Die„Siegener Famillenblätter“werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Mreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Feit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
1 57. e e N 5 inhaltsreichen Brief von einem Mit⸗ altede der tapferen Mannschaft unser. Gecten Verbssen licht ien“ das demmächst erscheinende Juniheft der„Süddeutschen zatshefte“ in München. Der Brief schildert zunächst die im wesentlichen bereits bekannt gewordenen Fahrten, Taten und Er⸗ lebnisse der Kriegsschiffe im Mittelmeere bei und un⸗ 5 1 des Krieges und berührt kurz jene ee e ene
Feindes durchbrachen. Das war, f der Brie iber, eine H jagd auf Leben und Tod. 32 önnen. 5
und Torpedoboote, die nach Port Said und Alexandrien, schwer⸗ beschädigt und außer Gefecht gesetzt, geflüchtet sind, ein Lied mit⸗ n deutsche Seeleute zu schießen verstehen. Sonntag, den 8 st erreichten wir Te nos(eine der vielen kleinen griechischen seln). Aus dem Mittelmeer konnten wir nicht hinaus. Unsere 5 ng mit* Flotte 7 Adria 3 1 Engländern 1. anzosen verhindert, liegen wir er als 24 Stunden in einem neutralen Hafen, werden wir desarmiert,
Tod mit der kolossalen Uebermacht zu übernehmen. Aber endlich winkte uns die Rettung. Die Turtet kaufte die„Goeben“ und eslau“, denn für schland waren wir doch verloren, und nen wir dann am 10. August 5 Uhr p. m. in die Dar⸗ wei Stunden später, also 7 Uhr, lag der Engländer ff.... be unserer Schiffe. Beides 8 0 von der Türkei verweigert. Soweit wir hinüber. Gott haben wir unserer guten Führung braven„Goeben“ zu verdanken, daß wir noch alle am Leben sind. Wir bekamen 14 Tage Erholung, und der eng⸗ lische Admiral des Mittelmeergeschwaders wurde abgerufen un in England vor ein Kriegsgericht gestellt, weil er die„Goeben“ und„Breslau“ hatte entwischen lassen. Und jetzt begann unsere Tatigkeit in der türkischen Marine Ich kam mit einem Maschi⸗ und einem deutschen Offizier auf ein türkisches Tor⸗ pedoboot und die türkische Marine wurde nach deutschem Muster 1 Während dieser Zeit lag ich mit meinem Boot viel in stantinopel und ging dann auch häufig an Land. Meine Kopfbedeckung ist der rote Fez, wie die Türken ihn tragen, du hättest bloß mal die Lügennachrichten lesen sollen, die hier ver⸗ breitet worden. Aber sonst gefällt es mir bei den Türken gut. Ich schlafe und esse mit den türkischen Offizieren zu⸗ sammen. Denn solch einen Unteroffiziersstand wie bei uns gibt es in der türkischen Marine nicht. Denn was bei uns Bootsmanns⸗ maate und Maschinistenmaate sind, sind hier alles Offiziere und Ingenieure Du mußt nur mal die Verständigung zwischen uns sehen; Zeichensprache, englisch, französisch, von allem etwas. Ich sitze so manchen Abend bis 1 und 2 Uhr und lehre deutsch und wir verstehen uns ganz gut, denn auf sämtlichen türkischen Kriegs⸗ schiffen sind Unteroffiziere als Instrukteure verteilt, so auch deutsche ffiziere. Deutschland gilt hier als Befreier aller Mohammedaner. Doch genug hiervon, mündlich mehr, wie Du schreibst: beim Sonntagsnachmittagskaffee.
