Ausgabe 
(31.3.1915) 76. Zweites Blatt
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nr. 70

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Sweites Blatt

DieSiezener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Der Bluff des Lords Hardinge.

Um die Aufmerksamkeit von der indischen Revolution abzulenken und um den Indern selbst Sand in die Augen zu streuen, reden und schreiben die Engländer jetzt über die Belohnung Indiens für seineLoyale Haltung. Der Vize⸗ 8 Hardinge, stellt mittiefem Bedauern fest, daß das Londoner Oberhaus seinen lieben indischen Landes

kindern keine Zugeständnisse der Provinzialselbstverwaltung gewähren will. Aber er wolle nicht locker lassen. Die Inder sollen und müssen ihren Lohn erhalten. Der Lord besuchte kürzlich Basra am Persischen Golf und berichtete darüber in der gesetzgebenden Versammlung zu Delhi. Die Provinz Basra, die unter der türkischen Regierung gelitten hatte, verspreche unter englischer Herrschaft außerordentlich viel, wenn nur tüchtig für Zuwanderung gesorgt werde. Man sieht, England treibt jetzt mitten im Kriege weiter seine verschlagene Bagdadpolitik. Die Stadt Basra, meinte Lord Hardinge, könne mit verhältnismäßig geringen Ausgaben in einen ausgezeichneten Ausfuhrhafen für Mesopotamien und Nordpersien verwandelt werden.

Für die fehlende Bevölkerung aber zwischen Euphrat und Tigris hat Indien zu sorgen Hardinge spricht diesen überschlauen Gedanken noch nicht aus, aber die Londoner Daily News nehmen ihm die heikle Mühe ab. Das Blatt schreibt, Indien möge sich über die Undankbarkeit des eng⸗ lischen Oberhauses, einerHandvoll geistig ausgepumpter Lords trösten, es werde für seine Loyalität nach dei Kriege in anderer Weise belohnt werden und zwar durch einen Gebietszuwachs. Der Besuch des Vizekönigs in Basra und des von britischen Truppen eingenommenen Gebiets von Mesopotamien sei ein deutlicher Hinweis, daß dies

Gebiet dauernd in britischen Besitz übergehen werde. Da alle englischen Kolonien ihre Türen den Indern ver⸗ schlossen haben, sei die Regelung der indischen Auswande⸗ rung eines der schwierigsten Probleme für England. Süd⸗ mesopotamien sei das geeignetste Gebiet für die zahlreichen Auswanderer aus Nordpundjab wegen des ähnlichen Kli⸗ mas und der großen Entwicklungsmöglichkeit unter segens⸗ reicher britischer Herrschaft. Basra sei der natürliche Hafen für ganz Mesopotamien und Nordpersien, und es sei nur richtig, daß dies von indischen Soldaten eroberte leere Land eine Heimat werde für indische Ansiedler. Läßt sich eine größere Unverschämtheit ausdenken, als was hier den Indern zugemutet wird? Was nicht auf den euro⸗ päischen Kriegsschauplatz verschleppt wurde, was nicht im grauenhaften e in Indien selbst zugrunde ging,

oll den KHulturdünger in Mesopotamien bilden, Albion eine neue Kolonie aufzubauen. Und das lohnung!

Nun ist Basra von den Eugländern nichterobert,

fondern nur* Der weitere Verlauf des türki⸗ schen 8 qich in Mesopotamien und Südperfien zu Umwälzungen führen, die and in seiner ungeheuer⸗ lichen Verblendung noch nicht t oder in seiner Unver⸗ frorenheit noch verschleiern möchte. Die englischen Pläne gehen nämlich dahin, daß nach dem Weltkriege die indische

Post den Weg LondonKonstantinopel- Bagdad. Bombay

nehmen werde. Der Strom der angloindischen Urlauber, dazu ein bedeutender Teil des internationalen Reiseverkehrs soll über Basra gehen. Mesopotamien aber soll ein neues

Goldland für die Briten durch seine gewaltigen Petro⸗

leumqu ellen werden.Wenn man bedenkt, heißt es in dem Bericht eines englischen Experten,daß die meso⸗ potamischen Petroleumdistrikte eine Fläche von 400 Kilo⸗ metern a7 bedecken und daß dieses Petroleum hier in

Mengen an die Oberfläche kommt, wie sie bisher in der Ge⸗

schichte der Petroleum-Geologie unbekannt waren, dann wird man mit Recht behaupten können, daß diese Regionen zu den reichsten der Erde zu zählen sind.

