b die öͤsterreichisch⸗ungarische Antwortnote.
3 Minister des Aeußern hatte die Ehre, die Mit⸗ . ng
diesem Zeitpunkt wiederholt ihren Wunsch kundgegeben hat, die Bande
gesetzt und wußte, daß Oesterreich-Ungarn in Serbien kerne
grund zu entziehen. Es genügt, an die Erklärungen, welche in je⸗
um festzustellen, daß die kal. Regierung damals in dem Vorgehen
ntündung hin fechtend vordringt; die Festung Iwangorod kann
Bergzügen, die durch flache Längstäler getrennt sind und sich
Sbweites Blatt
ö 1 5 Erscheint täglich mu Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Wien, 22. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die K. u. K. Re⸗ gierung hat die Mitteilung Italiens, daß es den Dreibunds⸗ vertrag als aufgehoben betrachtet, mit folgender Note beantwortet, die am 21. Mar nachmittags vom österreichisch⸗ ungarischen Minister des Aeußern Baron Burian dem itglienischen
fter Herzog von Avarna übergeben wurde: Der öster⸗
. fend die Aufhebung des Dreibundvertrages zu er⸗ halten, welche der Herr italienische Botschafter ihm im Auftrage der Königlich stalienischen Regierung am 4. Mar gemacht hat. Mit peinl icher Ueberraschung hat die K. u. K. Re⸗ gierung Kenntnis von Entschließung der italienischen Regie⸗ rung erlangt, auf so unvermittelte Weise einem Vertrage ein Ende zu bereiten, der, auf der Gemeinsamkeit unserer wichtigsten poli⸗ tischen Interessen fußend, unseren Staaten seit so langen Jahren die Sicherheit und Frieden verbürgte und Italien notorische
Dienste
85 die 1 2 27. Kgl. 5 5 55 1 8 77 8 in erster Linie ten Tatsgchen auf mehrals neun
Monate au g e die Kgl. Regierung seit
der Allianz zwischen unseren beiden Ländern aufrecht⸗ zuerhalten und noch zu verstärken, ein Wunsch, der in Oesterreich⸗ Ungarn* günstige Aufnahme und herzlichen Widerhall ge⸗
Die Gründe, welche die K. u. K. Regierung gezwungen haben, an Serbien im Monat Juli vergangenen Jahres das Ultimatum zu richten, sind zu bekannt, als daß es nötig wäre, sie 2 zu wiederholen. Das Ziel, welches sich Oesterreich⸗Ungarn etzte und das einzig und allein darin bestand, die Monarchie gegen die umstürzlerischen Machenschaften Serbiens zu schützen und die Fortsetzung der Agitation zu verhindern, die geradezu auf die Zerstückelung Oesterreich-Ungarns hinausging, zahlreiche Attentate und schließlich die Tragödie von Sarajewo im Gefolge hatte, konnte die Interessen Italiens in keiner Weise berühren, denn die K. u. K. Regierung hat niemals vorausge⸗ setzt und hält es für ausgeschlossen, daß die Inter⸗ essen Italiens irgendwie mit den verbrecheri⸗ schen Umtrieben identifiziert werden könnten, welche gegen die Sicherheit und Gebietsintegrität Oesterreich-Ungarns gerichtet find, von der Belgrader Regierung leider geduldet wur— den und zu denen sie sogar ermutigt hatte.. N
Die italienische Regierung war übrigens davon in Kenntnis
