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(24/07/1915) 172. Zweites Blatt
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172 weites Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSlezener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

hessische Zweite Kammer.

g 5 rb. Darmstadt, 23. Juli. Die Zweite Kammer der Landstände ist vom Präsidenten h⸗

ler für heute vormittag 10% Uhr zu einer vertraulichen Besprechung im Ständehause zusammenberufen worden. Nachdem vorher die verschiedenen Fraktionen der Kammer sich in kurzen Sonderberatungen über die im Plenum zu behandelnden Fragen versammelt hatten, trat die Kammer gegen 11 Uhr zusammen und erklärte sich nach kurzer Beratung einstimmig damit ein verstanden, daß die Mandate derjenigen Abgeordneten, deren Wahlzeit schon im Herbst 1914 abgelaufen und bis zum Schluß des Jahres 1915 verlängert worden war, um ein weiteres Jahr verlän⸗ ert wird. Nach diesem Beschluß der Zweiten Kammer wird die egierung den Landständen im September eine diesbezügliche Gesetzes vorlage zugehen lassen. Die Kammer beschäftigte sich weiter mit der Frage der Be⸗ 1 eines parlamentarischen Ausschusses zur eratung wirtschaftlicher Fragen mit der Regierung und stimmte auch diesem Vorschlag zu. Zu Mitgliedern wurden die Mitglieder des Finanzausschusses und je ein Vertreter der ver⸗ schiedenen Fraktionen bestimmt, nämlich die Abgg. Lang(Ntl.), Dr. v. Helmolt(Bbd.), Heidt(Fr. Vp.), Uebel(Ztr.) und Dr. Fulda(Szd.). Mit der Bildung dieses Ausschusses war die vertrauliche* Kammer beendet, die nun voraus- 44 ber wieder zu einer kurzen Tagung zusammen⸗ re ird.

Kriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Der Vorstoß von Mlawa.

II. Ciechanow, den 21. Juli 1915.

Die Wucht, die Schnelligkeit und den Erfolg soweit er bis⸗st

* zu umschreiben ist unseres Vormarsches aus der westöstlichen Linie vorwärts Mlqawa habe ich kurz in einem Telegramm ge⸗ schildert. Eine Anzahl Bilder vom Wege und aus den eroberten

Orten seien nachgetragen.

*

Das erstemal war ich in Grudusk unmittelbar nach der Ein nahme, während die russischen Geschütze noch die Trümmer des Ortes beschossen. Das Pfarrhaus brannte, in dem flackrigen Feuer⸗ schein standen die eroberten Geschütze. Jetzt, zwei Tage später, fuhr ich die Straße auf dem Wege nach Ciechanow, diesmal im Wagen, um die Höhenstellungen bei Gorne zu Pferde zu erreichen. Das Pfarrhaus auch war jetzt völlig niedergebrannt. Am Wege standen schon die stillen Kreuze und Dop

tigt, die engen von erbeuteten Gewehren und Kriegs⸗ . zu ordnen. Ein wirrer Haufen von Maschinengewehren,

es lohnt auch kaum, die schon

1 immer gleichen tun, der stärker spricht als Glocken⸗ ö zu der einmal ganz hübschen Kirche zuysz hin rümmer⸗

cht stehen fünf russische flankier 5 9 znysz

Die Landstraße nach Gorne ist an vielen Stellen von dem lehmigen, feuchten Acker kaum zu unterscheiden, doch während bei Grudusk und 1 die Gegend wie ausgestorben ist, fängt in der Richtung auf Ciechanow zu sich wieder Leben an u regen. Kümmerliche, erbärmliche Dörfer und Wohnstätten, ie auf diesem fruchtbaren und fetten Boden stehen, ärmliches

und gedrücktes Leben, das in dem reichen Lande dahindämmert! Von der Höhe von Gorne aus kann man in das Land sehen. An den Gräbern vorbei, an den einzelnen deutschen, und den russischen Massengräbernhier ruhen dreißig russische

Krieger kommt man zum Schlüssel der Stellung. In einer der Espen haben die Russen einen Auslug gebaut. Von oben sehe die roten ganz fern ist

