Ausgabe 
(20.3.1915) 67. Zweites Blatt
Seite
122
 
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Ur. bt Swenes Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Deutscher Neichstag.

7. Sitzung vom 19. März 1915.

Präsident Dr. Kämpf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 17 Mi⸗ nuten. Die zweite Lesung des Etats wird fortgesetzt und zwar bei dem Etat des Allgemeinen Pensionsfonds. Hierzu li eine Entschließung des Ausschusses vor auf Einbringung eines Ge⸗ setzentwurses für die Kriegsinvalidenversorgung.

Abg. Meyer⸗Herford berichtet über die Verhandlungen und befürwortet die Entschließung. Der Etat wird bewilligt und die Ent⸗ * angenommen.

i bolgt er Etat des Reichsamts des Innern. Zunächst wird über die Ernährungs⸗ und Kriegslieferungsfragen

n Abg. Graf Westarp berichtet über die Verhandlungen des Ausschusses. Anerkannt wurde auch in der Kommission, daß der Landwirtschaft die Lösung der Aufgabe der Volksernährung im wesentlichen obliegt und daß ihr große Schwierigkeiten und ge⸗ waltige Opfer und Aufgaben daraus erwachsen. Es herrscht Ein⸗ mütigkeit darüber, daß wir durchhalten müssen. Dieses Ziel ist allen Interessen voranzustellen. Allgemein ist man überzeugt, daß die vorhandenen Vorräte an Getreide und Mehl bis zur nächsten Ernte bei den bisherigen Maßnahmen zur Streckung der der Vorräte voll⸗ kommen ausreichen, ja, daß noch eine Reserve übrig bleibt. Im Interesse der Ernährung des Volkes wird eine alsbaldige allgemeine Festsetzung möglichst billiger Höchstpreise für Brot und Mehl entsprechend den Getreidepreisen durch die Kriegsgetreide-Gesell⸗ schaft und die Ortsbehörden gewünscht und eine entsprechende Reso⸗ lution vorgeschlagen. Da die Preise für Futtermittel zum Teil un verhältnismäßig gestiegen sind, wurde in einer weiteren Reso⸗ lution die Festsetzung von Höchstpreisen für Futtermittel im Klein⸗ handel entsprechend den Großhandelspreisen gewünscht. Ferner wurde gefordert die rechtzeitige Ermittelung der Bestände an Schweinen und Kartoffeln nach dem 15. März 1915, sowie die tunlichste Sicherstellung der Kartoffelbestände für die menschliche Ernährung und Festsetzung von Höchstpreisen für den Zwischen⸗ und Kleinhandel. Eine allgemeine Beschlagnahme der Kartoffel⸗ vorräte wurde abgelehnt. Doch soll als Reserve für die letzten Monate vor der neuen Ernte ein Bestand an Kartoffeln durch An⸗ kauf für das Reich sicher gestellt werden. Die Forderung, die Spiritusbrennereien noch mehr zu beschränken, wurde wegen des gewerblichen Spiritusbedarses als nicht annehmbar erklärt. Um die Kartoffelvorräte gegen Verfütterung an Schweinen sicher zu stellen, ist die Notwendigkeit schleuniger Verminderung des 7 Schweinebestandes von der Kommission anerkannt worden. Es wurde aber vor einem überstürzten und planlosen Vorgehen gewarnt. Vor allem soll darauf geachtet werden, daß diejenigen Schweine zuerst abgeschlachtet werden, die nur mit Kartoffeln und anderen menschlichen Nahrungsmittein gefüttert werden. Ueber die Krie gs⸗ lieferung wurde eine Reihe von Beschwerden eingebracht.

Das Wort wird nicht weiter verlangt.

Das Haus tritt in die Beratung der Sozial politik.

Abg. Graf 3 berichtet auch über diesen Teil der

Bergbau, in dem ebenfalls ein Kugleich der Interessen. Kapital und Arbeit sehr wohl möglich gewesen wäre. i eine Regelung des

gedrü i hältnisse auf dem Arbeitsmarkt sich noch erheblich schwieriger ge⸗ stalten. Die Arbeitslosenunterstützung ist nach Beendigung des Krieges, wenn die Massen zu den Arbeitsstätten zurückfluten, un⸗ notwendig. Auch der Arbeitsnachweis ist neu zu organi⸗ steren und zwar unter der Leitung eines zu schaffenden Reichs⸗ e n 8 wer e des Sgesetzes von ist

