Ausgabe 
(4.5.1915) 104. Zweites Blatt
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m. 104

Sweites Blatt Surschem! taglich mitt Alusnahme des Sonntags.

DieSetener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den kreis Setzen zweimal wöchentlich. Die Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Aritische Tage in Italien.

Der eine kritische Tag erster Ordnung in Italien, der 1. Mai, ist ohne besondere Zwischenfälle vorübergegangen. Zwar hatte das Zentralkomitee der Fasci, der revolutionär⸗ republikanischen Arbeiterverbände, ein Manifest zugunsten der Intervention veröffentlicht, aber die Kundgebungen der Arbeiter waren in Ueberein immung mit der Losung der

sozialdemokratischen Partei durchaus auf die Forderung . mit dem Krieg gestimmt. Größere Ereignisse er⸗

hoffen die Einen und F

die Anderen von dem zweiten von dem 5. Mai, wo in Genua in wart Königs mit einer Festrede Gabriele d' Annunzio die Weihe des Garibaldi⸗Denkmals stattfinden soll, und vom 12. Mai, wo auf dem Monte Zito⸗ rio die italienische Kammer zu der Tagung zu⸗ . von der die italienische Nation die Ent⸗ cheidung über Krieg und Frieden erwartet. Die Interventionisten, das heißt diejenigen, die für einenfrisch⸗fröhlichen Krieg gegen Oesterreich sind, der zugleich ein Krieg gegen die Tedeschi sein würde, betrach⸗ ten es als eine gute Vorbedeutung, daß in Genua der kriegsbegeisterte Dichterpolitiker d'Annunzio die Festrede und noch dazu in Gegenwart des Königs hält. Aber die e hat etwas Wasser in diesen Wein ge⸗ gossen, indem sie versichert, daß der phantasiereiche d'An⸗ nunzio seine Rede vorher der Zensur unterbreiten mußte. Von Rechts wegen, denn wenigstens nach unseren Begriffen soll nicht der 3 dem Sänger, sondernes soll der er mit dem König gehen, sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen von denen schon Abstürze erfolgt sind. Wir wissen nicht, welches der Inhalt der Rede ist, die d' Annunzio bei der Garibaldifeier halten wird, aber wir könnten ihm wohl einigeGedanken und Erinnerungen Verfügung stellen. So wäre es zeitgemäß, wenn er aran erinnerte, daß Garibaldi, dessen Denkmal jetzt ent⸗ hüllt wird, sich im Jahre 1860 aus dem öffentlichen Leben Caprera zurückzog, nachdem er in der Kammer ver⸗ geblich gegen die Abtretung von Nizza und Savoyen an Frankreich Einspruch erhoben, nachdem er die Losreißung Nizzas, dieser Perle in der sardinischen Krone Suvohyens, das dem italienischen Herrscherhause den Namen gegeben hatte, und die Napoleon den Italienern entriß, als einen Akt des Betruges und der Gewalt bezeichnet hatte. D'An⸗ 4 könnte in diesem Zusammenhang weiter an die Schlacht bei Mentana erinnern, wo besagter Garibaldi am 3. November 1867 von den französischen Truppen ge⸗ schlagen wurde. Er könnte weiter d' Annunzio ist ja so geschichtskundig das Wort des Franzosen Louis Veuillot zitiren:Wenn Frankreich so stark sein wird, wie es werden muß, so wird es genötigt sein, zwei nationale Ein⸗ heiten zu zerstören, die deutsche und die italienische. Und will d' Annunzio, dem die nationale Frage über alles geht, auch von Tunis reden, wo die Italiener, die den standteil der europäischen Bevölkerung bilden, im⸗ mer dringender den Anschluß an Italien fordern? Will d' Annunzio vielleicht in seine Rede das Wort einflechten, das einst Visconti Venosta dem rührigen Delcasse entgegen⸗ hielt, daß nämlich die durch die Wegnahme von Tunis Ita⸗ lien geschlagene Wunde unheilbar sei? Könnte der Dichter⸗ Politiker nicht in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß gerade die Festsetzung Frankreichs in dem den Italie⸗ nern weggeschnappten Tunis diese veranlaßte, den ihnen von Bismarck gewiesenenWeg nach Berlin über Wien einzuschlagen, daß jene perfide Haltung Frankreichs den Anstoß zur Begründung des Dreibundes gab, der Italien * drei Jahrzehnte lang Schutz⸗ und Rückendeckung wie Möglichkeit zu finanzieller Gesundung gewährt hat! Und da d' Annunzio gern aktuell ist, könnte er bei der Er⸗ örterung der Dardanellenfrage und der moskowitischen Sehnsucht nach Konstantinopel an die Warnung des weit⸗ blickenden Crispi erinnern:Alle Staaten haben ein Vor⸗