Trümmer der Grudusker 1 Mlawa zu sehen. Klar stehen Dörfer und Gehöfte vor einem, ist zu erkennen, und ich wundere mich nicht mehr über das saubere e Schießen nach der Demsker Straße, man kann so hier jeden Mann, jede Bewegung deutlich erkennen. Umso erstaunlicher ist es, daß diese Höhe aufgegeben wurde, die furchtbare Erschütterung von Grudusk ließ die Truppen eben den neuen deutschen Sturm nicht aushalten. Die Helden⸗ leistung des hinstürmenden Regiments bleibt in

gleichem Glanz. ö In der Gegend von Ciechanow haben die Russen jedenfalls ihr neuerdings angenommenes oder wenigstens an⸗

gedrohtes Verwüstungssystem noch nicht angewandt. Die vorwärts gehen üͤtschen Truppen kamen zu schnell, die letzten Zwischen⸗ stellungen dicht vor der Stadt sind noch nicht fertig ausgebaut, der Draht für die Hindernisse lag in vielen Rollen bereit, aber er diente nur dazu, unsere Beute zu vermehren. Die Felder, über die das Gefecht dahinlief, zeigen kaum Spuren des Kampfes. Sel⸗ ten sah ich so gute, dichte Haferfelder wie hinter dem zerschossenen Schlosse von Opinogewa nach Ciechanow zu.

Die Stadt wohl ebenso groß wie Mlawa, nur unendlich] h

schmutziger, weil die deutscheBehandlung noch nicht eingesetzt hat ist kaum mitgenommen worden. Viele russische Heeres⸗ eräte wie Telephonapparate(noch in der Verpackung), Draht⸗ 9 Leinewand, auch Oele und Petroleum ließen die Ab⸗ ziehenden zurück. Russische Konserven gibt es reichlich zu kaufen.

In der ersten Nacht fuhren die Wagen mit Flüchtlingen ras⸗ selnd und schütternd durch die dunklen schmutzigen Straßen wie⸗ der ihren Dörfern zu, denn sie haben ein besonderes Vertrauen, die Polen, daß sie unter der deutschen Gewalt Ruhe finden, und 3 51 müden, stumpfen Gesichtern spricht immer nur dieser e ie ag tber Wiesen bie Harten mauern und die beiden

einer alten Bu

Platz 2 7 oder guten

genannt, und diesmal ließe sich die auszualen

Blatt

Gießener Anzeige

General⸗Anzeiger für Oberhessen

ow Sbibtchen

1 165. Jahrgang

Samstag, 24. Juli 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul- 5

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗ 0

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Die Kinder von Ciechanow spielten neben der Tragbahre für die Gerichteten Verstecken und kletterten an den Turngeräten, die aufgestellt sind. N

Durch die Stadt zog ein singendes Landsturmbataillon. Recht fest in Schritt und Gesang. Es war, als ob man aus Rußland nach Deutschland sähe, wenn man die Augen aus dem seltsamen Bluthof nach den Marschierenden hob.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Ueber Przemyfl auf Lemberg. Diedicke Berta, vor Przmysl.

Kaum 1 Kilometer westlich der von Jaroslau über Radymno nach Przmysl führenden Landstraße, auf der eben, von einer Be⸗ sichtigung der Festungsanlagen Przemysls, der Kaiser in Be⸗ gleitung des Generalobersten von Mackensen an uns vorüberfuhr, liegt auf einer Höhe das berühmte Werk XI. Hier war es, wo die Bayern in unwiderstehlichem Ansturm zuerst den Kranz der gewaltigen Befestigungsanlagen zerrissen, den die Oesterreicher um ihr stärkstes Bollwerk in weitem Kreise gewunden hatten, und den zu zerstören ihnen vor der durch Hunger erzwungenen Uebergabe doch nur teilweise gelungen war. 1

Wie großartig diese Anlagen sind und in wie außerordent⸗ lichem Maße die Natur zu ihrer Stärke beiträgt, läßt sich am besten von dem vielgenannten Tartarenhügel aus überblicken, der im Süden hart über die Stadt emporragt, die ein prächtiges Stadt⸗ bild abgebend ganz tief unten an den Ufern des jetzt ziemlich wasserarmen San liegt. Mit einem Radius von 15 Klm zieht sich der Kreis der Außenwerke von einer der beträchtlichen Höhen zur anderen, ununterbrochen durch Zwischenwerke verbunden, die nach allen Regeln der Kunst auf das stärkste ausgebaut sind. Die Werke selbst sind betoniert und mit Panzertürmen versehen.

