Rade 222, aus Dau⸗ Inf. Regt. 118,
0 äger aus Waldgirmes.— Ers.⸗Res. Karl Qestreich, Res.⸗Inf.⸗Regt 80, aus lar.— E def Otto S 155 Viabentobf — Landwehrmann Kreisstraßenwart Johs. Aug. Becker, Land⸗ wehr⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Gonterskirchen.— Musk. Wilh. Löff⸗ er, W Fa Ae 2. aus Eichelsdorf.— Ersatz⸗Res. Wilh. Adam, Inf.⸗Regt. 168, aus Breungeshain.— Unteroff, d. Res. Wilh. Weber, ee. 115, aus Brandau.— Musk. Heinr. Schneider aus Nieder ⸗Ramstadt.— Schütze Adam Nick⸗ Las, Inf.⸗Regt. 168, aus Darmstadt.— Konrad Löschhorn aus
„— Musk. Karl Grüb, Inf.⸗Regt. 81, aus Offen⸗ .— Kriegsfreiw. Unteroff. Wilbert Lex, Garde⸗Drag.⸗ Regt. 23, aus Weilburg.— Leutn. Robert Lahr, Inf.⸗Regt.
„aus Gro au.— Ers.⸗Res. Fritz Materne her ns.⸗Agt., aus Darmstadt.— Gardefüf. Karl Kall! 0 115, ans G* 0 Karl Kalbfleisch,
5 Schwarz. Jvhs. Friedr. Haber⸗ Aebi. rf. Bg. 228, ug Schoen fe Jah. G. Keef, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 116, aus Schwarz.— Landwehrm. Frdr. Kahl aus Garbenheim.— Landwehrm. Aug. Dreher, Landw.⸗Inf.⸗ Rgt. 83, aus Biedenkopf.— Pionier Karl Winter, Pionier⸗Btl. 16, aus Battenberg.— Lehrer Wilh. Renkel aus Offenbach u. M.— Kriegsfreiw. Karl André, Ers.⸗Btl. 41, aus Offen⸗ bach a. M.— Kanonier Heinr. Vogt, Feld⸗Art.⸗Rgt. 233, aus Hungen.— Musk. Ludw. Schmidt, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 223, aus Borsdorf.— Musk. Karl Repp, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 223, aus Nidda.
*
* Ritter des Eisernen Kreuzes: Oberleutn. d. R und Kompagnieführer Eberhard Kramer aus Gießen, R 116. Christian Knierim aus Alsfeld, iPon.⸗ 11. Pionier August Hölzchen aus Weilburg, Pion.⸗ Regt. 25. Gefreiter W. Klieber aus Wetzlar, Landw.⸗ 8 atz⸗Bat. 41. Kriegsfreiw. Georg Rompel aus Lindenholzhausen, Kreis Limburg, Feldart.⸗Regt. 5. Willy Graef aus Assenheim, Gefr. beim Kurhess. Jäger-Bat. 11. seldlazaratt⸗Inspektor Opernsänger Otto Clemm aus Bü⸗ „ Uffz. Philipp Preußer aus Düdelsheim, Ei. Regt. 116. Uffz. ust Durchholz aus Darmstadt. Gefr. 5 Heusohn aus Darmstadt, Res.⸗Inf. Regt 222 n der 17. Sanitätskomp. Dr. ii Eunike aus Bad zhausen. Gefr. d. R. Heinrich Böck II. aus Ober⸗Lais. Auszeichnung. Dem Oberlehrer am Realgymnasium 9 Gießen, Oberleutnant d. R. Dr. Emmel wurde die Hessische apferkeitsmedaille verliehen. * Wandervögel⸗Sonnwende. Wie alljährlich feierten auch dies Jahr die Wandervögel die Son⸗ nenwende. Es war weniger laut als sonst, und die älteren Wandervögel fehlten fast alle. Sind doch mehr als 3000 von ihnen als Kriegsfreiwillige ins Feld gezogen. Die oberhessi⸗ schen Gruppen brannten auf nzenburg ihr Sonnwend⸗ euer ab und etwa 150 Mädchen und Buben fanden gast⸗ ndliche Aufnahme bei den Bauern. Aber trotzdem mehr ere da waren, herrschte doch eine ruhigere Stimmung. sprach einer am Feuer, gedachte der Vielen, die vor dem Feind gefallen sind, gelobte ihnen, ihre Arbeit treulich weiterzuführen und redete mit 1 55 von unserem mäch⸗ tigen, starken Vaterland, das so sel stwerständlich all die Lasten des Krieges trägt und so— des endgültigen — ist, daß eine Kriegserklärung mehr kaum Ein⸗ druck macht. Dann g es freudig ernst über das Städtchen hin:„Deutschland, Deutschland über alles“.