50 Spweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Familienblätter werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Ein mißglückter englischer§lugangriff.
Berlin, 5. Juli.(WTB. Amtlich.) Am 4. Juli mor- gens verfuchten die Engländer einen größeren Flug⸗ zeugangriff gegen unsere Stützpunkte in der deutschen Bucht der Nord see anzusetzen. Der Versuch scheiterte. Un⸗ sere Luftschiffe stellten die anmarschierenden englischen Streitträfte in Stärke von mehreren Flugzeug⸗Mutterschiffen, begleitet von Kreuzern und Torpedobootszerstörern, bereits mit Tagesanbruch in der Höhe der Insel Ter⸗Schelling fest und zwangen sie zum Rückzug. Ein englisches Wasser⸗ flugzeug, dem es gelungen war, aufzusteigen, wurde von un⸗
Flugzeugen verfolgt und entkam dadurch, daß es über holländisches Gebiet flog. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes. gez. Behncke.
Die englische Luftflotte wollte am vergangenen Sonntag wieder einmal eine Probe ihrer„Leistungsfähigkeit“ ab⸗ legen. Es war ihr zweites Gastspiel in der deutschen Bucht. Das erstemal geschah es an Weihnachten 1914, daß die englischen serflugzeuge einen Vorstoß gegen unsere Fluß⸗ mündungen wagten. Sie kamen wirklich bis Cuxhaven, warfen Bomben ab, ohne Schaden anzurichten, schossen auf ankernde Schiffe, ohne zu treffen und zogen sich vor dem beginnenden deutschen Feuer schleunigst nach Westen zurück. Diesmal scheiterte der Angriff schon in seinen ersten An⸗ fängen, und es ist von großem Juteresse, daß diese englische
ftmacht samt Mutterschiffen und Begleitkreuzern vor den deutschen Luftschiffen so schnell das Weite suchen mußte. Unsere Luftschiffe sind sowohl bei ihren Flügen nach Eng⸗ land als auch bei den Angriffen auf Calais, Paris und andere feindliche Städte wiederholt von den gegnerischen Flugzeugen angegriffen worden, aber weder Engländern noch Franzosen ist es gelungen, einen unserer Zeppeline zu vernichten. Nun scheinen die englischen Wasserflugzeuge schon jede Hoffnung auf einen Erfolg aufzugeben, wenn nur ein lin am Horizont auftaucht. Ein einziger englischer Flieger verließ am Sonntag die 4 Fittiche seines Mutterschiffes, ergriff dann schnell das Hasenpanier und landete, wie aus einer holländischen Meldung hervorgeht, 3 11. 81 1 5— 1912 zum 3 es Roya ing⸗ 5, das im e 1912 zum Zwecke der „Vorherrschaft Englands in den Lüften“ gegründet wurde. Der Hegemonie auf den Meeren, i schön in der englischen Presse, müsse die Hegemonie in den Lüften angegliedert werden. Als Krone jener Anstrengungen wurden die militärische Central Flying School in Üpavon auf der Ebene von Salisbury und die königlichen Luftfahr⸗ zeugwerke errichtet, denen die führer und Mechaniker und die Versuche
. 5 ufgaben zunächst gar nicht gewachsen sind und ihre Ausbildung erst 5 ganze Reihe von übrigens aus— Deutschland . i zen Flugzeugführer mußten sich erst mit der Eigenart 277 damned dutchmen vertraut
für den englischen Dilettantis⸗ 1 a 8 Dingen, wenn der so viel bla⸗ mierte Winston Churchlll Flugminister werden sollte, dessen Kenntnisse und Erfahrungen sich lediglich darauf stützen, daß er einmal in einem M itärflugzeug mitfliegen durfte. Erwartet man vielleicht von seinem Or janisationstalent neue Offenbarungen? Gerade auf diesem Gebiete gibt es im englischen Flu en eigentlich nichts zu tun. So gerin, die Einzeltüchtigkeit zu sein scheint, so ausgebildet ist die Einteilung und Verwaltung. Es gibt sieben Marineflug⸗ zeugstationen: in Farnborough, Loven(Firth of Forth), Cromarty, Yarmouth, Felixtow, Calshot(Southampton) und Isle of Grain. Die Verbindung der Wasserflugzeuge mit den Mutterschiffen ist gut durchdacht, die Sicherung durch Begleitschiffe(Kreuzer und Torpedobootszerstörer) vorzüglich ausgebildet. Und doch kein Erfolg? Und doch kein Mut, wenn die Zeppeline anrücken. Bei dem Angriff am
— stechende
lich auf ihm gesessen und
165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Dienstag, 6. Juli 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul- N
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S251, Schrist⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Sonntag hörte man an der Geschützdonner. Er rührte wahrscheinlich von den englischen Abwehrkanonen her. Die englische Marine verwendet gerade auf den Begleitschiffen der Luftfahrzeuggeschwader Ballon geschütze von 7,6 Zentimeter
fahrend, im West⸗ diep ein britisches Linienschiff der Formidable-Klasse mit Bomben übel zu und griff die englischen Vorpostenfahrzeuge
Erinnerungen an porfirio Diaz.