Eroberungsabsichten hatte. Es wurde in Rom ausdrück⸗ lich erklärt, daß Oesterreich-Ungarn, wenn der Krieg lokalisiert bliebe, nicht die Absicht hatte, die Gebietsintegrität oder Soube⸗ ränität Serbiens anzutasten. Als infolge des Eingreifens Ruß⸗ lands der rein lokale Streit zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien im Gegensatz zu unseren Wünschen einen eur opäi⸗ schen Charakter annahm und sich Oesterreich-Ungarn und Deutschland von mehreren Großmächten angegriffen sahen, er— klärte die Kgl. Regierung die Neutralität Italiens, ohne jedoch die geringste Anspielung darauf zu machen, daß dieser, von Rußland hervorgerufene und von langer Hand vorbereitete Krieg geeignet sein könnte, dem Dreibundvertrag seinen Existenz⸗
nem Zeitpunkte weiland Marchese di San Giuliano abge⸗ geben hat und an das Telegramm, welches der König von Italien am 2. Aug. 1914 an den Kaiser und König richtete, zu erinnern,
Oesterreich-Ungarns nichts sah, was den Bestimmungen unseres Bundesvertrages entgegen gewesen wäre. Von den Mächten des Dreiwerbandes angegriffen, mußten Oesterreich-Ungarnund Deutsch— land ihre Gebiete verteidigen, aber dieser Verteidigungskrieg hatte keineswegs„die Verwirklichung eines den Lebensinteressen Italiens entgegengesetzten Programms“ zum Ziele. Diese Lebensinteressen oder das, was uns von ihnen bekannt sein konnte, waren in keiner Weise bedroht. Wenn übrigens die italienische Regierung in dieser Beziehung Bedenken gehabt hätte, hätte sie sie geltend machen können und sicherlich hätte sie sowohl in Wien, als auch in Berlin
An san und Weichsel. 15
1 Von den Kämpfen, die für die weitere Entwickelung der Er⸗ eignisse auf dem süböstlichen Kriegsschauplatze entscheidend zu werden versprechen, spielt sich die eine Gruppe um die vielgenannte stung Przemysl ab, während ein anderer Teil der
Stadt und Fest 0 ö Verbündeten gegen die Mündung des San und die Weichsel⸗
man etwa als den Nordpfeiler dieses nördlichen Kriegsschauplatzes bezeichnen, der geographisch wie geschichtlich in mancherler Hin⸗ sicht von nicht gewöhnlichem Interesse ist. In spitzem Winkel strömt von Südosten her der San in die Weichsel, die er an Breite und Wasserfülle hier beinahe übertrifft, aber er ist bei seiner Mündung nicht mehr der wilde Sohn der Berge, wie er aus den Karpathen herkommt, sondern er hat sich mehr beruhigt und fließt breit und flach dahm. Fruchtbares Weizenland geleitet ihn an seinem Unterlause, aber in dem Winkel zwischen Weichsel und San geht die Talebene in eine Niederung über, die etwa 10 Meilen lang und 6 Meilen breit und großenteils mit Sumpf und Wald bedeckt ist. Diese Sümpfe ziehen sich auch weiterhin! gegen Westen noch ziemlich lange am Südufer der Weichsel hin. Dies Südufer ist ihr flaches Ufer, nördlich vom Weichselstrome aber, freilich in einiger Entfernung vom Flußbette, erhebt sich das Land, und eine neue, interessante Bergwelt bestimmt den Charakter der Landsckaft. Von der Weichselstadt Sandomierz bis zur Ptlica hin zieht ich ein steiler Höhenzug, der Südrand des sogenannten „Sandomirer Erzgebirges“, in dem man den nördlichsten, über die Weichsel vordringenden Ausläufer des Karpathengebirges zu erblichen hat. Es besteht im wesentlichen aus sechs parallelen
