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Berlin, 11. April.(WT Nichtamtlich.) Eine Persönlich⸗ keit, welche mit der belgischen und der englischen Re⸗ gierung nabe Beziehungen unterhält, erklärte dem Be⸗ richterstatter des„Joumal de Geneve“ in Rom: Französische und englische Kreise seien 8 daß der Krieg im Oktober beendet sein werde. Die Kriegführenden hätten nicht den Mut, den Truppen und der Bevölkerung einen neuen Winter⸗ feldzug aufzuerlegen. Man werde Frieden machen, selbst wenn der Friede den Wünschen der Belgier nicht ent⸗ spreche, welche mit der Zahlung einer großen Kriegsentschädi⸗
ing durch Deutschland rechneten. Es hänge von dem Erfolge der Offenfeve der Verbündeten ab, ob eine solche Entschädigung ge⸗ fordert werden könne. Der Belgier fährt fort: Er befürchte, daß Frankreich und England, um den Krieg nicht zu verlängern, sich mit einem relativen Erfolge begnügen würden; es würde ihnen vielleicht genügen, die Deutschen aus Frankreich und Bel⸗ gien zu vertreiben. Vom belgischen Standpunkt aus könnte man
mehr wünschen. Die englischen Verluste.
Haag, 11. April.(WTB. Nichtamtlich.) Der Londoner Kor⸗ respondent des„Nieuwe Couxant“ meldet: Das Pressebureau gibt die Zahlen der englischen Verluste in den letzten 8 Monaten bis zum 31. März bekannt. Die Listen geben die Ge⸗ samtzahl an Toten, Verwundeten und Vermißten mit 99 759 an, ohne die Verluste der 83 Regimenter indischer Truppen, von denen nur die Offiziersverluste gemeldet werden. An Offizieren werlor die englische Armee: 1828 tot, 3257 verwundet, 701 ver⸗ mißt, 195 gefangen; an Mannschaften 17 780 tot, 56 830 ver⸗ wundet, 17 666 vermißt, 1482 gefangen.
Der Seekrieg.
London, 10. April. WTB. Nichtamtlich.) Die Admiralität teilt mit: Seit der Erklärung der Unterseeblockade vom 18. Februar sind 37 britische Handelsschiffe und 6 Fischer fahrzeuge durch Kreuzer, Minen und Untersee⸗ boote zum Sinken gebracht worden. Die Gesamttonnage der versenkten Handelsschiffe beträgt 100 967 und der versenkten Fischerfahrzeuge 1203 Bruttotonnen. In dieser Zeit kamen an und fuhren ab: 10 194 Schiffe von über 300 Tonnen Gehalt. Für die einzelnen Wochen stellen sich die Zahlen folgendermaßen: In der ersten Woche wurden zehn Schiffe versenkt, in der zweiten ein Schiff, in der dritten vier, in der vierten wurden acht Schiffe versenkt und drei Schiffe torpediert, die aber den Hafen erreichten. In der fünften Woche wurden drei Schiffe versenkt, ein Schiff erreichte den Hafen. In der sechsten Woche wurden sechs Schiffe
versenkt, eines erreichte den Hafen. In der siebenten Woche wur⸗ den funf Schiffe versenkt. i
Le Trépoxt, 10. April.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das französische Segelschiff „Chateau Briand wurde im Kanal von einem deutschen Unterseeboot torpedi ert. Die Besatzung von 25 Mann ist in zwei Booten hier angekommen.
Amsterdam, 10. April.(Ctr. Blu.) Reuter meldet aus London: Ein deutsches Unterseeboot brachte das mit Kohlen geladene portugiesische Segelschiff„Douro“, das auf dem Wege von Cardiff nach Oporto war, zum Sinken. Die Besatzung wurde gerettet und nach Swanseg gebracht. Am Mittwoch ist das englische Dampfschiff„Helen“ sieben Meilen von Berwick durch ein deutsches Unterseeboot verfolgt worden. Das Unterseeboot gab die Verfolgung erst auf, als es dicht beim Hafen. von Berwick angelangt war.
