Ausgabe 
(18.6.1915) 141. Erstes Blatt
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phöchstens die Götenfigur scheint als Raumfüllung und in der Farbe nicht ganz geglückt, während die blaue Vase davor, besonders die

Zweites

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

5 8 DieGleßener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen zeit⸗ fragen erschemmen monatlich zweimal.

Der Januskopf der Schweiz.

Im Schweizer Nationalrat hat es eine sehr lebhafte und ernste Auseinandersetzung gegeben. Die Deutschschweizer und die Welschen haben sich gründlich die Meinung gesagt, und wenn auch der Zankapfel zunächst nur die Zensur zu sein schien, also eine innerpolitische Angelegenheit der Schweiz, die uns Reichsdeutsche nichts angeht, so sah man doch deut⸗ lich an der Wand des Parlaments den Schatten des großen

Problems und der bangen Frage, ob es der Schweizer Re⸗ gierung gelingen wird, die nationalen Gegenfätze während des Weltkrieges kühl und friedlich zu erhalten und Spal- tungen und interventionistische Regungen zu verhindern. Der Leiter der politischen Abteilung, Bundesrat Hofmann, kam in seinen Ausführungen über die Zensur immer wieder auf das nationale Problem zu sprechen und äußerte sich auf⸗ fallend optimistisch. Er sprach vom feinen romanischen und vom dicken deutschen Kopf. Beide wolle der Schweizer behal⸗ ten. Für das Vaterland habe er ja nur ein Herz. Jedenfalls glaubt Bundesrat Hofmann nicht an einen tiefgehenden Ge⸗ gensatz zwischen Welsch und Deutsch. Aber die schon seiner Rede folgende Aussprache widersprach so vertrauensvoller Meinung, und der nst der Lage in der Schweiz scheint uns klarer erkannt zu sein, wenn ein Berner erklärte, die Situation verdüstere sich von Tag zu Tag, und ein Zürcher warnte, ein unvorsichtiges Wort könne den Brand auch für die Schweiz entfesseln.

Die Republik der herrlichen Bergwelt hat in der letzten Zeit ganz besonders 1 Erfahrungen gemacht. Man t begonnen, ihr die für das Land notwendigen Zufuhren abzuschneiden. Die Rohmaterialien werden ihr vorenthalten mit der Begründung, man wisse nicht, wie die Dinge weiter- . wie lange der Krieg sich noch ausdehne. Das 3 700000

Seelen zählende Volk hat bis heute schon 170 Millionen Franken für die Mobilmachung aufgewendet, die demnächst noch weitere 100 Millionen Franken, vielleicht noch mehr kosten wird. Und der Zustand der verhältnismäßigen Un⸗ tätigkeit des Heeres hat eine bedenkliche Schattenseite: Die Mannschaft wird mißmutig, wenn sie, scheinbar zwecklos, hin- und hergeschoben wird und immer nur exerzieren muß, während zu Hause die Arbeitskräfte fehlen und der Erwerb ausbleibt. Bei solchem Druck und Mißmut ist es zu verstehen, wenn auch der streng neutral fühlende Schweizer