zwei bis drei Meilen hintereinander erstrech Der nördlichste und zugleich höchste dieser Züge ist die belennte Lysagora, die sich nordwärts, gegen die Pilica hin, ziemlich allmählich ver⸗ liert, während die steilen Abfälle des Kalkgebirges, die scharf⸗ gezackten Felsenkämme, die zehlreichen Spalten und Klüfte gegen Süden hin, namentlich in der Gegend von Checiny, der Landschaft einen beinahe alpenähnlichen Charakter geben. Auf der östlichen Gruppe der Lysagora, deren Name zu deutsch„antlenbe rg be⸗ deutet, liegt mitten unter Felsen und Wäldern alpinen Charak- ters das alte berühmte Wallfahrtskloster zum heiligen Kreuze; es mag die unholden Geister dieser Bergwelt bannen, denn die Lysagora ist nach altem polnischen Volksglauben dasselbe, was bei uns der Brocken oder Blocksberg ist. Die wichtigste Stadt dieses Berglandes ist das im Verlaufe der kriegerischen Ereignisse ja bereits vielfach genannte Hielce, eine schon im 12. Jahr⸗ hundert vom Krakauer Bischof Gideon erbaute Stadt, die sich einer reizend malerischen Lage an dem Flüßchen Sziliza erfreut und ein paar alte Kirchen, Klöster und Paläste besitzt. Die ist wirtschaftlich von Bedeutung, da sie reich an Erzen ist. n m 16. Jahrhundert haben Holländer um des Erzes willen den Weg in diese entlegene Gegend gefunden; anno 1511 haben sie in Lielce 70 Bote mit dortigem Kupfer beladen. Die größeren und lleineren Flüsse der Gegend, wie z. B. die durch das Bergland . 25 8
8„ 1 25 5 9 1
den besten Willen zum Schutz dieser Interessen gefunden. Die kg..
geleistet hat. Dieses Erstaunen ist um so gerechtfertigter, P
lien zu bieten, um d
Regierung, ihre volle Handlungsfreiheit wieber er-
zur Kenntnis zu nehmen, da eine solche Erklärung der
gegangenen
der Landschaft ist vielfach auf dem Wasserwege verfrachtet worden,
unigeben, in ihrer hohen Lage über dem Strome einen maleri⸗
liegt durchweg darin, daß sie die Straßen über dem Fluß beherr⸗
Gegend] mir Einsam schaut auf dunkle Tannenwälder.“ *
105. Jahrgang
ießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Regierung war damals der Ansicht, das) sich ihre beiden Verbündelen nach Lage der Dinge Italien gegenüber nicht auf den Bündnis fall berufen konnten, aber sie machte keine Mitteilung, welche zu dem Glauben berechtigt hätte, daß sie das Vorgehen Oestetreich⸗ Ungarns als flagrante Verletzung des Wortes und bes Geistes des Bündnisvertrages ansehe. Die Kabinette Wien und Berlin ließen, wenn sie auch Italiens Entschluß, neutral zu bleiben— einen Entschluß, der nach unserer Ansicht mit dem Geist des Vertrages kaum vereinbar war— bedauerten, die Ansicht der italienischen Regierung dennoch loyaler Weise gelten, und der Meinungsaus- tausch, der in jenem Zeitpunkt stattfand, stellte die unveränderte Aufrechterhaltung des Dreibundes sest. Gerade mit Berufung auf diesen Vertrag, insbesondere auf dessen Art. 7, legte uns die Kgl. Regierung ihre Ansprüche vor, die dahin gingen, gewisse Entschädigungen für den Fall zu erhalten, daß Oester⸗ reich⸗Ungarn seinerseits aus dem Kriege Vorteile territorialer oder anderer Natur auf der Balkanhalbinsel zöge. Die k. u. k. Regierung nahm diesen Standpunkt an und erklärte sich bereit, die Frage einer rüfung zu unterziehen, indem sie gleichzeitig darauf hinwies, daß es, solange man nicht in Kenntnis der Oesterreich-Ungarn eventuell zufallenden Vorteile sei, schwer wäre, hierfür Kompensationen fest⸗ zusetzen Die kgl. Regierung teilte diese Auffassung, wie sowohl aus der Erklärung des seither verstorbenen Marchese die San Giu⸗ liano vom 25. August 1914 hervorgeht, in welcher es heißt:„Es wäre verfrüht, jetzt von Kompensatibnen zu sprechen,“ wie auch aus den Bemerkungen des Herzogs von Avarna nach unserem Rück⸗ zug aus Serbien:„Gegenwärtig Fit es kein Kompensations⸗ objekt.