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Dienstag, 4. Mai 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

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dringen Rußlands nach Konstantinopel zu fürchten, und Italien kann nicht zugeben, daß das Mittelländische Meer ein moskowitischer See werde.

Aber wenn der fanatische Phrasenheld d' Annunzio diese Rede, die wir ihm gern zur Verfügung stellen, nicht halten will, vielleicht macht dann der Ministerpräsident Salan⸗ dra bei der am 12. Mai erfolgenden Eröffnung der Kammer davon Gebrauch. Und da Salandra kein Dichter, sondern ein Realpolitiker ist, fügt er bei dem Worte Crispis über das Mittelmeer als moskowitischen See vielleicht gleich hinzu, daß es ebenso gefährlich für Italien wäre, wenn das Mittelmeer ein englisch⸗französischer Binnensee würde, was bei einem Siege des Dreiverbandes der Fall wäre, auch wenn Italien diesem Trabantendienste leistete, denn wer die Dreiverbandspolitiker kennt, weiß, daß sie Bundes⸗ genossen lediglich zur Sicherung, nicht zur Teilung der Beute verwenden. Vielleicht erinnert Salandra dann weiter daran, wie gefährlich es wäre, die immer vom Unglück ver⸗ folgte italienische Armee als Kanonenfutter gerade für die Staaten zu verwenden, die den Italienern in den neun Weltkriegsmonaten so deutlich ihr Uebelwollen zu erkennen gaben. Und vielleicht schließt er dann mit dem Worte des führenden italienischen Philosophen Barcellotti, daßdie überwältigende Mehrheit der Italiener es als ihrer un⸗ witrdig ablehne, die Frage nach der Bundestreue Italiens auch nur zu diskutieren. Freilich, vielleicht hält auch Sa⸗ landra diese Rede nicht, und vielleicht wird die Frage doch diskutiert. Aber wir haben begründeten Anlaß, das Er- gebnis dieser Erörterung mit Ruhe abzuwarten.

Rom, 3. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die Agenzia Stefani meldet: Heute früh tagte der Min isterrat im Palazzo Braschi. Der Kolonialminister teilte die Berichte mit, die er über den letz⸗ ten Kampf an der Syrte erhalten hatte. Auf seinen Vor⸗ schlag beschloß der Ministerrat, ihn zu ermächtigen, falls notwen⸗ dig, den Kriegszustand in Tripolitanien zu erklären, sowie die notwendigen Verstärkungen dahin zu schicken. Der Minister des Auswärtigen berichtete über die internationale Lage. Auf Grund der Erörterung der politischen Lage erkannte der Ministerrat die Notwendigkeit an, daß kein Mitglied der Regierung Rom verlasse.

Tripolis, 3. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agencia Stefani. Nach vorläufigen Mitteilungen des Obersten Miani werden die Verluste der Italiener in dem Ge⸗ fecht vom 29. April auf 218 Tote und Vermißte, dar⸗ unter 18 Offiziere, geschätzt. Dabei sind die Verluste der Ein⸗ geborenentruppen nicht gerechnet. Alle Verwundeten, etwa 409, darunter 150 Weiße, sind auf dem DampferLetimbro nach Syrakus gesandt worden.

Schulter an Schulter mit unseren verbündeten.

