Ausgabe 
(19.6.1915) 142. Erstes Blatt
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f Großkalibrige Marinegeschütze. Paris, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.)Temps meldet: Großkalibrige Marinegeschütze von großer Trag⸗ fähigkeit sollen demnächst von der französischen Artillerie zur Anwendung gebracht werden. Riesenflugzeuge in Rußland und England.

Paris, 18. Juni.(WTB Nichtamtlich.) Blättermel⸗ dungen aus London zufolge werden in England augen⸗ blicklich Riesenflugzeuge nach dem Muster der russi⸗ schen Flugzeuge hergestellt.

Leichenverbrennung auf den Schlachtfeldern.

Paris, 18. Juni.(WTB Nichtamtlich.)Petit Journ. meldet: Der Rammerausschuß für Gesundheits⸗ wesen hat Versuche von Leichenverbrennungen vornehmen lassen, um eventuell in der Kammer einen Gesetzentwurf einbringen zu können, nach welchem die Gefallenen auf den Schlachtfeldern verbrannt werden sollen. Da die Versuche befriedigend e sind, wird der Ausschuß einen Gesetzentwurf ausarbeiten und ihn der Kam⸗ mer unterbreiten.

Eine neue innere Anleihe Italiens.

Rom, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Ein könig⸗ liches Dekret ermächtigt die Regierung, eine neue innere Anleihe von 4%½ Proz. auszugeben, welche in 25 Jahren amortisiert werden soll. Der Ausgabekurs ist auf 95 Lire für 14* von Titeln der vorhergehenden inneren Anleihe auf 93 Lire, der Beginn der Zeichnungen auf den 1. Juli festgesetzt. Die Zahlungen auf die Zeichnungen über 100 Lire erfolgen zu je 25 Proz. bei der Zeichnung am 1. Oktober, 16. November und 2. Februar 1916.

5 f 8 f 5 Der Seekrieg. Der Untergang vonu 29. 5 Berlin, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Ueber die Art der Vernichtung vonU 29 wurde, wie wir von maßgeben⸗ der Stelle hören, jetzt aus besonderer Quelle bekannt, daß das Boot 1 einen unter schwedischer Flagge fahrenden englischen Tankdampfer zum Sinken gebracht wurde. Hierdurch finden von vornherein die umlaufenden Gerüchte ihre Bestätigung, daß das Boot britischer Hinterlist zum Opfer gefallen ist. Der Flaggenmißbrauch ist noch im Schwunge, wie die

nachstehende Meldung zeigt, und aus der gestrigen Meldung, wonachU 29 mit seinem Kommandanten Otto Weddi gen heimtückisch durch einen unter schwedischer Flagge fahrenden englischen Tankdampfer zum Sinken gebracht worden ist, kann die Welt ersehen, welcher feigen Taten und welcher Heimtücke wir uns von den Engländern versehen müssen: Berlin, 19. Juni. DieKreuzzeitung schreibt: Wed⸗ digen undU 29 sind ein Opfer des ungewöhnlich großen und weitgehenden Entgegenkommens, das wir den Neutralen in unserem IUI-Boot⸗Kampfe von Anfang an gegeben haben. Unsere Tauchboote haben gegen neutrale Schiffe stets so gehandelt, wie es Das Völkerrecht für die früher allein bekannten Ueberseeschiffe vor⸗ schrieb. Sie sind aufgetaucht, haben die Schiffe angehalten, durch⸗ sucht und unter Rettung der Mannschaft nur dann versenkt, wenn die Durchsuchung unzulässige Ladung ergab. Der Untergang von 29 zeigt, wie ungeheuer gefährlich dieses Verfahren gegenüber sewesen ist und legt die Annahme

