung hochzuhalten. Tann ist gleich Frl. Vetters zu nennen. Dem Gänuschen von Bürgerstöchterlein, das nur der gütige Zufall von einer bitter⸗ bösen Erfahrung bewahrt, gab sie viel Anmut und Schelmerei, die et mit der Hochnäsigkeit versöhnen konnten, mit der sie zuerst dem Windbeutel vor dem ehrlichen Liehhaber den Vorzug ab. Besagten Windbeutel, den Hochstapler Borne, gab Georg Jutz treffend als scharwenzelnden, süßlichen Jierbengel, während seinem schließlich doch erfolgreichen Widersacher Valtin Kurt Frey genau die gegenteiligen Töne lieh, die dem Gedanken nebst den handgreiflichen Gebärden so prompt auf dem Fuße zu folgen pflegen. Eine rühmenswerte Leistung war noch der wurmstichige

aus dem grünen Waldtal des Narem. Umso furchtbarer wirkten ein paar Kilometer weiter auf der Straße nach Pultusk die ge⸗ nommenen russischen Brückenkopfstellungen. Bei Grudusk und Osti⸗ nogera habe ich den Erfolg der deutschen Artillerie sehen können und meinte, stärkere Wirkung gäbe es nicht. Dies hier war grauen⸗ voller, ganze Grabenstücke waren bis obenhin mit Toten und Sterbenden und Schwer verwundeten, die sich in die erhaltenen Teile gerettet hatten, buchstäblich gefüllt. Das Feld lag voll Toter und Verwundeter, die nach Wasser schrien. Russische Gefangene und deutsche Sanitäter arbeiteten mit allen Kräften, Hilfe zu bringen. Wieder bewunderte ich die unermüdliche Arbeitskraft der deutschen Sanitätsmannschaften, von denen ich in diesen Tagen Wunder der Todesverachtung gesehen habe. Die russischen Verluste müssen hier über jedes Maß gewesen sein. Erstaunlich bleibt nur, daß die prachtvoll stürmenden deutschen Bataillone überhaupt noch Widerstand fanden, nachdem die Artillerie die Stellung ein- fach zu Klumpen zerschlagen hatte. f

Am Narew unten war inzwischen diese Pionierbrücke fertig geworden, und die erste Kompagnie überschritt den Fluß. Russi⸗ sches Maschinengewehr- und Infanteriefeuer setzte wieder ein, aber die Artillerie belegte den Waldrand so dicht, daß es bald ver⸗ stummte. Unten am Narewufer hinter einer kleinen bebuschten Insel lagerten inzwischen in der Abendsonne die Kompagnien, die übergehen sollten. Von Dunst, Rauch und dem Jammer des Schlachtfeldes war hier nichts zu spüren. Der Fluß zog still sich verbreiternd und wieder verengend zwischen den schönen grünen Waldufern. Die Leute, in allerbester Laune, konnten kaum er⸗ warten, den Narew zu überschreiten. Sie verschwanden drüben im Wald. Der war auch hier erzwungen. Nachdem so am 23. die Vorstellungen beider Festungen in unserem Besitz waren, wurde heute Rozan und Pultusk von den Russen geräumt. Der wichtige Teil der Narewlinie ist fest in unserer Hand. a

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

P 7* f Kriegsbriefe aus dem Westen.

Von unserm Kriegsberichterstatter. 4 uuberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, nerboben)*

Im Kriegsquartier des Grafen Haeseler. 8 Großes Hauptquartier, am 24. Juli. 1

Beim Besuche der Argonnenfront hatte ich Gelegenheit, dem Generalfeldmarschall Grafen Haeseler, der hier seit Beginn der 3 Kämpfe weilt, meine Aufwartung zu machen. Der greise Krieger wohnt mit seinem Adjutanten in einem niederen, von uralten Bäumen beschatteten Landhäuschen, das so klein ist, daß es fast bedrückt wird durch das deutsche Schilderhaus und den langen Grenadier, der vor seinem Zaun Posten steht. In einem beinage ärmlichen Raume wohnt und arbeitet der Generalfeldmarschall, und doch könnte man sich denken, daß er, der immer ganz in der Pflicht aufgegangen ist, dieses regensichere Dach und sein Feldbett ebensogern mit einem Unterstande im Walde vertauschen und daß man auch dann von der Umgebung nichts sehen würde, da dieser alte Held seine Welt mit sich trägt und jeden Plaz durch seine Anwesenheit adelt. In der feldgrauen Uniform serner 11. Ulanen, die alle Verwitterungsspuren des Krieges zeigt, in Reithosen und Reitstiefeln, empfängt der Generalfeldmarschall seene Gäste. Straff hält er seine hohe schlanke, nicht von der Last der Jahre, aber von den Warden früherer Kriege etwas gekrümmte Gestalt qufgerichtet und in dem von der grauen Löwenmähne um⸗ wallten, zart geschnittenen Künstlerantlitz blitzen die Augen in starkem Feuer, blitzen noch heller, wenn er von den Leistungen unserer Truppen redet. 3