Es ging uns gut bis zum 23. Oktober. Hier waren wir mit einem Teil der türkischen Flotte im Schwarzen Meer, um Uebun⸗ gen abzuhalten, und wurden dabei von den Russen angegriffen, 3 alle in den Zeitungen gelesen habt. Der Russe ver⸗ 82
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8 dem Ueberfall zwei Schiffe und wir keins. Es war i schlecht bekommen. Das hätte er sich nicht träumen lassen, daß er den kürzeren dabei ziehen würde. Mir wäre es selbst bald dreckig gegangen. Um ein Haar wäre ich verwundet worden. Darauf fuhren wir mit nur zwei Torpedobooten les sind deutsche Boote bei Schichau gebaut) nach Odessa, schlichen uns nachts 3 Uhr in den Hafen und waren eine Stunde 25 Minuten drinnen. Ich vergesse es mein Leben lang nicht. Stockfinster war die Nacht,
nz abgeblendet, Maschinentüren zu, daß kein Licht nach außen scheint, schlichen wir uns in den Hafen. In der Einfahrt pas⸗ sierten wir drei auslaufende Dampfer. Der letzte hatte uns be⸗ merkt, aber es war zu spät, wir waren drin. Vor uns lag ein großes Kanonenboot. Der Posten auf demselben hatte uns bemerkt und schlug Alarm.„Klar bei Torpedo“ und das Schicksal des Kanonenboots war besiegelt. Eine furchtbare Detonation und das⸗ selbe sank mit Mann und Maus. Das war das Alarmzeichen für ganz Odessa. Jetzt ging der Höllenlärm los. Die im Hafen lie⸗ genden Dampfer heulten mit Sirenen und Dampfpfeifen, die Glocken von den russischen Schiffen, die wir beschossen, schrien laut um Hilfe und unsere beiden Geschütze donnerten und blitzten da⸗ zwischen. Der Hafen schwamm voller Menschen, Scheinwerfer spiel⸗ ten, kurz und gut, es war ein Höllenlärm, ich vergesse diese Nacht in meinem Leben nicht. Ich glaube, auf solche Art und Weise sind die Bewohner von Odessa noch nicht geweckt worden. Die Strandbatterien konnten uns im Hafen nicht beschießen, sonst hätten sie ihre eigenen Schiffe beschossen. Als wir aber den Hafen ver⸗ ließen, überschütteten sie uns förmlich mit Geschossen. Aber um⸗ sonst: wir entkamen in der Dunkelheit. Unser Erfolg in Odessa war: 1 Kanonenboot, ein Hilfskreuzer, 6 er(darunter ein französischer), 1 Küstenwachschiff in den Grund gebohrt, 3 Dampfer schwer beschädigt, 5 Petroleumtanks brannten, die elektrische Licht⸗ zentrale zerstört usw., und das alles nur von zwei ungeschützten kleinen Torpedobooten. Dann nahmen wir noch an der Beschießung von Sebastopol teil, natürlich unter Mitwirkung unseres stolzen Kreuzers„Goeben“, Wir bohrten den russischen Minen⸗ leger„Pixut“ in den Grund und setzten 2 feindliche Kreuzer außer Gefecht. Jetzt liegen wir wieder friedlich in Konstantinopel.“ Seit dieser Brief geschrieben wurde, hat die„Goeben“ wie bekannt, wieder so manche wackere Tat vollbracht und den Russen mehr als einmal tüchtig eins auf den Pelz gebrannt. a
Aus dem Reiche.
Aus dem preußischen Herrenhaus.
Berlin, 19. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Am Schlusse der Sitzung des Herren hauses ergriff der Präsident von Wedel⸗Piesdorf das Wort, um anknüpfend an die Worte, die Bismarck in der denkwürdigen Sitzung des ric es 8 5 5 7 5 1888 93 t wie ehr sich die Prophezeiung des großen Kanzlers erfüllt habe. Einig hat sich in 1 0 gewaltigsten aller Kriege das deutsche Volk um den Kaiser geschart. In voller Gottesfurcht ist es in diesen Krieg gezogen. Seine Heere errangen Siege, die die schönsten 3 0 8 für einen ehrenvollen Frieden zuließen. Aber trotzdem dürfe das deutsche Volk nie ver⸗
gessen, daß die größte und beste Sicherheit für den Frieden in seiner eigenen Kraft Darum sei es sein sch. den gewiß das ganze teile, daß es unserem Kaiser allezeit in Gnaden g. t sein möge, an der Spitze eines r einigen und 1 Volkes zu stehen. er Präsident schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Die gemeinsame Schlußsitzung beider ser des Landtages wird voraussichtlich am nächsten Donnerstag stattfinden.
