Ausgabe 
(20.4.1915) 92. Zweites Blatt
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5 Pranger

Frsccheint täglich mit

Ausnahme des Sonntags.

DieSleßener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Areis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ tragen erscheinen monatlich zweimal.

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165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Gberhessen

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Dienstag, 2. April 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühleschen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: l, Schrist⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.

die Lenkballons des Dreiverbands.

Unsere Gegner scheinen sich jetzt Mühe geben zu wollen, den deutschen Zeppelinkrieg durch gelegentliche Luftschiff⸗ besuche zu erwidern. Das nächtliche Erscheinen eines feind⸗ lichen Luftkreuzers über Straßburg i. E war zwar kein vielversprechender Ansang, er hatte nicht die mindeste mili tärische Bedeutung, aber er sollte wohl dartun, daß auch die Alliierten über Luftschiffe verfügen. Wie steht es nun eigentlich damit? In die französischen Bestände hat man wenige Monate vor Kriegsausbruch interessante Ein⸗ blicke gewonnen durch die Enthüllungen des Senators Rey⸗ mond, der seinen Landsleuten folgendes vorhielt: Deutsch⸗ land besitze 14 Lenkballons, Frankreich sieben, die Pferde⸗ kräfte der deutschen Motoren betragen 600700, die der französischen kaum 300. Die Mitrailleusen tragendenZeppe⸗ line können ohne Bewegungsänderung Profektile in einem Gewicht von 700 Kilogramm abwerfen. Die französischen Lenkballons seien weder für Defensive noch für Offensive ausgestattet. Deutschland besitze 30 Lenkballonschuppen, Frankreich elf und lange nicht so zweckmäßig ausgestattet. Dazu möchten wir bemerken, daß Frankreich bei 9 des Krieges schon 24 Luftschiffhallen, teils fertig, teils im Bau besaß, aber von diesen sind heute etwa drei Viertel entweder zerstört oder wohlgeborgen in deutschem Besitz, da sich eben die meisten im Ost⸗Jortgürtel befanden. Aber hören wir noch Reymonds Senatsrede zu Ende:Traurige Ver⸗ hältnisse herrschen bei der französischen Wasserstoffgas⸗Ver⸗ sorgung. Deutschland verfügt über elf große, dem Staate gehörige Gaserzeugungsanstalten, davon sechs an der fran⸗ zösischen Grenze befindlich. Der französische Staat hat nicht eine einzige ihm gehörende Gasanstalt, ist vielmehr völlig auf private Unterstützung angewiesen. Die deutschen Lenk⸗ ballone fliegen an siebzig von hundert Ta und legen da⸗ bei bis 1800 Kilometer Flugstrecke 1 Frankreich hat in seinen großen Manövern sehr unangenehme Erfahrungen

mit den Lenkballonen gemacht. Nicht dreimal konnte ein Lenkballon aufsteigen, ohne einen Unfall zu haben.

Der Krieg hat dieses schlechte Zeugnis nur bestätigt. Aber um dem Gegner streng gerecht zu bleiben: Frankreich hat während der 8 ¼ Kriegsmonate fieberhaft daran ge⸗ arbeitet, den deutschen Vorsprung im Luftschiffwesen wenig⸗ stens teilweise einzuholen. Die drei bedeutendsten französi⸗ schen Werke erhielten schleunige Aufträge. Hatte man früher in Frankreich nur Luftschiffe von 9000 bis 10000 Kubik⸗ meter dblich erte uch 8 e so sollten nun plötzli iegsluftschiffe von 2½fachem Inhalt, näm⸗ 5 15 1 n 5 5 1 Man ent⸗ nal iese Grö n deutschen Zeppelin⸗Luftschiffen, ohne aber zu bedenken, daß die nötigen und Ersah⸗ rungen zum Bau so großer Lenkballone in Frankreich völlig fehlten, daß vor allem das starre System dort abgesehen von dem Ballon Spieß, der wieder abmontiert wurde überhaupt unbekannt war, Es sollten die neuen Luftschiffe Pralluftschiffe des unstarren oder halbstarren Systems wer⸗ den. Das stärkste Luftschiff wurde dem Ingenieur Jullot der Lebaudy⸗Werke zum Bau in Auftrag gegeben. Bei der Firma Clément⸗Bayard wurden zwei unstarre Luftschiffe von 23 000 Kubikmeter bestellt; sie sollen eine Mindestgeschwindigkeit von 75 Kilometer entwickeln, was nicht viel verlangt ist (die außerordentlich zahlreichen Seile und Taue, an denen die Gondel aufgehängt ist, rufen einen großen schädlichen Widerstand hervor). e der neuen deutschen Kon⸗ struktionen ist es, wenn durch den Ballonkörper ein Auf⸗ 1 zu einer oberen Plattform eingebaut wird, auf