Das Leben des ehemaligen Präsidenten Porfirio Diaz, der dieser Tage gestorben ist, glich einem wundersamen Abenteurer⸗ Romane, dessen einzelne Kapitel einander oft zu widersprechen scheinen, dessen inneren Zusammenhang man aber sogleich ver⸗ steht, wenn man sich gegenwärtig hält, daß diesen Mischling spani⸗ schen und indianischen Blutes nur ein Instinkt beherrschte: der Machtinstinkt, zu dessen Befriedigung ihm alle Mittel recht waren. Er leitete den jungen Juristen, sich dem Waffenhandwerke du widmen; er führte ihn bald auf diese, ihm der Wechsel der Partei niemals er hat ihn in zahllosen Fällen aus großen Gefahren gerettet. Diaz war erst 30 Jahre alt und schon„General“, als er in den Kämpfen gegen die Anhänger Maximilians in die Hände der Kaiserlichen fiel. Das war eine gefährliche Sache, denn der Kaiser hatte damals das sogenannte Blutdekret erlassen, nach dem jeder Führer der„Liberalen“, dessen man habhaft wurde, ohne weiteres erschossen werden sollte. Diaz wurde der Aufsicht eines jungen ausländischen Offiziers übergeben, der von ihm sein Wort verlangte, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Er gab es und bat nur, sich von seiner jungen Frau verabschieden zu dürfen. Am nächsten Tage war Diaz mit Hilfe der Frau entflohen... Nach dem Sturze des Kaisertums entwickelte sich bekanntlich eine Reihe von heftigsten Bürgerkriege, an denen Diaz, immer seinem einen Ziele nachstrebend, und am liebsten als Gegner der jeweiligen Machthaber, teilnahm. Bald war er im Vorteil, bald schien es mit ihm zu Ende, und im Jahre 1876 hatte es wirklich den Anschein, als ob Diaz 8 verspielt habe. In Mexiko hatte der Präsident Lerdo die berhand und Diaz mußte Hals über Kopf nach New Orleans flüchten. Aber der zähe Mann gab nicht nach; wieder beschloß er den Kampfplatz auf⸗ zusuchen, und nie in seinem Leben hat sich wohl die in ihm alte indianische List so glänzend bewährt, wie damals. Er schlug, um nach Südmeriko zu gelangen, wo ihn getreue Truppen erwarteten, den Seeweg ein, wurde aber auf dem Schiffe von Truppen des Präsidenten erkannt, und es hieß nun, sich flüchten, bevor mexikanischer Boden erreicht und Diaz damit vogel⸗ frei wurde. Kurz entschlossen sppang er, der Haifischgefahr trotzend, ins Wasfer, um sich schwimmend zu retten, wurde aber bemerkt und ingeholt. Allein bald darauf war er wieder auf rätselhafte Weise 5—— man vermutete, daß er sich mit Hilfe einer Boje gerettet habe oder auch untergegangen sei, und gab schließ⸗ lich nach langem vergeblichen Bemühen die Suche nach ihm auf. Als aber die Lerdisten das Schiff verlassen hatten und die Luft wieder rein war, da wurde Diaz von dem Zahlmeister, mit dem er sich verständigt hatte, unter den Kissen seines Sofas hervor⸗ geholt, wo er sieben Tage und sieben Nächte, oft dem Ersticken nahe, sich verborgen hatte. Die lerdistischen Offiziere hatten wört⸗ i auf ihm Karten gespielt! So gewann er das Land, und von diesem Zeitpunkte an ging sein Stern schnell dem Zenithe entgegen. Nicht lange darauf hatte Mexiko vier Präsidenten zugleich, und es war Diaz, der schließlich von diesen vieren das Rennen machte..