London, 10. April.(WTB. Nichtamtlich.) Reuter⸗Mel⸗ dung. Der Kapitän des Dampfers„Theseus“, der Liver⸗ pool anlief, berichtete, daß er am 29. März von einem Tausch⸗ boot angegriffen wurde Als der„Theseus“ ungefähr vierzig Meilen südwestlich des Leuchtturms von Bishoprock war, kam auf drei Meilen Entfernung ein in Sicht. Der Kapi⸗ tän gab Volldampf, aber das Tauchboot holte das Schiff all⸗ mählich ein und gab Zeichen, daß der Dampfer halten solle. Der„T 4 0 den Befehl nicht, worauf das Signal kam, beizudrehen, widrigenfalls das Feuer eröffnet würde. Da der„Theseus“ nicht beidrehte, feuerte das Unterseeboot aus Schnellfeuerkanonen und Maschinengewehren und versuchte. querab vom Dampfer zu kontmen, offenbar um ein Torpedo abzuschießen. Der Dampfer änderte fortwährend den Kurs und steuerte nach der Küste Das Tauchboot gab nach einiger
eit die Verfolgung auf. Der Dampfer erreichte den Hafen mit eträchtlichen Beschädigungen.
London, 10. April.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Chro⸗ nicle“ meldet aus Grimsby: Man vermutet, daß der Fisch⸗ dampfer„Zarin a“ durch ein deutsches Unterseeboot tor pe⸗ diert wurde. Die Mannschaften zweier Fischdampfer, die im Hafen anlangten, erklärten, daß sie am Mi mittag ein Schiff sahen, das sie für die„Zarina“ hielten. Dann tauchten zwei deutsche Unterseeboote auf, bald darauf wurde eine Explosion ge⸗ hört und man sah den Fischdampfer sinken.
Die Rüstungen in England.
London, 10. April.(WTB. Nichtamtlich) Lord Kit⸗ chener richtete ein Schreiben an den Mayor von New⸗ castle, worin er dringend eine vermehrte Herstellung von Munition in den Fabriken am Tyne fordert. Tausende von Arbeitern seien nötig. Gestern. fand in Newcastle eine Ver⸗ sammlung unter dem Vorsitz des Mapors in Anwesenheit eines Vertreters des Kriegsamtes statt, um Maßregeln zur Sicherung der notwendigen Arbeitskräfte zu beraten. Ueberall in den englischen Städten werden Plakate angeheftet, worauf unter der Ueberschrift: Männer, welche die Armee jetzt braucht“, gelernte und ungelernte Arbeiter aufgefordert werden, sich in den Werkstätten zu melden, in denen Geschütze, Gewehre und Munition hergestellt werden.
Amerika und der englische Zensor.
London, 10. April.(WTB Nichtamtlich.)„Times“ melden aus Washington: Der englische Zensor wird in Amerika wieder kritisiert. Diesmal handelt es sich nicht um die Unter⸗ drückung von Nachrichten, sondern um ein Zugeständnis. Die Londoner Agentur telegraphierte am Dienstag, daß angesichts der russischen Erfolge in den Karpathen, die Früh⸗ Iingsoffensive der Verbündeten im Westen auf⸗ gegeben würde. Als Ursache wurde der Wunsch der Eng⸗ lünber und Franzosen, Leben zu schonen, 1 1
Die 2 Post“ bemerkt hierzu: Das ist ein Beweis für die britische Selbstsucht. Die Briten versuchen, die Verbün⸗ deten für sie die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen Sie kneifen bei den Dardanellen und in Frankreich und sind an⸗ scheinend nur bemüht, ihre Küsten zu bewachen, sowie diplomatische ace lee„ze Pert Times f 7 Selbst die„New imes“ sieht sich einem Rätsel. 1 obwo— meint,— es e sei, den Russen die
stigere e zuzuerteilen, en it ten, im Westen Vorbereitungen zu treffen. 1
Eine deutsche Note an Amerita.
Washington, 11. April.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus. Deutschland hat an die Vereinigten Staaten eine Note gerichtet, in der es sich be⸗ klagt. daß die Vorstellungen Amerikas an die Alliferten be⸗ züglich der Zufuhr von Lebensmitteln für die bürgerliche Bevölkerung der kriegführenden Länder keine Wirkung erzielt hätten. Amerika lege auf dieses Recht lange nicht soviel Nachdrud, wie auf das Recht, den Alliierten Waffen zu lie⸗ ern. Die Note dringt darauf, daß die Vereinigten Staaten die Neutralität sorgfältig einhalten mögen.
