Ausgabe 
(9.7.1915) 159. Erstes Blatt
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teen nahmen 66 Wanderer 400) gegen 5 kehr wird deutlich, wenn man die Frequenz der N erge während des ersten Halbjahrs 1914 mit der der eichen Zeit dieses Jahres vergleicht. Es kehrten in der 2 ein:

8 Januar Februar März April 3 1914 1447 150⁰ 1502 1328 5 1915 839 832 90⁴ 100¹

Mai Juni zusammen 1914 1221 1103 8101 Wanderer 1915 640 5717 4743

Bemerkenswert ist die erhebliche Abnahme der unbemittel⸗ ten Arbeiter auf der Landstraße, die die Hetberge auf⸗ suchten. Sie betrug im ersten Halbjahr 1914 3273 und im N. Zeitraum dieses Jahres nur 815. Diese Zahlen beweisen u. a., daß die Arbeits möglichkeit während des Krieges stark zugenommen hat. Es steht auch nach der Er⸗ klärung des Herbergsvaters fest, daß sich unter den un⸗ bedmittelten Gästen Herberge jetzt fast nur alte ver⸗ brauchte Kräfte befinden und nur ein ganz geringer Pro⸗ ZBentsatz darunter ist, der durch N einen verschuldeten oder nicht verschuldeten Umstan wurde. Im Arbeits nachweis der Herberge waren im Juni 59 Stellen als offen gemeldet, von denen 55 besetzt wurden, darunter 14 nach auswärts. Von den untergebrach ten Leuten waren 26 Handwerker und 29 ungelernte Ar- beiter. Starke Nachfrage bestand für Schneider und Sattler, der nicht entsprochen werden konnte.

* Klagen über die Beschaffenheit des Brates in Gie ße n sind in der letzten Zeit wieder laut geworden, nachdem sie eine Zeitlang völlig verstummt waren, als das K-Brot der Stadtverordnetenversammlung Anlaß zu be gter Kritik geboten hatte. Das Brot war danach bedeutend besser geworden, aber die Herrlichkeit dauerte nicht lange. Dies und die zahlreich einlaufenden Beschwerden gaben dem Lebensmittelausschuß Veranlassung, bei einer hiesigen Bäckerei Backproben vornehmen zu lassen. Man erbuk aus 40 0% Weizen-, 45% Roggen⸗ und 15 9% Kartoffelmehl ein Brot von ganz vorzüglicher Beschaffenheit; wenn auch die Proben noch nicht abgeschlossen sind, so kann man doch sagen, daß das gleiche Resultat von allen Bäckern er- zielt werden kann; denn sie erhalten Weizen⸗ und

ggenmehl von der Stadt im richtigen Verhältnis,

und das Weizenmehl ist dabei, wie wir hören, nur zu 82 Pro⸗ zent ausgemahlen. Wenn gleichwohl über die Beschaffenheit des Brotes nur zu berechtigte Klagen umgehen, muß der Grund darin gesucht werden, daß dem Brot nicht genügend Weizenmehl zugesetzt, dies vielmehr zu anderen Zwecken ge⸗ braucht wird. f* Dr.- Hans⸗Bock⸗Gedächtnisstiftung. Die 170 Stadt Gießen unter diesem Namen überwiesene Gemälde ammlung war gestern nachmittag auf kurze Zeit in den Räumen der Kunstausstellung am Brandplatz angebracht worden, um den Mitgliedern der Stadtverordnetenversamm⸗ lung Gelegenheit zu geben, das wertvolle Geschenk kennen zu lernen. Die Sammlung enthält neben vielen guten und ein zelnen hervorragenden Stücken auch weniger bemerkenswerte. Da sie dem Publikum wegen der Platzfrage erst später, vor⸗ aussichtlich im Oktober, zugänglich gemacht werden kann, Seba wir uns ihre Würdigung bis zu diesem Termin vor ehalten.

