Die nächste V ammlung eit, Sonntag vor Pfing⸗
5 N Landkreis Gießen.
0 k. Lich, 19. April. Fast gleichzeitig erhielten die beiden Brüder Christian und Karl Nau militärische Aus zeichnun⸗ gen. Ersterem, der Gesreiter im Badischen Artillerie⸗Regiment Nr. 14 ist, wurde am 12. d. Mts. von unserem Großherzog die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. Am 14. d. Mis, wurde der jüngere Bruder, Unterossizier im 16. Vayeri⸗ schen Reserve-Insanteri⸗Regiment, mit dem Eisernen Kreuz
ausgezeichnet. 5 Kreis Friedberg. Bad Nauheim, 18. April. Wie die„Bad⸗Nauheimer Zeitung“ erfährt, ist für den durch Hinscheiden des Geheimrats r. Eser erledigten Posten des Großh. Bade⸗ Direktors Herr Baurat v. Böhmer von der Großh. Kultur⸗Inspektion in Mainz in Aussicht genommen.
. Starkenburg und Rheinhessen.
h. Dieburg, 19. April. Während der Heimfahrt vom Walde, woher die Konfirmanden des Nachbarortes Schaafheim Bäume zur Kirchenschmückung aus Aulaß ihrer gestrigen Konfir⸗ mation geholt hatten, geriet der hochbeladene Wagen an einer ab— schüssigen Stelle ins Rollen. Dabei geriet der Konfirmand Vreit⸗ wieser unter die Räder, die über ihn hinweggingen und ihn sosort töteten. Der Vater des armen Jungen befindet sich
im Felde. 25 Hessen⸗Nassau.
h. Frankfurt a. M., 19. April. In den Futterräu⸗ men der dritten Batterie des Feldartillerie⸗Regi⸗ ments 63 brach heute abend gegen 10 Uhr ein Brand aus, der an den Heu- und Strohvorräten reiche Nahrung fand und sich infolgedessen rasch ausbreitete. Sämtliche Feuer⸗ wachen der Stadt waren in wenigen Minuten am Brandherd und griffen diesen mit allen verfügbaren Schlauchlinien an, sodaß das Feuer gegen Mitternacht lokalisiert werden konnte. Die unter den Vorratsräumen untergebrachten Pferde konn⸗ ten von den Mannschaften rechtzeitig gerettet werden. Da ein leichter Südwind wehte, wurden die hochlodernden Flam⸗ men von den in nächster Nähe stehenden Gebäuden des Pro⸗ viantamts abgetrieben, andernfalls wären auch diese schwer bedroht gewesen. Die Ursache des Brandes ist vermutlich auf Unachtsamkeit zurückzuführen.
. Frankfurt a. M., 19. April. Im Alter von 77 Jahren starb der Nane der Kartographischen Anstalt L. Raven⸗ stein, Ludwig Ravenstein. Die hervorragenden Kartenwerke,
die der Verstorbene anfangs von Frankfurts Umgebung, Hessen und 2 und später von allen Weltgegenden mit meister⸗ hafter t und peinlicher Gewissenhaftigkeit schuf, haben dem Institut Weltruf verschafft.— Auf den am Sonntag abend hier eingetroffenen Wiesbadener Eilzug wurde bei Hattersheim von rohen Burschen eine Bierflasche geschleudert. Die Scher⸗ ben verletzten zwei im Zuge sitzende Landsturmleute am Kopfe in arger Weise. Von den Rohlingen hat man bis jetzt keine Spur. Wiesbaden, 20. April. In den Kämpfen in den Kar⸗ pathen fiel der Direktor des Landesmuseums für nassauische Altertümer zu Wiesbaden Dr. phil. Eduard Bremer, Leut⸗ nant d. L. Er war aus Wiesbaden gebürtig(1877 studierte zu⸗ nächst Chemie und bestand das chem. Verbandsexamen. Dann widmete er sich dem Studium der germanischen und romanischen Sprachwissenschaft, besonders unter den Professoren Hoops, Braune und Neumann, erwarb 1907 in Heidelberg den Doktorgrad, war Volontär am städt. Museum in Frankfurt a. M., später am Landesmuscum in Wiesbaden und am römisch-germanischen Zen⸗ tralmuseum zu Mainz, woselbst er wissenschaftlicher Hilfsarbeiter wurde und am 1. September 1911 Museumsdirektor in Wiesbaden als Nachfolger von Prof. Ritterling. Sein Spezialarbeitsgebiet war germanische Archäologie.