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rika bei diesem unserem Entgegenkommen wenig Nutzen hatte, weil seine eigene Handelsflotte nicht ausreißt, ist nicht unsere Schuld. Der Vorfall zeigt, welche Bedeutung die Forderung Amerikas hat, daß die U-Boote auch feindliche Handelsschiffe nicht ohne weiteres torpedieren, sondern zunächst anhalten und untersuchen sollen. Darin liegt aber nicht mehr und nicht weniger als ein voller Verzicht auf die Vorteile, die wir dank unserer tech⸗ nischen Ueberlegenheit durch die U-Boote haben. Das Verfahren ist ebenso deswegen nicht möglich, weil die englischen Handels⸗ schiffe bewaffnet und mit genauen Anweisungen versehen sind, wie sie die U-Boote rammen sollen. l. 9 Stockholm, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Daß die Engländer nach wie vor die neutralen Flaggen far⸗ ben mißbrauchen, geht aus einer Meldung des Blattes Dagens Nyheter aus Karlshamm hervor, nach der ein schwe⸗ discher Seemann in Southshields einen englischen Dampfer in völlig schwedischer Verkleidung sah.

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London, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel⸗ den: Die FischdampferPetrel,Explorer und Naponica aus Aberdeen sind am 4. und 5. Juni von Unterseebooten versenkt worden.

Stockholm, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.)Stock⸗ holms Tidningen meldet aus Göteborg: Der norwegische DampferGranit wurde vorgestern in der Nähe des Vingafeuers vor Göteborg von den Deutschen in den Grund

eschossen. Dasselbe Blatt meldet aus Malmö: Zwei 5 He Fischerboote übernahmen vorgestern abend vor Limhamm von einem deutschen Torpedoboot die Besatzungen der versenkten DampferVerdandi undGranit, insgesamt 28 Mann, und setzten sie in Malmö an Land. Londo. 78 Juni. e 1 Dung. Bei der Torpedierung des britischen mpfers * aithnairn in der Nähe der Scylliinseln, die ohne vorherige Warnung erfolgte, ertranken acht Engländer und 14 Chinesen. Zwei Boote kenterten, eines ging an Trümmer, nur eines blieb flott. Dieses versuchte, die In⸗ sassen der anderen zu retten, wurde jedoch durch das Unter⸗ seebvot daran gehindert. Der Schlußsatz ist natürlich nicht zutreffend, aber recht bezeichnend für den Reuterschen Lügen⸗ geist.

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Aus dem englischen Unterhaus.

London, 18. Juni.(WB Nichtamtlich.) Im Unter⸗ Hause erklärte Johnson Hicks(Unionist), eine größere Anzahl Flieger und Flugzeuge seien notwendig zur Verteidigung gegen Luft iffe. Die Regierung solle dem Volke genau sagen, was es bei eppelinangriffen zu erwarten hätte. Die Luftschiffe könnten nur durch ganze Schwärme Flugzeuge abgewehrt werden. Der Redner forderte eine Erklärung des Ministers für Kriegs⸗ bedarf, daß er die Bedeutung der Bereitstellung einer viel größeren

5 5 von Flugzeugen erkenne. Statt der Angriffe auf Cuxhaven im Verlaufe des Krieges hätte jede Woche ein Luftangriff auf deutsches Gebiet startfinden müssen. Bei einer ausrei Zahl von Flug⸗ zeugen wäre es möglich, jede Woche eine andere deutsche Stadt an⸗ zugreifen. Wenn England wöchentlich einen Angriff mit 50 oder 100 Flugzeugen ausführen könnte, würde man den Deutschen klar machen, was der Krieg bedeute. Der Redner empfahl den Bau größerer Flugzeuge entsprechend dem russischen Sikorsky⸗ typ, die vier bis fünf

Bomben von starker Explosions⸗

ft tragen und in drei Monaten hergestellt werden könnten. pp Spreng⸗

Ter Parlamentssekretär Tennant erwiderte, es sei leicht zu sagen, daß England mehr Flieger und Flugzeuge brauche. Eine solche Kritik könne auf jeden Zweig des militärischen Dienstes an⸗

der Flugoffiziere um das

terlichste Werkzeug der Besteuerung in unserer

0 Aube je vermehrt. Ein Mangel an Bomben mit einer hohen Sprengkraft bestehe jedenfalls seit Februar nicht mehr. Eine größere Flugzeugtype befinde sich im Bau. England habe jetzt elf Fliegerschulen.

