Ausgabe 
(7.5.1915) 107. Erstes Blatt
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huorden umgetauft, desgleichen im Bezirk Cherson 25 And in den benachbarten Bezirken 22 Ortschaften.

Die Behandlung der deutschen Konsule in Rußland.

Berlin, 4. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Eine Sonderbeilage derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung enthält die Denkschrift über die Behandlung der deutschen Konsuln in Rußland und die Zerstörung der deutschen Botschaft in Petersburg. Es heißt in der Denkschrift u. a.: Unbelästigt entkamen die Beamten des Petersburger Geueral

konsulats, der Gerant des Generalkonsulats Moskau, die Beam⸗ ten des Konsulats Wladiwostok und des Generalkonsulats War- schau mit einer Ausnahme. Uebrigens wurde das Warschauer Kon- sulatspersonal in Wilna von betrunkenen Offizieren in der pöbel⸗ haftesten Weise beschimpft. Alle anderen Konsulatsbeamten wur⸗

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den verhaftet. Die Kanzleien und Privatwohnungen wur⸗ den durchgefucht, die Akten vielfach konfisziert und die Herren selbst wie gemeine Verbrecher behandelt. Konsul

Freiherr von Lerchenfeld Kowno und Vizekonsul An⸗ ders⸗Tiflis sind noch immer, also seit acht Monaten, im Ge⸗ fängnis, wo sie auf das Empörendste behandelt werden. Freiherr v. Lerchenfeld befindet sich in der ungesunden Peter-Paul-Festung, wo er Sträflingstleider tragen muß und nur eine Holzpritsche als Lagerstätte hat; die gereichte Gefangenenkost ist ungenießbar. Vizekonsul Anders ist in einem als besonders ungesund bekaunten Zuchthause bei Tiflis untergebracht. Der in Warschau zurückge⸗ kliebene Hilfsschreiber Fibich ist nach einem Kosalendorf im 2 Gouvernement Orenburg, wo er der einzige Nichtkosake ist, ver⸗ bannt worden. Während alle Verhandlungen wegen des Aus- ttausches dieser Personen vergeblich waren, sind die anderen Be⸗ antten, nachdem sie sechs bis sieben sieben Monate in Rußland geschmachtet hatten, gegen Russen ausgetauscht worden, die man auf die Kunde von der Zurückhaltung unserer Herren noch hatte aufhalten können, die aber großenteils in Hotels angenehm leb⸗ ten. Soweit sie sich in Schutzhaft befanden, wurden sie durch⸗ aus rücksichtsvoll behandelt, während unsere Beamten, selbst wenn sie nach monatelanger Kerkerhaft auf freien Fuß gesetzt wurden, in den erntlegensten Nestern des finstersten Rußland ihr Leben Auunter schweren Entbehrungen fristen mußten. Ausgetauscht wur⸗ den fünf Konfuln, sechs Vizekonsuln, dreizehn Konsulats⸗ beamte und zwei Botschafts⸗Angestellte, im ganzen sechsundzwan⸗ gig Personen, nachdem sie monatelang von Ort zu Ort und von Gefängnis zu Gefängnis gehetzt worden waren. Mit ansgesuchter Grausamkeit wurde der Konsul Schönstedt in Sato behandelt, trotzdem er an einer schweren Krankheit bis zur Kriegserklärung mehrere Monate im Spital gelegen hatte. Er wurde in schniutzigen Polizeigefängnissen herumgeschleppt und dann nach Oreuburg abgeschoben; obwohl ihm das Gehen schwer fiel, wurde ihm sein Stock nicht belassen. Dort wurde Schoenstedt mit Kollegen in einem einfachen Raum mit Holzpritschen eingesperrt, dann wurden sie in das Gouvernementsgefängnis in-ein fleines Zimmer gebracht, das ganz dunkel war. Die Ge⸗ säaugniskost war nicht zu genießen. In diesem Gefängnis blieb Schobenstedt bis zum 28. Oktober, worauf er nach Orsk, einem kleinen Kirgisenstädtchen, von Orenburg 260 Werft Bahn⸗ und 150 Werft Schlittenfahrt bei 20 Grad Kälte, verbannt wurde. Eeime pöchst unnütze, vom Gouverneur Suchomlinow angeordnete Quéälerei, doppelt inhuman einem Herrn gegenüber, der von monatelanger Krankheit sehr geschwächt war und doch nur wenige Wochen im Gouvernement blieb. Am 28. November mußte er pereits die Rückreise nach Petersburg antreten, wo er bis zu seiner Entlassung in das Untersuchungsgefängnis kam. Der einzige Vorwurf, den man ihm wie den anderen Beamten machte, war, daß er dem Deutschen Flottenverein angehörte. Die Aufzählung der von den übrigen Herren erlittenen Leiden mürr. zu eintönig: in Uula, wo 104 Gefangene in einem Raum untergebranstt wren, kam auf jeden Gefangenen 1 Kubikmeter Luft.

