—
Verlag, Geschäftsstelled l
Fuß allein 14 O
Veordringens we
dicht auffolgend bis in die Gegend südlich und
.
Gießener Famlllenblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); birischafüiche Selt Land⸗ 0 agen Jernsprech- Wschlaße; für die Schristleitung112
Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer
bis vormittags 9 Uhr.
15
Gießen
PCG R
f 165. Jahrgang
er Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.
Freitag, 14. mal 1015
Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pi.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.
Rücktritt des italienischen Kabinetts. Ein englisches Linienschiff in den Dardanellen gesunken. Die Vervollständigung des Sieges in Galizien.
Großes Hauptquartier, 12. Mai.(WTB.
Westlicher Kriegsschauplatz. 5 Feindliche Flieger bewarfen gestern die belgische Stadt Brügge mit Bomben, ohne militärischen Schaden anzurichten. Oestlich von pern nahmen wir eine wich⸗ tige, von schottischen Hochländern verteidigte Höhe. Dün⸗ kirchen wurde weiter von uns unter Feuer gehalten. Oest⸗ lich Dirmuiden schossen wir ein englisches Flugzeug ab.
Die zwischen Carency und Neuville(in der Ge⸗ gend nördlich von Arras) von den Franzofen in den letzten Tagen genommenen Gräben sind noch in ihrem Besitz. Im übrigen waren auch gestern alle Durchbruchsversuche des Feindes vergeblich; seine Angriffe richteten sich hauptsüch⸗ lich gegen unsere Stellungen östlich und südöstlich von Ver⸗ melles gegen die Lorettohöhe, die Orte Ablain, Carency sowie gegen unsete Stellungen nördlich und nordöstlich von Arras. Sämtliche Vorstöße brachen unter den schwer⸗ sten Verlusten für den Feind zusammen.
Ein Versuch des Gegners, uns den Hartmanns⸗ weilerkopf wieder zu entreißen, scheiterte. Nach starker Artillerievorbereitung drangen französische Alpenjäger hier zwar in unser auf der Kuppe gelegenes Blockhaus ein, sie wurden aber sofort wieder hinausgemorfen.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Bei Szawle ist ein noch unentschiedenes Gefecht im Gange. An der Bzura wurdr ein russi⸗ sches Bataillon, das einen Versuch zum Ueberschreiten des Flusses machte, vernichtet. N Südöstlicher Kriegs ö
folgung zwiso
Amtlich.)
Un
elan. So nahm ein Bataillon des J. Garde⸗Regiments zu ffiziere, darunter einen Oberst, 4500 Mann gefangen und erbeutete vier Geschütze, eine be—
spannte Maschinengewehrkompagnie und eine Bagage. Die
verbündeten Truppen überschritten den San zwischen Sanol und Dyno w. Welter nordwestlich er⸗ reichten sie die Gegend von Rzeszow—Mielec. Die in den Karpathen beiderseits des Stryj kämpfenden Truppen warfen den Feind aus seinen Stellungen.
a Oberste Heeresleitung.
Großes Hauptquartier, 13. Mai.(WTB.
Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Oestlich pern nahmen wir einen weiteren feindlichen Stützpunkt. Am Nachmittag wurden starle französische Angriffe gegen unsere Front Ablain-Neu⸗ ville unter schwersten Verlusten für den Feind abgewiesen.
Das infolge des Festsetzens der Franzosen in unseren vorderen Gräben zwischen Neuville und Carency zum größten Teil umfaßte Dorf Carency sowie der Westteil von Ablain wurden jedoch in der vergangenen Nacht geräumt. Leider ist auch dabei wieder eine Anzahl unserer braven Leute und Material verloren gegangen.
Französische„Versuche, das von uns nordwestlich Berry⸗au⸗Ba'c in den Waldungen südlich Ville-au⸗ Bois genommene Grabenstück wieder zu gewinnen, blieben erfolglos.
Nach starker Artillerievorbereitung griff der Feind ge— stern abend unsere Stellungen zwischen Maas und Mosel bei Croir⸗des⸗Carmes an. Es gelang ihm in einer Breite von 150 bis 200 Metern in unsere vorder⸗ sten Gräben einzudringen. In erbitterten Nahkämp⸗ sen wurden unsere Stellungen jedoch wieder völligvonden Franzosengesäubert. Eine Anzahl Gefangener blieb in unseren Händen.
