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helles
Atelier.
bescheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
8 N e Die„Sießzener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
„
105. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Freitag, 7. Mai J01ẽ
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S851, Schrist⸗
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Es war einmal ein Dreibund
Sede. wird 1 4 . ö e kann die Entscheidung in Rom bringen. die sel sallen, die Negtering des Königreichs Italien wird sich klar und deutlich über etwas äußern müssen, wovon man schon lange nicht mehr gesprochen 9 über den einstigen 17 senannten Dreibund. In diesem Krieg ist ja schon so viel Völkerrecht in den Boden gestampft, so viel staatsrechtliches Papier in Fetzen gerissen worden, man sich über rein gar nichts mehr wundert. Aber der Dreibund war ein Bündnisvertrag, verbrieft, versiegelt und beschworen. Tritt Italien auf die Seite unserer Gegner, so muß die Kündigung des ehemaligen Paktes auf irgend eine Weise geäußert und begründet werden. Bleibt Italien neutral, so genügt nach solcher Spannung und Aufregung, wie sie die letzten Wochen brachten, nicht eine vage Er⸗ Härung wie 4 2. August 1914, sondern es muß Farbe bekannt und Stellung genommen werden. Was besteht noch von den Dreibundverträgen mit Italien? Der Vertrag mit e war, wie Bismarck sich ausdrückte, publici juris; er ist veröffentlicht worden. Der Vertrag Italiens mit Desterreich wurde niemals veröffentlicht! Der italienische Abgeordnete Cirmeni hat kürzlich ausführlich erörtert, wie sein Vaterland durch die Bündnisverträge keineswegs verpflichtet gewesen sei, an dem Krieg gegen Frankreich und vollends gegen England teilzunehmen, wie vielmehr gerade für den Fall des kriegerischen Eingreifens des Insel⸗ reiches die Neutralität Italiens vorgesehen war und wie des Krieges im übrigen der Dreibund fort⸗
bestehe, sol die Verträge nicht ordnungsmäßig ge⸗ 115 sete
ange
abgelaufen seien. Cirmeni ist der Meinung,
eien in Kraft geblieben und Italien werde daher in die Pflichten erfüllen, die sie ihm auferlegen.
b Das ist aber nur die eine Ansicht, der andere Mei⸗
entgegenstehen. Nach anderer Auffassung ist der Bun⸗
längst gelöst. Ein drittes gibt es noch: er sei sus⸗
iert, seit Beginn des Krieges ungültig. Die Lösung, oder,
man will, zeitige Ungültigkeit sei dadurch herbeigeführt,
daß Oesterreich⸗Ungarn zu Beginn des Krieges seine Absich⸗
ten gegen Belgrad dem italienischen Bundesgenossen nicht
mitgeteilt habe Dies sei ja auch der wesentliche Grund für
die damalige Neutralitätserklärung Italiens gewesen. Hier
ielt der geheimnisvolle Paragraph 7 des italienisch⸗öster⸗
ichi Vertrages eine Rolle. Dieser angebliche Para⸗
n 7 bestimmte(zuletzt war es die Frankfurter Zeitung,
ie in einem längeren römischen Brief vom 3. März 1915
darauf hinwies) nicht nur das Recht auf Kompensatio⸗
nen im Fall einer Bereicherung eines Vertragsteiles am Balkan, verbot Oesterreich und Italien, etwas am zu unternehmen ohne Zustimmung des andern.