die gescheiterte Landung and en 3 Dardanellen.

Koustantinopel, 6. Mai. WTB. Nichtamtlich.) Die illi schreibt: Die französischen diplomatischen Vertreter den neutralen Mächten zeigen einen fieberhaften Eifer, um die Zu dementieren, daß unter den bei Kum Kaleh gelandeten französischen Truppen, die wir zurückschlugen, sich musel⸗ mamnische Soldaten befanden, die zu uns übergingen. Wir nehmen ihnen den llebereifer nicht übel, berufen uns aber auf den Weneralstab des Generals d Amade, der die genaue Zahl der musel⸗ marischen Soldaten kennt, die sich unter den gelandeten Abteilun⸗ *besonders im 60. Kolonial⸗Infanterieregiment, und zwar im ö daten Bataillon dieses Regiments, befanden, sowie auf die Zahl der in den Verzeichnissen des Generalstabes als verloren einge⸗ tragenen muselmanischen Soldaten.

1 Der neueste türkische Bericht.

Konstantinopel, 6. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptguartier teilt mit: An den Dardanel⸗ len wurde gestern 85 unseres Angriffs gegen den lin⸗ ken Flügel des Feindes, der sich bei Ari Bur nu befindet, ein Bataillon des Feindes vernichtet und ein Teil seiner sehr stark ausgebauten Verschanzungen genommen. Mehr als 100 Gewehre und ein Maschinen⸗ 5 r wurden von uns erbeutet. Ebenso kostete gestern abend unsere Operation gegen Sedd ul Bahr den Eng⸗ ländern sehr schwere Verluste. Wir nahmen bei dieser Gelegenheit drei weitere Maschinengewehre und zahl⸗ reiche Munition. Bis jetzt haben wir im ganzen 10 Ma⸗ schinengewehrc erbeutet. Auf den übrigen Kriegsschauplätzen nichts von Bedeutung.

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1 Der Seekrieg. Kopenhagen, 6. Mai.(WB. Nichtamtlich.) Die 0 1 Ostafiatist Kompanie hat die Nachricht erhalten, daß 8 pferCathey am Mittwoch abend gesunken itst. Ob er auf eine Mine gelaufen oder torpediert worden ist, steht nicht fest. Die Mannschaft ist gerettet und in Rams⸗ 5 Land gesetzt worden Der Ort des Unglücks ist nicht annt. 5 London, 6. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des 6 Reuterschen Bureaus. Telegrammen aus West⸗Hartlepool zu⸗ polge ist der FischdampferStratton gestern in der Naordsee von einem deutschen Unterseeboot durch 5 Kanonenseuer versenkt worden.

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8 Das Ultimatum Japans.

5 Tokio, 6. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des RNeeuterschen Bureaus Wie gemeldet wird, ist das japanische Ultimatum an China den Mächten gleichzeitig mit einer Rechtfertigung des Vorgehens Japans mitgeteilt wor den. In gutunterrichteten Kreisen verlautet, daß die Regie⸗ rung mit der Absendung des Üktimatums an China warten will, bis weitere diplomatische Schritte ergebnislos ver⸗ laufen sind Die ganze Angelegenheit wird heute in einer Konferenz dem Kaiser vorgelegt werden.

Aus dem Reiche.

