Ausgabe 
(22.7.1915) 170. Erstes Blatt
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Eine türkische Studienreise nach Deutschland.

Konstantinopel, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der frühere Chef der Kabinettskanzlei des Sultans, der Dichter und Professor der Westländischen Literaturgeschichte an der türkischen Universität Konstantinopel, Hali Sia Bey, wurde von der tür⸗ kischen Regierung mit einer Studienreise nach Deutsch⸗ Land betraut. Die Reise, welche, wie von unterrichteter türkischer Quelle verlautet, mit politischen Tagesfragen nichts zu tun hat, bezweckt die Erforschung des geistigen, künstlerischen, wissenschaft⸗ lichen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens, sowie überhaupt des deutschen Kulturlebens. Bei der Reise sollen die hauptsächlichsten Städte besucht werden. Die Berichte sollen imTanin erscheinen und sodann in Buchform durch das Unterrichtsministerium ver⸗ öffentlicht werden.

Die Not der Italiener in Tripolis.

Mailand, 21. Juli.(WTB Nichtamtlich,) DerCorriere della Sera meldet aus Tunis: Die italienische Besatzung von Nalut in Tripolis überschritt die französische Grenze nach De⸗ hibat in Tunesien. Die Streitkräfte der Aufständischen in jener

5 Gegend waren so angewachsen, daß den Italienern kein anderer 5 1 Rückzugsweg übrig blieb. 5 Italienische Profitsucht. 95 Berlin, 22. Juli. DerAvanti enthüllt lautBer⸗ liner Tageblatt ein betrübliches Bild von den Aus wüch⸗ sen, die der Kriegszustand in Italien hervorgerufen hat. Es⸗sei haarsträubend, wie diese Armee von Soldaten, die doch ihr Blut für das Vaterland opfere, ausgewuchert werde. Ob ein Soldat Briefpapier oder Eßwaren kaufe, ob . er eine Eisenbahnwirtschaft oder ein Restaurant betrete, immer habe er den dreifachen Preis zu zahlen. Den Offi⸗ zieren und Unteroffizieren, die zur Front reisten, würden n Hotelpreise angerechnet, als wenn sie englische Lords seien. 1 Es sei besser, sagt derAvanti, wenn die Presse diese schäd⸗ lichen Auswüchse geißele, statt daß sie ihre Spalten mit lächerlichen Anekdoten über die Gebrüder Garibaldi und d' Annunzio fülle.

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. 8 1 Die Telegraphen verbindung zwischen England und Norwegen unterbrochen.

Berlin, 22. Juli. Die Telegraphen verbindung zwischen England und Norwegen ist, wie derBerliner Liokalanzeiger meldet, unterbrochen. Ein norwegischer Kabel⸗ dampfer ist abgesandt, um den Schaden zu untersuchen und aus⸗ * zubessern. 8 Der Bergarbeiterausstand in England. 2 London, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Reuter meldet aus Cardiff: Die Schwierigkeit mit den Arbeitern ist bei⸗ gelegt. Die Forderungen der Arbeiter wurden bis auf einen Punkt bewilligt. f 2 Cardiff, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Reutermeldung. Nach einer weiteren Konferenz mit den Arbeitgebern und Arbeitern wurden gestern die Bedingungen von den Gruben⸗ besitzern schriftlich niedergelegt und den Arbeitern unterbreitet. LDiloyd George bemerkte dabei: Nun werden wir nicht mehr lange zu verhandeln brauchen. Ein späteres Telegramm besagt, daß, obwohl noch keine amtliche Verlautbarung vorliegt, doch bereits ein Abkommen erreicht sein soll, das erst sechs Monate nach Friedensschluß ablaufen wird. Sondon, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unterhause verlas Premierminister Asquith ein Telegramm von Lloyd Ge⸗ orge und Runciman, in dem diese berichten, daß die Konferenz 13 der Bergleute sich dahin entschieden hat, den Arbeitern zu emp⸗ fehlen, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen und zu versuchen, den Zeitverlust wieder einzubringen. In dem Telegramm heißt es weiter, die Beseitigung der Schwierigkeiten wäre leichter durch eein llebereinkommen zu erzielen als durch Zwang. Es ist ein ge⸗ meinsames Vorgehen mit den Bergwerksbesitzern ermöglicht, die 5 zur sofortigen friedlichen Beilegung des Streiks vorbehaltlos Regierung anvertraut haben. Ausstand amerikanischer Munitionsarbeiter. Paris, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) DerMatin mel⸗ det aus New Pork: 500 Mechaniker und 100 Maurer der Waffenfabriken Remington traten in den Ausstand. Der N Fabrikbetrieb steht still. 1 Amerika und Deutschland.