Er plaudert wie ein entsagender Philosoph, der es als tra⸗ gisches Schicksal empfindet, daß der Krieg für ihn zu spät ge⸗ kommen ist, um ihn noch an eine Stelle berufen zu können, wo er im vordersten Gliede dem Vaterlande dienen könnte. Er läßt keinen Zweifel darüber, daß er sich als der Vertreter einen früheren Kriegergeneration fühlt und daß der moderne Stellungs⸗ krieg nicht nach seinem Geschmack ist. Düppel, Königgrätz und namentlich Vionville, das sind für ihn die großen Eindrücke seines Lebens gewesen.Sedan war eine große Entscheidung, als solche kolossal, aber als Schlacht nicht so bedeutend wie Vionville. Was früher eine Feldschlacht genannt wurde, kommt heute nicht mehr vor. Dabei ist er aber voller Anerkennung für die jetzige Krieger generation und freut sich, daß die Deutschen als Soldaten durch

niederländische Tanzmeister a. D. Stronski, den Hellmuth Eck⸗ hardt mit unheimlicher Beredsamkeit und den Manieren des abgetakelten Genies ausstattete. Aus der nicht geringen Zahl der übrigen Mitwirkenden, die alle mit ergötzlichen Spezialitäten auf dem Posten waren, hob sich noch die köstliche Figur des Schneider⸗ mristers Dümmich heraus, in der Kurt Rosenberg steckte, und auch der Jude von Robert Schäfer fand viele bereitwilligg Lacher. So wars zu begreifen, daß sich, als der Vorhang zum letztenmal fiel, nicht nur die Hände, sondern auch die Füße zum 9 Beifall rührten, zu einem Beifall, der aus vollstem lokalpatrio⸗ tischem Herzen kam. Ja, mir Gießener *

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Die Franzosen gegen die englischen Fremd⸗ worte. Die immer deutlicher fühlbare englische Vorherrschaft in Frankreich beginnt bereits in zahlreichen Kreisen des französischen Volkes Mißfallen zu erregen. Tie Franzosen lachen nicht mehr über die letzte Mode die Mode derEnglish sie fangen an,* sich gegen das allzu wahllose Eindringen des englischen Einflusses zur Wehr zu setzen. Nunmehr wendet sich derTemps gegen die Unzahl der in Paris gebrauchten l englischen emdw ori die einen eigenen Dialekt, das sog. Hotel⸗Englisch, herangebildet haben:Es würde unsere kühnsten Erwartungen übertreffen, wenn man unser französisches Hotel nicht mehrPalace zu nennen brauchte. Aber die Reform wäre unvollständig, wenn die Hotel⸗ besitzer sich nicht entschließen, sich auch in ihren Prospekten und innerhalb ihrer Mauern einer Sprache zu bedienen, die ohne gerade an die Prosa Voltaires oder Flauberts erinnern zu müfsß⸗ sen trotz allem gutes Französisch sein könnte. Die kosmopoli⸗ tische Art unseres Hotels ist nicht nur in der Küche, im Personal und in den Möbeln zu spüren, sondern leider auch in einer vor allem anglisierten Sprache, die nachgerade verblüffend wirkt. Wir wollen nichts dagegen einwenden, daß in Gesprächen über sportliche Angelegenheiten die englischen Ausdrücke immer hei⸗ 3 mischer wurden. Aber man hat selbst die armen echt französischen Ausdrücke in der entsetzlichsten Weise zu Schanden geritten, in⸗ dem sie anglisiert oder ganz unterdrückt wurden. Wir haben keinen parc mehr, sondern einenpark, keine Stadt, sondern ne city, keinen Tanzsaal, sondern einendaneing-palace, keinen Einakter, sondern einensketch. Zum Schlusse läßt man uns über⸗ haupt nur noch fünf oder sechs Worte, um uns untereinander zu verständigen. Man höre: Kaum ist man in derhall despalace angekommen, als man zurreception geführt wird, wobei man nirgends den Grund finden kann, aus dem dieser Bureauraum nicht seine französische Bezeichnung behalten durfte. Man muß sich 1 durch einen Wirbel englischer Ausdrücke hindurchwinden, und plötz⸗ 1 lich erscheint vor uns der Mann. der den Aufzug bedient, und sagt: ich bin derliftier... Man glaube nicht, daß dies über⸗ trieben ist. Es ist ein barbarischer Dialekt... i

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