3 Berlin, 6. Mai.(WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Die Vorlagen be⸗ treffend Ergänzung der Salzabgaben-Befreiungs-Ordnung, der Verarbeitung von Tapioka in Brennereien, Aenderungen des Tara⸗

der im Art. 4 revidierten Pariser Uebereinkunft zum Schutze ge⸗ werblichen Eigentums vorgesehenen Prioritätsfristen, der Entwurf von Bestimmungen über die Verwendung eines Teiles der durch den zweiten Nachtragsetat für 1914 bereitgestellten Reichs mittel für Zwecke der sozialen Kriegsinvalidenfürsorge.

Dresden, 6. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Herzog Al⸗ brecht von Württemberg hat am 4. Mai folgendes Telegramm an den König gerichtet:Ich eile, Dir untertänigst zu mel⸗ den, daß Deine 53. Reserve⸗Division unter der vortrefflichen Führung des Generals v. Watzdorf mit herrlicher Tapferkeit gestern und heute gefochten und den Gegner zurückgeworfen hat. Major v. Metzsch, Kommandeur des Reserve-Feldartillerie-Regi⸗ ments 53, hat durch vorzügliche Leitung des Feuers in hervor⸗ tretendem Maß zum Erfolg beigetragen. Hierauf sandte der König an den Kommandeur der 53. Reserve⸗Division von Watzdorf folgendes Telegramm:Nach Meldung vom Armee⸗ Oberkommando hat die Division unter Ihrer vortrefflichen Füh⸗ rung mit herrlicher Tapferkeit siegreich gefochten. Die Führung der Artillerie durch Mafor v. Metzsch wird besonders gerühmt. Ich spreche der Diwpision meine ganz besondere Anerkennung und meinen wärmsten Dank aus.

Sonderblatt

des Gießener Anzeigers

mit dem Tagesbericht der

obersten Peeresleitung

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Gleßener Anzeigers. i

Aus Stadt und Cand. Gießen, 7. Mai 1915. Ein Musterschützengraben auf dem Trieb.

In allen Kriegsgesprächen, Feldpostbriefen, Kampf⸗ berichten und Liebesgabensendungen gibt es wohl keinen Begriff, der eine größere Rolle gespielt hätte als der Schützengraben, jene raffinierte Maulwurfsarbeit, zu der die Entwicklung der Kriegsereignisse in Ost und West beide Parteien gezwungen hat. Nicht Hunderte und Tau⸗ sende, sondern Millionen von Menschen sind aus aller Wohnungskultur, einem Produkt jahrhundertelanger Ent wicklung, herausgerissen und zu einem Dasein verurteilt worden, das die weiße Rasse eigentlich nur in vorgeschicht⸗ licher Zeit gekannt hat: zum Wohnen in Erdlöchern. Sind die Bewohner der Löcher Soldaten, dann hat man es eben mit Schützengräben zu tun. Freilich ist damit die Definition eines solchen wertvollen Hilfsmittels heutiger Kriegfüh rung nicht erschöpft; und deshalb ist es jedem, der mit der Zeit gleichen Schritt halten und im Rate der Heim-Stra⸗ tegen Anspruch auf Geltung erheben will, zu empfehlen, die Schritte hinauf zum Trieb zu lenken und sich anzusehen, was es mit den militärischen Höhlen auf sich hat.

