Ausgabe 
(21.5.1915) 118. Erstes Blatt
Seite
122
 
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165. Jahrgang

Liehenergamiilendlätter, 8 3 wöchentl. Kreis 0

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wirtschaftliche 1 5 75 f 8

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.

1 Sreitag, 21. Mai 1015

8 Bezugsoreis:

monatl. 75 Pf., viertel; jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mt. 2. viertel; jährl. ausschl, Bestellg. Zeilenpreis: loxal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich ii Gießen.

Das imalienische parlament für den Krieg!

20. Mal.(WT.

Westlicher Kriegsschauplatz.

g Trübes, unsichtiges Wetter hemmte gestern in Flan⸗ dern und Nordwestfrankre 10 die Gefechtstätigleit. 1 15 eee nüchlich 1 4 95 15. . urde ein n icher feindlicher Vorstoß im Nahkampf abgewiesen. 1 5 7 50

Zwischen Maas und Mosel war der Artilleriekampf besonders heftig. Gegen Morgen gingen die Franzosen oͤstlich A illy in breiter Front zum Angriff vor, der überall, zumteil in erbittertem Handgemenge, von uns abge⸗ wiesen wurde.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

5 Mit den aus der Linie Shagori⸗Frauenburg im Vormarsch gemeldeten stärkeren seindlichen Kräften ist es zu keiner Gefechtsberührung gekommen. An der Dubissa wurden russische Angriffe abgeschlagen. 900 Gefangene und 2 Maschinengewehre blieben in unserer Hand.

Gestern griffen wir nördlich Podubis an, nahmen die Höhe 105 und machten weitere 500 Gefangene. Die südlich des Nfiemen vordringenden russischen Träfte wurden bei GryeszkabudaSyntowty⸗ Szaktbülliggeschlagen. Die Reste des Feindes flohen in östlicher Richtung in die Wälder. Kleinere Abteilungen halten noch Sutki Die blutigen Verluste der Russen waren sehr schwer. Die Zahlder Gefangenen erhöhte sich deshalb nur auf 2200, ferner wurden 4 Maschi⸗ nengewehre erbeutet.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unsere über den San nördlich Przemysl vorgedrunge nen Truppen wurden gestern nachmittag erneut von den Russen in e Anstürmen angegriffen. Der Feind wurde überall unter sehr erheblichen Verlusten zurückgeworfen. Heute früh gingen wir auf einem Flügel zum Gegenstoß über und stürmten die Stel⸗ lungen des Gegners, der eiligst flieht.

*

0 8 Oberste Heeresleitung.

Großes Hauptquartier, Amtlich.)