Wie er während seiner Präfidentschaft Mexiko ganz und gar als Autokrat verwaltet und im Zügel gehalten hat, das ist be⸗ kannt. Seine Anhünger nannten ihn den großen Mann von Mexiko, seine Gegner Mexikos Zaren. Das aber konnte niemand leugnen, daß er ein ganzer Mann war, der seine Mexikaner zu behandeln. verstand. Viele kleine Züge und Geschichten zeugen davon. Schon
bald auf jene Seite, wobei Skrupel bereitet hat, und
Römischer Theatersommer im Kriegsjahr.
Seit Italien in die Reihe der kriegführenden Mä i treten 3 die Ther der* 1 838 geändert das bisher beliebte Nührstück ist durch das pat rio tische Sing spiel ersetzt worden, das halb komisch, halb tränen⸗ ödie ist und allabendlich außer⸗
n 855 W 15 Fefe „Es war einmal ein Wolf.. Als Verfasser zei
gen der Librettist Forzauo und der Karifaturenzeichn 935 Ein Wols tritt darin auf der die Züge des Kalsers Franz Josef reed doe eden Schtendert f ber l in Peufsch
e einen N i
land sehr beliebt wur. Die beiden wollen gen Schlaf din Aorisch Tiere ausnutzen und einen kleinen unruhigen Köter über len, der auf den Namen Serbien hört. Auf das Hilfegebell des Ueber- fallenen erwachen die anderen Tiere, der Bär, der Fuchs, der Hahn
Intermezzo führt in den Himmel, wo sich der liehe Gott im Kreise
Publikum stehend mit. Ueberhaupt ergreifen die Zuschau jede Gelegenheit,
unbemerkt zu bleiben!— in einer Loge des zweiten Ranges nieder.
Tas Publikum erkannte sie aber und erhob sich zu einer Kund⸗
n weiterer Singspiel hat sich das im Esaullinviertel ge legene volkstümliche„Teatro Manzoni“ von dem Zola⸗ übersetzer Corradi und dem als Journalist unter dem Namen
Yambo bekannten Sohne Ermete Novellis zusammenschreiben las⸗ sen. Es bringt einen Compere und eine Commsre auf die Bühne. Compere ist ein junger Student, der zuerst als Humaniatrier, Internationalist und Kriegsfeind auftritt und Commere ist Fräu⸗ lein Trikolore“, die der Revue den Titel gibt und als Patriotin die italienischen Farben trägt. Selbstredend wird der Student im Laufe des Stückes„patriotisch“ und kriegerisch; im letzten Akte stellt er sich als Freiwilliger und erntet dafür die Liebe der Commsre. e erscheint— 1 7* reich, die sich gut gelaunt in alle Szenen hinei inmischt un n —— E Bersaglieris den Gruß der„Poilus, der
Bärtigen“, aus der Champagne überbringt. Auch Sonnino stellt l
sich ein und trotzt undurchdringlich den— Verführungskünsten des Dreiverbandes, obwohl der ebenfalls
auftretende Bülow alle Minen springen läßt.
Im„Teatro Manzoni“ sieht man ein einfacheres Publikum als im„Teatro Quirino“, die Stimmung gleicht sich aber; als kürzlich einige bekannte Mitglieder der franzöftschen Kolonie in einer Loge erschienen, winkte ihnen Fräulein Frankreich mit der Trikolore und die Kapelle stimmte die Marseillaise au, Guiseppe Caribaldi und seine Brüder wurden nit brausenden Zurufen ge⸗ feiert, und die Mustk spielte das Garibaldilied, den Königsmarsch und von neuem die Marseillaise. Und dann stand im Parkett der Deputierte und Munizipalrat Podrecca auf und hielt eine flam⸗ mende Rede auf die Familie Garibaldi.