N London, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Das Bureau Reuter meldet aus Washington: Das Kabinett hat nach zweistündiger Verhandlung Wilsons Entwurf der Note an Deutschland, die in ein bis zwei Tagen nach Berlin abgehen dürfte, zugest immt. Ueber Inhalt der Note wird nichts verlautbart.

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1 Der geplante schweizerische Einfuhrtrust.

5 Zürich, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) DieZürcher Post bespricht die Organisation des niederländischen Einfuhr⸗ trustes, der nur formell eine nationale Institution sei, und sagt mit Bezug auf den geplanten schweizerischen Einfuhr

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5 trust: Soll der Einfuhrtrust nicht zu N Schädigungen unserer Ausfuhrindustrie und indirekt infolge der Vergeltungs⸗

maßregeln der Zentralmächte zu einer förmlichen Katastrophe in unserer Volkswirtschaft führen, so müsse er auf einer weit lliberaleren Grundlage aufgebaut werden als die entsprechende hol⸗ lländische Organisation. Ob sich die Vierverbandsmächte zu einer solchen Rücksichtnahme auf unsere Interessen gutwillig verstehen? Ji.äedenfalls leistet man der Schweiz einen schlechten Dienst, wenn man ihr rät, sich einem auf reiner Gewalttätigkeit fußenden wirt⸗ schaftlichen Druck einer Mächtegruppe zu fügen, ohne zu beden⸗ fen, welche Schäden wir durch den Gegendruck von der anderen Seite erleiden können. Das griechische Ministerium.

25 Athen, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Agence d' Athenes meldet: Das Entlassungsgesuch, das der Minister des Aeußern Zographos aus Gesundheitsrücksichten ein⸗ gereicht hat, ist genehmigt worden. Ministerpräsident Gu⸗ naris führt vorläufig die Geschäfte.. 5

Serbische Politik.

Paris, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der Korrespondent desTemps in Nisch berichtet über die augenblickliche politische Lage: Das Schicksal habe gewollt, daß Serbien in die Ab⸗ tretung von Gebieten, auf die es Ansprüche hatte, an Italien ein⸗ willigen mußte und daß darauf noch die Fragen wegen des Banats und wegen Mazedonien aufgerollt wurden. Rumänien vergesse

augenscheinlich, daß die Gefahr aus dem Norden komme und nur durch den Zusammenschluß Serbiens und Rumäniens gebannt wer⸗ den könne. Der serbische Vormarsch in Albanien habe anscheinend

derungen seien in Serbien mit großer Auf amkeit aufge⸗ nommen worden. Die Wiederherstellung des Balkanbundes, von der in der letzten Zeit gesprochen worden sei,

habe man in Serbien als notwendig und nützlich erachtet, doch glaubte man, daß es nur ein Mittel zur Verwirklichung gebe, namlich daß alle Balkanstaaten Opfer bringen und gemeinsam gegen das Germanentum kämpfen. Nach dem Kriege werde dann

österreichische Offensive angehalten und die Verbindung Deufsch⸗ lands mit der Türkei verhindert. Wenn es nötig werden sollte, Serbien auch die Offensive gegen Oesterreich wieder auf. nehmen.

Französische Hilfsträfte aus Marokko. Lyon, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.)Lyon Rs⸗ publicain meldet aus Paris: Die Territorialsoldaten der Klasse 1889, die in Marokko stehen, werden nach Frank- reich zurückgebracht.