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Angesichts der historischen Tage in Rom wendet sich der Blick eine Weile ab von den ungeheuren Schlachtenschlägen, die in Galizien dem russischen Heere vermutlich bald den Rest geben werden. Für Deutschland, Oesterreich-Ungarn und die Türkei sind die se Geschehnisse noch bedeutungsvoller als Italiens Entschluß, in den Krieg gegen uns einzutreten, und doch vergißt man fast auf eine kurze Pause die Schlach tenereignisse, da die italienischen Vorgänge etwas so Außer- ordentliches, Unerhörtes darbieten, in der Welt der Feind⸗ seligteiten ein kaum dagewesenes Kapitel von Treulosigkeit und Verblendung. Vor uns liegt heute der Beschluß des italienischen Parlaments, mit dem Kabinett Salandra in den Krieg einzutreten, vor uns liegt auch die gekünstelte Be gründung dieses Ministerpräsidenten, der uns enthüllt, wie fadenscheinig und unverläßlich bei der Stimmung der Ita⸗ liener der Dreibundvertrag gewesen ist. Jenes Grünbuch, das der römischen Kammer gestern vorgelegt worden ist, ist heute schon klar und treffend von der deutschen! Regierung in deren amtlichem Organ, derNordd. Allg. Ztg., in allen Einzelheiten widerlegt worden. So wird denn auch, was Salandra in der gestrigen Kriegssitzung vorgebracht hat, vor den deutschen Lesern in seine Nichtigkeit zurückfallen. Auf dem Wege nach formalen Gründen für die italienische Kriegs⸗ erklärung wachsen nur dürftige Pflänzchen, denen nachzu⸗ gehen im Grunde kein volles Interesse mehr hat. Die ita⸗ lienische Regierung hat am Geiste des Drei bundbertragsaufdasschmählichste gesündigt. Der Standpunkt, den Salandra über die angebliche Ver⸗ letzung des Bundesvertrages durch Oesterrez h⸗Ungarn dar⸗ legte, ist nachträglich zurecht gemacht wor⸗ den, denn sonst hätte der Verkrag mit Wien früher, schon bei Ausbruch des Krieges,gekündigt werden müssen. Nein, greifen wir nach den nackten Geschäftsinteressen, die das Italien Salandras aus der Lage erwachsen sah und die er selbst, ein wenig verschämt, in seiner Rede estreift hat:es erhob sich tatsächlich, aber unwiderruflich das Problem der nationalen Unversehrtheit Italiens. Dazu wäre zu fragen: Sieht der Dreibundvertrag nicht solche Kriegsfälle vor, in denen selbstverständlich jeder Partner für seine Sache dem gemeinsamen Feinde gegenüber einstehen muß? War es denn immer in diesen Jahren der italtenische Standpunkt, nur dann die Pflichten des Vertrages zu erfüllen, wenn es lediglich die eigenen Interessen erheischten? Gar oft hatte man schon den Eindruck, daß Italien, im Falle auf Grund des Vertrages seine Teilnahme an einem Kriege ge⸗ boten wäre, zunächst herausrechnen wollte, auf welcher Seite sein Vorteil liege. Die Treue wurde als ein leerer Wahn ausgeschaltet. Die akademische Advokatenrede Salandras enthält keinen Hauch von Edelsinn und Ehrlichkeit gegenüber dem früheren Verbündeten, dessen Lage man in zunehmen⸗ der Weise auszubeuten versucht hat. Das italienische Volk bieht in den Krieg, geführt von Männern, die im Herzen auf der Seite der Dreibundgegner standen, im Gefolge von Hetzern, die aus der Schale Englands und Frankreichs sich abten. Die Geschichte wird darüber das Urteil fällen, und hoffentlich werden die Waffen Oesterreichs und Deutschlands in scharfes Richtschwert sein!

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die italienische Kammer für den Arieg.

Rom, 20, Mai.(WTB Nichtamtlich.) Meldung derAgenzia Stefani: Bei der Eröffnung der Kammer war der Saal ganz gefüllt. 480 De putierte waren anwesend, die Tribünen gedrängt voll, einschließlich derer für das diplomatische Korps, die Senatoren und die ehemaligen Deputierten. Auf der Tribüne der Deputierten bemerkt man die Botschafter der Ver einigten Staaten, Englands, Frankreichs, Rußlands und Ja⸗ pans. Auf der Tribüne erscheint Gabriele d' Annunzio, von lebhaften Zurufen im Saal und auf den Tribünen begrüßt. Nur die offiziellen ozialisten beteiligen sich nicht an der Kundgebung. Alle hervorragenden Persönlichkeiten des Parlaments sind anwesend, außer Giolitti. Um 2 Uhr tritt der Präsident Marcora in den Saal, begrüßt von stür⸗ mischem Beifall im Saale und auf den Tribünen. Alle Depu⸗ tierten, ausgenommen die 45 offiziellen Sozialisten, erheben sich von ihren Plätzen, ebenso wie das Publikum auf den Tribünen und rufen:Es lebe der Präsident!

Als die Kundgebung zu Ehren des Kammerpräsidenten endigte, trat Salandra in den l, hinter ihm Sonnino und die anderen Kabinettsmitglieder. Die ganze Versammlung steht u. man ruft von allen Seiten: lebe der Krieg! Im Zen⸗ trum ertönen Rufe:Es lebe der König! Die Ovation wiederholt sich. Begleitet von immer mehr wachsendem Beifall und unter den Rufen:Es lebe Italien! erneuert sich die Kundgebung. Salandra bringt darauf einen Gesetzentwurf ein, welcher der Regierung für den Fall des Krieges außerordentliche Befugnisse überträgt und gibt darauf die Erklärungen der Regierung ab.