*
Deutsche Kunst in Belgien. Brüssel, 5. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Mitglieder der Hoftheater in Berlin, Dresden, München und Stuttgart sind nach Belgien gekommen, um unter der Leitung des Generalinten⸗
danten von Hülsen⸗Häseler(Berlin) und des 2 k. N
danten von Stuttgart in dem besetzten Teile Belgiens eine 9 zahl Konzerte 5——— E Ae 1 2 abend in Anwesenheit des Gener, 4 rs, der Beamten teralouverneurs, sowie vieler Offtziere und Mitglieder der deutschen Kolonie im Park⸗Theater statt und brachte den mit⸗ wirkenden Kilustlern reichen, verdienten Beifall. Das Programm verzeichmet: Die Damen Emmy Leisner, Marianne Alfermann und
dadurch war er seinen Landsleuten überlegen, daß er nicht trank, nicht rauchte und überhaupt außer der Macht keine Passionen hatte. Darum mußten sie es respektieren, wenn er auch gegen seine Unter⸗ gebenen streng war. Einmal kam ein Beamter, der unmittelbar unter seiner Aufsicht arbeitete, nach einem etwas zu starken Früh⸗ stück zu szät in die Kartzlei und versuchte sich bei Diaz mit den Ausrede zu entschuldigen,
daß er unterwegs mit seinem! Kraft⸗ wagen stecken geblieben sei. Die ironische Antwort des Präsidenten war:„Sie scheinen noch immer nicht zu wissen, daß man einen Kraftwagen mit Benzin und nicht mit Kognak heizt.“ Er verstand aber auch anderen, als den Mexikanern zu imponieren. Trieb da einmal in Mexiko ein übler amerikanischer Konzessionsjäger sein Wesen, der in der ganzen Stadt hören ließ, er sei das Opfer von Betrügereien und Gewalttaten geworden. Lange ließ Diaz ihn reden, endlich beschied er ihn eines Tages vor sich. Mit einem starren, undurchdringlichen Gesichte sagte er zu dem Amerikaner nur die Worte:„Was wünschen Sie?“ Und in der eisigen, drohen⸗ den Atmosphäre verging selbst dem gerissenen Spekulanten der Mut. Er stammelte, machte Ausflüchte, bat schließlich, eine Be⸗ schwerdeschrift einreichen zu dürfen. Diaz antwortete nicht ein Wort; ganz geknickt ging der Amerikaner seiner Wege und ließ fortab kein Wort mehr von der„Gerechtigkeit“ verlauten, die er vorher gefordert hatte. Uebrigens verstand Diaz, wenn es ihm am Platze schien, auch weniger schroffe Formen und Mittel zu benutzen, und dabei kam ihm sehr zu Hilfe, daß er in Donna Carmelita eine sehr geschickte und formal gewandte Gattin gewonnen hatte, die wohl auch auf seine Umgangsformen wohltuend! eingewirkt hat. Ihrer Vermittlung ist es sogar gelungen, zwischen dem Erz⸗ revolutionär und den frondierenden grundbesitzenden Familien, ja selbst mit der Diaz ursprünglich sehr abholden Geistlichkeit ein freundliches Verhältnis herzustellen. Bis jener Tag erschien, wo alles mit einem Male zusammenbrach, jener Maitag des Jahres 1911, wo die Mesige, die bisher mit Dia; ihren Kult getrieben hatte, in den Straßen von Mexiko„Viva Madero!“ rief und der gestürzte Diktator seine alte Residenz eilends verlassen mußte. Kirche und Schule. Hessischer Allgemeiner Evangelisch-Protestanischer Missiousverein.
h. Frankfurt a. M., 5. Juli. Unter dem Vorsitz vort Pfarrer Lehn⸗Offenbach fand hier eine aus allen Teilen des Großherzogtums gutbesuchte Vorstands⸗ und Vertrauensmänner⸗ sitzung des Vereins statt. Dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahres⸗ bericht zufolge hat die deutsche Missionsarbeit trotz des Krieges noch keinen Grund, trübe in die Zukunft zu sehen. An manchen Orten wird, unbekümmert um die Feinde, in Ruhe weiter gearbeitet; sogar neue Arbeitsgebiete will man in Angriff nehmen, vor allem in China und Japan. Der Wille hierzu wurde in einer einstimmig angenommenen Entschließung bekundet. Mit den übrigen Pfarrervereinigungen Hessens will man in dieser wichtigen Frage Hand in Hand arbeiten. Zum Festort des dies⸗ jährigen Jahresfestes wurde Friedberg bestimmt; sollte hier die Abhaltung nicht möglich sein, dann kommt Alsfeld in Frage.— An Stelle von Pfarrer Eschenröder⸗ Worms, der nach Frankfurt berufen wurde, mählte man Pfarrer Illert⸗ Osthofen in den Vorstand.— Die Jahresrechnung für 1914 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 4585 Mark ab. Sehr bemerkbar macht sich der Einfluß des Krieges jedoch in diesem Jahre bei den Einnahmen, die in den ersten fünf Monaten bereits um 900 Mark hinter den sonst eingehenden Summen zurückblieben.
