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(19/07/1915) 167. Zweites Blatt
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das Gefühl, das schosses beschleicht.

engel vnn mt les vahme des Senntags.

DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Frühere deutsche Verhandlungen mit

England zur vermeidung eines Weltkrieges.

Einige überraschende Enthüllun bringt di Nerd b. Aug Big inden sie gegen. Bord Haldane pole. misiert, der sich in einer Rede etwas darauf zugute getan auf die deutsche f 9 5 England 2

. deutschen Versuche, mit England zu einer Verständigung zu kommen, oder es wenigstens zu veran⸗

lassen, von der Teilnahme an dem gegen uns gerichteten beate he. nie affen nehmen, schuöde

DieNordd. Allg. Ztg. schreibt: Angesichts den immer wieder⸗ betten Versuche der 8 be e h 5 ur eine ne für genwärtigen die sie durch ihre auf eine reisung Deutschlands gerichtete olitik auf sich luden, von sich auf Deutschland abzuwälzen, sehen wir uns zu folgenden Feststellungen bezüglich der deutsch⸗englischen Verständigungsver⸗ 4 im Jahre 1912 veranlaßt, an denen Lord dane in hervorragendem Maße beteiligt war. Die deutsche⸗ Regierung war bei diesen Verhandlungen bemüht, mit England zu einer allgemeinen, den Frieden sichernden Verständigung auf Grund eines kriegerische Konflikte zwischen beiden Mächten aus⸗ schließenden gegenseitigen Schutzablommens zu gelangen. Als ge⸗ eignetste Grundlage hierfür erschien der Abschluß eines gegenseitigen Neutralitätsvertrages. Die von deutscher Seite dafür zuerst vor⸗ chlagene Formulierung hatte folgenden Wortlaut:Sollte einer hohen Vertragschließenden in einen Krieg mit einer oder meh⸗ reren Mächten verwickelt werden, so wird der andere Vertrag⸗ schließende dem in den Krieg verwickelten Vertragschließenden gegenüber zum mindesten wohlwollende Neutralität beobachten und nach allen Kräften für eine Lokalisierung des Konfliktes bemüht sein. England lehnte diesen Vorschlag als zu weitgehend ab und machte folgenden G. rschlag:England wird keinen unprovo⸗ ierten Angriff auf Deutschland machen und sich einer aggressiven litik gegen Deutschland enthalten. Ein Angriff auf Deutsch⸗ land ist in keinem Vertrage enthalten und in keiner Kombination vorgesehen, der England zurzeit angehört, und England wird keiner Abmachung beitreten, die einen solchen Angriff bezweckt. Dieser Vorschlag war für Deutschland unannehmbar, abgesehen von der Dehnbarkeit des Begriffsunprovozierter Angriff. Es konnte lediglich versprechen, über den anderen Vertragschließenden nicht grundlos herfallen und keine aggressive Politik gegen ihn treiben zu wollen. Eine unmögliche Grundlage zu einem besonderen) Freundschafts vertrage bilden die in dem englischen Vorschlag ent⸗ haltenen Zusicherungen. Es sind Selbstverständlichkerten in den gegenseitigen i zivilisierter Staaten. Den von England geäußerten Bedenken den deutschen Vorschlag suchte die Kaiserliche Regierung entgegenzukommen, daß sie gende Formulierung vorschlug:Sollte einer der

hohen aschließenden in einen Krieg mit einer oder mehreren Mächten verwickelt werden, bei welchen n daß

verstafalls einer von ihnen durch offenkundige Provo⸗ won eines Dri zur Kri Klärung gezwungen sein sollte. Auch diesen Vorschlag lehnte Sir Edward ab. Er beschränkte