Salandra gab folgende Erklärung: Seitdem Italien sich zu einer Staatseinheit erhoben hat, hat es sich in der Welt der Nationen als ein Faktor der Mäßtgung, der Eintracht und des Friedens bewährt, und es kann stolz vor aller Welt verkünden, daß es diese Aufgabe mit Festigleit erfüllt hat, die sich nicht einmal vor dem schmerzlichsten Opfer gebeugt hat. In der letzten Periode von mehr als dreißig Jahren hat es das System von Bündnissen und Fre dschaften aufrechterhal⸗ ten, die hauptsächlich den Zw hatten, auf diese Art das euro⸗ päische Gleichgewicht mit ihm den Frieden besser zu sichern. Angesichts der Vornehmheit dieses Zieles hat Italien sogar nicht allein die Mängel der Sicherheit seiner Grenzen ertragen und diesem Ziele nicht nur die heiligsten nationalen Wünsche untergeordnet, sondern es mußte auch mit unterdrücktem Schmerz die methodisch angewandten Versuche an⸗ sehen, den italieuischen Charakter zu unterdrücken, welche die Natur und die Geschichte diesen edlen Landen unaus⸗ löschlich aufgedrückt hat.

Das Ultimatum, das im Jahre 1914 Oesterreich-Ungarn an Serbien richtete, machte mit einem Schlage die Wirkungen unserer lange andauernden Anstrengungen zunichte, indem es das Abkommen verletzte, das uns mit Oesterreich-Ungarn ver⸗ band. Es verletzte dieses Abkommen durch ein Verfahren, in dem es unterlassen war, mit uns, sei es eine vorgängige Verständigung zu treffen, oder uns auch nur eine einfache Mitteilung zu machen, und verletzte es in der Sache, indem es darauf ausging, zu unserem Nachteil das empfindliche System territorialer Besitzungen und Einflußfphären zu stören, das sich auf der Balkanhalbinsel herausgebildet hatte. Aber mehr noch als der eine oder andere be⸗ sondere Punkt wurde der ganze Geist verletzt und sogan natterdrückt, der diesen Vertrag erfüllte. Denn indem in der Welt der schrecklichste Krieg entfesselt wurde, in direktem Gegensatz mit unseren Interessen und Gefühlen, wurde das Gleichgewicht zer⸗ stört, das das Bündnis sichern sollte, und es erhob sich tatsächlich, aber unwiderruflich das Problem der nationalen Un⸗ versehrtheit Italiens. Nichtsdestoweniger widmete sich die Regierung während langer Monate geduldig der Aufgabe, eine Verständigung zu suchen, die dem Vertrag seine Daseinsberech⸗ tigung, die er sonst verloren hätte, wiedergeben sollte. Diese Ver⸗ handlungen mußten indessen beschränkt sein nicht nur der Zeit nach, sondern auch durch die Würde, worüber hinaus die gesamten Inter⸗ essen und die Ehre unseres Landes bloßgestellt wären. Infolge⸗ dessen, und um diese höchstnt Ziele aufrecht zu erhalten, sah sich die kön gliche Regierung gezwungen, der Kaiserlich könig⸗ lichen österreichisch⸗ ungarischen Regierung am 4. Mai die Zurücknahme aller E die Aufkündigung des Bun⸗ desvertrages und die Erklärung, daß sie sich ihre Handlungs- freiheit vorbehalte, zu notifizieren. Andererseits war es aber nicht mehr möglich, Italien in seiner Isolierung ohne Sicher- heit und ohne Ansehen zu lassen, gerade in einem Augenblick, wo die Weltgeschichte in eine entscheidende Phase tritt. Angesichts dieser Sachlage und der Erwägung der Schwierigkeit der inter- nationalen Lage muß die Regierung auch politisch vorbereitet sein auf jede noch so schwere Prüfung, und sie ersucht daher die Kammer durch den vorgelegten Gesetzentwurf um die außerordentlichen Befugnisse, deren sie bedarf, Diese Maßnahme rechtfertigt sich nicht allein durch Präze⸗ denzfälle bei uns und den anderen Staaten jeder Regierungs form, sondern sie stellt auch die beste Ordnung und sogar die mildeste Form derjenigen Befugnisse dar, welche unsere in Kraft stehende Gesetzgebung der Regierung auch in anderen Fällen zu⸗ weist, wo es sich um das höchste Gesetz handelt, nämlich um das Wohl des Staates