„Prinz Eitel Friedrich“. London, 10. April.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ melden aus New York: Kapitänleutnant 25 hie ri 91 n
überreichte dem Zolleinnehmer Hamilton, der ihm mitteilt daß der Hilfskreuzer„Prinz Effel Friedrich“ New
Friedrich“ internieren zu lassen. Der Entsatz, den ich erwartete, kam offenbar nicht rechtzeitig an, und deshalb macht die Zahl und die Stärke der feindlichen Kreuzer, die die Bucht bewachen, ein Entkommen in die offene See unmöglich. Ich beschloß, die Besatzung und das Schiff nicht einer zwecklosen und sicheren Ver⸗ nichtung preiszugeben. 82 danke für die Freundlichkeit der Be⸗ hörden der Vereinigten Staaten und erwarte Ihre Befehle“
Sofort nach Empfang der Mitteilung verständigten die Behörden mehr als zwanzig britische Schiffe, daß es ihnen jetzt freistünde, den Hafen zu verlassen.
Eine französische Lüge.
Rom, 10. April.(WTB. Nichtamtlich.)„Osservatore Ro⸗ mano“ ist ermächtigt, zu erklären, daß die Nachricht des„Petit Parisien“ jeder Begründung entbehrt, nämlich daß die ö ster⸗ reichisch-ungarische Diplomatie in den letzten Tagen versuchte, den Papst für die innere und äußere Lage Oesterreich⸗ Ungarns zu interessieren und um die guten Dienste des Heiligen! Stuhls zu ersuchen für den Zeitpunkt, in welchem es die öster⸗ reichisch-ungarische Regierung angebracht finden würde, den alli⸗ ierten Regierungen Friedensvorschläge zu machen.
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Sven Hedins Eindrücke in den Karpathen.
Wien, 11. April.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter veröffentlichen Mitteilungen Sven Hedins über seine Eindrücke, welche er während seines Besuches bei der öster— reichisch-ungarischen Karpathenarmee empfangen hat. Sven Hedin, welcher erstmalig Gelegenheit hatte, österreichisch⸗ ungarische Truppen zu sehen, spricht mit begeisterten Worten von der Organisation, Haltung und Kampflust der öster⸗ reichisch-zungarischen Soldaten: Eine Unmenge gewaltiger Eindrücke verlebte ich in dieen Tagsen. Ich besuchte die Trup⸗ pen in ihren Stellungen und sprach mit einzelnen Husaren und Tirolern, die schon oft im Feuer gewesen waren. Ich fand bei allen ungebrochene Kampfesfreude und ein zuver⸗ sichtliches Siegesgefühl. Der Wille zum Siegen be⸗ herrscht die ganze Armee. Der Führer Erzherzog Josef Ferdinand wird von Offizieren und Soldaten geliebt und vergöttert. Es war mir vergönnt, einige Stunden in seiner nächsten Umgebung in verbringen; ich war gerührt von dem Interesse und der Liebe, mit der der Erzherzog um alles besorgt ist, was das Wohl der Soldaten betrifft. Den eigentlichen Kampf habe ich nicht gesehen. Die russische Ar⸗ tillerie in diesem Abschnitte schwieg und auch die ein⸗ gegrabene russische Infanterie rührte sich kaum. Ich sah einmal von einem Beobachtungsstand aus drei Russen und drei Oesterreicher zwischen den russischen und österreichischen Schützengräben friedlich beieinander stehen. Man erzählte mir, daß an diesem Tage einzelne Russen weiße Tücher schwenkten und hart an die österreichischen Gräben heran- gekommen waren. Im Verlaufe meiner Fahrt kam ich auch zum Feldmarschalleutnant Roth, welchem am Dunajec die deutschen Verbündeten unterstellt sind, und ich besuchte auch den Feldmarschalleutnant Arz, und lernte so zwei wundervolle Soldaten kennen.
Türkischer Bericht.
(WTB.) Konstantinopel, 10. April. Gestern wurde bekannt gegeben, daß an der Front im Kaukasus nur kleine Zusammenstöße an vorgeschobenen Stellungen statt⸗ fanden. An den Dardanellen keine Veränderungen. Zwei feindliche Kreuzer beschossen 2¼ Stunden laug mit Unterbrechung die Stadt Gaza an der syrischen Küste und beschädigten einen Teil der Hafenmole. Die Stadt selbst ist unbeschädigt. Auf den anderen Kriegsschauplätzen hat sich nichts Wichtiges ereignet.