meccrodoglsce Beobachtungen der Siren. ehen
——— 2 2 EE 2 1 2 22—— E Juli ES. E 8 8 8 2 325 SS EFF Wetter 815[C SS 28 SSS SSS S8 1815 5 S 535 88.8 „ 5 8 8 52 745,8 28,7 11,1 88 8 1 8 Sonnenschein 5. 9% 748.4 20,3 13 79 2 10 Bed. Himmel 6.0 7% 750,4 17,8 12,7 83 1 8 Sonnenschein
Höchste Temperatur am 4. bis 5. Juli 1915—* Niedrigste„„ 4„ 5.„ 1915= + 1%„ Niiederschlag: 19,5 min.
1 7 Miüllersche Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn am 6. Juli 19 R. —————
Das Beste 2
Claire Dux(Berlin), Eva von der Osten(Dresden), Hofman⸗ Onegin(Stuttgart); die Herren: Walter Kirchhoff(Berlin),
Odol zur Zahnpflege
Friedrich Plascke(Dresden), Hellgers(Stuttgart), Heinrich Knote (München). Am Klavier saßen Dr. Karl Besl(Berlin) und Prof. Bachmann(Dresden). Rezitatorisch betätigten sich die Herren Bött⸗ cher und Mühlhofer(Berlin); ferner spielte der Violinist Gustab Wendling⸗Stuttgart. Im Laufe der Tätigkeit der Künstler in Belgien werden auch eine Anzahl von Konzerten in Krankenhäusern veranstaltet werden.
— Gounod— das Gegenstückzu Saint⸗Sasns“ Deutschenfresserei. Man weiß, daß Saint⸗Saens, der fran⸗ zösische Musiker, seit Ausbruch des Krieges die„boches“ nicht mehr eiden mag, obwohl er sich vor dem 1. August 1914 durchaus ges duldig von ihnen verehren ließ und sogar die Gastfreundschaft des deutschen Kaisers nur zu gern genossen hat. Man weiß, daß er jüngst in seiner Verblendung so weit ging, eine ihn begrüßende belgische Sängerin, die er irrtümlich für eine Deutsche hielt, mit roher Gewalt von sich zu stoßen und ihr die theatralischen Worte ins Gesicht zu schleudern:„Heben Sie sich weg von mir, Sie sind eine Deutsche!“ Bei dieser Gelegenheit ist es interessant, daran zu erinnern, wie grundverschieden von Saint⸗Saents einst Goun o d, sein nationaler Fachgenosse, anläßlich des Krieges von 1870/71 über die Deutschen dachte, Gounod, der in St. Cloud bei Paris eine kleine Besitzung bewohnte, hatte die Schrecken des Krieges am eigenen Leibe zu spüren, und die Belagerung der franzöfischen Hauptstadt vertrieb ihn nach London. Als ein Mann mit weitem Blicke aber hatte er von vornherein über den vom Zaun gebrochenen Krieg mit Deutschland ein vernichtendes Urteil gefällt. Er konnte das Geschick jedoch nicht aufhalten, und so mußte er im Zustand tiefster Niedergeschlagenheit von jenseits des Kanals das Unheil an seinem Vaterlande sich erfüllen sehen. Dieser Stimmung ent⸗ sprang beispielsweise die nach den Worten der Klagelieder Jeremia omponierte und 1871 in London zum ersten Male aufgeführte Trauerkantate„Gallia“. Von der Themsestadt richtete Gounod ferner an den damaligen Kronprinzen von Preußen einen denk⸗ würdigen Brief, in dem er mit bewegten Worten der Bitte Aus⸗ druck gab, nach Möglichkeit sein Haus in St. Cloud zu schonen, das er sich t nach langen künstlerischen Kämpfen habe erwerben können. Gounod ist offen und ehrlich genug, in diesem J dem Kronprinzen gegenüber zu betonen, daß er deutscher Kunst deutschem Geiste wesentlich seine eigene künstlerische Richtung danke und den Krieg aufs tiesste beklage.
8