sich vielmehr darauf, den ersten Absatz seines Vorschlages in folgender, inhaltlich jedoch bedeutungslosen Form abzuändern: Da die beiden Mächte gegenseitig den Wunsch haben, Frieden und Freundschaft untereinander sicher zu stellen, erklärt England, daß es keinen unprovozierten Angriff auf Deutschland machen und sich an einem solchen auch nicht beteiligen wird. ch wird es sich einer aggressiven Politik gegen Deutschland enthalten. Um im Interesse des europäischen und des Weltfriedens ein äußerstes Ent⸗ genkommen zu erweisen, trat die Kaiserliche Regierung in eine Petusston auch dieses Vorschlages ein, machte aber weitere Ver⸗ handl von einer Ergänzung durch folgenden Zusatz abhängig: Engl. wird daher selbstverständlich wohlwollende Neutralität bewahren, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungen werden. Sir d Grey lehnte es ab, über die auf Grund eines Be⸗ schlusses des englischen Kabinetts angebotene Formel hinaus⸗ zu Er begründete seine Ablehnung mit der Besorgnis, s die bestehenden Freundschaften Englands mit anderen Mächten zu gefährden. Hierauf verzichtete Deutschland auf die

hrung der Verhandlungen. Die vorstehenden Mitteilungen erweisen, so schreibt die

Gießener Anzei

General⸗Anzeiger für Oberhessen

e

165. Jahrgang

ccc*

Montag, 19. Juli 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul*

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrift-

leitung: 2112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Nordd. Allg. Ztg. weiter, wie konsequent und entschieden England gerade das abgelehnt hat, worauf es praktisch an⸗ kam, das Neutralitätsversprechen, das heißt die Gewißheit für Deutschland, von England weder direkt noch in einem ihm von dritter Seite aufgezwungenen Kriege angegriffen zu werden. Nur auf dieser in Gegenseitigkeit verbürgten Gewißheit konnte sich dasjenige Freundschafts⸗ verhältnis zwischen Deutschland und England aufbauen, das Europa und der Welt den Frieden gesichert haben würde. England hat in die Hand nicht eingeschlagen, die ihm Deutschland entgegenstreckte, weil ihm die Aufrecht⸗ erhaltung seiner Freundschaft mit Frankreich und Rußland und die Aufrechterhaltung des sogenannten Gleichgewichts der Kräfte, das ihm die Niederhaltung Deutschlands ermöglichen sollte, mehr am Herzen lag, als die Erhaltung des Friedens. Wie die vorstehend wiedergegebenen Formeln erweisen, hat Deutschland nicht auf das Versprechen abso luter bedingungsloser Neutralität bestanden, wie das von englischer Seite häufig behauptet worden ist und wie das fälschlicherweise auch Herr Asquith in einer nach Kriegsaus⸗ bruch gehaltenen Rede erklärt hat. Gerade weil der Gedanke an einen Angriffskrieg gegen irgendwelche Macht Deutsch⸗ land jederzeit ferngelegen hat, konnte es sich mit der Zu⸗ sicherung der englischen Neutralität für den Fall begnügen, daß ihm ein Krieg aufgezwungen würde. Die Be⸗ teiligung Englands an dem gegenwärtigen Kriege, den die Kriegspartei in Rußland im Vertrauen auf die Unterstützung Englands provoziert hat, erweist, wie gut die verantwort- lichen Leiter der deutschen Politik beraten waren, als sie die Angebote Sir Edward Greys als ungenügend zurück wiesen, und wie richtig sie die englische Politik einschätzten. Schon im November desselben Jahres erfolgte der bekannte Notenwechsel zwischen Sir Edward Grey und dem französi schen Botschafter Herrn Cambon, der den Charakter eines französisch⸗englischen Defensivbündnisses gehabt hätte, wenn nicht daneben militärische Abmachungen zwischen England und Frankreich getroffen worden wären, deren Ergänzung durch analoge Abmachungen mit Ruß- land im vorigen Frühjahr bevorstand. Mit dem Moment, wo England die Verpflichtung zum Schutze der französischen Nordküste übernommen hatte, hatte es sich seiner Hand lungsfreiheit begeben und wurde zum Komplizen der russischen und französischen Aggressivpolitik, die den gegen⸗ wärtigen Krieg heraufgeführt hat. 0

Aus dem Reiche. Berlin, 17. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Be⸗ ugs vereinigung der deutschen Landwirte in rlin gibt bekannt, daß sie Lupinen, Ackerbohnen und Wicken, soweit sie zur Saat bestimmt sind, ihrem Ueberlassungsverlangen nicht unterwer wird, sofern eine für den Verbraucher ausgestellte behördliche Bescheini⸗

gung über die zur Saat erforderliche Menge zugeht.

