Ausgabe 
(27.3.1915) 73. Drittes Blatt
Seite
176
 
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Erschetnt täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famllienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gleßen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Der Niedergang Srankreichs in den Schilderungen eines Neutralen.

Der izer G. W. Zimmerli hat im Dienste der Menschlich⸗ keit den gro Teil der Monate September bis Januar während der acht, Bordeaux und

Kri⸗ it in Frankreich zugebr Lyon, Paris 1 5 und da er 5 dieser Zeit auch zweimal in

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3 auffiel, das war der überall hervortretende Mangel an 3 und Organisation.

Stockungen; besonders war es um gerinnendienst hat

ach dem.

i während der Ueberführung gestorben sei. Mit eigenen Augen habe ich sogar bei einem französischen Verwundetentrans port in Verwendung gesehen, und diese Wagen zeigten bei Besichtigung noch deutlich die Spuren ihres früheren land⸗ wirtschaftlichen Gebrauchs! Das Geschäftsleben war wie mit einem Schlage gelähmt; die Franzosen waren, besonders nach den großen Nieder im Norden, gar nicht mehr imstande, außerhalb der mit den Kriegslieferungen zusammenhängenden Zweige des Geschäftslebens eine geordnete industrielle Tätigkeit zu entwickeln. Diesen Umstandbenutzten die Engländer mit an⸗ erkennenswerter Gewandtheit, um ihre Geschäfte dafür einzusetzen. 14 ist e heute der 1 7 Importeur Frankreich geworden, ja, in or⸗ 8 man selbst eine Menge Kleingeschäfte in englischen Hän und mit englischen Aufschriften sehen. In gleicher Weise versagte das Bank und Kreditwesen. Das in Deutschland ickt vermiedene Moratorium hat in Frankreich eine ungewöhn⸗

iche Ausdehnung angenommen. Die Börse stand wochenlang unter dem Zeichen einer Panik, und selbst Leute, die mit Reichtümern ge⸗ segnet waren, Private und Geschäftsleute, standen oft genug plötz⸗ lich ohne Mittel da. Ich habe vornehme Familien beobachtet, die in äußerster Einschränkung lebten und ihrepetites Economies

betrieben.

Die gleiche Disziplinlosigkeit zeigte sich im französischen Geistes⸗ leben, wo der 2 in die Kindesseele eingepflanzte Haß es Deutsche hoch au e.Noch im De⸗

U. ich bei einem Anlaß in Paris das wilde Geheul

nacht

Sdeutung iger, reinlicher Mensch Durch einwandfreie Zeugen ist festgestellt, daß es vielfach bei diesem hysterischen Geschrei blieb, sondern daß die aus Frank⸗ reich flüchtenden Deutschen und Oesterreicher den rohesten Be⸗ J. und Belästigungen ausgesetzt waren, ja, daß einzelne direkte Mißhandlungen, die zum Tode führten, vorgekommen sind. Die aus Frankreich zurückgekehrten Zivilgesangenen haben beeidete Einzelbeiten angegeben, die einen tieftraurigen Einblick in die Zügellosigkeit und Gemeingefährlichkeit des fr 5. iel Nen 5 Frank. 1 wußte man in 2 1 chickten

richterstatter von der Gutmmütigteit der Deutschen den Franzosen

verstehen, auch ihr Vermö

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165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Samstag, 27. März 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S851, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