man Maschinengewehre oder vielleicht 3,7⸗Zentimeter⸗ Schnellseuerkanonen aufstellen will. Die dritte Quelle der

seindlichen Kriegsluftschiffahrt ist die Astra-Torres⸗Gesell⸗ schaft. Ein Luftschiff dieser Konstruktion ist an die englische Heeresverwaltung geliefert worden; seine Gondel war das besuchteste Schaustück der geronautischen Ausstellung im De⸗ zember 1913 in Paris. Das für Frankreich im Bau befind⸗ liche Astra⸗Torres⸗Luftschiff müßte eigentlich zuerst von allen 1 auf dem Kriegsschauplatz erscheinen, weil

die beste und am schnellsten herzustellende Luftschiffbauart sranzösischer Marke darstellt. Aber es ist heute so wenig sertig wie die anderen. Keines von den genannten in Auftrag gegebenen französischen Luftschiffen kann das⸗ jenige gewesen sein, das vorige Woche über Straßburg Bom⸗ ben warf. Was England anbelangt, so ist von dort noch weniger zu fürchten. Die englischen Luftschiffe sind seit 1914 der Marine zugewiesen. Es waren etwa sechs. Im Bau sollen neun sein. Von den alten sechs haben nach fachmännischer Beurteilung fünf keinen Gefechtswert mehr. Ein Parseval⸗ Luftschiff ist wohl das einzige augenblicklich brauchbare Fahrzeug Englands. So sieht es im Luftschiffwesen bei Deutschlands westlichen Feinden aus, von Rußland nicht zu reden, das mit angeblich dreizehn sertigen Luftschiffen in den Krieg zog und noch nicht eine bemerkenswerte Fahrt aus⸗ führen ließ. Mögen die Gegner also hie und da ein wenig demonstrieren und remonstrieren. Der Zeppelin beherrscht doch das Feld.

v. d. Goltz und sein neues Amt.

v. d. Goltz Oberbefehlshaber der türkischen 1. Armee.

Konstantinopel, 19. April.(WTB. Nichtamtlich.) Freiherr von der Goltz Pascha wurde zum Ober⸗ befehlshaber der 1. Armee ernannt.

Die gesamte türkische Presse nimmt mit der größten Befriedigung den durch Uebernahme des Kommandos der 1. Armee erfolgten Wiedereintritt von der Goltz Paschas in den aktiven Dienst der türkischen Armee auf. Unter Hinweis auf die seinerzeit geleisteten großen Dienste, sowie auf die bei jeder Gelegenheit bekundete Liebe von der Goltz Paschas zu der türkischen Armee und Nation sprechen die Blätter den Wunsch aus, daß durch diese Ernennung die beschlossene direkte Beteiligung am Kriege erfolgreich und siegreich das Werk von der Goltz Paschas krönen werde.