Bücher mit Farbennamen. Weißbuch und Blaubuch, Rotbuch und Gelbbuch— seit dem Kriegsausbruche wimmelt es
8 noch mehr als früher von diesen bernamen, die von Farben hergeleitet sind. Woher die diplo⸗ matischen Veröffentlichungen ihren Namen haben, darf als be⸗ kannt vorausgesetzt werden: sie haben sich nach der Farbe der Umschläge genannt, die in dergleichen Fällen üblich geworden sind. England ist mit seinen„Blaubüchern“ vorangegangen, und die anderen Mächte haben sich daun unter den übrigen Farben ausgesucht, was ihnen gefiel. In Frankreich, wo die Bezeichnung „Gelbbuch“ seit 1852 eingeführt worden ist, ist sie nicht ganz ohne bedenklichen Nebengeschmack, indem auch gewisse Veröffent⸗ lichungen einer unappetitlichen Literaturgattung dort als„Gelb⸗ bücher“ bezeichnet zu werden pflegen. Nun ist aber die Benennung von Büchern nach Farben in der Geschichte des Buches überhaupt nichts Neues, sondern, wie die bei E. A. Seemann in Leipzig erschei⸗ nende„Zeitschrift für Bücherfreunde“ in einem hübschen Beitrage über diesen Gegenstand bemerkt, schon aus den Tagen des Mittel⸗ alters her bekannt. Der älteste Fall, wo ein Buch auf einen Farben⸗ namen getauft worden ist, ist wohl der des„Goldenen Buches“ der Republik Venedig, das ein Verzeichnis der zur Teilnahme an der Regierung berechtigten Adelsgeschlechter ent⸗ hielt. Nach diesem Vorbilde heißen ja noch bis zum heutigen Tage solche Bücher von Städten, Austalten und Gesellschaften 1 e“, die dazu bestimmt sind, Eintragu von Ehrengästen, Ehrengaben usw. aufzunehmen; und in freier Nachahmung hat im jüngsten Jahrzehnte ein unternehmender Verleger eine ganze Reihe von, Büchern“ veröffentlicht, die das Wissens⸗ werteste und Beste aus den verschiedensten Zweigen menschlicher Forschung und Bildung zusammenfassen sollten. Recht verbreitet
ist im Mittelalter die Bezeichnung„Das rote Buch“ gewesen: bereits im Jahre 1862 hat Hesse in Rudolstadt eine ganze Liste
von solchen„roten Büchern“ zusammengestellt. Rot war die Farbe des Blutbanns, und es wurden daher vielfach solche Bücher
nach dieser Farbe benannt, die zu Eintragungen bestimmt waren, welche mit dem Blutbanne zusammenhingen. In neuester Zeit iat dann bekanntlich als die Farbe der Revolution und des
5 zialismus beliebt geworden, und es gibt eine ganze Reihe von„roten Büchern“, die durch ihre Farbe von vornherein ihre Gesinnung bekennen. Indes hat sich die Sitte, Bücher nach Far⸗ ben zu benennen, nicht auf die Politik und die Verwaltung allein beschränkt, sondern ist auch in der schönen Literatur anzutreffen. Da liegt ihr Ursprung im 18. Jahrhundert, und zwar in jeuen literarischen Spielereien, deren Reihe wohl Caraccioli im Jahre 1759 mit seinem„Livre vert“ eröffnet hat. Das gefiel, und dem „grünen Buche“ folgte eine Reihe von Modebüchern, die die ganze Skala der Modefarben durchliefen. Diese Mode hat sich dann bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten: es sind da noch„braune Erzählungen“ erschienen, an denen selbst ein Balzac sich beteiligt phat, und von dem französischen Vorbilde hat A. v. Sternberg deu Titel seiner 1850 zu Bremen erschienenen Braunen Märchen“ entlehnt. Es versteht sich, daß in all diesen Fällen, der Umschlag die dem Titel entsprechende Farbe aufzuweisen pflegte Etwas anderer Natur ist der Titel der„Contes bleus“, von denen es eine ganze Literatur gibt. Unter diesen„blauen Geschichten“ ver⸗ steht mar nämlich die Räuberhistorien und Ammenmärchen, die übrigens im 18. Jahrhundert vielfach auch in bläulichem Um⸗ schlage zu erscheinen pflegten. Es steht wohl zu vermuten, daß diese ung inhaltlich verwandt ist mit der der„blauen Blume“, die wir ja in Deutschland zu brauchen pflegen.
