Ausgabe 
(15.7.1915) 164. Erstes Blatt
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1 ganze Land erfassender Aenderungen des wirtschaftlichen ens.

Der amerikanischen Regierung kann sonach von keiner Seite das Recht bestritten werden, durch Erlassung eines Aus⸗ fuhrverbotes diesen offen zu Tage liegenden enormen Ex- port von Kriegsbedarf zu inhibieren, von welchem überdies noto- risch ist, daß er nur einer der k ührenden Parteien zu gute kommen kann. Würde die Bundesregierung von dieser ihr zu⸗ stehenden Befugnis Gebrauch machen, so könnte sie ein Vorwurf auch dann nicht treffen, wenn sie, um mit den Anforderungen der nationalen Gesetzgebung im Einklang zu bleiben, den Weg der Erlassung eines Gesetzes beschritte. Denn wenn es auch prinzipiell zutrifft, daß ein neutraler Staat die in seinem Bereich geltenden Vorschriften betreffend sein Verhalten zu den Krieg⸗ führenden nicht abändern soll, solange der Krieg dauert, so erleide der Grundsatz doch, wie sich aus dem Preambule 13 der Haager Konvention klar ergibt, in dem Falle eine Ausnahme,ou l'ex⸗ perience en demontrergit la necessite pour la sauvegarde de ses droits. Dieser Fall ist übrigens für die amerikanische Regierung schon mit der Tatsache gegeben, daß Oesterreich-Ungarn ebenso wie Deutschland von jedem Handelsverkehr mit den Ver⸗ einigten Staaten abgeschnitten ist, ohne daß die rechtliche Vor⸗ aussetzung hierfür, eine ige Blockade, vorläge. Dem et⸗ waigen Einwand gegenüber es bei aller Bereitwilligkeit der amerikanischen Industrie, wie an Großbritannien und dessen, Ver⸗ bündete, so auch an Oesterreich-Ungarn und Deutschland zu liefern, den Vereinigten Staaten aber nur infolge der Kriegslage nicht mög⸗ 5 lich sei, mit Oesterreich⸗Ungarn und Deutschland Handel zu treihen, darf wohl darauf hingewiesen werden, daß die Bundesregieränz . zweifellos wohl in der Lage wäre, dem geschilderten Zustande ab⸗ uhelfen. Es würde wohl vollauf genügen, den Gegnern.

sterreich⸗Ungarns und Deutschlands die Sistierung der Zufuhr von Lebensmitteln und Rohstoffen für den in Aussicht zu stellen, daß der legitime Handel in diesen. irtikeln zwischen der Union und den beiden Zentralmächten nicht freigegeben wird. Wenn sich das Washingtoner Kabinett zu einer Aktion in diesem Sinne bereit fände, so würde es nicht nur der in den Vereinigten Staaten stets hochgehaltenen Tradition folgen, für die Freiheit des legitimen Seehandels einzutreten, sondern sich auch das hohe Verdienst erwerben das frevelhafte Bestreben der Feinde Oesterreich⸗Ungarns und Deutschlands, sich des Hungers aals Bundesgenossen zu bedienen, zu nichte zu machen. Die k und k. Regierung darf sonach im Geiste der ausge⸗ zeichneten Beziehungen, die niemals aufgehört ha⸗ ben, zwischen der österreichisch-ungarischen Monarchie und den Vereinigten Staaten zu bestehen, an die Bundesregierung den von aufrichtiger Freundschaft getragenen Appell richten, sie möge unter Bedachtnahme auf die hier entwickelten Darlegungen den von ihr in dieser so hochbedeutsamen Frage bisher eingenomme nen Standpunkt einer reiflichen Ueberprüfung unterziehen. Eine Revision der seitens der Regierung der Union beobachteten Haltung im Sinne der von der k. und k. Regierung vertretenen Auffassung würde nach deren Ueberzeugung nicht nur im Rahmen der Gebiete und Obliegenheiten einer neutralen Regierung, sondern auch in den Richtlinien jener von wahrer Menschlich⸗ keit und Friedensliebe beherrschten Grundsätze liegen, welche die Vereinigten Staaten von jeher auf ihr Banner ge⸗ schrieben haben. Indem der Unterzeichnete die Ehre hat, die sehr 3 gefällige Vermittlung Seiner Exzellenz des außerordentlichen be⸗ biollmächtigten Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika Herrn Fredric Courtland Penfield mit der Bitte ganz ergebenst in Anspruch zu nehmen, die vorstehenden Ausführungen auf tele⸗ 3 hischem Wege zur Kenntnis des Washingtoner Kabinetts ge⸗ . 2 zu lassen, benützt er zugleich auch diesen Anlaß, um Seiner Exzellenz, dem amerikanischen Botschafter, den Ausdruck seiner gezeichneten Hochachtung zu erneuern.. Burian m. p.

