Ausgabe 
(15.4.1915) 88. Erstes Blatt
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Monats Mürz sind bereits

r* 2 8 . Umhänge und Ueberziehhosen an die Truppen dt, die sich nach den Mitteilungen der Truppenführer sehr bewährt haben. dem nächsten Wollzuge, der am 12. April a werden weitere 20000 Umhänge, 6000 Ueberziehhosen und g Beinwickel zum Versande gelangen.Ferner sollen mit 5 Zuge am 16. oder 17. April 26000 Umhänge und 5000 Wickel an die Truppen weitergegeben werden. Der Kriegsausschuß warme Unterkleidu

. Unte ing hat in seiner letzten Sitzung für den

ö k einen Betrag von 200 000 Mark zur Verfügung gestellt. Es ist wünschenswert, daß auch weitere Kreise der Be⸗ völkerung, insbesondere die übrigen Kriegswohlfahrtsorganisationen im ganzen Rei der Wichtigkeit dieser neuen Unternehmung Wohle unserer Truppen ihre Aufmerksamkeit zuwenden.

D e e für warme Unterkleidung(Reichstag) ist gerne bereit, feine ahrungen auf diesem Gebiete zur Verfügung zu 8und würde es lebhaft begrüßen, wenn seiner Anregung im Interesse unserer wackeren Soldaten im weitesten Umfange

gegeben, würde. Ein Gradmesser e Kulturzustand von tsache sein, daß immer mehr

unsBarbaren! dürste die Ansprüche an denGesamtausschuß zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in den Lazaretten(Geschästsstelle Berlin, Reichstags⸗ gebäude) gestellt werden. Der Gesamtausschuß hat nach der Ve⸗ sriedigung aller Stellen in der Heimat jetzt sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet, die Versorgung der Truppen im Felde sort⸗ und durchzuführen. Noch sehlen aber die Mittel, um die in Betracht kommenden Bücher zu den bereits in Aussicht gestellten Vorzugs⸗ preisen vom Buchhandel anzukaufen; so bittet denn der Gesamt ausschuß zur Verteilung von Lesestoff(Geschästsstelle Berlin, Reichs- tagsgebäude) dringend um Ueberlassung recht vieler und recht reichlicher Spenden zur Durchführung dieser seiner so bedeutsamen Liebes- und Kulturarbeit.

* Rentenquittungs formulare. Die Landes⸗ versicherungsanstalt Großh. Hessen in Darmstadt ersucht uns, ihre Rentenempfänger wiederholt darauf hinzuweisen, daß die Rentenquittungsformulare nicht mehr auf Anfordern direkt übersandt werden, sondern in den Landgemeinden bei den Großh. Bürgermeistereien und in den Städten bei den zuständigen Polizei⸗ revieren erhältlich sind. Ein direkter Versand findet Jomit nur noch an die außerhalb des Großherzogtums wohnenden Renten- empfänger statt. 5

7 Wilhelm Backhaus, der in allen großen Kon⸗ bertsälen der musikalischen Welt gefeierte Meister des Pia⸗ nos, ist wieder einmal nach Gießen gekommen, diesmal srei⸗ lich nicht in seiner Eigenschaft als Künstler, sondern als Landsturmmann. Backhaus ist vor einigen Tagen dem hiesigen Landsturmbataillon zugeteilt worden. Dabei man jedoch auf die hohe künstlerische Sendung des Mei⸗ ö 8 nde Rücksicht genommen, indem man ihn nur 1 eistungen heranzieht, die seiner Kunst in keiner t von Schaden sein können. Die Militärbehörde be⸗ weist damit eine Auffassung von dem Berufe eines begnadeten Künstlers, der sein Talent auch der Allgemeinheit schuldet, die freudige Zustimmung nicht nur bei Backhausfreunden wecken muß. Welch wertvolleAkqui⸗ sition das Gießener Landsturm⸗Bataillon über Nacht in ihm erhalten hat, das bewies gestern abend bereits ein kleines Freikonzert in der Turnhalle der Höheren Mädchenschule den Offizieren und Chargen, die der Künstler zu einem Wunsch⸗Abend geladen hatte. Ihnen war dieser Abend mehr als eine wohltuende Abwechslung in des Dienstes Einerlei. Wie man uns erzählt, beabsichtigt Backhaus, demnächst seine Kunst gelegentlich eines öffentlichen Konzerts in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen, eine Absicht, die seine zahlreichen Verehrer freudig überraschen dürfte. Kreis Alsfeld.

