Ausgabe 
(16.7.1915) 165. Erstes Blatt
Seite
91
 
Einzelbild herunterladen

len im dien steder Kriegs e Kriegsvortrag

1e

Dr. Gundermann. Der Vortragende ging von der vor

20 en erfolgten ng der Röntgenstrahlen aus. Nach kurzer Demonstration des Modells einer Röntgenröhre, wie sie letzt im Gebrauch sind, besprach er die Entste der Röntgen⸗ strahlen. Die Röntgenstrahlen gehen aus den Kathodenstrahlen bervor. 222 entstehen in hoch evakuierten Räumen, wenn dasGeißler sche Licht nahezu vollständig unterdrückt ist. Sie treten senkrecht zur Kathodenoberfläche aus und haben die Fähigkeit, benachbarte Glaswände in Fluoreszenz zu versetzen, zu erwärmen und negativ elektrisch zu laden. Wo nun die Kathoden strahlen auf dichte Körper aufprallen, werden die getroffenen Stel- len dieser Körper Ausgangspunkte einer neuen Strahlenart, der Röntgenstrahlen. Die Röntgenstrahlen durchdringen alle Körper, die Elemente im umgekehrten Verhältnisse ihres Atom⸗ 3 die 7 Körper im umgekehrten Verhältnis ihrer ichte oder ihres spezifischen Gewichtes. Weiterhin wirken Rönt⸗ genstrahlen auf W Platten ein und bringen gewisse Stoffe zur Fluoreszenz bezw. Phosphoreszenz. Die Einwirkung auf die photographische Platte bildet die Grundlage der Rönt⸗ genographie; die Fähigkeit, Fluoreszenzwirkungen hervor⸗ urufen, benutzen wir bei der Durchleuchtung des menschlichen Körpers vor dem Durchleuchtungsschirm. Die beiden Verfahren und ihre Anwendungs möglichkeiten wurden kurz besprochen und im An⸗ schluß hieran eine Reihe Lichtbilder vorgeführt, die einen Ein⸗ blick gestatten, welch wertvolle Dienste das Röntgenverfahren speziell in der Kriegschirurgie leistet.

Die Freilichtbühne wiederholt am kommenden 39Körnerspiele, die am Sonntag vor acht Tagen so freundliche Aufnahme gefunden haben.

Frauenbund der Deutschen Kolonial- gesellschaft, Abt. Gießen. Man schreibt uns zu dem Vortrag von Frau Geh. Rat. Jäckel überMeine Reise durch Deutsch⸗Südwestafrika und Heimkehr aus Feindesland: Mit welcher Sorge gedenken wir stets unserer Landsleute in den Kolonien, wie wenig zuverlässige Nachrichten gelangen zu

uns! Um so mehr wird es interessieren, einen persönlichen.

Bericht über die Behandlung unserer Kolonistenfamilien durch unsere Feinde zu hören. Frau Geh. Rat Jäckel wird uns aber auch besonders vieles von ihren eigenen Er⸗ lebnissen in der Gefangenschaft und ihrer schließlich geglück ten Rückkehr nach der deutschen Heimat erzählen. Eine gute Apfelernte ist nach den bisher zu überschauenden Anzeichen für unsere Gegend zu erwarten. Die an den Kreisstraßen angepflanzten Bäume sind stellen⸗ weise mit Früchten so beladen, daß die Tragäste mit Stricken hochgebunden oder Aan werden müssen. Leider findet das unreife Obst unter der Jugend wieder zahlreiche Liebhaber, die sich die durch den Krieg beschränkte Tätigkeit der Flur schützen zunutze machen. So konnte man gestern nachmittag auf einer wenig begangenen Straße in der Nähe der Stadt eine sechsköpfige Schar kleiner und kleinster Rangen beobach- ten, die mit Körben und Säcken auf dem Raubzug waren und teils auf, teils unter den Bäumen die verbotene Ernte ein- heimsten, um eiligst seitwärts in den Hecken zu verschwinden, als sie der Störung ansichtig wurden. Da solch ein Geschäft kaum ohne Wissen der Eltern betrieben werden kann, erscheint es doppelt angebracht, an die unangenehme Bekanntschaft zu

erinnern, in die solche billigen Obsternten mit dem Straf- 1 177 können. Zu ber Alteeschul r

ischnahrung. er Aliceschule bezw. in der

Schulküche am Nea en sollen am Montag und Dienstag noch einmal Unterweisungen in der Zubereitung von Fiscspeisen erteilt werden, die der regen Teil- nahme der sfrauen dringend empfohlen seien.