Die Haltung Italiens.
Rom, 11. April.(WTB. Nichtamtlich.) Für heute nach⸗ mittag waren zwei Versammlungen einberufen, eine von den Anhängern einer Intervention Italiens, die andere von den Anhängern der Neutralität. Die Behörden hatten jedoch beide untersagt. Die Polizei hatte strenge Maßnahmen getroffen, um den Anordnungen der Behörden Geltung zu verschaffen. Einige Hunderte von Passanten, die sich trotz des Verbotes versammeln wollten, konnten ohne bemerkens⸗ werte Zwischenfälle leicht zerstreut werden. Mehrere Per- sonen wurden verhaftet.
Serbien und Bulgarien.
Sofia, 11. April.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Bulgare. Die serbische Presse verbreitet systo— matisch verleumderische Nachrichten über Bulgarien, bald über den Transport von großen Mengen Bomben und Ex- plosivstoffen mit dem Bestimmungsorte Strumitza, bald über Aufforderungen des englischen Gesandten an den Minister⸗ präsidenten Radoslawow, und ähnliches. Der tendenziöse Charakter aller dieser Meldungen springt so sehr in die Augen, daß wir sie nicht zu dementieren brauchen.
Die Mämpfe zwischen Maas und Mosel.
Berlin, 11. April.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Gro ßen Hauptquartier wird uns geschrieben: Ueber die Kämpfe bis zum Nachmittag des 7. April wurde früher berichtet. Die folgenden Tage bis zum 10. brachten ihre Fortsetzung. Während bis zum 7. die französischen Angriffe sich ausschließlich gegen beide deutschen Flügel gerichtet hatten, setzte der Gegner nunmehr auch zum Angriff gegen die Mitte an, nach⸗ dem er in der Gegend St. Mühsel neue starke Kräfte ver⸗ sammelt hatte.* Am Spätnachmittag des 7. erfolgte der erste Angriff aus dem Walde von La Selouse, neun Kilometer nördlich von St. Mihiel, Kam unsere Stellungen in der ungefähren Linie Seuzey— Lamortville. Es kam zu schweren Kämpfen, in denen der zurückflutende Angreifer zahlreiche Tote und Verwun⸗ dete auf dem Kampfplatz ließ: zwei Offiziere und 80 Mann blieben gefangen in unseren Händen. In der Nacht vom 7. zum 8. April dauerten die Artillerie⸗ kämpfe an verschiedenen Stellen der Front, besonders an der Combres⸗Höhe und zwischen Regniépville— Fey en Haye mit kurzen e an. Stellenweise folgten
Infanterieangriffe. Südöstlich von Verdun, bei Marche ville brachen zwei Angriffe bereits hundert Meter vor unseren Stellungen zusammen. Im Bois d' Ailly gelang es den Franzosen, in einem Teil der non ihnen am Tage vorher ver⸗ lorenen Gräben wieder einzudringen. Die im Bois Brulé bei Tagesanbruch begonnenen Angziffe wurden ebenso wie drei nächt⸗ liche Vorstöße im westlichen Teil des Priesterwaldes abgewiesen. Am Nachmittag und Abend des 8. entfaltete der Gegner zugleich an verschiedenen Teilen der Front eine rege Tätigkeit. Ein am Walde von La Selouse unternommener Vorstoß scheiterte, ebenso wie ein Angriff an derselben Stelle vom Tage vorher. Gleichzeitig entwickelten sich stundenlange schwere Kämpfe am Boi de Mort Mare, in denen der Gegner schließlich mit der blanken Waffe zurückgeworfen wurde. In derselben Weise endeten die Angriffe in der Gegend von Regnis ville, am Priesterwalde und südlich der Orne.
