Ausgabe 
(20.5.1915) 117. Erstes Blatt
Seite
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ee 7 Verhü ind

dem hervorge isher für 60 Millionen Mark Gemüse jährlich dieser Richtung so ziemlich auf uns selber sind, ist es nötig, daß jeder einzelne, soweit se es gestatten, Kleingartenbau treiben muß. * Beamten, der infolge seiner sitzenden Beschäftigung 5 ug haben muß, ist die Tätigkeit im Garten ein Ausgleich. Alles zur Verfügung stehende Land wenn dies die Bodenbeschaffenheit zuläßt, den Zwek⸗ ken der r zugänglich gemacht und entspre⸗ chend ein we⸗ Ziergärten müssen zum Teil wenigstens n Gemüsebau überwiesen, Sportplätze um⸗ 6 0 werden. Um aber diese Arbeiten in richtige Bah⸗ nen zu leiten, und nicht auf Abwege zu geraten, erscheint es notwendig, in jedem Dorfe eine Beratungsstelle einzurichten, um dem einzelnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wird so unter sachgemäßer Führung gearbeitet, dann sorgen wir auf diese Weise auch mit dafür, daß wir keinen Hungerfrieden abzuschließen brauchen. In der sich anschließenden regen Aussprache wurde unter anderem auch vom Vorsitzenden erwähnt, daß es durchaus keinem An⸗ stand begegne, wenn die Lehrer mit ihren Schulklassen sich an der Schädlingsbekämpfung beteiligen und so an ihrem Teil mit dazu beitragen helfen, in dieser schweren Zeit unsere Volksernährung sicher zu stellen. Es folgten so⸗ dann verschiedene Mitteilungen, von welchen die des Ersatz⸗ Bataillons des Infanterie⸗-Regiments Nr. 116 erwähnt wer⸗ den soll, wonach gegen eine Gebühr von 10 Pfg. für jeden Schüler zum besten des Roten Kreuzes die auf dem Trieb kangelegten Musterschützengräben jeden Tag von morgens 8 bis abends 7 Uhr besichtigt werden können. An die Kon⸗ ferenz schloß fich ein einfaches Mittagessen an. Hessische Schlachtungsstatistik. Nach der a n Statistik über die Schlachtvieh- u. Fleischbeschau wurden im Großherzogtum in den Monaten Januar, Fe⸗ bruar und März 1915 bizw.(1914) geschlachtet: 295(501) 81775 6892(5080) Ochsen, 737(397) Bullen, 14027 9177) Kühe, 9318(7076) Jungrinder über drei Monate alt, 18 833(15 167) Kälber bis drei Monate alt, 99 742 89 249) Schweine, 4046(2213) Schafe und 7033(10 537)

** Städtischer Wurstverkauf. Gestern wurden in der Butterwage an den Marktlauben 900 Pfund Leber- und Blutwurst zum Preise von 1.20 Mk. pro Pfund verkauft. Der Verkauf begann morgens um 8 Uhr und war kurz nach 12 Uhr beendet. Der Andrang des Publikums zu der aller⸗ dings viel zu kleinen Verkaufsstelle war ganz gewaltig. Die Käufer und Käuferinnen drängten sich anfangs so stark zu dem Verkaufsraum, daß man einen Arbeiter und einen Schutzmann an die Eingangstür des Raumes stellte, die immer mur 34 Leute eintreten ließen. Die Kundschaft

te sich 495 davon auf offener Straße und verließ schließlich, zum Teil ohne bedient zu sein, die Stelle. Die

der zum Verkauf gebrachten Wurst wurde von den Ketufern als gut bezeichnet, nur fand man den Preis für einen Gelegenheitskauf reichlich hoch. Auf dem Ehrenfriedhof für die verstorbenen Krieger ist jetzt mit der Bepflanzung der Gräber der Anfang gemacht worden. Es sind bisher 126 Krieger, Freund und Feind, dort bestattet. Die 40 Ruhestätten deutscher Krieger sind mit je einem aus Holz gefertigten Kreuz geziert, in dem der Name des Toten, sein Geburts- und Todestag ein⸗ geschnitten sind, doch handelt es sich hier um eine provi⸗ sorische Einrichtung. Die 86 verstorbenen feindlichen Krieger waren in sache Franzosen, Belgier und Russen; nur zwei Engländer befinden sich darunter. Gestern 233 ittag fand die Bestattung eines der verstorbenen Eng⸗ länder statt, zu welcher 25 englische Kameraden als Leid⸗ tragende in der Friedhofskapelle anwesend waren, deren ührer 2 deutsch sprach. 7 Schwabe hielt eine rauerrede an dem schlichten Sarg. Wenn auch, so führte der Geistliche aus, die Kameraden des Verstorbenen ihn nicht verstünden, so würden sie doch begreifen, daß die Liebe und nicht der Haß bei uns in Deutschland wohne, eine Liebe, 5 1 dem toten Gegner eine würdige Ruhestätte ereitet.