Am e man zu diesem der Grünberger Straße nach und biegt direkt hinter dem Gefangenenlager links ab; dann gehts schräg quer über den Trieb auf eine alleinstehende Birke los; mit Feldherrnblick ist von dort aus zu erspähen, wo sich der Musterbetrieb etabliert hat. Dicht vorm Waldrand haben die beiden in Gießen liegen⸗ den Verwundetenkompagnien im Schweiße ihres Angesichts vierzehn? lang gebuddelt, gegraben und gehämmert. Dann war der ausgedehnte Gegenstand des kriegerischen Anschauungsunterrichts fertig, und nun liegen dort wackere Feldgraue, die sich einstweilen noch nicht ganz vom Arzte trennen dürfen, auf der Lauer, nicht um einem Franzosen das Lebenslicht auszublasen, nicht als Wacht am Rhein, sondern zu einem durchaus friedlichen Zweck: Sie warten auf zahlreichen Besuch, der am Eingang des zeitgemäßen Etablissements eine halbe Mark zu entrichten hat. Mit der Einnahme werden die braven Unternehmer Liebes⸗ gaben für die 116er anschaffen. Ganz abgesehen davon, daß diese uneigennützige Idee alle Unterstützung verdient, wird niemand es bereuen, seine Kenntnisse durch die Ansicht eines echten Schützengrabens erweitert zu haben. Alle Beschreibungen und Illustrationen geben von seinem Aussehen nämlich eine höchst unvollkommene Vorstellung. Tief in dem lockeren Sandboden haben die Soldaten ein ganzes Labyrinth von über mannstiefen Gräben, Gängen, Kammern und Unterständen angelegt, in dem ein ganzes Bataillon Platz hat. Nichts fehlt von all den Requisiten, die uns aus den Schilderungen der Feldbriese geläufig sind. Zwischen säuberlich abgeschrägten und verstützten Sandwän⸗ den rechts und links rieselt es fein und langsam zur Grabensohle; Halbschuhe daher nicht zu empfehlen gehts durch den vorderen Graben mit sichern Schießscharten⸗ anlagen und um eingebaute Splitterdeckungen herum in das Gewirr hinein. Aus der vordersten Linie führt ein schmaler Gang zum Verbandsraum. Patronenkasten lugen aus den Wänden der Gräben. Die Toilette, kein W. C. frei⸗ lich, fehlt nicht. Kreuz und quer die Gänge weiter zu den Unterkunftsräumen, die teils bombensicher, teils weniger massiv angelegt sind. Namen wieVilla dicke Bertha,Malepartus,Zum Blindgänger usw. feiern hier eine friedliche Auferstehung. Mit allem Luxus ist die Villa Hindenburg ausgestattet. Tief im Boden gelegen zeigt sie allerlei Annehmlichkeiten für die Führung: Eine aus Zweigen kunstvoll gefügte Moosbettstelle, ebensolche Stühle und Tische, Telephon zum Beobachtungsunterstand im ersten Graben(Benutzung zehn Reichspfennige), dichte Türen und Fenster und was dergleichen Verschwendungen mehr sind. Es ist nicht das Kleiuste vergessen, was die fleißige Anlage den Vorbildern in Feindesland ähnlich macht; und wäre nicht die liebenswürdige Führung eines Unteroffiziers oder Gefreiten, der allerhand von seinen Erlebnissen in die interessante 3 1 dabei man würde kaum erstaunen, wenn Grabenrand plötzlich ein Turko auftauchen würde. So aber darf man unbesorgt den Schützengrabeninsassen auf dem Trieb einen Besuch machen; ihnen, den 2 116ern und auch sich selbst macht man damit eine Sieht man sich dann im um, dann erinnert kaum mehr etwas an das un i Dorf. Den Führer hat die Erde verschluckt, zwischen den Gängen stehen Tan⸗ nen, Büsche und Grasnarben und verschleiern alle Spuren menschlicher Arbeit, und wenn nicht seitwärts aus einem Tannengebüsch die fidelen Stimmen derAufsicht drän⸗

rte, Entwurf eimer Besanntmachung betressend Verlangerung

gen und nicht ein 11 5 05 Draht das Ganze vor zahlungs⸗

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unlustigen Besuchern bewahrte, Schritte kaum mehr ahnen, daß taillon stecken könnte.

da unten ein ganzes

* 5 6 a Schulärztliche Tätigkeit. 8*

Die körperliche Gesundheit des Einzelnen gewinnt im gegenwärtigen Kriege für die Gesamtheit an Wert, da fort⸗ während neue Soldaten eingestellt werden müssen und bei der Musterung nicht, wie zur Friedenszeit, wählerisch um⸗ gegangen werden kann. Deshalb ist es im Frieden wichtig, darauf bedacht zu sein, die Zahl der mehr oder minder un⸗ tauglichen zu mindern. Dazu trägt die seit einigen Jahren bestehende Untersuchung der Schulkinder durch den Schularzt bei 5

Dem Bericht des Schularztes Dr. Schenck über seine Tätigkeit in den 78 Landgemeinden des Kreises Gießen im Schuljahr 1913,14 entnehmen wir folgendes:.