Deutschland und Amerika.

Rotterdam, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der Nieuwe Rotterdamsche Courant gibt folgende Meldung der Morning Post aus Washington wieder Deutsch⸗ land wülnscht Baumwolle einzuführen, obwohl es

ug Vorräte für den gegenwärtigen Bedarf hat. Seit einiger Zeit werden n der deutschen Regierung und der admerikanischen Regierung Verhandlungen wegen der Ein⸗ fuhr von Farbstoffen, die Amerika dringend braucht, geführt. Die deutsche Regierung verweigert die Ausfuhr, wenn nicht eine entsprechende Menge Baumwolle nach Deutschland kommt. Der Korrespondent derMorning Post nennt es eine Erpressertaktik. Die Vereinigten Staaten weigerten sich, die deutschen Bedingungen für die Ausfuhr anzunehmen.

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* Der türkische Bericht.

KNonstantinopel, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier meldet von der kaukasischen Front: Die Verluste des Feindes an Toten und Verwundeten in der Gegend von Aras in den Gefechten der letzten Woche zwischen unseren Truppen und der feindlichen Infanterie und Kavallerie, die mit dem Rückzug des Feindes endeten, werden auf 2000 ge⸗ schätzt. Gegenwärtig zählten wir über 600 Tote auf der Rückzugs⸗ straße des Feindes. An der Dardanellenfront versuchte der Feind vor⸗ gestern vormittag bei Ari Burnu nach heftigem Geschütz⸗ und Gewehrfeuer unter Bombenschleudern gegen unseren rechten Flügel vorzugehen. Der Angriff des Feindes brach in un⸗ serem Feuer zusammen. Der Feind zog sich zurück. Ein ähnlicher Angriff gegen unseren linken Flügel wurde ebenso leicht abgewiesen. Der Feind floh eilig. Ein Teil der Flüchtenden fiel in Abgründe. Wir erbeuteten eine Menge Muni⸗ tion, Waffen und Kriegs material. Bei Sedd⸗ül⸗ Bahr griff der Feind am gleichen Vormittag nach heftigem Ge⸗ schlützfeuer von seinen beiden Flügeln aus und unterstützt von einem Teil seiner Flotte unseren rechten und linken Flügel an. Er wiederholte dreimal den Angriff auf unseren richten Flügel, wir wiesen ihn ab und fügten ehm schwere Verluste zu. Der Kampf auf dem linken Flügel artete in Schützengräbenkämpfe aus und ging ergebnislos bis zum Erübruch der Nacht wester. Wir erbeuteten zwer feindliche Maschinengewehre auf ötesem Flügel. Trotz der Veischwendung von ungefhr 60 000 Granckten in der gestrigen Schlacht und trotz beträchtlicher Ver⸗ luste erreichte der Feind nichts.