** Schwurgericht. Am 7. Juni vormittags Uhr beginnt die nächste Tagung des Schwurgerichts für die Provinz Oberhessen. Zum Vorsitzenden ist Landgerichtsrat ere.

ankverkehr. einer anntmachung im An⸗

eil der vorliegenden Nummer sind am Samstag vor Pfng⸗

ö(22. Mat) die Geschäftsräume der Mitteldeutschen

Creditbank und der Bank für Handel und Industrie für jeden Verkehr geschlossen.

Verkauf von aus rangierten Militärpferden. Samstag, den 22. Mai, vormittags 11 Uhr, werden in dem Hose der Dragonerkaserne Nr. 24 zu Darmstadt eine Anzahl aus- rangierte Militärpferde versteigert. Zur Versteigerung werden nur Landwirte zugelassen, die sich verpflichten, die Pferde in ihrem Betriebe zu verwenden und sie während der Kriegszeit 1 Die Versteigerung erfolgt nur gegen Bar⸗ zahlung. f

Herd def

J die Waldwege so trocken wie selten werden lassen. Dudur

Kreis Alsfeld. Elpenrod, 19. Mai. Der Mangel an Niederschlägen hat 5 wurde das Wegfahren der Holzvorräte sehr erleichtert. Die Landleute benutzten diese Gelegenheit so fleißig, daß fast alles er⸗ steigerte Holz und Losholz heimgebracht werden konnte. Trotz des Weltkrieges sind in diesem Jahre die Leute mit den Holzarbeiten früher fertig als in den Friedensjahren. Gerade in diesem Zweige hat auch die Nächstenhilfe tätig eingegriffen.

Ruppertenrod, 18. Mai. Gestern hatte man Gelegen⸗ heit, wieder einmal ein Zeppelin⸗Luftschiff zu beobachten. Es kam aus der Richtung Südwest und flog nach Norden. Fast um dieselbe Zeit überflog im vorigen Jahre ein Zeppelin unsere Gemarkung. Dem Unterseeboots⸗Obermatrosen Karl Kratz von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

] Aus dem vorderen Vogelsberg, 19. Mai. Die Obstbäume haben bis auf die Aepfel, die jetzt in reichem Blütenflor stehen, abgeblüht. Die Blütezeit ist sehr günstig gewesen. Kirschen, Pflaumen und Birnen haben so reichlich angesetzt, daß eine gesegnete Obsternte in Aussicht steht. Maikäfer treten nur ganz vereinzelt auf. Das Obst ist bisher auch von Insektenschaden bewahrt geblieben. Stellenweise sind früh aufgegangene Bohnen und Kartoffeln allerdings den Eisnächten zum Opfer gefallen.

Kreis Schotten. Schotten, 20. Mai. Am diesjährigen dritten Pfingst feiertag findet der seit 25 Jahren bestehende Bullen⸗, Rind⸗ vieh⸗ und Schweinemarkt dahier statt. Die mit diesem Markt seither verbundene Prämiierung und Verlosung, sowie auch die sonstigen Veranstaltungen mußten leider wegen des Krieges in Wegfall kommen. Es ist jedoch zu erwarten, daß der frühere rege Handelsverkehr, insbesondere am Bullen⸗ und Schweinemarkt, sich erhalten und bei den zurzeit bestehenden hohen Preisen ein lebhaftes Geschäft entwickeln wird.

Hessen-Nassau.

Hersfeld a. d. Fulda, 19. Mai. Auf dem Kalibergwerk Alexandershall a. d. Werra wurde gestern der verheiratete vierzigjährige Bergarbeiter Gründler bei der Vornahme von Sprengarbeiten durch einen zu früh abgeseuerten Sprengschuß getötet.

