Ausgabe 
(14.5.1915) 112. Zweites Blatt
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Sweites Blatt

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eien, taglich mit ee des Sonntags.

Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗

fragen erscheinen monatlich zweimal.

105. Jahrgang

Gießener Anzeig

General⸗Anzeiger für Oberhessen

* Kriegsbriefe aus dem westen. Von unserm Kriegsberichterstatter. erctater Nuchdrurk, auch aus hugs tveise, verboten) Was der Herr Abbs sagt.

Großes Hauptquartier, den 10. Mai 1915. Spät abends kam ich in einer nordfranzösischen Kleinstadt an, die ich nicht nennen will, weil sie im Zusammenhange mit meinem später zu schildernden Besuche an der Front steht und weil ich meiner freundlichen Quartierwirtin keine Ungelegenheiten machen 8 dort einmal wieder französische Behörden einziehen. Vor der Stadt, die in den Erinnerungen der alten Mitkämpfer von 1870 eine große Rolle spielt, sah ich nichts mehr. Die Ein- wohner müssen um 8 Uhr ihre Häuser verschließen. Aber da das ganze Nest auf einem alten Römerlager aufgebaut ist und da ein einer meiner Lehrer ein aufschlußreiches Gymnasialprogramm

3 über die Entwicklung moderner Städtebilder auf römischer Grund

lage geschrieben hat, fand ich geraden Weges das Haus, zu dem mich das Quartierbillett der Kommandantur verwies. Es ist auch im 0 anno 1915 nicht unvorteilhaft, über die Anlage mischer Lager sicher Bescheid zu wissen.

Alles lag in tiefem Dunkel und Schweigen. Auf mein erst bescheidenes. dann allmählich den berechtigten, Ansprüchen des deustchen Siegers mehr entsprechendes Sturmläuten geriet zunächst die Nachbarschaft in Exregung, die sich durch halblaut hinter schmalspaltig geöffneten Fensterläden mit ahnungs vollen Negligé hintergründen geführte Gespräche offenbarte. auch über mir ein Fenster. logement.

Endlich öffnete sich) Wer will zu mir?Billet de Warten Sie, man öffnet. Man öffnete, nach sehr geraumer eit, zum mir aus unsichtbarem Hintergrunde verdrießlich mitzu daß ich hier nichts 5 suchen habe, da das Haus für das Stadtkommando belegt sei und man keinen Quartierzeltel] D erhalten habe. Ordnung muß sein. Also ging ich zur Kommandan⸗ tur zurück, wo man mir einen kurz angebundenen, Sergeanten mit- gab, der dem unsichtbaren Hausgeiste mit meh. Entschiedenheit als Sprachgewandtheit klar machte, daß alles in Ordnung sei. Dar⸗ auf wurde ich von einer vermummten, ältlichen Gestalt in ein schönes kleines Zimmer geführt und mit einem mürrischen:Hof⸗ fentlich werden Sie zufrieden sein mir selbst überlassen. Und ich war zufrieden, denn das Bett war güt und sauber, und ich war sehr müde. Schließlich kann man den Leuten nicht böse sein. Wenn ich solchen Besuch aufnehmen müßte, würde ich ihm auch keinen Willkommenkranz über die Türe hängen.

Der Anfang war also wenig versprechend. Aber ich muß mich wohl über die an einen Barbaren zu stellenden Anforderungen gut benommen haben, denn als ich am nächsten Nachmittage am,

Abbs hatte sich eeendlcen ie Und wir r haben doch vom Kriege gesprochen, eigentlich von nichts als dem Kriege

Zuerst kam die große Frage, die niemand beantworten kann, ob der Krieg noch lange dauern werde. Man äußert sich höflich und sagt, da wir den Krieg niche angefangen haben, sei es unser Recht, ihn fortzusetzen, bis der Sieg ganz unser sei. Madame Genevieve wirft spitzig ein:Deutschland kann den Krieg nicht sortsetzen, Denn es muß längst an Hungersnot zugrunde gehen. Woher sie denn das wisse. Sie habe schon lange vor dem Krieg gelesen, daß ein Gelehrter geschrieben habe, Deutschland werde verhungern, wenn England ihm die Zufuhr von der See ab schneide. Deutschland beziehe sein Brot aus den Kolonien.