alten hatte während des Tripolis⸗Krieges, der
Seen en e e geen ee ruzzen en Vo in der Adria gegen Prevesa als es die Pforte durch eine ernste Aktion an den Dardanellen zum Nachgeben zwin wollte und als es Eren bone ägäischen Inseln auf die den Dar⸗
. vorgelagerten qu. hätte, verzichten müssen, weil Oesterreich eine Bewegung der damals noch trägen Balstanhalbinsel nicht wollte. Als dann Oesterreich den Er⸗ klärungen Giolittis in der Kammer zufolge im August 1913 den Willen bekundete, die serbische Frage aufzurollen, die sich schon damals als bösartiges Geschwür für das Donau⸗ weich zu erkennen gab, war es Italien, das auf Grund des⸗ selben Vertrages Oesterreich versagte, was ein Jahr später nach dem Gebot der Selbsterhaltung geschehen mußte. Nach italienischer Behauptung hat nun Oesterreich indem es seine fällig gewordene Rechnung mit Serbien zu begleichen sich entschloß ohne Italien 2 verständigen, den Bündnisvertrag in einem wesentlichen Teil aufgehoben, un⸗ geachtet der Versichetung, es denke nur an Bestrafung Ser⸗
biens, nicht an Landerwerbungen auf dem Balkan. Die italie⸗ nische Politik hielt sich seit jenem Augenblick für jeder Ver⸗ pflichtung entbunden, wenn auch die darauf bezügliche Stelle in der Dezemberrede Salandras nicht als eine formelle Kün⸗ digung oder Abschüttelung des Dreibundvertr gedeutet werden mußte. Diese Auffassung von der rechtlichen und moralischen Entschließungsfreiheit Italiens, welche es ge⸗ stattet, die Wege der auswärtigen Politik auch nach dem Lager der Gegner der feitherigen Verbündeten zu lenken, sich bis auf wenige Kreise durchgesetzt, so daß Einwürfe ethischer Natur, wie von Bundestreue, dreißigjähriger Freundschaft usw bald nicht nur kein Gehör, sondern nicht einmal mehr objektives Verständnis fanden. Der Nutzen und das Interesse des Landes, beurteilt lediglich von italienischen Gesichtspunkten, wurde nun das Motiv jeder Erwägung. Wie sich nun aber Italien entscheiden mag, es hat seitnen alten Freunden wie etwa seinen neuen Feinden gegenüber die Pflicht, Klarheit über die einstigen Dreibundverträge zu schaffen, und man wird bei dieser Gelegenheit manches erfahren, worüber bisher— vielleicht mehr als gut und notwendig— der Schleier des diplomatischen Geheimnisses gebreitet war.
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München, 7. Mai.(WTB. Nichtamtlich) Die Korrespon⸗ denz Hoffmann meldet: Angesichts der ziemlich großen Aufregung, die die letzten Nachrichten aus Italien unter der Bevölkerung her⸗ vorgerufen haben, stellt die Polizeidirektion in München nach amtlicher Bekanntmachung fest, daß eine unmittelbare Gefahr des Abbruchs der Beziehungen zwischen den Zentral⸗ mächten und FTtalien nicht besteht. Sie empfiehlt, ruhiges Blut zu bewahren. Eine feindselige Stellungnahme gegenüber den. hier wohnenden Italienern wirrde unserer Würde und Selbstachtung zuwiderlaufen. 5
Rom, 6. Mai.(WT Nichtamtlich.) Die hiesige deutsche Schule schließt wegen Lehrermangels. Sie wird den Unter⸗ richt so lange ausfallen lassen, bis Ersatz geschafft werden kann.
Pressestimmen.
Berlin, 7. Mai. Zur Haltung Italiens schreibt das „Berliner Tageblatt“:
Man findet alle natürlichen Republikaner, die in der Be⸗ kämpfung des Königtums von jeher ihre Hauptaufgabe und ihren Daseinszweck gesehen n, auf der Seite und an der Seite der Kriegsagitation. Die Sozialdemokraten, die neben der Verwirklichung der republikanischen Ideen noch andere Ziele, die Umgestaltung des Wirtschaftsstaates, verfolgten, sind in der offiziellen Gruppe gegen den Krieg. Die wenigen, die in erster Linie die Republik erstreben, drüngen mit aller Gewalt zu krie⸗
c iegszeit mit i ren W. ällen, gungen und Wirren: Den Sturz des Königtums.