Noch vor Beginn der internationalen Verhandlungen über dieArbeitszonen der Mächte in der alain Tütkei

um als

haben die Engländer versucht, si isse Monopol⸗, be gesagt, Voroptionsrechte 2 W 8 1 gebiete Mesopotamiens zu

auf die ungeheuren Petroleum⸗ sichern. Die öffentliche Meinung

Gieße

niedergeschla schändlich das Treiben der Pl

man die Zahl der Getöteten auf 100 angibt.

mee unverwischbare Schande zuflügte, haben sich einwandfrei feststeht, die

mehr dienen wollte.

6 165. Jahrgang

*

in Deutschland hat sich aber bei dem von den Engländern vor Torschluß geschaffenen Fait atcompli nicht beruhigt und eine Revision dieser Rahmabschöpfung von der meso potamischen Milch, wenn man so sagen darf, verlangt. Die Pforte erklärt deshalb, sie werde die Konzession nur einer Gesellschaft erteilen, die von einer englischen und deutschen Gruppe gebildet werde. Dann brach der Welt krieg aus. England sucht während des furchtbaren Ringens zu retten, was zu retten ist und treibt mit Lockungen an Indiens Adresse Kolonialpolitik in Basra! Ein Bluff, nichts weiter als ein Bluff, auf den weder der Inder noch sonst jemand auf dem kriegsentflammten Erdball herein fallen wird.

Kriegsbriefe aus dem Often. Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Russische Greuel im Landkreise Memel.

Memel, den 29. März. Man sucht in Petersburg die Schande des tartarischen Raub⸗ zuges auf Memel Kreis und Stadt abzuschwächen durch die Be⸗ hauptung, daß die Bevölkerung den russischen Horden Widerstand geleistet hätte. Wie es bei dem friedherzigen Charakter der Be⸗ völkerung von vornherein anzunehmen war, ist dlese russische Erklärung glatte Erfindung, die uns beweist, daß man sich auch in Petersburg nachträglich der ganzen Ungeheuerlichkeit dieses Unternehmens, das in der Geschichte der Kulturstaaten kaum sei⸗

nes gleichen hat, bewußt wird. Auf einer ausgedehnten Fahrt durch den Landkreis Memel, die mich bis auf russisches Gebiet führte, gewann ich die Ueber⸗ zeugung, daß diese armen Menschen, die im Frieden alle Freunde und Verwandte jenseits der Grenze haben, nicht im entferntesten daran gedacht haben, irgendwelche feindliche Handlungen gegen die Bedrücker zu unternehmen. Diese Bauern, Handwerker, Tage⸗ löhner, die mir die Geschichte ihrer Leiden erzählten, waren ruhig geduldige Menschen, aus deren Erzählungen man nur den einen Eindruck gewann, daß unser deutscher amtlicher Bericht von den neuerdings zu Tage gekommenen Einzelheiten noch überholt wird. Auch der Landrat des Kreises Memel, Geheimrat Cranz, ver⸗ sichert mir, daß leider die eingehenden Berichte eine Zunahme von niederträchtigen Einzelheiten, die alles bisher Glaubliche über⸗ treffen, erkennen lassen. Die Zahlenangaben stehen noch nicht fest, da die weitläufige Anlage der littauischen Dörfer in Einzelge⸗ höften, die in großer Entfernung voneinander stehen, die Unter⸗ suchungen sehr erschwert, außerdem die armen betroffenen Frauen begreiflicherweise mit der Anzeige ihrer Schmach zurückhaltend sind. Besonders tragisch ist der Fall einer Zimmermannstochter, die in Gegenwart ihrer Eltern von den rufsfischen Tieren vergewaltigt wurde. Die Mutter nahm sich das Leben, und der Vater verübte einen Selbstmord durch Oeffnung der Pulsadern. Er be⸗ findet sich jezt im Memeser Krankenhaus. Aehnlich liegt der Fall einer Weichenstellersfrau, die in Gegenwart ihres Mannes und ihrer zwei Kinder gemißbraucht wurde. Eine andere Frau wurde, als sie eine Sersbeise nicht schmell genng bereiten konnte, C i gen, ebenso wie ihr Mam, der schwer krunk war. sind keine Uebertreibungen der grüngstigten Bevöl⸗ mit Namen belegbare Tatsachen. Wie unerhört underungshorden war, geht darnus hervor, daß zahlreiche Einwohner den entsetzlichen Eindrücken geistig nicht Stand hielten und in eine Ner venheilanstalt über⸗ führt werden mußten. Man wird eher zu niedrig greifen, wenn

In der Stadt Memel ist nichts verbrannt Die ziel⸗ und plan⸗ losen Mordbrennereien und Zerstörungen n sich aber auf den ganzen Landkreis Memel, der bisher vom Kriege so gut wie unbershrt geblieben war, da die geringen Schäden der ersten russischen Einfälle inzwischen mit Energie beseitigt worden waren.