im Interesse der Gewerkschaften no

Abg. Gies berts(Str.): Die Arbeitsnachweife müũssen außer⸗ halb aller politischen und gewerkschaftlichen Kämpfe stehen, damit sie nicht im Interesse einzelner Parteien ausgebeutet werden können. Für die Kriegsinvaliden muß durch eine umfangreiche Or⸗ ganisation gesorgt werden. Verhindern müssen wir unter allen Unrständen,9 späterhin einmal der Kriegsinvalide ein politisches] S Agitationsmittel wird. Wir müssen 1 wirtschaftlich und finanziell durchhalten, dann wird nach dem Kriege unser Wirt⸗ schaftsleben wieder zu neuer Blüte gelangen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Bassermann(Natl.): Es wird eine Ehrenpflicht des deutschen Volles, der Gesetzgebung und Verwaltung sein, für unsere Sriegsin validen in jeder

Gießener een

Gastspiel von Mitgliedern des Frankfurter Schauspielhauses.

Frankfurter Gästen blieb es vorbehalten, unserm. gestern abend auch ohne die Unterstützung der Stammgäste das

Ansehen eines gutbesetzten 9 zu geben und nebenher zu be⸗ Eine

weisen, daß uns die Sehnsucht nach französischer Absynthpoesie nicht im geringsten zu plagen braucht: haben wir doch einen Felix Salten und vor allem einem Rapul Auern heimer, und wenn man uns auch. abend eigentlich nur mit einer Limonade qus deren Sie und Genossen können auch pikantere Sachen mixen.. er zu K⸗Brot und Kartoffel- aufnahme bleiben wir lieber bei der Limonade; aber nach dem Kriege Wie gesagt, national, wie wir uns haben, die Frarszofen können uns aber gestohlen bleiben

Drei Einakter standen auf Dem Spielplan: 1. Abend⸗ fon ne von Ludwig Fulda, 2. Auferstehung von Felix Salten und 3. Der Unverschämte von Raoul Auern⸗

heimer.

Ad. 1. Eine mit rührendem Raffinement und raffinierter 5 8 N erklũgelte fromme 1 Ein von der Hetz⸗ peitsche der Mahmbegier vorwürtsgetriebener Durchschnittsmusi⸗ kant; seine Frau, die 24 Jahre lang an e alles andre ausschliIdee zu verzweifeln drohte und im 25. an seinem Krankenlager ihre Mission erkannte, dem erblindeten Gatten Ersaz für die Cuttänschrugen eies ingen Lebens Abend- sonne zt schassen; ein Jugendfreund, dem vor einem Menschen⸗ alter Amerika die einzige Rettung vor seiner un⸗ glücklichen Liebe zu eben dieser Frau war. Zufällig kommt er heute frisch vom Hafen eben recht, um das Stiefkind e eee Vorher aber erfithrt er merkwürdige

Die Frau des Alten erklärt dem Freund, daß sie dem 2 seit einem Jahre das zerquälte Dasein damit zu einem strahlenden Lebensabend vergolde, daß sie dem Blinden eine un⸗ unterbrochene Kette von Ewiglkeitserfolgen seiner Werke vortäusche. N beider spütes Glück sei auf einer Lüge qufgebaut. Aber bitte, Diskretion 1 Der alte Musikant aber überrascht unter vier Augen den Freund mit der 1 4 1 5 daß er das ganze Lügengebdude seiner Frau schon des been eee er earn 1.

1 4 gar 8 nach 5 brauchen. Nun, man feiert eben mit Reden und den neuestenErfolg des Musikers, als ein mitleidiger

General-Anzeiger

insicht zu. Wir empfehlen

für

Ihnen die Annah unse nach dem Friedensschluß als Bahnen zu leiten. atssekretär Dr. Delbrück: eing chärft worden, wo N cheint mir aber nicht zu rreichen, eine gesetzliche der Unterstützungs berech muß geholfen werden, d nicht notwendig ist. tigung schon weiter g Wir sind bereit, noch 1 zu gehen, und der 85 Damit wir hier freie Hand haben, ist 8 7 geschaffen w und Ziel zu err 3 neue organisatorisch schaffen, die ieges hing setzgebung hinsichtlich de der Ar ise ist sie bedarf noch der bessernden 8 wird natürlich volle Aufmerksamkeit 2 Organisation geschaffen werden.

Abg. Wein hauser(Fortschr. Vp.): des Staatssekretärs ist zu entnehmen, daß nu Wünschen in die Praxis umgesetzt werden s Familienfürsorge wird eine Erhöhung der B. den zugeschoben. Diese erfüllen aber schon pflichtungen. In Zukunft wird also von die mehr geschehen. Bezüglich der Regelung der nachweise kommen wir ohne den von der Ko Gesetzentwurf nicht aus, der die Errichtung fürr das ganze Reich, sowie ein Rei Handwerk muß mehr an den Org nehmen.