Von einem ehemaligen Schüler des Generalfeld⸗ marschalls wird uns geschrieben:

Oberbefehlshaber der 1. türkischen Armee! Mit welchen Gefühlen und Erinnerungen mag Freiherr v. d. Goltz diese Ernennung entgegengenommen haben, er, der einst zwölf kostbare Jahre in wenig dankbarer Arbeit, bald mit dem Mißtrauen der Sult, erale, bald mit dem damaligen Verwaltungsschlendrian, bald mit den ganz persönlichen Launen Abdul Hamids kämpfend, verbrachte, der 1895 zwar bereits als türkischer Marschall, aber iedigt, ver⸗ kannt und enttäus von Konstantinopel Königsberg zurückkehrte! Und heute! Heute hat der Generalfeldmarschall eine vollständig veränderte Lage vor sich. Er besitzt das vollste Vertrauen, ja die herzlichste Freundschaft des Bru⸗ ders und Nachfolgers Abdul Hamids, er verfügt über ein unerschütterliches Ansehen innerhalb der türkischen Armee, die dem 71jährigen kampfbegeistert zujubelt und von ihm erwartet, daß er sie zu Sieg und Ruhm führe. Der alte Marschall wird halten, was er seinen Türken schon als vierzigjähriger Generalmajor versprach, wenn sie nur seine weitblickenden und scharfsinnigen Ratschläge befolgen.Was allein nottut, ist Einigkeit, Ruhe und der feste Entschluß zum Ausharren! v. d. Goltz ist derselbe geblieben, der er

war. Die staunenswerte Elastizität seines nimmermüden Geistes, sein bis heute noch ausgezeichnet funktionierendes Gedächtnis und seine überzeugende Belehrungsgabe haben dem Feldmarschall jetzt im Kriege neue Schüler und neue

deutschen Offiziere, die zurzeit am Bosporus Dienst tun,

sondern auch die ganze militärische Intelligenz der Türkei. Sie wissen, v. d. Goltz schmeichelt ihnen 3 nicht. Er ist nicht der Schönredner und hohle

wollten. Er hat seinen türkischen Jüngern stets im Guten und Bösen die Wahrheit gesagt. Als 1911 in einer Militär⸗ zeitschrift die Erinnerungen des Feldmarschalls an die im Jahre zuvor veranstalteten türkischen Manöver erschienen,

sich keinen Täuschungen über die bei seinen Schülern er⸗

kischen Soldaten als kompakte Masse fest in der Hand zu

besitzt und führt v. d. Goltz in der ersten türkischen Armee

den nie und nimmer gelingen wird, durch die Dardanellen

See; es könnte das Ende durch Gewaltakte gegen den körper des Ottomanischen Reiches herbeiführen!

der türkischen gefühl des

dauernden Ersolg. kischen Küstenstädte möchte

Truppen und dem ottomanischen Volkes Eine Beschießung der europäisches,

tragende Pfeiler der italienischen Ueberlegenheit, aufs Spiel gesetzt wird. Dann aber muß man sich fragen, was erreicht

ihn auszufechten wünscht, weil sie dort ihre Stärke, die Landmacht, zu brauchen imstande ist. 1 2

Ist das nicht heute erst recht gültig? Gilt es nicht auch gegenüber dem törichten Ansturm der englisch⸗französischen

Mausefalle, die ihnen da von einem Strategen wie v. d. Goltz gestellt wird. d

Neue Angriffe auf die Dardanellen.

dam gemeldet wird, zeigt die Flotte der Alliierten in den Darda⸗ nellen eine rege Tätigkeit, ebenso im Golf von Saros. Täglich dringen Schiffe in die Dardanellen ein, um die Türken zu hindern, an den Befestigungen zu arbeiten.

1

Von der englischen Uriegslitteratur.