Die widerspenstigen Bergarbeiter in England. 8 London, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) DieMor- ningpost meldet: In Cardiff fand eine Versammlung der Abgeordneten der Bergleute von Südwales statt. Sie war von 304 Abgeordneten besucht, die 136 493 Berg⸗ arbeiter, etwa 65 Proz. der gesamten Arbeiterschaft des Reviers, vertraten. Die überwältigende Mehrheit lehnte

den Vorschlag des ausführenden Ausschusses ab, daß die Arbeit während der weiteren Verhandlungen mit der Re⸗

gierung fortgesetzt werden soll. Eine noch größere Mehrheit verwarf den Antrag, eine namentliche 4 aller Arbeiter zu veranstalten. Angenommen wurde allein der Antrag, daß die Versammlung an den ursprünglichen Be⸗ schlüssen festhält. Die Konferenz ging auseinander, ohne eine neue Versammlung vorzusehen. Heute läuft die 14tägige de der täglichen Arbeitskontrakte ab, die am 30. Juni

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Die Nachricht von dem Beschlusse der Bergarbeiter in Südwales schlug, demDaily Telegraph zufolge, wie eine Bombe ein. Die Blätter führen übereinstimmend aus, daß die Führer die Macht über die Arbeiter verloren hätten. Man erachtet Lloyd George des Versprechens entbunden, daß er die Bergleute nicht unter das Munitionsgesetz stelle. Wenn das Gesetz auf die Bergleute ausgedehnt wird, tritt das obligatorische Schiedsgericht in Kraft. Man glaubt, daß die Drohung des Munitionsgesetzes genüge, um den Ausstand zu deres b

London, 14. Juli.(WTB Nichtamtlich.) Der Muni⸗ tionsminister kündigte gestern an, es werde eine Ver⸗ ordnung erscheinen, durch welche jeder Streik in dem Kohlenbezirke Südwales für eine Gesetzes⸗ übertretung erklärt wird.

Aus dem englischen Unterhaus.

London, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Unterhaus. Simon sagte auf eine Anfrage, daß in der letzten Woche 1140 Fremde interniert und 573 heimgeschickt wurden. Asquith sagte auf eine Frage, er hoffe, daß die Parlamentssession Ende Juli schließe. Addison sagte in einer Antwort, daß sich bisher 89 266 Munitionsarbeiter gemeldet haben. Es sei noch unsicher, wieviele ihrer gegenwärtigen Beschäftigung entzogen werden könnten. Die Abgeordneten Markham, Lynck und Dalziel stellten sechs aner verschiedenen Inhalts. Markham fragte, ob der Premierminister zusichern wolle, daß unfähige Beamte aus dem Kriegsamt ent⸗ lassen würden, Lynck wünschte eine Debatte über die Kriegführung und Gründe für die Einsetzung eines Geschoßministeriums. Dal ziel wünschte eine Debatte über die Rede Haldanes. Asquith erklärte, alle Fragen zusammen zu beantworten, und sagte dann: Es ist nicht im öffentlichen Interesse, mehr zu sagen, als daß ich gegenwärtig keine öffentlichen Mitteilungen machen kann, und daß eine Debatte unter den obwaltenden Umständen keinem guten, Zwecke dienen und den besten Interessen der Nation schaden würde.(Bei⸗ fall.) Der Nationalist Healy fragte, ob Asquith dem Hause mit⸗ teilen könne, woher Dalziel Informationen besitze, die sich anderen entzögen. Asguith sagte, er könne die Frage nicht beantworten. Markham fragte: Sollen wir also annehmen, daß Beamte, die in ihrer amtlichen Tätigkeit versagten, im Amt bleiben sollen?

[Asquith erwiderte mit Schärfe, man solle nichts Derartiges an⸗

nehmen. Der ehrenwerte Abgeordnete solle annehmen, was er, Asquith, sage, das sei der überlegte Entschluß der Regierung und entspreche dem Gefühle der großen Mehrheit des Hauses und der Nation. Dal ziel fragte, ob Asquith mit Lloyd George über⸗ einstimme, daß Haldanes Aeußerungen ungenau und unvollständig gewesen seien. Asguith erwiderte, er habe nichts hinzuzufügen. Lynck fragte: Läßt nicht der Stand der Dinge eine große Un⸗ fähigkeit und kolossale Fehler der leitenden Stellen erkennen? Der Sprecher bemerkte: Das führt zur Debatte! Pringle fragte: Hält Asquith es für richtig, daß diese Debatte in der Presse fort⸗ dauern soll, während sie im Parlament verboten bleibt? As⸗ guith lehnte die Antwort ab, da die Frage sich nicht aus den früheren Fragen ergebe. Thorn e(Arbeiterpartei) rief dazwischen: Welch eine glückliche Familie!

