Ausgabe 
(11.6.1915) 135. Zweites Blatt
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tand, sengeweh

* schossen. Mehrfach sind Leute in vorgeschobenen Stellungen durch 1 er und nahe Infanteriebedrohung zwei Tage lang von allen Verbindungen abgeschnitten gewesen, so daß sie kein

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Strapazen des

Zweites Blatt

Gesche in! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSlehener Familienblätter werden dem

Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das

Kreisblatt für den reis Gießen zweimal

wäoöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗ tragen erscheinen monatlich zweimal.

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bekommen, wie wir hier

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höne alte Bäume, die umgehauen werden mußten, Fb Artillerie einen sen

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Sie belegten sofort

Gebiet mit schwerem und leichtem

unterhielten, versuchten auch immer wieder neue Angriffe, kamen

aber niemals voran.

Sofort nach der Einnahme hatten wir begonnen, unsere neue mußte im feindlichen Feuer geschehen, Anforderungen, die an unsere Truppen, an jeden ein nen Mann gestellt werden mußten, sind sast über Menschen

ng auszubauen. Das ie

gegangen. Die ganze Nacht hindurch mußte geschanzt werden, um in den schweren Boden die Deckungen tief genug ein⸗ zuschneiden. Mit dem Morgengrauen aber begann der Feind sein

ihre Gräben weggehobelt waren, ersten Granatenlöcher, welche der

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. lassen. Auf auf 5 Meter hatten sich geschoben. Jede Ablösung lag tillerie- und dann im Infanteriefeuer auf nächste Nähe.Wenn wir in die vordere Stellung gingen, finden, daß keiner von uns lebend Gesagt 7 natürlich keiner ein Wort, zier. Ein Gefreiter,

er bis über die erste und wichtige Erkundungen mitgebracht hatte, das Eiserne Kreuz

erworben hatte, berichtete mir:Nach Verlusten haben wir gar

nicht mehr gefragt.

Tiere im Ariege.

In einem Volksglauben, das der Wiener Kulturhistoriker Dr. E. M. Kron⸗ feld bei Hugo Schmidt in München erscheinen läßt und in dem sich reichhaltiges Material über die Spiegelung der heutigen Welt ereignisse im Volksglauben zusammengessellt findet, ist ein Kapitel auch Tieren im Kriege gewidmet. Neben der Darstellung der großen Rolle, die seit alter Zeit die Tiere im Kriegsaberglauben. spielen, erwecken einige Geschichten von Tieren, die selbst im Kriege mitwirkten, besonderes Interesse. Auch in dem jetzigen Kriege wurde wieder die alte Erfahrung bestätigt, daß die Ka⸗ vallerie⸗Pferde sich aktiv, gleichsam in Verständnis an den Attacken beteiligen und mitkämpfen. Daß die Vorstellungen der Pferde von dem ungeheuren Erlebnis, das eine Schlacht auch für sie bedeutet, sehr nachhaltig beeinflußt werden, Wiener Gelehrten Prof. Dr. K. C.

stellten. Eine Stute, die von einem italienischen Offizier, nachdem er auf ihr den Feldzug in Tripolis mitgemacht hatte, nach Oester⸗ reich verkauft wurde, hatte noch etwa sieben bis zwölf Wochen nach dem letzten Kampftage, den sie mitgemacht hatte, eine Periode von nächtlichen Aufregungszuständen. Das Tier war durch die

Hunger so heruntergekommen, daß es auch Tierleichen fraß. Im Feldzuge selbst hatten die Pferde einander die Mähne abgefressen. Sie hatten also gewiß allerlei Eindrücke stärkster Art in sich auf⸗ genommen, die nun des Nachts in Gestalt aufgeregter Träume wicderkamen. Das Tier spitzte hierbei schlafend die Ohren und wieherte ebenso cigen und sonderbar, wie dies alle Kavalleristen