— Die Wander⸗ vögel halten, wie man uns weiter schreibt, ihre Arbeit auch jetzt im Kriege für wertvoll und nötig. Aus Feldpost⸗ briefen und aus dem Mund manches Offiziers haben sie 2 t, daß ihre Art eine treffliche Vorbereitung zum g ist. Sie können marschieren, schleppen schwere Ruck⸗ säcke, singen und halten so die Abmacher auf dem Damm. Ihre Magenansprüche sind gering und sie schlafen gern auf Heu oder Stroh, wohl auch auf sommerlich durch⸗ wärmtem Waldboden. Sie wissen, wie man Zelte baut und lernen mit Generalstabskarte und Kompaß umgehen. Wich⸗
tiger ist auch, daß die Jüngeren und Füngsten hier schon
herangezogen werden. Wenn auch die älteren Wandervögel jetzt bei der militärischen Organisation der Jugend nicht zurückstehen und sich dem großen Ganzen unterordnen, so wandern und singen die Jüngeren desto flotter. Sie sollen
dereinst die Erfolge, die jetzt erkämpft werden, ausbauen
und festigen helfen, und dazu braucht es auch tüchtiger
Menschen. 5 735 5 * Die Gießener Freilichtbühne schenkte gestern den vielen Hunderten, die alle verfügbaren Plätze einnahmen bezw. mangels weiterer Sitzgelegenheit das Veranügen im Stehen ge⸗ nossen, einen so unterhaltsamen Abend, daß man ihr gern die
zuerkennen mag, in diesem stillen Kriegssommer dafür zu „daß in Gießen wenigstens an den Sonntagen etwas los“
Att. An und für sich schon ein Schmuckkästchen, hat die Bühne durch
Bereicherung erfahren. Dort wirkte unter
ein verdecktes Orchester, das Bautechniker Köhler mit viel Ge⸗ schmack in die Waldszenerie eingefügt hat, eine weitere hübsche n Leitung von Reallehrer Mulch ein zehnköpfiges Dilettantenorchester, das flott und sicher bei der Hand war, wenn es in den beiden Singspielen des Abends etwas zu singen gab, und das sich namentlich mit Koschats See⸗ walzer die anerkennende Ueberraschung der Hörer und ihren lauten Beifall erspielte. Vorher hatten sich aber vier der Kriegskräfte
5 der Freilichtbühne, die in dieser Spielzeit ganz und gar au aller-
von Direktor Steingoetter am Zügel geführte Lieb⸗ K 9 e ist, e e 1 röhlich in die Guns ikums gesetzt. re Namen
i 8 des Ero i— 29 5 Frey und 5 9
eitig, daß nicht
lern
rutschte, so kam die lustige Aelpler⸗
„Nach der schon rühmlich
des Orchesters gabs die in selbstündiges Passen⸗ szene aus„Robert und Bertram“. i N Träger der beiden Titelrollen Kurt Henri und W. W. Göttig außerordentlich wohlfüblten, der erste mit viel i und mit einem fsend richtigen Gefühl der Bühnenkomik, der zweite ebenfalls mit laut cht deshalb mit ein wenig zuviel Gretel Leist spielte eine niedliche den ersten Ba allerliebst ein Liedchen, das, hätte es der Sängerin
72
ad sang höher gelegen, dürfen.
