Ausgabe 
(13.4.1915) 86. Zweites Blatt
Seite
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. G

Das große Artillerieduell an den Dardanellen.

Ueber die denkwürdigen Ereignisse des 18. März, an dem die englisch-französische Flotte in den Dardanellen eine entscheidende Niederlage erlitt und nach siebenstündigem Kampfe unter schweren Verlusten den Kampfplatz räumen mußte, erhalten wir in Er⸗ gänzung unserer Telegramme von unserem in den Dardanellen weilenden Sonderberichterstatter folgende Schilderung:

Elf Tage und elf Nächte waren bereits seit der letzten Be⸗ schießung der an den alten, 1465 von Mohammed II. erbauten Schlössern Kaleh Sultanieh und Kilid-el⸗bahr gelegenen starken

8 Forts Hamidieh und Medschidieh, die die enge, nur 1350 Meter breite Grenze der äußeren und mittleren Dardanellen schützen, in beschaulicher Ruhe dahingeflossen. Nur selten und in großer Ferne

atte der Donner der Schiffsgeschütze die Stille der im Frühlings- schmuck prangenden Natur unterbrochen. Hier und da hatte der Feind des Nachts die Minensperre durch Abfischen zu schwächen versucht, ein Versuch, der fast regelmä 1 dem Verluste einiger der mit so heikler Arbeit betrauten Boote endete.

So saß das kleine Häuflein der auf diesem Teile des Kriegs- e zugelassenen Journalisten am Donnerstag, den 18. März, in etwas nachdenklicher Stimmung vor dem einzigen noch offenen Teehause von Tschanak Kaleh, auf dem sonnigen Platze inmitten des Ortes, den in einer deutschen Ortschast von

leicher Größe die Dorflinde zieren würde. Man erörterte das Für und Wider der Wahrscheinlichkeit eines erneuten Angriffes

DieGletener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Sleßen zwermal wochentlich. DieLandwirtschaftlichen Sett⸗ tragen erscheinen monatlich zweimal.

Meerenge, als plötzlich es war f 1 Stille durch eine ungeheuer starke Detonation in allernächster Nähe unterbrochen wurde. vor wenigen Wochen hätte das Krepieren einer Granate großen Kalibers mitten im Orte eine ungeheure Panik verursacht, aber in diesen aufgeregten Zeiten stumpft der Sinn für Gesahr rasch ab, und so begab man sich zunächst an den Strand, um zu sehen, ob vielleicht wieder einmal dau auf der anderen Seite der Dardanellen bei Kilid-el⸗Bahr liegende Fort be⸗ schossen würde, das die feindliche Flotte sast stets zuerst aufs Korn zu nehmen pflegte. Aber noch ehe man den Strand erreichte, folgten der ersten Granate, die man als einen abgeirrten Gast angesprochen te, mehrere andere und man sah bald ein, daß der Feind seine aktik änderte, wenn man auch noch nicht entsernt die großen Ueberraschungen ahnen konnte, die der Tag noch bringen sollte. Bei den früheren Beschießungen hatte meist der alte Turm des Schlosses Kaleh Sultanieh, von dem aus man eine prachtvolle Fernsicht genießt, als Beobachtungsposten für die Berichterstatter gedient. Ihn suchte man also auch jetzt auf, und man erblickte von dort in den äußeren Dardanellen ein Geschwader von fünf eng⸗ lischen und vier französischen Schiffen, die zwei Feuerstellungen gebildet hatten, und nach der üblichen Taktik im Kreise umher⸗ fahrend den Hagel ihrer Geschosse auf alle Forts und Batterien in ihrem Feuerbereich streuten bezw. zu streuen versuchten. Die 7218 des europätschen Ufers waren bereits in dichte Wolken go⸗ üllt, die teils vom Rauch der explodierenden Granaten, teils vom Staub der aufgewühlten Erdmassen genährt wurden. Während je⸗ doch die Geschosse auf diesem Ufer im allgemeinen in ziemlicher Nähe ihres Zieles niedergingen, war das Feuer auf die asiatische Seite weit weniger geschickt dirigiert, denn in der ersten Stunde des Gefechts verirrte sich mur selten eine Granate auf den Hof des Forts Hamidieh. Dagegen sausten ununterbrochen die verderbenbringen⸗ den Grüße des Feindes in die Straßen und Häuser der harmlosen Töpferstadt Tschanal Kaleh, deren Bewohner sich eilends auf die umliegenden Berge flüchteten. Hier und dort stürzten mit gewal⸗ tigem Krachen die leicht gebauten Häuser zusammen; das schlanke inarett einer alten schee wurde zur Hälfte von einem großen Mantelstück weggerissen, glühende Stahlsplitter schwirrten durch die Luft, sich am anderen Ende ihr ief in das Pflaster