* Seide und Seideabfälle in unversponnener Form gelten von gestern an als eile und dürfen nicht mehr verarbeitet werden. Die betreffende Be kanntmachung desStellvertretenden Generalkommandos

findet sich im vorliegenden Kreisblatt.

* Aus dem GenesungsheimWindhof rich⸗ tet man die Bitte an uns, den Wunsch der Insassen nach Lesestoff an unsere Leser weiterzugeben. Zuwendungen an unterhaltenden und belehrenden Büchern und Zeitschrif⸗ ten erbitten die Soldaten direkt nach dem Windhof; andern⸗ falls genügt die Angabe einer Adresse, damit man die zu⸗ gedachten Spenden abholen lassen kann. 0

Landkreis Gießen.

Steinbach, 15. Juli. Unteroffizier Jakob Serth von hier, beim Reserve⸗Jeld⸗Art.⸗Regt 25, der vor einiger Zeit die Hessische Tapferkeitsmedaille erhalten hatte, wurde weiterhin mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

Kreis Lauterbach. O'Schlitz, 14. Juli. In der vergangenen Nacht wurde in die hiesige Sessensabrik von Niepoth& Zöller eingebrochen und die Portokasse mit etwa 3040 Mk. Inhalt gestoh len.

Kreis Schotten.

Herchenhain, 14. Juli. Die letzte Holzperstei⸗ gerung wurde heute im Saale des Gastwirts Karl Adolph ab⸗ (ten. Es wurden im Durchschnitt für den Raummeter Buchen- scheitholz 89 Mark, für den Raummeter Buchenknüppel 5 Mark bezahlt. Bei der gestrigen Heugrasversteigerung der Gemeindewiesen wurde fast durchweg für ein gleich großes Stück wie in den Vorjahren der doppelte Preis bezahlt. Allgemein wurde damit gerechnet, daß das eingetretene Regenwetter den Graswuchs noch bedeutend fördere. Ueberall merkt man frisches Leben auf den Feldern. Die Frucht hat ein üppiges Grün bekom- men und wird auch, da man mit der Ernte noch lange warten kann, ein gutes Stück in die Höhe schießen, denn der Halm ist noch nicht abgestorben. Die jungen Hackpflanzen sind zum größten Teil schön angewachsen, wenn auch hier und da eine neue eingesetzt werden mußte. Den Kartoffeln kommt der Regen ebenfalls sehr will⸗

kommen. a 5 Starkenburg und Rheinhessen. ch. Aus Rhein hessen, 16. Juli. Mit dem Stande der Reben wie auch der Trauben können die Winzer durchaus zufrieden sein. Die Trauben entwickeln sich so schnell, daß man mit einer baldigen und frühen Reife rechnen darf, vorausgesetzt, daß die Witterung nicht große Aenderungen erfährt. Der Sauer⸗ wurm, vielmehr seine Motten, sind in großer Zahl aufgetreten und bilden zweifellos eine furchtbare Gefahr für die Trauben, wenn ihr nicht rechtzeitig begegnet wird, zumal in der letzten Zeit das Wetter nicht heiß genug war, um seine Verbreitung zu hindern. Man hat in verschiedenen Gemarkungen und Lagen die Trauben eingedütet, auch alles für die Nikotinbekämpfung vor⸗ gesehen, sie auch bereits in einer Reihe Gemarkungen begonnen Die Pilzkrankheiten konnten zurückgehalten werden dank einer äußerst n tigen Bekämpfung, die bei günstiger Witterung nicht ohne Wirkung bleiben kann. Im freihändigen Weingeschäft igte sich auch in der letzten Zeit Leben. Freilich ist eim großer eil der Weine, die in den letzten Wochen sehr gesucht waren, garnicht mehr oder nur in kleinen Mengen zu haben.