Frederic Banbury(Unionist) forderte, jede Anleihe an eine fremde Macht müsse durch ein besonderes Gesetz autorisiert wer⸗ den. Harmood Banner(Unionist) sagte, die Regierung gehe in der Behinderung der Ausfuhr, die dem Feinde nichts nützen könne, zu weit. Henderson(liberal) urteilte, die Behörde, die die Aus⸗ juhrerlaubnisse erteile, befinde sich in einem chaotischen Zustande. Sie müsse schneller arbeiten. Dabei sei die Einfuhr von Kupfer nach Schweden, die ohne Zweifel für Deutschland bestimmt sei, außerordentlich groß. a

Der Schatzkanzler Mac Kenna sagte, unter den gegen⸗ wärtigen Umständen liege es nicht im öffentlichen Interesse, be⸗ sondere Bills über Anleihen an Verbündete einzubringen, was aber nicht als ein Präzedenzfall für die Friedenszeiten gelten solle. Die bewilligten Kredite würden nur zu Anleihen an verbündete Mächte benutzt werden. Der Redner widersprach Johnson Hicks. Daß es bei den Flugzeugen auf das Geld nicht ankäme, sei eine gefährliche Theorie und Geld sei nicht unerschöpflich.

Dillon(Nationalist) bedauerte, daß die Anleihen nur von den Verbündeten und nicht auch von den Neutralen gemacht werden sollten. Der Redfer erinnerte an Deutschland und die bulgarische Anleihe und sagte, die Regierung müsse darin freie Hand haben. A n daß 15 F e über 1 Ent⸗ mutigung lusfuhr gesagt habe, sie sei eine höchst ernste Frage. England habe eine sehr starke passive Handelsbilanz und es würde große Schwierigkeiten später machen, eine normale Handelsbilanz herzustellen ohne große Summen von Gold auszugeben oder unge⸗ heure Mengen von Wertpapieren zu verkaufen. Snowden(Ar⸗ beiterpartei) fragte, wie lange das Parlament auf die Erklärung der Regierung warten müsse, wie sie das nationale Defizit zu decken beabsichtige. Die Verzögerung habe eine schlechte Wir⸗ kung auf die Nation, weil man nicht wisse, ob man sparen solle oder nicht.

London, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der Parla⸗ mentskorrespondent derTimes schreibt: Es ist wahr⸗ scheinlich, daß Mae Kennas erstes Budget das fürch⸗

Finanzgeschichte werden wird. England in Sorge um Lebensmittel.

London, 18. Juni.(WT. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Präsident des Ackerbaumini⸗ steriums hat einen Ausschuß unter dem Vorsitz Lord Mil- ners ernannt, um die Maßregeln zu beraten, die ergriffen werden müssen, um die Lebensmittelproduktion von England und Wales zu erhöhen, da der Krieg bis nach der Ernte des Jahres 1916 dauern könne.

Die englische Kritik.

London, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) DieMor⸗ ning Post schreibt in einem Leitartikel: Die Kosten unserer improvisierten Armee sind ungeheuerlich. Sie kostet uns mehr als alle Armeen, die Deutschland, und Oesterreich⸗-Ungarn an allen Fronten unterhalten. Der mikitärische Korrespondent der Times schreibt: Das militärische Hauptinteresse des Kriegs lonzentriert sich auf Galizien. Von den Ergebnissen der dor⸗ tigen Kämpfe hängt der Charakter des Feldzuges auch auf den anderen Kriegsschauplätzen auf Monate hinaus ab. Wenn es den Oesterreichern, Ungarn und Deutschen gelingt, die russische Armee aus Galizien zu werfen, oder sie zu durchbrechen, zu umzingeln oder zu zerstreuen, können wir in diesem Sommer auf keine ernste russische Offensive mehr rechnen. Es wird schwieriger sein als zuvor, ein Zusammenarbeiten Italiens und Serbiens mit Rußland herbeizuführen. Da Deutschland gemerkt hat, daß seine Verteidi⸗ gungsstellung im Westen stark genug ist, um die Angriffe des Feindes aufzuhalten, oder jedenfalls sehr zu verzögern, und da die italienische Angriffsbewegung wegen der Geländeschwierigkeiten notwendigerweise langsam ist, greifen die Deutschen in Rußland an und versuchen, durch eine große Niederlage der russischen Armee den Zusammenbruch des ganzen Vier verbandes herbeizuführen.