wurde von ihnen weggeräumt, weil er der einzige war, der die Wahrheit gesagt hätte. Um Elsaß-Lothringen kümmern wir uns keinen Pfifferling. Ganz besonders aber schienen diese Leute ber⸗ bittert, weil die Regierung keine Verlustlisten ausgab.Wir wollen wissen, wo unsere Söhne sind! Wir erfahren oft vier Monate nichts von ihnen; dann erfahren wir auf Umwegen, daß sie längst ge⸗ fallen oder gefangen sind. Die Regierung wagt es nicht, die Wahrheit zu sagen! Ueberall in Frankreich begegnet man schweren Zeichen des inneren Verfalls, die sich in wüsten Beschimpfungen und unzähligen Ausgeburten einer schamlosen, grausamen und perversen Volksphantasie äußern. Die Zeitungen find das klare Spiegelbild dieser allgemeinen Volkskrankheit. Zimmerli führt dafür zahlreiche Beispiele an. Besonders interessant sind für uns die Aeußerungen des Hasses gegen die Engländer, dem Kaufleute unverhohlen Ausdruck geben.Ja, die Engländer! Man liebt sie nicht in Paris! Ich sah eigentlich nie französische und englische Soldaten zusammen. Jeder ging seinen Weg. Und wenn sie sich mit breiten Ellenbogen und alles verachtend, mit den kleinen Mädchen, die sich allein um sie bekstmmerten, an den Kaffeehaustischen niederlassen, so stoßen sich die Pariser gegenseitig leise an. Man hört dann erzählen, daß sie in Marseille und Bor⸗ deaux die Häuser auf 3 Jahre fest gemietet hätten mit Einschluß einer eventuellen dreijährigen Verlängerung. Das alles weckt bei den Parisern keine angenehmen Gefühle,

Aus Stadt und Cand.

. Gießen, 27. März 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.)

Grenadier Wilh. Schmelzeisen, 3. Garde⸗Regt. zu Fuß aus Birstein Landsturmmann Peter Laumann, Landsturm⸗ Bat. 5 aus Weiterstadt. Gefr. Wilh Valentin, Jäger⸗ Bat. 11 aus Marburg. Res. Jak. Obermann, Res.⸗Inf. Regt. 83 aus Ockershausen. Gefr. Heinr. Hachenbach, Ref. Inf ⸗Regt. 116 aus Dillheim. Landwehrm Heinr. Rühl, Landw.⸗Ers.⸗Bat. 41 aus Weidenhausen. Landwehrmann Jak. Neul V., Res.⸗Inf.⸗Regt. 81 aus Nauborn. Unteroff. Emil Buchner, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 87 aus Geilshausen. Einj.

Kriegsfreiw. Arthur Lapp, Res.⸗Inf.⸗Ragt. 223 aus Mainz S

Unteroff. der Res. Karl Gerh. Sauer, 1. Ers.⸗Bat. 117 aus Mainz Krriegsfreiw. Kürassier⸗Gefr. und Bergassessor Gg. Scheidler aus Biedenkopf. Res. Jak. Leinweber, Inf. Regt. 67 aus Hommertshausen. Sberleutn. Dr. jur. Otto Küchler aus Darmstadt. Gren. Alfred Ad. Leuk el, 3. Garde⸗Regt. z. F. aus Mandeln. Unteroff. Reinhard Stahl, Landw. ⸗Brig.⸗Ers.⸗Bat. 41 aus Herborn. Unteroff. Rudolf Bietz, Res.⸗Ins.⸗Regt. 222 aus Schönbach. Musk. Wilh. Heinr. Muntermann, Res.⸗Inf.⸗Regt. 254 aus Offen⸗ bach. Unteroff. Karl Schenzer, Landw. ⸗Inf.⸗Regt. 118 aus Offenbach a M. Lt. d. Res. Dipl.⸗Ingenieur Heinr. Gro 5, Landwehr⸗Brig.⸗Ers.⸗Bat. 41 aus Mainz. Ersatz⸗Res. Albert Urnstein, Landw.⸗Brig.⸗Ers.⸗Bat. 41 aus Mainz.