In der„Kreuzzeitung“ heißt es: Ob die Sprache der Diplomaten wiederum anstelle des rauf. Trubels von Quarto getreten ist oder nicht, W t bleiben. Das aber sollte man meinen, daß,.— ten der der Diplomaten
r sche will, es verstehen sollte, wie f en Dentschlands und Oesterreich-Un⸗ garns eben wieder am Dunajer und an der Wisloka reden und welche Enttäuschung für England und Frankreich aus dem Donner der türkischen r der Dardanellenstraße qufs neue heranusklingt. Wir jedenfalls mit Ruhe der Zu⸗ kunft entgegensehen und kraftbewußt und entschlossen ab⸗ warten, wie es auch immer ausgeht, ob Italien in seiner Schicksalsstunde den Lockungen eines vermeintlichen heiligen Egvis⸗ mus oder dem Gebote der Vernunft folgt. Deutschland und seine Verbündeten sind nach neun Monaten schweren Krieges stark ge⸗ — jedem Beschluß, der in Rom gefaßt wird, gewachsen zu sein.
—„Nationallib.. 1
zehnten Monat europãi Krieges st wir vor der Entscheidung, ob sich eine weitere Großmacht zu dem entschließen will, ihre politischen Ziele mit Waffengewalt durch⸗ zuführen. Bis die Entscheidung fällt, können vielleicht noch Tage vergehen, aber auch die nächsten Stunden können sie schon bringen.
Tie italienischen Staatsmänner dürften nicht annehmen, daß der Nachteil, den uns Italiens Teilnahme am Kriege bringen würde, von uns für so groß gehalten wird, daß, um ihm aus dem Wege zu gehen, Oesterreich wichtige Punkte seiner Großmachtstellung und Lebensinteressen am Mittelmeer opfern könnte. Ist Italien ent⸗ schlossen, von solchen Forderungen nicht abzugehen, so ist es auch um jeden Preis zum Kriege entschlossen. Sucht es wirklich den Weg der Verständigung, so nrüßte es in letzter Stunde die Bahn des Möglichen beschreiten und sich mit einem Machtgewinn be⸗
en, der anderen nicht an die Wurzeln der Existenz greift. Italiens Entscheidung hängt davon ab, in welcher europäischen
lition es in Zukunft seine Ziele zu verfolgen gedenkt. Die Gemeinschaft mit dem Dreiverband würde ja nicht locken, aber die Tage des Dreiverbands sind wohl gezählt, gleichgültig, ob er siegt oder fällt. Die Frage läßt sich nicht ohne weiteres beurteilen, ob Italien im Falle des Krieges gegen uns kämpfen will, weil es unsere Sache auf die Dauer für verloren hält, oder ob es im Gegen⸗ teil den Mächten, die schon den Sieg winken sehen, in den Arm fallen will, um keinen in Europa übermächtig werden zu lassen.
Wie die Entscheidung auch fallen möge, wir sind getrost und voller Zuversicht guf einen für uns siegreichen Ausgang des samten Krieges. Die Rechnung auf zahlenmäßige Ulebermacht hat sich schon als falsch exrwiesen. Sie würde durch Italiens Beteili⸗ gung am Kriege nicht an Richtigkeit gewinnen. Die Betrach⸗ tungen der deutschen Presse am Vorabend der Entscheidung sind allgemein von ruhiger Würde getragen und von einer Zuversicht, zu der uns besonders die letzten großen Erfolge berechtigen.
Die Schlacht in Weftgalizien.