O Aus Nassau, 19. Mai. Flugzeugführer Offizierstell⸗ vertreter Georg Seel ⸗Nastätten, der bereits die lech Tapferkeitsmedaille besitzt, wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Vermischtes.

Die Typhusgeißel in Serbien. Unter dem Titel Die schreckliche Wahrheit über Serbien hat die englische Rote Kreuz⸗Gesellschaft soeben eine Broschüre von Sir Thomas Lipton veröffentlicht, in der die Verheerungen durch den Typhus in Serbien in düsteren Farben geschildert werden. Pocken und Scharlach wirken dabei mit, Tausende in allen Altersstufen dahinzuraffen. In Nish, wo die normale Bevölkerung von 20 000 auf über 100 000 gestiegen ist, sind Tausende von Typhuserkrankungen; durchschnittlich 140 Todesfälle den Tag, aber an einem einzigen Tage starben 300 Menschen. Die Kirchhöfe können nicht alle die Toten aufnehmen. Typhus⸗Wagen, von Ochsen gezogen, rattern durch die Straßen, Menschen bergend, die in Fieber und Delirium rasen. In den Ho⸗ spitälern sieht man gar keine Frauen; man fürchtet, daß sie aus Mangel an ärztlicher Hilfe in ihren Heimen sterben. Der Ver⸗ fasser gibt weitere Einzelheiten von den entsetzlichen Dingen, die er gesehen und von der Abhilfe, die er während seines Aufenthaltes in Serbien schuf und schließt mit einem Aufruf zur Hilfe, damit noch größere Anstrengungen gemacht werden können, dem serbischen Elend zu steuern.

Märkte.

ch. Bingen, 19. Mai. Marktpreise. Weizen Mk. 00,00, Korn Mk. 00,00, Gerste Mk. 00,00, Hafer Mk. 00,00, Heu Mk. 0,00, Stroh Mk. 0,00, Kartoffeln Mk. 10,50, Erbsen Mk. 00,00, Linsen Mk. 00,00, Bohnen Mk. 00,00, Weißmehl Mk. 45,50, Roggenmehl Mk. 35,00; alles für 100 Klgr. Butter 1 Klgr. Mk. 2,90, Milch 1 Liter 22 Pfg., Eier 10 Stück Mk. 1.10.

, Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

i 2 22 Mai Ee 8 S 3 2 3 S. S S S e Wettes SS 2 2 ss 1915 f 58[SS 5 f 8 88 8 8& 8 F 19. 2% 745,3 17,5 111 74 ENE 2 9 Bew. Himmel 19. b 747,4 16,0 11,4 90 N 2 10 Bed. 20.7% 748,8 14,4 10,9 89 N 2 10. N

Höchste Temperatur am 18. bis 19. Mai 1915= 17,6 C.

Niedrigste 18. 19. 1915 10,8 Niederschlag: 0% wm. 8 12 22

Das nördliche Hochdruckgebiet hat sich weiter verstärkt und seinen Einfluß weiter nach dem Festlande hin ausgedehnt, so daß wir mit allmählicher Abnahme der Bewölkung zu rechnen haben, zumal das mitteleuropäische Tiesdruckgebiet weiter nach Südosten hin abgerückt ist.

Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 21. Mai 1015: Abnehmende Bewölkung, trocken, mild, nordöstliche Winde.

s Bekanntmachung.

Die am 1. Mai l. Is. verfügte Sperrung der Kreisstraße Gießen Rodheim wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 18. Mai 1915.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger.

CVVT

eetzte Nachrichten. Vor der italienischen Kriegserklärung.

i. Köln, 20. Mai. LautKöln. Ztg. berichtet die ZüricherPost aus Rom: In gutunterrichteten Kreisen erwartet man die Kriegserklärung Italiens an die Zentralmächte für den 22. Mai. Italienischen Mel⸗ dungen zufolge wird das Turiner Volkshaus von Truppen besetzt gehalten. Kundgebungen dürfen auf Be⸗ fehl des Militärkommandanten nur außerhalb der Stadt stattfinden. DerAvanti bezeichnet die patriotische Ein⸗ tracht und die nationale Einigkeit als eine alberne Phrase. Der Erfolg des Vorgehens gegen den inneren Feind in Turin sei befriedigend. Daß die Kriegsbegeisterung aber in Italien auch heute noch nichts weniger als einheit⸗ lich sei, das beweise die Tatsache, daß immer noch zahl⸗ reiche Zusammenstöße zwischen Soldaten und Interventio⸗ nisten stattfänden.