“ Nichtsdestoweniger war die k. u. k. Regierung immer be⸗ reit, über diesen Gegenstand eine Konversation zu beginnen. Als die italienische Regierung, indem! sie auch jetzt noch ihrem Wunsch nach Aufrechterhaltung und Befestigung unseres Bündnisses wieder⸗ holte und besondere Forderungen vorbrachte, welche unter dem Titel einer Entschädigung die Abtretung integrierender Bestandteile der Monarchie an Italien betrafen, hat denn auch die k. u. k. * auf die Erhaltung bester Beziehungen zu Italien den größten rt legte, selbst diese eee ndlage angenom- men, obwohl ihrer Meinung der in Rede stehende Artikel 7 niemals auf Gebiete der zwei vertragschließenden Teile, sondern einzig und allein auf die Ballanhalbinsel Bezug hatte. In den Verhandlungen, die über diesen Gegenstand gepflogen wurden, zeigte sich die K. u. K. Regierung stets von dem aufrichtigen Wunsch geleitet, zu einer Verständigung mit Italien zu gelangen, und wenn es ihr aus ethnischen, politischen und mili— tärischen Gründen, die in Rom ausführlich auseinandergesetzt worden sind, unmöglich war, allen Forderungen der Kgl. Re⸗ gierung nachzugeben, so sind doch die Opfer, die die K. u. K. Regierung zu bringen bereit war, so bedeutend, daß sie nur der Wunsch, das seit so vielen Jahren zum gemeinsamen Vorteil. unserer beiden Länder bestehende Bündnis aufrechtzuerhalten, zu rechtfertigen vermag. Tie Kgl. Regierung bemängelt es, daß die von Oesterreich-Ungarn angebotenen Zugeständnisse erst in einem unbestimmten Zeitpunkte, d. h. erst am Ende des Krieges, verwirklicht werden sollten, und sie scheint daraus zu folgern, daß diese Zugeständnisse daburch ihren ganzen Wert verlieren würden. Indem die k. u. k. Regierung die materielle Un— möglichkeit einer sofortigen Uebergabe der abgetretenen Gebiete hervorhob, zeigte sie sich dennoch bereit, alle möglichen Garan⸗
1 iese Uebergabe vorzubereiten und sie schon jetzt für eine wenig entfernte Frist zu sichern. Der ofsensichtlich gute Wille und versöhnliche Sinn, den die k, u. k. Regierung im Laufe der Verhandlungen bewiesen hat, scheinen die Meinung der italienischen Regierung, man müßte auf jede Hoffnung ver⸗ zichten, zu einem Einvernehmen zu gelangen, in keiner Weise zu rechtfertigen. Ein solches Einvernehmen kann jedoch nur er- reicht werden, wenn auf beiden Seiten derselbe aufrichtige Wunsch nach einer Verständigung herrscht.
Die k. u. k. Regierung vermag die Erklärung der italienischen
langen zu wollen, und ihren Bündnisvertrag mit Oesterreich-Un— garn als nichtig und fortan wirkungslos zu betrachten, nicht
[al. Regierung im entschiedenen Widerspruch zu den feierlich ein— Verpflichtungen steht, welche Italien in Vertrag
ostwärts der Weichsel zuströmende Kaminna, sind für kleinere Fahrzeuge schiffbar, und so hat sich hier eine ziemlich rege Ge⸗ werkstätigkeit entwickeln können. Auch der Kalk- und Sandstein
und die Kaltschiffe, die stromabwärts fahren, gehören zu dem Bilde, das der Weichselstrom von Sandomierz abwärts bictet.