in der Schlacht vor der Attacke zu hören bekommen. Es wirft sich

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vor und schlägt mit den Hufen, als stürme es im Galopp dahin, zuckt dann zusammen und wirft sich zur Seite, wild um sich her beißend. Dann wacht es jäh auf, springt empor, ist ganz naß vor Schweiß und zittert an allen Gliedern. Es ist wohl schwer, eine andere Erklärung für dieses sprechende Gebaren zu finden, als daß das Tier im Traume im Sttober die furchtbar schöne Stunde einer Attade wiedererlebt hat, bei der es im Juni zum Siege geführt wurde Wie die Gänse das Kapitol gerettet haben, so schlugen die Estel von Chatanboga den Feind in die Flucht. Im amerikanischen Kriege von 1863 befand sich vor dem Lager des unionistischen Generals Hooker ein Artilleriepark und vor demselben ein um⸗ schlossener Raum mit dreihundert angeschirrten Mauleseln. Die Konföderierten unternahmen einen Angriff auf diese Lager. Die Tiere wurden dadurch unruhig, ein Maulesel durchbrach die Pali⸗ 00worauf ihm die andern folgten. Der Zufall führte sie in direkter Linie auf den Feind. Dieser hielt in der Dunkelheit der b die Esel für eine größere Kavallerieabteilung und ergriff

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Meinung begegnet, daß in der Heimat das volle

wenn mir einer meiner Leute erzählt, er habe vor⸗

wärts kommen sollen, dann habe ich nur einen Wunsch: Ich möchte Deutschland vier⸗ Lorettohügel stecken. e von Anfang an,

war, als sie ein Stein⸗

ngen aufgerissen hatte und wiesen von da aus die lleber macht

neuen BucheDer Krieg im Aberglauben und

zeigen die Beobachtungen des 5 Schneider, die sich auf das Ver⸗ halten ausgedienter Kavallerie-Pferde im Schlafe beziehen und höchst merkwürdige Erfahrungen über ihreKriegsträume fest⸗

Feldzuges in der Wüste und durch den erlittenen

Gießen

General⸗Anz

vorkam als wir, namentlich an Toten. diesem Teil der Front lassen sich selbstperständlich nicht schätzungs⸗

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blaß, von der Morgen me

mußten so weit besitzen

kommen

Held!

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weise überfehen, aber sie machen m. französische Heeresleitung sich immer noch weigert, Verlustlisten herauszugeben. Alle Mitkämpfer erzählten mit Leichenhaufen, welche sich auf der Stellungen aufgetürmt haben.

sind, die zur Rechten und zur aben fallen sehen, während sie wenn sie davon berichten.

Ein

Explosionen aufblitzenden Wolke eingehüllt war. Adjutanten:Von den Leuten der vordersten Stellung kann keiner hr am Leben sein. Als aber dann um 11 Uhr die Franzosen ihre infanteristische Uebermacht zum Sturme ansetzten, fanden sie doch so viel Widerstand, daß sie zuerst nicht vorwärts kamen. Sie

hatten zwar einen Geländegewinn erzielt Opfern erreicht, daß sie uns um ein paar hundert Schritte genau in die Stellung einnahmen, aber als die frühere, die wie auf der flachen Hand unter dem Geschütz⸗ feuer liegt, welches die Franzosen nun von uns Und vor allem hat sich die artilleristische Beobachtung, der Franzosen durch die Stellungverschiebung verschlechtert.Wenn dort oben ein kleiner Rückschlag möglich war, sagte mir der Regimentskommandeur,dann hat eben der letzte Mann sein Blut hingegeben, weil er nicht anders konnte. in fester Siegeszuversicht.

fanteristen, der mitgefochten

hat, selbst mit einem nicht von dem übrigen

Schlag auf Schlag in die beiderseitigen Feuer aus den Gipfeln, kreisender Lawa aufgeschüttet wäre.

r Anzeiger

iger für Oberhessen

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Freitag, U. Juni 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerel. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ 5

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S hl, Schrist⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten 1 Anzeiger Gießen. 5

1

und daß er sehssach und zehnsach großere Verluste hatte

Die Verluste der Franzosen an

vom Lorettohügel, die ich sprach, Entsetzen von den fürchterlichen Lorettohöhe vor den französischen Leute, die gegen alles abgehärtet Linken ihre liebsten Kameraden selbst verwundet wurden, werden

Vielleicht haben Menschenaugen Grausigeres geschaut.