München, 17. Juli.(WTB Nichtamtlich.) Heute er⸗ folgte im Hofe der Prinz⸗Arnulf⸗Kaserne in Gegenwart des Königs die Vereidigung einer großen Zahl Mann⸗ schaften verschiedener Waffengattungen des Standortes München, Nach der Vereidigung richtete der König laut Münch. Neuest. Nachr. eine Ansprache an die Truppen, in der es heißt:Ein Jahr bald dauert der Krieg, den das Deutsche Reich und mit ihm Oesterreich-Ungarn und die Türkei gegen nahezu die ganze Welt führt. Wenn man glauben sollte, unsere Kraft ist erschöpft, so irrt man sich. Im Gegenteil, es kommen immer neue Kräfte vor den Feind. Diejenigen, die vor dem Feinde stehen, sind in keiner Weise entmutigt; sie brennen darauf, nicht in der Verteidi⸗ gung zu bleiben, sondern wieder vorwärts zu kommen. Diejenigen aber, die ich vor kurzem gesehen habe, die das Glück hatten, im Osten einen siegreichen Feldzug zu führen, hoffen, den bisherigen Siegen noch viele andere anxeihen zu können. Folgt dem Beispiel eurer vor dem Feinde stehenden Kameraden! Flechtet neue Kränze um die alten, die eure Fahnen schmücken! Mir als König von Bayern ist

der Uaiser ist da! Aus einem Feldpostbriefe. Einen außergewöhnlich lebens vollen, prächtigen Feldposthrief aus Galizien veröffentlicht dieParole. Der Briefschreiber schil⸗ dert darin den glänzenden Sieg bei Janow, 20 Kilometer nordöstlich von berg, der am 19. Juni errungen wurde. Er wurde durch einen artilleristischen Feuerüberfall auf die feindlichen Stellungen eröffnet, der um 2 Uhr einsetzte. Punkt 4 Uhr wurde dann das Feuer eingestellt und die Infanterie ging um Sturm vor.Plötzlich ein allgemeines Laufen und Schreien. ist denn los? Euer Kaiser, brüllten ein paar in eiligem Laufe auf eine Waldlichtung zustürzende Oesterreicher. Wir wollten es zuerst nicht glauben. Seine Majestät so weit vorn, wo noch immer russische Granaten und Schrapnells angefegt kamen? Als jedoch von allen Seiten Soldaten herbeiströmten, gab es für uns kein Halten mehr. Wie wir waren, in Hemdärmeln, ohne Mützen, liefen wir zu der 100 Schritte entfernten Lichtung, wo der Kaiser inmitten der Generalität stand. Die gelb⸗schwarze Kaiserstandarte flatterte lustig im Winde und einige Feldgendarmen standen Wache. Ungeniert jedoch ließen sie die Mannschaften näher treten, um ihren obersten Kriegsherrn zu sehen. Der Kaiser sah brillant aus und war in bester Laune. Befonders mit dem Führer unserer Armee, Exzellenz von der Marwitz, unterhielt er sich in lebhaftester Art, klopfte ihm immer wieder lachend auf die Schulter und um⸗ faßte ihn mehrmals in 2 launiger Weise, Zwischendurch beugte er sich über einen Kartentisch, um mit Generalstabschef von Falkenhayn die einlaufenden Meldungen zu prüfen, die Fort⸗ 5 Armee auf der Karte zu verfolgen und neue Befehle 1. b Was uns am meisten wunderte und jedem Achtung einflößte, das war die Ruhe, die der Kaiser beim Aufschlag der feindlichen Geschosse behielt. Die Russen hatten kurz vor der Ankunft Seiner Majestät zu schießen aufgehört; als dann aber die Russen erneut das Feuer aufnahmen ind urct unheimlichem Sausen die feindlichen Schrapnells und auch einige Granaten angefegt kamen, um in ver⸗ dächtiger Nähe zu krepieren, waren wir alle der festen Ueber⸗ zeugung, daß der Stab mit Seiner Majestät diesen gefährlichen Platz schleunigst verlassen würde. Wir erstaunten daher nicht wenig, als Seine Majestät sich bei dem Sausen und Aufschlagen der Ge⸗ schosse noch nicht einmal umdrehte und, wie wenn nichts geschehen wäre, mit seinen Generalen weiter sprach. Ein jeder Soldat kennt . einen beim Herannahen eines feindlichen Ge⸗ Die Ruhe und Kaltblütigkeit, die der Kaiser bie sich jeder Soldat zum Vorbild nehmen. Was habt doch fütr einen herrlichen Kaiser, sagten mir unfereungarn;