gewissen Einflüsterungen gegenüber nicht immer ganz un⸗ zugänglich bleibt. Die Agenten Frankreichs laufen sich ja die Hacken ab, um den Zweifelnden und Schwankenden die Meinung beizubringen, daß eineVerlängerung der roma nischen Front, also ein Eingreifen der Schweiz zugunsten der Westmächte das Ende des Krieges sofort herbeiführen und dem Lande eine ganz besonders gewinnreiche Stellung bei den Friedensverhandlungen geben würde. Wenn schon solche Vorschläge, natürlich ganz privatim und unter der Hand gemacht werden, wie sicher glauben die Feinde Deutsch lands ihrer Sache bei den Schweizern zu sein! Leider können sich die Hetzer und Ränkespinner darauf berufen, daß man auch im deutschschweizerischen Lager durchaus nicht voll und Hie vom guten Rechte der deutschen Sache überzeugt sei: DieNeue Zürcher Zeitung, ein Blatt, das wir stets für deutschfreundlich hielten, brachte es anläßlich des Lusi⸗ taniafalles fertig, ihrem Londoner Mitarbeiter das Wort zu folgender Dreistigkeit zu geben:Der Gewaltakt eines deuts. Unterseebootes hat nicht nur ein Schiff ruiniert, hat nicht nur Hunderte von kostbaren Menschen⸗ leben vernichtet; dieser Gewaltakt hat auch aus manchem ein Wrack. Die gesamte zivilisierte Welt ist entsetzt ob einer Handlungsweise, die nach Vergeltung schreit. Und in Frankfurt a. M. hielt kürzlich Herr Dr. O. Wettstein aus Zürich einen Vortrag über die Neu⸗ tralität der Schweiz, wobei er trotz aller Verbeugungen vor Deutschlands Größe und Kraft doch nicht umhin konnte, zu erklären, es sei doch noch lange nicht bewiesen, ob Belgien die Neutralität selbst gebrochen habe, und kein Schweizer denke in diesem Punkte anders als er. Unsere Veröffentlichung der urkundlichen Nachweise über die Ver⸗ träge Belgiens mit unseren Feinden hat also keinerlei Ein-

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Freitag, 18. Jun. 1015

Rotattonsdruck und Verlag der Brühl Universtnäts- Buch- und Steindruckeres R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

stratze 7. Geschastsstelle u. Verlag: Sl, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnach richten Anzeiger Gießen.

oruck gemacht? Die deutsche Reichsregierung, der im inter⸗ nationalen Verkehr so peinlich gewissenhafte Reichskanzler v. Bethmann Hollweg hätte sich dazu herbeigelassen, amt⸗ lich mit einer systematisch zusammengestellten Kette gefälsch⸗ ter Beweisstücke vor die Oeffentlichkeit zu treten? Erscheint es bei solcher Gemütsverfassung, bei solcher Verständnis losigkeit deutschem Wesen und deutscher Politik gegenüber nicht fast aussichtslos, nach der Brücke des Verständnisses zu suchen? Wir können uns vorläufig nur der Hoffnung hingeben, daß es der i Regierung und den ehr⸗ lichen und vernünftig den Deutschlandfreunden ge⸗ lingt, trotz aller ierigkeiten die schweizerische Neu⸗ tralität durchzuhalten. Die Einsicht, wofür Deutschland und seine Bundesgenossen in diesem gewaltigen Ringen kämpfen und wer der wahre Freund der Schweiz war und ist, die wird ja wohl erst nach Ende des Krieges allmäh⸗ lich aufdämmern.

Ein Anzeigenkrieg gegen den amerikanischen

Waffenhandel.

Ein neuer Weg, der zur Einstellung des amerikanischen Waffenhandels nach Europa führen sollte, wurde nach einer Mitteilung des Literary Digeft vor einigen Wochen be⸗ schritten, indem in mehr als 200 führenden Zeitungen des Landes gleichzeitig ein die ganze Seite bedeckender Aufruf an das amerikanische Volk gerichtet wurde, kein Pulver, Schrapnells oder Geschosse 8 Art an eine der kriegführenden Nationen in Europa oder Japan zu ver⸗ kaufen oder verschicken. Diese Anzeige wurde von den Verlegern Herausgebern von 431 fremdsprachigen Zei⸗ tungen in den Vereinigten Staaten unterzeichnet und ent⸗ hielt die Feststellung, daß die Kosten durch kleine freiwillige Beiträge der Angehörigen dieser Völker aufgebracht wären. Der Aufruf selbst lautete folgendermaßen:

Nachdem wir huunderttaufende von Briefen, Telegrammen und Mitteilungen verschiedensten Ursprungs empfangen haben, die be⸗ wegende Aufforderungen, Bitten und Gesuche unserer Mutterländer enthalten, haben wir, die unterzeichneten Verleger und Heraus⸗ geber, beschlossen, diesen Aufruf im Namen unserer Leser dem amerikanischen Volke zu unterbreiten. Die Leser unserer Zeitungen sind fast ohne Msnahme durch diesen schrecklichen Konflikt der europäischen Völker hart betroffen. Ihre Brüder, Schwestern, Eltern, Kinder oder Verwandte leben in den vom Kriege herm⸗ . Wir bitten* Volk,5 12