b hätte Auch den anderen vier Mi 1 Kurt Frey Gendarm, un Loß als Wirt, G. A, von als Pächter und nn Michel,
acht haben. So konnte 5 der Vorstellung recht
auch im Hintergrund des Zuschzuer⸗] Aull.
des gut
e n uud di ührung als e und ne Wiberhelk
werden.
*Die Kriegerkameradschaft„Hassia“ hielt gestern vormittag im Kaisersaal in Darmstadt eine Mit⸗ gliederversammlung ab, die mit Rücksicht auf die Zeitlage an die Stelle der sonst üblichen großen Jahres- versammlung trat Raummangels wegen müssen wir den Bericht über die Versammlung auf morgen verschieben.
* Zeppelin unterwegs. Heute nacht gegen 12 Uhr überflog in pfeilgeschwinder Fahrt in südlicher Richtung ein Luftkreuzer, anscheinend ein Zeppelin, die Stadt. Trotzdem das Luftschiff ziemlich niedrig fuhr, dürfte es nur von wenigen bemerkt worden sein. Man hörte nur das dumpfe Sausen der Luftschrauben, während das Motor-
eräusch, das sonst die Zeppeline schon lange vor dem Er⸗ cheinen ankündigte und wohl einen Schläfer auswecken konnte, kaum vernehmlich war. Wie ein grauer Schatten hob sich das Schiff nur undeutlich vom gestirnten Himmel ab und verschwand gedankenschnell hinter den Dächern.
% Goldene Hochzeit. Oberbriesträger 1. P. Ludwig Todt und seine Ehefrau Margarete geb. Barth begehen in voller Rüstigkeit am Dienstag, den Juni, das Fest der goldenen Hochzeit. 4
„ Pferdeversteigerung. Donnerstag, den 24. Juni, vormittags 9 Uhr, findet im Hofe des Jagdschlosses Kranichstein eine Versteigerung von 41 aus Belgien eingeführten 2 bis gjährigen Pferden, darunter erstklassige Stuten, zu den be⸗ kannten Bedingungen statt. Ferner kommen daran anschließend 40 jüngere Beutefohlen zum Verkause.
Hessen⸗Nassau. 5
F. C. Diez, 20. Juni. Der 7 ordentl. Hauptversammlung des Lahn⸗Kanal- Vereins, die heute hier im„Hof von Hol⸗ land“ tagte, ging eine Vorstandssitzung in Gemeinschaft der Lahn⸗ Schiffahrtsgesellschaft voraus. Nicht ganz 3 Dutzend Mitglieder und Freunde des Vereins, besonders aus den Städten Gießen, Weßlar, Weilburg und Limburg, Diez und Ems, hatten sich eingefunden. Vor Beginn des Krieges hatte der Ver⸗ ein sein erstes Lahnschiff gebaut, das in Koblenz nach dem Gründer und langjährigen Leiter des Vereins„Eduard Kaiser“ getauft wurde. Alle großen Betriebe an der Lahn, namentlich die Hochöfen, standen nach Kriegsbeginn still, da sämtliche Bahnen in Anspruch genommen waren. Wäre die Lahn⸗Schiffahrt eingeführt gewesen, so wäre dieser—— behoben gewesen. Den„ Nr für das abgelaufene Jahr erstattete Syndikus Dr.
