Ausgabe 
(15.5.1915) 113. Zweites Blatt
Seite
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DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Wie stark ist Italien?

Während Deutschland und Oesterreich-Ungarn bei Be des Krieges ihre Rüstung in wenigen Tagen in den

ampfzustand bringen mußten, hatte Italien Wochen und Monate geit, die gepanzerte Faust herzustellen, mit der es jetzt auf den Tisch der diplomatischen Verhandlungen schlägt. Welche Bedeutung hat zur Stunde Italien als Mili tärmacht? Die Zahlen, die während des Tripoliskrieges genannt wurden, darf man einer heutigen Betrachtung nicht zugrunde legen, wie das vielfach geschieht. Es hat sich seitdem manches geändert. Der italienische Kriegsminister Generalleutnant Zupelli verstand es zweifellos, die Gunst der bisheri Neutralität des Landes auszunutzen, um den Umfang und die innere Stärke der italienischen Wehrmacht zu vergrößern. In seiner umgestaltenden Tätigkeit ordnete er sich freiwillig dem Generalstabschef General Cadorna unter, weil er in diesem den Höchstkommandierenden des etwaigen Krieges sieht. Das Hauptziel des Ausbaues bestand in einer Steigerung der Heeresstärken. Das italienische Wehrgesetz kennt drei Aufgebote. Für das erste und zweite Aufgebot besteht achtjährige Dienstpflicht(das erste ist im allgemeinen zwei Jahre aktiv) im stehenden Heere, vier jährige Dienstpflicht in der Mobilmiliz und siebenjährige in der Territorialmiliz. Das dritte Aufgebot steht während der 19jährigen Wehrpflicht(vom vollendeten 20. Lebensjahr ab) in den Listen der Territorialmiliz. Das zweite Aufgebot kann im ganzen nur bis zu sechs Monaten zum aktiven Friedensdienst herangezogen werden. Die Zuteilung zum zweiten und dritten Aufgebot erfolgt auf Grund von Fa milienrücksichten.

Unter den Fahnen stehen jetzt 12 Armeekorps und drei Kavalleriedivisionen in der Gesamtstärke von etwa 650000 Mann. Wird der Krieg erklärt, so kommen sofort hinzu 12 Divisionen und Spezialtruppen in der Stärke von 250000 Mann, sowie 450 000 Mann Landwehr. Die Armee ist in vier Armeekommandos eingeteilt: Rom, Florenz, Mailand und Neapel. Jedem Armeekommando sind drei Armeekorps unterstellt. Neben diesen zwölf Armeekorps mit 25 Divisio nen stehen die genannten drei Kavalleriedivisionen(Mai- land, Udine, Vicenca) im Bereiche des 3., 5. und 6. Armee korps. Besondere Aufmerksamteit hat man diesmal der Ausbildung der Reserveoffiziere zugewandt. Es sind mit Beginn des Frühjahrs etwa 7000 einberufen worden. Eine Reihe von Verordnungen hat hier die früheren Verhältnisse zu verbessern gesucht. Die Feldartillerie, die Krupp⸗ ches Rohrrücklaufgeschütz mit Schutzschild und daneben ein neues Deéport⸗Geschütz führt, ist verbessert; sie hat jetzt in jeder Batterie vier Geschütze. Jedes Armeekorps besitzt jetzt nicht mehr 16, sondern 24 Batterien. Die schwere Ar- tillerie mit ihrer Kruppschen Rohrrücklauf-Feldhaubitze,

iber 14,9 em, ist vermehrt, ebenso die Gebirgsartil- ler ie, die jetzt aus 46 Batterien besteht und ein 6,5 em- kalibriges Rohrrücklaufgeschütz führt. Die Luftschiffer⸗ waffe ist vollständig neu organisiert worden. Unter Auf lösung des bisherigen Spezialistenbataillons und des Flie⸗ gerbataillons sind die Luftschiffer und Flieger zwei Trup penkommandos unterstellt und bilden je ein Luftschiffer und Lenkluftschifferbataillon mit beigegebener Wertstatt⸗ abteilung und ein Fliegerbataillon; letzteres verfügt über Flugzeuggeschwader und ein Schulbataillon.