We Mit warmen, duftigen ist der Frühling gekommen. Bon bag See en den de der peer bee 0 ae, n rgen 7 17 e

wochenlang die reichlich gespülten einem Großreinmachen unter Wasser gestanden haben, entpuppen sich die Karpathen mehr und mehr als ein nahbares Mittelgebirge. Die Geländeschwierigkeiten, die sich aus der Lagerung ihrer in⸗ einander verschränkten einzelnen Höhenzüge ergeben, gebieten der Kriegführung dieselbe Vorsicht, dieselbe Geduld wie zuvor. Aber der or carne ist mit dem Schneemantel größtenteils abgestreift, und damit sind zugleich eine Menge Schrecken und Müh⸗ sale fallen, die während der Wintermonate die Widerstands⸗ kraft unserer aus der Ebene kommenden deutschen Soldaten auf eino oft grausame Probe stellten. Der Winterfeldzug in den Karpathen wird in der deutschen Kriegsgeschichte mit seinen neuen und wich⸗ tigen Erfahrungen ein besonderes Kapitel beanspruchen. Wer sich einen Begriff davon machen will, was unser Heer an der ungarisch⸗ galizischen Grenze, gewissermaßen unvorbereitet, geleistet hat, wird sich immer die Monate Januar, Februar, März vergegenwärtigen müssen, in denen der Himmel mit den Russen verbündet schien. Während unsere Truppen mit Schnee und Eis rangen, hatte der Feind jenseits des Gebirges Muße genug, ungezählte Verstärkungen aus den nördlichen Ebenen heranzuziehen. Wir schildern deshalb

die Stellungen unserer Streitkräfte am besten so, wie wir sie An⸗ fang März noch in tiefster Winterlichkeit gesehen haben.

Grob bezeichnet liegen sich die kämpfenden Heere auf paral⸗ lelen Bergketten gegenüber, auf Ketten von vielen Bergen und Hügeln, die einzeln besetzt und befestigt werden müssen, und nicht etwa auf ununterbrochen langgestreckten Rücken, die in einer zu⸗ sammenhängenden geraden Linie zu verteidigen wären. Diese pa⸗ rallelen Höhenketten trennt aber kein einfach durchgehendes Tal; sie sind durch hundert Sättel miteinander verbunden und der Zwischenraum stellt sich wiederum als ein vielverschlungenes, wenn auch niedrigeres Gebirge dar. An den südlichen Gürtel der höchsten Erhebungen mußten die verbündeten Deutschen, Oesterreicher und Ungarn, an den nördlichen die Russen ihre Mannschaften und ihren Nachschub möglichst nah heranschaffen. Dabei gelangte man, mit Wagenkolonnen oder mit Eisenbahnen, bis an einen Punkt, meistens ein größeres, für die Unterbringung eines Generalkommandos oder eines Divisionsstabes geeignetes Torf, von wo aus der Weiter⸗ marsch nur auf steilen Gebirgspfaden und der weitere Transport von Ausrüstung, Verpflegung und Munition nur mit Tragtieren oder menschlichen Lastträgern zu bewerkstelligen war.

Schon die stattlichen Dörfer, die verhältnismäßig bequem zu erreichen sind und allenfalls den höheren Stäben ein erträgliches Quartier bieten, lassen sich in ihrer Dürftigkeit und Kahlheit höchstens mit den zerstörten Dorsschaften des westlichen Kriegs⸗ schauplatzes vergleichen. Auch wo die Feinde früher noch nicht gehaust haben, entbehrt man die bescheidensten Bequemlichkeiten, die an einen auch nur niedrigen Grad von Zivilisation erinnern könnten. Sie gehören nicht einmal zum Hausrat der besseren Woh⸗ nungen eines Geistlichen, eines Lehrers oder eines Försters, oder sind solche Seltenheiten, daß ein Findiger sich beizeiten ihrer be⸗ mächtigt hat. Aus der Siedelung ragt gewöhnlich eine inter⸗ essante alte griechisch⸗katholische Kirche hervor, ein Holzbau mit hölzernem, pagodenartigem Glockenturm daneben, zuweilen auch ein auffallend großes modernes steinernes Gotteshaus mit ver⸗ dächtigen Anklängen an russisch⸗byzantinische Bauweise. Alles andere ist niedrig und armselig. Nur wenige von den Blockhäusern sind auch außen mit Lehm verklebt oder gar angestrichen, dis meisten stehen nackt und urwüchsig unter ihrem zeltartig über⸗ hängenden Strohdach. Das Innere bildet einen einzigen Wohn⸗ raum zwischen zwei Schuppen, die rechts und links die überdachte Fläche ausfüllen. Inmitten eines solchen Raumes steht ein Hotzi⸗ ger steinerner Ofen; er hat keinen Schornstein, heizt das Haus, dient gleichzeitig als Kochherd und auf seiner oberen Platte pflegt die Bauernfamilie zu schlafen. Einige Pritschen, ein schnell ge⸗ zimmerter Tisch und eine Bank verwandeln die räucherige Bude in eine Unterkunft für so und so viel Offiziere. Günstigstenfalls erzieht das Zusammenleben mit ihren Gästen die Bewohner der Ofenplatte zu einer schüchternen Vorahnung von Sauberkeit. Die Mannschaften, aber auch die Stäbe mit ihren Kanzleien, leben am besten in den Baracken, die nach Art unserer Arbeitertantinen, je nach ihrem Zweck imin wenigen Stunden aus dem Boden wachsen. Innerhalb der Dorfschaften gewahren wir auch behelfsmäßige Lazarette, Vorratsspeicher, Gefangenenlager und Pferdeställe.