Regimentskommandeur, der die Kämpfe auf dem Hügel Einnahme an bis nach den heißen Kampftagen im Mai

unverhohlenem

mitgemacht hat, erzählte mir, daß am Tage des großen franzö⸗ sischen Angriffs, am 9. Mai, der

1 5 der ganze Gipfel des Hügels in den stunden von einer einzigen schwarzen, in fortwährenden Er sagte zu seinem

Schritt für Schritt mit Toten bezahlen, um wenigstens vorzukommen, daß sie den Platz der ehemaligen Kapelle konnten. Aber sie konnten sich dort nicht halten. Sie und mit ungemessenen

zurückgedrängt haben, welche wir vor dem 3. März diese Stellung ist zur Verteidigung besser geeignet

zu fühlen be⸗

5 Und wer fiel, der starb Ich ziehe meinen Hut vor jedem In⸗ hat. Jeder ist ein bewundernswürdiger

Während ich im Kreise dieser Mitkämpfer weilte, hatten wir den Hügel, um den der Kampf weiter tobt, nahe vor Augen. ist ein flacher Höhenzug, lette, der kahl und nur an wenigen Flecken bewaldet ist. Bei

Es diese Erhebungen von Vincy bis Aix⸗Non

wird er durch die tiefe, in diesen Kämpfen so oft genannte eingeschnitten. Nördlich von ihr steigt die eigentliche

Lorettohöhe auf, die durch einen jäh und unvermittelt auf dem

emporspringenden hochstämmigen Wald weithin gekenn wird, während man die Stätte, wo die Kapelle gestanden scharfen Fernglase auf einen Viertelkilometer zerwühlten Hügelrücken unterscheiden kann. hagelten von hüben und drüben Granaten Stellungen und überall brach Rauch und als ob der unbedeutende Hügelzug aus

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

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erscheinenden ZeitschriftUeber Land Völkerringen dieser T niger als 21 770 000

über, von denen auf feindlicher 3 Seite 8 950 000 Mann aufmarschiert sind. Diesem gewaltigen Land⸗ heere entspricht die Flottenstärke

704 Torpedobooten, 179 Unterseebooten Schiffen, auf deutscher Seite mit kreuzern, 56 Kleinen Kreuzern, 1 45(die Zahl der neuen deutschen U-Boote ist unbekannt) und 39 verf

die Flucht mit Zurüclassung des rettet. Das kam so: Im Jahre 1

Schloß, und ihr zu diesem mit

Schneider se rung auf, da er am Aushungern verzweifelte.

Fleisch. Der Schneider ter neckenden Beigeschmack belam

erzählt, wie sie Rosse und Tieren in freiem Felde Sie streiften ab ihr Fell, umwendend es sodann

Und strichen ihren Leib mit dem Blut der Tiere an.

Nicht Graben hatten sie, nicht

Gehn rückwärts, werfen ab die Reiter

später machte sich durch Urteil des unlängst verstorbenen R. M. Meyer und fader Sentimentalität

Welt brachte.

Die Fahlen des Weltkrieges. einer Reihe anschaulicher Tabellen stellt W. Michaelis im Heft der bei der Verlagsanstalt in Stuttgart und Meer das gewaltige in seinem Zahlenbilde dar. Nicht we⸗ ann stehen im Weltkriege einander gegen⸗ Seite 12 820 000 und auf unserer

von 1915, die auf feindlicher Seite Linienschiffen, 87 Panzerkreuzern, 128 Kleinen Kreuzern, und 231 verschiedenen 56 Linienschiffen, 17 Panzer⸗ 358 Torpedobooten, 40 Untersee⸗

chiedenen Schiffen angesetzt wird. Zusammen sind es 2108 nheiten, von denen 666 auf Großbritannien und 415 auf