1 7 Kreis Wetzlar. 1

3 Kreissynode in Wetzlar. 5 w. Wehlar, 15. Juli. Am Mittswoch tagte hier die dies jährige Kreissynode. Nach dem Gottesdienst in der unteren Stadtkirche begann die Verhandlung im Schützengarten. Es war der Synode folgende Aufgabe gestelll:Was können Pfarrer und Aelteste tun, um die in der Kriegszeit in den Gemeinden zutage getretenen Lebenskräste zu erhalten und zu stärken? Pfarrer 2 eubner⸗Dorlar hatte das Reerat übernommen, woran sich eine eingehende Tebatte anschloß. Im hiesigen Bezirk haben sich 8 2 0 0 Jahre einige Veränderungen zugetragen: Pfarrer ul-Volpertshausen ist in den wohlverdienten Ruhestand ge

und Pfarrvitar Pfaff wurde als Nachfolger bestimmt. Die

1 2 8

durch den Tod des Pfarrers Günther- Wetzlar erledigte Stelle ist noch nicht besetzt. Hessen⸗Nassau.

Il Marburg, 15. Juli. Der Ausschuß der Kriegs- fürsorge für die durch den Krieg in Not Geratenen macht be kannt, daß die Spenden am 1. April insgesamt 53 948,40 Mk. be- trugen. Ausgegeben sind hiervon 16 200 Mk. Durch Einrichtung der Volksküche, Erweiterung der Kinderhorte, Einrichtung einer Kriegskleiderkammer usw. wird allen Anforderungen Gentige ge leistet. Was die Kriegsbeschädigten⸗-Fürsorge an belangt, ist erwähnenswert, daß neben der Blindenschule jetzt auch noch eine Einarmigenschule hier eingerichtet wurde.

m. Kirchhain, 15. Juli. Die Schüler und Schülerinnen der Volksschulen in Kirchhain und der umliegenden Ortschasten haben sich um die Verwundeten in den Lazaretten zu Marburg verdient gemacht. Sie lieferten sast vier Zentner Heidelbeeren an das Note Kreuz daselbst ab. g 5

h. Frankfurt a. M., 15. Juli. Die Preissteige- rung der Milch von 26 auf 30 Pfg. für das Liter durch dieVereinigten Landwirte hat der hiesige Magistrat sofort mit der Festsetzung von Höchstpreisen für Milch beantwortet, und zwar darf das Liter im Kleinverkauf nicht den bisherigen Satz von 26 Pfg. überschreiten. Heute früh trugen fast alle aus Oberhessen und dem Taunus 7 hier eintreffenden Milchkannen einen Zettel mit der lufschrift:Von heute an kostet die Milch 30 Pfg.! Doch verkauften die allermeisten Händler aus Furcht vor einer Anzeige die Milch zu den alten Sätzen. DieVereinig ten Landwirte bezeichnen heute den Preisausschlag um 4 Pfg. als mäßig und hatten, wie sie mitteilten, mit ihrem Vorgehenledi das Ziel im Auge, die Lieferung der für die Menschheit so außerordentlich notwendigen Milch sicher zustellen. Sie halten die großstädtischen Oberbürgermeister und Magistratsräte, die Höchstpreise wie in Frankfurt fest setzen, in wirtschaftlichen Auschauungen befangen, die die verständigen Mahnungen der praktischen Landwirte in den Wind schlagen. Wenn die Landwirte jetzt versagen, mögen sich die Städter bei ihren Oberbürgermeistern bedanken. Was die Landwirte auf den Beschluß des Magistrats be schließen werden, muß nunmehr abgewartet werden. Jeden falls ist einstweilen niemand gesonnen, nachzugeben.