Ueber geographische Kenntnisse mit Franzosen zu rechten, hat keinen Zweck. Ihre Unkenntnis i bodenlst Ich glaube, daß jeder Volksschüler bei uns die französische Landlarte besser kennt als ein großer Teil der gebildeten französischen Mittelschicht. Ich sollte davon gleich noch eine Probe erleben. Meine Quartier⸗ wirtin bat mich, ihr ganz ehrlich zu sagen, ob der wenige Kilo meter von ihrer Stadt gelegene Ort C. wirklich in deutschen Händen sci. Das sei kürzlich erzählt worden und es beschäftige sie sehr, da sie dort Bekannte habe und zweimal bei ihnen zu Besuch gewesen sei, so daß sie den Ort genau kenne. Ich konnte ihr das wirklich ehrlich bezeugen, denn ich war erst am Tage zuvor dort gewesen.

Aber ich kann das nicht glauben. Eine ganze Division.

Die haben einmal dort gestanden. Am 26. August ist diese Division vernichtet worden, che noch die Deutschen hierher kamen. Haben Sie davon nicht gehört?

Die beiden Damen verneinen sehr entschieden, und Madame Genevieve fragt beinahe spöttisch:Sie wollen also behaupten, daß Deutschland auch mit den Engländern fertig werde? Mit

Dort stehen Engländer.

solchen Truppen, welche die ganze Welt beherrschen und allein

drei Millionen stark sind. O, das werden Sie uns nicht erzählen.

Deutschland hat viele starke Männer, das muß man zugeben. Aber Frankreich und England zusammen haben viel mehr. Und dann alle andern Völker, welche uns helfen!

Vor allem die Russen, fällt meine Wirtin ein.Man sagt, daß die Russen vierzig Mann gegen einen Deutschen sind. Was wollen Sie da machen. Oder wollen Sie das mit den Russen auch bestreiten?

Na, ganz so viele werden es ja wohl nicht sein. Und wenn sie es wären, die Massen entscheiden diesen Krieg weniger als einen, je zuvor.

Aber es steht doch fest, daß die Russen einen großen Teil Deutschlands und ganz Oesterreich-Ungarn bereits besetzt haben. Wollen Sie das leugnen? Daß sie in Wien sind?

Ja das will ich in den Tagen der russischen Niederlage in Westgalizien ziemlich entschieben leugnen. Aber ich finde keinen

Freitag, IA. mai 19¹⁵

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen

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straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S251, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

Wenn es nur

Kirche, die früher uber die Religion 1 W nicht zu spät ist!

Ach, Frankreich brauchte einen König und brauchte einen Glauben, dann säßen wir jetzt nicht so im Unglück. Der Herr Abbe hat es gleich gesagt, damals, als der Krieg begann und noch niemand glaubte, daß ein Deutscher in Frankreich eindringen werde, daß es der Glaube sei, der die Deutschen stark mache.

Und nun begann ein Klagen über die Zustände in Frankreich über die Räuberpolitik der Regierung. über die Vernachlässigung der Volkserziehung, über ungerechte Steuern und andere innere Angelegenheiten, daß es dem Fremden taktvoll erscheinen mußte, die Beteiligung an der Unterhaltung aufzugeben.

Sagen Sie uns noch, fragten mich die Damen noch zum Abschiede,der Herr Abbé meint, Ihr Kaiser sei ein sehr reli⸗ giöser Mann und habe den Frieden gewollt, weil er gute Beziehun⸗ gen mit dem lieben Gott unterhält, Ist er sehr fromm?

Ich will ihnen antworten, jahrstage gesagt hat: Ein Mann mit Gott ist immer in der Ma⸗

jorität! Und deshalb würden wir Deutsche siegen, auch wenn wirk⸗

lich vierzig Feinde gegen einen von uns kämen. Meine Damen waren sehr niedergedrückt. visve, der Herr Abbé weiß in der Welt Be daß ich den Herrn Abbs nicht selbst kennen gelernt habe. Ich ware gern einmal einem perständigen Franzosen in diesem Kriege be⸗ gegnet. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

5 Ziehst d du, Gene⸗ Schabe,

d.

der Seelrieg. 4

London, 12. Mai.(STB. Nichtamtlich.) Der 32500

was uns unser Kaiser am Neu⸗

NN Universitäts Buch- und Steindruckerei. 4 DieSiebener Familienblätter werden dem R. Lange, Gießen.