f Der mischtes. »Die Jahrhundertfeier der Burschenschafter abgesagt. Aus Eisenach wird gemeldet: Die für Bfingsten 1915 geplante Jeier des hundertjährigen Bestebens der deutschen Burschenschasten, in deren Mittelpunkt eine Festaufführung in Jena und die Weihe des neuen Burschenschasts hauses in Eisenach
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5 5*.—— 3 Mic„wurde endgültig abgesagt, da sast sämtliche aktiven Mitglieder der deutschen Burschenschaften im Felde stehen. „ Baron Reuter z. Reuters Bureau meldet: Baron Herbert Reuter, der Direktor der Reuter-Agentur, ist am Sonntag in seiner Wohnung nahe bei Reigate tot aufgefunden worden. Ein abgeschossener Revolver lag neben ihm. Es scheint kein Zweifel darüber zu bestehen, daß Baron Reuter selbst seinem Leben ein Ende gemacht hat. Er war schwer erschüttert über den plötzlichen Tod seiner Frau. Ihre Leiche befand sich noch in seiner Wohnung. Reuter wurde am 10. März 1852 geboren. Er studierte in Harrow, Oxford und Paris und verheiratete sich im Jahre 1876 mit Edith Campbell, einer Tochter von Robert Campbell.
* In einer Wiener Ivalidenschule.„Nirgends wird die Arbeit des Roten Kreuzes in Europa mit mehr Weisheit und Sorgfalt verrichtet als in Oesterreich.“ So urteilt eine Dame, die Angehörige eines neutralen Landes, die im Daily Chronicle den Lazaretten der Doppelmonarchie ein hohes Lob spendet. Sie hat die Invalidenschulen in Wien besucht, die hier in Verbindung mit den Hospitälern eingerichtet sind, und unvergeßliche Eindrücke mit fortgenommen.„Ein einfacher kroatischer Soldat, ein Bauer, den ich in einer dieser Schulen sah, hat mir mehr von dem Schre⸗ cken des Krieges enthüllt, als selbst die mit Typhuskranken über⸗ füllten elenden Räume in Serbien. Nichts, das ich je gesehen habe, erschien mir so tragisch und zugleich so ergreifend als das Bild dieses kroatischen Bauern, dem der eine Arm und die Schulter weggeschossen sind und der hier in einem stillen Wiener Schulraum mit einer neuen Sense arheitete, die eine besondere Vorrichtung nach Angabe des Arztes aufwies. Er übte den Sensenschwung mit einem Arm und sang dabei in dunklen Tönen die Melodie eines flavischen Erntegesanges.„Sieh nur her,“ sagte er.„Das wird bald so gut gehen wie nur je. Ich lerne es schon.“ Ein wenig unbehilflich faßte er dann wieder seine Sense und ließ sie von neuem durch die Luft sausen, ganz in seine Arbeit vertieft und ruhig in dem Bewußtsein, daß er die nächsten zwanzig Ernten nun auf diese Weise das Korn schneiden müsse. Er seufzte einen Augen⸗ blick, und dann murmelte er getrost:„Bald geht es so gut wie nur je.“ Diese Invalidenschulen, von denen vier in Wien und eine in Prag eingerichtet sind, müssen als die erfolgreichsten unter all den Einrichtungen in Oesterreich erscheinen, durch die man den ver⸗ wundeten Soldaten ihre Arbeitsfähigkeit wiederverschafft und sie auf ihren Erwerb nach dem Kriege vorbereitet. Man geht daber von dem Grundsatz aus, daß zwei Monate einer erzwungenen Be⸗ schäftigungslosigkeit, in der die geheilten Glieder nicht geübt wer⸗ den, genügend sind, um das körperliche und geistige Gleichgewicht eines Mannes für ein ganzes Leben zu vernichten. Deshalb sieht man darauf, die Verwundeten möglichst rasch zu beschäftigen. So weit es irgend möglich ist, setzt man die Arbeit der Hände an die Stelle jener theoretischen gymnastischen Apparate, die gewöhn⸗ lich gebraucht werden, um den verletzten Armen und Füßen ihre Beweglichkeit wiederzugeben. Und diese Arbeit der Hände ist, so weit es möglich ist, die, welche der Verwundete vor dem Kriege ausübte und an die er gewöhnt ist.