„ W mettes Blatt erscheint taguch mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Sießener Famklsenblätter“ werden dem
Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das »xreisblatt für den Kreis Siezen“ zweimal
wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit ⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Alnlriegsbriefe aus dem Osten. Bon unserem zum · Ostheere entfandten Kriegsberichterstatter Uuberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten) Die Kämpfe bei Mariampol. Mariam pol, den 16. Juni.
1. Es waren alte Wege, die ich diesmal vom Dubissa⸗Abschnitt zu dem Kampfgebiet südlich des Niemen fuhr. Das war in den letzten des alten Jahres, da ging die Infanterie durch den dicht⸗ chneiten Schoreller Forst auf Lasdehnen, um die Russen von der Bedrohung Tilsits abzuhalten. Mit der Schützenkette war ich damals die Waldchaussee marschiert, auf der die Spuren des russi⸗ sschen Rückzuges zu lesen waren. In Lasdehnen auf dem Markt —5 sich Kavallerie und Infanterie. Hausrat lag auf den Straßen ed ng zu 5 bür, regte sich, ein Gasthaus 1 Sommerlich grün leuchtete das Land, die Felder 0 ie Straßen hatten
ter war ich im Februar 8 1 di. W kersche 25. r ich sen, als die Wint acht im Brenn⸗ punkt stand. Das weiße Haus, mein Quartier, in dem damals
neben den paar zerrissenen Matratzen und den paar Tischen und tühlen nur und Trümmer waren, schien bewohnt zu sein.
h sah weiße Gardinen. Wie so oft in diesen sommerlichen Tagen schien mir das Glutbild von Pillkallen über dem hartgefrorenen Schnee wie ein schwerer Traum, schien mir dies Wiedererwachen von S die gestorben waren, wie ein Wunder. Es et was die Art, wie dies
wie überall Ordnung, nen, das ich zum letzten⸗
ungefähr zu haben, die Front war eine Zeitlang nicht allzuweit. Sie hat sich dann in der letzten Woche noch“ weiter nach vorn geschoben,„Geschäft der wichtigen Etappen⸗
trägliches Geschäft ist. 8
te Wege, die ich fahre, von Kibarty nach Wilkowischki. Die erste Fahrt nach Wilkowischki im Frühe vergangenen Jahres war die erste Fahrt nach Rußland hinein, mit der vorrückenden Hindenburg-Armee nach der Schlacht bei den Masurischen Seen. Aae des don Saler dee wer bie Ale selon Masuzie, von aten ũ war, die Aepfel schlugen von den Zweigen des Gutsgartens, es roch nach Herbst, und in
der Ferne 5 man die fremden weißen Türme von Wilkowischki, wo ein rüssischer Stab lag Dann war die Straße Kibarty— Wil⸗
N der Zeuge des furchtbaren russischen Rückzuges in den ruartagen. Ich denke an die schneidende Kälte, in der unsere ppen marschierten, auf der eisigen Erde lagen.„Man glaubt es nicht jetzt in der schönen Zeit, daß Menschen dies leisten konn⸗ ten,“ sagte mir ein Stabschef neulich, als wir auf der Terrasse eines Niemen⸗Schlosses von der Not und dem Ruhm dieser Fe⸗ bruartage sprachen, und Exzellenz Ludendorff sagte mir bei einem Empfang vor ein paar Wochen, und sein kühles, festes und schönes
Den wettstreit der Weltsprachen kennzeichnet Davis Trietsch in einer statistischen Untersuchung, die er in dem nächsten Heft der Zeitschrift„Das neue Deutschland“ ver⸗ öffentlicht. Er geht aus von einer Tabelle, die das Verhältnis der Weltsprachen im Jahre 1800 darstellt. Danach sprachen und
1801 Deutsch Französisch Englisch in Europa. 30 005 000 30 155 000 14 140 000 in den Vereinigten Staaten 289 000 230 000 5 250 000 Anderwärts 8 35 000 1 085 000 730 000
insgesamt 30 320 000 31450 050 20 520 000 Im Jahre 1890 hatte sich nach der englischen Quelle, die diese Tabelle aufgestellt hat, das Verhältnis der Sprachen in folgender Weise verschoben:
1890 Deutsch Französisch Englisch
in Europa 67 600 000 45 200 000 38 600 000 in den Vereinigten Staaten 7 100 000 1 100 000 58 000 C00 Anderwärts.. 500 000 4900000 14 500 000 insgesamt 75 200 6000 51 200000 111 100 000