Mücke, 14. April. Die Arbeiten an dem Umbau des Bahnhofes haben wa des Winters nicht stille gestanden sie sind so rüstig fortgeschritten, daß ihre Vollen⸗ dung in kurzer Zeit zu erwarten steht. Die ganze Anlage erweist sich als durchaus praktisch, den modernen Anforde⸗ rungen entf chend. Schalter⸗ und Vorraum sind viel ge⸗ räumiger, Burequs ausgedehnter, die Wartesäle größer

orden. Dazu gewährt eine Vorhalle den erforderlichen utz gegen Regenwetter. .* Ruppertenrod, 15. April. In diesem Jahre erhielten unsere 17 Konfirmanden, die am 2. Osterfeiertage konfir⸗ miert worden sind, aus derReinhold Allendorf und rau- Stiftung ihre Konfirmationsgesangbücher. Durch diese iftung haben sich die Gründer ein bleibendes Andenken in un⸗ serer Gemeinde erworben. Davon gibt auch Kenntnis eine in un⸗ serer Kirche angebrachte marmorne Gedächtnistafel.

Laubach 1 Land - aubach, 1 Dem wehrmann Philipp Krautwurst vom Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116 aus Klein⸗Umstadt, 125 an der hiesigen Oberförsterei tätig, wurde das Eiserne

reuzß 2. Klasse verliehen. Mit Beginn der Woche wurde hier

eine Kriegskinderkrippe eröffnet. Zwei Räume im Neben⸗ bau des Gräfl. Schlosses sind dazu zur Verfügung gestellt worden. Die Leitung hat Frl. Anna Nebel übernommen. Bobenhausen II., 14. April. Dem Lehrer Hein⸗ rich Schmidt, Sohn des hiesigen Bürgermeisters Schmidt, der zurzeit als Offtziersstellvertreter im Infanterie⸗Regi⸗ ment 116 steht, wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. Gleichzeitig wurde er zum Leutnant der Reserve und zum Bataillonsadjutanten befördert. Ferner wurde er mit ber hessischen Tapferkeitsmedaille ausge- eichnet. N N 1 1 Aus dem Vogelsberg, 14. April. Jetzt, nachdem der frische Wuchs des Frühjahrs eingetreten, läßt sich auch die Ueberwinterung der Saaten überblicken. Sie ist bei dem gelinden Winter recht gut gewesen und verspricht einen guten Jahr⸗ ang. Der Roggen hat nur vereinzelt durch Schnecken⸗ und Mäuse⸗ fraß gelitten. Weizen, Klee und Raps haben vortrefflich über⸗ wintert. Angesichts der großen Preissteigerung der Fette und Oele ist gerade die Aussicht auf eine gute Rapsernte von Bedeutung. Die Wiesen haben durch die reichen Niederschläge eine durch⸗ dringende Bewässerung erfahren, so daß auch die Futteraussichten durchaus günstig sind. 0 Starkenburg und Rheinhessen. . m. Offenbach a. M., 14. April. Um sich ein paar lustige Tage in Gesellschaft gleichaltriger Kameraden zu machen, stahl ein 14 jähriger Bursche von hier seiner Tante 2200 Mark baren Geldes. Nach wenigen Tagen bereits war das Geld bis auf ein paar Mark verjubelt, und nun sind die Kindsköpfe von der Poltzei negen Diebstahls und Hehlerei verhaftet worden. Ente 8 ze Bande jugendlicher Diebesgesellen, die in 5 Pffenbach und in der Umgebung allerhand Diebstähle ausführten, itt von der Polizei ermittelt und der Bestrafung zugeführt worden. 5 f der 8

