Der Sletener Ischeint täglich, 2 Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sletener Familienblätter; etmal wöchentl. Kreis: t für den Kreis Glehen (Dienstag und Freitag); —— W l Lan Wir. ellfragen Ferusprech-Anschlüßfe: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled! Adresse für Drahtnach- —.— 3. nnahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.
Wien, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird
verlautbart: 22. Juni nachmittags: Unsere 2. Armee
. nach hartem Kampfe Lemberg er⸗ Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs
„ v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
(TB.) Großes Hauptquartier,
(Amtlich.) Bestlicher Kriegsschauplaz.
Auf dem westlichen Ka ftalufer, nordwestlich von Dixmuiden, wurden feindliche Angriffe gegen drei von uns besetzte Gehöfte abgewiesen.
% Nördlich von Arras fanden auch gestern im wesent— lichen Artilleriekämpfe statt. Ein französischer Infanterie— angriff im Labyrinth, südlich von Neuville, wurde um Mitternacht zurückgeschlagen.
In der C hampagne, westlich von Perthes, schoben wir nach erfolgreichen Sprengungen unsere Stellung vor. a Auf den Maashöhen dauerten die Nahtämpfe unter schwerem Artilleriefeuer den Tag über an. Heute früh gegen 3 Uhr schritten wir zum Gegenangriff, säuberten unsere Gräben vom eingedrungenen Feind fast vollständig und mach⸗ ten 130 Gefangene. Ein kleiner feindlicher Vorstoß bei Marche ville wurde leicht abgewiesen.
Destlich von Lune ville entwickelten sich bei Leintrey neue Vorpostenkämpfe.
In den Vogesen haben wir heute nacht unsere Stel⸗ lungen hlanmäßig und ungedrängt vom Feinde auf das öst⸗ liche Fechtufer, östlich von Sondernach, verlegt. Am Hilsen— first erlitt der Feind bei erneuten Angriffen wieder ernste Verluste. ö Unsere Flieger bewarfen den Flughafen Courcelles, westlich von Reims, mit Bomben. Feindliche Bombenabwürfe Brügge und Ostende richteten keinen militärischen
en an.. „ Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Kämpfe nördlich und westlich von Lembe rg wer⸗ den fortgesetzt. Westlich von Zolkiew wurden die Russen heute nacht zum Rückzuge aus ihrer Stellung ge— zwungen.
Die deutschen Truppen und das in ihrer Mitte kämp⸗ sende österreich schungarische Armeekorps haben seit dem 12. Juni, dem Beginn ihrer letzten Offensive aus der Gegend von Przemysl und Jaroslau, 237 Offiziere, 58 800 Mann zu Gefangenen gemacht, neun. Geschütze und 136 Maschinengewehre erbeutet. Oberste Heeresleitung.
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Nun läuten in deutschen Landen, wie in den Städten und Dörfern unserer Verbündeten, wieder die Glocken, und mitten in dieser rauhen Zeit, die noch nicht abgeschlossen ist, sondern noch viele blutige Kämpfe erfordern wird, schließen sich die Herzen zusammen zu Freude und Hoch— gefühl der Sieger. Lemberg ist wieder unser, die galizische Hauptstadt ist vom Feinde geräumt, und es sind nur noch wenige Kilometer Landes zu erfechten, bis die Russen voll⸗ ständig über die Grenzen zurückgeschlagen sind. Es ist wahr— lich kein freiwilliger Rückzug, den Nikolai Nikolajewitsch angetreten hat; kämpfend, seine Heere zu verzweifelten Anstrengungen gegen die Verfolger anwerfend, kostet er, der Hauptschuldige an diesem Welttrieg, in diesen Stunden die ganze Bitterkeit des Geschlagenen, die Furcht vor der Strafe des von ihm zu blutigem Angriffskrieg mißbrauchten Volkes. Die russische Macht ist zusammengebrochen, denn die größten Schlachten, die die Weltgeschichte kennt, haben zum Zusammenbruch des Feindes geführt. Alle die großen Niederlagen, die den Heeren des Zaren durch unseren ruhm— reichen Hindenburg zugefügt worden sind, deren Bedeutung in Petersburg aber immer wieder abgeleugnet wurde, meldeten sich jetzt in ihren erschütternden Folgen auch in Galizien. Der Zar, Herrscher über 150 Millionen Menschen, hat keine widerstandsfähigen Heere, keine leistungsfähige Artillerie, keine ausreichende Munition mehr. Er ist auf allen Gebieten in die Desensive gedrängt, und schon heute erfährt man durch eine noch nicht verbürgte Mel⸗ dung, daß auch Warschau von der Zivilbevölkerung ge— räumt werde. Das russische Volk aber, wenn es allmählich die ganze Größe seines nationalen Elendes übersehen wird, wird dem russischen Throne auch die unausbleiblichen in ne— ren Schlachten liefern. Wenn künftig vom„kranken Mann“ gesprochen wird, wird man vielleicht weniger an den Nach- folger des Propheten, als an den„Selbstherrscher aller Reußen“ denken. 0 Wir freuen uns in diesen Stürmen. Denn wie es beim Feinde abwärts geht, so geht es bei uns aufwärts, zur 5220 des endgültigen Sieges! Lemberg ist keine deutsche tadt, und wird auch keine werden. Aber sie ist die Stätte, wo deutscher Waffenruhm einen glänzenden Triumph feierte, und sie ist der Gipfel, von dem nunmehr eine siegreich fort— schreitende Zukunft überblickt werden kann. Die deutschen che erhalten allmählich Rückenfreiheit. Die halbe Arbeit des chweren Zweifrontenkrieges ist bald getan. Was uns von England und Italien droht, brauchen wir kaum als dritte Front zu rechnen im Vergleich zu den Feindesmächten, mit denen schon Bismarck rechnete. Aber mit Schwierig⸗ leiten und Sorge sind wir noch nicht am Ende! Wir wollen sie überwinden mit dem alten Siegerwillen in der Brust, stolzer und freudiger denn je die Bismarck-Worte wiederholend; Gott wird mit uns sein!