murtige amerilanische e 1 e ameri ani

Waffen ebrzzurten. wir bitten die Arbeiter in den Betrieben, in denen Munition für die kriegführenden Länder hergestellt wird, sofort aufzuhören, Pulver, Schrapnells und Patronen herzu⸗ stellen, die dazu bestimmt find, unserr Brüder zur vernichten, unfere Schwestern und Mütter zu Witwen und ihre Kinder zu Waisen zu machen unnd die uunschätzbaren Befitzungen, dir unsere begründeten, für immmer zu zerstören. Wir wenden uns

an die amerikanischen Fabrikanten und ihre Arbeiter, dee die Waffen machen, mit der Herstellung von Pillver umd Kugeln auf⸗ zuhören, die für den grausamen und unmenschlichen Zweck der Verstümmelung und Vernichtung hergestellt werden. Wir bitten die Arbeiter solcher Betriebe inständigst, selbst ihre St.

zu opfern, und sich vereint dagegen zu wehren, für den Zweck von Wafsenfabrikation zu arbeiten, die die Körper zerschmettern und das Leben ihrer eigenen Bluts verwandten vernichten!

Mehr als zwanzig Nationen sind unter den Unter⸗ zeichnern des Aufrufs vertreten: 105 Italiener, 44 Polen, 37 Hebräer, 30 Schweden, 25 Ungarn, 16 Holländer, 11 Fin⸗ nen, 11 Norweger, 11 Jiddisch, 10 Spanier, 9 Slowaken, 6 Litauer, 9 Böhmen, 8 Ruthenen, 7 Russen, 6 Griechen, 5 Araber, 5 Slovenen, 4 Syrier, 4 Kroaten, 3 Serben. 3 Rumänen, 2 Portugiesen, 4 Chinesen, 2 Flamen, 2 Dänen, 2 Bulgaren, 1 Spanisch⸗Hebräer, 1 Japaner und 1 Lette. Es konnte natürlich nicht ausbleiben, obwohl die Namen von Deutschen auf der Liste fehlen, während verschiedene Franzosen, Ruffen, Serben und sogar ein Japaner unter⸗ zeichnet haben, daß in New Porker Zeitungen die Nachricht verbreitet wurde, dieser Aufruf wäre eine versteckte deuts Propaganda und rühre von einem Deutschen in New Pork her. Diese Behauptung wird jedoch entschieden bestritten. Der Präfident der Amerikanischen Vereinigung fremd⸗ sprachiger Zeitungen, Louis N. Hammerling, erklärte dar⸗

Die Ausstellung des Gießener Uunstvereins. Gießen, 17. Juni.

n wir's: mit etwas zögernden Schritten betritt man tellung, die so viel Damenmalerei verspricht wie diese. Ein paar altmodische Vorurteile verbirgt ja wohl Jedes noch im hintersten Gemütswinkel, wenn auch der Verstand energisch firr Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im freien Lande der Kunst eintritt. Und in der Tat, es wird uns durch dieNeue Ver⸗ einigung Münchner Künstlerinnen, die in der Hauptsache diesmal die Gießener Ausstellung beschickte, nicht schwer gemacht, Sachlichkeit und Gerechtigkeit walten zu lassen und an⸗ zuerkennen, wie viel Gutes geboten ist. 5 Landschaften Stilleben herrschen vor und naturgemäß sind

es die leuchtenden, starkfarbigen, die zuerst den Blick auf sich ziehen.

L. Cucuel von Marcard steht dabei in erster Reihe. Kräf⸗ tige, gesättigte Farben sind in ihremStilleben breit hingesetzt,

nichts Aengstliches, Tastendes macht sich bemerkbar Vielleicht zeigen

sich die vielen Lichter und Reflexe auf dem Messinggeräte nicht ganz gemeistert. Sie geben dem Bilde etwas Verzittertes, lassen es auseinander fallen. Sie sind der Wirklichkeit zu peinlich nach⸗ gemalt, statt künstlerisch bewältigt und zum einheitlichen Eindruck gestaltet zu sein. Eine geschlossenere Arbeit bietetIn meinem Garten. Besonders die Blumen sind mit Freude gemalt und be⸗ kunden, gleich derDame im Garten einen guten Sinn für Farben⸗