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Wald-Michelbach, 13. April. Pfarrer Gärtner, der hiesigen katholischen Piarrei über 16 Jahre seines Amtes gewaltet hat, wurde nach Drommersheim in Rhein- bessen versetzt. Zimmermeister Reinhardt geriet am vorigen Samstag in seinem Sägewerk bei der Arbeit in eine Säge und verlor dabei das eine Bein. dorf 1 15 1 i. Krofdorf, 14. April. 36jährige Dachdecker⸗ selle Karl Röhrig aus Gießen stürzte bei der Aus⸗ ührung von Dachdeckerarbeiten an der hiesigen Kirche aus einer Höhe von 8 Meter ab und wurde, nachdem Apotheker dabich von hier die erste Hilfe geleistet hatte, schwer ver⸗ letzt in die Chirurgische init nach Gießen gebracht. Hessen⸗Nassau

5 5 Niederzwehren, 14. April. Im Gefangenen Fbei Niederzwehr en, dem größten in Provinz

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iff, eine Leseha

zurzeit 19000 Mann zählt, ist man im e lle und eine Leihbibliothek für die Kriegsgefangenen einzurichten, die der Selbstverwaltung der letzteren unterstellt werden sollen. Frankfurt a. M., 14. April. Dem Generalkommando des 18. Armeekorps wurden heute drei Kranken⸗Kraft⸗ wagen mit je zwei Anhängern übergeben, die von Freunden Deutschlands in den Vereinigten Staaten von Nord- amerika gestistet worden sind. Jeder dieser drei Züge kann 17 Leichtverwundete oder 10 Schwerverwundete transportieren, so daß 51 Leichtverwundete bezw. 30 Schwerverwundete mit den Wagen befördert werden können. Mrs. Taylor, deren An⸗ regung diese Stistung zu verdanken ist, hat die Wagen durch den Verein vom Roten Kreuz besorgen lassen. Sie entstammen den Werkstätten von Kleyer-Franksurt a. U., Opel-Rüsselsheim und Mannesmann-Mulag⸗Aachen. Der eine der Transportzüge ist für

die Truppen des 18. Armeekorps, der zweite für die Armee des]?

Kronprinzen und der dritte für die Hindenburg-Armee bestimmt.

h. Bad Homburg v. d. H., 14. April. Unter dem Vorsitzl

des Landrats a. D. von Ber nus trat heute mittag der Kreis⸗ tag des Obertaunuskreises zu seiner diesjährigen Frühjahrssitzung zusammen. Die Feststellung der Rechnung der Kreiskommunalkasse für das Geschäftsjahr 1913 ergab beim Hauptetat 360454 Mark Einnahmen und 352 619 Mark Ausgaben, so daß ein Ueberschuß von 7835 Mark verbleibt. Bei der Feststellung des Kreis⸗ haushaltsplanes für 1915 machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß die geplante Steuererhöhung von 3 auf 7 Proz. nicht eintreten wird, da das Reich dem Kreise einen Zuschuß von 22753 Mark zu den Kriegsunterstützungen gewährte und weitere Zuschüsse in Aussicht stellt. Der Haushaltsplan selbst wurde mit 1452 671 Mark festgesetzt und genehmigt. Zur Be⸗ streitung der Kosten für die Familienunterstützungen der zum Heeresdienst einberufenen Kreisbewohner N der Kreistag eine weitere Summe von 600000 Mark. Die Vorlage des Kreisausschusses über den Beitritt des Kreises zur Mehlver⸗ teilungsstelle für den Regierungsbezirk Wiesbaden wurde angenommen. 2