*

Röntgen in Gießen. Heute, am 27. März, feiert Geheimrat Röntgen in München, der berühmte Enk⸗ decker der nach ihm benannten Strahlen, seinen 70. Ge⸗ burtstag. Die Landesuniversität hat ihm aus diesem Anlaß 115 Glückwünsche in Form einer Adresse ausgesprochen; denn Wilhelm Conrad Röntgen ist neun Jahre lang Professor der Physik an unserer Hoch⸗ schule gewesen. Als Heinrich Buff nach 40jähriger Lehr⸗ tätigkeit im Jahre 1878 starb, wurde Röntgen, der unter Kundt in Straßburg als Assistent, Privatdozent und schließ⸗ lich außerordentlicher Professor seine akademische Laufbahn begonnen hatte, zu seinem Nachfolger ausersehen. Er über⸗ nahm hier vor allem die Aufgabe, ein staatliches physi⸗ kalisches Institut einzurichten. Denn der alte Buff hatte sich Hörsaal und Laboratorium in seinem Privathause in der Frankfurter Straße eingerichtet, und in diesen Räu⸗ men, für die der Staat Miete an Buff zahlte, war der Unterricht bis zu seinem Tode geblieben. Es traf sich günstig, daß, als Röntgen herkam, gerade das neue Kollegien⸗ gebäude im Bau war. Hier, im Erdgeschoß des rechten Flügels konnten Räume für das in moderner Weise neu einzurich⸗ tende Uebungspraktikum und für wissenschaftliche Arbeiten geschaffen werden. Für die Vorlesung aber mußte der ur⸗

Der Kriegsspielplan des Gießener Stadttheaters.

Ansprache, die Herr Gutscheiner beim diesjähri⸗ gen gemeinsamen Jahresessen der Theater⸗ a Abonnenten gehalten haben will.

Herr Direktor Hermann Steingoetter schreibt uns:

Untenfol Schriftstück flog mir jüngst auf den Direk⸗ tionsschreibtisch. Es kam mir gleich verdächtig vor, daß die Theaterabonnenten unter einem Hut, oder vielmehr unter einem Dach an einer gemeinsamen Tafel sich vereinigt haben sollten. Mein Verdacht, es handle sich um einen Scherz, wurde zur Gewiß⸗ heit, als ich bemerkte, daß der Text die sämtlichen Titel der im . im* gespielten Stücke.

illigte ihm dadurch Interesse für weitere Kreise zu und über⸗ mittelte ihn der Redaktion.

*

Die Abendsonne eines heißen Junttages beleuchtete er⸗ regte Gruppen, denn soeben war die Mordtat in Serajewo bekannt geworden. Die Nachricht von Wallensteins Tod konnte auf die Völker Europas seiner Zeit kaum tieferen Eindruck gemacht haben als diese Kunde. Politiker sehen sogleich die schlimmsten Verwicklungen voraus. Einer erinnerte an das Sprichwort vom Kruge, der so lange zum Brunnen gehe, bis er eben ein zer⸗ brochener Krug sei.

Und die Unglückspropheten behielten Recht. Der Völkerkrreg entbrannte. Der Russe, der Franzmann, der Brite und gar der Japaner, der Unverschämte überfielen uns. Belgien hatte seine Neutralität durch ein Versprechen hinterm Herd an England verschachert und uns dadurch aller Rücksichten ent⸗ bunden. Lüttich, Namur, Brüssel fielen und die einst so heitere Residenz weiland König Leopolds glich bald Walleusterns Lager, in dem deutsche Krieger zwischen den Schlachten lustwandelten. Manch ein Belgier mag da im Rückblick auf seinen alten König geseufzt haben:O, Mein Leopold, du warst

1 hartköpftg wie ein Hans Lange, aber du hast uns wenig⸗ stens nicht wie dein Nachfolger auf dem weißen Rößl des Prinzips ins Unglück hineingeritten! 1 Während in Belgien die Ereignisse sich überstürzten, durch⸗ loderte ein heiliges Johannisfeuer der Begeisterung unser ganzes Vaterland. Es gab keine Parteien mehr, der Schlag⸗ zaum fiel zwischen Rassen und Klassen. Es war wie eine Auf⸗ erstehung aller alten Ideale. bei den deutschen Kleinstädtern schwand mancher Zopf und schwert⸗

sreudig erwies sich Alldeutschlands Jugend. Ein Strom von willigen drängte sich zur Fahne und den strahlenden n komtte man es anmerken, daß kein Flachs⸗