Danach wäre in einem Zeitraum von 90 Jahren das Frin⸗ zösische von der ersten auf die letzte und das Englische von der weitaus letzten auf die weitaus erste Stelle gerückt. Die in der Mitte gebliebene deutsche Sprache ist um 150 Prozent angewachsen, das Französische nur um 60 Prozent, das Englische dagegen um
Prozent. Trietsch weist jedoch nach, daß diese Statistik für 1890 für die deutsche Sprache erhebliche Fehler aufweist. Für die Verein. Staaten ist eine viel zu geringe Zahl angegeben: man hat
N ter und anderwärts die Zweisprachigkeit nicht in Betracht gezogen. ie bei der Sprachstatistik eine beträchtliche Rolle spielt, und es
ist ein Faktor der deutschen Sprachverbreitung außer acht gelassen, der von weitgehender Wirkung ist, die Juden, deren Muttersprache Jüdisch⸗Deutsch ist. Beseitigt man diese Fehler, so ist der gegen⸗ wärtige Stand der Weltsprachen der folgende:. 1914 Teutsch Französisch Englisch
5 90 500 0 0 46 000 000 46 00 000 in den Vereinigten Staaten 13 000 000 1000 00 90 000 000 Anderwärts. 15000 5000 000 16 00% 00 insgesamt 1 500000 52000 000 15 500 000
inaus ist aber wird außer⸗
in Europa 8
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Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
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Dienstag, 22. Juni 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrift ·
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
Soldatengesicht wurde weich dabei:„Es war bitter schwer, ich weiß es, aber es mußte sein. Ich weiß, wie schwer es war.“
Die Felder, die von der Etappe Kibarty in wundervoller Ord⸗ nung bestellt sind, verbergen die klaffenden Granatwunden des Landes. Ein großes Lazarett mit Blumen und Garten sieht hell und freundlich aus, Die Straße weiß nichts mehr von den blu⸗ tigen Worten der Schlacht, die auf ihr zu lesen waren. Mir ist aber dies Stück Land voll Bildern großer Erlebnisse, und ich finde, daß ich jede Stelle wie einen Bekannten grüße, den man unter schweren Zeichen kennen gelernt hat. Ich kann von der leicht⸗ gewellten grünen Landschaft die Geschichte unserer Kämpfe hier oben in Ostpreußen lesen, unserer bittersten und der ruhmvollsten 3 Wieviel ist erreicht worden in dieser Spanne, trotzdem die
ampffront immer noch nicht allzuweit liegt! Wieviel Heldentum und Feldherrnkunst hat hier um Sieg gerungen und ihn trotz fast immer ungünstiger Umstände errungen! Es wird niemand diese Straße fahren, ohne in dankbarem Herzen das Ringen und die schwere, heilige Arbeit der Kämpfenden zu fühlen, ohne den Dank an den Feldherrn und seinen Stabschef zu vergessen.
In Mariampol war das Dröhnen der Geschüze zu hören. Es war nur ein Nachspiel der vergangenen Tage oder auch ein Auf⸗ takt zu den kommenden. In heftigen Gefechten bei Dembowa— Ruda und Korzeißki waren russische Verstärkungen, die nach dem ersten Zurückwerfen auf Kowno wieder zur Offensiwe vorgegangen waren, in die Festung hineingeworfen worden. Die Straße Ma⸗ riampol—Kowno wurde erreicht, bei der nachdrücklichen Verfolgung wurden über 3000 Gefangene 1 Fahnen und ein Dutzend Maschinengewehre erbeutet. Die Artillerie, um deren Verlust die Russen die größte Sorge haben, war noch rechtzeitig nach Kowno gezogen worden. 5
Nachdem gegen die Festung Sicherungen aufgestellt waren, wur⸗ den am 13. die ersten russischen Stellungen südlich und östlich der Straße Mariampol genommen und am nächsten Tage gegen starke russische Kräfte behauptet, gleichzeitig setzte eine Offensive von Kalvaria aus ein, mit der die ersten Gräben den Russen ent⸗ rissen wurden. g
Am Morgen des 15. war ein weiterer Druck von Kalvaria aus beabsichtigt. Stärkere Kräfte standen den russischen Stellun⸗ gen bei Gudeln und nördlich davon gegenüber im Gefecht: Ka⸗ vallerie war etwa nördlich des Landweges Mariampol—Iglischkany bereitgestellt.