Berlin, 6. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem
Großen Hauptquartier wird uns über die Durch⸗ bruchsschlacht in Westgalizien folgendes geschrieben:
Völlig überraschend für den Feind hatten sich Ende April größere deutssche Truppentrans porte nach Westgali⸗ zien vollzogen. Diese Truppen, den Befehlen des Generals von Mackensen unterstellt, hatten die russische Front zwischen dem Karpathenkamm und dem mittleren Dunajec im Verein mit den benachbarten Armeen unseres österreichischen Verbündeten zu durch⸗ brechen. Das Problem war ein neues, die Aufgabe keine leichte. Der Himmel bescherte unseren Truppen wundervollen Sonnen schein und trockene Wege. So konnten Flieger imd Artillerie zu voller Tätigkeit gelangen und die Schwierigkeiten des Gelän⸗ des, das hier den Charakter der Borberge der deutschen Alpen oder der Hörselberge in Thüringen trägt, überwunden werden. Unter den größten Mühsalen mußten an verschiedenen Stellen Munition auf Tragetieren herangeschafft und Kolonnen und Batte⸗ rien über Knüppeldämme vorwärts gebracht werden. Alle für den Durchbruch nötigen Erkundungen und Vorbereitungen voll⸗ zogen sich reibungslos in aller Stille. Am 1. Mai nachmittags begann die Artillerie sich gegen die russischen Stellungen einzu⸗ schießen. Diese waren seit fünf Monaten mit allen Regeln der Kunst ausgebaut. Stockwerkartig lagen sie auf den steilen Bergkup⸗ pen, deren Hänge mit Hindernissen wohl versehen waren, über⸗ einander. An einzelnen, für die Russen besonders wichtigen Gelände⸗ punkten bestanden bis zu sieben Schützengraben reihen hintereinander. Die Anlagen waren sehr geschickt angelegt und vermochten sich gegenseitig zu flankieren. Die Infanterie der verbündeten Truppen hatte sich in den Nächten, die dem Sturm vorangingen, näher an den Feind herangeschoben und die Sturm⸗ stellungen ausgebaut. In der Nacht vom 1. zum 2. Mar feuerte die Artillerie in langsamem Tempo gegen die feindlichen An⸗ lagen. Eingelegte Feuerpausen dienten den Pionieren zum Zer⸗ schneiden der Drahthindernisse.
Am 2. Mai um 6 Uhr morgens setzte auf der ausgedehnten, viele Kilometer langen Durchbruchsfront ein überwältigen⸗ des Artilleriefeuer von Feldkanonen bis hinauf zu den schwersten Kalibern ein, das vier Stunden lang ununter⸗ brochen fortgesetzt wurde. Um 10 Uhr morgens schwiegen plötz⸗ lich die Hunderte von Feruerschlünden und im gleichen Augenblick stürzten sich die Schwarmlinien und Sturmkolonnen der Angreifer auf die feindlichen Stellungen. Der Feind war durch das schwere Artilleriefeuer derart erschüttert, daß an manchen Stellen sein Widerstand nur ein sehr geringer war. In kopfloser Flucht verließ er, als die Infanterie der Verbündeten dicht vor seine Gräben gelangte, seine Befestigungen, Gewehre und Kochgeschirre fort⸗ werfend und ungeheure Mengen Infanteriemuni⸗
ö Ein unbetannter Brief von Anselm Feuerbach.
Im Maihefte der bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stutt⸗
6„Deutschen Revue“ veröffentlicht der geschätzte sthistoriker Dr. Theodor v. Frimmel eine noch un⸗ wertvolle Urkunde zur Lebensgeschichte von Amselm
Es ist dies ein urschriftlich in Frimmels Besitz befind⸗
aus seiner Stellung an der
Tr lccher Brief, den der Meister am 14. Juni 1876 an den damaligen ber ic a Kultusminister v. Strehmayr gerichtet hat und Schenk deze. Aach wnglicniche Dol 1875 575 b N ückli le die von i 1876 Wiener Episode in erbachs Leben gespielt hat, ist bekannt. Der Künstler fand für seinen Stil in dem damaligen Wien kein Verständnis, er fühlte sich verkannt und zurückgesetzt, ite sich nicht in die Verhältnisse finden. So bat er denn um—1 Entlassung, und der von Frimmel jetzt bekannt⸗ gegebene wirft auf die Gründe, die ihn zu diesem Schritte bewegen, und auf die Stimmung, in der er sich damals befand,