5 Der Seekrieg. Flaggenmißbrauch.

Berlin, 22. Juli. Die norwegische Handels- und Schiff⸗ fahrtszeitung veröffentlicht derVossischen Zeitung zufolge eine Liste über den Mißbrauch neutraler Flaggen und Farben, die dem Ministerium des Auswärtigen vorliegt. Für Norwegen kommen danach 11 Fälle in der Zeit vom 5. März bis zum 23. Juni in Betracht. Die Liste umfaßt weitere 7 Fälle des Mißbrauches der amerikanischen Flagge, darunter derLusitania Fall, 7 Fälle des Mißbrauchs dänischer Farben, 6 Fälle griechi⸗ schen, 6 Fälle holländischen, 6 Fälle schwedischen und 4 Fälle spanischen Flaggenmißbrauches.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 22. Juli 1915. Theater im Lazarett.

Ein schöner gepflegter Garten zieht sich ums Lazarett, mit breiten Wegen, mit bunten Beeten und blühenden Hecken. Der Sommerwind schwenkt in leisem Spiele tausend Zweige und Aeste der alten Bäume. Still und friedlich ist's sonst an dem Ort. Die Amsel läßt sich durch die ruhigen Männer, die im Leinenkittel oder im grauen Rock langsam die glatten Steige gehn oder still in ihren Stühlen liegen, längst nicht mehr stören. Sie singt und pfeift, wies ihr paßt, auf den Weltkrieg. Aber vorgestern wars mal anders. Da war Leben im Garten. Da hatte man mit ein paar Tischen und Stühlen und zwei Rollwänden eine Bühne im Freien angedeutet, und darauf spielte man den Lazarettbewohnern allerhand Unterhaltsames vor, was freiwillige und besser 2 unfreiwillige Mußestunden so dankbar unterbrechen ann.

Sonne war im Garten und malte ihre Kringel auf den geschorenen Rasen; und wo die Bäume auseinandertraten und vor allem das Ohr der Sachverständigen die notwendige Alustik ausgemacht hatte, da hatten sich mit und ohne Hilfe die Zuschauer eingefunden. Theater im Lazarett. Da hatte man sie auf Tragbetten hinausgeschafft, denen die Wunden das Gehn noch nicht erlauben wollen. An Krücken und mit Stöcken waren sie gekommen, bei denen die Heilung schon weiter vorangeschritten ist. Den Arm geschient, den Kopf dick umwickelt, den Fuß im Verband, ein Schutz⸗ schild vorm wunden Auge, so saßen und standen und lagen die Jungen und Alten herum, die draußen schon dem Tod wer weiß wie oft ins Auge blickten, und das Herz wurde einem warm, wenn man sah, wie alle Greuel des Kriegs und alles Furchtbare, das sie an sich erfahren, ihnen das Freuen an den bescheidenen Reizen, die ihnen das veränderte Dasein zu bieten vermag, nicht hat erschlagen können. Fast wars anziehender, auf die Zuschauer als auf die Spieler zu sehn. Da lagen welche mit blassen Gesichtern und durchsich⸗ tigen Händen, deren Ohr nach rückwärts zu horchen und deren Auge noch den alles Schreckliche erwartenden Blick zu haben schien, wie's eben die Sinne in dem Brüllen des Kampfes lernten; aber selbst bei ihnen löste sich die Span⸗ nung, die Pulver⸗ und Chloroformgeruch auf die Nerven legte, zu einem wohligen, behaglichen Lächeln, wenn das Niedliche und Zierliche, das die Spieler zu sagen wußten, keck in die Ohren und Gedanken sprang. Wie ein Auf⸗ atmen sah man's bei manchem: Also das gibts auch noch neben Schützengrabeneinerlei und Granatenhölle. Die an⸗ dern, die weiter voran waren in der Heilung, gaben ihrer Freude und ihrer Dankbarkeit einen lauteren Ausdruck; lohnender aber war das stille Lächeln der Schwerverwun⸗ deten. Breit und gemütlich sieht sich der vielbefahrene Landwehrmann den Zauber an; ungezwungen läßt er sein Lachen schallen. Staunend sieht mancher Junge vom Lande zum erstenmal, wie man ihm aus Flitter und Worten eine andere Welt vortäuscht. Und da liegt wahrhaftig einer in seinem Stuhl wie im Logensessel, die Beine übereinander⸗ geschlagen, die Hände in den Taschen, die Zigarette im Munde und betrachtet mit halbgeschlossenen Augen und merklicher Sachkenntnis die Künste der Gäste. Es scheint ihm zu gefallen, denn sein Beifall entbehrt am Schluß aller Blasiertheit. Weiter hinten schimmern im Grünen die hellen Kleider der Pflegerinnen. Ernst und würdig die weißen Mäntel der Aerzte, kichernd drängen sich ein paar Küchenmädchen dazwischen, und auf dem hohen Gitter des Gartens und in den Bodenfenstern der Nachbarhäuser freuen sich die Zaungäste. Laut schallt jedesmal am Schluß der Beifall, wennschon mancher die Hände nicht rühren kann, und gespannt wartet man, so bunt auch das Durcheinander auf dem Rasen ist, mit besten Manieren der Genüsse, die noch geboten werden sollen. Ueber dem ganzen Bild liegt etwas Rührendes, trotz seiner Einfachheit Feierliches. Man fühlt, es handelt sich hier nicht um tändelnde Unterhaltung schlechthin, sondenn unter all den Menschen, die da zu⸗ sammen sind, besteht ein starkes Band der Zusammen⸗ gehörigkeit, das die Feldgrauen draußen irgendwo im Schlachtfeld angeknüpft haben, und das hier Dankbarkeit und Vertrauen weiterspinnen. Und die Geehrten sollen sie, die lieben Kerle im feldgrauen Rock, und erst in zweiter Linie die Spieler sein. 5