London, 14. Juli.(Ctr. Frkft.) Im Unterhaus brachte Asquith, nachdem er die einzelnen Phasen des Feldzuges in Südwestafrika skizziert hatte, folgende Resolution ein:Das Parlament spricht im Namen des ganzen Reiches seine Bewun⸗ derung und Dankbarkeit aus, zunächst gegenüber dem be⸗ rühmten General und Premierminister der Union, Bot ha, der dem Reiche unschätzbare Dienste geleistet hat, zu dessen geliebtesten und geachtetsten Söhnen er gehört, sodann gegenüber un⸗ erschroclenen Soldaten, seien sie Buren oder Engländer von Geburt, die Seite an Seite wie Brüder für die allen gleich teure Sache, für die Verbreitung der Freiheit und der Menschlichkeit gekämpft haben. Die Resolution wurde mit begeisterten Rufen angenommen.

Englische Zensur der schwedischen Post.

Kopenhagen, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.)Ber⸗ lingsle Tidende meldet aus Stockholm: Die schwedische

ge-[Post aus Nordamerika und Argentinien wird trotz des

schwedischen Protestes auch weiter von den Eng- ländern und Franzosen zensuriert.

Petersburg, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Ueber Stock⸗ holm. DerRjetsch teilt aus völlig zuverlässiger Quelle mit, daß die schwedische Regierung die Frage der Aufhebung des Transit⸗ verbots für Güter nach Rußland offengelassen hat, bis das Ver⸗ hältnis Schwedens zu England zufriedenstellend geordnet ist. Mög⸗ licherweise werde ein Teil der Güter nach Rußland abgehen dürfen. In russischen Diplomatenkreisen, so sagt das Blatt, halte man die Lösung für ein schlechtes Zeichen.

Staatssekretär Grey. London, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reu⸗ tersche Bureau meldet: Staatssekretär Grey wohnte heute zum ersten Male seit seiner Abwesenheit vom Auswärtigen Amt wieder einem Kabinettsrat bei. %

Die flämische Bewegung in Belgien.

Haag, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) DerNieuwe Courant veröffentlicht einen Artikel seines Korrespondenten in Aardenburg über die flämische Bewegung in Belgien, in dem ausgeführt wird: Noch vor einem halben Jahre konnte von einer selbständigen flämischen Be⸗ wegung keine Rede sein. Dann kam eine Zersplitterung in zwei Richtungen; die eine mit dem Hauptsitz in den Niederlanden war vor allem belgisch und wollte erst das Vaterland befreien, die andere, mit dem 8 in Gent, hatte das Schlagwort: Flandern über alles, Belgien ist nur den eg ee der Fi a lauben, es sei der historische Augenblick gekommen, um . von der fremden Oberherrschaft zu befreien. Der erste Programmpunkt war: Flandern unter flämischer Ver⸗ waltung, damit in einer national gesäuberten Umgebung eine te flämische Kultur entstehen könnte. Die beiden Bewegungen, die sich zuerst bekämpft haben, finden jetzt ein⸗ ander wieder. Bekannte Flamen nehmen an der Bewegung teil und arbeiten zusammen für ein starkes und freies flämisches Volk. Nicht der 2 des Krieges soll ent⸗ scheiden, sondern der einige Wille aller Flamen, weder deutsch noch französisch zu sein.

Aeußerungen des russischen Ministerpräsidenten.

Petersburg, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich) Der Mi⸗ nisterpräsident Goremykin empfing eine ausgewählte Abord⸗ nung des Aeltestenrates der Duma und erklärte, die Wünsche des Konvents dem Ministerrat vorlegen zu wollen. Er wisse nicht, was die Duma in dem jetzigen Zeitpunkte überhaupt helfen könne. Die Lage sei viel besser, als viele Uneingeweihte sich vorstellen würden. Ein Mitglied der Abordnung bat um die Ausgabe von Verlustlisten, da ganz ph antastische Schätzungen in der Be⸗ völkerung herrschen würden. Gorempkin erklärte, daß die russischen Verluste nicht so groß seien, wie die deutschen Zeitungen sie angeben.