2 11½ Uhr die friedliche

ter Bahn tief einbohrend, und von neuem einen Hagel von Steingeröll umher⸗ streeuend. A

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Unter diesen Verhältnissen konnte man den alten Turm kaum mehr als einen sehr angenehmen und sicheren Aufenthalt bezeich⸗ nen. Man stieg herab, und zwar, wie bald bemerkt wurde, zur rech⸗

die gerologische Forschung in deutschland. Zu Richard Aßmanns 70. Geburtstag.

Wenn man in neuerer Zeit von derAerologie als einem neben oder innerhalb der Meteorologie bestehenden Sonderfache EN. kennzeichnet diese 1 die jüngste Phase cklung, in die die meteorologische Wissenschaft seit etwa 30 Jahren eingetreten ist. Seit der Müte des vorigen Jahrhun⸗ derts hat die Meteorologie durch die von Bujs Ballot begrün⸗ dete synoptische Methode, d. h durch das Studium des Zusam⸗ 8 der Witterungserscheinungen über größeren irken

mit Hilfe von Wetterkarten, jene großen Erfolge errungen, die sie ebenso sehr zu einer physikalisch⸗mathematischer Betrachtungs⸗ weise zugänglichen Wissenschaft machten, wie sie sie zu praktischen Anwendungen in Form von Wetterprognosen befähigten. Aber das 9 Material, auf das sich die meteorologische Vondchng und ihre Anwendungen stützten, war ausschließlich am Boden des Luftmeeres gesammelt. Beides, die rie sowohl wie die Pra⸗ xis der Prognosen, ließen bald die Unzulänglichkeit dieses Ma⸗ terials erkennen und wiesen gebieterisch darauf hin, daß die volle Erkenntnis des physikalischen Zusammenhanges der atmosphäri⸗ schen Erscheinungen ohne das systematische Studium der 5 in den höheren Luftschichten unmöglich wäre. Die Berg⸗ stationen, die man z. T. schon e, z. T. neu begründete, ge⸗ nügten diesen Aufgaben nicht, so außerordentlich wertvolle Er⸗ gebnisse sie 9 3 Sie waren schließlich doch nicht hoch enug und achen vor allem nicht den Verhältnissen der eien Atmosphäre. Wollte man diese Verhältnisse studieren, so mußten die Instrumente unmittelbar in die Lüfte hinein erhoben werden, so hoch wie möglich. Seit dem Ende der 80er Jahre ist dieses Problem mit Geist und Geschick und allen Hilfsmitteln der modernen Technik angestrebt und mit immer wachsenden

Erfolgen bearbeitet worden. Das sind die Forschungen, denen

man den Namen aerologische 5 N gegeben hat. Sie haben in die Physik der freien Atmosphäre höchst.* anz unerwartete und erstaunliche Einblicke gewährt. Die allgemeine

rundlage für die exakte Ausführung dieser Forschungen und ihre Ein- und Durchführung bei uns in Deutschland sind an den Na- men Richard Aßmanns geknüpft.

Die Grundlage der aerologischen Forschungen bildete die Schaf⸗ fung eines Instrumentariums, das mit Sicherheit die Temveratur⸗ und Feu n Atmosphäre zu messen gestattete. Auf den festen Stationen des Erdbodens hat es keine prinzipiellen Schwierigkeiten, die diesen Zwecken dienenden Thermometer so auf⸗

daß sie störenden Einflüssen, vor allem der Sonnen⸗

ustellen

rahlung, entz sind. Will man dagegen die Lufttemperatur u Noch eines Pellons in großen n denen die Sonnen⸗ strahlung sehr viel mächtiger als am n ist, bestimmen, so liefern die er, selbst wenn man die direkte Sonnen⸗ strahlung abs. doch schon unter dem Einfluß der stark er⸗ wärmten Ballonhälle viel zu hohe Angaben. Aßmanns Aspira⸗

eee dessen erste Beschreibung 1887 erschien, besei⸗ ei

e diesen Uebelstand durch Einbauen rmometer in Hüllen, durch die die Luft in kräftigem Strome hin⸗

jeßen

0. g 0 ihren Höhepunkt erreichte. Aus dem oder der Einstellung der Bemühungen um die vielumstrittene B Hab, ch 5