fe. Aus Nassau, 14. April. Mit der Einführung von Schulsparkassen im Regierungsbezirk Wiesbaden wurde von der Nassauischen Landesbank in der letzten Hälfte des Jahres 1912 begonnen. Am Ende des Jahres 1913 waren an 100 Orten Schulsparkassen eingerichtet. Die Zahl der Klassen betrug 272 mit 13550 Schülern. Von diesen beteiligten sich am Jahresschluß bereits 9250 am Sparen und hatten 128 000 Mark ein 3

h. Limburg, 14. April. Der Zahntechniker Zach aus Offenbach, der gegenwärtig im Landsturmbataillon des Ge⸗

sangenenlagers seiner Dienstpflicht genügt, erschoß sich in 8

einem Anfall hochgradiger Nervosität mit seinem Dienst⸗ gewehr. Aus dem Tagebuch eines belgischen Soldaten.

DieSüddeutschen Monatshefte veröffentlichen in ihrem neuesten Hefte überaus fesselnde Auszüge aus dem Tagebuch eines jungen Belgiers, der den gegenwärtigen Krieg bis Ende Oktober als einfacher Soldat mitgemacht hat und sich seither in einer deut⸗ schen Mittelstadt als Kriegsgefangener befindet. Der Verfasser ist, wie es scheint, ein Antwerpener Kind, er bezeichnet sich in seinen Briefen selbst fortwährend mit der vlämischen Koseform seines Rufnamens als Rolandke, doch ist die Sprache des Tagebuches französisch. Am 8. Oktober hatte sein Regiment, das bis dahin in Kiel, einem kleinen südlichen Vororte Autwerpens, gelegen hatte, den Befehl zum Abmarsche erhalten. Hinter sich blickend sahen die belgischen Soldaten die glühenden Bomben auf Ant⸗ werpen niederfallen. Am 10. befindet sich Rolandbe mit nur noch 19 Kameraden und einem Leutnant auf dem Wege nach Selzaete sie marschieren die holländische Grenze entlang und sind ihr oft so nah, daß sie den niederländischen Wachsoldaten einen Klapps eben können. Sie haben mit angesehen, wie ganze belgische Regimenter unter Führung der Offiziere über die Grenze Ein englischer General in Zivilkleidung tut unter Roland! Augen dasselbe. Die kleine Truppe hält aus, in der Hoffnung, sich durchzuschlagen. 8 erhalten sie Feuer von einer Pa⸗ trouille deutscher Ulanen. Der Leutnant erteilt jetzt seinen Leuten Erlaubnis, über die Grenze zu gehen; zehn Mann, die sich mit ihm durchschlagen wollen, bleiben. Sie erhalten den strengen Befehl, ihre eigenen mdeten zu töten, damit sie nicht lebend in die Hand der grausamen Feinde fallen.) Im mörderischen Kugel⸗ regen bleiben fünf, darunter der Offizier selbst. Die übrigen sechs Mann kriechen auf dem Bauch am Boden weiter und ge⸗ langen um 4 Uhr glücklich nach Selzaete. Auf dem Bahnhof steht gerade noch ein endlos langer Militärzug, der vollbesetzt nach Ost⸗ ende abgehen soll. Schon setzt er sich in Bewegung, da fährt eine deutsche Granate in die Maschine und zerschmettert sie. Fünf Mann und zwei Offiziere sind mit ihr zerrissen. In einem Augenblicke leert sich die endlose Wagenreihe und eine allgemeine sinnlose Flucht beginnt. Rolandke rettet sich in das Städtchen und findet ein Unterkommen bei einer hübschen jungen Witwe.