„Wir haben herausbekommen,“ erzählte mir eine Krankenpflegerin,„daß ein Mann seine richtige gewohnte Arbeit, so weit er es kann, stundenlang gern ausführt, während eine ähnliche Uebung mit Gewichten in einer gymnastischen Anstalt ihn in viel kürzerer Zeit völlig ermüden würde.“ Damit die Verletzten ihre Arbeit ausführen können, hat man besondere Werkzeuge für sie geschaffen. Ich sah z. B. in der Tischlerwerkstatt der Invalidenschule für verwundete und geschwollene Hände Ham⸗ mer mit Handgriffen, die dreimal so groß waren als die gewöhn⸗ lichen und Hobel mit Handgriffen, die Händen ohne Finger ange⸗ paßt waren. In der Schule, die ich besuchte, sind jetzt Werkstätten und Klassen für 28 verschiedene Berufe eingerichtet, und die Er⸗ zeugnisse einer jeden Schule werden möglichst für den Gebrauch des Lazaretts verwendet, mit dem sie in Verbindung stehen. Zinn⸗ schalen werden von Zinngießern verfertigt, Schneiderarbeiten be⸗ sorgen Schneider, und ebenso werden Schuhe, Stühle und Körbe verfertigt. Für Leute, die völlig unfähig sind, ihren früheren Beruf wieder aufzunehmen, ist Unterricht eingerichtet, um ihnen neue Beschäftigungen beizubringen. Zahlreiche Strickmaschinen für Leute ohne Beine sind über das Land verteilt, und den Invaliden
gezeigt, wie sie zusammen mit ihrer Frau diese Maschinen zu Hause bedienen können. Viele dieser Beinlosen lernen Schreib⸗ maschine, und es sind Listen von Maschinen angelegt, die von zu sonstiger Arbeit unfähigen Männern gut bedient werden können. Alle Soldaten, die ihren rechten Arm verloren haben, lernen mit dem linken schreiben, und es ist ein ergreifender Anblick, die Räume in diesen Schulen mit ruhigen eifrigen Männern angefüllt zu sehen, denen die Lehrer hie und da die so nützlichen Winke geben.“
» Sommerbadeleben im Winter. Seit einigen Jahren hat man sich in New Yorker Kreisen aui die Pflege eines neuen Sportes geworsen, von dessen Reizen und Vorzügen se ine Anhänger ganz begezstert sind. Dieser Sport besteht darin, mitten im Winter Bäder in der offenen See, und zwar in derselben Bade⸗ tracht zu nehmen, die im Sommer ühlich ist. Die beiden Vereine, die die Anrequng zu diesem Sport gaben, waren der der„Polar- bären“ und der der„Schneevögel“. Die Polarbären waren 25 junge Männer, denen in den Schneevögeln ein Dutzend flotter junger Damen zur Seite trat. Zusammen machten sie sich jeden Sonntag nach Brighton Beach aui und nahmen des Nachmittags ihr winter⸗ liches Seebad. Zu ihnen gesellten sich dann noch verschiedene andere Vereine, von denen der„Arktische Klub“ der bedeutendste ist. Dieser setzte die Mittagszeit als Badestunde sest, während wieder andere Winterbader den Vormittag für die beste Badezeit halten. Alle aber stimmen darin überein, daß die körperlichen Wirkungen des Seebades im Winter von der allerglücklichsten und ersreulichsten Art seien. Die Technik des Winterbades in der See — denn schon hat sich eine solche ausgebildet— bestebt