ch swas hier selten vorkommt) ein russischer Flieger im Gesichtskreise. Heftig beschossen, näherte er sich zuerst unserem Platz, bog jedoch plötzlich rechts ab, um in der Ferne zu ver⸗ schwinden. Der Kaiser verfolgte, das Fernglas am Auge, gespannt die Bewegungen des Fliegers und wir alle folgten seinem Bei⸗ spiele. Die Zahl der im Halbkreis arm den Kaiser stehenden Truppen war inzwischen immer größer geworden. Aus den Batterien, aus den Reservestellungen, von allen Seiten kamen sie, Deutsche und Oesterreicher, Ungarn, Tschechen und Polen, alles eilte herbei und ungehindert hatte jeder Zeit und Ruhe, den Kaiser zu sehen. Plötzlich zeigte der Kaiser auf unsere Stellung, um im nächsten Augenblick eiligen Schrittes dorthin zu gehen. Los, Rheinländer, rief uns ein General zu, der Kaiser kommt zu Euch. Wie wir da durch die Büsche liefen! Wir hatten eben noch Zeit, unsere Röcke anzuziehen und die Mützen gerade zu setzen, als Se. Majestät an unserem ersten Geschütz erschien. 1. Batterie, Reserve⸗Fußartille⸗ rieregiment Nr.. im Feuer gegen feindliche Stützpunkte ber meldete Herr Feldwebelleutnant Hanke, unser Batterieoffizier! Der Kaiser reichte ihm die Hand; uns aber rief er ein lautes Guten Tag, Artilleristen, zu, und wir antworteten mit einem kräftigen Guten Tag, Euer Majestät! Na, habt ihr auch was ge⸗ troffen, fragte er darauf. Na, und ob! General von der Murmitz sagte ihm darauf, daß wir die Batterien seien, die den feindlichen Stützpunkt sturmreif geschossen hätten. Ja, die 21er sind eine famose Waffe, meinte er, die Korps schlagen sich förmlich darum. Der Kaiser ging von Geschütz zu Geschütz, allen Leuten einen Guten Tag wünschend und Fragen stellend. In leutfeliger Weise unter⸗ hielt er sich die ganze Zeit über mit Feldwebelleutnant Hanke und ließ sich von ihm verschiedenes erklären. Von unserem Batterie⸗

offtzier begleitet, verließ er uns schließlich, und brausende Harrras strahlen

zeigten uns bald darauf an, daß der Kaiser einem anderen Ziele entgegenfuhr. 5

Die Gefahren des Sonnenbades hebt Dr. C. Römer in einem Aufsatz über Sonnenbäder und Nervensystem, den er in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht, noch einmal nachdrücklich hervor, nachdem eine frühere Warnung von Prof. Grawitz anscheinend nicht genügend Beachtung gefunden hat. Allerorts, besonders in großen Städten, sindLuft⸗ und Sonnenbadeanstalten eingerichtet worden, und auch an nicht dafür vorbereiteten Plätzen suchen und finden die Anhänger dieses Sports reichlich Gelegenheit, ihren Körper der Sonnenwirkung auszufetzen. Wie allgemein die Pflege der Sonnenbäder geworden

ihr des Kirchspiels sehr zahlreich im Gotteshause erschtenen. Auch die

es stets eine besondere Freude, die Tapferkeit der bayerischen Truppen loben zu hören. Während meines Aufenthalts in Galizien habe ich mich überzeugt, daß nicht nur bei den deutschen Truppen, ssondern auch innerhalb unserer Ver⸗ bündeten und in den Gebietsteilen, die wir mit befreit haben, der Name Bayerns einen besonders guten Klang hat. Möge es immer so bleiben! Tut immer das Eure, um diesen guten Ruf zu erhalten! Damit Gott befohlen!