Berlin, 20. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) H.. 8005 mutag ist der Geh—— ee een,
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V0. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
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Montag, 21. Juni 1j
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen 0 Universitäts Buch- und Steindrockerei. R. Lange, Gießen.
Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschäfstsstelle u. Verlag: S 51, Schrift ·
leitung: 112. Adresse sür Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
direktor der Allgemeinen Elektrizitä ell und der Berliner Elektrizitätswerke, nach— 3 5 im von 76 Jahren gestorben.
Berlin, 21. Juni. Die Bausumme für die Wieder⸗ herstellung der zerstörten Baulichkeiten der Provinz O st⸗ preußen wird dem„Berliner Lokalanzeiger“ zufolge auf ins⸗ gesamt 300 Millionen Mark geschätzt.
Hamburg, 20. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Das Fürstenpaar Bülow ist gestern abend auf der Reise von Berlin hier eingetroffen. Von Hunderten von Menschen begrüßt, begaben sie sich in das Hotel„Atlantic“, wo sie längere Zeit Wohnung nehmen.
Aus Stadt und Cand. Gießen, 21. Juni 1915.
* Hilfe für kriegsgefangene Deutsche. In der Kriegsfürsorgetätigkeit bildet die Hilfe für unsere kriegs⸗ eilen en Deutschen, welche in der Gefangenschaft unter eiblichen Entbehrungen und seelischen Nöten leiden, eine der vornehmsten Pflichten des deutschen Volkes. Zur Durch⸗ führung einer wirksamen Hilfe bedarf es einer weitaus⸗ schauenden Organisation und großer Geldmittel Diese Or⸗ ganisation ist jetzt vorhanden in der„Hilfe für kriegs⸗ gefangene Deutsche“, die sich an die Zentrale und an die Landesvereine vom Roten Kreuz angeschlossen hat. Ihre Tätigkeit erstreckt sich auf: Auskunft über die Ge⸗ fangenen und Gefangenenlager an die besorgten Angehörigen. Regelung des Postverkehrs zwischen ihnen, Nachforschungen nach Vermißten. Erleichterung des Gefangenen⸗ loses und Sammlung von Geldmitteln. Sie sammelt, um die täglich in großer Zahl einlaufenden Fragen über Gefangene beantworten zu können, Nachrichten über Ge⸗ fangene, ihre Behandlung und die einzelnen Gefangenen⸗ lager in den verschiedenen Ländern und hat aus ihrem reichen Material schon wertvolle Auskunft über das Schicksal der Gefangenen gegeben. Zirkulare über den Postverkehr mit den Gefangenen werden herausgegeben, Postsendungen richtig adressiert, Adressen nach Rußland in russischer Schrift
reich mit Angabe der Gefangenenlager herausgegeben wor⸗ den. Die Organisation hat unter den deutschen Gefangenen in den einzelnen Lagern Vertrauensmänner, durch welche es möglich ist, Listen von den neu eingelieferten zu erhalten, in manchen Fällen schon 8 Tage nach Einliefe⸗ rung, so daß den Angehörigen Nachricht von der Gefangen⸗ schaft gegeben werden konnte, ehe noch die Namen in den amtlichen Berichten erschienen sind. So ist schon in einer großen Anzahl von Fällen über das Schicksal Vermißter Klarheit geschaffen worden; zum Teil wurden jetzt noch Ver⸗ mißte 3 von denen seit August jede Nachricht