Aus dem Reiche.

Die Brotgetreideregelung.

Berlin, 14. Juli.(WTB. Amtlich) Bei der Einführung der Grotgetreideregelung wurde, um in der Uebergangs⸗ zeit Stockungen zu vermeiden, ein eingeschränkter Mehr- handel zugelassen. Für die Rege in dem beginnenden Wirt⸗ schaftsjahr war diese Rücksicht nicht so daß hier jeder der⸗ arti ehlhandel verboten ist; ein Kommunalverband darf dann Mehl nur innerhalb seines Bezirks abgeben, ein Mehlverkehr Über die Grenzen eines Kommunalverbandes hinaus ist allein

ein iff. Die Anhänger dieser Bewegung

r die Dauer der Verhandlung bewilligt wurden.

Sache de Reichsgetreidestelle. Jene Uebergangsvorschriften sind Andessen 1

länger desto mehr dazu benutzt worden nanntem beschlagnahmefreiem Mehl ein Mehl zu übertriebenen Preisen Roggenmehl zu Weizenmehl zu 90 bis 110 Mark oder noch höher

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in den Ver⸗

lebe Genen Pede uu die dune bar eh

gung der deutschen Bevölkerung empfindlich mancherorts gestört hat. Der Reichskanzler veranlaßt gesehen, die einschlägigen Vorschriften der alten 55 ordnung über den Mehlhandel schon jetzt aufzuheben. Die Besitzer von Mehlvorräten, die sie nicht von ihrem Kommunalverbande, von der Kriegsgetreidegesellschaft oder von der Zentraleinkaufs? gesellschaft erhalten haben, werden daher gut tun, sie möglichst 1 3. been r sen unsten sie na erordnung vom 28. Juni 1915 am 16. 2 1 1915 beschlagnahmt sein werden. 825

Stuttgart, 14. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Um den Auswüchsen des Zwischenhandels und des wucherischen Treibens im Groß⸗ und Kleinhandel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs(Brot, Mehl, Fleischwaren, Kaffee, Tee, Kakao, Gemüse, Milch, Holz, Kohlen, Leuchtöl und Seife) entgegenzutreten, hat das Stell⸗ vertretende Generalkommando des 13. Armeekorps verfügt, daß mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft wird, wer beim Verkauf bezw. Einkauf unverhältnismäßig hohe Preise bietet, fordert oder annimmt, wer zum Verkauf bestimmte Gegenstände zurückhält und wer als Verkäufer ohne Grund 5 7 1 die Abgabe seiner Verkaufsgegenstände ver⸗

eigert.

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Aus Bessen.

rb. Darmstadt, 14. Juli. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer der Lanbstünde 2 vormittag unter Vorsitz des Abg. Dr. Osann zu einer längeren Beratung zusammen, in welcher die zurzeit im Vordergrunde stehenden finanziellen und ee Fragen des Großherzogtums einer eingehenden sprechung unterzogen würden. Nach der Ausschußsitzung fand noch eine gemeinsame Beratung mit der Regierung statt, die durch die drei Minister und 1 weitere Regierungsmitglieder vertreten war. Die sämtlichen Be⸗ ratungen waren streng vertraulicher Natur.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 15. Juli 1915.

Vermißtenermittlung und Gefangenenfürsorge. 0 10 gte* Vermißten und die Für⸗ sorgetätigkeit für kriegsgefangene Deutsche war bisher in Großherzogtum Hessen 4 einheitlich ge⸗ ordnet. So kam es, daß mehrere Stellen neben arbeiteten und wegen desselben Vermißten und desselben Sei e ast immer in zweckloser Weise mehrere Stellen gleichzeitig in Anspruch genommen wurden. Um die sich hieraus ergebenden Mißstände für die Zukunft abzu⸗ stellen, hat nunmehr der al Landesverein vom Roten Kreuz die Ermittelung von Vermißten und die Fürsorge⸗ tätigkeit für kriegsgefangene Deutsche zwecks einheitlicher Regelung für das gesamte Großherzogtum Hessen in die Hand genommen, indem e en auch die in Darm⸗ stadt bestehendeHessische Vermißten⸗Ermitte⸗ lung in den genannten Landesverein als ein Organ des⸗ selben(Bezirksausschuß in Darmstadt) eingegliedert wurde. Der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz übt die Ermittelungs- und Fürsorgetätigkeit durch Bezirks an ür vermißte und kriegsgefangene tsche aus.