Konstanz, 18. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die mit dem gestern hier eingetroffenen Schweizer Sanitätszug an⸗ gekommenen deutschen Sanitätsmannschaften äußerten wieder ganz besonders lebhafte Klagen über die schlechte Kost und Behandlung, sowie über die Beschimpfungen, die sie durch die Bevölkerung, namentlich durch Weiber, erleiden mußten. Viele von ihnen waren schon seit dem 29. August in Gefangenschaft und auf der Insel Korsika untergebracht worden, wo sie bei der größten Hitze die schwersten Arbeiten verrichten mußten.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 19. Juli 1915.

* Ritter des Eisernen Kreuzes: Christian Thomann aus Worms, Gren. Regt. 110. Kriegsfreiw. Willi Finking aus Worms-Neuhausen. Pionier Dietz aus Worms. Uffz. Georg Baltz aus Worms. Uffz. Jakob Habel aus Thalheim, Kreis Limburg, 1. Garde-Res-Rgt. Kriegsfreiw. Heinrich Braß aus Zollhaus, Gefr. im Pion.- Bat. 13. Unterveterinär Tierarzt Dr. Adolf Schmidt aus Katzenelnbogen, im Beskidenkorps. Feldw. H. Born aus Offenbach a. M., Res.-Inf.⸗Regt. 81. 5

* Eine Fahrplanbereicherung um mehrere Vorzüge ist zu verzeichnen. Sonntags wird ein Vorzug 7738 Friedberg Marburg verkehren, der um 12 Uhr ab Gießen fährt; Samstags und an Tagen vor Feiertagen werden ein Vorzug 776 Gießen Frankfurt, ab Gießen 2.10 Uhr und ein Vorzug Frankfurt Gießen, an Gießen 7.42 Uhr, ge⸗ fahren werden.

Kreis Büdingen.

Bingenheim, 19. Juli. Einen Einbruch unter⸗ nahmen schulpflichtige Knaben im hiesigen Schulhause. Durch ein Kellerloch stiegen sie bei hellem Tage in den Keller, nahmen eingekochte Früchte, Wein und Schinken mit und verzehrten es an einem versteckten Plätzchen. Die Sache dürfte ein 1 Nachspiel haben. 109

* Nidda, 18. Juli. In der hiesigen evangelischen Kirche fand heute die dritte Gedächtnis feier für solche Einwohnen unseres Kirchspiels statt, die den Heldentod fürs Vaterland ge⸗ storben sind. In dem letzten Vierteljahr hat der Krieg wieden 8 Opfer gefordert Zu der Trauerfeier waren die Gemeindeglieder Krieger vereine der Filialorte Unter-Schmitten, Kohden und Michel⸗ nau hatten sich mit florumhüllten Fahnen eingefunden; auf⸗ fallenderweise fehlte nur der Kriegerverein Nidda. Pfarrer Her⸗ mann hielt auf Grund des Schriftwortes Johs. 15, 12 und 13, eine ergreifende, trostreiche Gedächtnisrede. Es stammten von den Gefallenen aus Nidda: Karl Schmidt, Schreiner, Theodon Stork, Kaufmann, Karl Repp, Bäcker, H. Bien, Weißbinder; aus Kohden: Fritz Fey, Maurer; aus Unter-Schmitten: W. Diehlmann, akt. Feldwebel, und Friedrich Bin gel, Wagner; aus Bad⸗Salzhausen: Hermann Röper, Kriegsfreiwilliger(Pri⸗ maner 1 Ne* 1 1

n. Unterschmitten, Juli. Gleich zu inn des Krieges zog als Sergeant und Fahnenträger Kar 12 li ann von hier mit dem in Butzbach liegenden Bataillon des Infanterie⸗ Regiments 168 ins Feld Schon in den Ansangskämpfen wurde er verwundet, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse und wurde zum Vizefeldwebel befördert. Wiederhergestellt, ließ er sich in O§ffen?? bach kriegstrauen und zog als Offtzierstellvertreter erneut in den Kampf. Jetzt ist er auf dem Felde der Ehre gefallen.