Ueber und Ostende gelangt der kleine Antwerpener zu den Resten des. Heeres zurück, und es ist ihm beschieden, an den schweren Oktoberschlachten um Mpern teilzunehmen. Am 18. Oktober steht er um 2 Uhr nachmittags vor Lombartzyde im Feuer der deutschen Artillerie. Der Himmel gleicht einer unge⸗ heuren Esse, in der Granaten und Schrapnells unaufhörlich empor⸗ sausen und mit Gekrach zerplatzen. Ein ganzer Zug wird mit einem Schlage durch drei Granaten vernichtet. Zwanzig Meter von Rolandke stürzen ein Offizier und drei Mann im Schrapnell⸗ regen. Ein Stück Granate fällt dicht vor ihm nieder. In diesem Feuer schreibt Rolandke Liebesbriefe an seine Braut daheim, an sein Louiske vielleicht die letzten. Wie er wieder ausblickt, ist das deckende Gebüsch vor ihm fortgefegt. Tag um Tag muß er nun in Feuerstellung liegen. Am 22. zerreißt ein Granatstück seinen Tornister, als er in Oostdunkerke liegt. Alle seine Sachen sind verloren, eine sorglich gehütete Zigarrenschachtel von Louiske ist zerschmettert, nur sein Tagebuch und seine Briefe hat er halb⸗ verbrannt noch retten können. Er selbst hat nur eine leichte Ver⸗ letzung an der Stirne, eine bloße Schramme davongetragen. Nach dem vergeblichen Vorstoße auf Lombartzyde setzen die Belgier am 24. Oktober zu einem neuen Angriff gegen das Dorf Ramskapelle an. So lange es möglich ist, kriechen Schützen als Plänkler vor. Drei Stunden lang versucht Rolandkes Regiment im Vereine mit dem 9. Linienregimente den Angriff auf das feindliche Lager(2. Aber alles Heldentum ist gegen die deutschen Maschinengewehre ver⸗ geblich; die Regimenter werden dezimiert, die Verwundeten müssen sie, liegen lassen. In Abteilungen zu 10 Mann soll eine Brücke über den Merkanal überschritten werden, die unter dem konzentriertesten Feuer lag. Zwei Abteilungen sind schon hinüber und 16 Tote liegen da. Rolandke ist bei der dritten.Die Nächsten! Wie ein Hirsch springe ich los, mit dem sesten Gedanken, dies sei mein letzter Trumpf! Zwischen den zischenden Kugeln kommt er ge⸗ sund hinüber und stürzt sich sofort auf den Bauch, nur einer noch mit ihm. Ueberall liegen Leichen. Zwei Tage später wird Rolandke durch die Gefangennahme endlich aus dieser Hölle erlöst. Am 26. Oktober um 9 Uhr früh wird der Rest seiner Kompagnie bei Ramskapelle gefangen genommen. Die Kompagnie rückte im vollen feindlichen Feuer vor: zwei Kameraden fallen neben ihm verwundet und Rolandke verbindet sie. Plötzlich aufblickend sieht er, wie alle die Hände emporwerfen, hört sie schreien, daß sie sich ergäben. Rolandke durchzuckt nur der Gedanke: er will sich nie⸗ mals ergeben, aus Ehrgefühl und aus Angst vor den Deuntschen. Er legt auf den Nächsten an, der auf zwei Meter Entfernung über dem Grabenrande erscheint, da erhält er einen schweren Schlag auf den Lauf des Gewehrs; sein Leutnant hat ihn verhindert, einen Fehler zu begehen, der für alle den Tod bedeutet hätte. Der Deutsche entreißt ihm das Gewehr, die ganze Ausrüstung und wirft alles in den Yser. Die Entwaffneten werden fortgeführt und hier fällt noch der Leutnant, der 1 ubriggebliebene Offizier der Kompagnie, von einer belgischen Kugel. Kriegsgefangen passie⸗ ren sie nun das feindliche Heerlager, das von Ramskavpelle bis nach Ostende sich erstreckt. Ostende ist ebenfalls voll von Deutschen, sie sind überall inn unzähliger Menge und doch in der Zucht einer großartigen ion. So ward Rolandke aus Antwerpen

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gesaugen genommen und der tapfere, immer mutige und gut ge⸗ launte Belgier hat sich im Gefangenenlager auch unter den Deut. schen schnell Freunde zu erwerben verstanden.

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Kirchliche Nachrichten. l Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. a 5 Sabbatseleec am 17. April 1915: abend 6.55 lihr. l ag vormittag 8.00 Uhr. 8 Samstag nachmittaz 4.00 Uhr. 20

usgang 8.10 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.30, abends 8.10 Uhr.

Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 16. April 1915: 4 Wolkig, meist trocken, mild, südwestliche Winde.

5 Letzte Nachrichten. 1 Der neue Erfolg der österreichisch-ungarischen Truppen. 1 Kriegspressequartier, 15. April. Die Russen hatten seit Tagen ihr Streben darauf gerichtet, den Verteidigern des Uzsokerpasses durch einen Vorstoß in das obere Ungtal in den Rücken zu fallen und dadurch eine starle Stellung, die als Frontal⸗ stützvunlt. ihrem Vordringen einen Halt gebot, unhaltbar zu machen. In den mit wechselvollem Erfolg geführten Kämpfen. scheiterte das russische Vorhaben im allgemeinen, doch war es dem 5 Feinde trotzdem gelungen, sich auf der wichtigen Höhe Peremza 5 festzusetzen. Diesen Stützpunkt hat nun ein in der Nacht auf den 14. April geschickt und mit unvergleichlichem Heldenmut durch⸗ geführter Nachtangriff der Brigade des Obersten Duerfeld den Russen entrissen. Diese Brigade bestand aus den Raaber und Graaner ungarischen Insanterieregimentern Nr. 19 und 26. Da⸗ mit ist auch hier der letzte Kampf in der eben abgeschlossenen be⸗ deutungsvollen Phase des Karpathenringens zu einem für uns günstigen Ende gebracht worden. B. L.A.)

Der König der Belgier sucht eine Audienz beim Papfte. Genf, 15. April. In Paris wird anläßlich des vor⸗ gestrigen Besuches Poincarés beim belgischen Königspaar

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erzählt, daß König Albert die Absicht ausgesprochen. habe, für sich und die Königin eine Audienz beim Papste zu 15 erbitten. 5 Kundgebungen in Italien. 1 WTB. Mailand, 15. April.(Nichtamtlich. Die 0 Agenzia Stefani meldet: Ein während der K und: ebungen am vergangenen Sonntag, wie es scheint durch.

Stockschläge der Polizeibeamten verletzter Teilnehmer der⸗ starb später zu Hause. Der Ministerpräsident sandte darauf den stellvertretenden Generaldirektor der Zivilverwaltung, um eine Untersuchung zu veranstalten. Die sozialistischen Vereinigungen proklamierten als Protest einen 24stün⸗ digen Generalstreik, der heute anläßlich der Bei⸗ setzung des Gestorbenen stattfand. Der Beisetzung wohnte eine ungeheure Menschenmenge bei. Die Kund⸗ bung verlief jedoch ohne Zwischenfälle. Es kam nur zu eichten Zusammenstößen, einem Steinwurf aus der Menge gegen die Polizeibeamten, sowie einigen Revolverschüssen in die Luft. Nachdem der Sarg bis in den Friedhof be⸗ gleitet war, forderten die Ordner der Kundgebung die Manf⸗ festanten auf, sich zu zerstreuen. Die Mehrzahl ging aus⸗ einander, ein Teil wollte sich nach dem Domplatz begeben, fand aber diesen von Truppen abgesperrt. Um 8 Uhr abends herrschte wieder Ruhe.. 8 Kommissionsmeise englische Kriegführung. Rotterdam, 15. April. WTB. Nichtamtlich.) Der Nieuwe Rotterdamsche Courant entnimmt derTimes die Nachricht, daß die Regierungskommission zurn Erzeugung von Kriegsbedarf jetzt vollzählig sei; Schatzamt, Kriegsamt und Admiralität seien darin ver⸗ treten. Lloyd George würde den Vorsitz führen. Es verlautet, daß Lloyd George die ersten Anregungen zur wirtschaftlichen Organisation der Kräfte des Landes bei seinem Besuche in Frankreich empfangen habe. U Zum Untergang derDresden. 180 Berlin, 15. April. DasBerliner Tageblatt bringt aus. Buenos Aires eine Schilderung des Unterganges derDresden, die einige in Valparaiso gelandete Offiziere derDresden ge⸗ geben haben. Es heißt darin: Am Sonntag den 14. März tauchte von der einen Seite der englische PanzerkreuzerGent, von der andern der geschützte KreuzerGlasgow, dazu noch der