Staatssekretär Dr. Delbrück: Ueber beitsnachweise bin ich über die Mittel, zum etwas anderer Ansicht als die Mehrheit der der Abgeordnete Weinhausen in ziemlich f Ansicht zurückwies, so habe ich auch bei ih Wollen, aber noch nicht das Vollbringen ge wird erst die Zukunft zeigen. Jedenfalls i Wollens reichlich so gut, wie die des Abg.

Abg. BauerBreslau e sekretärs Dr. Delbrück bezü h der Arbeit weiter auszubauen, ist nicht der richtige V politischen Kämpfen zu entziehen. Im Gege Grund auf Neues geschaffen werden.

Abg. Wein hausen(Fortschr. Vp.): Dr. Delbrück hat mir in scharfer Weise gean ihm einen Anlaß dazu gegeben habe, wie ich meinen politischen Freunden feststellen möchte

Staatssekretär Dr. Delbrück: Meine satzliche 1 der Frage einzutreten, Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben würden würden, wenn diese an sich schon schwierig Grundsätzen belastet würde, sofort Verschie e aufflammen.

Abg. Behrens(Wirtsch. Vgg.): Es daß Meinungsverschiedenheiten hier nicht z worden wären. Die Resolution betreffend den 8 alle Gewerbezweige, auch den kaufmän

der Abg. Bassermann annimmt, den kaufm schließlich.

Abg. Fehrenbach(Ztr.) empfiehlt ein lution, die ein Verbot der Verwendung von Zucker zur Herstellung von Spiritus herbei ändern, daß nur Getreide und Kartoffeln ni arbeitet werden dürfen. Im Interesse des Oh namentlich Badens liege es, die Herstellung aus diesen Früchten zuzulassen. Der badische Medizin.(Heiterkeit.

Staatssekretär Dr. Delbrück: Ein g

Schnapsbrennerei würde direkt zune Verbot ist nicht zu empfehlen. Wir brauchen S technischen Zwecken. Der Schnapsausschank weise untersagt werden, damit wird das Zig

Abg. Wurm(Soz.). Ein Branntwei in Rußland sehr wohl durchführbar. Gewerbli sehr gut aus Melasse, die wir reichlich besitze

Schlaganfall der Kombdie e ein Ende macht.

Alten ist ein Dank an seine Göttin Muf ganze ist zwar ein wenig parador eine erweckende psychologische Unmöglichkeit, der

den Gefühlen gegenübersteht, wie man den auf dem das Messser in einer Vivisektion aus äußerst laxen Grundsätzen herg Komödie mit pädagogischem Ausgang. K dem letzten Loch: da entsinnt er sich in einer bedürftigen Anwandlung einer früheren Geli seines Kindes, die er zwölf Jahre vernad nach seinem Tode wenigstens einer an ihn 4 die dem Sterbenden mit derZerema allen tun will. Aber gegen alle Verabredung Ehemann nicht; seine Auferstehung aber b des zur Unzeit dem Leben Neugeschenkten, deutige, in soviele nicht näher auseinanderzukla daß dem Auferstandenen die Sache zu dumm lich streng⸗moralisch, äußert bitterböse Ansich heit im allgemeinen und seinen Bekannten schenkt an sie die Hälfte seines Vermögens u läßt seine Koffer packen und begibt sich fort Es ist ein ergötzliches Katze⸗ und Mausspiel teien; wie bunte Bälle fliegen die Egoism Argumente hin und wieder, und Salten istz einen Ball zu verfehlen. Ad. 3. Die mit Schlappe einer vielumworbenen Eva; an die selbstgefälligem Augenzwinkern behandelte Unt wie eine schöne Frau ihre Liaisons zu kul Wort verschwendet. Auferstehung mag allenf gehen, der Unverschämte hätte ohne Schaden können. Derlei flitterbehängte Leichtfertigkeit künftigen Entwicklungen abgesehen auge mindesten stil los.

Die Gäste wurden den drei Einaktern zu erwarten, in bester Manier gerecht. Arth die Regie und in den drei Hauptro Faden Musikantentragödie zwingende Wirku

den beiden Komödien die Selbstverständlichkeit sicherheit des alle Mittel beherrschenden Fachm und Anton Impeko ven sowie die Damen R hammer boten ebenfalls routinierte, gut ab Die Konversation, aufmerksam und doch rese die zahlreichen kunstvoll belichteten Charakter! mit ungeschminkter Lebendigkeit.