Ohne prahlerische Worte und ohne Stolz, aber mit dem tiefen Verständnis für die Verantwortung, die uns in dieser Stunde zu⸗ fällt, haben wir das Bewußtsein, dafür Vorsorge getroffen zu haben, was die edelsten Bestrebungen und die vitalsten Interessen des Vaterlandes erforderten. Denn in seinem Namen und ihm er-

eben, richten wir bewegt einen glühenden Appell an das I und über das Parlament hinaus an das Land dahin, daß alle Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden mögen, und daß von allen Seiten aufrichtiges Vergessen sich darauf herabsenke. Partei- und Klassengegensätze, die in gewöhnlichen Zeiten immer zu achtenden persönlichen Ausichten und selbst die Gründe, die dem Leben einen täglichen furchtbaren Kontrast der Bestrebungen und Grundsätze geben, müssen heute verschwinden angesichts der Notwendigkeit, die jede andere über⸗ trifft, und einer Idee, die mehr als jede andere istert an⸗ gesichts des Glücks und der Größe Italiens. les andere müssen wir von heute ab vergessen und dürfen uns nur daran erinnern, daß wir alle Italiener sind, daß wir alle mit dem⸗ selben Glauben und derselben Glut Italien lieben. Mögen die

Kräfte aller in einer einzigen Kraft zusammengefaßt werden, die Herzen aller sich zu einem einzigen Herz zusammenschließen, möge ein einheitlicher Wille zu dem beschworenen Ziele führen und die Kraft und der Wille ihren einzigen leidenschaftlichen und heldenhaften Ausdruck finden in der Armee und der Flotte Italiens und in ihrem erhabenen Führer, der sich zu den Schick⸗ salen einer neuen Geschichte anführt.Es lebe der König! Es lebe Italien!

Jeder Satz der Rede Salandras wurde mit lebhaftem anhal⸗ tendem Beifall aufgenommen. Am Schluß erfolgte eine begeisterte Kundgebung mit Rufen:Es lebe der König! Es lebe Italien! Es lebe die Armee!

Salandras Rede wurde fast bei jedem Satz durch stürmischen Beifall und Rufe:Hoch Italien! Hoch der Krieg! unterbrochen. Nur die offiziellen Sozialisten blieben ruhig und erhoben sich nicht von ihren Plätzen. Der Schluß der Rede wurde mit einer stürmischen Kundgebung für die Ar⸗ mee, den König' und Italien aufgenommen.

Salandra beantragte sodann die Einsetzung eines Aus⸗ schusses zur Prüfung des Gesetz entwurfes und bat, daß der Ausschuß, dessen Mitglieder von dem Präsidenten zu be⸗ rufen seien, noch heute zusa mmentrete und berichte. Sein Antrag wurde angenommen.

Sodann erhob sich Sonnino und legte das Grünbuch

vor, von der Kammer und der Tribüne mit langen Sympathie⸗ kundgebungen begrüßt. Der Kammerdräsident teilte sodann die Namen der in die Ausschüsse berufenen Deputierten mit. Die Deputierten umdrängten die Plätze der Minister, um ihnen die Hände zu schütteln.

Die Regierung verläßt die Kammer, um die Erklärungen vor dem Senat zu wiederholen.

Der Vorschlag der Regierung, dem Entwurfe die Drin glich⸗ keit zuzuerkennen, wird in geheimer Kammerabstimmung mit 367 gegen 54 Stimmen angenommen..

Der Aus schuß wird von den folgenden Deputierten ge⸗ bildet; Arlotte, Aguglie, Boselli, Luzzani, Coccertu, Compans, Baccelli, Guido, Guieciardini, Barzilai, Bettolo, Bianchi, Leonardo Credero, Dari, Turati, Meda, Bissoleti, Pantano und Fino⸗ echiaro. Der Ausschuß tritt in dem Saale von Monte Citorio zusammen. Mit Ausnahme Turatis sind alle Ausschußmitglieder anwesend Der Ausschuß ernannte zum Präsidenten den Bericht⸗ erstatter Boselli als Aeltesten der Kammer und zum Sekretär Barzilai..