Tonnen große DampferOueen Wilhelmina aus 1 Sunderland ist bei Amble(Northumberland) von dem⸗

selben Unterseeboot angegriffen worden, das am 8. Mai den DampferDon versenkte. Infolge der Beschießung durch 1 das Unterseeboot ging die Mannschaft in die Boote, worauf der Dampfer durch ein Torpedo versenkt wurde

Das Nachspiel des FallesLusitania

im englischen Unterhaus. 5 8

London, 12. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Unterhaus. 2 18 49 führlichere Meldung.) Lord Charles Beresford fragte: Kann der Premierminister weitere Einzelheiten über den Verlust der

Lusitania angeben? Mit welcher Schnelligkeit sie fuhr, ob sie über Old Head of Kinsale fahren wollte oder nicht, regelmäßig beim Ein⸗ und Auslausen von Schiffen passiert 5 ob dort kein Patrouillendienst stattgefunden hat und welches das nächste Patrouillenschiff war; ob der Premierminister dem Hause versichern könne, daß alle solchen Punkte, an denen ein⸗ und aus⸗

ob Old

eden 0 gehende Schiffe vorbeizukommen pflegen, jetzt entsprechend 22 5 Schreibtische saß und meine Notizen ordnete, klopfte ich an die] Glauben. Das Gespräch wird immer ungemütlicher und zweck-] wacht werden und ob die Admiralität die Wa arnungen, welche den Türe, und eine bejahrte Magd trat ein, um mich zu fragen, ob] loser. Dazu bin ich nicht hierher gekommen, um gegen die Un- nordamerikanischen Passagieren vor ihrer Abfahrt zugegangen

32 Kaffee wach Ich lehnte freundlich ab, erfuhr aber bei der Gelegenheit, daß das Haus nur von zwei Frauen bewohnt sei, der Fed e 5 verwitweten Eigentümerin, die ein paar Tage vor gserklärung ihren einzigen Sohn verloren hatte, und der vierzigjährigen Magd, die schon 22 Jahre in der Familie war. Madame habe nur eine Verwandte, die fünf Jahre älter und die Witwe 7 0 Notars 3 und jeden Nachmittag zu Besuch komme. uch 2 Herr Abbe

Arm 8 Am nächsten Morgen a8 die S schon 5 weit, daß wir uns darüber verständigten, daß der Mai ein 8 Monat und daß das Wetter ziemlich gewitterig sei. Worauf statt des nur mit equilibristischen Künsten zu benutzenden Bambusgestelles einen wirklichen und wahrhaftigen Waschtisch in meinem Zimmer fand. Solchen Aufwand beschloß ich zu belohnen und kaufte meiner 9 einen großen Blumenstrauß, den sie exrötend und mit dem Vorbehalt entgegennahm, daß er die Farben der Trikolore aufweise und eine Hudligung des Frühlings an Frankreich sei. Wenn ich nun nicht ungalanter als der Früh⸗ sein wollte, konnte ich mich einer Einladung zum Kaffee für den Nachmittag nicht entziehen. Niemand werde kommen als die Cousine und vielleicht der Herr Abbe, und man werde nicht über

den Krieg sprechen. * 2 in eine kleine Glasveranda geführt und Madame der weißhaarigen Verwandten, vorgestellt. Der Herr