Von hier aus verteilen sich nun die Truppen und die Trag⸗ tierkolonnen auf die zu den Gefechtsstellungen führenden Wege. Zuerst sind es noch Straßen; der niedergetretene Schnee läßt die

Breite eines mäßigen Fuhrwerks erkennen. Bald aber geht es auf

kaum ang faden weiter ein kräftigendes Vergnügen, wenn das Wetter n und der Schnee hart ist, dagegen bei weichem, alles ver Neuschnee und eisigem Schneetreiben

Das Wetter und immer wieder das Wetter! Es hat bei un⸗ serem Vorgehen die allergrößte Rolle gespielt. An manchen herr⸗ lichen sonnigen Frosttagen hört man aus jedem dritten Munde den fröhlichen Ausruf: Der reinste Wintersport! Die weißen Kuppen leuchteten blendend gegen den blauen Himmel. Auf jedem ihrer weitausladenden Zweige trug die majestätische Kiefer ihre glitzernde, schimmernde Last. Von den schroffen Hängen sausten mit roten Gesichtern die Schneeschuhpatrouillen zu Tal, keck und abenteuerlich in ihren raschen Bewegungen. Festgebunden an karze Pflöcke sprangen und kläfften die unheimlich tatendurstigen Polar⸗ hunde im Schnee umher und konnten es nicht abwarten, daß man sie vor den Schlitten spannte und sie, immer ihrer zehn zusammen⸗ gekoppelt, eine Last bergan ziehen hieß, die weder von Menschen noch von Pferden über Geröll und Klippen hinweggezerrt werden kann. Aber das Bild verdüsterte sich auch wieder. Nebelwolken und peitschender Sturm schienen nichts Gutes zu verkünden. Die treppenmäßig ausgehauenen Wege waren so glatt übereist, daß man ohne Steigeisen, Nagelschuhe und Eispickel nicht aus der Stelle kam. Hinter der Wand, die man hinaufklomm, dröhnte mit

Lebende Unterseeboote.

Von unterseeischen Schiffsangriffen durch Tiere erzählt Wil⸗ helm Bölsche in einer fesselnden naturwissenschaftlichen Plau⸗ derei, die er im nächsten Heft der bei der Deutschen Verlags⸗ Anstalt in Stuttgart erscheinenden ZeitschriftUeber Land und Meer veröffentlicht. Noch lange bevor es auch nur den Traum eines Unterseebootes und seiner furchtbaren Angriffsart gab, hat

die Phantasie der Seeleute von den Schauern sol urplötz⸗ ches erben drohenden Tiefenangriffes, der bei ruhiger

