Ausgabe 
(15.3.1915) 62. Zweites Blatt
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r. 62 Imeites Blatt Erfchetnt täglich wett A u¹jdh⅝rꝛe des Sotmitugs.

DieGießener Femisienblatter werben dem Anieiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den kreis Sletzen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen zeit⸗ ragen erscheinen monatlich zweimal.

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Aus dem hessischen Landtag.

rb. Darmstadt, 14. März. die bevorstehende Frühjahrstagung der hessischen Landstände sind der Zweiten Kammer von 5 Mitgliedern 00 iedener Parteien Anträge unterbreitet worden, die sich in erster Linie auf die Verhältnisse der gegenwärtigen Kriegs 9 So haben die Abgg. Calman, Schott und Stöpler mit erstützung der Nationalliberalen Partei einen Antrag eingebracht, worin sie die Gewährung von Zuschüssen seitens des Staates zur Invaliden⸗ und 5 5 5 örigenrente fordern. Sie beantragen, vorbe⸗ haltlich des späteren Rückgriffs gegen das Reich, in den Staatsvoranschlag einen Ausgabeposten von 250 000 Mark einzustellen, der zu Schussen zur Kriegsinvalidenrente und zur Rente für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer bestimmt sind, um den Kommunalverbänden 1. in Fällen, in denen die gesetzliche Rente für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer nicht ausreichend erscheint, weiter e Zu⸗ schüsse zu ermöglichen, damit 2. diese Verbände Halbinva⸗ liden, noch keine geeignete Arbeit gefunden haben, und namentlich Halbinvaliden mit Angehörigen, weitere Bezüge zuwenden können. Ein weiterer Antrag derselben 8 betrifft (wie wir schon mitteilten. D. Red.) die Be anntmachung der wirtschaftlichen Kriegsgesetze. Eine weitere, sehr zeitgemäße Anregung wird die Regierung gleichzeitig von den erwähnten nationalliberalen Antragstellern und von den Sozialdemokraten betreffs der Besteuerung eines grö ßeren Vermögenszuwachses gegeben. Die National⸗ liberalen beantragen, Großh. Staatsregierung aus Anlaß der Kriegszeit zu Sauen in Erwägung einzutreten, ob nicht die durch die Kriegslage Einzelnen zugefallenen außer⸗ gewöhnlich großen Gewinne, welche 1. durch Erhöhung des Wertes der Lagerbestände, 2. durch Spekulation mit Gegen- ständen des Massenverbrauchs, 3. durch Staats⸗ und Heeres⸗ lieferungen erzielt wurden, einer Sonderbesteue⸗ rung zu unterwerfen sind. Der dieselbe Frage be⸗ handelnde Antrag der sozialdemokratischen 1 lautet: Großh. Regierung zu ersuchen, alsbald ein Gesetz in Vorlage zu bringen, durch das der während der Kriegszeit erfolgte 1 zu einer besonderen prog ressiv gestalteten Steuer herangezogen wird. Dieser Antrag erweckt durch seinen Wortlaut und die Betonung des Wortesprogressiv den Anschein, als ob er weitergehende, den langjährigen Wünschen der Antragsteller entsprechende Forderungen verträte. Nach seiner Begründung bezweckt er aber genau dasselbe, wie der nationalliberale An⸗ trag, denn in der Begründung wird ausgeführt: Der Krieg erfordert Opfer an Gut und Blut in allen Schichten des 8 Volkes. Die Erwerbsmöglichkeiten sind allgemein verschlechtert und machen es notwendig, daß in der Lebens⸗ haltung zahlloser Volksglieder eine Einschränkung eintreten mußte. Will ig trägt das Volk alle Opfer in dem Bewußt⸗ Act das e ee e 2 Schi Bevölkerung endgültigen Sieg Deuts lands ermöglichen wird. Wenn aber in der Zeit der all⸗ meinen Notlage Einzelne es vermögen, infolge des Krieges bedeutende Gewinne zu 1 so ist das Verlangen berechtigt, diesen jetzt erzielten Vermögens⸗ zuwachs einer besonderen, möglichst hohen und progressiv stal teten Steuer zu unterwerfen. Es darf z. B. auf gewisse e erg der du geische verwiesen werden, die oft große, weder durch Leistung, noch durch Risiko gerecht⸗ fertigte Gewinne zu machen in der Lage sind. Niemand sollte aus der allgemeinen Not einen Vorteil ziehen, ohne davon wieder einen wesentlichen Teil an die Allgemeinheit abzuführen.

vortragsabend von Dr. Ludwig Wüllner.