8 Die Kämpfe an den dardanellen. Konstantinopel, 18. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellen⸗ front zerstörte unsere Artillerie am 16. Juni bei Ari Burnu Maschinengewehrstellungen und wichtige Beobach⸗ tungspunkte des Feindes. Ein feindliches Geschütz wurde ge⸗ brauchsunfähig gemacht. Eines unserer Regimenter auf un⸗ serem rechten Flügel nahm einen Teil der feindlichen Schüt⸗ zengräben und besetzte ihn. Gestern dauerte in der Gegend von Ari Burnu und Sedd-ül-Bahr schwaches Geschütz⸗ und Infanteriefeuer von beiden Seiten an, ohne daß sich etwas Wichtiges ereignete. Seit dem 14. Juni verwendet der Feind Explosivgeschosse, welche erstickende Gase ent⸗ wickeln. An den anderen Fronten nichts Neues. BBB...r

Aus Stadt und Cand. Gießen, 19. Juni 1915.

Von drinnen und draußen.

Die Wogen der Stammtischdebatte hatten berefts um die siebte Abendstunde eine derartige** erreicht, daß sie sich über⸗ kügelten, als die Tafelrunde durch das Erscheinen des Rentners X. vollzählig wurde. Herr K. erwies sich gleich anfangs bereits als so nervös, daß er im Laufe des Gespräches in den ersten fünf Minuten schon pro Minute durchschnittlich zehnmal ersichtlich zusammenzuckte. Da dieser Zustand trotz der herrschenden Redehitze nicht wohl verborgen bleiben konnte, mußte es als eine Reinigung der Atmosphäre empfunden werden, als Herr Fabrikant Y. dem rätselhaften Gebaren des Herrn X. mit einer entsprechenden Frage auf den Grund zu kommen trachtete. Es stellte sich alsdann her⸗ aus, daß Herr X. mit sich darüber ins Reine gekommen war, mit aller ihm zur Verfügung stehenden Energie in den Kampf gegen die Fremdwörter einzutreten. Diese Absi fand, unterstützt durch die Vorweisung des einschlägigen Erlasses eines benachbarten Generalkommandos, ine Billigung und wurde sofort durch die Errich einer Fremdwörterkasse gekrönt, in die nach einstimmigen Beschluß pro Fremdwort zehn Pfennige ge⸗ zahlt werden sollten. Die ersten Groschen flossen in die Kasse, als die Tafelrunde in das auf den Vorschlag des Herrn X. aus⸗ gebrachte Prosit einstimmte.Wohl bekomms heißt's, meine Her⸗ ren! schmunzelte Herr X. pro Mann einen Groschen! Pro 1 er gesagt! Bitte, Herr X., auch Ihren Obolus!Obo⸗ lus? Zehn Pfennige! rächte sich Herr X., stieß Herrn Z. mit der Kasse an, sagtePardon!, entrichtete dafür unter all⸗ gemeiner Heiterkeit den zweiten Groschen und 4 auf der Hut zu sein und alle Angriffe auf seine Börse mit voll⸗ ständigem Schweigen schlagen. Dies ge ihm.

brachte die Erörterung der* in Galizien, die bald wieder begann, mittelsOffensive, Artillerie,Armee usw. beträchtlichen Kassenzuwachs. Herr. S. erklärte sBöhm⸗ Ermolli für straffällig, stieß damit aber auf Widerspruch. Der Ober, der Herrn X. fragte, ob er à la carte essen wolle, erhielt Belehrungen, die jeden anderen moralisch vernichtet hätten. Dar⸗ 1 machte sich Herr k. mit dem Bleistift über die Speisenkarte, än zomelette aux coufitures in Eierkuchen mit Speck, pommes frittes in Pellkartoffeln mit Hering, Kaviar in Fischlaich und Camembert in Handkäse um, strich einige Gerichte als unüber⸗ setzbar ganz, bestellte sich schließlich eine Hindenburgplatte und war peinlich überrascht, als sich dieselbe als eine Zusammenstellung

chloß, nunmehr 10

aus italienischem Salat, kaltem Roastbeef, Hummermajonnaise,

gewandt werben. Der Luftdienst stehe in sehr gutem Verhältnis zur übrigen Armer. Seit dem Beginn des Krieges hat sich die Zahl

