Ausgabe 
(31.5.1915) 125. Erstes Blatt
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174
 
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G 83

Erstes Blatt

Der Slehener Anzeiger

Tscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich

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9 3 n e 8 3 N 9

165. Jahrgang

8 f 2 jährl. Mk. 2.20;

Abhol, weigstellen

Gießener Famillendlätter; ö. 3 S burg ufer den es Sieden die 156 t 7 8 (Dienstag und Freitag); 7 5j9 loral 156 zweimal monatl. Land⸗. 8e ecke schriftleiter: Aug. Goetz.

General-Anzeiger für Oberhessen

bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.

Montag, 31. Mai 1015

Bezuges reis: monatl. 75 Pi., viertel

Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge- richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Neue vergebliche Angriffe der Franzosen. Die günstige Lage im Osten. Die Einmütigkeit des deutschen Reichstags.

mti Großes Hauptquartier, 29. Mai.

Westlicher Kriegsschauplatz.

ö Die Franzosen setzten gestern, nachdem wir sie bei Angres zurückgeworfen und ihnen eine Anzahl Gefangene abgenommen hatten, mit starken Massen zu einem Gegen angriff längs der Straße BéthuneSouchez an, wur⸗ den aber unter den empfindlichsten Verlusten auf der ganzen Front ahgeschlagen. In der Nacht nahmen wir die schwache Besatzung des Ostteiles von Ablain, deren Verbleib in der dort vorgeschobenen Stel⸗ kung nur unnützes Blut gekostet hätte, unbemerkt vom Feinde auf die unmittelbar dahinter befindliche nächste Linie zurück. Südlich Souchez wurde gestern abend ein französ. Angriffs⸗ versuch durch unser Feuer im Keime erstickt. Das südwestlich Souchez liegende, von den Franzosen als von ihnen erobert erwähnte Schloß Le Carieul ist dauernd von uns gehalten. Südöstlich Neuville wiesen wir feindliche, mit Minen und Handgranatenfeuer vorbereitete Vorstüße leicht ab.

Im Priesterwalde, nordwestlich Pont⸗a⸗Mous⸗ son, schienen die Franzosen wie am 27. Mai abends wieder einen größeren Angriff vorbereitet zu haben. Unser Feuer hielt den Feind nieder. Vereinzelte nächtliche feindliche Teil⸗ vorstöße wurden blutig zurückgewiesen.

AUnsere Flieger belegten die besestigten Orte Grave⸗ lines und Dünkirchen sowie den Etappenort St. Omer mit Bomben und erzielten auf einem feindlichen Flugplatz nordöstlich Fis mes mehrere Treffer.

N Oestlicher Kriegsschauplatz.

An der oberen Duhissa griffen die Russen südöstlich Kurtowiany und südöstlich Kielmy ohne Erfolg an. Im wei teren Verlauf der Kämpfe an der unteren Dubissa wurde der Gegner an vielen Stellen über den Fluß geworfen; bei der Verfolgung wurden noch 380 Gefangene gemach

N Südöstlicher sschaupläß. a

Unsere Truppen haben sich gegen die Nordfront von Przemysl näher herangeschoben. Auf der Front zwi⸗ schen Wisznia und Lubaczowka⸗Abschnitt östlich Ra⸗ dymno und Jaroslau) machten die Russen wiederholte ver⸗ zweifelte Teilangriffe. Sie wurden überall unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Das russische 179. Infan⸗ terie⸗ Regiment ist aufgerieben. Westlich und südlich 8 hat der Gegner seine Angriffe nicht erneuert.

Oberste Heeresleitung. (WB.) Großes Hauptquartier, 30. Mai.

(Amtlich.) . Westlicher Kriegsschauplatz.

Nach zehnstündiger Artillerievorbereitung griffen die Franzosen östlich des Hserkanals unsere Stellungen nördlich von D'Houdt⸗Ferme um Mitternacht an. Der An⸗ griff ist auf der ganzen Front unter schweren Ver⸗ lusten für den Feind abgeschlagen, eine Anzahl Zuaven von vier verschiedenen Regimentern wurden gefangen genommen.