Reger Wetzlar. Um die Zahl seiner Mitglieder, die fast um ein Drittel zurückgegangen war, zu heben, beschickte der Verein stark die Gewerbe Ausstellung in Gießen. Einen ausführlichen Rück. blick über die Betriebszeit des ersten Lahnschiffes während des Friedens gab Herr Tr. Balza⸗Wetzlar. Das Schifschen kann mit 138 Tonnen beladen werden. Ter Minister wünscht, wenn sich die Staatsregierung intensiv beteiligen soll, Vergrößerung des⸗ selben. Die reichlichen Erfahrungen sollen beim Neubau Verwen⸗ dung finden. In 69 Tagen führte das Schiffchen 13 Reisen aus. Das neue Schiff soll einen 50 PS. Motor erhalten und wird ca, 48 000 Mark kosten. Die Hauptsache muß der Betrieb auf dem Rhein bilden— je länger die Rheinstrecke und je kürzer die Lahn⸗ strecke, desto lukrativer wird der Betrieb. Zum Schluß wurde der Rechnungsbericht vorgetragen: die Kasse schließt ab mit einem kleinen Tefizit. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder wur⸗ den wiedergewählt. Die nächstjährige Hauptversammlung wird in Gießen abgehalten.
Gießener Strafkammer. 5 th. Gießen, 19. Juni.
Gestern verhandelte die Straffammer einmal wieder, mit Unter⸗
brechung durch eine Mittagspause, auch den Nachmittag über.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit
wurde der Priwatier Adolf H. von Gießen, ein Mann von 69 Jahren, wegen Sittlichkeitsvergehens bei Zubilligung mildern⸗ der Umskände zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis bei 5jährigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Auf die erkannte —.— kommen 3 Monate der erlittenen Untersuchungshaft in An⸗ rechnung.
Von der Anklage begangenen Forstfrevels wurde der Landwirt Jol. L. von Breungesheim freigesprochen. Er sollte Holz aus dem Wald ohne Abfuhrschein geholt haben.
Wegen Kartoffelverteuerung
tten sich Nikolaus D. und 5 Genossen, sämtlich Landwirte von
dstadt, zu verantworten. Die Angeklagten hatten dem Land⸗ sturm⸗ Kommando in Friedberg auf dessen Bestellung, ohne vorher einen Preis zu fordern, Kartoffeln geliefert. Die Militärbehörde batte ihnen dafür pro Malter 13 u Höchstpreis damals nur 11 Mark betragen hat. Die Angeklagten erklärten, sie hätten in der Annahme des Geldes kein Unrecht gesehen, da doch der Militärfiskus, eine staatliche Behörde, hätte wissen müssen, daß der Höchstpreis nur 11 Mark war. Die Straf⸗ kammer erkannte gegen jeden der Angeklagten auf eine Geldstrafe von 3 Mark, hilfsweise 1 Tag Gefängnis.— Nicht fo billig kam der Handelsmann Heinrich S. von ödel durch. Er hatte von zwei Frauen in Bad⸗Nauheim Bestellungen angenommen auf 3 Malter Speisekartoffeln zum Preise von 11 Mark. Als er nach einigen Tagen die Ware abliefern wollte, erklärte er den Bestellerinnen, die Kartoffeln kosten heute 13 Mark das Malter, und war nicht zu bewegen, seine Lieferungsverpflichtung inne zu halten, auch nicht, als man ihm 12 Mark geben wollte. Angeklagte verteidigte sich damit, er habe an dem Tage Saat⸗ kartoffeln gehabt, die er nicht unter 13 k habe abgeben können. Wenn die Frauen vernünftig gewesen wären, hatte er ihnen ja einige Tage später fiir 11 Mark Speisekartoffeln gebracht. Die Strafkammer war der Ansicht, daß es sich hier um einen Fall handelt, e klar zeigt, daß der Verkäufer aus der Notlage von Kartoffelkonsumenten einen Extragewinn herausschlagen wollte, und erkannte auf eine Geldstrafe von 80 Mark, ev. 16 Tage Gefängnis.— In der Verhandlung gegen S. kam auch zur ——5 daß der Angeklagte sich von der einen Frau für ½ Zentner Saatkartoffeln, die er vorher geliefert hatte, für das Malter 36 Mark hatte bezahlen lassen.