Die italienische Flotte hat zurzeit ungefähr folgende Stärke: 16 Linienschiffe(auch der Dreadnoughttyp ist ver treten), 10 Panzerkreuzer, 14 geschützte Kreuzer, 4 Ka⸗ nonenboote, 36 Torpedobootszerstörer, 63 Hochsee-Torpedo boote, 20 Unterseeboote, Schul- und Spezialschiffe, hierzu 5 Hilfskreuzer.

Dies alles sind natürlich nur Zahlen und Schätzungs⸗ werte, wie sie bei jedem drohenden Kriege aufgestellt wer den. Wirklichen Wert hat nur der Erfolg und das Zeugnis der Geschichte. In der Vergangenheit ist die italienische 3 meist sehr wenig imponierend hervorgetreten; die Mißerfolge überwiegen bei weitem die Siege.

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Samstag, 15. Mai 105

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. 2 R. Lange, Gießen. 7

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗ leitung: 812. Adresse für Drahtnachrichten⸗ f

Anzeiger Gießen.

Der Rücktritt des Kabinetts Salandras.

Wien, 14. Mai.(WT Nichtamtlich.) Zum Rücktritt Sa⸗ landras schreibt dasNeue Wiener Abendblatt: Das Mi⸗ nisterium zog die Konsequenzen aus der selbst geschaffenen Zwangs⸗ lage. Der Rücktritt scheint die Möglichkeit einer freundschaftlichen Auseinandersetung mit Italien auf dem Wege von Zugeständ nissen zu verstärken. Tie öffentliche Meinung Oesterrcich-Ungarns bringt der Werte der Friedenserhaltung und den Notwendigkeitcee der Lage volles Verständnis entgegen.

DieNeue Freie Presse sagt: Die Demission darf als ein Zeichen für die Erstarkung der Friedenskräfte in Italien gelten. Die Entente wird noch jetzt alle Hebel in Bewegung seten, um Italien in ihr Lager hinüberzuziehen. Wir hoffen jedoch, daß dies nicht gelingen und die äußerst wichtigen Entscheidungen der nächsten Tage den Glauben an eine friedliche Lösung nicht er schüttern werden. In ähnlichem Sinne schreiben auch die übri gen Blätter. 5.

Kundgebungen in Rom.

Rom, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Anläßlich der Ankunft d'Annunzios hatte sich eine mehrtausend köpfige Menge auf dem Bahnhof versammelt. Die Via Ca vour, wo die Wohnung Giolittis liegt, war zwar abgesperrt, allein die Demonstranten gelangten, die aufgestellten Trup pen durchbrechend, vor das Haus Giolittis und ver anstalteten eine lär mende Demonstration. Um die Menge zu zerstreuen, wurde Kavallerie herbeigerufen, die, gegen die Demonstranten losstürmend, von diesen umringt und bejubelt wurde. Die Polizeioffiziere grüßten mit ge zogenem Säbel. Vor dem Hotel Regina, wo d' Annunziod ab gestiegen war und von dessen Balton aus er zur Menge sprach und nach Aussage von Teilnehmern etwa 7000 Per- sonen versammelt waren, scheint kein besonderer Zwischen fall vorgekommen zu sein. Auf dem Wege nach der Wohnung Salandras, wo sich den Demonstranten ebenfalls ver gebens Truppen entgegenstellten, verwundete einer der De monstranten einen Polizeiagenten. Dagegen gelang es der Menge nicht, den Weg nach dem Quirinal zu erzwingen Auf den Wegen nach der Piazza Venezia, wo die öster⸗ reichische Botschaft beim Vatikan liegt, kam es zu Aus⸗ schreitungen von Studenten und anderen jugendlichen Ele menten. Aber auch hier war es den Demonstranten nicht möglich, ihr Ziel zu erreichen. Die Piazza Colonna war bis Mitternacht abgesperrt. In der Umgebung der Villa Malta waren starke Kavallerieabteilungen aufgestellt, um Demonstrationen gegen das Palais des Fürsten Bülow zu verhindern, der übrigens, wie die Zeitungen hervor heben, seine gewohnten Besuche, Ausfahrten und Spazier gänge fortsetzt.

Aus verschiedenen Städten Ober-, Mittel- und Unter- Italiens werden ähnliche Demonstrationen gemeldet. Dem neuen russischen Botschafter v. Giers wurden bei seinem Eintreffen begeisterte Kundgebungen bereitet. Die inter- ventionistische Presse begrüßte Giers mit enthusiastischen Leitartikel.