Die Russen waren in sichtlicher Unruhe. Fliegermeldungen sagten, es sähe hinter der russischen Front wie in„einem Aal⸗ teich“ aus, ein Gewimmel von Kolonnen und marschierender In⸗ fanterie, die immer wieder die Marschrichtung änderte. Die Russen waren sichtlich in Furcht, daß ein Aufrollen ihrer Front bis über Suwalki hinaus möglich wäre; gleichzeitig wiesen die beinahe stünd⸗ lich eintreffenden Verstärkungen auf den Wert hin, den die Russen diesen Gefechten beinahe im Vorfelde von Kowno beimaßen Wie es sich bald zeigte, beschlossen sie mit stärkeren Kräften einen Durch⸗ bruch in Richtung der Straße Mariampol—Iglischkany.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
915 Mariampol, den 17. Juni.
Des Morgens um sieben Uhr war ich in Iglischkany und fuhr in der Richtung nach Osten weiter, dem Gefechtsfeld bei Gu⸗ deln zu. Nach Süden loderten Dörfer auf Ueber den Himmel zo⸗ gen langsam große gelbliche und grauweiße Wolken, die sich zu mächtigen 3 türmten und der Landschaft eine schwere Stim⸗ mung gaben. war weiter Fernblick und viel Licht, es sah schah als ob auch oben in den Lüften und Fernen große Dinge ge⸗
ähen.
In einem kleinen Bauernhaus lag der Stab. Die Straße wurde von jetzt gesperrt, weil„in Einsicht des Feindes“. Ein paar Grangten fielen auf das Ackerfeld vor dem Häuschen nieder.
Der russische Druck auf die Straße nach Mariampol wurde inzwischen bemerkbar, es war eine heiße Stunde. Das Telephon ging ununterbrochen, Exzellenz sah eine Zeit angestrengt durch das Scherenfernrohr und verschwand wieder in der Bauernkate, in der zwölf Herren in einer Stube geschlafen hatten. politischer Hinsicht eine ganz andere Einheitlichkeit als der englische Sprachbereich. Dabei ist in diesen Zahlen die Doppelsprachigkeit und die weitaus vorherrschende Geltung der deutschen Sprache in der österreichisch-ungarischen Monarchie nicht annähernd nach ihrem vollen Wert berücksichtigt; in gewissem Sinne ist die ze Doppel⸗ monarchie zum Geltungsbereich der deutschen Sprache zu rechnen, und man kann annehmen, daß dies nach dem Kriege noch mehr der Fall sein wird als bisher. Berechmet man in diesem Sinne die Gesamtzifser des deutschen Sprachbereichs, so erhält man Zahlen, die den englischen außerordentlich nahe kommen, vielleicht sie sogar heute schon übertreffen. Die Weltgeltung einer Sprache hängt aber nicht nur von Zahl und Verbreitung ab, sondern sie wächst und schrumpft mit der Geltung des Mutterlandes in Politik, Wirtschaft und Technik. Mit dem außerordentlichen Aufschwung Deutschlands in dieser Beziehung ist auch die Bedeutung des Deutschen als Weltsprache weit über seine Zahl und Verberitung hinausgewachsen. 2
Ein Zeitdokument von der Hand Max Klingers. Als ein überzeugendes Zeichen dafür, wie die deutsche Kraft, als der Krieg an den Fundamenten der Welt zu rütteln be⸗ gann, keinen Augenblick das Vertrauen zu sich selber verloren hat und aufrecht und siegessicher von Anfang an ihren Weg weiter⸗ gegangen ist, wird es stets gelten, daß die Bugra, die Leipziger „Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik“, vor dem Kriegswetter die Pforten nicht schloß, sondern durchgehalten hat. Daß die Ausstellung das deutsche Volk richtig eingeschätzt hatte, zeigte sich bald: Trotzdem die Hallen der