darin, daß die Teilnehmer zuerst„Medizinball' miteinander spielen, bis ihr Blut in lebhasten Umlauf gekommen ist und sie ganz warm ge⸗ worden sind. Dann tauchen sie unter, und hierbei ist natürlich jedem Teilnehmer freiester Spielraum gelassen wie lange ihm aut dünkt, im Wasser zu bleiben oder unterzutauchen. Tatsache ist jeden⸗ falls, daß die am Strande weilenden Zuschauer, die Zeugen dieses originellen Sommerbadelebens im Winter sind, in der Regel viel mehr vor Kälte klappern, als die Badenden, die gewöhnlich krebs⸗ rot, pustend und sorudelnd, aber äußerst frisch und vergnügt ans Land springen. Im April hält der„Arktische Klub“ seine regel mäßige Jahres versammlung ab, und es werden bei dieser Gelegen heit immer begeisterte Lobreden zu Ehren des Seebades im Winter „geschwungen“.
wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 15. Woche. Vom 4. bis 10. April 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900(inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 20,0%, Nach Abzug von 5 Ortsfremden 12,65.
1 Er- Kinder Es starben an uf. f N f aal, wachen wage Fe Altersschwäche 1 1— 2 Diphtherie 100—— 10 Lungentuberkulose 1 1— 8 Lungenentzündung 2()— 1 100 Arteriosklerose 1 1 2 7 Krankheiten des Rücken ⸗ marks 2(1) 2(1)—— Darmkatarrh 5 100—— 10 anderen Darmkrankheiten 1 1— 1 Krebs 2 00 2(1) 2 2 Unbekannter Ursache 1— 85 1 Summa: 13(5) 8 9 1 4 00 Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben au, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. —̃——
Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. sichten in Hessen am Mittwoch, den 21. April 1915:
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Letzte Nachrichten. i Berlin, das„unerschöpfliche Reservoir zur Ergänzung det;
- 8 7 Bern, 20. April. Der Berliner Mitarbeiter des„Borner Bund“, ein Schweizer, schreibt:
Wer Zeuge der erhebenden
Huldigung zur Erinnerung des 100, Geburtstages des Fürsten Bismarck war, dem mußte sich die Ueberzeugung aufdrängen, daß die Reichshauptstadt von ihrer bekannten Festfreudigkeit wenig oder Der Verkehr während der Osterfeiertage
gar nichts verloren hat. Der Ve vähren 0 war so lebhaft, daß die meisten Wirtschaften Leute abweisen
mußten, und dies nach einer achtmonatlichen Dauer des Welt⸗ cheine die Reichshauptstadt wie ein unerschöpf⸗
lrieges! Fast f
liches Reservoir zur Ergänzung der Front. Wer sich da einbildete, Deutschland könne seinen Gegnern in der Zahl
der Gewehre nicht Stand halten, sieht sich getäuscht, und selbst die angedrohte Hungerperiode fällt kläglich dahin. Finanziell ist die Ausrüstung Deutschlands glänzend erwiesen. Wenn demnächst eine weitere Anleihe nötig sein sollte, scheint sie uns nicht ge⸗ fährdet. Es ist diese erfreuliche Tatsache im wesentlichen darauf zurüd zuführen, daß Deutschland vom Auslande unabhängig ist. Die Arbeitslosigkeit ist neuerdings zurückgegangen, ja, es besteht in vielen Zweigen sogar Arbeitermangel. Die bürgerlichen Speise⸗ hallen des Roten Kreuzes, die zu Anfang des Krieges 15000 Ar- beitslose als Mittagsgäste hatten, sind sämtlich mit Wirkung vom 20. April aufgehoben worden, da ein Bedürfnis für die Weiterführung nicht mehr besteht. Es wird sogar behauptet, die
Frauen auf dem Lande hätten nie so viel Geld gehabt wie jetzt.