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HilfstreuzerOrama auf und eröffneten ohne weiteres auf 3500 Meter Entfernung das Feuer. Die vor Anker

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liegendeDresden konnte das Feuer nur mit wenigen Geschügen erwidern. Wir hatten eine an Zahl und Kaliber mehrfach überlegene feindliche Artillerie gegen uns. Das AchterdeckDresden wurde schwer beschädigt. Ju dieser aussichtslosen Lage hißte der deutsche Kapitän die weiße Parlamentärflagze, ohne seine Kriegsflagge herunterzuholen, was ein Zeichen der Uebergabe gewesen wäre. Der enlgische Bericht hatte abweichend von diesem wirklichen Tatbestand

behauptet, daß das Zeichen der Uebergabe erfolgt wäre. Die Ab⸗ sicht des Kapitäns derDresden war nur, ein Boot zum englischen Befehlshaber zu senden, um diesen auf den Schutz der neutralen Ge

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wässer aufmerksam zu machen. Der englische Kapitän stellte das 955 Feuer ein, bedeutete aber dem deutschen Unterhändler, er habe den

Auftrag, dieDresden unter allen Umständen, wo er sie antreffe, zu zerstören die Verletzung der Neutralität nachträglich der diplomatischen Regelung zu überlassen. Er werde daher mit dem Feuer fortfahren, wenn es dieDresden nicht vorzöge, sich selbst in die Luft zu sprengen. Darauf landete der deutsche Kapitän die Mehrzahl seiner Leute auf Mas a Tierra und vollzog selbst mit den übrigen der Mannschaft die Indieluftsprengung seines Schiffes, indem er die Pulverkammer in die Luft sprengte. Darauf gelang es auch ihnen, sich zu retten. Die Zahl der Toten steht noch nicht fest, da der Kommandant und etwa 315 Mann, alle. vermutlich unverwundet oder doch nur einige leichtverwundet sich noch auf der Insel befinden. 3 10 Mann dürften den Heldentod gefunden haben. Der Offizier und 15 Mann wurden, wie oben gesagt, in Val paraiso gelandet und befinden sich in dem dortigen Spital in bester Pflege. Falsche Benennung eines Schiffes. 5

Stockholm, 15. April. Wie aus Göteborg gemeldet wird, hat ein schwedischer Kapitän seiner Reederei in Göte⸗ borg eine Mitteilung gesandt, die hier großes Aufsehen er⸗ regt. Der Kapitän sah bei seiner Ankunft in einem eng⸗ lischen Hasen einen englischen Dampfer, dessen Name übermalt war und der die AusschriftHemland Spverig führte. Der Dampfer war ferner auf beiden Seiten mit den schwedischen Farben angestrichen. In der Brostromsreederei ist man sehr besorgt, weil ein diesen Reederei gehöriges Schiff, die echteHemsland in den nächsten Tagen die englische Küste anlausen soll und nun der großen Gefahr ausgesetzt ist, von deutschen Untersee⸗ bovten unterwegs angegriffen zu werden

Ein Dampfer auf Grund gefahren.

Stockholm, 15. April. Aus Oskarshamm wird tele⸗ raphiert, daß bei Hangby auf der ölandschen Ostküste der 11Alma aus Emden, der 6130 Nettotonnen stark war, auf dem Wege vom Oxelösund nach Lübeck mit einer Ladung Erz auf Grund gestoßen ist und kurz darauff gesunken ist. Die Besatzung wurde gerettet und nach dem gegenüberliegenden Kalmar gebracht. Bergungsdampfer sind

sofort nach der Unglücksstelle abgegangen, um die Bergungs⸗ arbeiten vorzunehmen. 0