fehlt. In anderen Fällen konnte leider nur noch der Tod des Gesuchten festgestellt werden, aber diese traurige Gewißheit befreite die Angehörigen wenigstens von den bangen Zwei⸗ feln. Zur Erleichterung des Loses der Kriegsgefangenen ist neben der Beseitigung festgestellter Mißstände in erster Linie finanzielle Unterstützung nötig. Den einzelnen Ge⸗ fangenen müssen von Zeit zu Zeit kleine Geldsummen ge⸗ schickt werden, damit sie sich ihr Leben erträglich gestalten können. Aber auch ganze Lager sind unterstützt worden. Allein nach England sind 40000 Mark gegangen, die zum Teil dazu dienen, Handwerkszeug und Arbeitsmaterial an⸗ zuschaffen, damit sich die Gefangenen wenigstens beschäftigen können. Nach Rußland, wo es zurzeit noch schwer ist, der Not beizukommen, ist fast ebensoviel gesandt worden. Selbst in Indien ist das Lager von Ahmednagar unterstützt wor⸗ den, sowie auch Malta, damit sich die dort Internierten die ganz ungenügende Nahrung wenigstens auf das Notwen⸗ digste ergänzen können.— Auch in unserer Stadt hat sich im Anschluß an das Rote Kreuz ein Ausschuß gebildet, der sich der Fürsorge für unsere Kriegsgefangenen widmet. Durch Zusendung von Leibwäsche und Nahrungsmitteln. an Kriegsgefangene ist auch von hier aus schon manche Not gelindert worden.
Amtliche Personalnachrichten. Am 17. Juni 1915 wurde der Großh. Pfandmeister Johann Wahler zu Ossen⸗ bach vom 1. Juli d. J. ab auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß vom Großherzog die Krone zum Sil- bernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütsgen ver— liehen.— Am 19. Juni 1915 wurde der Großb. Pfandmeister Valentin Meffert zu Dieburg vom 1. Juli ds. Is. an in 977 Diensteigenschast in den Beitreibungsbezirk Offenbach J versetzt.
27 Das städtische Kranken⸗ Automobil ist jetzt ca. 10 Monate in Betrieb und hat während dieser Zeit im ganzen 850 Fahrten über 3050 Kilometer Wegstrecke zurückgelegt. Außer rund 2000 Verwundeten wurden 100 private Kranke mit dem Auto transportiert. Wieder⸗
holt wurde das Auto nach auswärts gerufen, wo Gefahr im Verzuge war, um schwer Kranke oder schwer Verletzte in die 1 Kliniken zu verbringen.
* Der städtische Kartoffelhandel übt noch immer eine gewisse Zugkraft aus, wenn der Andrang der Käufer auch nicht mehr so stark ist wie vor einigen Monaten. Samstag wurden rund 70 Zentner abgesetzt. Die Stadt soll noch über etwa 700 Zentner Kartoffeln verfügen.
* Gute Jagdaussichten. Das wochenlang an⸗ haltende gute Wetter ist dem jungen Wild außerordent⸗ lich zu statten gekommen. Seit einer Reihe von Jahren hat man bei dem Grasmähen noch nie so viel junge Hasen ge⸗ troffen wie geßt Auch junge Rehe sind in großer Zahl vorhanden, so daß in diesem Herbst und Winter mit einer guten und ertragreichen Jagd gerechnet werden kann.
Kreis Alsfeld.
k. Alsfeld, 20. Juni. Für den weiteren Ausbau der Walpurgiskirche bewilligte der Kirchenbauverein außer einer Summe von 13 000 Mk. für den Orgelumbau noch weitere 300 Mk. zum gleichen Zweck, ferner 4060 Mk. für Be⸗ leuchtungskörper und 700 Mk. für die Altar- und Kanzelbekleidung.
Hessen⸗Nassau.