Das Luftbombardement auf Reims.
Luxemburg, 19. April. Ueber das letzte deutsche Luft bombardement auf Reims meldet die„Luxemburger Zeitung“, daß insgesamt 38 Personen getötet wurden. Die durch die Bomben entstandenen Brände währten die ganze Nacht hindurch 9 und den folgenden Tag. Die Zeitungen bestätigen, daß die Fran⸗ zosen wieder auf dem Turm der Kathedrale Beobachtungsposten und Maschinengewehre aufgestellt haben.
Prof. Dr. Paasche über die Zukunft des Kolonialreiches.
Berlin, 20. April. Die„Berliner Morgenpost“ mel⸗ det aus Dortmund: Der Vizepräsident des Deutschen Reichs⸗ tages, Geheimrat Professor Dr. Paasche äußerte sich in einem auf Veranlassung der Elberfeld-Mekmanner-Abtei⸗ lung der deutschen Kolonialgesellschaft in Elberfeld gehal⸗ tenen Vortrage u. a. auch über das zukünftige Schicksal der deutschen Kolonien: Wir müßten auf Ersatz dessen, was uns etwa in weiter Ferne verloren geht, bedacht sein. Dieser Ersatz müsse in Afrika gesucht werden. Unmöglich könnten wir aus diesem Kriege, der so gewaltige Opfer von uns fordere, mit leeren Händen zurückkehren. Das 2 zentralafrikanische Kolonialreich liege im Bereich 15 er Möglichkeiten und dieses Ziel sei geeignet, uns zu weiterer freudiger Kolonialarbeit zu ermuntern.
Aus den Karpathen.
Budapest, 20. April. Der Kriegsberichterstatter des„Az Est“, Frabz Molnar, telegraphiert aus dem Kriegspressequartier, daß in den Karpathenkämpfen die VIII. russische Armee und die ihr zugeteilten Hilfskräfte auf der ganzen Linie eine große Niederlage erlitten haben. Täglich werden mehrere 100 rus⸗ sische Eisenbahnzüge mit Verwundeten von dem Kriegsschauplatz ins Innere Rußlands gebracht.— Die geschlagene Armee hat das beste Soldatenmaterial der Russen; es bestand größtenteils aus sibirischen Regimentern, welche als die besten An⸗ griffstruppen gelten, die besten Liniensoldaten sind und besonders an der Ostfront mit den schonungslos kämpfenden Kosaken ver⸗ mengt, die zur Hälfte zu Fuß kämpfen und die, wie unsere Hu⸗ saren, die größten Infanterieanstürme mit Kavallerieangriffen kom⸗ binieren. Am östlichen Teile der Front wurden ganz frisch aus⸗ gebifdete Rekruten in den Kampf gestellt, deren Uniformen noch nicht einmal eingetroffen waren und die deswegen in Zivil kleidern kämpfen mußten. 0 5 Ein russisches Küstenfahrzeug gesunken.