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ten Zeit, denn während die kleine Gruppe noch in dem düsteren, scheinbar unerschütterlich fest gebauten Torweg stand und über legte, ob in der Nähe von mehreren Dutzend Kisten Munition wäh⸗ rend einer maßlos heftigen Beschießung wohl der richtige Ort für Nichtkämpfer sei, 62055 mit ohrenbetäubendem Krach eine Gra nate in die an den Turm grenzende Mauer, so daß das ganze Werk in seinen Grundfesten erzitterte. Das kürzte die Beratung ab, man entschied sich für einen ehrenvollen Rückzug, der in Anbetracht einer von Rauch und Staub bis zur Undurchsichtigkeit angefüllten schwe⸗ jelgelben Atmosphäre in beschleunigtem Tempo angetreten wurde. Ein Hügel hinter der Ortschaßt, auf dem das Hospital liegt, bildete das Ziel, das man nach wenigen, den Beteiligten wohl unvergeß⸗ lichen Minuten glücklich erreichte, und von dem aus man eine gute Uebersicht über die beiden Üfer mit den beschossenen Forts wie über die feindlichen Schiffe hatte, aus denen von Sekunde zu Sekunde die Schüsse aufblitzten.

Inzwischen hatte ein englischer Flieger, der in beträchtlicher Höhe das Gelände überflog, den Schiffen durch Signale Mittei⸗ lungen über die Wirkung des Feuers gemacht, das sämtliche Forts, unterstützt von den auf anderen befestigten Plätzen untergebrachten Batterien, in einer Weise erwiderten, die zwar in bezug auf die Zahl der verschwendeten Geschosse dem Feinde bedeutend nachstand, in bezug auf die Zahl der Treffer ihn jedoch weit überbot, wich man auf den englischen und französischen Schiffen bald mit Schrecken erkennen mußte.

Deer erste vernichtende Schlag fiel gegen 2 Uhr, als die Be schießung nach einem 7 0 55 Abflauen, das inmitten des vorher wie nachher herrschenden Höllenlärms wie eine Erholungspause erschien,

ö französischen Linienschiffe ou vet stieg plötzlich eine hohe weiße Rauchsäule empor und etwa 24 Sekunden später erschütterte ein gewaltiges Krachen, dessen Klang sich von dem übrigen Kampfgetöse deutlich unterschied, die ganze Atmosphäre. Das Heck des 9 Schiffes tauchte tief in die Wellen hinab, während der Bug wie ein grausiges Wahr- zeichen gen Himmel ragte. Boote wurden sofort von anderen Schif sen des Geschwaders flott gemacht, aber sie schienen mit unend licher Langsamkeit die aufgeregte See, die fortwährend durch die zwischen den Schiffen aufschlagenden Geschosse der Küstenbatterien von neuem hochgepeitscht wurde, zu durchschneiden. Kein einziges vermochte den sinkenden Stahlriesen vor der Erfüllung seines Ver⸗ hängnisses zu erreichen.. Torpedoboote, Zerstörer und Minenfischer lösten sich vom Horizonte, um in wohlgemeinter, aber unvorsichtiger Eile Hilfe zu bringen. Auch sie bemühten sich vergebens, denn in weniger als vier Minuten, vom Ausschlag an gerechnet, spielte sich das erschütternde Drama ab, und ein Torpedoboot sowie ein Minenfischer gingen, von den Geschossen der Haubitzenbatterien schwer getroffen, mit dem sterbenden Riesen in die Tiefe. egen 3 Uhr nachmittags trat eine Gefechtspause ein. Schon neigte man der Ansicht zu, daß der Untergang des Bouvet dem Feinde vor der Hand den Geschmack an weiteren kriegerischen Ope⸗ rationen verdorben habe, als ein neues Geschwader am Dardanel⸗ leneingang erschien, nachdem drei feindliche Schiffe, zum Teil mit dall von Schleppern, aus dem Gefechte abgezogen waren. Da die ahl der feindlichen Linienschiffe im Nachmittagskampfe auf 14 estiegen war, kommt man zu einer Gesamtzahl von 18 Linien⸗ Thifsen in der großen englisch-⸗französischen Aktion am 18. März. Das Feuer von allen Seiten erreichte in den Nachmittags⸗ stunden eine solche Heftigkeit, daß unter der Gewalt der Schüsse und der Granatenexplosionen nicht nur minuten⸗, sondern viertel⸗ stundenlang in weitem Umkreise die Erde erbebte, daß in dem zen Fort Hamidieh die Traversen unter der Wucht des Feuers der ei⸗ enen Geschütze zu schwanken schienen, während die Granaten den Boden in der Umgebung des Forts förmlich umackerten. Eine Stunde nach der anderen verfloß, die bekannte englische Teezeit, die bisher stets den Abbruch des Gefechts seitens der feind⸗ lichen Schiffe mit sich gebracht, aber das Brüllen der ehernen Schlunde, der Donner, der in mächtigen Wogen durch die Berge rollte, nahmen kein Ende. Da gab es nach 6 Uhr die zweite große Ueberraschung des Tages: Das englische Schlachtschiff Irresi⸗ stible, das während des langen Gefechtes verschiedene unan⸗ genehme Treffer erhalten hatte, wurde völlig kampf⸗ und bewe⸗ sungsunfähig. Torpedoboote und Zerstörer versuchten Hilfe zu ngen und den Koloß aus der Feuerlinie zu schleppen, aber ihre