ee ein Schiff zugrunde richten konnte, zu erzählen gewußt. Ziwas unberechenbar iches sollte es sein, das zu jeder Stunde und an jedem Ort sich aus dem dunkeln Abgrund heben und einen unterseeischen Angriff ausführen könnte, so daß man den Stoß verspürte und die Schrecken eines Lecks auf offener See erlebte, ohne die Ursache feststellen zu können. Der Dämon des Untermeeres konnte nur etwas Lebendiges sein, etwa ein riesiges Tier mit einer greulichen Stoßwaffe, der keine dickste Schiffs⸗ planke standhielt. Was konnte dieser Unhold nun für ein Tier sein? Bölsche geht alle die Vermutungen durch, die man darüber geäußert hat, und zeigt, daß es der berühmte Kraken und die Riesenwalfische, an die man gedacht hat, nicht gewesen sein Spie w aber auch 0 nit 15 l Spieß ausgerüstet ist, u ägefisch mit seiner Säge nicht in Frage kommen, obwohl ihre Waffen den Verdacht zunächst er⸗ wecken könnten. Es bleibt also nur derSchwertfisch, ein riesiger Fisch von stolzer Schönheit, der alle unsere Meere, die nördlicheren bis zur Ostsee gelegentlich durchstreist. Purpurblau ist sein Rücken, silbern der Bauch, schwarzblau die imposante Schwanzflosse, dunkelblau das mächtige Auge. Die größten alten Herren schätzt man bis 5 Meter an Länge, doch geht die Sage von noch weit stärkeren Kolossen. Das eigentliche Wunder dieses Riesen aber ist sein wirklichesSchwert. Es springt mit scharf⸗ schneidenden Kanten als heure Spitze vom Kopf aus vor. Ter verlängerte Oberkiefer steckt als se darin, aber auch noch Teile sonst der Schädelknochen g ihm gleichsam den festen Griff. Man hat durchaus den einer Waffe, und dieses spitze Schwert tut seinen Dienst als solches bei der nusgiebigen Jagd des Riesenfisches. Der wilde Schwimmer wirft sich mitten in Fischschwärme hinein, haut mit dem Degen rücksichts⸗ los um sich, bis weithin alles sich krümmt von mitten durch⸗ schnittenen Heringen oder Makrelen und sättigt sich dann be⸗ haglich aus dem Ueberflusse dieses 3 1 wissen auch davon zu erzählen, daß einer einen Stich dieses Schwertes selbst von kleinen Exemplaren erhielt, der durch Arm oder Bein ging. Dieser Schwertfisch in seiner größten, von der Sage noch ins weiteste gesteigerten Gestalt, soll es sein, der jäh im Zorn

von unten anrennend wirklich große Schiffe einstößt, leck macht, in äußerste Gefahr oder wirkliches Verderben bringt. So kühn die Vorstellung auch erscheinen mag, die hier die Wand eines richtigen Ozeanschifles und einen anrennenden Berserker von Fisch einander gegenüberstellt, so hat eine kritische Sichtung der vorliegenden Be⸗ richte sie doch bestätigt. Bei einem alten britischen Kriegsschiff hatte das(im Holz 1 abgebrochene) Schwert des Fisches die 2,5 Zentimeter der Verschalung, 7,5 eter Holz einer Planke durchstoßen und war dann noch mehr als 11 Zentimeter weit in einen Pfosten eingedrungen. In einem Walfischfänger waren in gleicher Weise der Kupferbelag, die 2,5 Zentimeter⸗Ver⸗ schalung, eine 7,5 Zentimeter dicke Planke und ein 30 Zentimer starker Eichenbalken durchlocht worden, und die scheußliche Spitze hatte zum Schluß noch dem Boden eines Tranfasses im Schiffs⸗ raum ein besonderes Leck 1 1 Der Stoß erschütterte in solchem Fall das ganze Schiff so, daß alles auf Deck rannte. Auf einem großen englischen Indienfahrer konnte man den unter⸗ seeischen Angriff unmittelbar in seinem Anlaß verfolgen: man batte den ungeheuren Fisch mit der Angel geködert, worauf aber die Leine riß und der wütende Unhold sofort einen furchtbaren Unterwasserstoß wagte. Das Schiff wurde leck und kam mit Not in den Hafen zurück, von dem es ausgegangen war; es entwickelte sich dann eine Schadenersatzklage, bei der zoologische Sachverstän⸗ dige die Kraft des Fisches zu solcher Leistung gerichtlich festlegen mußten und schließlich die Versicherungsgesellschaft 12000 Mark dafür zahlen mußte, daß sich solche lebendigen Unterseeboote im Ozean herumtreiben. Was ein einfaches Boot bei solcher Sach⸗ lage erfahren kann, erhellt von selbst; schon ein kleinerer Schwert⸗ fisch stieß gelegentlich beide Bootsseiten durch und das dazwischen befindliche Bein eines Rudernden mit. Der bekannte Zoologe Peschuel⸗Loesche ist um ein Haar bei solchem Angriff, bei dem der Fisch sich mit Schwert und noch einem Stück Kopf durch den Bootsboden schlug, ums Leben gekommen. Man kann nach diesen Angaben nicht mehr bezweifeln, daß der Schwertsisch eine wirk⸗ liche Gefahr für die Schiffahrt ist und tatsächlich Schiffe vernichtet hat, die spurlos verschwunden sind.