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Gervaiskäse usw. herausstellte. Man war der Ansicht, das Essen

all dieser guten Dit wörter nicht im Munde

daß fünf Mitglieder der Stan 9 ö e zwei Germanisten sich an der U Wieder* den e tragt, di wieder aufzulösen, den Inhalt einem wohltäti zu i weisen und im übrigen nach bestem Missen und Gewissen aktuell gewordene Bekämpfung der Fremdwörter ohne sortzusezen. Man billigte auch diesen Vorschlag, jedoch ve das Wort aktuell, weil vor der Beschlußfassung gebraucht, den alten Gesetzen. Im übrigen sah man ein, in ein Extrem fallen zu sein, das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und nit auf Sachverständige gehört zu haben, verurteilte auf Grund Erfahrungslatsachen jeden Zwang und erklärte sich ein davon überzeugt, daß das patriotische, vielmehr vaterländi Empfinden des Einzelnen am besten selbst mit der Mutterspr ins Reine zu kommen versuche, wobei jeder verständige Rat sei. Es muß gesagt werden, daß dieser Mittelweg erstrebten Ziele wohl am ersten nahe kommen dürfte.

Als es nachts vom Mai zum Juni ging, schauerte sommerliche Welt noch ein letztes Mal im Frost zusamme morgens zeigte sich Reif auf der Flur, und im Vogelsber fror es gar Eis über stehendem Wasser. Acht Tage dra klemm das Thermometer auf 31 Grad im Schatten, die Nächte brachten weder Tau noch Kühle, die spärlichen Wolken keinen Negen, und man 8 schon um unsere Ernte. Selbst für den Juni, in dem am Montag ist der Tag der Sommer beginnt, war die überheiße Sonnenzeit eine ungewöhnliche Erscheinung. Jähmend wie ein Alb legte sich die Sonne auf die Natur und och wie an Ungeheuer in den letzten Dinkel. Es gibt en Sommergedicht, dessen leßte Strophen heuer schon feuh wahr