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24.
Juni.
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Gieße
0s. Jahrgang
Die Einnahme von Lemberg. Berlin, 22. Juni.(WTB. Amtlich.) Lemberg ist heute nachmittag nach schwerem Kampfe von österreichisch— ungarischen Truppen genommen worden. Das österreichi sche 34. Infante rieregiment, dessen Chef der de ut— sche Kaiser ist, hat sich bei der Erstürmung des Werkes Lysa Gora ausgezeichnet. 4
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird
verlautbart: 22. Juni 1915 mittags. Russischer Kriegsschauplaz.
Die Kämpfe um Lemberg dauern fort. Die rus⸗ sische Verteidigungsstellung südlichder Stadt wurde gestern im Raume westlich Dornfeld von un⸗ seren Truppen durchbrochen, die Uebergänge über den Sozecerek⸗Bach an mehreren Stellen in die Hand ge⸗ nommen Einzelne Befestigungsanlagen an der West⸗ und Nordwestfront von Lemberg sind nach heftigen Kämpfen, in denen sich die Wiener Landwehr besonders tapfer schlug, in unserem Besitz.
Dieutsche Truppen erstürmten die Höhen westlich Kulikow und schlugen alle Gegenangriffe der Russen unter schwersten Verlusten des Feindes zurück.
Südlich des Dujestr ist die allgemeine Situation unverändert. 5
Auch gestern wiesen die Truppen der Armee N flan⸗ zer, wo sie angegriffen wurden, die Russen unter großen Verlusten zurück.
Am Tane w und in Polen hat sich an der Situation nichts geändert. Italienischer Kriegsschauplatz.
Bei Plava wurden wieder einige feindliche Angriffe abgewiesen. Ein italienischer Flieger warf auf Görz erfolg⸗ los Bomben ab. 3 5 1 i
Au allen Fronten verschießt der Feind viel Geschütz⸗ munition, verhält sich aber sonst passiv.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ein Glückwunschtelegramm des Kaisers.
Wien, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die Korrespon— denz„Wilhelm“ meldet: Wie wir spät nachts erfahren, hat Kaiser Wilhelm noch heute abend ein Glückwunsch⸗ telegramm anläßlich der Einnahme von Lemberg an den Armeeoberkommandanten Feldmarschall Erzherzog Friedrich gerichtet und ihn zum preußischen Feldmarschall ernannt.
Ein laiserliches Lob der hessischen Regimenter. Darmstadt, 22. Juni.(WZB. Nichtamtlich.) Die
„Darmstüdter Zeitung“ teilt mit: Ein Telegramm des Kaisers an den Großherzog spricht sich aufs höchste anerkennend über die siegreich bei Lemberg im Vormarsch befindlichen hessischen Regimenter nus, die ihm durch ihre kriegerische Haltung einen vorzüglichen Eindruck gemacht haben. Die Aufnahme der Nachricht in Wien.
Wien, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Anläßlich der Einnahme Lembergs verfügte Bürgermeister Weis⸗ kirchner, daß Donnerstag den Kindern in den st a d⸗ tischen Schulen die herrliche Waffentat der verbündeten Armeen sowie ihre bedeutungsvolle Wirkung von den Lehr⸗ personen dargestellt wird, worauf der Tag als schulfrei erklärt wird. Heute abend ist das Rathaus bereits geflaggt.
Die russische Artillerie.