Der 8. April, mie die Nacht zum 9. standen unter dem Zeichen erbitterter Kämpfe um die Combres⸗ Höhe. An diesem Punkte scheinen die Franzosen Verst en aus den oben erwähnten neuen Kräften eingesetzt zu haben. 8. il vor⸗ mittags besetzten sie die von uns in Anbetracht des schwersten Artillexiefeuers geräumten Grabenstücke, um die daun den ganzen
port News vor Mitternacht verlassen müsse, folgende Note: „e, tee Ihnen mit, daß ich beabsichtige, den„Prinz Eülel
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Tag über heiß gekämpft wurde. der Nacht 9. r e e e
wieder hinauszuwersen. Die ganze Hauptstek lung wurde uns gehalten. Ein neuer bei esanbruch mit überlegenen Kräften angesetzter r Angriff zwang uns indes wieder zur Räumung einiger Grabenstücke. 5 l Gegenüber diesen Ereignissen an der Combres⸗Höbe intergrund.
treten Vorgänge auf der übrigen Front in den H. Von einigen Feuerüberfällen abgesehen, verlief die vom S. zum g. im allgemeinen ruhig. Nur am Bois de ort⸗
Mare, an dem nachmittags die Franzosen in 2 Ringen unter schwersten Verlusten zurückgeworfen wurden, sie in den Abenostunden von neuem an, ohne ein besseres Er⸗ gebnis zu erzielen. Dagegen gelang es unseren in die französische Stellung nachdrängenden Truppen zwei Maschinengewehre zu nehmen. Trotz dieser Mißerfolge entschloß sich der Feind am frühesten Morgen des 9. April ftr Erneuerung des Angriffs, der aber wiederum unter außerordentlichen Verlusten für ihn zu⸗ me ile d f eder den Schwerbuntt Am 9. April legten die Franzosen wit ihrer Angriffe auf den Nordflügel zwischen der Orne und der Combres⸗Höhe. So griffen sie in der Woewre⸗Ebene zwischen l Parfondrupt und Marcheville von Mittag bis Mitter- nacht viermal, jedesmal in einer Breite von etwa sechs Kilometer an, Sie wurden stets verlustreich zurückgeschlagen. Während der Nacht entfalteten darauf ihre Minenwerfer, zeitweise von Artillerie unterstützt, lebhafte Tätigkeit. Am Nachmittag stieß der Gegner auf der ganzen Linie der Combres⸗Höhe aus seinen Gräben hervor, nachdem er seit vormittag unsere Stellungen unter schwerstem Artilleriefeuer gehalten hatte. Es gelang ihm, an einer Stelle bis zur Mulde auf der Südseite der Höhe durchzu⸗ stoßen, ehe sich der Angriff im Feuer unserer zweiten rückwärtigen Stellung verblutete. Unsere Truppen behaupteten nicht nur die Höhe, sondern ein Regimentskommandeur ergriff die Initiativa n der uns wieder in den Besitz von Teilen unserer zorstellung brachte. Ein zweiter Angriff scheint geplant gewesen zu sein, seine Ausführung hinderte indessen das wirksame Feuer unserer Artillerie. Der Gegner beschränkte sich in der Nacht auf 5 1 der Höhe und des dahinterliegenden rfes ombres.
Auf der übrigen Front brachte der Tag in der Mitte der Kampffront, in der Linie Suzey⸗Spada, einen ernsten, aber er⸗ folglosen Angriff des Gegners. Wir machten einundsiebzig Ge⸗ fangene. Ein Angriff schwächerer Kräfte im Walde von Ailly wurde leicht abgewiesen, und auch ein Vorstoß über die Linie Negnisville-Fey en Haye endete unter außerordentlich starken Verlusten bereits in unserem Artilleriefeuer; nördlich von Regnie⸗ ville blieben an einer Stelle fünfhundert Leichen liegen. Der Abend des 9. April brachte am Croix des Carmes im Priesterwalde einen deutschen Angriff, dem es gelang, drei Block⸗ häuser und zwei Verbindungsgräben dem Gegner zu entreißen, wobei zwei Maschinengewehre und 53 Gefangene in die Hände unserer Truppen fielen. b Am 10. April fanden Artilleriekämpfe auf der ganzen Front statt. Es konnte beobachtet werden, daß die Franzosen eifrig schanzten und ihre stark gelichteten vorderen Reihen durch neus Truppen ergänzten, insbesondere auf dem Nordflügel südlich der Orne, in der Mitte gegenüber der Linie Seuzey⸗Spada, sowie am Südflügel in Gegen? von Regniséville. Die Truppenansamm⸗ lungen wurden mit starkem Feuer belegt und die dadurch hervor⸗ gerufenen Verluste mögen der Grund gewesen sein, daß der Gegner den Entschluß zum Angriff nicht finden konnte. Auch bei Les Eparges am Fuß der Combres⸗Höhe stellten die Franzosen starke Kräfte bereit, die unser Artilleriefeuer fassen konnte.