z. Frankfurt a. M., 15. Juli. Der hiesige Zoologische Garten hat einen zeitgemäßen Zuwachs erhalten. Man schreibt uns; Ein reizendes etwa zwei Monate altes Rehkitzchen, das durch sein schwarz-weiß⸗rotes Halsband auffällt, erregt durch die in großen Zügen auf dem Käfigschild angegebene Geschichte seines kurzen und doch schon so bewegten Lebens das Interesse der Be sucher. Vor Lemberg war es, als eine Patrouille unserer braben Feldgrauen zur Ergänzung des Küchenzettels ein Reh erlegte, an dessen Seite man ein etwa drei Tage altes Junges fand. Die kleine Waise wurde mitgenommen und dieBarbaren fanden mitten im Kriegsgetümmel so viel Zeit, für das Tierchen einen transportablen Lattenverschlag zu zimmern und die Sorge seiner Aufzucht mit der Milchflasche zu übernehmen. Das Rehchen wurde bald der Liebling aller und die Freude mag groß gewesen sein, als bei einer Verlegung des betreffenden Truppenteils nach dem Westen, die Erlaubnis zur Mitnahme des kleinen Pfleglings, der inzwischen gut gediehen war, erteilt wurde. Die kleine Gali⸗ zierin überstand die weite Reise ausgezeichnet. Aus militärischen Gründen konnte aber ihres Bleibens an dem neuen Aufenthalts- ort nicht lange sein, und das Tierchen wurde von dem eigentlichen Besitzer an Verwandte nach Frankfurt gesandt. Diese, die Fa⸗ milie des Braumeisters Godenbauer, überwiesen die Kleine Rosa dem Zoologischen Garten, wo sie sich im alten Hause am

Insektarium sehr wohl fühlt und durch ihr kleines Leben be⸗ 1 Zeugnis ablegt, welcher Geist in den Siegern von Galizien ebt. Kirche und Schule. Die Fuldaer Bischofskonferenz. h. Fulda, 15. Juli. Die diesjährige Fuldaer Bischofskonferenz beginnt am Dienstag, den 17. Aug. Gerichtssaal.

Gratifikationsgelder und Konkurs.

r. Mainz, 16. Juli. Eine interessante Klage wurde gestern am Resthen Kaufmannsgericht verhandelt. Ein Handlungs- gehilfe klagte gegen den Verwalter der Konkursmasse der Bank- firma Carlebach u. Cahn auf Zahlung der rückständigen Gratifikation von 72 Mark. Der Gläubigerausschuß hatte die For- derung abgelehnt, weil durch den Zusammenbruch des Bankgeschäftes bewiesen sei, daß die Prosperität im Jahre 1914 schlecht gewesen und deshalb die Gratifikationen nicht bezahlt zu werden brauchten. Der Konkurs trat am 1. August 1914 ein, und der Kläger forderte die Gratifikation vom 1. Jan. bis 1. August. Er behauptete, und das wurde auch nachgewiesen, daß an das Personal im Jahre 1913 die Gratifikationen bezahlt wurden, als die Bank einen Verlust von 600 9000 Mark gehabt hatte. Die Gratifikation sei übrigens ein Bestandteil des Gehaltes gewesen. Der Konkurs- verwalter machte den Einwand der Unzuständigkeit des Kaufmanns- gerichtes, nach der Konkursord nung sei nur das Amts- oder Land⸗ gericht zuständig. Auch sei die Gratifikation kein Bestandteil des Gehaltes. Das Kaufmannsgericht verurteilte den Konkursverwalter zur Zahlung des eingeklagten Betrages, auch erklärte es seine Zu ständigkeit. Es werden jetzt bei dem Kaufmannsgericht noch etwa 1400 Mark Gratifikationsgelder von dem übrigen früheren Per⸗ sonal des Bankhauses eingeklagt.

Vermischtes. Ein Ueberfall auf den früheren französischen Finanzminister Caillaux und seine Frau.

Berlin, 15. Juli.(Priv.⸗Tel.) DerLok.-Anz. meldet aus Breda: Nach einer Meldung derIndsé pendence Velge⸗ aus Paris wurde auf das Ehepaar Caillaux am Montag früh bei einer Spazierfahrt in Passy ein Attentat verübt. Mehrere Per⸗ sonen drängten sich an das Automobil heran und hieben so brutal auf das Ehepaar ein, daß die Opferblutüberströmt zu⸗ sammenbrachen. Caillaux und seine Frau wurden in schwer verletztem Zustande in eine Klinik gebracht.

f Ein Raubmord in Hamburg.

Hamburg, 15. Juli.(Privattelegramm.) Gestern abend wurde die 19 jährige Frau Boetrhling in ihrer Wohnung er- mordet aufgefunden. Es liegt ein Raub mord vor. Die Mör⸗ derinnen, zwei Waisenhauszöglinge im Alter von 15 und 17 Jahren, sind heute verhaftet worden. Sie sind geständig. Geraubte Sachen wurden bei ihnen gefunden. 8

Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag. den 17. Juli 1915 Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbatausgang: 9.25 Uhr. 2

Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.