durchgesaugt wird. Dieses Instrument ist das Normalinstrument der modernen Meteorologen geworden. Schon die ersten Erfahrun⸗ en mit diesem Instrumente bestätigen den Verdacht, daß alle jene Beobachtungen auf wissenschaftlichen Luftfahrten, die seit der Er⸗ findung des Luftballons zahlreich zuerst in Frankreich, dann in England ausgeführt worden waren, von der Temperaturverteilung in den höheren Luftschichten ein falsches Bild ergeben hatten. Um es richtig zu stellen, war eine Wiederholung dieser Fahrten in Poder Stile erforderlich. Aßmann, der 1886 von Bezold als

berbeamter in das preußische meteorologische Institut in Berlin berufen worden war, wandte sich, unterstützt von den bedeutendsten Gelehrten Berlins, an den deutschen Kaiser mit der Bitte um Be⸗ willigung der dazu nötigen Mittel. Sie wurden in freigebigster Weise gewährt, und seit dieser Zeit sind die Bestrebungen Aßmanns von dem besonderen Interesse Kaiser Wilhelms getragen und ge⸗ fördert worden. Mit den gewonnenen Mitteln wurden in den Jahren 18881898 75 wissenschaftliche Ballonfahrten veranstaltet. Aß⸗ mann selber hat nur an dreien von ihnen teilgenommen bei der dritten verunglückte er mit einem Beinbruch aber ein Stab

rvorragender Ballonführer und Beobachter, von denen nur Groß,

erson, Süring, v. Siegsfeld genannt seien, standen der Aus⸗ führung seiner Ideen zur Verfügung. Die wichtigen Ergehnisse dieser Fahrten wurden in dem prachtvollen dreibändigen Werke Wissenschaftliche Luftfahrten von Aßmann und Berson ver- öffentlicht.

Aber die Ballonfahrten mit bemannten Ballonen ergeben für die Kenntnis der höheren Luftschichten doch immer nur Stich⸗ proben, keine regelmäßigen Registrierungen, und sie waren zudem, trotz des Wagemutes von Männern wie Berson und Süring, auf die unteren 10 Kilometer der Atmosphäre beschränkt. In Frank⸗ reich hatte man zuerst versucht, höhere Schichten zu erreichen da⸗ durch, daß man unbemannte Ballone mit Registrierinstrumenten aufsteigen ließ. Aßmann führte diesen Gedanken bei uns in Deutschland ein und bildete ihn zu einer brauchbaren, genaue Er⸗ gebnisse verbürgenden Methode durch den ebenso glücklichen wie kühnen Gedanken um, an Stelle offener Ballone aus dünnen festen Stofsen geschlossene Gummiballone zu verwenden, die in Dicke und Gasfüllung so bemessen werden könnten, daß sie nach einem mit gleichmäßiger Geschwindigkeit erfolgten Aufstieg in der 8 großen Höhe(bis zu 25 Kilometern) platzen und

e Registrierapparate mit er fallschirmartigen Vorrichtung herabfallen lassen. Der andere Wunsch aber, häufigere, wenn mög- lich regelmäßige Registrierungen der meteorologischen Elemente nicht bloß am Erdboden, sondern auch in der Höhe vorzunehmen, wurde durch die zuerst von Lawrence Rotch in Amerika ausgeführte Anwendung von Drachen verwirklicht. Mit ihrer Hilfe lassen sich Registrierinstrumente in Höhen bis zu 6 Kilometern emporheben. diese Methode ist von Aßmann in Deutschland eingeführt worden.