Der ft schöpferische Geist vergreift sich nicht an den großen Stoßen and Problemen der lebendigen Gegenwart. Natur und Zeit müssen außerordentliche Kräfte in einem Individuum potenziert haben, das die Schwierigkeiten der dichterischen Gestal⸗ tung 8 iger Ereignisse oder Persönlichkeiten überwinden und den Stoff zur numentalität erheben kann. Distanz ist nach Goethes Wort ein Haupterfordernis, um einen künstlerischen Stoff

igen zu können. In 271 55 Sinne mag es ein Pro amm sein, wenn Tr. Ludwig Wüll ner auf die Zeitdichtung Verzicht leistet und die Kulturmission der deutschen Dichtkunst einstweilen noch in den ragenden, lichten Tempeln sucht, die ein Goethe und ein 5 ihr errichtet haben. Es wird in diesen Tagen in der Kunst⸗ politik laut nach einigenden Zielen, nach dent reinen Ausdruck und dauernden Formen für deutschen Lebensgeist und Kulturwillen ge⸗ rufen. Und es ist schon erkenntlich, wie das neue Welt pathos des deutschen Geistes lyrische Töne in unserm Empfinden weckt gleich denen, die die ersten Strahlen des Frührvots aus der Memnons⸗ säule zauberten. Freuen wir uns ihrer und leugnen sie nicht! Eine Stunde der Weihe und Einkehr aber gedeiht am herrlichsten unter den himmel⸗ und erdebeschattenden Fittichen des Genius; der Ge⸗ nius aber ist nur dort, wo der schöpferische Wille aus dem Ethos der Persönlichkeit heraus die Materie seinem Geist unterwirft und sie durch die Kraft der Schönheit meistert. Der Zeitgeist aber hat auf die Kunst gemeinhin nur den Einfluß wie etwa das Wetter auf den Wandersmann: Sein Wehen färbt die Wangen beider rot.

Eine Wundergeige bleibt eine Wundergeige, ob sie dem arm⸗ seligen Dorfmusikanten oder dem gottbegnadeten Künstler in die Hand kommt. Aber nur der letztere haucht ihr den Atem des Lebens ein. Wüllner ist der Berufene, die Wundergeige unserer Dichterfürsten im Sturm der Gefühle jauchzen und in den sub⸗ tilsten Seelenschwingun erbeben zu lassen, weil er die Psycho⸗ logie des vom Dichter Gestalteten in sdie feinsten und verschlungen⸗ sten Wege verfolgt und ausdeutet und das innerliche Nacherleben 5 souperänen äußeren Mitteln wie ein König aus prägen und

Aber soll ich beten, danken, Geb ich meine Liebe kund, Meine seligsten Gedanken Sprech ich wie der Muttermund Diese Heiligung der Pracht und des unermeßlichen Reichtums unserer Mentterspra wird in ihrer Tiefe offenbar, wenn Wüllner das Wort wie Naturgewalt dröhnen und wie Windhauch im Lenz schmeicheln läßt. Die Empfindung wird zur Selbstverständlichleit, daß diese Wunderwerke der Poesie erst ihre Bestimmung erfüllen, 8 die Stimme Menschen

wenn Stir Bogenstrich schwingen und klingen läßt, wenn den funkelnden . Retzitation die prunkende Fassung gibt.

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sie wie die Geige unter dem ber

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105. Jahrgang

er Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Montag, 15. März 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschñstsstelle u. Verlag: S851, Schrift ·

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

Aus dem Buogetausschuß des Reichstags.

Berlin, 13. März. Die heutige Sitzung des verstärkten Budgetausschusses des Reichstags galt ebenso wie ein Teil der gestrigen der Ernährungs⸗ frage unseres Volkes. Darüber, daß wir mit unseren Nahrungs⸗ mitteln durchkommen müssen und durchkommen werden, herrschte Einstimmigkeit.