Die Stadt Przemysl, deren Hauptteil sich so malerisch am Nordabhang des Tartarenhügels aufbaut, muß in Friedenszeiten eine der schönsten und blühendsten Galiziens gewesen sein. Jetzt bieten ihre Straßen einen traurigen Anblick dar. Fast alle Läden sind geschlossen, fast alle Fensterscheiben zersprungen, fast alle Häuser tehen leer. Die Bewohner sind geflohen oder von den Russen mitgeschleppt worden. Nur langsam finden sich, durch die große Zahl österreichisch-ungarischer und deutscher Soldaten angelockt, die hier in der Etappe liegen oder auf dem Wege zu o von der Front Rast machen, einzelne Händler wieder ein. Nichts ist zu haben. Selbst das Mineralwasser, das bei der Choleragefahr nur schwer zu entbehren ist, fehlte tagelang, so daß man zur Befrie⸗ digung des Durstes allein auf Kaffee und den recht teuren Wein angewiesen war. Die Unterkunft dagegen läßt nichts zu wünschen übrig und dasHotel Royal, in dem wir für einige Tage Quartier genommen haben, um von hier aus unsere Ausflüge nach der Front hin zu machen, war in Fridenszeiten, wenn auch keinkönigliches, so doch sicher ein gutes bürgerliches 8. 0

Unser erster Ausflug in Richtung der Front gab uns ein an⸗ schauliches Bild von der N 5

Schlacht bei Mosziska.

Nachdem die Russen am 3. Juni Przemysl geräumt hatten, waren sie unter fortgesetzten Nachhutkämpfen zunächst 25 Hm. na Osten, in Richtung auf Lemberg zu, bis an den Abschnitt der Wisznia, eines östlichen Nebenf des San, zurückgegangen. Hier dehnt um das an der großen Lemberger Landstraße gelegene

Mosziska herum eine l Kette von nach Westen und Südwesten ziemlich steil abfallenden Höhen aus. Vor diesen Höhen war eine ungewöhnlich starke Stellung vorbereitet worden, deren etwa 20 Klm breiter Hauptstützpunkt im Süden bis zu dem Ruthenendorf Packosz, im Norden bis nach der Ortschaft Star⸗ zawa reichte.

Das große Geschick der Russen im schnellen Ausbau von Auf⸗ nahmestellungen in Rückzugskämpfen zeigt sich hier in besonderem Maß. In vielfachen Linien hintereinander durchziehen immer neue Drahtverhaue die Felder. Sorgfältig ausgebaute Schützengräben und Artilleriestellungen liegen dahinter. Selbst mitten in den Dör⸗ fern sind zwischen den einzelnen Gehöften Deckungen ausgehoben. Jede Gelegenheit, den Gegner aufzuhalten, ist ausgenutzt. Wenn man diese Verteidigungsanlagen gesehen hat, kann man begreifen, daß die Russen in diesen Stellungen volle acht Tage hindurch den Siegeszug der Verbündeten aufzuhalten vermochten. Von Sprung zu Sprung konnte nur der Angreifer sich hier heran⸗ arbeiten. Die Spuren davon sieht man überall in den Feldern, wo so mancher deutsche Helm auf frischgezimmertem Holzkreuz stumm sein Verslein zu dem Heldenliede beiträgt, das wesenlos und doch mit ergreifender Eindringlichkeit aus der blutgetränkten Erde dieser Fluren aufsteigt.

Vor allem aber mußten die Geschütze ihr grauenvolles Zer⸗ störungswerk an den Ortschaften vollbringen, die ein unseliges Ge⸗ schick zu Stüzpunkten der feindlichen Stellungen gemacht hatte. Die überlegene Wirkung unserer schweren Artillerie hat denn auch wohl hier, wie so oft in diesem Kriege, den Ausschlag gegeben. Wenn man diese Granatlöcher sieht, eins neben dem an⸗ andern, diese mit wenigen Schüssen fortrasiexten Gebäude, ver⸗ steht man, daß es gegen die Furchtbarkeit und Treffsicherheit dieser Waffe einen Widerstand auf die Dauer nicht gibt. Das stärkste Erdbeben kann nicht elementarer mit allem, was lebt und aufrecht steht, umgehen, als eine Beschießung mit unserem neuesten schweren Geschütz. In Starzawa hat noch vor 14 Tagen eine stattliche ortho⸗ doxe Kirche gestanden. Mit ihrer breiten Stirnfassade und ihren drei Kuppeln ragte sie, weit ins Land hinaus sichtbar, hoch über die Strohdächer der ruthenischen Bauernhäuser empor Von dem 8 1 2 7 2 auch.* Nr. dem 5 geblieben. Der 8 e in den n Maschinengewehre in Stellung gebracht. Da mußte das Gotteshaus fallen, und vielleicht ätten wir gar nicht mehr erkennen können, was einst gestanden, wenn nicht knieende Bäuerinnen, die in frommer Anhänglichkeit ihr gewohntes Sonntagsgebet verrichteten, die Stelle bezeichnet