Der gestern über die Nordsee sich erstreckende Tiefdruckausläuser lagert heute über Südskandinavien. Auf seiner Rücksette haben wir heute ausheiterndes Wetter. Da vermutlich von Wester her erneut Tiesdruckausläuser nach dem Festlande zu vorrücken werden, haben wir für morgen im wesentlichen trübes Wetter und zeitweise Nieder- schläge zu erwarten.

Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 17. Jult 1918: Meist bedeckt, zeitweise Niederschläge, südwesiliche Winde.

ö 1 1 e.

Märkte. se. Fronkfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 15. Juli. Auftrieb: Rinder 239(Ochsen 00, Bullen 1, Kühe und Faärsen 238, Kälber 755, Schafe 134, Schweine 336. Tendenz: In Kälbern und Schweinen reger, in Schafen ruhiger Handel; am Schweinemarkt kleiner Restbestand.

Preise für 100 Pfd. Lebend⸗ Schlacht gewicht. Kälber. Mt. Mk. Feinste Masieawe r 0=is 1122 Mittlere Mast- und beste Saugkälbern. 6468 107-113 Geringere Mast- und gute Saugkälber.. 58-63 98-107 Geringe Saugkälbeeee. 5256 8895 Schafe. Weidemastschafe:

Mastlämmer und Masthammel... 51-52 110-112

Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis

100 kg Lebendgewicht.... 118.0012300 145.00 150.00 Vollfleischige Schweine unter 80 kg. Lebenge wicht. 116.00 120 140.00 145.00

von 100 bis

Vollfleischige Schweine . 118.00-123.00 148.00 150.00

120 kg Lebendgewicht.

Letzte Nachrichten. a

Die deutschen Austauschgefangenen aus Frankreich.

Karlsruhe, 16. Juli. Nachdem heute in Konstanz wei⸗ lere 82 Schwerverwundete eingetroffen sind, beträgt jetzt die Zahl der ausgetauschten Deutschen aus Frankreich etwas über 800. Den meisten sind Glieder amputiert worden, doch befand sich auch eine Anzahl leicht Verletzter darunter. Verhältnismäßig klein ist die Zahl der Blinden. Sämtliche ausgetauschten Offiziere sind schwer verletzt. Besonders schlecht scheint die Behandlung in dem Gefangenenlager von Dinant zu sein. In diesem Lager befan⸗ den sich hauptsächlich von Belgiern gefangene Deutsche, die erst im letzten Augenblick in die Reihe der Ausgetauschten aufgenom⸗ men wurden. Der Kommandant dieses Lagers fragte die eingeliefer⸗ ten Gefangenen nach ihren Verletzungen, und wenn einer erklärte, er habe mehrere Schüsse erhalten, so sagte er, daß den Deutschen ganz recht geschehen sei. Erst nach den Vorstellungen eines Schwei⸗ zer Arztes wurde die Behandlung besser.

Die deutsch-russischen Austauschgefangenen.

Stockholm, 16. Juli. Es ist jetzt eine gemachte Sache, schreibtDagens Nyheter, daß der deutsch⸗russische Ge⸗ fangenenaustausch über Schweden direkt über Haparanda und Trelleborg gehen wird. Der Transport werd erst am 1. August beginnen. Bei dem Austausch in Haparanda werden Besichtigungs⸗ ärzte stationiert und Entlassungsanstalten an der Grenze eingerich⸗ tet werden.

Die Stürke der russischen Verteidigungsstellung.

Kopenhagen, 16. Juli. Der Berichterstatter der Times schreibt von der ostgalizischen Front s über die Stärle der russischen Verteidigungsstellung: An der Zlota-Lipa haben die Russen die gleichen Stellungen inne, die die österreichisch-ungarischen Truppen im August ver⸗ lassen mußten. Dahinter gibt es sechs russische Verteidi⸗ gungslinien, von denen jede einzelne uneinnehmbar ist(2). Die Russen lönnen hier durch Operationen an anderen Teilen der großen Front in Mitleidenschaft gezogen werden. Den Russen gegenüber liegt ein riesenstarker Block deutscher Armeen, die den Angelpunkt bilden, um den sich nach dem deutschen Plan das Vorrücken in nordöst⸗ licher Richtung bewegen soll. 0

Vorpostengefechte an der bessarabischen Front.