Sandomierz selbst liegt oberhalb der Sanmündung auf der russischen Seite der Weichsel auf hohem Berge. Einst die Residenz besonderer Fürsten, ist die Stadt der Schauplatz mancher für die polnische Geschichte bedeutender Ereignisse gewesen. Ihre imponierende Kathedrale und das alte auf Kasimir den Großen zurückgehende Schloß zeugen zusammen mit einer Reihe anderer geschichtlicher Bauten von dem ehemaligen Glanze der Stadt, die übrigens auch in der Gegenwart sich zu ansehnlichem Wohl- stande hexaufgearbeitet hat. Denn der Boden ist reich an Weizen, und die Erde gibt außer den bereits erwühnten Mineralien auch schwarzen Schiefer und vortrefflichen Pfeifenton her und da die Weichsel von Sandomierz an für etwas größere Fahrzeuge schiff⸗ bar wird, so konnte die Stadt, die, von Gärten und Weinbergen
schen und bedeutenden Anblick gibt, immer eine gewisse Blüte bewahren. Von hier aus wendet sich dann die Weichsel immer entschiedener nach Norden. Von beiden Seiten rücken ihr die Höhenränder nahe, die besonders am Westufer streckenweise ganz dicht an den Fluß herantreten. Eine Reihe von kleinen Städten, bald auf dem linken, bald auf dem rechten Ufer des Stromes ge⸗ legen, begleiten seinen Lauf; die Bedeutung dieser Ansiedelungen
schon, und in den polnisch⸗xussischen Kämpfen ist um diese kleinen Weichselorte mehr als einmal blutig gefochten worden. Aber an größeren Städten ist dieser Teil der Weichsel arm, und man nruß bis gegen Jwangorod vordringen, um zu einem solchen zu gelangen. Dort ist die Weichsel 200 Meter breit, und es fließt ihr von Osten her der Wieprz zu. Darin, daß Iwangvrod die Ver⸗ einigung dieser beiden Flüsse und damit die Straße nach Brest⸗ Litowsk beherrscht, liegt die strategische Bedeutung des stark be⸗ sestigten Brückenkopfes Nicht weit südlich von Iwangorod über⸗ schreitet eine andere wichtige Straße die Weichsel: das ist die nach Lublin, und an ihr liegt in anmutiger Gegend die Stadt Pulawy, die durch den nahegelegenen herrlichen alten Besitz der Czartorys⸗ kis einen in Südpolen allgemeinen und selbst weit über seine Grenzen hinaus reich Ruhm erworben hat. Selbst die Dich⸗ tung hat sich dieses mit allen Reizen der Natur und Kunst ge⸗ schmückten Herrensitzes angenommen, und ein stimmungs volles Werk von Delille hat Pulawy und seine Umgebung anmutig und anschaulich geschildert, bis südlich nach dem Weichselstädtchen Ka⸗ simierz hin jener„steilen Höhe: Wo der Turm des großen Kasi⸗
— Nieder mit Beethoven, dem„Boche“! Ein sonderbares Abenteuer, das zeigt, wie sehr die Franzosen schon
Dienstag, 25. Mai 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brahleschen
Universttäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, Gießen.
Schristleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschastsstelle u. Verlag: Sl, Schrist⸗
leitung. S112. Adresse für Dragtnachrichten Anzeiger Gießen.
vom 5. Dezember 1912 auf sich genommen hat, der die Dauer unserer Allianz bis zum 8. Juli 1920 festsetzte, seine Kündigung nur ein Jahr vorher gestattete und keine Kündigung oder Nichtig⸗ 75 leitserklärung voͤr diesem Zeitpunkte vorsah. Da sich die italienische Regierung aller ihrer Verplichtungen in willkürlicher Weise entledigt hat, lehnt die k. u. k. Regierung eine Veran t⸗ wortlichkeit für alle Folgen, die aus dieser Vor⸗ gangsweise sich ergeben könnten, ab. 5 Wie n, den 21. Mai 1915.
Kriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Mit der Flotte gegen Libau.