Rom, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.)Agenzia Stefani meldet: Am Vormittag versammelten sich einige Hundert inter⸗ ventionistischgesinnte Studenten in der Universität. Sie begaben sich nach der Piazza di Monte Citorio, drangen in. den Vorsaal der Kammer ein, zertrümmerten die Scheiben und stießen die Fenster der Vorderseite ein. Den anwesenden Abgeordneten und den Dienern der Kammer gelang es, den Vor- saal von den Demonstranten zu säubern, worauf diese sich ent⸗ fernten. Insolge dieser Vorfälle wurde der Polizeikommis sar, dem die Bewachung des Palastes der Kammer obliegt, auf Weisung des Ministers des Innern seines Amtes ent- hoben. Sein Dienst wird von dem Quästor persönlich über⸗ nommen werden.

Von unserm Kriegsberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Ein kleiner Krupp an der Front. g Großes Hauptquartier, 9. Mai. Eine endlos lange Ziegelmauer, hinter der man ein paar Fabrik- oder Werkstättengebäude mit Glasdächern sieht. Dann ein hohes, eisernes Tor, mit einem weißen Holztäfelchen W. d. B.-A.

Eine Kunst⸗Ausstellung in Darmstadt.

In der Halle des Kunstvereins sind zurzeit eine Reihe inter

Bilder von bekannten hessischen Künstlern, Mitgliedern des nstvereins und der Künstlerkolonie, ausgestellt, die in ihrer Ge⸗ samtheit ein vielseitiges und anziehendes Bild unserer heimischen Kunst gewähren und Anspruch darauf haben, auch in der ernsten 1 Zeit Beachtung zu finden!

Georg Altheim ist mit einer Anzahl Landschaften vertreten, bei denen es dem Künstler wohl weniger darauf ankam, kolo⸗ ristische Probleme zu lösen, technisch Neues zu bieten, als vielmehr den Stimmungsgehalt eines Naturbildes zu erschöpfen und dem Beschauer zu vermitteln! Guter Geschmack und ein nicht alltäg⸗ liches Können sind seinen Werken eigen, wenn sie auch nicht durch⸗ weg zu fesseln vermögen. So ist z. BKarlshof sauber, aber ohne besonderes malerisches Interesse, besser gelungen istBirken⸗ hang im Frühling. Aus ihm spricht ein feines Empfinden für Lichtwirkungen und ein scharfes Beobachten interessanter Beleuch- tungsefsekte. Die zarten, duftigen, hellblauen, grünen und braunen Töne stimmen gut zueinander, die Farbengebung ist breitstrichig, ruhig. Aehnlich wirktMarienhöhe. Hier sind die koloristischen Mittel nur sparsam verwendet; das verschwommene Grau und Blau des 8 gesehenen Bildes gibt die Stimmung eines trüben Abends wirksam wieder! Ganz auf Erfassung des Typus eines Ortsbildes kommt es inOberhessische Landschaft an. Diese ist sauber, mit bewährten Mitteln gearbeitet, und bietet eine gute ühn da ie 17 5 freil ist voll fein erfa

etreue Wiedergabe der ebenen, ruhigen Flächen, 85 viel Persönlichkeit zu spüren wäre! F ener t, in dunklem, etwas schwerem Blaugrün er Stimmung. Sehr anziehend ist auchWinter. Die Fe alen mit dem wirkungsvollen Kontrast von Land und Himmel gefallen ungemein. Mit einer Reihe verschiedenartiger Bilder sind Professor Beyer und Frau Anna Beyer vertreten! Der lustigeDra⸗ goner ist bekannt; das Bild wirkt fast zu groß und massig für den anspruchslosen Vorwurf.Geburtstagsmorgen ist ein modern angefaßtes Bild, mit sicherem Blick für den Rhythmus der be⸗ wegten und geschlossenen Linie gemalt, so daß die plastisch kom⸗ zonierte Figur sich gut aus dem Hintergrund hervorhebt. Hübsch sind die Blumen in der Ecke des Bildes lt. DasBildnis ist 8 1 als dasPorträt S. K. 85 des Großherzogs, das