1* Postverkehr mit dem Reichslande. Die Be⸗ stimmung der in den Schalterfluren der Postanstalten aus hängenden Bekanntmachung Nr. 1, wonach infolge des Kriegszustandes bis auf weiteres verschlossene Privatbriessendungen nach und von Elsaß⸗Lothringen und den in dieser Bekanntmachung namentlich aufgeführten badischen Postorten zur Postbe⸗ forderung nicht angenommen werden, wird von den Auf⸗ lieferern der Sendungen häufig nicht berücksichtigt. Die Bestinr⸗ mung ist noch voll in Kraft. Wenn private Briefsendungen des inneren deutschen. Verkehrs nach und von den bezeichneten Ge⸗ bietsteilen verschlossen aufgeliefert werden, müssen sie den Absendern zurückgegeben oder wenn diese nicht bekannt sind, nach den Vor⸗ schriften für unbestellbare Sendungen behandelt werden. Es liegt daher im eigenen Vorteil der Absender, solche Sendungen nur offen aufzuliesern.

* Kühlung für unsere Feldgrauen. In den letzten eißen Tagen haben wir oft mit Sorge an unsere Braven im Dlde gedacht, die in voller Waffenrüstung unter der Hitze un- Zeich mehr zu leiden gehabt haben werden als wir hinter der Front, wo wir uns jede Bequemlichkeit zuaute kommen lassen können. Daher sei nochmals in Erinnerung gebracht, was man schon gleich bei Ausbruch des Krieges im vorigen Jahre als Kühlungsmittel für die schon damals unter der Hitze leidenden Soldaten empfohlen hat. Es handelt sich um die Anbringung eines angeseuchteten Schwammes im Helm, wodurch eine wesentliche Verminderung der Temperatur unter dem Helm er- zielt wird. Man kann bei sorgsältiger Erneuerung der Feuchtigkeit durch diese Vorrichtung ganz sicherlich dem Entstehen des Hitz⸗

schlages vorbeugen. Landkreis Gießen. Alten- Buseck, 8. Juli. Der Musketier Ludwig Schmidt im Infanterie-Regiment Nr. 81 wurde mit der hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

m. Birklar, 9. Juli. Der in den 30er Jahren stehende Oberverwalter des hiesigen Hofgutes, Becker, starb gestern eines plötzlichen Todes. Er wollte auf einem Wagen ins Feld fahren, erlitt jedoch unterwe s einen Blutsturz, der seinem Leben nach wenigen Minuten ein Ziel setzte. war unverheiratet und stammt aus Nonnenroth, wohin seine Leiche verbracht wurde.

2. Arnsburg, 8. Juli. Zurzeit herrscht in den sonst so stillen Räumen des Klosters ein fröhliches Treiben, haben sich doch im Pfortenbau etwa 100 Bibelkränzler höherer Schulen aus Frank furt, Hanau, Homburg usw. auf 14 Tage einquartiert.

Nächsten Sonntag, den 11. d. Mts., nachmittags von 35 Uhr wollen sie Kriegsspiele veranstalten und daran anschließend ein christliches Jugendsest halten. Man bittet uns, Jungmann- der Umgegend auf diese Vorführungen aufmerksam zu

nachen.

0 5 Kreis Lauterbach.

3 it Grebenhain, 6. Juli. Von der Witwe Marie Weitzel

von hier stehen z. Zt. fünf Söhne im aktwen Militärdienst. Der älteste Sohn ist beim Landsturm, der zweite Sohn dient im Hess. Landwehr- Dragoner Regiment Nr. 23, der dritte beim 1 Reserpe- Artillerie⸗Regiment, der vierte als Hilisheizer und

Schlosser im Eisenbahndienst, der fünste Sohn ist vorgestern zur In⸗

lauterie eingezogen worden und befindet sich in Friedberg. Ter

7 sechste Sohn ist ebenfalls vorige Woche zur Infanterie ausgemustert

0 * 1

worden. 5

b 0 Hessen⸗Nassau.