Alle Schiffe liegen mit abgeblendeten Lichtern, die Molen und Kais haben kein Licht. Man stolpert über Schienen und Taue vorwärts. In eim paar Minuten geht das Torpedoboot S.. ab, das letzte Boot, das mich zur Flotte 1 bringen lann. Enolich heben sich Schornstein und Maste des Schiffes über der Kaimauer ab und der lange schmale Schiffs- körper ist undeutlich zu erkennen. Der Landungssteg liegt noch, es wird Proviant übernommen. Hinüber. Der Kommandant des Torpedobootes, Kapitänleutnant, bringt uns zu der kleinen Messe, wir legen die paar Kleinigkeiten, die wir in der Hand halten, ab und gehen an Decl. Der Landungssteg wird eingezogen. Mit. 1 langsamer Fahrt rückwärts löst sich das Boot vom Land. Noch 1 sieht man die schweren Umrisse des Panzerzuges, der auf dem Eleise steht. Dann hat die Dunkelheit das Land verschluckt. um Schornstein des Bootes glühen ein paar Lichtsignale auf, dann jahren wir vorwärts. Goldene Funken tanzen in der mächtigen schwarzen Rauchwolke, die über dem Schornstein liegt.„Sonst fahren wir rauchlos, hier macht's ja nichts,“ sagt der Kapitän⸗ leutnant. Ein Zittern geht durch den Schiffslörper, wir gehen mit voller Fahrt in die offene See. Die weißen Bugwellen gehen breit wie sich entfaltende weiße Schwingen am Vorderschiff auf. g Das grüne Licht der Außenmole verschwindet. Wir sind auf offenem Meer.
Um 2 Uhr sollen wir das Geschwader, das an geschützter Stelle verankert liegt, erreichen.„Bis dahin müssen Sie mit den kler⸗ nen und primitiven Verhältnissen des Torpedobootes vorlieb neh⸗ men.“ Für den, der vom Landheer und von dem Landheer in Polen kommt, ist dies„Vorliebnehmen“ geradezu schlemmerhaft. In der kleinen Messe ist es urgemütlich, und das Geheimnis der Marine, daß sich jeder, der an Bord kommt, so sagen wir es doch sauwohl fühlt, ist leicht zu ergründen. Es ist der frische, unbekümmert menschliche Ton, der aus jedem Wort, jeder Kleinig⸗ keit spricht. Man hat uns pflichtschuldigst darauf aufmerksam
acht, daß eine Torpedobootfahrt durch eine Minenrinne zur
iegszeit eben gerade keine Spazierfahrt bedeute.„Diesen Punkt wollen wir ausschalten,“ war entgegnet worden. Als wir uns gegen zu große Fürsorge sträuben wollen, bekommen wir 42 5 eigene Entgegnung;„Diesen Punkt wollen wir aus⸗ schalten.“ 0 Von dem Innern des Schiffes dringt kein Lichtschimmer nach außen. Selbst das Torpedoboot hat tägliche Verbindung mit den Großfunkenstationen und stets die neueste Zeitung. So lange i auf dem Kriegsschauplatz bin, habe ich die Nachrichten des WT. niemals so schnell zu lesen bekommen, als in, diesen Tagen auf der Flotte..