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i läßt. Im ersten Bild 7 f. ab de al lisch und flott

gefällt jedoch die Tonwertung, die frei te Wiedergabe des Gesichtsausdrucks,

wirkt. Aehnliche Vorzüge hat dasDamen-

frei ist, aber doch die persönliche Note ver- S

bildnis. Anna Beyer schließt sich mit einigen hübschen Blumen- bildern an, von denenRittersporn besonders zu nennen ist. Ihr Bodensee ist als gut gezeichnete Landschaft ja nicht übel, aber doch ohne weiteres Interesse; den Stimmungsgehalt des Vorwurfs zu erschöpfen, ist nicht geglückt.. f Wertvolles bietet E. Eimer, dessen Bilder starke Qualitäten besitzen und interessante Probleme behandeln.Kuhgespann und Bauernhof sind plastisch gestaltet, die Figuren gut in den Raum komponiert, die Linienführung kräftig und die Farben frisch. Dasselbe läßt sich auch vonIm Sonnenschein sagen, wo die hübsche Charakteristik der drei Kinder auffällt. Eigenartige Manier verratenGewittersturm undBäume im Wind, die pastos ge malt sind und aus viereckigen Farbentupfen zusammengesetzt wur den, was zuerst verblüfft, dann aber entschieden interessant er scheint und zu guten künstlerischen Resultaten führt. Nur der Himmel wirkt zu unlebendig und kalt. Sehr nette Blätter, im Stil der alten, einst so beliebten Münchener Bilderbogen, sindWinter und Frühling,Vorstellung,Begegnung undWeihnachts- mann. Sauber gezeichnete, treffsichere, lustige Sachen! Kleinere, hübsche, farbige Blätter stellt auch Professor Hart mann aus; besonders zu nennen sind die zwei Linoleumschnitte Zypressen in Schwarz-weiß und das köstliche, farbigeSchuh macher und Poet, das eine scharfe Charakterisierungskunst verrät. Professor HoelschersBauer im Fenster undJunge mit Kanne haben als Hauptreiz das Koloristische mit seinen leuch⸗ tenden, satten Tönen, wenn auch Zeichnung und Gruppierung flott und gewandt sind! Ganz auf koloristische Wirkungen sind seine Stilleben gestellt,Kanne, Licht und Aepfel undJapanische Puppen mit der hübschen Kontrastierung der bunten leider zu dem einfarbigen satt-violetten Hintergrund.Mädchenbildnis ver- rät viel Persönlichkeit. 7 a g Eine glückliche Hand in Wiedergabe des Individuellen zeigen auch die Porträts von Professor Illner, von denen neben den großen Bildern des Fürsten und der Fürstin von Solms-Hohen⸗ solms⸗Lich besonders das reizende Köpfchen des kleinen Mädels in Mantel und Muff und der frische kleine Junge im grünem Kittel zu nennen sind. Das sind realistisch gesehene und flott wiedergegebene Köpfe. l g Fein gemalteAstern stellt Auguste Kichler aus. Mit mehreren La⸗zschaften ist Professor H. K. Kröh vertreten.Wild⸗ park hat gu? durchgeführte Perspektive und eine schön beobachtete timmung. Man sehe nur, wie hübsch die hellen Sonnenflecke aufgesetzt sind, wie scharf sie zu den dunklen, farbensatten Bäumen

Otzberg besitzen Vorzüge ähnlicher Art. InOdenwald beiNie

kontrastieren! AuchRabenstein,Judenteich undMotiv am H

Nr.... Niemand kann ahnen, was dahinter steckt. Erst als sich das Tor öffnet, sieht man einen deutschen Posten, der die Aus⸗ weise jedes Eintretenden prüft. Ein weiter, leerer Hof. Dann be⸗ treten wir die Haupthalle, aus der uns Hämmern und Maschinen⸗ gedröhn entgegenklingt. Ein überraschender Anblick: Zwischen

Werkzeugmaschinen stehen in langen Reihen Geschütze, große deutsche Belagerungsmörser, kleine behende Feldkanonen, englische Schiffs⸗ rohre, schwere französische Kaliber und wie Zwerge zwischen den großen Brüdern die Minenwerser in ihren wechselnden Gestalten.