Zwei französische Blockhäuser auf dem Westhange des Harkmannsweilerkopfes wurden von unserer Ar- tillerie zusammengeschossen. 0
. Oestlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert. Der Kampfbei steht noch.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Heeresgruppe des Generalobersten v. Mackensen erreichte gestern in der Verfolgung die Gegend von Du⸗ biecka am San— Laneut(am untern Wislok)— Kol⸗ buscowa nordöstlich Debica. Unter der Einwirkung dieses ichen die Russen auch aus ihren Stellungen nördlich der Weich sel. Dort gelangten die Truppen des Generalobersten v. Woyrsch dem Feinde
nordöstli von Kielce. 5
5 In den Karpathen erkümpften österreichisch-ungarische und deutsche Truppen unter General v. Linsingen die Höhen östlich des oberen Stryj; sie nahmen dabei 3650 Mann gefangen und erbeuteten 6 Ma⸗ schinengewehre.
sich Jetzt wo die Armeen des Generalobersten v. Mackensen i
la
zawle
der Festung Przemysl und dem unteren San nähern, Nahe 5 1 Bild n
on Gorlice und Tarnow und den daran anschließen⸗ Verfolgungst
pfen geben.
Diese Armeen haben bisher 103 500 Russen zu
Gefangenen gemacht, 69 Geschütz e und 255 Maschinengewehre mit stürmender Hand erobert. In
diese Zahlen ist die Ausbeute der in den Karpathen und nörd⸗ lich der Weichsel kämpfenden verbündeten Truppen nicht e inbegriffen, die sich auf weit über 40000 Ge— fangene beläuft. Oberste Heeres leitung. * 8
Das folgenschwerste Ereignis der heutigen inhaltreichen Meldungen ist wohl der Rücktritt des italienischen Kabinetts. Obschon damit noch keineswegs eine friedliche Lösung der italienischen Frage verbülhe wird, erhält die römische Politik, die man schon unabänderlich am Abgrund des Krieges erblickte, möglicherweise nun doch eine Abänderung, und damit würde für Deutschland und seine Verbündeten schon heute die Morgenröte einer glücklichen Zukunft aufgehen. Ein Krieg mit dem früheren Dreibundgenossen hätte das Endergebnis wohl nicht geändert, uns aber durch Schwierigkeiten und neue dunkle Verwicklungen geführt. Heute, nach dem überaus glänzenden Siege über die Russen, dessen entscheidende Bedeutung von Tag zu Tag mehr hervortritt, glaubt wohl kein Mensch mehr daran, daß die „Entente“ in der Lage wäre, di tralmächte und die Türkei zu bezwingen. Der Kön talien hat sich seine Entsch zweifellos der neuen Lage schaffen worden ist, 5 em jebigen Kabinett
t er rte ügesichts des Ernstes der Lage erforderlich wäre. Der König wird höchstwahrschein⸗ lich Männer in die Regierung berufen, die von kriegerischen Absichten sich abwenden, und wenn bei einer solchen Politik die Stimmung des Volkes micht ein⸗ heitlich wäre, so könnte wenigstens kein großes Unglück dar— aus entstehen. Man geht überdies wohl schwerlich in der An— nahme fehl, daß die katastrophaten Ereignisse in Galizien auch in Italien überzeugt haben, daß dort in letzter Stunde auch solche Männer, die noch bis vor kurzem geneigt gewesen wären, zum Schwerte zu greifen, sich eines Besseren be— sonnen haben. So steht letzten Endes vielleicht der General v. Fallenhayn, der den Anstoß zu der Offensive in Galizien gegeben hat, auch in der vorderen Reihe derjenigen Männer, denen wir eine besonnene Haltung Italiens verdanken dür— fen, und die Auszeichnung, die unser Kaiser— schon vor der italienischen Wendung— diesem vortrefflichen deutschen Kriegsmann verliehen hat, ist doppelt verdient.