Die ärztliche Tätigkeit erstreckte sich auf 189 Klassen mit zusammen 11094 Schülern. Die mit Beginn des Schul⸗ jahres neu eingetretenen 1425 Kinder wurden einer vollstän⸗ digen körperlichen Untersuchung unterzogen. Nachgesehen wurden die unter Kontrolle stehenden Kinder. Von den 1425 Schulanfängern mußten 579 40,63 Proz. unter ärztliche Kontrolle gestellt werden, während von den 9669 übrigen Schülern nur 1313 13,74 Proz. in Kontrolle blieben. Im einzelnen wurde festgestellt die Zahlen in Klammern beziehen sich auf die Schulanfänger: lecht genährt 0,23(2,66) Proz., unrein 0,28(2,03) Proz., davon mit Kopfläusen 0,08(0,28) Proz., Ausschlag und Hautkrank⸗ heiten 0,25(1,8) Proz., flache oder deformierte Brust 0,23 (2,66) Proz., Brüche oder Bruchanlagen 1,01(2,3) Proz., Verbiegung der Wirbelsäule 1,62(8,6) Proz., Veränderun der Glieder 0,42(0,7) Proz., Veränderung im Munde un Rachen 1,35(5,9) Proz., Verhinderung der Nasenatmung 1,93(9,7) Proz., Stotterer, Stammler 0,36(0,8) Proz., ungenügende Augenschärfe 4,58(0,00) Proz., Augenkrank⸗ heiten 0,68(2,5) Proz., schlechtes Gehör 0,51(0,4) Proz., Ohrenkrankheiten 0,32(0,2) Proz, allgemeine Erkrankungen und Krankheiten innerer Organe 0,11(0,07) Proz., Tuber⸗ kulose und Skrofulose 0,85(0,9) Proz., blutarm 0,88(6,7) Prozent, schwachsinnig 1,27(0,34) Proz.

Wie die Untersuchung ergab, ist der Gesundheitszustand der Kinder im allgemeinen günstig. Eine Untersuchung der Schulrekruten vor Eintritt in die Schule war durch ver⸗ schiedene Umstände unmöglich. Allerdings ließe sich diese nicht in allen Gemeinden vornehmen, zumal die schulärzt⸗ liche Tätigkeit nebenamtlich versehen wird. Neben der Untersuchung der Kinder erstreckte sich auch die schulärztliche Tätigteit auf die Einrichtungen der Schulzimmer, Schul⸗ häuser, Abortanlagen usw. In dieser Hinsicht hat sich er⸗ geben, daß noch manche Schule keine Turngeräte besitzt. Eine andere Einrichtung, der bisher wenig gedacht wurde, ist die Schaffung eines Händewaschraums für die Kinder. Eine selbstverständliche Forderung, der auch noch nicht in vielen Schulen entsprochen ist, ist eine Wasch⸗ gelegenheit fün den Lehrer. In 30 Gemeinden waren Ein- richtungen in schulhygienischer und schultechnischer Hinsicht verbesserungsnötig. Ein Versuch, die Eltern über Alkohol⸗ mißbrauch in einer Gemeinde mit besonders zahlreichen degenerierten Kindern aufzuklären, mißlang.

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* Militärische Ausbildung der. In den beiden letzten Wochen erstreckte sich die Ausbil⸗ dungstätigkeit an den Mittwochabenden auf Vorübungen. im Bajonettieren und Turnen, während au den Samstag⸗ Abenden die Sicherung ruhender Truppen durch Feld⸗ wachen, Vorposten und Patrouillen unterrichtet und praktisch! geübt wurde. Diese Nachtübungen sind für unsere Jugend außerordentlich lehrreich und werden von ihr mit größtem Interesse ausgeführt. Eine Ersatzabteilung, die nach Ostern sich angemeldet hatte, konnte nunmehr in die Kompagnie eingereiht werden. 71