Im Vordergrunde stand zunächst die Kartoffelfrage. Es wurde darauf hingewiesen. daß die hohen Preise für Kartoffeln schlimmer wirkten als diejenigen für andere Nahrungsmittel. Man solle daher die Brennereien noch mehr beschränken als bisher, eine Maßnahme, die wegen des gewerblichen Spiritusbedarfs als nicht annehmbar erklärt wurde. lleber die Art, in welcher Weise die Kartoffeln in gerechter Weise verteilt werden sollten, gingen die Ansichten auseinander Man befürwortete auf der einen Seite die Beschlagnahme aller Kartoffelvorräte. Nach der Ansicht meh⸗ rerer Redner wird jedoch von einer generellen und schematischen Beschlagnahme aus technischen und anderen Gründen Abstand zu nehmen sein. Man wird sich damit begnügen müssen, gewisse Reservevorräte und die Beschlagnahme durch lokale Organe im Bedürfnisfalle sicher zu stellen. Die verantwortlichen Stellen werden sich mit dieser Frage demnächst zu beschäftigen haben. Die statistischen Erhebungen über die Kartoffelvorräte sollen be⸗ schleunigt und die Ergebnisse der Kreise telegraphisch mitgeteilt werden. Von verschiedenen Seiten wurde angeregt, man solle die Trockenkartoffeln für spätere Monate aufbewahren und vorerst Frischkartoffeln namentlich auch zum Backen verwenden.

Die Frage der Schweineabschlachtung kam erneut zur Erörterung. Zwangsweise Abschlachtung und Festsetzung von niedrigen Höchstpreisen wurde unter Hinweis auf die Ersparnis an Svpeisekartoffeln und Magermilch und mit Rücksicht auf die Verbilligung der Fleischnahrung gefordert. Von anderer Seite wurde demgegenüber betont, daß die Verminderung des Schweine⸗ bestands auch ohne Zwang lediglich durch Erhöhung der Ent⸗ eignungsrichtpreise, die in ihrer jetzigen Bemessung die Futter⸗ kosten nicht deckten und zur Zurückhaltung der Schweine vom Markt führten, zu erreichen sein würde. Da ein klares Bild über die Notwendigkeit verschärfter Maßnahmen erst auf Grund der für den 15. März angeordneten Zählung des Schweinebestandes

wonnen werden könne, wurde die beschleunigte Sammlung der

ählungsergebnisse und ihre Mitteilung an den Reichstag vor der Verabschiedung des Etats gewünscht und soweit durchführ⸗ bar zugesagt. Ebenso wurde eine Beteiligung des Reichs an dem den einden erwachsenden Risiko aus der Verarbeitung des frischen Schweinefleischs in Dauerware in Aussicht gestellt.

Seitens des Staatssekretärs des Innern wurde auf die außer⸗ ordentliche Schwierigkeit bingewiesen, die Beziehungen zwischen den einzelnen Erwerbsständen bei den durch den Krieg veranlaßten Mafmahmen abzugleichen. Man baue vielsach auf nicht sicherem Grunde. Bei Besprechung einiger mit der Kriegsgetreide⸗ Gesell⸗ schaft und ihrer Geschäftsführung zusammenhängenden Fragen wurde bemängelt, daß noch keinem Kreise die ihm aus 8 26 a der Bundesrats verordnung vom 25. Januar 1915 zurstehende Selbst⸗ verwaltung seiner Getreidevorväte übertragen sei. 5000 pfei ganzen Getreideverteilung egte ie Ri Uirien, die neuerdings für seine Anwendung gegeben seien, an der Hand eines an die Bundesregierungen gerichteten ibens dar.

Gegenüber dargelegten Bedenken, daß für einzelne Berufe die Menge von 200 Gramm Mehl tüglich nicht ausreiche, wurde darauf hingewiesen, daß es sich bei dieser Zifser nur um einen Durchschnittssatz handele Insbesonderr erklärte der Staats⸗ sekretär des Innern, daß die Kommunen die Selbstbewirtschaftung der ihnen nach dieser Kvpfziffer zugewiesenen Mehlmengen gerade deshalb erhalten hätten, um entsprechend den Bedürfnissen zu in⸗ dividualisieren.

Gegenüber der Forderung auf Festsetzung von Höchstpreisen für Mehl und Brot durch den Bundesrat wurde geltend gemacht, daß die Kommunalverbände das Mehlhandelsmonopol und damit die Regulierung des Mehlpreises in der Hand haben, wober aller⸗ dings die Preise, welche die Kriegsgetreide⸗Gesellschaft fordert, die unterste Grenze bilden. In dieser Hinsicht hat der Staatssekretär des Innern und der Reichskommissar für Brotversorgung zugesagt, auf einen möglichst niedrigen Mehlpreis hinzuwirken.