9 4 8 9 5 edern, 17. Juli. Lehrer Hermann Kromm von hier, der als Kriegsfreiwilliger ins Feld ausgerückt war, ist den Tod für's Vaterland gestorben. Er war Leutnant im Inf.. Rgt. 118 und Ritter des Eisernen Kreuzes. ist, zeigt die Tatsache, daß in einem einzigen der Hamburger l bäder an einem Sonntage sich etwa 18 000 Menschen e f haben.Wer einmal gesehen hat, wie an heißen Sonntagen Kin⸗ der, halbwüchsige Burschen und Mädchen und erwachsene Männer ohne jeden Schutz abgesehen von einer oft möglichst dürftigen Badehose stundenlang unbeweglich in der Sonne liegen, der wundert sich nicht, daß auch die Zahl der Erkrankungen infolge un⸗ sinniger Ausübung dieses Sports jährlich zunimmt. Spezifisch günstige Wir von Belichtungen auf den Gesamtorganismus sind, wie Professor Grawitz betonte, bisher nicht bewiesen wor⸗ den. Die Allgemeinwirkungen sind dieselben wie bei anderen Wärmeprozeduren und äußern sich in einer gesteigerten Trans⸗ piration und Steigerung des Stoffwechsels. Eine vernünftige Son⸗ nenbestrahlung kann also nützlich sein, ein übermäßig gesteigerte und sportmüßig betriebenes Sonnenbaden bringt dagegen ganz charakteristische Schädigungen der Gesundheit, vor allem des Kreise. laufes und des Nervensystems, mit sich, da der Organismus der 5 weißen Rasse in unsern Breitengraden an solch intensive Strahlen⸗ wirkung nicht gewöhnt ist. Dr Römer führt die Krankengeschichte von zwei Fällen von echtemSonnenstich an, die im Ham burger Krankenhaus St. Georg behandelt worden sind. In beiden Fällen traten, nachdem die Erkrankten mit unbedecktem Kopf und Nacken stundenlang in der strahlenden Sonne gelegen hatten, Kopfschmerzen und meningitische Symptome auf. Durch Spinal⸗ funktion wurde in beiden Fällen der Beweis einer echten Me⸗ ningitis serosa erbracht Die Strahlen können unter solchen Be⸗ dingungen bis in die Hirnrinden dringen, sodaß die Entstehung des Sonnenstiches als Folge direkter Sonnenbestrahlung mit Sicher⸗ heit erwiesen ist Es sind meist gerade schwächliche, blutarme Groß⸗ städter, die an den Wochentagen in kühlen sonnenarmen Bureaus eder Werkstätten arbeiten und die dann am Sonntag von früh bis spätihrer Gefundheit leben wollen. Die Wirkung der Licht⸗

ist aber in ihrer Intensität wesentlich verschieden, je nachdem die pigmentiert und durchblutet ist. Pigment und gute B. gung sind natürliche Lichtschutzapparate, deren die anämischen, der Sonne ungewohnten Städter entbehren; sie wer⸗ den durch die Sonnenbestrahlung viel eher geschädigt als die wettergebräunten abgehärteten Landbewohner; statt Heilung zu erlangen, werden die Nervösen nur noch gereizter. So sehr der 1 zur freien Natur vom Arzt begrüßt wird, umso dringender muß er vor Uebertreibungen warnen. Wenn die Besonnung als Kurmittel dienen soll, so bedarf es vor allem einer individuellen Dosterung. von der bei den über den ganzen Tag ausgedehnten Sonnenbädern nicht die Rede sein kann.

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