Ein furchtbarer Kampf muß hier getobt haben. In einem Dörflein westlich Starzawa trafen wir ein deutsches Aufräumungs⸗ Kommando. Ein ganzes Arsenal von Waffen hatte es auf dem Schlachtfelde aufgelesen und neben der kleinen ruthenischen Holz- kirche aufgestapelk, um die sonntäglich geputzte Bäuerinnen sich drängten. Mehr als 8000 meist noch gebrauchsfähige russische Ge⸗ wehre mit ganzen Bergen von Munition in unversehrter überseeischer Verpackung, d. h. in kleinen Blechkisten, die schon von weitem er⸗ kennen lassen, daß unsere lieben amerikanischen Vettern den Russen diese Patronen geliefert haben, viel Maschinengewehre, blanke Waf⸗ fen, Tornister usw. Ein seltsamer Anblick all dieses Kriegsmaterial zwischen den bunten Gestalten der so farbenfreudig gekleideten wu n Nees ir in einem österreichischen Feldlazaret In waren wir in einem öster Feldlazarett 15 Mancherlei wußten uns an der schnell hergerichteten

ittagstafel im S neben der Kirche, rings ungeben von frischen Russengräbern, die liebenswitr Doktoren zu berich⸗ ten und der prächtige Feldlaplan, der das Lazarett schon seit Kriegs⸗ beginn durch alle Fährnisse des Feldzuges begleitet hatte. Aber das Beste war doch, daß sie uns in die Krankenstube führten, wo mit manchem anderen auch schwerverwundete Deutsche liegen, ein Posener, ein Tanziger, ein Kolmarer und ein Berliner alle vier mit Bauchschüssen, aber schon über den kritischen sechsten Tag hin⸗ aus. Nie werde ich den glücklichen Ausdruck in ihren bleichen Ge⸗ E vergessen, als der freundliche Regimentsarzt ihnen sagte, wir aus Teutschland seien und ihnenguten Tag sagen woll

J Verspätct eiugetroshen. l 1

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ten. Und als der Arzt dann hinzufügte, daß sie nun auch bald wieder nach Deutschland kommen würden, und daß er hoffe, sie schon nach zwei Tagen in die Heimat weiterschicken zu können, da lachte der Berliner wie ein Kind und der Danziger fing so selig an zu schluchzen, daß ich mich still davon machte, um mir draußen im dunklen Winkel die feuchten Tropfen von der Wange zu wischen. Richard Schott, Sonderberichterstatter. N

Aus dem Reiche. 1

Stuttgart, 23. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten ist das Ver⸗ mögenssteuergesetz in der vom Finanzausschuß vorgeschla⸗ gegen Fassung mit 74 Stimmen einstimmig angenommen worden. Ein Antrag der neuen sozialdemokratischen Fraktion(Westermayer, Engelhardt und Hoschka) zu Artikel 6(Steuersatz) wurde mit allen gegen die Stimmen der Antragsteller Westermaher und Engelhardt abgelehnt, sogar der Antragsteller Hoschka hatte unter schallendem Gelächter des Hauses gegen seinen Antrag gestimmt.

Karlsruhe, 23. Juli. Wie derStaatsanzeiger meldet, ist der Ministerialdirektor im Ministerium des Großherzoglichen Hauses, der Justiz und des Auswärtigen, Staatsrat Dr. Hübsch, zum Minister des Kultus und Unterrichts ernannt worden. Der Nachfolger des vor wenigen Wochen verstorbenen Ministers Dr. Böhm ist in Wertheim geboren und steht im 67, Le⸗ bensjahre. Er trat im Jahre 1871 in den badischen Staatsdienst ein und war 22 Jahre im Ministerium der Justiz tätig. Im Jahre 1901 wurde er zum Ministerialdirektor ernannt, und im Jahre 1910 wurde ihm der TitelStaatsrat verliehen Der neue Minister ist Ehrendoktor der Heidelberger Universität(Frkf. 22

Aus Stadt und Cand. Gießen, 24. Juli 1915. Gustav Schilling. 3 5 Ein Gedenktag.. 5

Trotz der Beherrschung der Gedankenrichtung aller Volkskreise durch die gewaltigen Ereignisse und die ethischen Werte des Weltkrieges ziemt es sich doch, auch in unseren Stadt in diesen Tagen eines Mannes zu gedenken, dessen 100. Geburtstag am 27. Juli begangen wird: des Philo⸗ sophen Gustav Nee der 32 Jahre d Gießener Hochschule als Lehrer angehört hat, und dessen Schüler seit Jahrzehnten einen bestimmenden Einfluß auf die Jugendbildung und damit die öffentlichen Zustände in unserem Lande ausgeübt haben. 5