Kunst, Wissenschaft und Ceben. Das Studium des Russischen in England. Die Times gibt eine beachtenswerte Uebersicht über die Bemühun⸗ en der Engländer, das Studium des Russischen im Lande zu er⸗ 8 da man darin ein gutes Mittel zur Eroberung des rus⸗ sischen Marktes erblickt. An der Unwersität Liverpool gibt es eine besondere Schule für russische Studien, die unter Mitwirkung der Handelskammer begründet ist. Die Fakultät hat einen Professor für russische Geschichte, einen für Ethnographie, einen für Oeko⸗ nomie, einen für Geschichte und Literatur der Westslawen und einen Lektor r wussischen Sprache. Auch in der Handelsschule von Liverpool wird russisch gelehrt; an dem Kursus nehmen heute 28 Studenten teil. Die Universität hat eine russische Bibliothek von über 4000 Bänden und veröffentlicht einerussische Revue, eine Vierteljahrsschrift über russische Geschichte, Politik, Volks⸗ wirtschaft und Literatur, an der bedeutende russische Schriftsteller mitarbeiten. In Oxford besteht schon seit langem ein Lehrstuhl W und die Zahl der Studenten ist in ständigem Wachs⸗ Auch Vorlesungen über das soziale Leben und die politische ge Rußlands werden abgehalten. Im e von Oxford auch in der Bibliotheca Bodleiana sind reiche Samm⸗ lun, n aber außerdem besitzt Oxford noch die gebe 2 von russischer und anderen flawischen Literaturen gland, die im Queen's College von Professor Morfill zu- beine be eien 15 und die fast 10 Bände enthält. Auch Cam- Lehrstuhl für Russisch, und dasselbe gilt für die 5 itäten 3Nottingham und London. Der Londoner Gemeinderat will au etwas dazu beitragen, daß das Studium des 1 in England verbreitet werde, und will russische Kurse den Handel, en und im City of London College eröffnen. Mandaß der Krieg die Zahl der Studierenden, die an den russis n ure teilnehmen, sehr erhöhen wird; es sind Unter⸗ richig kur e für ingen Preis eröffnet worden, daß jedermann . t* nn. Auch die Verl in England wollen das 7 52. durch Herausgabe der russischen Meisterwerke, des neuen Freundes im Lande zu verbessern. Es 1 2 un hinzuzufügen, daß diese ganze Bemühung den aus- weck hat,Rußland von dem dichten Netz deutscher

* von dem es überzogen war, zu befreien.

Das 8 Paris des Krieges. In Paris ist dieser Tage dasTout Paris erschienen, eine Art Adreßbuch der vornehmen Gesellschaft, und in diefem Buch, das sonst wohl mehr als ein Spiegel der Eitelkeiten zu gelten hat, findet diesmal Ernst 15 einen starken Ausdruck. Am Anfang wird ein. e die Namen, die in stärkeren Buchstaben gedruckt 75 ats der Pariser Gesellschaft gehören, die im Kriege Blattert man das Buch 45 so findet man nicht Zelte 7 8 Namen, und auf manchen Seiten

In solch einem, 7 8 2 5 achg ha erden

sieht man sie zu Dutzenden. Am Ende des Buches befindet

belehrbarkeit von zwei alten Damen anzurennen. Jeder Versuch aber, von andern Dingen zu reden, scheitert, denn die zwei haben sich nur auf ihre Ansichten festgebissen. Darum war ich gerade dabei, einen schicklichen Grund zum Abschiede zu finden, als die Dinge eine unerwartete Wendet 3 Madame Genevieve

meinte nämlich:

tes doch auf die Verbündeten reichen tapferen Engländer, die zahlreichen Russen, selbst die Japaner helfen uns. Niemand hilft Deutschland. Sein einziger Bundesgenosse Oesterreich ist von den Russen vernichtet.

Aber, antwortete ich nun etwas ungehalten und ohne die Wirkung meiner Worte zu ahnen, wir haben noch einen Bundes⸗ genossen und der genügt uns. Uns hilft der liebe Gott.

Und plötzlich sind die beiden Damen ganz still. Bis Madame Genevieve betroffen spricht:Was immer der Herr Abbs sagt.

Was sagt denn der Herr Abbe? Sagt er auch, daß uns der liebe Gott hilft? Doch nicht. Aber er sagt, die Deutschen seien so von ihrer guten Sache überzeugt,tellement acharnés, daß jeder einzelne glaube, der liebe Gott sei sein Bundesgenosse. Und vielleicht werde Frankreich den Krieg doch nicht gewinnen, weil Frankreich ein Land ohne Glauben sei und Gott es strafen werde dafür, daß die Regierung die Kirche bekämpft hat.

Und was sagen Sie dazu, meine Damen?