Was hier kurz erzählt ist, ging vorgestern im Garten der Chirurgischen Klinik vor sich, und die Freunde unserer Soldaten waren die Mitglieder unserer Freilichtbühne, die drei ihrer von den letzten Sonntagen bekannten allerliebsten Einakter mit der bekannten Frische auch einmal vor denen spielten, die nicht 9e ihnen kommen können. Wie Professor Dr. Bernbeck, dem man die Vermittlung dieser wert⸗ vollen Abwechslung für die Lazarettbewohner zu danken hat, am Schluß mitteilte, wird die Freilichtbühne den Gießener Verwundeten für die 7 noch öfter ihren Be⸗ such machen. Sie erfüllt damit eine lohnende und echt vater⸗ ländische Aufgabe, die man ihr auch in der Bürgerschaft hoch anrechnen wird. 8 5

Jungwehren und kirchliche Pflichten.

Das Verordnungsblatt für die evang. Landeskirche des Großh. Hessen bringt in seiner Nr. 11 vom 14. ds. Mts. den Pfarrämtern die Grundsätze zur Kenntnis, die von Großh. Ministerium des Innern in Bezug auf die mili⸗ tärische Vorbereitung der Jugend im Einver⸗

* 4 allgemeinem Interess 0 geben wir sie im Nachstehenden wieder: 1. Der Sonn⸗ und Feiertags⸗Vor mi nicht andere örtliche Vereinbarungen abgeschlossen w grundsätzlich zum Besuch des Gottesdienstes von U. frei zu halten. 2. An den Sonntag⸗Nachmittagen f. Uebungen so festzuseten, daß der Besuch der Christenlehre ermoglicht wird. Von den Seelsorgern ist aber, was die Zeit der Christenlehre betrifft, möglichstes entgegenkommen zu zeigen, so Jugendwehr für ihre Uebungen die entsprechende Zeit zur fügung hat. Mancherorts wird sie nach dem Hochamt abgehalten werden können, an anderen Orten vielleicht früher als bisher. Jedenfalls sollten die Leiter und Führer der Jugendwehren mit den Geistlichen sich rechtzeitig in Verbindung setzen. 3. Auf die Be⸗ dürfnisse der evangelischen oder katholischen Jugendvereine ist möglichst Rücksicht zu nehmen; doch asollen auch die Vor⸗ sitzenden Präsides derselben der Jugendwehr möglichst ent⸗ gegenkommen und mit diesen bezüglich der Zeit der Vereins- versammlungen sich ins Benehmen setzen. 4. Die Geistlichen wer⸗ den auch gerne bereit sein, die Sache der Jugendwehr, wo immer möglich, durch ihre persönliche Mitarbeit zu unterstützen. 5. Es bleibt im übrigen den örtlichen Führern überlassen, mit den Geistlichen sich hinsichtlich des Besuches besonderer Gottesdienste für Jugendliche durch die Mitglieder der Jugendwehr, sowie wegen Abhaltung von Feldgottesdiensten bei großen Uebungen, wie z. B. vor kurzem in Friedberg, zu vereinbaren.