Ueber die Kriegsliteratur der Engländer erstattet Philipp Roth in einer Reihe im Buchhändler⸗Börsenblatte erschienener Abhandlungen einen interessanten und reichhaltigen Bericht. Sie beginnt mit den amtlichen Veröffentlichungen, der Zahl nach drei, die alsdann unter dem TitelGroßbritannien und die europäische Krisis auch gesammelt als sogenanntesPenny Blue Book erschienen sind. Von dem ursprünglichen Weißbuche sind hintereinander drei verschiedene Drucke erschienen, die als bibliographische Kuriositäten dauernd ihren Wert behalten wer⸗ den. In der ersten Ausgabe war nämlich das Datum einer pesche Vivianis an den französischen Botschafter in London glatt⸗ weg auf den 31. Juli, einen Freitag, gefälscht worden, obgleich in der Depesche selbst vonGestern, Freitag gesprochen wird! Dies wurde in dem zweiten Drucke richtiggestellt, aber dabei passierte das böse Versehen, daß man neben dem richtigen Datum die Be⸗ merkunggestern, Freitag im Texte wieder stehen ließ und sich so zum zweitenmale Lügen strafte! Erst im dritten Drucke wurde auch dieser ärgerliche Fehler beseitigt; mit Recht erinnert Roth angesichts dieser naiven Schwindeleien der englischen Regierung an das ironische Wort Swifts:So allgemein 1 55 das Lügen ausgeübt wird und so leicht es aussieht, so ist es doch erstaunlich, daß es noch so wenig zur Vollkommenheit gebracht worden ist, selbst von denen, die am berühmtesten in dieser Fähigkeit sind.

An die amtlichen Veröffentlichungen schließen sich die Sa m m⸗ lungen von Ministerreden, und speziell die von Asquith und von Lloyd George, die herausgegeben worden sind, um die öffentliche Meinung Englands durch die bekannten Schlagworte gründlich zu bearbeiten. Hier tauchen denn alsbald Bernhardi, Treitschke und Nietzsche als Apostel des neuen Germanismus und seines Kriegsevangeliums auf. Diesen Männern ist ein recht erheblicher Teil der englischen Kriegsliteratur gewidmet. Bern⸗ hardis wie Nietzsches Schriften, die schon vor Kriege ins Eng⸗ lische übersetzt waren, sind in billigen Kriegsausgaben veröffentl worden; es wird erzählt, daß die Bernhardi⸗Bücher in Massen⸗ auflagen von 30 000 Exemplaren und mehr gedruckt worden sind. Treitschkes Persönlichkeit und Schriften, deren Uebertragung ins Englische sich Adam L. Gowans gewidmet hat, sind überhaupt erst seit dem Kriege und durch den Krieg in England bekannt geworden. Die übrigen englischen Agitationsschriften gruppieren sich in erster Linie umThe Kaiser, der in den ihm gewidmeten Büchern und Broschüren bald als derentlarvte Kaiser, bald als derwirk⸗ liche Kaiser und bald als der bekannteWar Lord erscheint, und natürlich fast durchweg ebenso gehässig und verlogen dargestellt wird, wie er gerade von englischer Seite vor dem Kriege mehr als einmal in unangenehmer Weise beschmeichelt worden ist. Die eigentliche Hetzlitteratur im engsten Sinne ist recht um⸗ fassend und zum Teil überaus gemein; den Vogel schießt wohl die schamlose bei Newnes erschienene VerleumdungsschriftDeutsche Scheußlichkeiten ab, als deren Verfasser sich Le Queux an den

5 hat und die zum Teil mit Abbildungen nach ge⸗

fälschten Photographien illustriert ist.

Die sogenannten intellektuellen Kreise Englands stehen, soweit die Literatur dies erkennen läßt, ganz überwiegend unter dem Banne der amtlich ausgegebenen Schlagworte. Die von Mitgliedern der Oxforder Geschichtsfakultät herausgegebene SchriftWarum wir im Kriege sind, versichert das Publikum zwar, die Verfasser hätten sich bemüht, den Gegenstand historisch zu behandeln, wimmelt aber in Wahrheit von Entstellungen histo⸗ rischer Tatsachen. Unter den Mitgliedern wissenschaftlicher Kreise, die gleichfalls im Sinne der amtlichen englischen Politik Schriften veröffentlicht haben, während noch J. Holland Rose aus Cam⸗ bridge, Ramsay Muir aus Manchester und John Kirkpatrick aus Edinburg zu nennen. Die Zahl der Literaten, die sich an der Kriegsliteratur beteiligt haben, ist gering; das bekannteste Er⸗ zeugnis dieser Gruppe ist das kleine Buch von H. G. Wells, das schon in seinem TitelDer Krieg, der dem Krieg ein Ende machen wird den phantastischen Schriftsteller verrät.