Es bedurfte zur Ausgestaltung eines solchen e wissenschaftlicher Erforschung der höheren Luftschichten schließlich nes besonderen Instituts. Ein solches wurde 1899 zunächst in Reinickendorf bei Perlin unter Aßmanns Leitung eingerichtet. Aber es stellten sich bald durch die Nähe der Großstadt mit ihren

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er Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

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dienstag, 18. April 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwéersttäts- Buch- und Steindruckerel R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

stratze 7. Geschastsstelle u. Verlag: S νο., Schuist⸗

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Bemühungen waren zur Erfolglosigkeit verurteilt, und nur mit äußerster Kräfteanstrengung gelang es, einen Teil der Besatzung zu retten, bevor das einst so stolze Schiff, jeglichen Schutzes bar, von der leichten Gegenströmung, die an dieser Stelle der Meer⸗ enge nach Norden geht, in die Bucht von Dardanos getrieben wurde. Je näher der eiferne Koloß den Batterien kan, desto weniger wagten die kleineren feindlichen Schiffe es, sich ihn zu nähern, und bald sah man, während die Spannung unter den Beobachtern auf beiden Seiten ihren Höhepunkt erreichte, nur noch hier und da ein Rettungsboot abstoßen. Es war aufgegeben, und die Be⸗ herrscherin der Meere vermochte nicht ihr kostbares Schiff zu schützen, das willenlos dem Feinde in die Arme glitt. Die Küsten⸗ batterien hatten sich als stärker erwiesen als die Panzerriesen, eine Stunde später, als das Gefecht abflaute, vollendeten die Bat⸗ terien von Dardanos ihr Werk, indem mit wenigen wohlgezielten Schüssen den Irresistible auf den Grund des Meeres legten. 0 Aber der Becher des Leides war damit für England noch nicht

Damit war die gewaltige Schlacht entschieden. Langsam dampfte ein Schiff nach dem anderen durch den Ausgang. der Meerenge den griechischen Inseln zu, und schier unheimlich wirkte die tiefe Stille, während sich die Schatten der Nacht über die Dardanellendörf, senkten, nachdem der Donner des letzten Schusses, den die Hau⸗ bitzen dem abziehenden Feinde nachsandten, grollend in den fernen Tälern verhallt war. Allmählich nur beru naten sich die au peitschten Nerven, allmählich nur kehrten die Einwohner von Tf nak Kaleh wieder zurück in ihre Hütten oder sie suchten, w sie statt ihrer Heimstätte nur einen Trümmerhaufen fanden, U kunft bei Freunden und Nachbarn. Da hat sich unter der geprüften türkischen Bevölkerung, die schweigend zu leiden gewöhnt ist, wohl manches Haupt in tiesem Schmerz gebeugt. Aber in der Menge herrschte stolze Siegesfreude, als das Ergebnis des Tages b kannt wurde. War es do gelungen, das mächtige Geschwader d verbündeten Westmächte kräftig und entscheidend zu schlagen, hatte doch der Feind unter völligem Verlust dreier moderner Schlacht⸗ schiffe den Kampfplatz räumen und abgesehen von den schweren Beschädigungen mindestens zweier weiterer Kampfschiffe ein To pedoboot und einen Minenfischer auf dem Grunde der Meerenge lassen mssen, um deren 3 heiß und stürmisch wirbt.

i 1 g eilich wurden am kommenden Tage auf einem kleinen, i

der Mehe des Forts Hamidieh angelegten Friedhof mehrere deutst und türkische Soldaten, die in treuer Waffenbrüderschaft Seite an

Seite gekämpft, miteinander zur ewigen Ruhe gebettet, und zum ersten Male standen an so geweihter Stätte z und Halbmond zusammen. Aber während der Feind außer seinen wertvollen Schiffen nach seinem eigenen Eingeständnis nicht wenig 5 als 200 Mann eingebüßt hatte, betrugen die Verluste ü sämtlichen türkischen Forts, gegen die sich das Feuer geri hatte, 23 Tote und 60 Verwundete, von denen die mei auf dem Wege zur Genesung sind und in nicht zu ferner Zeit wieder an ihre Geschütze zurückkehren werden. Und wenn auch viele Häuser der friedlichen Ortschaften Tschanak Kaleh und Kilid⸗ el⸗Bahr von den feindlichen Granaten zerschmettert worden fi wenn auch die Traversen der Forts an manchen Stellen arg zer wühlt waren, nur ein einziges Geschütz hat einen Volltreffer den Unterbau erhalten und ist dadurch für einige Zeit gefechts⸗ untüchtig gemacht. Alle anderen stehen unversehrt da, berei dem Gegner von neuem Tod und Verderben entgegenzuschleudern, falls er nochmals ein Tänzchen wagen sollte.