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Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.)

Res. Rich. Hübler, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 206, aus Bauernheim.- Malersgast Otto Dietz auf S. M. S.Leipzig und Pionier Phil. Dietz, Pionier-Rgt. 36, aus Worms. Res. Chr. Weyel aus Herborn. Unteroff. Ernst Eich in aus Butzbach. Landsturm⸗ mann Thomas Jacob, Res.-Inf.-Rgt. 206, aus Darmstadt. Landwehrm. W. Bröker, Landw.-Inf.⸗Rgt. 83, aus Ockers⸗ hausen. Ers.-Res. Jak. Rinker, Ins.-Rgt. 118, aus Leun. Gefr. Adam Zengel, Pionier⸗Rgt. 36, aus Offenbach a. M. Jäger Heinr. Lang, 18. Res.-⸗Jägerbat. aus Offenbach a. M. Landwehrm. Georg Schick, Landw.⸗Rgt. 116, aus Darmstadt. Musk. Andreas Ochs, Res.-Inf.-Rgt. 223, aus Willofs.

Kriegssreiw. Karl Heinr. Schütz, Inf.-Rgt. 167, aus Schlitz.

* Ritter des Eisernen Kreuzes: Vizeseldw. P. Hafer aus Ellershausen. Gefr. Wilh. Beckert aus Griedelbach, Pion.-Bat. 21. Oberstabsarzt Dr. Suffert aus Hungen, zurzeit Chefarzt der 9 3 Dillenburg. Vizewachtmeister Georg Sauerbier aus Butzbach, Feldart⸗Regt. 1. uffz. Ludwig Römer aus Wallenrod, Garde-Feldart. Regt. 6. Sanitäts⸗Uffz. Louis Werner aus Friedberg. Uffz. Ernst Spahn aus Freien⸗ steinau, Feldart.⸗Regt. 61. L. U. Gießener Studenten im Felde. Man schreibt uns: Das e der im Heere stehenden Studierenden der Universität Gießen liegt in Korrektur an folgenden Stellen auf: Im Sekre⸗ tariat der Universität, bei Herrn Holler im Kollegienhause, in der chirurgischen Klinik, in der Geschäftsstelle des Roten . in der alten Klinik. Angehörige und der Studierenden werden gebeten, die Korrektur dur ch⸗ zusehen und eventuelle Nachträge und Verbesserungen bis zum Samstag, den 24. Juli anzubringen, da das Ver⸗ zeichnis vor Schluß des Semesters gedruckt werden soll. * Auszeichnung. Dem Oberarzt der Res. im Pionier⸗ Regiment Nr. 20, Dr. Kockerbeck aus Gießen, wurde das Hessische Sanitätskreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Dr. Kockerbeck ist bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes. 151 fie 1 Garni 3 den in den esigen Verwundetenkompagnien ein gsteil⸗ nehmern Gelegenheit zu guter Lektilee z geln, der hiesige Kriegerverein auf Anregung des Roten 8 beschlossen, Bibliothek den Verwundeten 92 5 f. lich zu machen in der Art, daß die Bibl! im 1 datenheim aufgestellt werden soll. Die g der Bücher kann nur im Soldatenheim erfolgen, jedoch sind Aus⸗ nahmen zulässig, wenn die unbeschä Rücklieferung der Bücher sichergestellt erscheint. Auf diese Weise werden die wertvollen Bücher der Bibliothek nicht nur den Angehörigen der Verwundetenkompagnien, sondern den Verwun⸗ deten, die sich in hiesigen Lazaretten befisowie allen Besuchern des Soldatenheims, zu, 2 sein, und dieses wird einen neuen Anziehungspunkt erhalten. Um auch den N der eee für die Zeit, wäh⸗ rend welcher sie die Kaserne nicht 1 können aber dienstfrei sind, Lesestoff zur Verfügung zu stellen, ist bereits eine kleine Bibliothek freiwillige Zuwendungen ein⸗ gerichtet worden. Der hiesige i in vom Roten Kreuz will diesen Bücherbestand durch Zuweisung einer Anzahl von Bänden volkstümlicher Schriften ver a 8 i Akademischer Hriegs vortrag. Am 20. Juli