Wir sausen durch die Nacht, ein leuchtender Sternenhimmel spannt sich über die Ostsee. Allmählich lernt man sehen. Auf der Kommandobrücke leuchtet im matten wie phosphorisierenden Licht nur das Kompaßgehäuse. 1
Wir laufen über 24 Knoten, die mächtigen Maschinen arbeiten mit aller Krast. Zuweilen taucht aus der Luke für einen Augen⸗ blick das Gesicht eines Heizers auf. Sie sind dunkelbraun, diese Gesichter, aber nicht von der Sonne, sondern von der ungeheuren Glut der Kesselfeuer, die den Herzschlag des iffes treiben. Es ist harter Dienst auf den Torpedobooten, dabei ist's jetzt in diesen warmen Frühlingsnächten leicht gegen den Winte t, da die
gegen alle Deutschen, auch die Toten, unternommen haben, wur Beethoven eigentlich ein Belgier, mithin ein Verbündeter wär der Gewissen hatte ja der„Figaro“ herausbekommen, daß diesen Beethoven eigentlich ein Belgier, mithin ein Verbrüderter wäre. Ganz so sicher scheint den Franzosen aber dieser Nachweis doch nich geführt worden zu sein; denn schließlich sind sie dazu übergegangen, auch Beethoven auf die Liste der Verdammten zu setzen. Ihre blinde Wut hat ihnen dabei einen spaßhaften Streich gespielt. In„ großen Rathaussaal von Marseille, in dem auch Konzerte ab⸗ gehalten werden, stand seit vielen Jahren eine Büste von Beethoven auf dem Podium. Als nun vor einigen Tagen wieder ein Konzert gegeben werden sollte, das nur Werke völlig unverdächtiger Fran⸗ zosen enthalten durfte, hatten die Veranstalter in richtiger Voraus ahnung des Kommenden die Büste wegnehmen lassen, weil ma sonst einen Aufstand der in ihrem französischen Gefühl gekränkten Konzertbesucher zu befürchten hatte. Leer konnte man den Platz, wo die Büste gestanden hatte, aber doch auch nicht lassen, und so stellte das Komitee an die Stelle Beethovens eine Büste von Ber⸗ lioz. Das sollte für den armen Berlioz, der so viel Ungemach im 5 Leben erduldet hatte, verhängnisvoll werden. Kaum war das Pu⸗ blikum in den Saal hineingelassen, als es sich wild auf das Podium stürzte und unter Pfeifen, Heulen und Klatschen— die Bllste des f großen französischen Komponisten zu Boden warf und zerschmet⸗ terte. Keiner unter den Rasenden hatte bemerkt, daß der gefährliche „Boche“ gar nicht mehr da war, und alle triumphierten über den glänzenden Sieg, der wieder über die deutsche Kultur davongetragen war
— Der Nestor der dänischen Geschichtssorscher 1. 5 Wie aus Kopenhagen gemeldet wird, ist dort der frühere Profsessor an der Universität Edvard Holm verstorben. Er war der Nestor der dänischen Geschichtsforscher und hat ein Alter von sast 82 Jahren erreicht. Holms Arbeitsgebiet bildete die dänische Geschichte des 18. Jahrhunderts, ein Gebiet, auf dem er allgemeine Autorität genoß. Sein Hauptwerk war die Geschichte von Täne⸗ mark und Norwegen vom Abschluß des Großen nordischen Krieges bis zur Trennung der beiden Reiche(17201814). Nachdem er im Jahre 1885 als Einleitung zur Geschichte dieses Zeitraumes eine Darstellung der dänisch-norwegischen Geschichte von 1660 bis 12 1720 hatte erscheinen lassen, veröffentlichte er seit 1891 Band au Band seines Hauptwerkes. Sieben dieser Bände sind erschiene der achte und letzte war der Vollendung nahe, als der Tod dem greisen Forscher die Feder aus der Hand nahm. Der Wert dieser umsassenden Arbeit Holms liegt vor allem in dem großen Fleiße und der strengen Gewissenhast igkeit, mit der er das Quellen⸗ material zusammengetragen und verwertet hat. Er war nicht der Mann schwieriger und origineller Problemstellungen, sondern streb überall darnach, die geschichtlichen Ereignisse zu runder Darstellu zu bringen. Der Stil seiner Schristen war klar und ruhig, leide schaftslos und objektiv. Er hat durch seine Schristen viel Rehabilitierung des 18. Jahrhunderts in der Meinung des dänif. Publikums beigetragen, aber er hat über zahlreiche problematische
den Kopf verloren haben, wird dem„Giornale di Sicilia“ aus Marseille berichtet. In dem Vernichtungskrieg, den die Franzosen
Persönlichkeiten dieser merkwürdigen Epoche, z B. über einen Mann wie Struensee, das letzte, abschließende Wort nicht gesprochen. 7