In der Frage der Einschränkung der Bierproduk⸗ tion wurde von einer Seite eine weitere Einschränkung der

Wüllners Vortragswahl an sich zeigte einen unendlich feinen Reiz, dessen Hauptwert in der diskreten Abstimmung auf die Zeit, in der wir leben, lag. Ueber Goethes allumspannende, Welten⸗ raum und Menschentum wie ein Vulkan mit Urgewalt schaffende Gedankendichtung, die die Seele in ihren tiefsten Tiefen aufwühlt, führte der Weg zu den rätselaugigen, uralten Sehnsüchten der Mensch⸗ heit, wie sie aus dem König von Thule, dem Fischer und der Flammen⸗ auferstehung der Bajadare seufzen. Aus dem Drängen und Suchen nach dem Löchsten, der Sehnsucht nach Voller dung und nach dem Schwinden der Resignation führten Liliencrons windhelle Schwin⸗ gen zu den brausenden Höhen der Empfindungen, die das Welt⸗ geschehn in der Menschenseele weckt. Die furchtbar⸗erhabene, in heiliger Flamme lodernde und dennoch so kindlich⸗ rührende Zwie⸗ sprache zvischen Vaterland und Volk, mag, will man Wüllners Vortragsfolge als gewollte Steigerung einer gedanklichen Ent⸗ wicklung ansehn, den Gipfel zu bedeuten haben. Das Lied von der Glocke mit seiner hinreißenden, stürmenden Sprache und seinem ernsten sittlichen Gehalt erschien zum Schluß als ein Symbol für den Zusammenhang irdischen und unirdischen Geschehens, des Verlangens nach dem Frieden auf der Menschenerde. Aeußerer Höhenunkt des Abends mag GoethesPrometheus mit seiner titanischen 9 9 77 der Menschen an die Bevormundung durch die Scheinherrlichkeit der Himmlischen gewesen sein.

Fur die Besucher bedeutete der Abend eine Selbstbesimrung und ein Erlebnis, deren sich weitere Kreise hätten teilhaftig machen sollen. Es ist bitter, wenn Possen vom Schlage des abgeschmackten Wie einst im Mai auch in der jetzigen Zeit mehr Anziehungs⸗ kraft auszuüben vermögen, als Wüllners in Gießen keineswegs unbekannte, hohe Kunst. Schön wäre es auch, wenn unser Theater für derlei Sonderabende über eine entsprechende Dekoration ver⸗ fügen würde. Stilvoller als die zweifelhafte Eleganz eines Kulissen⸗ salons aus der Zeit eines verwilderten Kunstgeschmacks wären beispielsweise die ruhigen Linien einfarbiger, wallender Vorhänge. 3 *

Die Kinoschlacht. Ein lustiges Erlebnis von einer französischen Kinoaufnahme auf dem Schlachtfeld und von ihrem jähen Ende durch deutsches Eingreifen erzählt Georg Hirl in Ueber Land und Meer(Teutsche Verlagsanstult) aus den Kämpfen bei St. Hilaire. Ein Fußartillerist, wegen seiner Körpergröße der Zange Paul genannt, hatte mit ein paar Kameraden während eines heftigen Artilleriegefechtes den Auftrag erhalten, Holz her⸗ beizuschaffen. Dabei schlichen sie sich durch den dichten Wald bis an die französischen Stellungen heran und wurden ümbevbachtete Augen⸗ zeugen einer merkwürdigen Szene.Mitten auf der Straße stand in einem Automobil ein Zivilist, der heftig gestikulserend auf etwa 20 Franzosen und einen Offizier einsprach Es schien, als ob er

irgend etwas den Franzmännern nicht recht Verständliches unter handelte. Plötzlich zog er seine Börse und 8 dem fran⸗ zösischen Patrouillenführer eine anscheinend größere Geld