feindlichen Mächte seinerzeit der Schließung verfielen und der Krieg gebieterisch alle Gedanken für sich fordern wollte, ging die Besucherzahl der Aus⸗ stellung verhältnismäßig wenig zurück. Wir hatten noch Zeit und innere Freiheit, auch an Dinge zu denken, die außer dem Krieg noch da sind. Den Preisträgern der Ausstellung wird eine Ra- dierung von Max Klingers Meisterhand, die als Di⸗ plom ausgestaltet ist, stets eine geschichtliche Erinnerung an die Zeit sein, als die eiserne Faust des Kriegs das Werk des Friedens, das in heißem Bemühen im Schatten des Völkerschlachtdenkmals erstanden war, hinwegfegen wollte. Wir sehen auf dem Blatte, das auch der mit einem Ehrenpreis bedachten Brühl'schen Drucke⸗ rei zugegangen ist, daß der Künstler mit einer kraftvollen Allegorie trefflich die gewaltige Stimmung des vulkanischen Ausbruchs des Völkerbrands festgehalten hat. Mitten auf dem Feld, auf dem sich in friedlichem Wettkampf die Nationen des Erdballes gemessen hatten, hat sich unter 3 und Dampf die Erde aufgetan und die Kriegsfurie schießt riesengroß hervor, den Brand in den hervorgereckten Armen schwingend. Sie trennt die, die eben noch scheinbar so einig an einem Werke der Kultur 9 ft haben. Die Feinde haben das Kommende gewußt; in ihrer
Zahl] aller Hand zuckt schon der bereitgehaltene Stahl; Deutschland und
sterreich⸗Ungarns und der Schweiz von 81 es ist in den nordischen
weit überlegen, und das geschlossene Haupt⸗ e e an r deer u
Oesterreich aber sind zur Seite getreten und krampfen in schmerz⸗ licher Ue g, in beherrschtem Zorn die Hände. Italien steht zweifelnd und unsicher— damals war es noch so— abseits; die Neutralen weichen scheu und ratlos, von der Wucht des Ge⸗
den erschreckt, auseinander. Wem werden sie die ungewisse
Feet enen Am Horizont ruht selbstsicher und ge- Kilogramm
waltig der Koloß des Denkmals der
ipziger Schlacht als ein gutes Omen für die Nachlommen der
efreiungskämpfer. Zu
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Durch das Glas sah ich die beiden Kirchtürme von Gudeln und davor den dünnen, gelben Streifen der russischen Linie. Jetzt schlugen die schweren, deutschen Granaten ein. Man sah die gelben Sandwolken hochsteigen. Auf dem Abhang davor, in der Mitte des Hanges, hatten sich die Unseren eingegraben. Sie kamen nicht vorwärts, auch seitlich an einem kleinen Wald vorbei nicht. So⸗ bald auf der Lichtung Bewegung war, begann lebhaftes Gewehr⸗ 8 feuer. 5
Weiter nördlich hinauf beginnt das Infanteriegefecht sich stärker zu entwickeln. Unenterbrochenes Infanteriefeuer schallt herüber. Aber ich habe den Eindruck, daß man hier keine Entscheidung er⸗ zwingen will, man will nur russische Kräfte binden. Um 9 Uhr teilt mir ein Offizier mit, daß Höhe 164 bei Kalvaria genommen ist, dort geht es also kräftig vorwärts. Hier ist nur hinhaltendes Gefecht, vorläufig. Ich gehe noch einmal ein Stück vorwärts und sehe den weiten Horizont entlang unter dem massigen Himmel den Rauch von brennenden Gehöften emporsteigen. Es ist hinhaltendes Gefecht, aber Verwundete gibt es auch dort, und für die Ver⸗ wundeten ist es gleich, welche Bedeutung das Gefecht hat. Ich sitze an einen Birkenstamm gelehnt, ein paar Granaten schlagen vor mir in das Roggenfeld. Langsam kommen drei Mann vorbei.