Aeußerst fruchtbar aber sind auch in England die Dichter gewesen; es sind bereits bis Ende Dezember an die 60 einzelne Bändchen mit Gedichten erschienen, allerdings einschließlich der zum Teil altes Material enthaltenden Anthologien. Unter den eng⸗ lischen Kriegsgedichten finden sich manche hübsche, wie z. B.Wach auf, England von Poeta laureatus Robert Bridge, angemessen im Ton und stark in der Sprache, vielleicht das beste von allen. Durch rein menschliche Töne spricht ein GedichtIn den Schützengräben von Maurice Hewlett an, worin ein Soldat im englischen Schützen⸗ graben bei nächtlichem Mondschein seine Heimat im Geiste sieht und daran denkt, daß drüben im deutschen Schützengraben ein an⸗ derer in demselben Augenblicke wohl Aehnliches empfinden möge.

Sehr kennzeichnend für den Geist der englischen Unwahrhaftig⸗ keit ist die Tatsache, daß die Schriften, die über die Gerechtigkeit der englischen Politik und des Krieges eine andere Auffassung haben, als die Regierung und die Masse der Zeitungen, in den englischen Bibliographien einsach nicht mit aufgeführt werden! Die einzige Ausnahme bildet die auch bei uns bereits bekannt ge⸗ wordene Schrift von ShawGesunder Menschenverstand über den Krieg. Im übrigen rühren die Schriften dieser Gruppe meist von Sozialisten her; in den Veröffentlichungen von Brails⸗ ford. G. H. Norman, George Benson, E. D. Morel und Clifford Allen können die Engländer, wenn sie wollen, genug und mehr als genug von Wahrheit über sich und über Deutschland lesen. Zur Vervollständigung des Bildes sei endlich bemerkt, daß auch in England eine sehr umfangreiche Literatur entstanden ist, die dem Bedürfnisse der Menge über alle möglichen Dinge der Politik, des Heer⸗ und Marinewesens und dergleichen in den verschiedenen Ländern Bescheid zu wissen, Rechnung trägt. Auch Priegs⸗ kochbücher sind in England erschienen, allerhand Prophe⸗ zeiungen über den Gang und das Ende des Kriegs sind ver⸗

breitet und Kriegslieder, Märsche und Hymnen sind komponiert woobwohl das ja gerade nicht die Stärke der Engländer ist. 8 7

mann in Darmstadt 3 soeben in gediegener Ausstattung einen Sammelband hessischer

Gedicht von Alfred Bock:

Da steht mein Junge in blanker Wehr. Bei Gott, er macht mir den Abschied nicht schwer. Sieh, Vater, nun folg ich dem Rufe der Pflicht, Glaub mir, ich bin voll Zuversicht. Es schürt mein Wille den heiligen Brand, O Stolzgefühl: Fürs Vaterland! 5 Ich spüre den Atem der glorreichen Zeit, Dies zu erleben ist Seligkeit. Und aufgehn ganz im Bruderbund, Daran wird all mein Wesen gesund. Ach, wieviel Treue ich schon erfuhr, Nie schlug so laut meine Lebensuhr Und mir enthüllt sich, daß du's weißt, Das Wunderwort vom deutschen Geist! Komm Junge, daß ich die Hand dir drück, Ich neide dir dein großes Glück. Mich bannen die Jahre an Herd und Haus, Du ziehst in den heiligen Krieg hinaus. Du suchtest den Lorbeer in Wissensland, Nun zuckt das Schwert in deiner Hand, Und Kampf und Sieg und ewiger Ruhm Umglänzen dein junges Heldentum. Was in dir schattenhaft, wird klar, Die Stunde preis' ich immerdar. Und kehrst du heim und ist's getan, Dann grüß' ich dich als ganzen Mann! 5 2. 5 Alfred Bock. Die erste Pariser Uraufführung im Krie Während dieser Winter in Berlin und überall an den deuts. Theatern eine Fülle von Uraufführungen gezeitigt hat, erschien den Parisern das Theaterleben erst vor wenigen Tagen so gekräftigt, daß sie es mit einer Premiere versuchen konnten. Ein Lustspiel des begabten Sacha GuitryDie Eifersucht, wurde in den Bouffes Parisiens aufgeführt, und das größte Erstaunen er⸗ regte es, daß das Stück nichts mit dem Kriege zu tun hatte. Während sich alle Welt mit nichts anderem als Heeren und Schlachten beschäftigt, während man beständig von der Regeneration des französischen Lebens, von der Beseitigung aller Frivolität und Unmoral durch den Krieg redet, brachte hier ein feiner und an⸗ mutiger Spötter die gleichen verführerisch lockenden Töne zu Gehör, die die Melodie des französischen Theaterlebens seit langem beherrschen. Und siehe da, die, die am lautesten die Abkehr von dem bisherigen Treiben gepredigt hatten, sie lauschten eifrig dem alten Rattenfänger und tanzten beglückt nach seiner Pfeife. Wie wir aus den Berichten der Paxiser Blätter entnehmen, war das alte Pariser Premierenpublikum ziemlich vollzählig versammelt: nur wenige fehlten, denndie Generalprobenbesuche von Paris 12

.

L.

Bewunderer zugeführt. Um ihn scharen sich nicht nur die Optimist, zu dem ihn die hämischen Gegner stempeln

da war deutlich zu lesen, daß dieser Lehrmeister der Strategie f

zielten Ergebnisse hingab. Und geradezu prophetisch waren die Worte, mit denen er ermahnte, man müsse die tür⸗

halten suchen, nur dann könne man Erfolge erhoffen. Heute

diese kompakte Masse, mit der er die Unantastbarteit Kon⸗ stantinopels und die Ehre der Türkei wahren wird. Bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin hat er bereits nach bestem Wissen und Gewissen versichert, daß es den Fein⸗

zu brechen. Er kann heute ohne Zusatz und Aenderung wie⸗ derholen, was er den Italienern im Tripoliskriege ent⸗ gegenhielt:Italien hat seine unbestrittene Uebermacht zu

Das klingt sehr einfach, ist aber nicht so leicht durchgeführt. Lan⸗ dungen auf türkischem Boden haben bei der Tüchtigkeit erwachten Selbst⸗ keine Aussicht auf tür⸗ jedenfalls nichtmohammedanisches Eigentum zerstören. Die Erzwingung der Dardanellendurchfahrt, von der die Rede war, ist, von möglichen politischen Verwicklungen ganz abgesehen, ein Unternehmen, bei dem die italienische Flotte, also der

wäre, wenn das große Wagestück gelänge. Daß eine Flotte vor der Hauptstadt, ohne eine Armee an Bord, welche diese zu erobern imstande ist, keine Entscheidung bringt, hat ad⸗ miral Duckworth 1807 erfahren müssen; es würde heute ge⸗ nau so ergehen... Die erfolgreiche Forcierung der Meerengen ist nicht denkbar ohne die Eroberung der beiden Darda nellenufer. Damit aber würde der Schauplatz des Kampfes auf einen Boden verlegt werden, auf dem die Türkei selbst

lotte? Nichts wäre den Türken lieber, als eine ausgiebige andung der Gegner auf der Galipolihalbinsel, und nirgends können sich diese Gegner blutigere Köpfe holen als in der

Berlin, 20. April. Wie demBerl. Tagebl. aus Amster⸗

1

Hessische Kriegsgedichte. Der Verlag v. H. ob.

n f iegsgedichte heraus, der der Großher⸗ zogin von Hessen gewidmet ist. Wir finden darin das nachfolgende 155

Abschied, 2

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