Produktion unter die vom Bundesrat angeordneten 60 Prozent herab sowie die Gestattung eines Zusatzes von Surrogaten bei der Bierbereitung gewünscht. Demgegenüber wurde darauf hingewiesen, daß man mit der Einschränkung der Bierproduktion nicht zu weit gehen dürfe und namentlich auf die Interessen der kleinen Braue⸗ f reien, die was übrigens von einer Seite bestritten wurde unter einer zu starken Einschränkung schwerer leiden würden als die großen, Rücksicht nehmen müsse. Es wurde betont, daß man jeden⸗ falls zunächst die Wirkung der vom Bundesrat angeordneten Ein⸗ schränkung der Produktion und das Ergebnis der eingeleiteten Er⸗ hebung über die Gerste⸗ und Malzvorräte abwarten sollte. Dm Wunsch, eine Verwendung von Surrogaten zu gestatten, wurde ent⸗ gegengehalten, daß als Surrogate nur Zucker und Reis in Betracht

kommen würden, die beide nicht im Ueberfluß vorhanden sind und deren Zulassung als Malzsurrogate nur eine Verschiebung, 8 keine Ersparung von Nahrungsmitteln bewirken würde. Auch wurde darauf hingewiesen, daß für die Zulassung von Surrogaten eine Aenderung der Biersteuergesetzgebung nötig wäre, was nament⸗

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lich in den süddeutschen Staaten mit eigener Biersteuergesetzgebung. 8 nicht in einfacher Weise durchzuführen wäre. 1 Aus dem Reiche. 4

Treffliche Worte des Reichskanzlers. 5 1 Berlin, 13. März.(WTB. Amtlich.) DieNordd. 1 Allg. Ztg. meldet: Der Geh, Justizrat, Professor Dr. Kahl, hat an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, in welchem er die am 28 Februar erfolgte Gründung der Frei⸗ en Vaterländischen Vereinigung mitteilte. Der Reichskanzler hat auf diese Mitteilung mit folgendem 0 Schreiben geantwortet: 5 Für die Mitteilung, die Sie mir von der Gründung der Freien Vaterländischen Vereinigung und ihrem Ziele machen. sage ich Ihnen aufrichtigen Dank. Sie wollen den Strom nationaler Gesinnung, den der Krieg gesammelt hat, in die Friedenszeit hinüberleiten. Die Be ung des großen Erleb⸗ nisses daß dieser Krieg das deutsche Volk in allen seinen Gliedern und Schichten geeint gezeigt hat, soll uns ein heiliges ht⸗ nis sein. Ich begrüße es daher mit Freude und Dank, wenn führende Männer aller Richtungen sich in dem warmen Be⸗ mühen einigen, dieses Vermächtnis zu sichern. In einem Augen⸗ blick, da um das Ziel des Krieges, die Niederwerfung un erer Feinde, noch gerungen wird, und da die Deutschen draußen und zu Hause ein einziger Wille ganz beherrscht, der Wille zum Siege, können wir nicht schon im einzelnen alle 7 Fragenerörtern, diebeiund nachdem Friedens schluß zulösen sind. Möge der Tag bald kommen, da die Fesseln des freien Meinungskampfes gelöst sind denn es wird zugleich der Tag s. an dem das blutige Ringen zu Ende geht. Einstweilen aber mögen wir den Geist vor⸗ bereiten, in dem unser Volk die Bedingungen seines zukünftigen 4 1 Lebens mitzuschaffen haben wird. In den Leitsätzen dieser Ver⸗ 75 einigung glaube ich diesen Geist zu erkennen. Gewiß, aber der Parteienstreit wird wieder anheben. Aber wie sich alle Schichten des Volkes in der Stunde der Not so recht verstehen lernten so müssen auch die neuen innerpolitischen Kämpfe von der 8 seitigen? beherrscht sein. die alle Schichten des Volkes vom Fürsten bis zum Arbeiter umschließt. Sie haben zusammenn geblutet, alle ihr Bestes gegeben und haben erfahren, wie Großes ein von heiliger Liebe zur Heimat beseeltes Volk leisten kaun. wenn es einig ist. d e e e 2 schaffenden Volk, und die Achtung vor jeder ehrlichen Gesin⸗ nung leitet, sehe ich mit freudigem Vertrauen der Aufgabe ent⸗ gegen, die der Friede uns stellen wird, der Aufgabe, ein nach außen stärkeres Deutschland innerlich im Geiste der Freiheit und der gemeinsamen Vaterlandsliebe weiter auszubauen. 9