Deutschland entfallen. Die gegen Deutschland kämpfenden Staaten bei denen Italien noch nicht mitgerechnet ist) enthalten 67 Mil⸗ lionen Quadratkilometer und fast 800 Millionen Einwohner, die

auf deutscher Seite umfassen rund 6 Millionen Quadrat⸗

Gepäckes und 1600 neuen Flin⸗ einmal die Burg Karlstein ge⸗ 422 belagerten die Prager das Anführer war ein Schneider. Die Besatzung sandte der Bitte um einen Tag Waffenstillstand, da im eine Hochzeit gefeiert wurde. Unterdes schlachteten sie im einen Bock, das einzige, was sie noch an Fleisch hatten, ein Hinterviertel mit Rehhaaren aus einem Sattel also es einer Rehleule glich und schickten es dem Obrist r zum guten Imbiß hinaus. Dieser hob sofort die Belage⸗ Nach anderer Ver⸗ den Einfall gehabt

Ein Ziegenbock hat

ein Schneider unter den Belagerten

haben sich in das Fellseines Bockes zu hüllen und meckernd auf den Wällen heruntzuspazierea, wodurch die Belagerer auf die Ver⸗

kamen, die Eingeschlossenen hätten noch Ueberfluß an erhielt den EhrentitelBock, was erst spä⸗ Einer Kriegslist bedienen Romanen, von denen Robert Wace im RomanRollo Beutevieh töten und hinter abgehäuteten

gegen die Franzosen sich verschanzen:

Körper reihten sie um Roß und Mann ringsher, Mauern sonst zur Wehr.

Flüchtigen erlangen

das Treffen anzufangen,

es stutzen ihre Pferde,

auf die Erde!

die Franzosen nun die eben sind gewillt, starren sie erstaunt,

*

neues vomTunnel über der Spree und denMaikäfern.

Woher eigentlich der aus den Erinnerungen Theodor Fontanes auch in weiteren Kreisen bekannte literar über der Spree seinen Namen hat, guten Forschungen zur noch sehr ergäuzungsbedürftigen Geschichte dieses Sammelpunktes Altberliner Kunst⸗ eine offene Frage. Im Jahre

denBerliner Sonntagsverein

ische VereinDer Tunnel blieb bislang trotz mancher

und Literaturfreunde 1827 hatte der Humorist Saphir begründet, in dem er anfangs ptrolle spielte, bis ihn der fleißige, in vielen Sätteln Schauspieler, Regisseur, Memoirenschreiber und Königs Louis Schneider ablöste; schon anderthalb Jahrzehnte den literarischen Bankerott des nach dem mit Wortwitzen

arbeitenden Begründers eine Um nötig, die dann den NamenTunnel über der Spree zur Verantwortlich für die originelle Bezeichnung ist, Niebour jüngst aus Familienpapieren und mündlicher

es sehr begreiflich, warum dig

kilometer und 150 Millionen Einwohner. Der halbe Erdkreis und viel mehr als die Hälfte der Erdbewohner ist am Kriege beteiligt. 9 Besonders bemerkenswert ist die Statistik der Kosten des Völker⸗ rieges. Die täglichen Kriegskosten der bisher am Weltkriege be⸗ teiligten zehn Staaten sind rund 169 Millionen Mark. Vom Aus⸗ bruch des Krieges bis zum 1. April 1915 betrugen die Kriegs⸗ kosten 40 Milliarden Mark. Von Italien abgesehen, belaufen sich die Kriegskosten für eine Kriegsdauer von 12 Monaten somit auf 60 Milliarden Mark. In Reichsbanknoten zu 100 Mk. wären 60 Millionen Banknoten erforderlich, um diese ungeheure Summe zu bezahlen. Aufeinandergelegt würden die Banknoten eine Höhe von 6000 Metern erreichen! In Gold wiegen 60 Milliarden Mk. 24 Millionen Klgr.: die gesamte Goldproduktion der Welt in den vergangenen 500 Jahren betrug nur 15 Millionen Klgr. Für das Deutsche Reich belaufen sich die direkten Krie skosten auf rund 33 Millionen Mk. pro Tag. Die Summe der täglichen b