Desto schlimmer für Frankreich, wenn es diesen Krieg verliert. Aber die Clique von Freidenkern und Anarchisten, die Frankreich beherrscht, das ist doch nicht Frankreich. Und jetzt, im Kriege hat der Glauben doch wieder zugenommen, und es gehen viele in die

i

als auffallende und bezeichnende Neuerung ein besonderer 15 schnitt mit der Liste derUnerwünschten, das heißt, von Mit⸗ gliedern der deutschen und österreichisch-ungarischen Kolonien in Paris, deren Namen früher imTout Paris erschienen und die jetzt ausgeschlossen wurden. In dieser Liste findet man manches Auffallende. Zum Beispiel stößt man auf Teutsche, die franzö⸗ sische Frauen heirateten, wirkliche Pariser Frauen, die kaum je in ihrem Leben Paris verlassen haben. Die feindlichen Unter⸗ tanen haben natürlich das Land verlassen oder sie sind interniert worden, und ihre Frauen sind mit ihnen gegangen. In vielen Fällen wissen diese Frauen nichts von Deutschland können nicht ein Wort deutsch sprechen. Es ist überraschend, auch einigen sehr französisch klingenden Namen in der Liste derUnerwünschten zu begegnen; um nur ein Beispiel zu geben, dem des rafen Archambault de Talleyrand-Périgord und der Gräfin geborene von Gontaut-Biron. Die Erklärung dafür ist, daß die Familie der Talleyrand-Périgord einen deutschen Zweig hat, den in Deutschland wohl bekannten Grafen Talleyrand.

Das Geheimnis der Adele Hugo. Vor 5 wurde der Tod der Tochter von Victor Hugo adele gemel die das letzte überlebende Kind des Dichters gewesen war und ein Alter von über 80 Jahren erreicht hatte. Adele Hugo wohnte in Suresnes in einem geräumigen Hause mit einigen Dienern; sie konnte das Leben einer wohlhabenden Frau führen, da sie ein jährliches Einkommen von 100000 Franken aus den Werken ihres Vaters und von seinen Ersparnissen bezog. Die Millionärin war indessen micht in der Lage, die Früchte ihres Reichtums zu genießen, da sich schon in srüher Jugend ihr Verstand verwirrt hatte. Das Abenteuer, in dessen Folge sie so unglücklich wurde, ist noch immer von einem großen Geheimnis umgeben. Adele Hugo wurde plötz⸗ lich aus einem glanzvollen Familienleben und aus der eifrigen Pflege der Kunst, besonders der Musit, für die sie eine reiche Be⸗ gabung zeigte, herausgexissen und zu einem Schattendasein vev⸗ urteilt. So hatte auch sie wie die andern Töchter Victor Hugos ein tragisches Schicksal. Wie das Unglück über sie hereinbrach, wird man vielleicht eines Tages wisseu, wenn das Tagebuch ber- öffentlicht wird, das Adele in ihrer Jugend schrieb. Alle ihres Eindrücke vertraute sie in schnellen und zusammenhanglosen Auf⸗ zeichnungen einem Album an, in dem Mitteilungen über die Tisch⸗ gespräche ihres Vaters, Beobachtungen über ihr Leben und das der andern nebeneinander standen, und es ist anzunehmen, daß auch von ihren Liebesschmerzen darin die Rede ist. Sie schrieb, wie die Annales erzählen, nur für sich, über alles, was ihre Seele erfüllte; ihrTagebuch der Verbannung, wie sie es nannte, wird als eine wichtige Ergänzung des Buches ihrer MutterVictor Hugo von einem Zeugen seines Lebens angesehen. Kurze Zeit nach dem Tode Victor Hugos kam eine Verwandte im sein Haus,

sind, erhielt? Me. g

Schutze derLufitania angesichts der in den Zeitungen erschie⸗

nenen Warnung der deutschen Botschaft getroffen worden wären? Houston fragte Churchill, ob er vor dem 7. Mai gewußt

Master fragte, welche Maßregeln zum

habe. daß 2 Unterseeboote seit einiger Zeit an der Südküste von

Liverpooler DampferCenturion umd, Cand 5 wässern versenkt worden wären; ob er gewu

Lusitania am 7. Mai eintreffen sollte und daß die Admiralität früher Torpedobootszerstörer und andere Schiffe aussandte, um Schiffe, die Pferde aus Amerika für die Regierung gebracht. 1 ten, an der Südküste Irlands in Empfang zu nehmen und sicher zu geleiten, und welche Maßregeln die Admiralität getroffen