kombination und ein Auge, das farbig sehen ernt hat. i alten Farbenfeste auch eine Gefahr in sich bergen,

eine A

beweisen bie Biber von Elise Wellinger und von Marie Bu⸗

dach, bei denen die moderne Vorliebe für das Vielfarbige ins Konventionelle überschlägt. Sie sind schulmäßig gewandt, ohne ein tieferes Interesse zu erregen. Ganz anders dasChinesische Still⸗ leben von Marie v. Brakhusen. Das ist eine reife Leistung. Sie bietet bei einer freieren Technik gut abgewogene Tonwerte.

5 rt ihrer Glasur, vorzüglich gelungen ist. Fast geheimnis⸗ voll wirken die Lilien, die nur als Teilform gegeben sind und damit all diesen exotischen Dingen etwas Gehobenes, über sich

Hinausweisendes verleihen. Ebenfalls eine starke Begabung ver⸗

raten die Arbeiten von dedwig Lindemann, wenn ihre Vor lüge auch nicht sofort sich aufdrängen. Landschaften wie dieAus Levito⸗ Jind dafür zu fein gesehen und zu diskret gemalt. Kräf⸗ ere Töne schlägt sie imHerbst an. Man nehme sich einmal , etwas die linke, scheinbar nebensächliche Seite des Bildes ö hen. Die Temperafarben sind in außergewöhnlichen Mi⸗

schungen sicher und großziigig hingestrichen, die Formen der Bäume] werden i ohne vergewaltigt zu sein Nur im Vordergrund! di

läßt das Können nach oder hat vielmehr die Liebe am Vorwurfe nachgelassen. Das fühlt man sofort, genau wie in vielen Land⸗ schaften von Emmy Frühling,) die zwar eine tüchtige Be⸗ gabung und Fleiß bezeugen, aber nicht immer durchglüht sind von dem Entzücken an der Aufgabe, das den Künstler vor sein Motiv gerade vor dies Motiv zwingt.

Wenig Beachtung und Freunde wird derHerbst von A. Splittgerber finden, obwohl er es in reichstem Maße ver⸗ diente. Das kleine Format, die delikate Malweise ist himmelweit verschieden von dem oft rohen Plakadestil der Allermodernsten. Welche Tiefe, welcher Stimmungsgehalt liegt in diefer kleinen Land⸗ schaft! Und wie warm stehen die braunen Bäume neben den Bergen und den virtuos gemalten luftigen Wolken! Aber die meisten Be⸗ schauer werden vorüber gehen. Eine Wendung ins Unmoderne liegt auch in der Landschaft von Schwarzmaier. Die Wasser und schlanken Bäume atmen Beschaulichkeit, Nachdenken und wirken verträumt, ohne sentimental zu sein. Auffallend ist hier die gute Komposition, bei der Formen und Linien alle ins Bild zurück⸗ 1 12 und das Ganze abgerundet und in sich beschlossen erscheinen zu lassen.

Von Ausstellern, die nicht derNeuen Vereinigung ange- hören, ist auch Paul ck zu nennen. Seine Radierungen weisen ernst zu nehmende zeichnerische Qualitäten auf, während die Oel⸗ bilder eine starke koloristische Begabung zeigen. Ihn scheinen be⸗ sonders die malerischen Probleme der Winterlandschaft zu reizen, wo sich die Körper oft wie ins Wesenlose auflösen und Schatten und durchsichtige Schlagschatten blau und duftig dazwischen liegen. An der Bewältigung dieser Schwierigkeiten ist Louise v. Plänk⸗ ner gescheitert, denn ihr WinterbildKlosters gibt die Kontraste von hell und dunkel viel zu hart.