Nach einer Vorbildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt Cöthen empfing er seit 1830 seine Vorbereitung zum akademischen Studium auf der Nikolaischule in

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Hartenstein 925 Drobisch eingeführt, setzte seit 1837, dur Studien in Göttingen bei

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neben dem Hegelianer Leopold Schmid und seit 1809 alis Direktor der Universitätsbibliothek im Nebenamt, bis zu seinem 1872 erfolgten Tode mit reichem Erfolgs gewirkt Nach dem Tode des Leipziger Philosophen Weiße (1866) eröffnete sich ihm die Aussicht, auf dessen Lehrstuhl berufen zu werden. Die Verhandlungen über die Wieder⸗ besetzung verzögerten sich aber bis nach seinem Tode, nach dem Wundt und Heinze berufen wurden. Er war einer der hervorragendsten Schüler Herbarts, in dessen Gedankenwelt er wie wenige eingedrungen ist. r verband mit seltener Verstandesschärfe und der Gabe ein⸗ fachster und klarster Darstellung selbst der schwierigsten Probleme ein umfassendes Wissen, nicht nur im Gebie der Philosophie, sondern kaum weniger in der Mathemati den Naturwissenschaften und namentlich der Philologie, i 5 deren Bereich er vier fremde Sprachen beherrschte. Seine besondere Neigun galt der historischen Richtung in der Philosophie, der auch die meisten seiner Schriften angehören(Aristotelis de con⸗ tinuo doctrina; Leibniz als Denker; Problem der Materie; Die verschiedenen Grundansichten über das Wesen des Geistes; Beiträge zur Geschichte und Kritik des Mate⸗ riatismus). Das Werk seines Lebens war eineGeschichte der Philosophie, bei dessen Ueberarbeitung zur Ver⸗ öffentlichung ihn der Tod der Wissenschaft zu früh ent rissen hat. Daneben war die Psychologie im Geiste Herbarts sein bevorzugtes Arbeitsgebiet. Er ist es gewesen, der dem Verständnis der Psychologie des großen Philosophen in weiteren Kreisen zuerst die Wege geebnet hat, indem er sie ohne alles Beiwerk, zumal ohne Herbarts mathematische Grundlagen, knapp und klar in seinem 1913 von dem Her⸗ bartianer Flügel mit* auf die gesamte Lite⸗ ratur wieder herausgegebenenLehrbuch der Psychologie und in seinen Abhandlungen überDie Reform der Pf 7 logie durch Herbart(Zeitschrift für exakte Philosophie III. und) in vollendeter Sprache dargestellt hat. Er war eine wahrhaft vornehme Natur von tiefem sittlichen Ernste und einer sein ganzes Wesen beherrschenden Durchgeistigung. Noch manche ältere Gießener erinnern sich der würde vollen Erscheinung des seit dem, in seinem Rektoratsjahr 5 2 erfolgten Tode seiner Gattin einsamen und nur noch einer Wissenschaft lebenden Mannes. 7*

Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.)

Gesr. Heinr. Baunschei dt, Feld-Maschinengewehr-Zug* aus Worms. Erfs.-Res. Albert Sicke berger, Inf.-Rgt. 118, aus Offenbach. Musk. Wilhelm Hedrich, Inf.-Rgt. 186, aus Dirlammen. Landwehrm. Heinr. Kitz, Res.-Inf.-Rgt. 116, aus Holzhausen. Musk. Lorenz Fritz, Res.-Juf.⸗Ngt. 222, aus Holz. hausen. Landwehrm. Wilh. Bröker aus Marburg. Kriegs- freiwilliger Gefr. stad. bist. Paul Schaaf, Res.-⸗Drag.-Rgt. 4, aus Darmstadt. Gefr. cand. agr. Walter Spaar, Inf.-Rgt. 2233, aus Alsseld. Erf.-Ref. Johhs. Dechert, Res.-Inf.-Rgt. 222, aus Büßseld. Freiw. Krankenträger M

Dillenburg.

artin Hofmann aus Wohltaten der Reichs wolkwoche. Sammlung der Reichswollwoche hatte bekanntlich in un⸗ serer Stadt ein sehr gutes Ergebnis, so daß eine ße Anzahl von Decken hergestellt und der Militürverwal N zur Verfügung gestellt werden konnte. Unter den

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Al tänden befanden sich noch gute Kleidungsstücke aller rr don Dechen num nicht verwendbar