Churchill erwiderte, es würde voreilig sein, eine wort zu geben, bevor eine Untersuchung stattgefunden habe, und es sei auch unmöglich, die Vorkehrungen der Flotte für eine Ueber⸗ wachung der Fahrzeuge nach der Küste zu veröffentlichen. Die ver⸗ sügbaren Hilfsquellen, sagte Churchill, erlauben es uns nicht,

um dieLusitania zu schützen und nach Liverpool zu geleiten? 2

1 4

den, Handels- und Passagierschiffen eine Eskorte von 2 8 1

stellen. da täglich durchschnittlich 200 Schiffe ankommen und ab⸗

fahren. Die Admiralität hatte Kenntnis von der deutschen Drohung und den Bewegungen der Unterseeboote. Auf Grund davon hat die Lusitania eine Warnung und Weisung für ihren Kurs erhalten. Sie hat beide Zotschaften erhalten, die

zweite ganz kurz vor dem Angriff. Die Admiralität hat

manchmal Eskorten für Schiffe, die Truppen, Munition und an⸗

um Ausbesserungsarbeiten zu Überwachen, und sie ließ die Papiere verkaufen, die sich im Arbeitszimmer des Dichters befanden. Der Käufer veräußerte diese Papiere einem Händler in London weiter, der so in den Besitz des Tagebuches von Adele kam. Octave Uzanne hatte geglaubt, dieses Tagebuch mit Anmerkungen in Frankreich veröffentlichen zu dürfen; aber die Familie trat* wischen und setzte die Einstampfung des Buches durch. Er ver⸗ fi ert, daß er nur ein Exemplar davon behalten habe, das er geschworen habe, niemanden zu zeigen. Was stand also in diesem Tagebuch, das die Veröffentlichung unmöglich machte? Man weiß es noch nicht; aber es ist wahrscheinlich. daß Adele 2 2

Schlüssel zu ihrem traurigen Lebensroman gegeben hat. man davon weiß, ist, daß Adele eines Tages aus dem entftoh, um einem englischen Offizier zu folgen, der die S Guernesey befehligte. Es heißt, daß sie sich in diesen O verliebt und die Flucht mit ihm verabredet hat, als 2 de der Vater die Eheschließung nicht erlauben wollte. wieder, daß Adele schon geistesgestört war, als sie mit. Ig, der sie keineswegs liebte und dem sie gefolgt war, 8

elbst eine d g von ihren Abfichten hatte. Nach der Lesart wurde le die Frau des Engländers, der sie nach Indien führte, wo er starb; Tatsache ist, daß 1 1872 nach zurückkehrte, aber geistig umnachtet. e Aufklärung des Ge⸗ heimnisses wird erst erfolgen, wenn Tagebuch veröffentlicht rund man nimmt an, daß dies jetzt nach dem Tode der Adele 1 möglich sein wird, ohne daß die Fantilie Ein⸗ spruch erhebt. 7

Die nördlichste Bahn der Welt. Im dieses Jahres ist in Schweden eine Eisenbahnlinie dem 13 übergeben worden, die den Anspruch darauf macht, die nördli KE Bahn der Welt zu sein. Sie geht von Kiruna nach 9 und ist 130 Kilometer lang. Ihr Ausgangspunkt liegt bereits 140 Kilometer nördlich des Polarkreises. Die Bahn dor deren sächlich dem Transport von Eisenerzen nach dem Hafen Narwik, der trotz feiner nördlichen Lage das gane Jahr über eisfrei ist. Die Erzzüge bestehen aus 40 schweren 2 die von zwei Lokomotiven gezogen werden. Da Schweden nicht über l eigene Kohlen, wohl aber über hinreichende Wasserkräfte verfügt. wird die Bahn, wie derPrometheus berichtet, elektrisch betrieben Den Strom liefert ein am Porfusfall errichtetes Kraftwerk, er hat zunächst eine Spannung von 80 000 Volt, die in Unterwerken auß die für die Lokomotiven passende Spannung hexabgesetzt wird. Das Werk rührt von den Siemens-Schuckert⸗Werken her, die es ind Verein mit der Allmänng Svenska E. A. B. hergestellt h Die Bahn ist die bisher stärkste existierende elektrische Vollbahn⸗ anlage. Sie gestattet eine größere Produktion der Eisenerze, am denen Schweden bekanntlich sehr reich ist und aus denen es ia. liche Gewinne zieht.

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Waggons,