Nur der sinnlose Haß eines sich geschlagen fühlenden Gegners kann diesen Tartarenzug, der mit militärischen Operationen gar nichts gemein hat, erklären. Die besseren Elemente der Tobolsker Reichswehr und der Libauer Garnison, die hier der russischen Ar⸗ denn auch, wie Raubzuges A ut und Unteroffi⸗ ziere wie Mannschaften haben erklärt, daß sie nicht. Memel hätten marschieren wollen. Ein Untervffizier hat z. B das ganze Stadtviertel am Turnplatz und seine Bewohner vor jeder Belästi⸗ gung durch die Horden seiner Kameraden beschützt. Als die be⸗ freienden und rächenden deutschen Truppen nahten, ließ er sich gefangen nehneen, da er zwischen diesem russischen Gefindel nicht

ner Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Mittwoch, 31. März 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. N. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S851, Schrist

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.

Einzelheiten meiner Eindrücke behalte ich weiterem Bericht vor. Man konnte in den bisher vom Kriege betroffenen Teilen Ost⸗ preußens vielleicht größere tatsächliche Verwüstungen seststellen, aber sie waren wenigstens zum Teil durch militärische Operationen be⸗ dingt. Hier in Memel, wo der kleinste Vorwand zum Brennen, Mor⸗ den, Plündern, Fortschleppen fehlt, wirken die Spuren der un⸗

disziplinierten Banden, die ihren eigenen Offizieren frech und diszi⸗

plinlos gegenübertraten, doppelt erschütternd Die Anwesenheit unserer Flotte hat auf die Bevölkerung be⸗ ruhigend gewirkt. Die Spuren der schweren Schiffsgeschütze sind entlang der russischen Küste überall zu bemerken. Vorgestern brann⸗ ten überall am Horizont die russischen Dörfer, die bei der Ver⸗ folgung mit Artillerie belegt worden waren. Die Furcht vor deut⸗ schen Repressalien hat weiter bis Libau um sich gegriffen, während in Memel allmählich Ruhe eintritt. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

hessische Zweite Kammer. rb. Darmstadt, 30. März.

Am Regierungstische: Staatsminister Dr. v. Ewald, Fi⸗

nanzminister Dr. Braun, Minister des Innern v. Hombergk, Staatsrat Dr. Becker, Ministerialrat Schliephake, Geh. Le⸗ gationsrat Dr. Neidhart. Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 10¼ Uhr. Das Haus tritt sofort in die Tagesord⸗ nung ein. Zur Beratung kommen die dringlichen Anträge der Abg. Korell-Angenrod, Finger und Genossen, betr. Höchstpreise für wichtige Nahrungsmittel und Bedarfsstoffe, der⸗ selben Antragsteller, betr. Beschlagnahmebestim en für land⸗ wirtschaftliche Produkte und Bedarfsartikel und sonstige Maßnah⸗ men zur Sicherung der Volksernährung. In Verbindung hiermit kommt auch ein Antrag Breidenbach in gleichem Betreff zur Be⸗ ratung.

Abg. Dr. Osann legt die Stellung des Ausschusses zu diefen Anträgen näher dar und empfiehlt und begründet folgende, dom Ausschuß einstimmig gefaßte Entschließung:

Die Zweite Kammer stimmt den Bestrebungen der Anträge Korell⸗Finger und Genossen, niedergelegt in den Drucksachen Nr. 22 und 23, grundsätzlich zu.

Einzelne der Forderungen sind durch die in letzter Zeit be⸗ kannt gegebenen Verordnungen des Bundesrats und die Aus⸗ führungsbestimmungen der hessischen Behörden zurzeit überholt. Insoweit dies noch nicht der Fall ist, erwartet die Kammer ener⸗ gische Förderung der Maßnahmen, welche geeignet sind, die weit⸗ gehendste Sicherstellung der Ernte und die Erhaltung der not⸗ wendigen Viehbestände zu sichern. Die berufsständigen Ver⸗ tretungen dürften im allgemeinen in ihren Anregungen zukünftig nicht nur gehört, sondern auch beachtet werden.