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sprach Herr Professor Dr. W. Sievers über die Inter⸗ Afen Deutschlands im Großen Ozean. fiihrte aus, vom Altertum her über das 2 dart Neuzeit die Kämpfe der Völker letzten Endes nicht die Herrschaft über das Land, sondern über die Meere bezweckt hätten.

Im Altertum war das Mittelmeer der Zankapfel und Griechen im Osten, Römern und Karthagern im ö rend des Mittelalters teilten sich die Herrschaft über das Mittel⸗ meer die Byzantiner, die Normannen und die italienischen See⸗ städte, im Norden aber entwickelte sich in der Ostsee ein neues Kampfgebiet zwischen der Hansa, Dänemark und Schweden. Eine vollständige Veränderung trat um 1500 durch die Einbeziehung des Atlantischen Ozeans in Handel, Verkehr und Schi ein. Portugiesen und Spanier beherrschten ihn zunächst, später aber Holländer, Franzosen und Engländer. Aehnlich ging es im In⸗ schen Ozean her. Während des 7 jährigen eges es England, seine Herrsche über beide Merre 178 a womit die englische Weltherrschaft begann. Der Große Ozean, obwohl schon 1513 entdeckt, blieb Jahrhunderte 277 eine weite Wasserwüste, auf der kaum ein europäisches Schiff fuhr. Zu wirklichem Verkehr kam es erst im 19. Jahrhundert nach der Fest⸗ setzung Englands in Australien und Hongkong, aber eine Be⸗ deutung für die Weltpolitik hat der Große Ozean erst Ende des 19. Jahrhunderts durch die üer Kolonien erhalten, deren Folge die Aufteilung der dmassen in ihm und an ihm unter England, Frankreich, die Vereinigten Staaten und Japan war, zu denen Rußland, China und die ro⸗ manischen Staaten Mittel⸗ und Südamerikas als Uferstaaten kommen. Der Vortragende erörterte das Kräfteverhältnis dieser Staaten. Ex betonte, daß in dem gegenwärtigen die Grundlagen für die künftige Kolonialpolitik an den Gestaden des wichtigsten Weltmeers der Erde, des Großen Ozeans, gelegt werden würden, und sprach den dringenden ber 0e aus, daß das deutsche Volk in diesem wichtigsten Zeitpunkt der Geschichte seit 200 Jahren, nämlich bei dem beginnenden Zusammenbruch der britischen Welt⸗ und Seeherrschaft, gerüstet und vorbereitet sein möge, sich seinen Platz bei der Neuordnung der politischen Verhältnisse am Rande des Meeres der Zukunft rechtzeitig und ausgiebig zu sichern.

* Anton Bimbächers, Spenglermeisters und Borjers dahier, Meinungen und Taten sind vor lan Jahren 1845 von Gustav Asmus und Dr. Krönlein, um Mittelpunkt einer köstlichen Posse gemacht worden, er man ihrer mannigfachen Vorzüge wegen Ehren⸗ namen Lustspiel schenken möchte. Die Freilichtbühne

jeder seinen Anteil an der Beute erhalten. Die Vorwürfe, daß

Serbien untätig bleibe, seien unbegründet. Serbien habe die

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ständnis mit Großh. Oberkonsistorium aufgestellt und den Kreisämtern mitgeteilt worden sind. Da es von

hat, wie schon vor einigen Tagen kurz erwähnt wurde das in Vergessenheit geratene, urwüchsige Dialektstück he vorgesucht und wird es am kommenden

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