Seit dieser großen Beschießung, in der nach den Zählung der einzelnen Forts das Geschwader der Verbündeten etwa 300

mannigfachen ↄberirdischen elektrischen Leitungen Schwierigkeiten besonders für die Drachenmet heraus. Daher wurde 1904 mit dem Bau eines neuen großen Observatoriums in größerer Entfernung von Berlin, in Lindenberg bei Beeskow, begonnen. Aßmann wurde 1905 Direktor dieses Instituts und konnte es am 16. Oktober des gleichen Jahres in Gegenwart des Kaisers un einer erlesenen Schar von heimischen und auswärtigen Gelehrten einweihen. Es ist das erste ärologische Institut der Welt, eine Musteranstalt die jährlich zahlreiche Besucher zum Studium ihrer Einrichtungen aus allen Teilen der Welt herangezogen hat. Eine ausführliche Beschreibung des Instituts aus der Feder Aßmanns 0 ist soeben bei Vieweg erschienen. 8 Ueber die Entwicklung, die Aßmanns wissenschaftliche Persön⸗ lichkeit bis zu seinem Eintritte in den Dienst des Preußischen meteorologischen Instituts genommen hatte, mögen noch einige Mitteilungen nachgetragen werden. Aßmann war ursprünglich Mediziner, hatte als junger Arzt den Krieg von 1870/1 mitge⸗ macht und dann in Freinwalde seine Tätigkeit als praktischer Arzt begonnen. Später ging er, um einen größeren und anregenderen Wirkungskreis zu haben, in seine Vaterstadt Magdeburg zurück und praktizierte dort. Aber schon in Freienwalde hatte er an⸗ gefangen, sein besonderes Interesse für die Meteorologie praktisch zu betätigen. Auf seine Veranlassung war auf dem als Krieger⸗ denkmal erbauten Aussichtsturm in Freienwalde eine meterolo⸗ gische Station eingerichtet worden; dort oben hat Aßmann, unterstützt von seiner jungen Gattin, manche Nacht mit meteoro⸗ logischen Studien zugebracht. In Magdeburg eröffnete sich ihm ein größeres Feld für meteorologische Betätigung. Der Verleger 2 der Magdeburgischen Zeitung, zu dem Aßmann von der Schule Fel Beziehungen hatte, erbot sich, nach dem Vorgange der Kölnicche Zeitung, die damals unter Hermann J. Kleins Leitung eine Wetterwarte errichtet hatte, das Gleiche für Magdeburg zu tun. Aßmann unternahm die Ausführung dieses Gedankens und leitete von 1881 bis 1885 diese Warte, die sich schnell zu einem für die Landwirtschaft des mittleren Deutschlands wichtigen Institute entwickelte. In diese Zeit fällt auch die Begründung der Zeit⸗ schriftDas Wetter, deren Schriftleitung noch heute in Aßmanns Händen liegt. Aber diese meteorologische Tätigkeit überwucherte nun schließlich doch die berufliche Tätigkeit des Arztes. Aßmann gab die letztere ganz auf, machte 1885 in Halle seinen philo⸗ sophischen Doktor und habilitierte sich dort als Privatdozent. Ein Jahr später siedelte er nach Berlin über, um in das dortige meteo⸗ rologische Institut einzutreten. 1 Von der Leitung des Lindenberger Observatoriums hat sich Geheimrat Aßmann im vergangenen Jahre zurückgezogen und hat bei uns in Gießen seinen Alterswohnsitz genommen, nicht um sich hier von seinem rastlos tätigen Leben auszuruhen 2 dem noch immer energischen, kraftvollen Manne wohl

eine Unmöglichkeit sondern um sich der weiteren Bearbeitung einer wissenschaftlichen Ideen ausschließlich widmen zu können.

Wünschen wir unserem nunmehrigen hochgeschäzten Mitbürger

seinem 70. Geburtstage, daß ihm die Kraft des Geistes und der Feder, die er in seinem bisherigen Leben so erfolgreich b. 0 hat, noch lange Jahre bewahrt bleiben moge.