Nicht als Selbstzweck, sondern nur als Rahmen zu seinen Tier bildern wird von Alexander Krester die Landschaft benützt Vielleicht ist es Täuschung, aber manche davon scheinen ein Nach lassen des Könnens gegen früher zu zeigen. Die Enten sind zwar oft gut beobachtet, aber im allgemeinen doch zu gleichwertig in ihren blauen und grünen Refexen. Man merkt trotz der anerken⸗ nenswerten Leistung zu wenig von Suchen, Versuchen wie z. B. bei den reizvollen Entenbildern von Schramm⸗Zittau. Mehr deko rativ faßt Thallmaier seineKaninchen auf. Man dealt un willkürlich an die Art des Holzschnitts, so einsach ist diese Samphonie

che seitigen will. Die Kriegsbetstunden müssen nach dem Kriege

Die Bilder dieser Künstlerin sind nur noch bis Sonntag ausgestellt.

über in der New PorkerSun:Keine fremde Regierung hat mit der Angelegenheit zu tun. Das Geld wurde von den Mitgliedern der Vereinigung aufgebracht; aber ich bürgte für die Bezahlungen und war bereit, jeden Cent der Kosten dieser Anzeigen zu bezahlen. Es ist richtig, daß ich in Oesterreich geboren bin, aber die Stadt, in der ich lebte, ist vollkommen zerstört. Ich habe keine Verwandten im Kriege. Ich sorge mich nur um Amerika. Es gibt keinen deutschen Einfluß in unserer Vereinigung. Sie ist in jedem Sinne des Wortes neutral. Von derNew York World befragt, sagte Herr Hammerling, daß ihn der Aufruf mehr als 100 000 Dollar gekostet habe, und er bereit sei, sein ganzes Vermögen von mehreren Millionen Dollar herzugeben, wenn man ihm nachweisen würde, daß auch nur ein Cent deutsches Geld dahinter stecke. l 2 Kirche und Schule. 33. Provinzialkonferenz der evangelischen Geistlichen Oberheffens. B. Gießen, 18. Juni. Die 33. Provinzialkonferenz

der oberhessischen evangelischen Geistlichen fand gestern 5

vormittag im Hotel Großherzog statt. Nach dem gemein⸗ samen Gesang des LiedesEin feste Burg und einem von Dekan Orth⸗Nieder⸗Wöllstadt gesprochenen Gebet begrüßte der Vorsitzende, Superintendent D. Petersen⸗Darmstadt die zahlreich Erschienenen. Darauf wurde der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder, Pfarrassistenten Barth, Pfarrers Hildebrand, Pfarrassistenten Eck und Pfar⸗ rers Otto Hofmann in der üblichen Weise t. Den Hauptvortrag hielt sodann Pfarrer Frits pertsburg überUnsere do sihrte de nach dem Krieg. Es ist unsere Pflicht, so führte der Vortragende aus, uns schon jetzt über die Aufgaben, welche uns nach dem Krieg erwarten, klar zu werden, damit wir unserem

Volke helfen können, den Segen zu erkennen und zu behalten,

den uns Gott durch die schwere Prüfung des Krieges zu⸗ wenden will. Die Hauptaufgabe bleibt die Predigt von dem gekreuzigten und auferstandenen Christus, die die Herzen stärkt und tröstet und alle Glauben isel über⸗ windet. Eine weitere Aufgabe sind treue Seelsorge, Förde⸗ rung der Liebe zur Heimat und zum Volk, die ö der sozialen Unterschiede, Heilighaltung des Sonntags, scharfe Bekämpfung der Unmäßigkeit, der Unsittlichkeit u. a. m. Befondere Sorgfalt verlangt die Jugendpflege. Die Jugendwehr sollte obligatorisch werden; auch die weibliche Jugend bedarf der Pflege. Da der Staat die Kirche als treue e sollte er ihr dach feht nötige Bewegungsfreiheit geben, an der es noch vielfach Wün⸗ schenswert ist besonders der Anschluß unserer Landeskirche an den norddeutschen Buß- und Bettag, der nicht nur die Würde und das Ansehen unserer Kirche im stärken, sondern auch eine bleibende segensreiche Erinne⸗ rung an die gemeinsam getragene Not und Gottes⸗ hilse für unser ganzes evangelisches Volk sein würde.