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mann als Erzieher gewaltet hatte, daß vielmehr der Lessing⸗

sche Geist eines Philotas ihnen voranleuchtete. Wohl wußten unsere jungen Helden, daß sie keiner Schmetterlings⸗ schlacht entgegengingen, aber sie erwiesen sich der Väter wert, der Helden von Colberg, der Sieger von 1870/71 und bald schmückte manch Eisernes Kreuz unsere Feldgrauen, die das Sprichwort wahr gemacht hatten:Wie die Alten sungen!

Während unser Heer draußen ich so als trefflicher Knüppel aus dem Sa ck erwies, bewährten sich auch die Zurückgebliebenen. Des deutschen Volkes Ekkehart, des Reiches erster Kanzler hatte nicht umsonst gelebt, unser Volk war politisch reifer

n Eine wundervolle Organisation setzte ein. Die Reichs⸗ bank zeigte sich als umgekehrter Goldesel aus dem MärchenEsel streck dich, denn während der Esel Gold von sich gab, schluckte die Reichsbank fortwährend solches und schließlich wurde durch die Einrichtung der Brotmarken für jeden Hausstand dasTischlein deck dich gesichert.

Auch die holde Weiblichkeit brauchte nicht als Aschen⸗ brödel bei Seite zu stehen. Wohltätige Frauen fanden überall einen Wirkungskreis. Minna von Barnhelm konnte man als Samariterin wiederfinden neben Agnes Bernauer und der Rabensteinerin; es fehlten auch nicht Hase⸗ manns Töchter, deren jüngste noch in dem glücklichen Alter 8 7 177.Als ich noch im Flügelkleide in die Mädchen e ging.

Ueberall erfreut zielbewußtes Schaffen; wie einst im Mai der Menschheit, im getrüumten goldenen Zeitalter der Dichter reicht jeder dem Nachbar hilfsbereit die Hand, alles regt sich für den einen großen Zweck, keine Arbeit schändet mehr, es ist ein ee eee

tr getrost en b t neuen Völkerfrühling, Grüne Ostern für die gerge Nen Bet wer⸗ den wir Deutschen herbeiführen, wir Barbaren, während über den Dreiverband die Weltgeschichte das Urteil sprechen wird: Weh dem, der lügt!

Spanische Kriegs literatur. Der Weltkrieg hat auch in Spanien bereits eine Kriegsliteratur gezeitigt, die für die Stimmungen und die Wünsche der Spanier einen wertvollen Grad⸗ messer darstellt. Zu den verbreitetsten Schriften ein Phantasiebild, das Cirici Ventallo unter dem TitelDas Ge⸗ heimnis Lord Kitcheners schon gegen Ende des vorigen Jahres

at erscheinen lassen. Der Verfasser, der fich augenscheinlich an an Doyles Jules Vernes Schriften seine ge⸗ 185 schildert die zermalmende Niederlage der Verbündeten.