wurden: 5 Krasklos umd lechzend schleppt sich hin der Tag Sein eitel Hoffen, daß der Abend kühl 5 Die Sonnenwunden, denen er erlag, Wehrt ihm den Schlaf. Und n und schwill Wie heiße, dichte Tücher hängt die Nacht. Ganz spät, wenn alle Fenster dunkel sind, Mags kommen, daß ein Lufthauch leis erwacht Und, durch die stillen Straßen irrend, lind 8 Auf feinem Schleier einen Duft verweht. 5 Dann träumst du, was dir einst als Kind Die Mondnacht raunte, wo die Linde steht, Und wo die Nächte kühler, wünscheloser fin. a Wohl nie ist der Regen, der dann nach langem Warten nieder⸗ rauschte, dankbarer begrüßt worden; nicht nur, weil er die Hitze 4 bannte, fondern weil er uns in jedem Tropfen künftige Nahrung zu bringen schien. Und nun steht die Saat und reift. Nicht nur der Wind spielt in den schwanken Halmen, sondern unser Hoffen und Wünschen schweift über den, Fluren; nie wir die Mütterlichkeit und Heiligkeit der Erde lebendiger empfunden als heute, wo uns ihr Schoß erneut das Leben geben soll, wo unser Dasein nur vom vaterländischen Boden 1 Heute weiß es jedes Stadtkind, was es zu bedeuten haf, wenn die Lithurgien Ge⸗ bete um Erntesegen kennen, nun, wo Bauer und Städter alla gleichen Anteil daran nehmen. Mit Mohn und Raden und Rosen mannigfalt bekränzt zieht der Sommer ins Land und bringt uns in heißen Tagen die Gewähr des Erntens unserer Saat; und seit der Krieg tobt, mag nie der Charakter Jahreszeit so voll Hoffnung mit dem Geschehen vor den Grenzen haben verglichen werden können, als heute, wo die Ernte auf den Feldern des Frie⸗ dens so wie auf denen des Kampfes herrlich heranreift. a g * * Amtliche Personalnachrichten. Das Ehren- zeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren 0 9 durch den Großherzog an Christian Wagner und Wilhelm Heinrich Schomber, beide zu Grünberg. Am 15. i d. J. 1 wurde der Finanzreferendar Dr. Richard Fuchs aus Darmstadt zum Finanzassessor ernannt. a 1 * Vom Ortsausschuß für Hriegsbe* digte. In den Ortsausschuß zur Fürsorge für a 285 beschädigte sind weiterhin gewählt worden die Herren Me⸗ dizinalrat Dr. Oßwald, Medizinalrat Prof. Dr. Wal⸗ ther, Hauptlehrer der Gewerbeschule Traber, Schreiner Georg Beck; vor einigen Tagen nahm der Ausschuß eine Besichtigung der in den Technis Lehranstalten in Offen⸗ bach a. M. zur Umlernung der Kriegsbeschädigten 8 nen Einrichtungen vor. Dem Kammervirtuosen Wilhe l Backhaus, der seine undergleichliche Kunst 3 Ver⸗ anstaltung eines Konzertes in den Dienst der Kriegsbeschä digten⸗Fürsorge gestellt hatte, ließ der Oberbürgermeister ein herzliches Dankschreiben debe en. Herr Geh. Kommer⸗ F spen für die gleichen Zwecke n Anmeldung von Kriegsschäden. Die Be⸗ arbeitung der Entschädigungsanträge für im feindlichen Aus⸗ land beschlagnahmte Güter hat für die Reichsent⸗ schädigungskommission die Notwendigkeit ergeben, den An⸗ tragstellern einen Fragebogen vorzulegen, welcher dase a über alle notwendigen Angaben gibt und zur Minderung des Schreibwerks beiträgt. Die Formulare werden bei der Reichs⸗ entschädigungskommission(Berlin W. 8, Mauerstraße 53) im Druck vorrätig gehalten und auf Ersuchen abgegeben. * Akademischer Kriegs vortrag. Am. 0

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den 17. Juni, sprach Prof. Dr. J. Versluys über die Bedentum der Ungezieferplage im K Redner führte daß eine Bekämpfung des Unt und der Fliegen im

motwendig sei, weil sie erheblich zur Verbreitung von ü

* 3. die 1 7 eeres me herab könn f 1 Berluße im Wahrend in Arie 1870 ber Sesunt, 1 des deutschen Heeres ein günstiger war, verlor 5 russische Heer 2 im Kriege die Türkei dreimal 1 Kranke als Tote und Verwundete. 770 Napoleon 1809 Sede wa Ankwergen werber Fee e e na cheren in 10 Tagen nahezu ein Drittel ihres an el⸗ f

Rolle des W ist eine verschiedene 5 gewöhnliche Stubenfliege, verschleppen Schmutz, er mensch⸗ lichen Kot mit en von Darmkran und bringen 75 auf unseren Körper, auf Gebrauchsgegenstände und 5 mittel, ch Ansteckung erfolgen kann gefährlich ist es, daß Fliegen so oft unsere Milch, Schlagsahne und 0 beschmutzen, denn bei warmem Wetter entwickeln don Typhus, roter Ruhr und Cholera sich in diesen Na itteln

ist. g f 74 * Die diesjährige Honigernte ist bis jetzt in Menge und Güte sehr schön 1 Besitzer von wenigen Völkern konnten allein an Blütenhonig ½1 Ztr. schleudern. Bei dem Preise von durchschnittlich 1 Mk. fürs Pfund gibt das für manchen eine recht erwünschte Neben⸗ einnahme. Allerdings war die Ausbeute in den letzten Jahren, wie viele Imker klagten, auch sehr mäßig. Die Ur⸗

sache für das diesjährige bessehe Erträgnis j darin, daß die Völker wenig schwärmten, dauernd helle Wetter, das zwar in Hinsi

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