Pariser Erfindungen von 18 70. Während der Belagerung von Paris im Kriege von 1870/71 war der Erfinder⸗ ist außerordentlich tätig und gelangte zu den abenteuerlichsten Vorschlögen, um das französische Vaterland von dem Eroberer zu befreien. Man hatte eine wissenschaftliche Kommission für die Vert von Paris gebildet, an die sich alle wandten, die etwas für die Rettung Frankreichs tun zu können glaubten, und aus den Papieren dieser Kommission teilt in einer der letzten Nummern der Revue Charles de Wattepille einige Proben von diesen Erfindungen mit. Viele darunter sind ganz närrisch oder

phantastisch; andere enthalten aber im Keim Gedanken, deren Durchführung in technisch entwickelter Form wir in den Kämpfen des jetzigen Weltkrieges sehen. So berührt es merkwürdig, daß man schon im Jahre 1870 daran dachte, die Luftballons, die ja überhaupt bei der Belagerung von Paris eine große Rolle spielten, für das Abwerfen von Bomben zu benutzen. Man regte ferner an, metallische Schanzwerke zu errichten, die mit einem elektrischen Strom in Verbindung standen, durch den die Angreifer zu Boden geschmettert werden sollten. Wieder ein anderer Erfinder machte den Vorschlag. Eisenbahnlokomotiven etwa in der Art zu benutzen, wie dies mit dem Panzerautomobilen unserer Tage geschieht, indem man sie mit einem fünften Rad für die Steuerung aus⸗ rüstete und ihnen breite Räder mit Gummistreifen gab, um die Stöße der Maschine auf den gewöhnlichen Straßen abzuschwächen. Wieder ein anderer wollte die Lokomotiven mit einer Art seit⸗ lichen Sichel ausstatten und sie mit Volldampf gegen den Feind jagen. Auch eine Tampfschleuder wurde vorgeschlagen, die im⸗ stande sein sollte, 6000 Geschosse in der Minute auf 1000 oder 2000 Meter Entfernung zu schleudern. Sogar die Idee eines elektrischen Wurfapparates war schon vorhanden; die motorische Kraft für die Erzeugung der Elektrizität sollte durch eine Loko⸗ mobile oder durch ein von Menschen gedrehtes Schwungrad ge⸗ liefert werden. schichtliche Erinnerungen kehrten in der Er⸗ findung des Mannes wieder, der wie Archimedes die Sonne und die Spiegel benutzen wollte, um auf weite Entfernungen him Brände hervorzurufen oder den Feind zu blenden. Ein ganz be⸗ sonders Schlauer wollte die Kanonen mit Spiegeln versehen, um zu verhindern, daß der Feind sie sehen könnte.

52000 Mark für einen Rubens. Bei der drei⸗ tägigen Versteigerung der reichen Gemäldesammlung des verstor⸗ benen T. J. Blakeslee in New York war das 1 ein Bild von RubensDie Anbetung der hl. drei Könige. Das 96: 120 Zoll messende Werk wurde für den Hauptaltar Mar⸗ tinskirche in Bergues in Französisch-Flandern gemalt; von dort wurde es im Jahre 1766 verkauft und ging in verschiedene Hände über, war eine Zeitlang auch in dem Besitz von Charles Lucien Bonaparte und erreichte schließlich die Auktionsräume von Christie in London, wo es im Jahre 1853 einen Preis von 24000 Mark erzielte. Mr. Blakeslee hat es vor einigen Jahren erworben, und bei der jetzigen Versteigerung wurde es für 52000 Mark verkauft. Unter den übrigen Bildern erreichten noch einen hohen Preis das Porträt einer Hofdame Ludwigs XIV. von N. de Largillisre, das für 30000 Mark in andere Hände überging, und ein Damen⸗ porträt von van Dyck, das 20 400 Mark erzielte; im übrigen waren die Preise verhältnismäßig niedrig.