des Deutschen Reiches für kaum 40 Tage würde genügen, um die gesamten Kriegskosten der deutschen Staaten im Jahre 1870/71 zu begleichen. Die Kriegskosten Englands beliefen sich nach den Angaben des Ministerpräsidenten Asquith im Dezember 1914 auf rund 4 Milliarden Mark, also wie bei uns auf etwa 33 Millionen Mark pro Tag, wobei die Kosten der eng⸗ lischen Kolonien nicht mitgerechnet sind. In ungefähr drei Mo⸗ naten hat also England dieselbe Summe ausgegeben, die der zwei Jahre und sieben Monate dauernde Burenkrieg gekostet hat. Die ganze mächtige Flotte Englands hat einen Geldwert von etwa 4 Milliarden Mark, also derselben Summe, die der Krieg in vier Monaten erfordert hat. Die Kriegskosten Frankreichs betragen nach einer Erklä⸗ rung des französischen Finanzministers Ribot täglich fast 36 Mill. i Franken, wachsen jedoch andauernd. In den ersten sechs Monaten des Krieges hat somit Frankreich rund 5160 Millionen Mart für Kriegszwecke ausgegeben. Deutschlands Nationalvermögen ist mit 4 320 Milliarden Mark das größte der kriegführenden Staaten; dann folgen England mit 260 Milliarden, Frankreich mit 234 Milliar⸗ den, Rußland mit 172 Milliarden Mark. Dabei ist Frankreichs Schuldenlast schon bisher die größte aller Staaten Curopas: 668 Mark pro Kopf, während die Deutschlands weniger als die Hälfte, 308 Mark pro Kopf, beträgt. Deutschlands Staats kredit hat sich im Kriege besser gehalten als der seiner Feinde; während die 3 Prozent Deutsche Reichsanleihe von 75,85 im Juli 1914 nur um 6,05 Prozent auf 89,80 am 31. März 1915 zurückging, sind die Prozent Englische Konsols von 75,70 um 7,30 Prozent auf 68,0 und die 3 Prozent Französische Rente von 81,0 um 12,45 Prozent auf 68,75 in decselben Zeit gefallen. Das glänzende Ergebnis der Kriegsanleihen hat bewiesen, wie gerechtfertigt den verhältnismäßig gute Kurs der deutschen Staatspapiere ist. Wäh⸗ rend unsere Gegner sich vor allem die Hoffnung machten, daß der deutsche Handel vernichtet, der ihre aber aufblühen würde, zeigt die Statistik von Handel und Industrie im Weltkriege, wie sehr die Gegner gelitten haben. England hatte in fünf Kriegsmonaten bis Ende 1914 einen Einfuhrrückgang von 2550 Millionen Mk, 35 Proz., Frankreich in demselben Zeitraum von 1905 Millionen, 5 56 Proz Der Ausfuhrrückgang Englands betrug in denselben Mo⸗ naten 2391 Millionen, 40 Proz., der Frankreichs 2025 Millionen, 71 Proz. Zum Schluß seien die englischen Handelsschiff⸗ Verluste angeführt, die nach den Angaben der englischen R I gierung bis März 1915 sich auf 142 Schiffe mit einem Tonnen gehalt von 363 222 beliefen, in Wirklichkeit aber wohl viel größ⸗ gewesen sind.