Wir sind hier in derWerkstatt der Belagerungsartillerie Nr...., von den Soldaten kurzweg das Ka enlazarett ge⸗ nannt. Hierher kommen die Geschütze, die an der Front krank ges worden oder verwundet sind, um in sachverständiger Pflege binnen kurzem zu genesen oder als gänzlich Invalide nach der Heimat zurücktransportiert zu werden.

Ganz nahe der damals noch heißumstrittenen, heute von uns undurchdringlich fest abgeschlossenen Front wurde anfangs Oktober eine Maschinenkonstruktionswerkstätte von uns dazu eingerichtet, mit möglichst geringem Zeitverluste die im Kampfe beschädigten Geschütze, soweit das hier draußen möglich ist, wieder in setzen. Das nötige Material war in Masse vorhanden. Die bindungen nach der vordersten Linie ließen nichts zu wünschen übrig. So fanden die 53 Arbeiter, die aus Spandau hier als Soldaten eingekleidet einrückten, günstige Vorb

edingungen. In⸗ zwischen sind es ihrer 250 geworden und über Mangel au Arbeit können sie alle nicht klagen, denn sehr bald ist der Betrieb dazu übergegangen, außer den notwendigen Reparaturen auch die selb⸗ ständige Anfertigung von allerhand Kriegsbedarf zu übernehmen. Wir wenden uns zuerst der Kauonenhalle als dem eigentlichen Grundstocke des Betriebes zu. Hier sesseln selbstredend am meisten die in der Schlacht verletzten Geschütze. Unwillkürlich sagt man sich: Wenn schon die ehernen Maschinen durch das feindl. Granatfeuer so mitgenommen worden sind, wie mag es dann erst den Behienungs⸗ mannschaften ergangen sein. Aber das ist ein Trugschluß. ar nicht selten ist das Geschütz fürchterlich zugerichtet, seine Kanoniere aber sind merlwürdigerweise unversehrt geblieben. Ich sah mehrere solcher Fälle. So hat einmal ein Volltreffer einen Protzkasten von vorn nach hinten durchquert. Ec hat dabei sogar den Deckel der Protze, auf welchem zwei Kauoniere saßen, genau in der Mitte seiner ganzen Länge nach aufgeschlitzt. Aber von den Leuten ist niemand verletzt worden und das feindliche Geschoß hat, trotzdem die Protze mit Munition gefüllt war, glücklicherweise nicht gezün⸗ det, sondern ist weiter gefahren, um als Blindgänger in einem Acker stecken zu bleiben. Einem schweren Belagerungsmörser hat ein Voll⸗ treffer die stählerne Achse, rechtwinklig eingelnickt, so daß das Ge⸗ schütz bewegungsunfähig wurde. Aber auch hier ist niemand verletzt worden. Einer der merkwürdigsten Fälle aber, die man sich denken kann, ist die zweifache Beschädigung einer Feldhaubitze. Sie fam vor kurzem in die Werkstatt, weil ihr Schutzschild auf der rechten Seite von einer Granate durchschlagen worden war. Man setzte einen kräftigen Rüster auf das Loch und das Geschütz lehrte zur Front zurück. Aber schon sehr kurze Zeit danach kam es zum zwei⸗ ten Male imKanonenlazarett an. Diesmal hatten Granat⸗ splitter den Schutzschild genau an derselben Stelle zerlöchert und zerfetzt. Beide Male aber war niemand von den Kanonieren ver⸗ wundet worden. 3 Sehr häufig sind die Beschädigungen der Holzteile der Ge⸗ schütze, namentlich der Räder. Diese werden daher von demHolz⸗ arbeitergewerk der Werkstatt in den nötigen Größen auf Vorrat gearbeitet und können im Bedarfsfalle schon an Ort und Stelle erneuert werden. Zur Herstellung der Speichen wird wunder⸗ schönes Eichenholz verwendet, welches eine kleine Geschichte hat. Es stammt von einem großen Lagerplatze und war vor dem Einzuge der Deutschen von den Bäckermeistern der Stadt in aller Heimlichteit abgeholt worden, um als Brennholz zerklei⸗ nert zu werden. Dazu wäre das lostbare Material doch zu