Vergällungsfrist für Rohzucker.* Berlin, 14. März.(WTB. Amtlich) Der Reichs⸗ 65 kanzler dehnte unter Abänderung von§ 1 Abs. 2 Zif⸗ 15 fer 1 unter e der Bekanntmachung über die Verwendung 1 von Rohzucker(Erstprodukt) vom 12. Februar 1915 die 5 Frist, binnen deren die Vergällung von Rohzucker(Erst⸗ produkt) beendet sein muß, bis Ende März, 1915 aus. 1 Fristverlängerung gilt aber nur für Verträge über Liefe⸗ rung von Erstprodukten zur Herstellung von Futtermit⸗

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aus. Dieser dankte und beorderte nun einen Teil seiner Leute links 5 in den Wald, während die andern rechts von dem von den Deutschen stehen gelassenen Fuhrwerk hinter den Bäumen verschwanden. Der Zivilist schien mit dem Treiben einverstanden zu sein, kramte kurze Zeit in seinem Auto, und plötzlich erstand aus dem Hintergrund des Kraftwagens eine photographische Kamera. Paul ging nun ein Licht auf. Ganz sicher wollten die Franzmänner den verwaisten Wagen stürmen. Wie sich aber bald herausstellte, verhielt sich die Sache anders, und zwar wollte ein Teil der Schleichpatrouille einen Ueberfall auf die deutsche Soldaten imitierenden Kollegen machen, 5 der Kinboperateur aber wollte den Vorgang aufnehmen. De. u.

erschrockene Fußartillerist beschloß, den einen Strich durch die Rechnung zu machen. Als die 72 Franzosen sich von dem Auto entfernt hatten, um eine

regelrechte Schlacht für den Film aufzuführen, flüsterte er seinen Kameraden zu:Obacht geb'n! Oes drei springt's hinten aufi zum

Photograph'n, und i sorg, daß da Chauffeur glei abfahrt! Kaum hatte er so seine Anweisung gegeben, da hob der Mann im Auto seine Hand und begann an der Kurbel des Apparates zu drehen Aus dem Wald, links der Straße, stürzten in diesem Moment der französische Offizier und fünf seiner Leute, während die diesseits 1

gelagerten unsichtbaren Franzmänner unter heftigem Hurrabrüllen ein Schnellfeuer eröffneten. Natürlich schossen die Kerle in die 27 Luft, aber ihre stürmenden Landsleute gebärdeten sich, als gelte es den heftigsten Kampf. Das Pferd am Wagen sank wirklich

getroffen zu Boden, und der französische Leutnant imitierte,

mit seinem Säbel in der Luft fuchtelnd und zu Boden stürzend,

einen Treffer. Der lange Paul aber ärgerte sich ob dieses wider⸗

lichen Spiels nicht wenig und stürzte sich mit einigen Sprüngen zu dem erschrockenen Chauffeur, während seine Kameraden die kurbeldrehenden Arme des Operateurs gleichzeitig hemmten. Wü⸗ tend aber um so echter klang das während dieser bliß⸗ schnellen Tat gebrauchte Hurra der vier Bayern. Die Franzmänner waren erst baff, und als sie ihren bedrängten Landsleuten zu Hilfe eilen wollten, da ratterte der Motor, die Räder des Autos drehten sich schnell und immer schneller und bald waren Wagen und Insassen hinter der Straßenkurve verschwunden. Der Chauffeur wurde durch einen vorgehaltenen Revolver zum Gehorchen ge⸗ zwungen; der lange Paul ließ moch einmal während der Fahrt halten, um sich mit Holz zu versehen, und als dann das Auto mit seinem seltsam gemischten Inhalt bei der Batterie wohlbehalten ankam, wurde es mit großem Hallo empfangen. Als ein paar Tage später. der Batteriechef dem zum Unteroffizier beförderten Paul wieder einen Auftrag gab, meinte er:Sie müssen heute unbedingt noch von irgendwoher Heu für unsere Pferde beschaffen. Bringen Sie uns wieder ein Auto, ein paar Gefangene und einen nicht übel geratenen Film, dann gratuliere ich Ihnen im voraus zum 13 Eisernen Kreuz. Paul brachte auch glücklich eine Fuhre Heu, aber zugleich einen von einer französischen Kugel zerschmetterten Unter⸗

schenkel mit, den er sich jetzt im Feldlazarett ausheilen lassen ß.

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