nig Geoug V. flüchtet sich nach Gibraltar, um der deutschen In⸗

diefer Art gehört Formen

sprüngliche Bauplan erweitert und ein großes physikalisches Auditorium an die Mitte der Hinterseite des Gebäudes an⸗ gebaut werden. Als 20 Jahre später das so geschaffene physi⸗ kalische Institut ein eigenes Heim erhielt, wurde der ehe⸗ malige physikalische Hörsaal zum allgemeinen Auditorium maximum, bis der Anbau 1906 dem Neubau der jetzigen, neuen Aula Platz machen mußte. Die beschriebenen Räume hat Röntgen eingerichtet und hat neun Jahre lang in ihnen gewirkt. Eine Reihe sorgfältiger Experimental-Unter⸗ suchungen sind aus diesen Räumen hervorgegangen. Im Jahre 1888 folgte er einem Rufe nach Würzburg. Hier ent⸗ deckte er 1895 jene merkwürdigen Strahlen, die er X Strah⸗ len nannte, die man aber heute in der ganzen Welt ihrem Entdecker zu Ehren Röntgen- Strahlen nennt. In zwei kurzen Mitteilungen hat Röntgen die wunderbaren Eigenschaften dieser Strahlen in ausgezeichneter, fast erschöpfender Weise beschrieben. Welche ungeheure Bedeutung diese Entdeckung für die Medizin erlangt hat, braucht hier nicht ausgeführt zu werden. Gerade die jetzige Zeit lehrt auf das schlagendste durch die Leichtigkeit und Sicherheit, mit der die Natur der Verwundungen unserer Soldaten mit Hilfe der Röntgen- strahlen festgestellt werden kann, den außerordentliche Fortschritt, den die medizinische Diagnostik mit diesem Hilfs⸗ mittel gemacht hat. Es sollte kein Lazarett ohne Röntgen-In⸗ strumentarium bestehen. So können heute ungezählte Tau⸗ sende des Jubilars, unseres ehemaligen Gießener Pro⸗ fessors, mit Dankbarkeit gedenken.

* Keine besonderen Osterliebesgaben⸗ sendungen! Das Stellv. Generalkommando des 18. Av⸗ meekorps gibt bekannt: Wie aus verschiedenen Zeitungs⸗ anzeigen ersichtlich ist, werden anläßlich des bevorstehenden Osterfestes größere Liebesgaben-Paketsendungen für die Feldtruppen lant und Aufrufe zur Sammlung von Geldspenden für diesen Zweck erlassen. Die Heeresverwal⸗ tung macht wiederholt darauf aufmerksam, daß es nicht an gängig ist, beson dere Osterliebes gaben, endungen an die Front zu schicken. Weder die Militär⸗ paketdepots, noch die Güterabfertigungsstellen übernehmen die Vorführung derartiger besonderer geschlossener Trans⸗ porte. Eine Massenauflieferung von Osterpaketsendungen würde eine Sperrung der Militärpaketdepots nach sich ziehen können. Soweit Sammlungen für Osterliebesgaben bereits im Gange sind, sind die Pakete auf dem einzigen zulässigen Wege, nämlich durch die im Bezirke jedes stell⸗ vertretenden e. 5 8155 1 fr nahmestellen vorzuführen. Diese Annahmestellen sorgen die Weiterleitung unter Berücksichtigung des Bedarfs und der Möglichkeit der Weiterverfrachtung, ohne sich jedoch an einen bestimmten Zeitpunkt, wie das Osterfest, binden zu können.

** Beurlaubungen zur Frühjahrsbestel⸗

die Beurlaubung von zum Heere einberufenen Mannschaften zur Frühjahrsbestellung werden von den Angehöri⸗ gen derselben zum großen Teil falsch aufgefaßt, und es laufen fortgesetzt Gesuche bei den Behörden ein, die meistens keine Berücksichtigung finden können und daher abschläglich beschieden werden. Bei der Beurlaubung von Mannschaften kann es sich nur um solche handeln, die zurzeit noch im

fähig befunden wurden. Felddienstfähige Mannschaften werden nur in den allernotwendigsten Fällen zur Frühjahrs⸗ bestellung beurlaubt. Ganz ausgeschlossen ist eine Beurlau⸗ bung solcher Mannschaften, die sich bereits im Feindesland be⸗ finden. Auf Anordnung des stellv. Generalkommandos des 18. Armeekorps sind die zum Zwecke der Feldbestellung auf längere Zeit beurlaubten garnisondienstfähigen Mannschaften verpflichtet, während ihres Urlaubs nach Fertigstellung der eigenen Arbeiten auf Verlangen der Behörden auch bei der Frühjahrsbestellung solchen Grundbesitzes tatkräftig mitzu⸗ wirken, dessen Besitzer im Felde stehen oder aus anderen Gründen zur Feldarbeit nicht beurlaubt werden können. Ferner sollen landwirtschaftliche Gespanne während der