Die Riesenziffern, die uns die neuesten deutschen und österreichisch-ungarischen Tagesberichte nennen, haben die Weltlage plötzlich stark aufgehellt; die russischen Einwen— dungen nehmen sich dagegen wie trübe, rauchende Lämpchen aus, die nicht einmal im eigenen Lande Trost und Befriedi— gung schafsen können. In England fühlt man dies wohl. Das kalte Rechnervolk ist ganz aus seiner Fassung gekom- men. Halb ist es die niederdrückende Katastrophe der Lusi⸗ tania, halb sind es aber auch die für England höchst aus—
5
sichtslosen Kriegsereignisse, die in letzter Stunde noch durch die erfolgreiche Torpedierung eines britischen Linienschiffes in den Dardanellen gekrönt worden
sind, die den ganzen Haß und die ohnmächtige Wut der Inselbewohner gegen das Deutschtum aufflammen ließen. Die Heuchlermaske der Humanität ist durch alle Schattie rungen von üblen Leidenschaften verzerrt. Und nicht allein dies: man plündert, brennt, zerstört deufsches Eigentum, vergeht sich an den Wehrlosen deutscher Nationalität. Die letzte Sitzung des engkischen Unterhauses— wie ist ihr inneres und äußeres Aussehen so weit entfernt von den gemessenen und großspurigen Tagungen von den Zeiten unangefochtener englischer Weltherrschaft! Ueber die grie chische Politik Antwort zu stehen, weigert sich Sir Grey; auch von dort hat man sich, nach einer Athener Meldung, eine Absage geholt. Gegenstand der Verhandlungen war ledig— lich die ohnmächtige Wut, die den Hochmut des verblendeten Volkes abgelöst hat. Man will die 20000 Deutschen, denen man die feindseligsten Taten zutraut, da man schon mit einer Invasion zu rechnen beginnt, zu ihrem Schutz inter nieren, tut aber, und zwar auch die Herren Minister, alles Mögliche, um den Pöbel und die Rachsucht des Volkes aufzu— stacheln. So paradox es klingen mag: diese Exzesse sind die ersten Anzeichen britischer Ernüchterung! Sie werden weiter schreiten, und sich zu gelegener Zeit auch wieder in schau— spielerische Sanftmut verwandeln. Es ist, als ob das heu— tige England in einem gewissen Sinne Hamlets Anleitungen folgen wollte, in dramatischem Spiele dem Zeitalter den Abdruck seiner Gestalt zu geben.
Wir glauben nicht, daß die englisch-französische Offen⸗ sive im Westen geeignet sein wird, der Zeit ein wesentlich verändertes Aussehen zu geben. Der französische amtliche Berichterstatter bemüht sich zwar nach Kräften, aus ein paar gewonnenen Schüßengräben und einer eroberten Ortschaft Kapital zu schlagen, aber schon verkündet dazu ein englisches Blatt in ehrlicherem Weitblick, die deutschen Stellungen seien tatsächlich uneinnehmbar. Wir aber tun gut daran,
mit unentwegter deutscher Zuversicht allem Kommenden mit Spannung und in Ruhe entgegenzusehen. i Kaiserliche Auszeichnung des Generalstabschefs 5 v. Falkeuhayn.
Berlin, 12. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser hat an den Chef des Generalstabs v. Falkenhayn fol⸗ gende Kabinettsorder gerichtet:
„Mit scharfem und klarem Blick und in richtiger Abwägung der Lage haben Sie die Stelle erkannt, an der das russische Heer am verwundbarsten war und Mir die daraus zu folgernden Vorschläge zur Herbeiführung eines großen Erfolges cht. Der jetzige herrliche Sieg gibt Mir wiederum Gelegenheit, Ihnen Mei⸗ nen und des ganzen Vaterlandes Dank auszusprechen für Ihre hi ngebende Arbeit, die Sie in stiller, selbstloser Art in Meinen und des Vaterlandes Dienst stellen. Unter denen, die es dem deutschen Heere ermöglicht haben, einer Welt von Fein⸗ den die Stirn zu bieten und große Erfolge über sie zu erringen, stehen Sie als Chef des Generalstabes des Feldheeres mit in erster Linie. Als Zeichen meiner Dankbarkeit verleihe Ich Ihnen Meinen Hohen Orden vom Schwarzen Adle r.
.„den 12. Mai 1915.
ö(gez.) Wilhelm I. B.“
Der Rücktritt des italienischen Kabinetts.
„ Rom 13. Mai.(WT. Nichtamtlich.) Die Agenzia Stefani gibt bekannt: der Ministerrat hat in Anbe⸗ tracht, daß er inbezug auf die Richtlinien der Regierung in der interngtionalen Politik der Eintracht und der Zu⸗ stimmung der konstitutionellen Parteien entbe hrt, die an⸗ gesichts des Ernstes der Lage erforderlich wäre, beschlossen, dem König Demission zu überreichen. Der König hat sich seinen Beschluß vorbehalten.