Abg. Korell⸗Angenrod J erklärt als Mitantragsteller⸗ er hätte es lieber geseehn, wenn die direkt gestellten Antruͤge zur

Annahme gekommen wären, er stimme aber auch dem Ausschuß⸗

antrag zu. Die hessische Landwirtschaft marschiere mit an der Spitze i sichklich der landwirtschaftlichen Produktion und er hoffe, daß 55 d b ach ein 8

Der Antrag Eißnert und Genossen, betr. den Erlaß

Kriegsnotgesetzes, das die des Zusammen⸗ bruchs des mit Hypo sitzes, wird zusam⸗ e e be⸗ raten, welcher lautet: 1 a

Die Unterzeichmeten richten an Großh. das Er⸗ fachen, bei Banken und Kassen mit Tilgungsdarlehen(Zwungs⸗ i) dahin zu wirken, daß im Fulle der Einziehung der

zum Heeresdienste auf die Dauer des Krieges auf

Antrag Abstand genommen wird von der Einziehung der Rate und das Interesse der Gläubigerin gedeckt wird durch Verzin⸗

fung des fälligen Betrags. Die Kammer stimmt, nachdem Abg. Dr. Osann kurz dar-

über Bericht erstattet, dem Ausschußantrag zu, die beiden An⸗ ö 35

träge der Großh. Regierung als Material zu überweisen. Der Antrag der Abgg. Cal man, Schott und Stöpler⸗

betr. Besteu erung größerer Gewinne, welche unter

Benutzung der Kriegslage erzielt wurden, wird in Verbindung mit dem ähnlichen Antrag der Abgg. Adelung, Busold, Fulda und Genossen, betreffend Besteuerung des wührend der Kriegszeit erfolgten Vermögenszuwachses, beraten. Abg. Dr. Osanun erstattet kurz Bericht über die Ausschuß⸗ und das Haus nimmt dann den Ausschußantrag an, 5 der Großh. Regierung zur Berücksichtigung

zu überweisen

Zu einer längeren Debatte führte der Antrag des Abg. die Beschlagnahme des Schlosses Hei⸗ igenberg.

Abg. Dorsch(Bbd.) begründet feinen Antrag auf Beschlag⸗

und so fort Einmal im Jahre aber begeben sich diese seßhaften Glocken nichtsdestoweniger auf die Reise Nach Mitte der heiligen Wochen Lan alle Glocken nach om Glöcklein der Waldk Bis zur Riesenglocke im Tom.

Zum Zei Trauer um das Leiden und Sterben des Heilandes läßt man ja in katholischen Gegenden einige Tage vor dem Ostersonntag alle Glocken verstummen; am Gründonnerstag werden nach dem Gloria die Glockenseile hochgezogen und bleiben so, bis das Osterfest eingeläutet wird. Das Schweigen der Glocken nun man den Kindern mit ihrer Reise nach Rom, die sie durch die Luft sollen. Und was ver⸗ lautet ũber den 8 in der heiligen Stadt? Sie besuchen dort, so sagt man den inen, den Papst, beichten bei ihm, wer⸗ den von ihm neuum wieder einen schönen Klang zu er⸗ halten und ditrfen vor allent nut ihm eine Mahlzeit einnehmen. ihm Kaffee oder Milch trinken und Semmeln oder Wecken essen! Wenn nun aber jemand eine Reise tut, so kann er nicht nur etwas erzählen, sondern auch etwas mitbringen. Auch von den Glocken wird dergleichen erwartet. In Aachen, der Tuchmacher⸗ stadt, herrscht. B. der Brauch, daß die Kinder der Marien⸗ glocke ein Stücklein Kleiderstoff nachwerfen, wenn sie annehmen, daß sie ihre Reise antritt. Das soll eine Bitte an die Glocke sein, ihnen ein neues Kleidchen mitzubringen. Ostereier aber gelten als die gewöhnliche Reisegabe der Glocken. Diese sollen sie aus Rem mithringen und aus der Luft herunterfallen lassen. Beim ersten Glockenton, der wieder erklingt, eilen darum z. B. die Kinder in Belgien schleunigst in die Gärten, um Hecken, Gebüsche und Beeteinfassungen nach Ostereiern zu durchsuchen. Nicht alle Glocken reisen übrigens gerade nach Rom. In der Gegend von Wiesloch be⸗