Unterdessen wird die Kammersitzung aufgehoben. Nach Wieder⸗ eröffnung wird Boselli den Bericht des Ausschusses erstatten. ö

Rom, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kammer

nahm mit 407 gegen 74 Stimmen und bei einer.

Stimmenthaltung den Gesetzentwurf betr. Vollmach⸗ ten der Regierung im Kriegsfalle unter allgemeinen Ovatio nen an.

Rom, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Während der Pause zwischen den Sitzungen zerstreuten sich die Deputierten in den Gängen, die Erklärung der Regierung erörternd oder mit dem Grünbuch beschäftigt. Die Tribünen blieben gefüllt. Um 5 Uhr erschien Präsident Marcora wieder im Sitzungssaale, ebenso die Minister.

Vor dichtgefülltem Hause ergriff Boselli als Berichterstatter des Ausschusses unter lebhaftem Beifall das Wort und erklärte, der Ausschuß schlage e in st im mig die, Annahme des Gesetzent⸗ wurfes über die außerordentlichen Maßnahmen für die Regierung vor.(Langanhaltender Beifall.) Die Gründe dazu lägen auf der Hand, denn dieser Gesetzentwurf setzte tatsächlich das Siegel auf das Werk der Regierung, welche die Stimmung des Vater⸗ landes als Ratgeberin und das Gefühl für nationale Würde als Gebieterin genommen habe.(Langanhaltender, lebhafter Beifall.) In dieser Schicksalsstunde, welche uns in einem einzigen Willen vereinigt, wird das Votum der Kammer eine neue feierliche Bestätigung eines unüberwindlichen und sicheren Glaubens an das Recht und an den Ruhm des Vaterlandes sein.(Sehr lebhafter Beifall.) Boselli fügte hinzu, der Augenblick ist gekommen, unser den unerlösten Gebieten gegebenes Versprechen zu erfüllen(Beifall) und hob das Vertrauen auf die Armee, die Marine und den Herrscher, den Fortsetzer der ruhmvollen Ueber⸗ lieferungen seiner Familie, hervor. Eine stürmische Kundgebung antwortete ihm.

Alle Deputierten erhoben sich und applaudierten.

Salandra und die anderen Minister drückten ihm unter neuem Beifall die Hand. Das Publikum auf den Tribünen stimmte ein. Unter den Rufen: Hoch Italien! Es lebe der König! beglückwünschte auch der Kammerpräsident den Redner.

Der Deputierte Barcilai erklärte darauf, jetzt werde sich der oft geäußerte Wunsch erfüllen und schloß, die Kammer, welche der Regierung umfassende Handlungsfreiheit gebe, habe volles Vertrauen zu ihr.(Beifall.)

Die Erklärung der Sozialisten.

Nach Barcilai sprach Turati und begründete ausführlich die nbweichende Meinung der offiziellen Sozia⸗ listen. Der Republikaner Collajanni verzichtete auf das Wort mit dem Rufe:Es lebe Italien! Ciccotti(Sozialist) sprach im Namen der anderen Sozialisten und erklärte, als Bürger und als Sozialist glaube er der Aktive der Regierung keine tatsäch⸗ liche oder moralische Hinderung bereiten zu dürfen. Wir befinden uns angesichts eines Verteidigungskrieges(). Die Sozialisten, in deren Namen ich spreche, hofften, daß ein erneuertes Europa aus diesem Kriege hervorgehen werde, und daß mam zu der so sehr gewünschten Abrüstung kommen wird. Sie wollten 855 r der Zivilisation von seinen Hindernissen befreien. (Beifall.

Die Diskussion wird geschlossen.

In geheimer Abstimmung wurde der Gesetzentwurf, wie bereits gemeldet, mit 407 gegen 74 Stimmen angenommen.

Der Kammerpräsident Marcora ergriff das Wort, während die Minister und das Haus sich erhoben, und sagte, in dieser feier⸗ lichen historischen Sitzung hätte die Kammer den geheiligten Glauben an die Erinnerung Italiens wiedergefunden. Sie eile, ihre Pflicht gegen das Vaterland in dem festen Glauben zu erfüllen,