Handschuß, Armschuß. Nicht schwer. Nur müde sind sie. Die 179 rechte Hand ist frei und alle drei haben sie einen dicken, blauen Kornblumenstrauß zwischen dem zweiten und dritten Knopf stecken. „Nun macht mal schon ein bißchen zu!“ sagt ihnen ein Unter⸗ 9
offizier. Sie sehen fast verächtlich auf die paar aufspritzenden Gra⸗ naten, sie haben es anders gekannt.
Inzwischen wird die Straße nach Mariampol für Kolonnen gesperrt, es muß also weiter rückwärts lebhafter zugehen als hier. Ich fahre zurück. Schon bald hinter Iglischkany ist das Geschüz⸗ feuer viel stärker. Die Russen haben unsere Infanteriestellung zu⸗ 5 rückgedrängt, die bereitstehende Kavallerie ist eingesetzt worden. Als 5 ich an die Stelle komme, wo der Weg nach Bukonje abbiegt, geht 7 gerade ein neuer Teil der Kavallerie zum Fußgefecht über. Der Stab hält auf einem kleinen Hügel, der voll russischer Schurtzen⸗ gräben ist, die gute Deckung geben. Ich stelle das Auto in den Schutz des Hügels und gehe seitwärts nach vorn zu einem höher N alten Dorf-Kirchhof, von dem man guten Ausblick haben muß.
Der russische Angriff ist schon zum Stehen gekommen. Im Galopp geht eine deutsche Feldbatterie vorwärts und verschwindet hinter einem Hügel. Die Pferde der zu Fuß kämpfenden Ulanen und Kürassiere werden nach vorwärts gezogen. Hinter einer Scheune, in einer Mulde, werden sie aufgestellt. Die Lanzen wer⸗ den daneben in die Erde gebohrt. Von Nordosten her beginnt jetzt eine schwere deutsche Batterie zu feuern. Schnellseuer. Zwei Gra⸗ naten Aufschlagzünder, zwet Brennzünder. Man sieht die russi⸗ sche Linie. Ununterbrochen spritzen die graugelben Sandwellen neben ihr auf und zerflattern die scharfen weißen Wolken in den Luft. Jetzt erscheinen die Schrapnellwolken der Feldartillerie. Rums, rums, rums, rums wieder die schwere Batterie. Drüben muß alles zusammengedeckt sein. Die Russen haben fast keine Ar⸗ tillerie, nur zwei schwere Geschütze streuen in großen Pausen wahl⸗ los über das Feld, einer der großen Brummer— ein Artillerist
schätzt nach der mächtigen Erdwirkung auf 21 om— schlägt in der Nähe des Kirchhoses ein. Aber nach kurzer Zeit i auch diese beiden Geschütze. Kleingewehrfeuer—— an zu knattern, auch unfere Artillerie schweigt einen Augenblick. Die Kavallerie dringt im Fußgefecht vor. Nach kurzer Zeit treiben 105 drei Ulanen etwa hundert Gefangene vorüber. Ich gehe zu ihnen hin, denn jetzt machen die Russen, wie
nicht ich durch das Glas erkenne, einen verzweifelten Vorstoß aus einem i Waldstück heraus über Wiesengelände. Sie stürmen in fünf Reihen. Aber sie haben noch nicht die Mitte der Wiese erreicht, da hay
sie die schwere Batterie gefaßt. Das Wiesenstück wird förmlich mit Geschossen übersät. Nur ein Dutzend grau⸗brauner Gestalten 1 erhebt sich noch einmal wieder und läuft nach dem Waldrand zurück. Es scheint der letzte Offensivstoß an dieser Stelle zu sein.