Zwischen dem La Bassée⸗Kanal und Arras fan⸗ den nur Artilleriekämpfe statt. An der Straße Bͤthune Souchez nahmen wir einige Dutzend schwarze Franzosen gefangen, die sich in einem Wäldchen versteckt hatten. Die übliche Beschießung der Ortschaften hinter unserer Front durch die Verbündeten hat unter den dort zurückgebliebenen französischen Frauen und Kindern, die an ihrer heimatlichen Scholle hängen, wieder viele unschuldige Opfer gefordert.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Bei Illoky, 60 Kilometer südöstlich Libau, wurde eine feindliche Abteilung durch unsere Kavallerie in nördlicher und nordöstlicher Richtung zurückgeworfen. An der Dubissa mußte eine kleinere deutsche Abteilung den Ort Sadwy niky vor überraschendem russischen Angriff aufgeben, vier Geschütze fielen in Feindeshand. Eintreffende Verstärkungen von uns nahmen das Dorf wieder und trieben den Gegner zurück. In Gegend Szawle wurden feindliche An griffe abgewiesen. Der Gegner erlitt schwere Verluste.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Bei russischen Angriffen auf deutsche Truppen am Unterlauf der Lubaczowka(nordöstlich Jaroslau) sowie in der 74 von Stryj erlitt der Feind schwere Ver⸗

u st e. Oberste Heeresleitung.

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Die kraftvollen Worte des Reichskanzlers haben überall. auch im Auslande, den stärksten Eindruck gemacht, und aus England kommen Nachrichten von dort weiter um sich greifenden trüben Stimmungen. Aber wir wollen diesen ausländischen Presseäußerungen, ob sie nun für uns günstig oder ungünstig lauten, nicht zu viel Bedeutung beilegen. Ein hen Blatt, dessen Qualitäten wir schlecht übersehen können, soll dieser Tage erzählt haben, der be kannte frühere Minister Caillaux habe Ende des vorigen Jahres in Rio de Janeiro in vertrauten Kreisen ausge sprochen, das französische Kabinett habe ein Verbrechen be

angen, als es den Krieg gegen das unbesiegbare Deutsch, and begann, und die Franzosen holten nur für die Eng

des zuständigen Ge lange solche Unterstre

länder die Kastanien aus dem Feuer, ohne jemals, weder von England noch von Rußland, Dank ernten zu können. Es ist möglich, daß vernünftige Franzosen allmählich zu dieser Einsicht heranreifen; wir warten dies ruhig ab. Mit ernsterer Prüfung schauen wir uns in unserem eigenen Lande um. Der Reichstag hat nach der Kanzlerrede am Samstag neben seiner Arbeitssitzung über wichtige, durch den Krieg gebotene Gesetzentwürfe auch eine kleine politische Auseinandersetzung über die allgemeinen Kriegsziele gehabt, Der sozialdemokratische Abgeordnete Ebert sprach von der Friedenssehnsucht im Volke, indem er jedoch zugleich fest und bestimmt erklärte: Wir stehen zu unserem Volke und zu den Erklärungen vom 4. August. der Satz dieses sozialdemo lratischen Redners:wir wenden uns gegen Bestrebungen, die den Frieden abhängig machen wollen von allerlei Er oberungen lockte den konservativen Grafen Westarp zu einigen temperamentvollen Entgegnungen, in denen er die Haltung der Sozialdemokratie kritisierte. Ob es zweck- mäßig war, eine solche Debatte zu beginnen, ist eine andere Frage. So lange Ebert sich in allgemeinen Wendun gen bewegte, die man auf Italiens Kriegsführung beziehen könnte, brauchen wir nicht zu eifern. So machte denn der folgende nationalliberale Redner, Abg. Schiffer, ent sprechende Einschränkungen, die den Beifall des Hauses hatten und auch im Volke allgemeine Zustimmung finden werden, besonders da Schiffer dierealen, greifbaren Sicherheiten wieder in den Vordergrund rückte, von denen auch der Reichslanzler gesprochen hatte. Daß der Abgeordnete Scheidemann die Ausführungen Schifsers als sachlich und würdig begrüßte, darf uns über die Tatsache hinwegsetzen, daß es in der Sozialdemokratie tatsächlich kleine Strömungen gibt, die sich in einer gewissen Quer- treiberei gefallen. So sollen ja im rheinisch-westfälischen Industriegebiet ei mokratische Versammlungen