wirken der Pfarrer 3 wünschen und größere sestere Organisation der che Oeffentliche 8 Streitfälle sollten im Hinblick auf das ge⸗

meine Wohl der Kirche vermieden eine Neuordnung der Militärseel pfarrer) sowie des Militärdienstes der Geistlichen

du. erstreben. Den abfömmlichen Geistlichen sollte man das

Recht jedes deutschen Bürgers nicht verkümmern, mit der Waffe Kriegsdienste zu leisten und sie dadurch davor be⸗ wahren, daß sie nicht, wie in diesem Kriege zu Diensten herangezogen werden, welche ihren Gaben und besser zu ver⸗

wendenden Kräften nicht entsprechen. Der zweite Referent,

Pfarrer Georgi ⸗Ermenrod hob noch hervor, daß der Krieg manche Ansätze und Keime auf religiös⸗sittlichem Gebiet ge⸗ bracht habe, die in der Folge zu pflegen und zu vertiefen sind. Dabei gilt es gegen alles zu kämpfen, was diese Ansätze be⸗

zu wöchentlichen Bibelstunden, die Hausandachten sollen All⸗ gemeingut der christlichen Familien werden. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden wurde die Tagung gegen Uhr geschlossen.

von grauen Zwischenfarben um einen einzigen lustigen Mittelpunkt, e gelbe Rübe, gruppiert.

An Figürlichem bietet die Ausstellung Aquarell⸗Illustrationen non Hans Woberstein, die in ihren besten Blättern an die Kunst Edmund Dulacs erinnern. Witzige Illustrationen sind auch die Sachen von Rudolf Köselitz, doch ohne weder in ihrer verwaschenen Farbe noch in der manchmal unsicheren Zeichnung jenen gleichwertig zu sein. Er dürfte von Wera von Bartels 5 kräftigem, zielbewußtem Strich lernen. Ihre Arbeiten ind meist ein Mittelding zwischen Illustration und Kostümzeich⸗ nung, packen das Wesentliche in Linie und Farbe mit kecker Hand und verstehen es, die Ausdrucksfähigkeit der Kohle mit wenigen Farbflecken zu steigern. Fast etwas Photographisches hahen die Bild⸗ chen von Richard Nitsch in ihrer gewissenhaften Einzelausfüh⸗ rung. Aber doch* sie künstlerische Eigenschaften, ja, manch⸗ ral könnte man an Leibl gemahnt werden, wenn nicht wieder be⸗ stimmte Partien, wie die belichtete Gesichtshälfte derstrickenden Bäuerin die jener Aehnlichkeit deutlich aufzeigten.

Die Gießener Porträtistin W. Becker⸗Emmerling ver⸗ sucht, allerdings nicht immer glücklich, in getönten Kohlezeich⸗ nungen der Natur nahe zu kommen, während die Münchener Künstlerin Eugenie von Piloty ganz der Wucht des Pinsels vertraut. IhrFrauenkopf ist so schlicht und ruhig gemalt, daß dieser Vorzug verführt zu übersehen, wie wenig sie die feine Struk⸗ tur der Oberfläche beachtet, wie gleichartig z. B. Haut und Stoff behandelt werden.

Vielleicht geht man nicht fehl, wenn man in Paula Geiger von Blankenburg eine Schülerin von Leo Putz vermutet. IhreDame am Teetisch spricht in Farbe und besonders in der gelungenen Komposition von seinem Einfluß. Das Figürliche dient hier, gleich den andern Gegenständen des Bildes, mehr der Darstellung malerischer Effekte. Ein Porträt im eigentlichen Sinne, wie es zur Zeit der Renaissance geboren wurde nämlich als Verewigung einer geistigen Persönlichkeit ist dagegen das Herrenbildnis. Die schmale, lange Gestalt, das energische Gesicht sind überaus charakteristisch erfaßt. Hier steigt die Künftlerin zu weit selbständigerem Schaffen empor, etwas Klares zügiges ringt in ihr um Ausdruck. An di in fast allen Arbeiten der Ausstellung spi freuen. Es geschieht ja nur selten, daß als wirklich großes bezwingendes Kunstwerk ent da ist in unserer Kunst, blühendes treibendes Leb ist allein schon Gewinn. Paula Me

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hin sind eine größere Eintracht und eifrigeres zusammen⸗

werden. Endlich ist 1 sorge(Regiments

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