Der russische Angriff ist abgewiesen und bei Kalvaria rücken wir inzwischen weiter vor, wie ich beim Stab höre, als ich bei dem* Kommandeur einen Teller Erbssuppe bekomme. Es handelt sich
1.—
beiden Seiten rahmen das Blatt schlanke Flaggenmasten; aber während der linke aus friedlichem Aehrenfeld mit trautem Dörf⸗ lein im Hintergrund emporwüchst und die Farben des Friedens
zeigt, schießt rechts die Lanze des deutschen Reiters aus helm geschmücktem Kriegergrab in meerbespülten Dünen, die von fern deutsche Kriegsschiffe grüßen.— Die glückliche symbolische Ver⸗ 60 knüpfung all der Hauptmomente, die die Augusttage des Jahres 1914 so riesengroß machten, stempelt das Blatt im Verein mit dem
Namen seines Schöpfers zu einem der wertvollsten Dokumente unseres schwersten Kampfes in unserer größten Zeit.
E Eineerlöschende Hausindustrie. Ein Ueberbleib⸗ sel aller Zeiten, jetzt im eiligen Niedergang begriffen und dem völligen Verschwinden nicht mehr fern ist eine hausindustrielle Tätigkeit, der Marie Andree⸗Eysn in der von der Zeitschrift des 3 Vereines für Volkskunde herausgegebenen Jubiläumsschrift ein ge⸗ denkendes Nachwort widmet. Es ist dies die Zundel m acherer im Bayrischen Walde. Bis in die Mitte des verflossenen Jahr⸗ hunderts bedienten sich die Leute, die auf dem Lande zu tun hatten, des Zunders zur Feuerbereitung, in dem sie den mit dem Stahl
auf den Feuerstein geschlagenen Funken in ihm auffingen. Der Zunder stammt von einer Pilze, dem Löcherpilz Polyporus. Von allen Löcherpilzarten gibt der Polyporus sormentarius den vor⸗ züglichsten Feuerschwamm. Früher gedieh er reichlich im Schwarz⸗ wald, der Eifel und dem Bayrischen Walde; jetzt ist er überall sehr selten geworden. Noch 1871 gab es in Todtnau ein Geschäft, das 750 Zentner Zunder jährlich herstellte. Jetzt. gibt es im Bay⸗ rischen Walde im ganzen noch drei alte Leute, die sich mit der Verfertigung von Zunder befassen; aber auch diese klagen sehr über den Niedergang ihrer Industrie. Weder fänden sie Schwämme, noch sei ein Bedarf für Zunder vorhanden. Auch wolle niemand mehr eine Mütze oder Weste aus Zunder tragen. Denn auch zur Her⸗ stellung von solchen Kleidungsstücken wurde früher der Zunder ver⸗ arbeitet. Weiter war er beliebt als Blutstillungsmittel und war in den Apotheken vorhanden. Bis zu seiner Verarbeitung wird der Pilz feucht aufbewahrt, dann entrindet und in dünne Platten ge⸗ schnitten. Hierauf wird er mit Holzhammer geklopft und gedehnt. Seine schwammige Beschaffenheit gestattet es, daß er durch Vermin⸗ derung seiner Dicke sich auf das Zehnfache seines Flächeninhalts ver⸗ größern läßt. So wurde einst in Todtnau von einem besonders großen Pilze eine mehrere Quadratmeter große Fläche gewonnen, aus der ein Talar für den Erzbischof von Freiburg angefertigt wurde. Besonders geeignet durch die Weichheit seiner Lappen ist der Zunder zur Herstellung von Mützen. Im Bayrischen Walde wurden fie früher von Jung und Alt getragen. Solche Zunder⸗ hauben trugen Randstreifen, in denen Jagdszenen eingepreßt war Der warme bräunliche Ton gleicht o al
Samt. Auch in Un der —— eingebür„wie
ssen, Mappen, zünd⸗ schwamms kocht man den Pilz mit Zusatz von Asche one peter.
Dann wird die Substanz an der Sonne wieder gitro und 11 knetet. Der Preis richtet sich nach der Größe md Weichheit der Lappen mlicher Zündschwammt kostete 187 in Baden neun Taler, feiner aber 40 Taler! Heute kostet im Bayrischen Wald das Kiloc 6 Mark. Der Handel mit Zunder war früher in der Hand des Bürstenhandels⸗ R