N zegenmaßnahmen

nd Geg

U andos bew 2 ömungen sich bemerkbar machen, wird Scheidemann seine Klagen über die Zensur einschränken müssen. Wir aber vertrauen unseren Behörden, daß sie gegen schädliche Wühlereien auf der Wacht sind; es darf nicht gestattet werden, daß vereinzelte Quertreiber das deutsche Volk zu beunruhigen versuchen, das eine so ein mütige, herrliche Stimmung an den Tag gelegt hat. Die Liebknechte sind heute in deutschen Landen ja erfreulicher weise sehr dünn gesüt! 0

***

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

Wien, 29. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird

verlautbart: 29. Mai 1915, mittags: Nordöstlicher Kriegsschauplatz.

An der Lubaczowska und östlich Radymno ver⸗ suchten die Russen auch gestern und heute nacht an mehreren Stellen heftige Angriffe, die alle unter schweren Ver lusten für den Feind abgewiesen wurden. Am Ostufer des San dringen die verbündeten Truppen unter fortdauern den Kämpfen vor.

Am oberen Dnujestr, dann bei Dohobyez und Stryj sind die eigenen Angriffe bis auf die nächsten Di⸗ stanzen vorgetragen. Vorstöße der Russen wurden durchweg blutig zurückgeschlagen.

Die sonstige Lage ist unverändert.

Südwestlicher Kriegsschauplatz.

Den Grenzort Ala und das Primör haben italie⸗ sche Truppen erreichte Im übrigen hat sich an der Tiroler und Kärntner Grenze nichts ereignet.

Im Küstenlande begannen kleinere Kämpfe. Bei Korfreit wurde ein italienisches Bataillon zersprengt, bei Plava der Vorstoß eines feindlichen Detachements und nördlich Görz fünf feindliche Angriffe abgewiesen. g

Gestern nacht unternahmen mehrere Marine⸗ flieger eine neue Aktion gegen Venedig. Sie warfen unter heftigem Gewehr- und Geschützfeuer eine große Zahl Bomben zumeist auf das Arsenal ab, die mehrere ausgedehnte Brände und im Fort Nicolo auch eine Explosion hervorriefen.

Heute nacht stieß ein großer fremder Dampfer am Ein⸗ gang in den Golf von Triest auf eine Mine und sank.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Wien, 30. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird

verlautbart: 30. Mai 1915, mittags. Russischer Kriegsschauplatz

An der unteren Lubaczowka wurde nachts ein starker russischer Angriff, der bis zum Handgemenge führte, zurück⸗ geschlagen. Uebergangsversuche der Russen am San bei und abwärts Sieniawa scheiterten schon im Beginn. Oestlich des San sst die Lage unverändert. Eigene schwere Artillerie hält die Bahnlinie PrzemyslGrodek bei Medyha unter Feuer. Truppen des 6, Korps eroberten am 27. d. M. neuerdings acht russische Geschütze. Die Einschließungs⸗ linie um Przemysk wurde von den verbündeten Truppen im Norden und Süden der Festung weiter vorgeschoben.

Am Dujestr und südlich desselben dauern die Kämpfe fort.. i 5 3

An der Pruth-Linie und in Polen hat sich nichts ereignet.

habe! So-

Italienischer Kriegsschauplatz.

Tirol: Die Italiener haben das Geschützfeuer gegen unsere Werke auf den Plateaus von FolgarigLavarone wieder aufgenommen. Feindliche Abteilungen rückten in Cor⸗ tina ein, ihre Sicherungsabteilungen flüchteten jedoch auf den ersten Kanonenschuß.. 3

An der Kärntnergrenze hat sich nichts ereignet.

Im Küstenlande griff der Feind auf den Höhen nördlich Görz nicht wieder an. Uebergangsversuche über den Isonzo bei Monfalcone wurden von unseren Patrouillen mühelos abgewiesen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Berlin, 31. Mai. Der militärische Mitarbeiter der Grazer Tagespost meldet derDeutschen Tageszeitung zufolge: Ueberall dort, wo die Italiener an der Grenze mit Infanterie losgingen, wurden sie mit schweren Verlusten zurückgeworfen. An der kärntnerischen Front, wo die Italiener gegen den Plöcken mit beträchtlichen Kräften vorgingen, hatten sie nicht den geringsten Erfolg. Ihre in großer Zahl eingesetzte schwere Artillerie konnte weder hier noch an der Valsugana Wirkung erzielen. Im Küsten⸗ gelände wurde ein in breiter Front durchgeführter Vorstoß an der Isonzo-Linie und zwischen Görz und Monfalcone glatt abgeschlagen.