vasion zu entgehen, und es bleibt ihm schließlich kein anderer Schutz als der des Scherifs Mulay Pussef. Gegenüber 41

wipfelt, hat ein Franzosenfreund ein Gegenbild des Unterganges des Deutschen Reiches geschaffen. In dem RomanDie Träume des Kaisers von Miguel und Emiglio Tato Amat wohnt der Leser den an unglaublichen Wechselfällen überreichen Arbeiten der Friedens⸗ konferenz bei, die in Madrid abgehalten wird und zur Zerstückelung des Deutschen Reiches führt. Der General Joffre wird in Ver⸗ sailles zum Marschall von Frankreich ernannt, und Viviani teilt ihm mit, daß Poincaré zu seinen Gunsten abgedankt habe. Aber der ruhmgekrönte Soldat weist diese Ehre zurück und erklärt, er keinen anderen Ehrgeiz habe als der Maire in seinem zu sein. Die Spanier und die Portugiesen benutzen die eurv⸗ päischen Wirren, um sich zu vereinigen und die Iberische Republik zu gründen. Handelt es sich bei diesen beiden Werken um reine Phantasiegemälde, so wird in einer kleinen SchriftSpanien als Großmacht von C. Irom(Jose Maria Requena Ortiz) eine real⸗ politische Ider im Dienste der jaimistischen Propaganda deutlicher sichtbar. Der Verfasser geht von der Voraussetzung aus, daß Spa⸗ nien in den Krieg gegen die Verbündeten eintritt. 250 000 Spa⸗ nier überschreiten die Pyrenäengrenze und rennen die Regimenter der Territorialtruppen, die die französische Regierung dieser Grenze gegenüber genügend glaubte, über den Haufen. Das Staatshaupt muß sich mit der Regierung nach Brest flüchten, weil bis dorthin weder die Deutschen noch die Spanier vorgedrungen find. Die französische Niederlage ist besiegelt. Die deutschen und die spa⸗ nischen Heerführer verbrüdern sich in Poitiers. Der Friede wird in Washington geschlossen. Die spanische Regierung erlangt dadurch die Ausdehnung seiner marokkanischen Besitzungen, Französisch und Portugiesisch Guiana, Französisch Kongo und andere Stücke der afrikanischen Erde

Paul Heyses Grabdenkmal. Auf dem schönen Münchener Waldfriedhofe, wo Paul Heyse seine letzte Ruhestatt gef hat, wird sich demnächst neben seinem Grabe das künst⸗ lerisch aus ührte Denkmal erheben, dessen gemeinsame Schöpfung der Bildhauer Professor Erwin Kurz und der Architekt Orlando Kurz sind. Das Denkmal wird eine Sehenswürdigkeit des Wald⸗ friedhofes werden. Es hat nach einem Berichte derKunstchronik drei Meter Höhe und sieben Meter Breite und ist in altklassischen gehalten. Eine Platte im Mittelteile des Aufbaues zeigt in getreuen Zügen das Profilbild Heyses, darunt en Namen des Dichters und eine Leier. Auch die Bepflanzung vor dem Denk⸗ male wird in den künstlerischen Gesamtplan der Anlage einbezogen werden. Es sind dafür junge Waldbäume bestimmt, die so ge⸗

pflanzt werden, daß sie sich dem klassischen künstlerischen in dem das Relief ruht, harmonisch anpassen werden.

lung. Die Bekanntmachung des Generalkommandos über

Heimatgebiet stehen und ferner nur für garnisondienst⸗ 1

deulschfreundlichen Traumbild, das in den Triumph des Kulsers