Nur im Priesterwalde kam es an diesem Tage zu einem französischen Angriff, der ohne Mühe abgewiesen wurde.
So endete auch der 10. April, wie alle vorhergegangenen Tage mit einem vollen deutschen Erfolg auf sämtlichen ange⸗ griffenen Fronten. An diesem Tage dankte der französische Ober⸗ befehlshaber General Joffre der ersten Armee dafür, daß sie die Stellung bei Les Eparges— das ist die Combres⸗Höhe den Deutschen entrissen habe. Um diese Stellung wird seit Wochen mit kurzen Unterbrechungen gekämpft. Die Franzosen haben meh⸗ rere Male gemeldet, daß sie die Stellungen genommen und fest in der Hand hätten. Die letzten Kämpfe um die vielumstrittene Stellung ind oben geschildert worden. Tatsächlich haben die Franzosen vorübergehend einzelne Gräben der Stellung besetzt gehabt, bis auf einen kleinen unwesentlichen Teil sind sie aber alle wieder zurück⸗
erobert worden. Aus dem Reiche.
Der Reichskanzler im Großen Hauptquartier.
Berlin, 12. April. Der Reichskanzler hat sich, wie der„Lokalanz.“ meldet, gestern abend ins Große Haupt⸗ quartier begeben.
Berlin, 12. April. Wie dem„Berl. Tageblatt“ aus Stuttgart gemeldet wird, ist der König von Württemberg gestern abend zu einem achttägigen Aufenthalt nach dem westlichen Kriegsschauplatz abgereist.
Berlin, 12. April. Der Erzbischof von Köln, Kar⸗ dinal von Hartmann, und der Bischof Korum von Trier kamen nach dem„Berl. Lokalanzeiger“ am Freitag vormittag im Großen Hauptquartier an. Am Mittag hatte Gene⸗ raloberst von Einem Seine Eminenz besucht. Um 1 Uhr nach⸗ mittags fand Audienz des Kardinals und des Bischofs beim Kai⸗ ser statt, dem die beiden Kirchenfürsten als Erträgnis der Kaiser⸗ 6 geburtstagskollekte 575000 Mk. für die Kriegsinvaliden über⸗ reichten. Sie wurden zur Frühstückstafel hinzugezogen, der außer den Hoschargen die beiden Geheimsekretäre der Bischöse sowie der Feldgeistliche Graf Spee teilnahmen. Ein kaiserliches Auto brachte die Herren am Nachmittag zurück.
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Aus Stadt und Cand. Gießen, 12. April 1915. Das Schuljahr beginnt.
„De Zeit vergeht, un mer merkts net“, sagte der Vater kürzlich, als ihm die Schulverwaltung mitteilte, daß sein Sohn Karl, genannt Männe, mit dem April schulpflichti werde.„Guck emol, Fraa, da hawwe mersch schwas wie alt mer sein. Der Männe muß Ostern in die Schul, wird hier geschriewe. So gehts im Lewe!“ Und der Vater begann wehmütig zu philosophieren, daß man, d. h. er und seine Frau, nun eigentlich erst wüßten, wie weit sie an Jahren vorgeschritten seien. Nun dauere es nur mehr ein paar Jahre, dann werde der Männe konfirmiert, bekomme lange Hosen und einen Lehrherrn. Und wenn die Sorge glück⸗ lich vorbei sei, wenn man denke, der Männe werde nun schweres Geld verdienen und Samstagsabends die Taler auf den Familientisch legen, dann bringe er einem statt dessen eine Braut mit nach Hause, und die Eltern könnten sich hinter den Ofen setzen, und die Jungen warteten nur darauf, ihnen den Deckel über der Nase zuzumachen. Und der Vater verlor sich in graue und immer grauere Gedanken und schloß mit der Feststellung:„s is ba g E der Müh wert, Kinner zu kriege. Mer hat Der, von dem die Rede war, hatte seine S ifbahn schon einige früher begonnen, ehe die den Vater an die licht des Sprößlings erinnerte. Der Männe hatte die schon vom Geburtstag stammende tafel als Sandkarren benutzt, wobei es natürlich nic Trümmer abging. Die Griffel waren gegen einen 1 0 asten war der
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