Rom, 13. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Eine Sonderausgabe des„Giornale d'Italia“ meldet: Der Präsident der Kam⸗ mer, der heute abend in Rom angekommen ist, hatte von 9½ Uhr ab eine einstündige Besprechung mit dem Könige. Morgen wird der König außer den Kammerpräsidenten noch andere Persönlich⸗ keiten befragen.
Rom, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agen⸗ zia Stefani. Als Ministerpräsident Salandra heute vormittag gelegentlich der Unterzeichnung von Dekreten durch den König mit den Ministern zusammentraf, berief er persönlich einen Ministerrat auf 3½ Uhr nachmittags. Dieser Ministerrat beschloß die Demi. sion des Ministeriums. Salandra teilte diesen Beschluß dem Kö— nig um 7 Uhr abends mit.
Berlin, 14. Mai. Ueber Kopenhagen bringt die„Tägl. Rundschau“ eine römische Meldung, in der es heißt, die Lage sei weiter geklärt. Ueber 300 Deputierte und über 100 Senatoren hätten an Giolitti eine Vertrauens adresse gerichtet.— Laut„Vossischer Zeitung“ dauerten gestern die Kundgebungen in Rom für, insbesondere aber auch gegen den Krieg fort. N
Berlin, 14. Mai. Aus Genua meldet laut„Tägl. Rund⸗ schau“ die Tribuna, daß die am 8. Mar erfolgte S chlie ß ung der italienischen Handelshäfen für den neutralen Schiffsverkehr seit dem 11. Mai nachmittags, soweit der Hasen von Genua in Betracht komme, wieder aufgehoben ser.
Rom, 13. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Gestern abend haben nicht unerhebliche Demonstrationen gegen Girolittr stattgefunden, die sich natürlich auch gegen Oesterreich und D eutschland richteten. Nackdem schon 1
nachmittags kleine lops ron Studenten versucht hatten, in der Nähe von Giolittis Wohnung zu demonstrieren, sammelten sich gegen 7 Uhr abends auf Grund einer anonymen Aufforderung durch Flugblätter etwa hundert Demonstranten, darunter viele S 1 der Piazza Colonna vor der österreichisch-ungarischen Die Demon⸗ stranten wurden sehr rasch durch das auf dem Corso Umberto zur Abendstunde schlendernde Publikum und Neugierige vermehrt. Bald ertönten aus der Menge Rufe, wie:„Nieder mit Giolitti! Nieder mit den Landesverrätern! Nieder mit Oesterreich!“ Auch ver⸗ einzelte Rufe:„A basso il Re!“ wurden laut! Carabinieri schritten rasch ein und sperrten die Piazza Colonna und die nähere Um⸗ gebung ab. Darauf zogen die Demonstranten durch die Via del Praetore, dann am Collegio Germanico vorbei, wo heftige Pereat⸗ rufe gegen Deutschland ausgestoßen wurden, nach der Via Cavour, wo sich die Wohnung Giolittis befindet. Dort wurden sie rasch durch Carabinieri und Militär zerstreut und abgedrängt, ohne daß es zu ernsthaften Zwischenfällen kam. Nach Zeitungsmeldungen bestanden die Demonstranten vorwiegend aus Radikalen und Natio⸗ nalisten mit einigen Liberalen. Der Abgeordnete Labriola hielt eine kriegshetzerische Ansprache. Auch in Mailand fanden gestern Demonstrationen statt, die bedeutend zu sein scheinen und sich in ausgesprochenem Haß gegen Deutschland im Anschluß an die „Lusitania“-Affäre richteten. Griechenlands Absage an den Dreiverband.
Athen, 13. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Von maßgebender Seite wird mitgeteilt, daß zwischen dem Dreiverbaud und der griechischen Regierung kein Ulebereinkommen bezüglich eines Heraustretens Griechenlands aus der Neutralität zugunsten dieser Mächtegruppe erzielt worden ist, da diese Mächte⸗ gruppe nicht die erwünschten Garantien zu geben imstande war. Aus dieser Tatsache ergibt sich ein ferne res Beibehalten der Neutralität Griechenlands. 5
13
N
7 f
„ N
b
0 1 8 7 5 .
f . f