6 die Mehl⸗ a en
ich vergangen zu haben, war der er Joh. Gg. D. IV von — Er patze im Dezember vorigen Hahres 230 Pfund Weizen gegen Molter zum Mahlen bekommen. Als Anfang Mai dieses Jahres das Moltern verboten und das Weizenmehl be⸗ schlagnahmt wurde, hat der Müller trotzdem dem Eigentümer des Weizens schleunigst unter Abzug der Molter das Mehl geliefert, allerdings später die 34 P Weizenmehl gegen einen baren Mahllohn noch herausgegeben. Die Strafkammer war der Ansicht, der Fall liege so milde, daß eine Geldstrafe von 3 Mark event. 1 Tag Gefängnis als genügende Sühne für das Vergehen anzu⸗
sehen sei. Wegen schweren Diebstahls wurde die wegen Diebstahls vorbestrafte 21 Jahre alte Dienstmagd Irma K., gebürtig aus Hannover, zu 6 Mongten Gefängnis ver⸗ urteilt. Die Angeklagte hatte sich, nachdem sie von ihrer Dienst⸗ herrschaft in Friedelhausen entlassen war, nachts in deren Wohn⸗ haus eingeschlichen und eine Anzahl Kleidungsstücke entwendet. Untreue und Urkundenfälschung.
Gegen den 43 Jahre alten Jagdschriftsteller Ludw. v. M. aus Wien, zuletzt mehrere Jahre in Bad Nauheim wohnhaft, ist eine age erhoben wegen Untreue und Urkundenfälschung. Der An⸗
agte, welcher wegen Betrugs, N und Urkunden⸗ älschung vorbestraft ist, soll im Dienst des Großindustriellen Ver⸗ kade in Delft, Holland, Gelder, die er zur Verwendung für ganz bestimmte Zwecke erhalten hat, für sich verbraucht haben; er soll, um die Veruntreuung zu verdecken, verschiedene Quittungen in Höhe von ca 800 Mark angefertigt, verfälscht und diese dann seinem —— als Belege bei der Abrechnung übersandt haben. 9
n 4
—
N
bedeutende Jagden besite, sei ein Gönner und Freund von ihm en, der ihm, um ihn zu bewegen, seinen Fonte ag Bad euheim zu verlegen, seine Freundschaft und seine Kasse förmlich aufgedrungen habe. Die Quittungen gefälscht und zum Zwecke der Täuschung von demselben Gebrauch gemacht zu haben, gibt der Angeklagte zu. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft beschließt die Strafkammer, den Holländer Verkade in der Sache über sein Ver⸗ hältnis zum Angeklagten zeugeneidlich zu vernehmen. kann dies allerdings nur auf diplomatischem Wege geschehen, doch will man vorher den Versuch machen, den Herrn zu veranlassen, in Gießen freiwillig als Zeuge vor Gericht zu erscheinen.
Es
Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. 5 Unter dem Einfluß einer im Westen aufgetretenen Depression ist der hohe Druck über dem Kontinent weiter ostwärts abgezogen. Wir werden für morgen deinnach zunehmende Bewölkung, aber
noch keine wesentlichen Nieder schläge zu erwarten haben. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 22. Juni 1915 Zunehmende Bewölkung, doch noch meist trocken, südwestliche Winde.
Letzte Nachrichten.