8 Weilburg, 20. Juni. Am 10. Juni starb Wilbert Lex, Sohn des hiesigen Landrats Kriegsfreiwilliger-Unteroffizier im Großherzoglich Hessischen Garde-Dragoner-Regiment Nr. 28,
nhaber der Hessischen Tapferkeits-Medaille, den Heldentod. Sein ruder, Rudolf Lex, stud. jur, Kriegsfreiw. Gefr., ist in russische
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Gesangenschast geraten.
umgeschrieben. Ferner sind Karten von Rußland und Frank⸗
Starkenburg und Rheinhessen. a rb. Darmstadt, 20. Juni. Die Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossen⸗ schaften hielt unter sehr starker Beteiligung aus allen Teilen des Landes im Kaisersaal hier ihre zweite Jahres⸗ versammlung ab. Nach Begrüßung der Mitglieder und Re⸗ gierungsvertreter durch den Aufsichtsratsvorsitzenden, Bür⸗ germeister Becker⸗ Sprendlingen(Rh.), erläuterte Direktor Mager den schon gedruckt vorliegenden Jahresbericht für 1914 und stellte fest, daß sich auch das zweite Geschäfts⸗ jahr trotz der schweren Kriegszeit fortdauernd günstig ent⸗ wickelt habe, so daß sich mit neun neu hinzugetretenen Ge⸗ nossenschaftern die Mitgliederzahl debt auf 343 beläuft, die eine Haftsumme von 887000 Mark darstellen. Der Geschäfts⸗ umsatz der Zentralkasse stellte sich auf über 124 Millionen Mark. Die Verbindlichkeiten der Kasse betrugen im Durch⸗ schnitt der ersten vier Monate des Jahres 1915 6,4 Millio: nen, die Guthaben der Genossenschaften 2,8 Millionen M. Für die zweite Kriegsanleihe sind rund 70 Proz. auf die Gesamtzeichnung in Höhe von 9 Millionen eingezahlt wor⸗ den. Nach dem Bericht über die Tätigkeit des Aufsichtsrats wurden die beiden Berichte, sowie Jahresrechnung und Bilanz ohne Aussprache genehmigt und der vorgeschlagenen Gewinn verteilung von 4 Proz. zugestimmt, auch dem Vorstande Entlastung erteilt. Nach erfolgter Wieder⸗ wahl der drei ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder ent⸗ spann sich noch eine längere Aussprache über verschiedene landwirtschaftliche Fragen, wobei besonders die Festsetzung von Höchstpreisen für die Futtermittel verlangt wurde (Näherer Bericht folgt.) 175
Vermischtes. 5
Koburg, 19. Juni. Das Städtchen Rodach steht seit
gestern nachmittag in Flammen. Bisher sind 16 Wohnhäuser niedergebrannt. 7 N
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Börsen⸗ Wochenbericht. 9 f— Frankfurt a. M., 18. Juni.* Die Grundstimmung der Börse war in dieser Woche zuversicht⸗ lich und das Geschäft im freien Verkehr war wieder etwas angeregter als in den Wochen zuvor. Neben der andauernd gün⸗ stigen Beurteilung der politischen und militärischen Lage waren es hauptsächlich auch die herrschende Geldflüssigkeit und der un⸗ lagebegehr des Publikums, welche die Haltung der Börse beein⸗ flußten und das Geschäft lebhafter gestalteten. Die Aufmerksamkeit der Börsenbesucher war in erster Linie nach dem Osten gerichtet, wo der Rückzug der Russen aus Galizien, die Unruhen in Moskau und Petersburg eine bedeutsame Entscheidung immer näher rücken. Die Unzufriedenheit der Russen mit den französischen Verbündeten gab überdies neuen Gerüchten über Friedenssehnsucht in Petersburg Nahrung, Gegenüber diesen Vorgängen traten die Meldungen vom westlichen Kriegsschauplatz, die Erfolge unserer Luftschiffe und Unterseeboste einstweilen zurück, wenn auch alle die günstigen Kriegsnachrichten nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, die