22 7 132 f. Für Rheumatiker und Neuralgieleidende. Kann seit langen Jahren zum eren Male 9 wieder gehen. 1 Herr Heinrich, München, schreibt:Da ich schon seit mehreren Jahren fürchterliche Schmerzen in meinem dente hatte und alle ärztliche Hilse, die ich bis jeh gebrauchte, vergebens war, wandte ich mich nom in meiner Verzweiflung an Togal⸗Tabletten. Nach dem Gebrauch von ca. 3 Tagen waren die Schmerzen vollständig weg und seit g Wochen empfinde ich nicht den geringsten Schmerz und kann jetzt wieder lausen, während ich früber nicht mebr wußte, wie ich vom Platze kommen sollte. Aehnliche Erfahrungen und noch überraschenderce Erfolge erzielten viele andexe, welche Togal nicht nur bei hheumatis⸗ 1 mus, sondern auch bei Kopsschmerzen, Hexenschuß, Ischtas, Schmersen in den Gelenken sowie bei Influenza gebrauchten. Togal löst die Harnsäure, das verbeerende Selbstgist, wodurch ebenso rasche wie anhaltende Erfolge erzielt werden. Alle Apotheken führen Tagal⸗ Tabletten. Ne Acid. acet. salje. Chinin Mig Ii. 1

der⸗Kainsbach gefällt wieder das helle zerstreute Licht, der Landschaft liegt und gut zu dem satten Grün klingt. 8 Auch Johannes Lippmann bietet Gutes! Vor allemRast beim Pflügen sei erwähnt. Die gut gesehenen Figuren sind wir⸗ kungsvoll aus dem Hintergrund heraus modelliert, dessen hell-leuch⸗ tende Farben zu dem kräftigen Ton der Staffage passen. Seig technisch ausdrucksfähiges Talent bezeugen auchGärtner unterm Apfelbaum(mit schöͤnem Inkarnat der Figur!) undBauer, 8 1 7 tränkend, eine lebendige Bildnisstudie, gut in Ton und Strich. Professor Oßwald stellt vor allem Winterbilder aus. Der Schnee, der äußerst sorgfältig in leuchtendem Blau-Weiß gemalt ist, bietet in den verschiedenen Tonwerten Interessantes. Sehr schön und lebendig wirkt auch die Luftbehandlung inBuchen⸗ wald. Eine reizvolle, koloristische Arbeit ist fernerEinfahrt im Schnee Wie ein Rahmen wölben sich die feinstrichigen Bäume um das helle Licht des erleuchteten Hauses im Mittelpunkt und ergeben eine nicht uninteressante, wenn auch vielleicht etwas ge⸗ zierte Komposition. Das Gleiche gilt von dasGrüne Tor; bei Birken im Schnee ist die Zusammensetzung der Bäume aus, einzelnen pastosen Farbtupfen beachtenswert! 0 WeinheimersRömische Landschaft in den schweren Tönen ist etwas unlebendig, vielleicht auch zu gesucht in den ver⸗ schiedenen Abstufungen von Grün. Reizvoller mutetMainland⸗ schaft an, eine bei trübem, verschwommenem Licht gesehene Natur⸗ stimmung; das zerstreute Licht ist gut wiedergegeben. 1 H. ZerninsMärzschnee hat eine zu unruhige Komposi⸗ tion; die langen Baumstämme zerschneiden die Fläche zu un⸗ günstig, wenn auch Beleuchtung und Perspektive gut sind.Heide⸗ kraut in seinen zarten Tönen wärkt sehr reizvoll; hier ist den landschaftliche Ausschnitt gut getroffen und bildhaft. InHerbst⸗ nebel fesselt der farbliche Kontrast zwischen dem duftigen Nebel und den hellen, leuchtenden Tönen der Bäume. Auch inFels mit Schwarzdorn Peu die liebevolle Behandlung eines Natur- bildes und seine bildhafte Wiedergabe. 7 Den Schluß der Ausstellung macht diePlastik eines un⸗ genannten Künstlers, einen Bogenschützen vorstellend, etwas stark pathetisch, aber eine gut durchgearbeitete Bewegungsstudie. Einige sehr feine künstlerische Handschriften, ebenfalls ohne Namen des Meisters, schließen sich an. Dr. P.

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Auch ein Standpunkt. DemTemps zufolge hat die Societe des auteurs et compositeurs dramatiques alle deutschen, österreichischen und ungarischen Mitglieder, darunter Gerhart Hauptmann, Sudermann und Siegfried Wagner, aus ihren Listen gestrichen.

das über