** Schul nachrichten. Der gesamte Nachwuchs für unsere Schulen betrug bei Beginn des neuen Schuljahres 528 Köpfe(gegen 572 im Vorjahre). Es sind dies 8 ¾8 Proz. weniger als 1914. Es handelt sich um 262 Mädchen(280) und 266 Knaben(292), und es entfallen davon auf die Volks⸗ schule 382(405) ABC-Schützen, und zwar 194(206) Knaben und 178(199) Mädchen. In den höheren Schulen wurden neu eingeschult: Höhere Mädchenschule 42(38), Erweiterte Mädchenschule 42(43), Gymnasium 28(40), Realschule und Realgymnasium 44(46), im ganzen 84(81) Mädchen und 72(86) Knaben. Bemerkenswert ist, daß trotz der vor einem Jahr beschlossenen Schulgelderhöhung unserer Töchterschulen deren Besuch stark zugenommen hat, beläuft sich doch zurzeit deren Gesamtbesuch auf 815 Schülerinnen gegen 799 im Vorjahre, von denen 465(446) auf die Höhere und 350(353) auf die Erweiterte Mädchenschule entfallen,

* Zahlungen an Postkassen mittels Schecks. Zur Förderung der bargeldlosen Zahlungen wer⸗ den, wie die Postverwaltung verbreitet, bei den an Reichsbank⸗ plätzen befindlichen Kassen der Reichs⸗Postverwaltung außer Post⸗ schecks und Reichsbankschecks auch Schecks auf Banken, Anstalten, Genossenschaften und Sparkassen in Zahlung genommen, wenn die im Scheck als Bezogene genannte Bank usw. ihre Geschäftsstelle int Orte hat und ein Girokonto bei der Reichsbankstelle des Ortes unterhält. Terartige Schecks können u. a. in Zahlung gegeben werden bei Einzahlungen auf Postanweisungen und Zahlkarten, beim Einkaufe von Wertzeichen im Betrage von mindestens 20 Mk., bei Entrichtung von Fernsprechgebühren, gestundeten Portobeträgen, Telegrammgebühren, Zeitungsgeld, Schließfachgebühren. Die mit Scheck eingelieferten Postanweisungen und Zahltarten werden von den Postanstalten abgesandt, sobald die Reichsbank den Betrag der Postkasse gutgeschrieben hat. Es ist dafür gesorgt, daß diese Gut schrift möglichst rasch erfolgen kann. Eine vorzeitige Ab? sendung der Postanweisungen und Zahlkarten vor der Gut⸗ schrift tritt jedoch ein, wenn die Teilnehmer an dem Verfah⸗ ren für die von ihnen ausgehenden Postanweisungen und Zahl⸗ karten beim Postamt bis zur Höhe der Einzahlungen Sicherheit geleistet haben. Die von öffentlichen Pehörden, Kassen und An⸗ stalten sowie von Sparkassen der Kreise, Stadt- und Landgemein⸗ den aufgelieserten, mit Schecks beglichenen Postanweisungen und Zahlkarten werden ohne Sicherheitsleistung vor der Gutschrift der Schecks abgesandt, wenn sich die Behörde usw. mit der Postanstalt über das ein⸗ für allemal zu beobachtende Einlieferungsverfahren

e Versendung von Paketen während der Pfingstzeit. Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Paketkarte ist, wie die Postverwaltung mitteilt, für die Zeit vom 17. bis einschließlich 22. Mai auch im inneren deutschen Verkehr nicht gestattet.. A

» Reichswochenhilse. In dem der heutigen Nummer des Gieß. Anz. beiliegenden Kreisblatt ist eine Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers enthalten, wonach die Wochenhilse für die Dauer des Krieges eine entsprechende Ausdehnung von Jahren hat. Wir weisen hiermit auf diese kanntmachung besonders hin. 5 5

* Hungerpakete aus Amerika. Auch; Gießen verirren sich jetzt, wie wir es schon von Orten berichteten, Nahrungsmittelsendungen für die gernden Deutschen. Wurde da ein alter Gießener 2 auf das Zollamt beordert, um ein aus Am erita

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