Unternehmungslust der Börse wieder etwas mehr auf⸗ leben zu lassen. Sie erhielt eine weitere Stütze durch die Aus⸗ lassungen des Handelsministers im Budgetausschuß des preußischen Abgeordnetenhauses, die ein so befriedigendes Bild unserer wirt⸗ schaftlichen Lage boten, daß die Börse darin neue Anre⸗ gungen für den Handel und die Bewertung der Wertpapiere fand. Insbesondere wurden die Aussichten der Montanindustrie hoch eingeschätzt, wobei die ausreichende Kohlenversorgung f. 3 lands gegenüber der Kohlennot im neutralen und im feind⸗ lichen Ausland ein bedeutsames Moment bildete. Die Preiser⸗ höhungen am Eisenmarkt und die Aussicht auf weiteren Fortbestand der festen Marktlage namentlich entsprechende feste Haltung von Eisenaktien nach sich gezogen Besonders bevorzugt waren da⸗
bei die Anteile führender Werte, insbesondere des Phö⸗ nir. Man rechnet damit, daß nach Abwicklung der alten, noch zu schlechten Preisen getätigten Abschlüsse die
Werke jetzt wieder ins Verdienen kommen, was auch in ihren Jahresergebnissen sich äußern müsse. Die Großbanken und Bankiers haben dieser Bewegung wohl ebenfalls Vorschub geleistet und dabe!n manches an die Kundschaft abgeladen, was bisher noch in ihrem Besitz war. Unter anderen Industrie papiere n. zeichneten sich 8 wieder die Aktien der Kriegsmaterial herstellenden Gesellschaften durch größere Umsätze aus. Dies gilt namentlich von den Aktien der Rheinischen Metallwarenfabrik, den Deutschen Waffen⸗ und Munitionsfabriken, der Daimler Motoren⸗, Benz⸗ und Kleyer⸗ Werke, der Vereinigten Köln⸗Rottweiler Pulverfabriken, der Ludwig⸗“ Loewpe⸗Aktiengesellschaft, Hirsch⸗Kupfer⸗Werke und andere. Led⸗ hafte Umsätze fanden vor und nach der Generalversammlung in den Aktien der Deutschen Erdöl⸗Gesellschaft statt, die einen Kursgewinn erzielten, der die in Abzug gebrachte Dividende des Vorjahres noch erheblich überstieg. Höher stellten sich auch Akkumulatoren Berlin und die Aktien der leitenden Anilinfabriken. Auf dem übrigen Aktienmarkte war das Geschäft weniger belebt. Dagegen setzten in⸗ ländische Anleihen ihre Aufwärtsbewegung fort. Kriegsanleihen standen im Vordergrunde, auch Schatzanweisungen erfreuten 1155 0 reger Nachfrage. Ebenso trat für andere festverzinsliche einheimische Anlagewerte ein bemerkenswerter Kassabedarf hervor. Oesterrei
ungarische Renten lagen ebenfalls fest. Geld war, wie schon erwähnt, überaus flüssig. Priwatdiskont etwa 3¼ Prozent.
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Märkte. Fo. Wiesbaden. Viehhof-Marktdericht vom 18. Juni. Auftrieb: 78 Rinder(darunter 13 Ochsen, 5 Bullen, 60 Kühe),
68 Kälber, 36 Schafe, 68 Schweine.— Bei langsamem Handel und zu den gleichen Preisen wie am 14. Juni wurde bald der Auf⸗ N 1
e. Frankfurt a. M., 19. Juni. Auf dem heutigen Heu⸗ und Strohmarkt war nichts angefahren.*
——————— Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
E. A 223 Juni 38. S AS 8 8 825 5 5 2. S S SS„ Wuner 1016[8 823 F S S 8 58 8 SS[ISS— 8. 1 5 22 20. 2 749,2 17, 4,8 31 NR 2 0 Sonnenschein 20. 9 748,2 14,5 6,1 49 ENE 2 0 KlarerHimmel 21.0 7 747,4 12,5 6,7 62 N 2 00 Sonnenschein I
Höchste Temperatur am 19. bis 20. Juni 1915 L 19,15 0.
Niedrigste 19. 30. 10915 Mederschlag: 0% mm.
Müllersche Badcanstalt. f
Wasserwärme der Lahn am 21. Juni 17 R.
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