Berlin, 31. Mai. Aus dem Kriegspressequartier er⸗ fährt lautTägl. Rundschau die WienerReichspost, die Armeen der Verbündeten hätten sich bis auf sechs Kilometer der Mitte von Przemyfsl genähert.

Rom30. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung derAgen⸗ zia Stefanie: Der Chef des Admiralstabes teilt mit: Am 27. Mai wurde ein österreichisches Wasserflugzeug an unserer Küste gefangen. Die Insassen wurden gefangen genommen.

gezeichnet: Thaon de Reval. Die zweite österreichisch-ungarische Kriegsanleihe.

Wien, 29. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer vor⸗ läufigen Zusammenstellung der bisher eingelaufenen Zeich nungen kann als feststehend angenommen werden, daß das Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe dasjenige der ersten um 2200 Millionen Kronen übertrifft. Infolge des unver⸗

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minderten Andranges des Publikums zu den Zeichnungs⸗

stellen, insbesondere in den letzten Tagen, sah sich der Finanzminister bewogen, zu gestatten, daß die Zeichnungs⸗ stellen bis auf weiteres auch nachträglich noch Anmeldun⸗ den für die Kriegsanleihe entgegennehmen.

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Die deutsche Offensive in den Ostseeprovinzen.

London, 30. Mai.(WTB Nichtamtlich)Daily Mail meldet aus Petersburg: Russische Militärkreise legen nunmehr im Gegensatz zu früher der deutschen Invasion in den O st⸗ seeprovinzen große Bedeutung bei. Die Deutschen ziehen fort⸗ gesetzt große Verstärkungen von den an der westlichen Front kon⸗ zentrierten Truppenmassen norwestlich Kowno heran und man nimmt an, daß sie bald zu einem allgemeinen Angriff übergehen werden.

Berlin, 31. Mai. Nach demBerliner Tageblatt meldel Daily Chronicle aus Petersburg, daß große russische Truppen konzentrationen in den russischen Ost⸗ seeprovinzen stattfinden.

Zeppeliubomben auf Helsingfors.

Stockholm, 29. Mai.(WTB. Nichtamtlich.)Stock⸗ holms Tidningen melden aus Haparand: Hier ein- getroffene Reisende berichten, daß ein Zeppelin-Luft⸗ schiff am 26. Mai über Helsingfors Bomben ab⸗ geworfen habe, wodurch ein Baumwollmagazin zerstört und ein Passagierdampfer der Bore-Gesellschaft im Hafen verbrannt sei. Nach anderen Blättermeldungen sollen dabei 40 Personen umgekommen sein.

Eine türtische Auszeichnung für den Generalobersten v. Mackenseu. Konstantinopel, 29. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) DasAmtsblatt meldet die Verleihung der goldenen und silbernen Kriegsmedaille des Imtiaz⸗Or⸗ dens an den Generalobersten v. Mackensen. Deutsche Flugzeuge über Montdidier. Paris, 30. Mai.(WTB Nichtamtlich.) DerTemps meldet: Gestern vormittag überflogen deutsche Flug⸗ zeuge Montdidier; sie warfen 13 Bomben ab, die großen Sachschaden verursachten und vier Personen in einer Ambulanz töteten. Die unbezahlbare Energie und Entschlossenheit der Deutschen.

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London, 29 Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der militärische 1 Mitarbeiter derMorning Post schreibt; Es wird täglich klarer, daß die militärischen Hilfsquellen Deutschlands keineswegs erschöpft sind und daß der Geist der Nation

und der Armee und ihr Vertrauen in den schließlichen Sieg un erschülttert sind. Im Besitze großer Gebiete in Nordfrankreich und Belgien, können sie sagen, daß ihre jüngsten Erfolge bei St. Mihiel, auf den Höhen an der Aisne und bei Ppern nicht ges