Berlin, 22. Juni. Der„Kölnischen Zeitung“ wird aus dem Kriegspresseguartier gemeldet: Die russische Artillerie hat aufgehört zu feuern. Sämtliche Geschütz⸗ parks, welche sonst die Aufgabe gehabt hätten, den Rückzug zu decken, sind als wertloser Ballast in größter Eile in das Hinterland geschafft worden. Die Truppenkörper bleiben da— her ohne den wichtigen Nachschub an Nahrungsmitteln, weil die Wege durch die Artillerie versperrt sind. Nur so kann be— griffen werden, daß ganze Trupps von Feinden halb tot vor Hunger von den vorbeimarschierenden Siegern überrascht wurden.
Fraukreich und der russische Rückzug.
Paris, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die ganze Presse vermeidet es, auf die Folgen des russischen Rückzuges einzugehen. Sie beginnt wieder das Schlagwort vom Abnützungskriege auf⸗ zubringen. Die Presse erklärt, die russische Heeresleitung beab⸗ sichtige, die Oesterreicher und Deutschen an eine von ihr be⸗ stimmte Stelle zu locken, um sie dort desto besser zu schlagen. Wo sich die Schlachtfront befinde, ob mehr im Westen, ob mehr im Osten, habe mit der günstigen Kriegslage der Alliierten nichts zu schaffen. Unter ähnlichen Erwägungen warnt auch der „Temps“ die Neutralen davor, sich in ihrer Haltung und ihren Entschließungen von angeblichen deutschen Siegen beeinflussen zu lassen. Der russische Rückzug sei keine Niederlage. Man solle doch nicht vergessen, daß die Macht Napoleons in Moskau gebrochen wurde.
* Pressestimmen.
Berlin, 23. Juni. Die Einnahme von Lemberg wird von den Morgenblättern in Leitartikeln gewürdigt. Unter der Ueberschrift„Lemberg wieder frei!“ schreibt der„Berliner Lokalanzeiger“: 8
Ein Aufatmen geht durch die österreichisch-ungarischen Lande wie bei uns nach der Schlacht bei Tannenberg und der Winterschlacht in Masuren, denn schon sieht das Volk das Vaterland vom Feinde gesäubert. Wir aber fühlen mit unseren Verbündeten; wir
nzeiger
General⸗Anzeiger für Gberhessen
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschästsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.
Mittwoch, 25. Juni 1915
Deu gs pre monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel ⸗ jährl. aussch' Bestellg. Zeilenpreis: lotal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz, für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.
Lemberg den Russen entrissen!
teilen ihre Freude und hohe Genugtuung erfüllt uns, daß wir mit dabei gewesen. Der alte Dreibund ist zum Zweibund zu⸗ sammengeschmolzen, während der ihm gegenüberstehende Drei⸗ verband sich zum Vierverband ausgewachsen hat. Aber dieser Zweibund, dem sich das Osmanische Reich als neuer Freund zu⸗ gesellt hat, bildet eine in sich gefestigte Einheit, dessen physische Kraft, gestärkt und gehoben wird durch die ihm innewohnende moralische Kraft. In Treue stehen wir zu einander und geben der Welt ein Beispiel, was wahre Waffenbrüderschaft bedeutet. Unter deutscher Führung haben österreichisch-ungarische, unter österreichisch-unggrischer deutsche Truppen gekämpft, wie es die Kriegslage mit sich brachte, ohne Eifersüchteleien, ohne Vorwürfe und deshalb mit Erfolg. Was sich da abgespielt hat, kann nicht ohne Wirkung auf die anderen Staaten und Völker bleiben. Sie sehen, wo Vertragstreue und gegenseitige opferwillige Unter⸗ stüzung zu finden ist, sie sehen, was ehrliches Zusammenwirken zustande bringt, denn diesem ehrlichen Zusammenwirken ist die Niederlage des mächtigen Rußlands zu danken, ist es zu danken, wenn in Zukunft über Lemberg, der Hauptstadt des vom Feinde befreiten Kronlandes Galizien, wieder die schwarz⸗gelbe Fahne wehen wird. e 5.
Die„Vossische Zeitung“ schreibt: Galizien ist frei, nur noch eine ganz kurze Strecke ist zu säubern. Kein. Zweifel, daß auch diese Auskehr sehr bald gelingen wird. Von einer russischen Offensive ist seit den ersten Maitagen keine Rede mehr; nach und nach bröckelt auch die russische Defensive ab. Der Zar, der vor einigen Monaten als Triumphator in Lemberg einzog, hat alle Ursache, mit Bangen der nächsten Zeit entgegenzusehen. Es kommen Unruhen in Rußland, die wahrscheinlich alles in Schatten stellen werden, was man bisher mit Grauen dort erlebt hat. Das stärkste Roß im Vierbundstalle ist zusammengebrochen. Lemberg hat ihm einen Stoß gegeben, von dem es sich nicht mehr erholen kann.