Budapest, 16. Juli.Az Est meldet aus Czernowitz: An unserer bessarabischen Front begannen heute wieder Vor⸗ postengefechte. Die Aufklärungsabteilungen des Feindes wurden von uns überall zurückgejagt. Beim Morgengrauen befanden sich die russischen Abteilungen bereits wieder in ihren Deckungen, wohin sie auch ihre Verwundeten und Toten gebracht hatten. Später trat wieder Ruhe ein.

General Rußki erkrankt.

Stockholm, 16. Juli. General Rußki, der neue

Armeeführer, ist an Herzneurose leicht erkrankt.

Sasonows Auftreten vor der Duma. Petersburg, 16. Juli. Unmittelbar nach dem Zusam⸗ mentritt der Duma wird Sasonow eine ausführliche Er⸗ klärung über die Beziehungen Rußlands zu seinen Verbündeten und zu den neutralen Staaten abgeben, wozu er bereits die Ein⸗ willigung des Zaren erhalten hat. Sasonow gedachte anfänglich diese Erklärungen in einer geheimen Sitzung der Vollversamm⸗ lung der Abgeordneten vorzutragen. Auf den dringenden Wunsch aller Parteiführer ist er jedoch davon abgekommen. Dem Wunsche verschiedener Dumamitglieder, bei dieser Gelegenheit auch die deut⸗

schen Greueltaten zu berühren, hat der Minister abgelehnt.

Oesterreichische Flieger über Belgrad. ailand, 16. Juli. Die Blätter melden, daß feindliche Flieder Bomben auf Belgrad abwarfen, die großen

Schaden anrichteten. Menschenverluste waren nicht zu verzeichnen. Die Zielsicherheit der österreichischen Artillerie.

Wien, 16. Juli. Aus dem k. u. k. Kriegspressezugrtier wird gemeldet: Einer Nachricht aus Görz zufolge befreite sich im Ge⸗ biet von Görz die österreichisch-ungarische Artillerie durch einen wohlgezielten Schuß von einem italienischen Beobachter, den sie samt dem Fesselballon herabholte.

Die bulgar'sch⸗türkischen Verhandlungen.

Basel, 16. Juli. DasEcho du Bulgarie stellte einen weiteren befriedigenden Fortschritt der Verhand⸗ lungen mit der Pforte wegen der Bahnfrage fest.

Italienische Nervosität.

i. Köln, 16. Juli. DieKöln. Ztg. meldet von der schweizerischen Grenze: Zwei angesehene Schweizer wur⸗ den vor drei Wochen unter Spionageverdacht ver- haftet und nach Novara gebracht. Irgendwelche berechtigte mer dazu liegt bei ihnen ebensowenig vor, wie bei den anderen Schweizern, die nach Tagen und Wochen un- schuldig verbüßter Haft freigelassen werden mußten.

Bau griechischer Kriegsschiffe in England.

Athen, 16. Juli. Die englische Admiralität hat gestattet, daß die englischen Werften anstelle der für Griechenland im Bau befind⸗ lichen, bei Ausbruch des Krieges von England mit Beschlag be⸗ legten vier Torpedobootszerstörern andere auf Stapel gelegt werden. Der griechische Admiralsrat billigte diese Stellung⸗ nahme, der Ministerrat hat sich jedoch seine Entscheidung bis zum 13. August vorbehalten.

6 ˖ eder, der mit Bezug auf die politische Lage in Griechenland erklärte, er glaube nicht, daß nach Zusammentritt der Kammer eine Uebernahme der Re⸗ lierung durch Venizelos möglich sei. Venizelos dürfte sich weigern, einer solchen Berufung Folge zu leisten, da er sich in den Fragen der äußeren Politik in vollstem Gegensatze zum Könige wisse.

Die Neutralität Schwedens.

Kopenhagen, 16. Juli. Der schwedische Sozialist Hjal⸗ mar Branting erklärt imPetit Journal, Schweden beob⸗ achte die anständigste und lorekseste Neutralität, werde sich aber über seinen Export nach Deutschland oder wohin es sonst beliebe,

nz bestimmt von niemandem Vorschriften machen lassen. Alle

wangsmaß regeln seien da wirkungslos und würden Schwedens Festigkeit nicht erschüttern.