f ace Kreise mit dem Kornschnitt begonnen. Die Nach⸗ 1

der Arbeit entwöhnt. und

Linie mit den mannigfachen Veränderungen, die Verbande brachte, beschäftigte. Dem dom Vor⸗ g Jahresbericht zufolge konnten alle Abteilungen den an sie gestellten Anforderungen ohne besondere Schwierig⸗ keit Seit dem Kriegsbeginn wurden nicht weniger als 30 neue Genossenschaften gegründet und dem Verband an⸗ gegliedert. Eine ausgebreitete Tätigkeit entfaltete die Waren⸗

abteilung auf dem Gebiete der Heeresversorgung, der Kriegs⸗ 2 und Futtermittelbeschaffung. Auch die Landwirtschaft⸗ iche Zentral⸗Darlehnskasse wurde durch den Krieg in ihrer Ent⸗

wicklung nicht gehemmt; sie bewies, daß in ihr eine große wirt⸗ schaftliche Kraft steckt. Die Hauptversammlung des Gesamt⸗ verbandes findet in der Form einer Kriegstagung im Spätherbst zu Frankfurt q. M. statt.

. Kassel, 8. Juli. Das Gebäude des hessischen Landesmuseums in Kassel, die schöne Schöpfung Prof. Theod. Fischers am Wilhelmshöher Platz, wird gegenwärtig in seinem Innern einer vorübergehenden Umwandlung unterzogen, um als Aufenthaltsraum derAusstellung für Verwun⸗ deten⸗ und Kranken⸗Fürsorge im Kriege zu dienen, die Ende nächster Woche darin eröffnet werden soll. So werden z. B. in der Basilita des Erdgeschosses die Kopie der Alexanderschlacht an der Rückwand und die antiken Statuen in den Nischen verschalt, um Wänden und Tischen für die Modelle Geräte des Heeres⸗Sanitätswesens Raum zu bieten. Der

nze Hof wird überdacht, damit hier eines der großartigsten Schaustücke der Ausstellung, der Sanitätsraum eines Schlacht⸗ schiffes, Aufstellung finden kann; und in dem Hessischen Ehrensaal des Obergeschosses werden die Fahnen und Standarten der hessischen Armee auf die geschichtliche Abteilung mit ihren alten kriegs⸗ A Instrumenten, Heilmitteln und Lazarettbildern herab-

icken. HH

Vermischtes.

London, 8. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet aus Chicago: Tornados und Wolken brü che, die Teile von Missouri, Illinois, Indiana und Ohio heimgesucht haben, haben schwere Verluste an Menschenleben und Eigentum zur Folge gehabt. An einer Stelle wurde ein Passagier- zug von den Gleisen gehoben, wobei einige Personen verletzt wurden. In vielen Städten liegt der Weizen auf den Straßen, der von den Feldern weggesegt worden ist. In Cineinnati sind dem Sturme 20 oder mehr Menschenleben zum Opfer gesallen. Im Ohioflusse kenterten zwei Schlepver, wobei zahlreiche Versonen ertranken. Jerner sind 25 Häuser zerstört worden.

London, 8. Inli.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter- sche Bureau meldet aus Toronto: Ein Straßenbahnwagen mit Kindern einer Sonntagsschule, die einen Ausflug machten, entgleiste an einer Kurve, als er von der Anhöhe von Queens town herabfuhr. Zwölf Personen wurden getötet, 40 verwundet.

Märkte.

se. Fraulfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 8. Juli. Auftrieb: Rinder 318(Ochsen 14, Bullen 8, Kühe und Färsen 296), Kälber 930, Schafe 83, Schweine 184.

Tendenz: Handel bei Kälbern gedrückt, bei Schafen rege und bei Schweinen trotz des geringen Antriebes leblos. Markt wird in allen Viehgattungen geräumt. Preise für 100 Pfd.

5 Lebend Schlacht ·

gewicht. Kälber. Mk. Mk. aher ataw eee denn 188187 Mittlere Mast- und beste Saugkälber. 60-66 100110 Geringere Mast⸗ und gute Saugkälber. 5560 91-100 Geringe Saugkälber. 2 ĩð 4 5054 8592 Schafe. Weidemastschase: Mastlämmer und Masthammel.. 5152 110112 Schweine.

Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Lebendge wicht... 11800-12300 144.00 150.00

Vollfleischige Schweine unter 80 kg 18 00.00 00 140.00 145.00 von 100 bis 0

Lebenge wicht Vollfleischige Schweine 120 kg Lebend gewicht.. 120.00.-123.0) 142.00 146.00 Fo. Wiesbaden. Viehhof- Marktbericht vom 7. Juli. Auftrieb: 171 Rindern(darunter 25 Ochsen, 15 Bullen, 131 Kühe), 262 Kälber, 38 Schafen, 223 Schweine. Geschäst ziemlich lebhaft. Der Austrieb wurde sast ganz geräumt. Die Preise hielten die Höhe vom 5. Juli.

je. Wiesbaden, 8. Juli. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Heu 5,305,60 Mk., Heu, neues, 3,50 4,60 Mk., Stroh ichtstroh) 2,50 bis 2,30 Mk., Krummstroh 1.902,10 Mk. Alles für 50 Kilo. Geschäft lebhaft. Fruchtmark t. Auf dem heutigen Markt war nichts angefahren.

ch. Nieder⸗Jngelheim, 8. Juli. Kirschen 1832 Mk., Stachel⸗ beeren 1823 Mk. Johannisbeeren 1322 Mk., Aprikosen 45 bis 50 Mk., Pfirsische 7080 Mk., Frühbirnen 1532 Mk. der Zentner.

ch. Heidesheim, 8. Juli. Buschbohnen 2025 Me, Süß- kirschen 15 20 Mt., Sauerkirschen 2230 Mk., Johannisbeeren 1820 Mk., Stachelbeeren 15-18 Mk., Himbeeren 40-00 Mk., Frühbirnen 15 00 Mk., Aprikosen 3550 Mk. der Zentner.

ch. Bühl(Baden), 8. Juli. Kirschen 1832 Mt., Johannis- beeren 1416 Mk., Heidelbeeren 1800 Mk., Stachelbeeren 18 bis 20 Mk., Birnen 21 Mk., gelbe Frühpflaumen(Spillinge) 30 Mt. der Zentner.

I. Marburg, 8. Juli. Auf dem heutigen Schweine- markt gingen die Preise für Saugserkel etwas zurück, sie kosteten das Paar 4050 Mk. Kleinere Läufer wurden mit 6080 Mk. und größere mit 90130 Mark das Paar je nach Größe und Qualität bezahlt. Die Zufuhr betrug rund 650 Stück.

Teirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde.

Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag. den 10. Juli 1915 Vorabend: 7.45 Uhr. 5 Morgens: 8.30 Uhr. Predigt. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbataus gang: 9.30 Uhr.

Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.

Die nordwestliche Depression ist weiter in nordöstlicher Richtung abgezogen. Wir werden morgen im Bereich des von Südwesten her weiter ansteigenden Luftdruckes heiteres trockenes Wetter bei schwacher Lustbewegung zu erwarten haben.

Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 10. Juli 1915: Heiter, trocken, wärmer, schwache Winde.

* Letzte Nachrichten. Die Helden vomAlbatros.

Stockholm, 9. Juli. Die Teilnahme der Ortsbewohner auf Gotland den verwundeten deutschen Matrofen gegenüber war so groß, daß die Besuche in dem Krankenhause untersagt werden Die Verwundeten wurden förmlichüberhäuftmit Blumen, Zigarren und Zigaretten. Dank der um⸗ fassenden pflege schreitet die Genesung rasch fort. Ein Korre⸗ spondent erzählt, wie ein Jüngling, der letzten Freitag noch schwer krank war, jetzt gesund und munter den Hof harke, eine Zigarctte rauche, die er, wie er stolz erklärt, von der Königin bekommen habe. Oberleutnant Horner ist der Held des Tages. Sämtliche internierten Deutschen erklären, hätte er nicht das Schiff als Navigationsoffizier so glücklich gesteuert, und einen Zickzackkurg versel so hätten sicherlich mehr von den russischen Geschossen getroffen. Man be⸗ hauptet sogar, daß er, nachdem ihm ein Granatsplitter das Bein zerfleischt hatte, auf dem Verdeck liegend, Befehle erteilt habe. Der Kommandant desAlbatros, Fregattenkapitän We st, muß jetzt infolge seiner Verletzung N e

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ber di 29275 it, daß das Schiff geborgen werden kann, ist ie 8 Schiff geborgen n, ist

Der ungenaue italienische Admiralitätsbericht. Chiasso, 9. Juli. Während die Mitteilung des italienischen