Licht. Das Schriftstück lautet:
„Hochgeehrter Herr Minister! Euer Exzellenz mögen mir ge⸗ statten, in vertraulicher Weise die Kette von Umständen, welche meine e zur Notwendigkeit gestalteten, hiermit näher zu 1. Man legte mir, das Jahr 1875 nachträglich einschließend, eine jährliche Steuer von nahezu 2000 Gulden, demnach mehr als die Hälfte meiner Besoldung auf und erwiderte meine mehr⸗ fachen Gesuche um Verringerung dieser unverhältnismäßigen und untragbaren Last mit Exekutionsdrohungen in Wohnung und
2. Bei Abstimmung des italienischen Reisestipendiums ist mein
ud der Aundeme ialentvollster Schüler, Herr Ernst, zum zweiten
Male durchgefallen und es wurde ihm ein mittelmäßig begabter
Schüler vorgezogen, welcher mit Arbeiten auftrat, die bereits im
Jahre den Schulpreis erhalten hatten, während sich Herr Ernst mit drei neuen Bildern bei der Konkurrenz beteiligte, dar⸗ Runter ein Männerbildnis, wie es schwerlich auf einer andern Ala⸗ demie von einem zwanzigjährigen Künstler gemalt wird. Da ich in solchem Verfahren nur eine auf Kosten der Schüler betätigte unfreundliche Gesinnung gegen den Lehrer erblicken kann, und Unparteilichkeit mir als die erste Pflicht eines Prüsungskomitees erscheint, so vermag ich einen gedeihlichen Fortgang mir nicht als öglich zu denken bei Wiederholung ähnlicher Vorgänge. 3. Nachdem Eure Exzellenz mich durch den Auftrag, die Decke des glyptischen Saales der neuen Akademie mit der Schöpf mgs⸗ geschichte auszumalen beehrten, stellte ich sofort das Material, teils aus Paris, teils in Wien selbst zusammen und bereitete mich
vor, das große Mittelbild zu beginnen. Nachdem mir indes klar nard, daß man ein passendes Atelier, welches die erforderliche Höhe hatte, nicht finden konnte oder wollte, begann ich den unteren Zyklus von vier Bildern in vierzehn überlebensgroßen Figuren und vollendete sie bis auf etwa achttägige Arbeit der Zusammenstimmung, in fünf Monaten. Als dann, nachdem ich eit, Müthe und Geld in reichlichem Maße verwendet und die große Arbeit fertig im Atelier stand, ward mir bedeutet, daß die acht Plafondbilder nicht gemalt werden sollten, sondern daß nur von einem Mittelstück die Rede wäre.
Nur das feste Vertrauen, daß es mir gestattet würde, meine künstlerische Aufgabe im ganzen Umfange durch die innerlich zursam⸗ menhängenden neun Plafondbilder zu lösen, ließ mich auf einen Preis eingehen, der mit der Arbeit nicht im Verhältnis steht. Die Herstellung eines Mittelbildes allein würde ich nie übernom⸗ men haben.
4. So geschah es, daß eine Reihe von mißliebigen lunstän⸗ den mich in dauernder Aufregung erhielt, welche dann mit Ver⸗ anlafsung zu einer schweren Krankheit wurde, in deren Folge ich zu dem gegenwärtigen Schritt veranlaßt bin.
Die Liebe und Achtung meiner Schüler ist die einzige, aber vollgültige Entschädigung für die Opfer, welche ich gebracht habe und die jetzt durch meinen Rücktritt ihren; finden.
Euer Exzellenz mögen mir noch ein geschäftliches Wort er⸗ lauben. Ist ein hohes Ministerium gesonnen, mich dennoch den ganzen Plafond vollenden zu lassen so werde ich müt der Ze in Rom Gelegenheit zur Ausführung finden. Im andern Falle bin ich gern bereit, nach Abzug meiner Ausgaben für Bildermaterial und Steuerzahlung, nicht minder für die verlorene fünfmonatliche Arbeit, den Rest des mir seinerzeit gewährten Vorschusses durch ein der Sachlage angemessenes Bild auszugleichen.
Mich offen und wahrhaftig Euer Exzellenz gegenüber aus⸗ zusprechen, habe ich als Pfau und als Wurf gefühlt. Im Interesse der Akademie selbst möchte ich wünschen, daß ähnliche trübe Erfahrungen meinem Nachfolger erspart werden könnten.