Der deutsche Epistopat an den Kaiser.
i. Köln, 21. Juni. Laut„Köln. Volksztg.“ haben Kardinal von Bettinger-München und Kardinal von Hartmann Köln an den Kaiser solgendes Telegramm gesandt:„Empört über die Verunglimpfung des deutschen Vaterlandes und des deut⸗ schen Heeres durch das Buch„Der Krieg und der deutsche
Katholizismus“ ist es uns ein Herzensbedürfnis, Ew. Maje⸗
stät im Namen des deutschen Episkopats dessen schmerz⸗ liche Entrüstung auszudrücken. Wir werden nicht unter⸗ lassen, beim Oberhaupt der katholischen Kirche Beschwerde zu führen.“— Der Kaiser hat darauf an Kardinal von Hartmann folgendes Danktelegramm gerichtet: Ich danke Ihnen und dem Kardinal von Bettinger herzlich für den Ausdruck der Ent⸗ rüstung des deutschen Episkopats angesichts der schmählichen lite⸗ rarischen Verleumdung des deutschen Volkes und seines Heeres seitens des Feindes. Auch diese Angriffe prallen ab an dem guten Gewissen und der sittlichen Kraft, mit denen
das deutsche Volk seine gerechte Sache verteidigt, und fallen auf die
Urheber zurück. Wilhelm J. R. 5 Eine amtliche russische Auslassung. Petersburg, 21. ste 9 55 amtlichen Blattes des russischen Kriegsministeriums„Ruskii Invalid“ bringt einen böchst bemerkenswerten Leitartikel. Das Blatt gibt das Bestehen einer Unzufriedenheit zwischen einzelnen Mächten des Vierverbanu⸗ des zu, weist aber darauf hin, daß diese Unstimmigkeiten nicht politischer, sondern durchweg mi litärischer Natur
seien. Den Russen scheine, daß die westlichen Verbündeten die deutschen Kräfte zu schwach und zu langsam
schwächen, während den Russen vorgeworfen werde, sie hät⸗ ten Armeen von unzureichender Stärke und ungenügendem Material gegen den Bosporus entsanbt. Der Bericht er⸗ örtert, den Gedanken eines einzigen Führers der Gesamtheit der militärischen Aktionen der Verbündeten auf einem aus Strategen und Politikern aller Vierbundmächte bestehenden Tribunal zu errichten. Nach vertrauenswürdigen Hinweisen besteht Grund zu der Annahme, daß der in russischen hohen militärischen Kreisen eifrig besprochene Aufsatz auf das Betreiben des Großfürsten
Nikolai Nikolajewitsch zurückzuführen ist. 9
5 Maklakow. Stockholm, 21. Juni. Der zurückgetretene russssche Minister des Innern Maklakow war, wie„Svenska Dagbladet“ schreibt, einer der eifrigsten Vertreter des Standpunktes, daß der Krieg bis zum äußersten fortgesetzt werde. Er stand in dieser Hinsicht auf der⸗ selben Seite wie der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch. Die Ballanverhandlungen. 1 Lugano, 21. Juni. Ueber die Balkanverhandlungen meldet „Corriere della Sera“ aus Rom: Der Vierverband verhandelt vornehmlich mit Bulgarien, das Mazedonien verlangt und zwar imnabhängig von allen Entschädigungen, die der Vierverband für die anderen Balkanstaaten in Aussicht nimmt. Griechenland und Serbien wiesen jedoch jede Gebietsabtretung an Bulgarien ab. Um unter solchen Umständen Bulgarien zum Eingreifen in den Krieg bestimmen zu können, müßten zunächst die drei anderen Balkanstaaten durch hinreichende Entschädigungen zu Abtretungen
an Bulgarien bewogen werden. Deshalb wird ein verwickeltes
Tauschgeschäft vorgeschlagen. Rumänien soll den Serben den Banat überlassen, den es nicht hat, wofür Serbien Mazedonien, das es hat, an Bulgarien geben soll. Rußland gibt dafür an Rumänien die Bukowina mit Czernowitz und dem Pruth als Grenze, was es auch nicht hat. So hofft man das Eingreifen der Balkanstaaten des Vierverbandes in den Krieg zu erreichen.
Die amtlichen russischen Verlustlisten. J
Wien, 21. Juni. Die„Reichspost“ meldet: Die Herausgabe
amtlicher russischer Verlustlisten ist seit der Besetzung von Przemysl. durch die Teutschen und Oesterreicher eingestellt worden.
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