Solche Bezirksausschüsse bestehen zurzeit folgende: 1.Hessischer 3 vom Roten Bezi 3.U schuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche in Darm⸗ stadt, zuständig für die Kreise Darmstadt, Dieburg, Erbach 75 aus e fir 2. E vom Roten Kreuz, Be⸗ irksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche 1 Offenbach, zuständig für den Kreis a e verein vom Roten* Bezirksausschuß für vermißlte und kriegsgefangene Deutsche in Heppenheim, zuständig für die Kreise Heppenheim und Bensheim. 4.Zweigverein vom Roten Kreuz, Bezirksausschuß für vermißte und kriegs⸗

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gefangene Deutsche in Gießen, 1 für die Kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach und otten. 5.Zweigverein

vom Roten Kreuz, Bezirksausschuß für vermißte und kriegs⸗ efangene Deutsche in Friedberg, zuständig für die Kreise riedberg und Büdingen. 6.Kreisverein Mainz vom Roten Kreuz, Bezirksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche in Mainz, zuständig für die Kreise Mainz, Bingen 3 eZwei fa 8 Roten 951 ezirksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche in Worms, zuständig für die Kreise Worms und Alzey. Die Aufgaben der Bezirksausschüsse sind die nach⸗ stehenden: a) Nachforschung nach Vermißten, b) Auskunft über den Verkehr mit Gefangenen, o) Auskunft über die Gefangenenlager, d) Unterstützung von einzelnen enen und Anträge auf Unterstützung von ganzen Ge⸗ fange ngen 1 Die Anmeldung von Vermißten ist zweckmäßiger⸗ weise an den für den Wohnort des Anmeldenden zuständigen Bezirksausschuß zu richten. Dies kann auch durch Vermitt⸗ lung eines Zweigvereins vom Roten Kreuz oder einen Ver⸗ trauensmann des Roten Kreuzes erfolgen. Der Hessische Lan⸗ desverein vom Roten Kreuz und seine sämtlichen Bezirks⸗ ausschüsse sind mit der in Frankfurt a. M. im Anschluß an den dortigen Verein vom Roten Kreuz für. geschaffenen Zentralstelle für kriegsgefangene Deutsche in Arbeitsgemeinschaft getreten. Durch diese Arbeitsgemeinschaft ist den Bezirtsausschüssen der Verkehr mit dem feindlichen Auslande erleichtert. Auch wird ihnen hierdurch die Nutzbar⸗ machung der in Frankfurt a. M. in reichem Maße zusammen⸗ laufenden Unterlagen und der dort schon gesammelten und noch zu sammelnden Erfahrungen ermöglicht. Die gesamte Tätigkeit der Bezirksausschüsse ist unentgeltlich. Selbst⸗ verständlich werden freiwillige Geldspenden gerne entgegen⸗ genommen, die nicht für die Ermittlungstätigkeit, sondern ausschließlich zur Unterstützung von in Kriegsgefangenschaft geratenen Deutschen verwendet werden. Soweit Vermißte bei einer der schon zurzeit für die Vermißtenermittlung im Groß⸗

herzogtum Hessen bestehenden Stellen bereits a eldet sind, bedarf es keiner neuen Anmeldung. Auf Grund der schon vorliegenden Anmeldungen werden die Ermittlungen

fortgesetzt oder eingeleitet werden. *

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** W̃᷑ die heutige fallen.

* Ritter des Eisernen Kreuzes. Unteroffiz Käß aus Marburg. Oberleutn. d. L. Stumpf, 5. b Inf.-Regt., Direktor des Landeszuchthauses 0 Gefr.(Lehrer) Bentheim, Res.⸗Inf. 2

solms. Oberpostassistent Feldwebelleutn.