Im„Berliner Tageblatt“ sagt Major Morath: Wenn auch der Sieg im Raume von Lemberg einen gewissen Abschnitt in dem großen Lampffelde darstellt, so ist es doch nicht anzunehmen, daß unsere Operationen auch nur einen Augenblick bei diesem Erfolge verharren werden. Planmäßig wird die Führung dafür sorgen, daß unsere Heere den entwichenen Russen auf den Fersen bleiben, bis die Vernichtung eine vollständige wird. Die Hauptstadt Galiziens in den Händen der Zentralmächte bedeutet in erster Linie für den Balkan ein Merkmal für die russische Schwäche und unsere Stärke. Ehre und Dank den Siegern!
Die„Kreuzzeitung“ sagt: Durch die Wiedereroberung Lembergs, das lange Monate russische Herrschaft hat erfahren müssen, hat der Feldzug in Galizien seine Krönung erhalten. Der Zeitpunkt rückt näher und näher, an dem man wird sagen können, daß 155 auch auf österreichisch-ungarischem Boden kein Feind mehr steht.
Die„Tägliche Rundschau“ führt aus: Der Rückfall Lembergs an den Feind bedeutet für die Russen den endgültigen Bankerott ihres galizischen Unternehmens.
Der russische Bericht.
Petersburg, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ge⸗ neralstab des Generalissimus meldet: In der Gegend von Szawle sind keine wichtigen Veränderungen. Am 19. und 20. Juni fanden hartnäckigste Gefechte am Ringowa-Fluß statt, wo wir etwas vor⸗ rückten. An der Narewfront versuchten wenig erhebliche deutsche Kräfte unter dem Schutze eines heftigen Artilleriefeuers erfolglos eine Offensive zwischen den Flüssen Omvulew und Orzyc. Am linken Weichselufer ging der Feind am 20. Juni bei Tagesanbruch in vereinzelten Kolonnen südlich der Pilica zum Angriff über. Er wurde nach kurzem Kampfe zurückgeworfen und verlor einige Hundert Gefangene. An der Tanewfront war Artilleriefeuer mit Unterbrechungen. Die Offensive des Feindes dauert in der Gegend Rawaruska fort. In der Nacht zum 20. Juni zogen wir unsere Truppen von den Grodeker Seen auf die Lember ger Stellungen zurück. Am Dujestr unternahm der Feind zwi⸗ schen Mikolajow und Zydaczow erfolglose Angriffe, in deren Ver⸗ laufe er aus den Dörfern Demenka und Lissow geworfen wurde und bedeutende Verluste erlitt. An der übrigen Front zwischen Halicz und der Bukowina gelang es dem Feinde nirgends, Fortschritte zu machen, trotz der in einigen Abschnitten andauernden hart⸗
näckigen Kämpfe. Aus Warschau.
Berlin, 23. Juni. Der„Voss. Ztg.“ wird aus Peters⸗ burg gemeldet: Seit dem 20. Mai hat die Evakuierung der Warschauer Zivilbevölkerung begonnen. Auf Be⸗ fehl des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch gibt der War⸗ schauer Polizeipräsident bekannt, daß in Warschau nur Staatsbeamte, ferner Personen, die zur Armee und zur Armeeverwaltung gehören, darunter auch Militärlieferan⸗ ten, bleiben dürfen. Zunächst werden über 100 000 Zivilisten evakuiert, die binnen 24 Stunden Warschau verlassen müssen.
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„England muß viel mehr leisten.“ London, 22. Juni(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ beginnt eine Reihe von Artikeln, um die Leistungen Joffres in Frankreich zu schildern, mit folgendem Leitartikel: Es ist von großer Wichtigkeit, daß die Engländer sich beständig vor Augen halten, wie relativ klein die Rolle ihrer Armee im Landkriege auf dem Kontinent bisher gewesen ist. England muß viel mehr leisten als bisher, um seinen vollen Anteil an der Niederwerfung Deutschlands zu leisten. England wirft nicht die volle Stärke seiner Mannschaft in die Wagschale, obwohl für England ebenso viel, vielleicht mehr auf dem Spiele steht wie für Frankreich und der Ausgang des Krieges für beide Teile von gleich vitaler Bedeutung ist. Die Kriegs anleihe im englischen Unterhaus. London, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich) Reutermeldung. Bei Einbringung der Gesetzesvorlage über eine Kriegsanleihe im Unter hause appellierte Schatzlanzler Mac Kenna an den Patriotismus des Landes. Man müsse die riesenhaften Hilfs⸗ quellen ausnützen, um den Krieg erfolgreich für die Verbündeten und Großbritannien fortzufetzen. Nach der Erklärung, daß die Anleihe zu Pari und zu 4½ Prozent ausgegeben würde, setzte er auseinander, daß der Betrag der Anleihe nicht begrenzt sei, bauptsächlich deshalb, weil man nicht wisse, bis zu welchent Grade