Von der russischen Grenze, 19. April. Der von den
russischen Marineverwaltung zu einem Kriegsfahrzeug umgewan, delte und mit leichter Artillerie bewaffnete Dampfer„Haku“
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Da stieß anscheinend auf eine Mine und sank. Das Kriegsküstenfahr⸗ zeug vermittelte den Dienst zwischen Odessa und Sewastopol. An Bord des Dampfers befanden sich wichtige Papiere der Heeres verwaltung, Post und eine größere Geldsendung. Die Mannschaft konnte sich in Booten retten und wurde schließlich durch einen Lotsendampfer aufgenommen. Die Minengefahr im Schwarzen Meere hat sich in letzter Zeit ganz bedeutend erhöht. Besonders zahlreich sind die Treibminen, die selbst der eigenen Schiffahrt ge⸗ fährlich werden. Durch russische Treibminen ist die russische Schiff⸗
fahrt und selbst die russische Kriegsflotte im Schwarzen Meere
in ihren Bewegungen außerordentlich behindert. In letzter sind wieder zahlreiche neue Minen besonders im Gebiet von Odessa. Sewastopol und Kortsch ausgelegt worden, weil man ganz besonders den wieder aufgetauchten Kreuzer„Göben“ fürchtet. 17 Die französischen Kriegsanleihen in Amerika.
Brüssel, 19. April. Die Lmerikaner stellen den Fran⸗ zosen immer schwerere Bedingungen für ihre Kriegsanleihen. Für die bisher 50 Millionen Dollars Schatz⸗ scheine zahlt der französische Finanzminister nicht bloß 6 Proz Zinsen, sondern er muß die letzteren auch noch im voraus bezahlen. Trotzdem ist die Geldnot in Paris so groß, daß Finanzminister Ribot mit den New Yorker Banken wegen Erhöhung des französischen Kredits in Amerika auf 100 Millionen Dollars unterhandelt. Die ganze Summe dient zur Bezahlung der in Amerika gemachten Kriegsbestellungen.
Ein französisches Amuzonenregiment. 5 i. Köln, 20. April. Nach der„Köln. Ztg.“ ist ein Regiment
französischer Amazonen in der Ausstellung begriffen. Frau Arnaud, die Witwe eines gefallenen Offiziers, komman⸗ diert es. Es besteht natürlich nur aus Freiwilligen. Regiments⸗ chef ist die Königin von Belgien. Angeblich sollen mi Sektionen gebildet werden, von denen sich eine damit befassen soll, Drückeberger an die Front zu bringen. 1
Kriegs vorbereitungen in Japan.
Tokio, 20. April. Das japanische Kriegsministerium hat, wie die Korrespondenz„Piper“ erfährt, die Errichtung zweier neuer Divisionen in Korea geplant und entsprechende Kredite verlangt. Das Kriegsministerium hat den Kriegskredit bereits um 24 Millionen Nen überschritten.
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Für Mhenmatiker u. Neuralgieleidende.
In einem Tage von. 3 Schmerzen efreit.
Herr Josef Wilbelm, München, schreibt:„Seit 2 Monaten litt ich derart an Ischias, daß ich nicht gehen und nicht stehen, und das 1 nicht verlassen konnte. Ich hätte ausschreien mögen vor chmerzen. Kein Mensch glaubt, was ich gelitten habe. Nichts alf mir. Da brachte mir meine Frau aus der Apotheke Togal mit. Die Wirkung war geradezu wunderbar. Nachdem ich nur wenige Tabletten genommen hatte, war ich vollkommen wieder dergestellt. Ich gebe daher jedem Leidenden den Rat, sich fofort aus der nächsten Apotheke das überaus billige und unfehlbar wirkende Togal zu besorgen. Niemand wird diese Ausgabe be⸗ dauern.“ Aehnlich berichten viele andere, welche Togal gegen Rheumatismus, Hexenschuß, Schmerzen in den Gliedern und Ge⸗ lenken sowie bei Influenza und Kopsschmerzen gebrauchten. Es
Wolkig, mieist trocken, mild, südwestliche Winden 5*
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