jedem Morgen wie stets breiten die Antiquare i e Schätze aus mit derselben Sorgfalt, wie wenn sie den Besuchs reicher Sammler erwarteten, so schildert ein Pariser Plauderer dies friedliche Lefeidyll mitten in der sonst vom Krieg so arg mitgenommenen Seinestadt. Sie stauben die alten schweinsledernen Folianten ab, leegn die kleineren Bücher handlich zurecht, schlagen in den illustrier⸗ ten Bänden interessante Bilder auf, damit die etwas sehen haben, die nicht lesen wollen; sie richten sich ein wie stets und stehen dann gemütlich herum, die Pfeife im Mund, das Halstuch hoch heraufgezogen, denn es regnet viel an der Seine, und der Wind pfeift scharf daher. Die Frauen, in ein riesiges Tuch einge⸗ wickelt, setzen sich auf ihre kleinen Stühle und stricken oder plau⸗ dern; ein kleiner schwarzer Pudel hält die Wacht, während ein Oeschen spärliche Wärme spendet. Die Besucher der Stätte sind zumeist arme Leute, die nichts kaufen, sondern hier nur einen Zeit⸗ vertreib finden wollen. Sie stehen da und lesen, und selten tritt ein dem Händler wohlbekannter Kunde unter sie.Nun, fragt er. zwie geht s Geschäft?Schlecht, mein Herr, man verkauft nichts und man kauft nicht mehr.Es gibt doch aber jetzt so viel Leute, die Geld brauchen; die müssen doch Bücher zu Ihnen bringen.

Bismarck.

Er ist ein Verg, den gern die Liebe nennt, Der altes Deutschland von dem neuen trennt.

Voi tiefen Licht der Ferne rings umblaut, Von deutscher Morgenröte still betaut

Der Schlacken frei, so steigt er himmelan, Je weiter wir erstrecken unsre Bahn.

Wie auch die Zeiten sinken und vergehn, Hoch wird der Deutschen treuster Wächter stehn.

Und wie die Zukunft ihre Runen schrelbt Er winkt, er stärkt, er tröstet: Bismarck bleibt. Ferdinand Werner.

*

3 PariserFreiluft⸗Bibliother

aris, das sonst stets den Ruhm derHauptstadt des Ver⸗ gnügens für sich in Anspruch nehmen konnte, fehlt es jetzt an Unterhaltungen. In den Theatern, soweit sie überhaupt spielen, ist nicht viel los, und jenes bunte Bild einer eleganten Gesellschaft, das sich auf den Straßen in schönen Wagen und kostbaren Toiletten kundtat, ist verschvunden. Die kleinen Leute, die sich an dem Anblick aller Herrlichkeiten wenigstens für das Entbehren⸗ mien entschädigten, haben nichts mehr zu sehen. Da nun aber der Pariser seine Unterhaltung haben muß, D neue Ver- gnügungsformeln entstanden, und zu ihnen gehört die Frei⸗ e D am Sonntag an den

0 r Seine entfaltet. Die PariserBouquinisten, die Händler mit alten Büchern, die ihre Auslagen in endloser Reihe auß

geri Man verkauft aber auch viel!

den Brüstungen des Seineufers ausgebreitet haben, sind wohl i i i ie ähl i igsten ö ischsten L. Bildern, der schwärmende Jüngling seine amm. und gnügen sie sich. Speier als Reiseziel zu wählen. In anderen Ge⸗ ä 1 die Näherin den. 5 böbert An⸗ genden wieder läßt die Sage 3 1 einen n Wald

der Besegeneg den ga 10h ger nes Bg berkauft E

JJJJVVVTVVVVVV%JJVWJJVSGCSCWVSVVSVGVbGCCCWWGUGhꝙVVVVVPVWGG dd an 58e f 5 ihrer gkeit weiter in Wind 5 und Ant ing zu verkünden.

g 25 55 10 1 Schon früher gesellte sich wohl hier und* ondon, 20 Merz(WTB. Nichtamtlich) Times meldet

2 J 11 9 ihnen und las sich in irgendeinem Buche Was machen die Glocken in Rom? Im allge⸗ aus Ottawa: Im Unterhause sagte der Marineminister.

5 er ang stehen blieb. Nun aber hat dieses Frei⸗ meinen dichtet die Sage den Glocken eine gruße Seßhaftigkeit an: er glaube, daß der kanadische Polarforscher Ste⸗ l.. 33 und die Pariser haben ssie lassen sich nicht gern aus ihrem Turm entfernen. ucht man fans son mit seinen zwei Gefährten verloren sei. Sobald das

an der d eine ebenso billige wie interessante Bibliothek es doch, so geschehen allerlei inge das Gefährt, das] Eis breche, wirden drei Dampfer auf die Suche nach den Ver

ichtet, worin sie die Händler ruhig gewühren lassen,An! sie fortbewegen soll, weicht nicht dom Fleck, gerüt in einen Sumpf mißten gehen.

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