Kundgebung gegen den Krieg. 15 Chiasso, 20. Mai. Eine gestern im Stadthause vom Bürgermeister von Mailand einberufene Versamm⸗ lung von Vertretern der städtischen Körperschaften, 2 tätigkeitsanstalten, Krankenhäusern und Unterstützungs⸗ a kassen der Arbeiterkammer usw. zur Beratung der Maßnah⸗ men für die Organisation des öffentlichen Dienstes im. Kriegsfalle erklärte sich einmütig und energisch gegen f den Krieg und beschloß, ein Telegramm der Sol

und Aufmunterung an die sozialistische e 7 zu senden, auszuharren im Kampfe wider die Kriegsgefahr.

Italien und Rumänien.

i. Köln, 20. Mai. DieKöln. Ztg. berichtet von der schweizerischen Grenze: DerSecolo meldet aus Buarest: In hiesigen politischen Kreisen verlautet, Italien hube die rmi⸗- nische Regierung merken lassen, daß ihre Winkelzuge ge⸗ fährlich seien. Italien erachte sich an keine seiner früheren Verpflichtungen gegen Rumänien mehr gebunden, wenn dieses nicht in dem vereinbarten Augenblickswar⸗ 4 schiere. 5 8

Die Stimmung in Frankreich. 2 Basel, 20. Mai. DieNeue Zürcher Zeitung veröffent⸗ licht einen sehr interessanten Bericht aus St. Germain über die 15 Stimmung in der französischen Armee. U. a. heißt es da, was 153 Italien anbelangt: Zu was es sich auch jetzt immer entschließen 1 möge, so ist sein woralischer Kredit stark gesunken und die Offtziere meinen sogar, daß es wünschenswerter wäre, wenn 19 es sich ruhig verhielte, da man ihm sonst Verstürkungen schicken mitßte. 1 Die 200000 Mann starke Lyoner Armee würde dazu bestimmt semn. Von Rußland erwarte man nichts mehr. Von 1 land höre man sagen, daß es nicht alles tue, was es tim sollte. Die Stimmung der französischen Soldaten sei aber gut. Sie zählten auf eine Kriegsentschädigung, die jedem dauernde Positio⸗ nen sichere. Niemand scheint fürderhin noch arbeiten zu 5 daher fürchte man fast mehr die Folgen des Krieges, als den Krieg selbst. Im übrigen nehme in der Bevölkerung seit Ende April die n 5 92 ne 1 biete ein völlig falsches von öffentlichen nd. werde lebbußt krat⸗ 55 1 i

Die Expedition gegen die Dardanellen siert, da sie die Kräfte zersplittere. 1 Die englische Ministerkrise.

. 20. e 55 8620 5 Pall Mall Gazette teilt amtlich mit, or Frischers Abschiedsgesuch genehmigt worden ist. Das Ka- binett tritt zurück. Asquith bildet ein liberal⸗kouservatwes Koalitions-Ministerium mit Einschluß der Arbeiterfichrer. 7

Die Rekrutierungsnot in England. 9

Amsterdam, 20. Mai.Drily Chromäiche schreibt wiederum über die Rekrutierungsnot, da jetzt im Frühjahr und Sommer die Verluste das Zwanzig⸗ und Drei⸗ ßigfache des Winterfeldzuges betragen. Dazu kämen noch die schweren Opfer bei der Fortführung der llen⸗ aktion. Mit mehreren Millionen Mann unter den Waffen dürfe man aber nicht mehr jeden körperlich brauchbaren Mann einstellen, wolle man nicht die Landwirtschaft und Industrie sowie die Herstellung von Kriegsmaterial a gefährden.Daily Chronicle erwartet von dem 139 kühlen Kopf Asquiths eine Lösung dieser Frage von Tod und Leben für England, denn es gehörten ungeheure Macht⸗ mittel dazu, um die Deutschen aus Frankreich zu treiben und die deutschen Armeen in Belgien zu 1 8 (Von dem früheren Kriegsziel, der Unterzeichnung des Frie⸗ dens in Berlin, scheint also das liberale Parteiblatt jetzt schon abgesehen zu haben. D. Red.) d 0 Sie erleben Wunder be vieten ban

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