Mit ausgezeichneter Hochachtung Ener Erzellenz ergebenster Anselm Feuerbach.“. 5 ö
Der Minister hat zu diesem Briefe Fenerbachs handschrift⸗ liche Bemerkungen gemacht, aus denen hervorgeht, daß er da⸗ mals noch hoffte, Feuerbach in Wien festhalten zu können. Zur Steuergeschichte notiert er:„unbegreiflich“. Zur Ungerechtigkeit bei der Preisverteilung schreibt er in den Briefrand:„Professo⸗ ren— Kollegium der Akademie! Der Sache wäre auf den Grund zu sehen.“ Zum dritten Punkt und zu Feuerbachs„geschäftlichem Wort“ findet man die Anmerkung des Ministers:„Wird sich wohl trotz der Finanz⸗Kalamität noch ausgleichen lassen.“ In seiner Antwort, deren Entwurf Frimmel gleichfalls in der Ur⸗
schrift besitzt, lobt und anerkennt Strehmayr in beweglicher Rede die Lehrtätigkeit und das sonstige künstlerische Wirken Feuerbachs und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Künstler doch noch um⸗ zustimmen sein werde. Er erhielt zunächst einen sofortigen Ur- laub, aber die Wiener Episode war für Feuerbach beendet. Daß die dortigen Erlebnisse den ungewöhnlich reizbaren Mann auch körperlich schwer geschädigt haben, steht außer Zweifel. Noch nicht vier Jahre nach der Abfassung des Briefes an den Minister ist er
gestorben. *
Conrad Ferdinand meners Witwe T.
Hochbetagt ist jetzt Fra Luise Meyer, die Witwe des Dichters des„Jürg Jenatsck“, ihrem Gatten im Tode nachgefolgt. Mit der einzigen Tochter des Dichters, Camilla, lebte sie in Kischberg am Zürichsee, zu dem ja auch Meister Conrad Ferdinand eine so innige Liebe empfunden hat(„Horch! mein Kilchberg läutet jetzt“). Wenn nach dem bekannten französischen Worte die Frauen die besten sind, von denen am wenigsten gesprochen wird, so war Meyers Gattin zu den besten aller Frauen zu rechnen. Sie tritt in der Geschichte seines Lebens wenig hervor, und doch war das Verhält⸗ nis Meyers zu ihr tief und innig. Der Dichter war bereits volle fünfzig Jahre alt, als er sich im Oktober 1875 entschloß, die Ehe mit Fräulein Luise Ziegler einzugehen: man geht wohl nicht fehl, wenn man in Meyers bekanntem Mangel an Entschiedenheil und persönlicher Selbstbestimmung den Grund der Verspätung die⸗ ses wichtigen Entschlusses erblickt. Jedenfalls aber bezeugt ein Brief des Bräutigams an Francois Wille, daß seine„Liebe zu Fräulein Ziegler eine tief gewurzelte, ungeteilte und glückselige“ war. Als er den Bund mit dieser Frau schloß, da lagen die schwer⸗ sten Zeiten bereits hinter ihm; er hatte sich zu seinem Dichter⸗ berufe durchgerungen, und der Erfolg von„Huttens letzten Tagen“ ließ ihn, wie Adolf Frey sagt, den Dämonen entrinnen, die ihm die freie künstlerische Offenbarung bis hierher verwehrt hatten. So war es Luise Meyer vergönnt, mit dem Dichter die glück- lichere, die schaffensfrohe und schaffenssichere Zeit seines Lebens zu teilen. Und sie haben sich beide in ihrer Wahl nicht getäuscht. Nach zweijähriger Ehe konnte Meyer an F. Bovet schreiben:„Es versteht sich von selbst, daß meine Frau mich sehr glücklich macht; es ist just die Frau, die zu mir paßt; in der Familie ist es leicht, mit mir zu leben, und meine Frau ist auch nicht zu be⸗ klagen.“ Die Krönung seines ehelichen Glückes bildete dann die Geburt des Töchterchens, das er im Jahre 1879 dem Freunde F. v. Wyß beschrieb; da fügte er die bezeichnenden Worte hinzu: „Das Kindchen gleicht mir äußerlich auffallend; wenn es mir auch innerlich ähnlich sähe, würde es kein leichtes Leben haben.“ Ob die Zukunft über Conrad Ferdinand Meyers Liebes- und Ehe⸗ leben noch nähere Aufschlüsse bringen wird, muß dahingestellt