Admiralstabes von der Rettung fast aller Matrosen und Offiziere des KreuzersAmalfi spricht, beziffert ein Telegramm des Secolo aus Venedig die Zahl der Geretteten auf 500, während die gesamte Besatzung nach demCorriere d'Italia 900 betrug. Beide Angaben, welche der offitziellen Veröffentlichung widersprechen, sind von der sehr scharfsen Zensur unbeanstandet geblieben. Weiter meldetSecolo, daß der Unter⸗ gang 30 Kilometer von der Küste entfernt stattfand und zwar morgens 7 Uhr. Die anderen Schiffe des Geschwaders leisteten sofort Hilfe. Außerdem gingen sofort zwei Hospitalschiffe nach

Venedig ab.

Die russischen Anleihen.

Petersburg, 9. Juli. WieRjetsch meldet, ist die gemeldete Aus gabe von Schatzscheinen im 5 von einer halben Milliarde schon die siebente auf dem Markte seit Beginn des Krieges.

Amerikanische Munitionslieferungen an die Entente

rückgängig gemacht.

Genf, 9 Juli Mehrere amerikanische Unternehmer, die vol Monaten Lieferungsverträge mit Frankreich abgeschlossen hatten, zahlten Reugeld, weil die vorhandenen Arbeitskräfte für Washingtoner Lieferungen benötigt würden. Neue französische Munitionsbestellungen lehnen alle bedeutenden amerikanischen Un⸗ ternehmer ab..

Neue französische Verstärkungen für die Dardanellen.

Haag, 9. Juli. Aus London wird gemeldet, daß in der vorigen Woche ein neuer Transport französischer Truppen, etwa 20000 Mann, von einem Geschwader französischer Kreuzer und Torpedobootszerstörer begleitet, von Toulon nach den Dardanellen in Ser gegangen ist. Wie die englische Admtralität mitteilt, hat Hamilton, der Oberbefehlshaber vor den Dardanellen, in der vori⸗ gen Woche der englischen Regierung mitgeteilt, daß die Streit⸗ kräfte auf Gallipoli einen monatlichen Ersatz von mindestens 35 000 bis 45000 Mann benötigten, um die Gefangenen, Ver⸗ wundeten, Toten und Kranken ersetzen zu können.

A msterdam, 9. Juli. Der 11000 Worte umfassende Be⸗ richt des Generals Hamilton über die Dardanellenaktion enthält auch die Schilderung der Vernichtung ganzer Regimen⸗ ter. Die Tublin⸗Füsiliere litten schon furchtbar, als sie vor der Landung noch in den Booten waren. Einigen wenigen Mann ge⸗ lang es, zu landen und etwas Deckung zu finden, aber keinem Boot glückte es, davonzukommen. Sie wurden mit ihrer Besatzung am Strande vernichtet. 24 Stunden nach Beginn der Landu be⸗ fanden sich die Ueberbleibsel der Dublin⸗ und Munster⸗Fütsiliere und eine Kompagnie des Hampshire⸗Regiments an Land. Ma⸗ jore und Oberstleutnant waren gefallen, die Adjutanten verwun⸗ det und fast alle höheren Offiziere tot oder verwundet.

Die Serben in Albanien. 5 Chiasso, 9. Juli. Die TurinerGazette dell Popolo meldet aus Nisch: Die Serben sind überzeugt, daß ihre dies⸗ malige Besitznahme von Durazzo endgültig ist. Die Regie⸗ rung vereinbarte einen Vertrag mit Essad Pascha für die Einrichtung einer Telephon- und Telegraphenver⸗ bindung über Elbassan zwischen Serbien Durmnzzy. Serbische Ingenieure sind bereits mit dem Bau von Straßen von Serbien nach dem Meere beschäftigt. Die Montenegriner haben das ganze Gebiet bis zum Weißen Drin besetzt und die Bevöllerung, ohne Widerstand zu finden, entwaffnet.