Die erste Isonzo⸗Schlacht und die Türken

in Italien. 1 Da der Angriff Italiens auf seinen bisherigen Bundes⸗ genossen im weiteren Verlauf der Dinge natürlich auch die Türkei als Gegner auf den Platz rufen wird, mag an die wenig bekannte Tatsache erinnert werden, daß die Türken schon einmal auf italienischem Boden rühmliche Erfolge er⸗ rungen haben, und zwar gerade am Isonzo, wo jetzt die ersten ernsteren Gefechte der italienischen Vorstoßtruppen gegen die Oesterreicher stattfinden. Mohammed II., der Er⸗ oberer Konstantinopels, hatte gelegentlich auch davon ge⸗ träumt, die ewige Stadt als Sieger zu betreten. Das hat ihm das Schicksal freilich versagt, aber ein paar vorberei⸗ tende Streifzüge der Osmanen, die infolge des Verrates 3

Tradition festgestellt hat, Konrad v. Rappard, ein bochgebildetes

Mann von merkwürdigen Lebensschicksalen, der unter demTunnel⸗

führte einen solchen, wie man aus FontanesVon zwanzig zu dreißig weiß Robert Burns ein ge⸗ schätztes Mitglied des Vereins war und in der deutschen Wirtschafts⸗ geschichte als Begründer des blühenden märkischen Braunkohlenberg⸗ baues bekannt ist.Es wird 1842 gewesen sein, erzählt Niebour, zals Rappard die Mitglieder des Sonntagsvereins bat, auf seinem neuangelegten Bergwerk in den Rauenschen Bergen bei Fürsten⸗ walde ein Fest zu feiern, das einen fröhlich ausgelassenen Verlauf nahm. In einem Tunnel war die Festhalle eingerichtet, und hier wurde beschlossen, dem Verein in Zukunft den NamenTunnel über der Spree zu geben, unter dem er in der Literatur berühmt geworden ist. Konrad v. Rappard selbst war eine höchst originelle Heiterscheinung, wie schon angedeutet; in seiner von wohltaͤtigem Wirken durchwebten Lebensodyssee war er Korpsstudent, Gerichts⸗ assessor, Braunkohlenprospektor, Grubenbesitzer, Stadt⸗ und Land⸗ richter zu Alt⸗Landsberg, Rittergutsbesitzer, Abgeordneter in der Paulskirche 1848, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilter Flüchtling, Erforscher der Spinnenbeine(wobei er den Doktorgrad erwarb) und Seetiere, Hotelbesitzer am Brienzer See und anderswo und schließlich auch ungedruckter Dichter. Als eigentlicher Pate desTunnels über der Spree gehört er nunmehr auch der Ge⸗ schichte der literarischen Vereinigungen an. So gut wie völlig unbekannt war bisher ein westdeutsches Seitenstück des Tunnels, der poetische VereinDer Maikäfer, der unter Gottfried und Johanng Kinkels(geb. Mockel, verw. Mathieu) Protektorat und reger Mitwirkung von 18401847 in Bonn a. Rh. und Um⸗ gegend in der Stille sein Wesen getrieben hat. Wenn seine Mit⸗ glieder auch nur alsSterne mit gedämpftem Leuchten gelten können, so wird doch das Urteil einer kleinen, demMaikäfer gewidmeten Studie von M. Pahnke zu Recht bestehen:Das Zeitbild aus den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die Geschichte der in Jugendlush verschwärmten Tage einer akademischen Jugend, der die holde Poesie am Herzen lag dies Stück Vergangenheit hat nicht nur einen eigenen persönlichen Reiz: das Leben und Treiben diesesMaikäfer ist auch das Milien, aus dem neben anderen rheinischen Poeten auch die beiden Kine herausgewachsen sind. Recht interessant sind auch einige von Pahnke veröffentlichte poctische, im Nachlaß Willibald Beyschlags gefundene Briefe, die Bonner Maikäfer(Gottfried Kinkel, Johanna Mathien⸗Kinkel, H. Behn⸗Eschenburg u. g.) von Schloß Poppels⸗ dorf bei Bonn, Kinkels Wohnsitz, aus im Winter an die nach Berlin übergesiedelten Maikäfer, den bekannten Theologen Willi⸗ bald Beyschlag und den berühmten Kulturhistoriker Jakob Burck⸗ hardt, gerichtet haben. Schon diese großen Namen w den auch dem weiteren Kreise der Literaturfreunde Aureiz gebe

N ö den sozusagen erst entdeckten Verein näher zu beachten, der am Rhein einst im Verborgenen blühte.