Ven izelos regierungsmüde. N Athen. 9. Juli DieIta gibt eine Unter redaeng des Erdenutierten Kulumbaus mit Venizelos wieder, in der dieser darauf hinwies, daß die jetzige Regierung Griechenland politisch ifoliert habe. Das gute Verhältnis zur Entente sei zerrissen und die augenblickliche Lage gefährde den Besitz der In⸗ seln. Für den Fall einer Auseinandersetzung mit Bulgarien seien Kriegsvorbereitungen dringend Die 8 der albanischen und thrazischen Interessen lasse die Befürchtung eines Krieges auftauchen, in den damm Griechenlaud hineinver⸗ wickelt werden würde. Er, Venizelos, selbst sei regierungsmüde.

Mißlungene Flucht.. 5 Dresden, 9. Juli. Aus der Festung Königstein an der Elbe versuchten vier gefangene russische Offiziere gemeinsam auszubrechen. Sie ließen sich an einem Se

bis zum Fuße der Festung herab. Aber einer stürzte ab und sein Schenerzensschrei rief den Posten herbei. Alle vier Offiziere wur⸗

den verhaftet. Der Verletzte wurde ins Lazarett gebracht. 5

Amtlicher Teil. Bekanntmachung.

Betr.: Tie Brotgetreideernte 1915; hier die Mischfrucht.

Nach der Bundes ratsbekanntmachung über den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915, vom 28. Juni I. Is.(R. G Bl. S 363) ist sämtliches im Bezirk des Kom⸗ munalverbands(Kreises) Gießen gewachsene Brotgetreide in dem Augenblick der Trennung, vom Boden zugunsten des Kom⸗ munalverbands beschlagnahmt. Als Mischfrucht ist hierbei nur solche Frucht anzusehen, die gemischt gewachsen ist und dem⸗ zufolge auch nur gemischt abgeerntet werden kann. Nicht dagegen ist es zulässig, abgeerntete Frucht nach erfolgtem Ausdrusch miteinander zu mischen, wie dies beispielsweise häufig mit Roggen und Gerste geschehen ist. Wer dies tut, nimmt eine Veränderung an dem beschlagnahmten Getreide vor, die nach 8 2 der obengenannten Bekanntmachung ohne Zustim⸗ mung des Kommunalverbandes nicht gestattet ist und, falls sie trotzdem erfolgen sollte, nach 89 jener Bekanntmachung mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft wird. Die Landwirte werden bei dieser Sach- und Rechtslage in ihrem eigenen Interesse dringend davor gewarnt, Mischungen verschiedener Getreide⸗ arten nach deren Aberntung vorzunehmen. Diejenigen Grundstücke, die Mischfrucht tragen, sind bekannt. Zuwider⸗ handlungen werden deshalb unschwer festzustellen sein.

Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß sich die Vorschriften der mehrfach erwähnten Bundesratsbekanntmachung auch auf Ge⸗ treide beziehen, das etwa, wie Sommergerste, vereinzelt schon vor dem 1. Juli l. Is. abgeerntet worden sein sollte.

ießen, den 8. Juli 1915. 5 1 Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Usinger. etr.: Wie oben. 2. 1 An den Oberbürgermeister der Stadt Gießen, die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden und Großh. Gendarmerie des Kreises.

Wir empfehlen den Ortspolizeibehörden, den Inhalt der vor⸗ stehenden Bekanntmachung wiederholt in ortsüblicher Weise zur Kenntnisnahme der Interessenten zu bringen und diese darauf hinzuweisen, daß unnachsichtlich gegen diejenigen vorgegangen wer⸗ den wird, die, entgegen den erlassenen Vorschriften, nach erfolgter Aberntung des Getreides Frucht miteinander mischen. Festgestellte Zuwiderhandlungen sind anzuzeigen. Der Groß h. Gendarmerie wird besonders zur Pflicht gemacht, ihr Augen⸗ merk auf etwa vorgenommene Getreidemischungen zu richten.

Auch wollen die Bürgermeistereien alsbald veranlassen, daß dieienigen Grundstücke innerhalb der Gemarkung, die seinerzeit mit Mischfrucht bestellt worden sind, unter Aufführung der Namen ibrer Besitzer, in ein besonderes Verzeichnis eingetragen werden. Für die ständigkeit dieses Verzeichnisses und Richtigkeit der in ihm gemachten träge haben die Bürgermeister die volle Ver⸗ antwortung zu übernehmen.

Gießen, den 8. Juli 1915.

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