Zweites Blatt
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Erscheiui täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Siegener Fauillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
FCC
165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Donnerstag, 4. März 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S bl, Schrist⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
Wie die Dardanellen verteidigt werden.
Im Kampf um die Dardanellen, den Schlüssel Konstantinopels, haben die verbündeten Engländer und Franzosen— wenn die von ihnen verbreiteten Nachrichten zutreffen— die Forts am Eingange zum Aegäi⸗ schen Meer zum Schweigen ge- bracht. Nun, die Dardanellen ziehen sich fast 75 Kilometer lang in einer durchschnittlichen Breite von 4 bis 5 Kilometer dahin. Das Schiff, das sie durchfährt, ist auf die Strecke von über 55 Kilometer den Geschützen der auf beiden Ufern liegenden Forts und Befestigungen ausgesetzt. Da will, wie selbst die Londoner „Daily Mail“ zugeben muß, das Schweigen der Eingangsforts nicht viel bedeuten. Die Befestigungs⸗ werke der Dardanellen reichen mehrere Jahrhunderte zurück. An der engsten Stelle, der nur wenig über 1 Km. breiten Durchfahrt von Nagara, erbaute Mohammed II. im Jahre 1460 die ersten festen Schlösser, während Kumkalesi und Seddil⸗Bahr am Eingange der Dardanellen erst zwei Jahrhunderte später unter Mohammed IV. er- richtet wurden. Diese Werke haben im Laufe der Zeit die mannig⸗ fachsten Umbauten und Verände⸗ rungen erfahren und stellen heute durchaus moderne Küstenbefestig⸗ ungen dar.
Schon in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren deutsche Ingenieure und Artillerieoffiziere bei ihrem Ausbau tätig und verstärkten sie durch die schwersten Geschütze der damaligen Zeit, das 50 Tonnen wiegende Kruppsche 28⸗ Zentimeter-Geschütz. Die Jungtürken sorgten dann, nachdem sie zur Herrschaft gelangt waren, für eine weitere Verstärkung der Befestigungen, so daß diese beim Ausbruch des Balkankrieges im Jahre 1912 ein völlig verändertes Aussehen als unter der Mißwirt— schaft Abdul Hamids boten. Seither haben die Arbeiten niemals geruht, und besonders in den Monaten, die der Kriegserklärung der Türkei voraus⸗ gingen, wurde fieberhaft gearbeitet. Während des Krieges
mit Italien und im Balkankrieg haben die beiden wie
trotzige Pfeiler emporragenden Werke von Kumkalesi und Seddil-Bahr feindliche Angriffe mühelos abhalten können, da diese keine derartig schweren Geschütze wie jetzt die Eng⸗ länder und Franzosen zur Anwendung brachten. Hat man beide passiert, dann erweitern sich die Dardanellen für einen Augenblick zum See, um jedoch schon bei Kephas
Kalesi wieder zur engen Meeresstraße zu werden. Steil l W
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ragen auf beiden Ufern die Küsten oft über 100 Meter empor und ähnlich wie in Gibraltar werden auf ihrer Höhe, auf den einzelnen Terrassen und an ihrem Fuße versteckte Panzertürme sichtbar, aus denen weittragende Geschützrohre hervorlugen. Der englische Admiral Hornby, der im Jahre 1878 die Durchfahrt durch die Dardanellen zu er⸗ zwingen suchte, schilderte bereits damals die Schwierig⸗ keiten, die einem Geschwader beim Kampf gegen diese schier uneinnehmbaren Befestigungswerke entstehen.„Die Küsten⸗ geschütze sperren die Durchfahrt und können von Schiffs⸗ geschützen nur sehr schwer zum Schweigen gebracht werden. ir müßten auf sie ein Steilfeuer eröffnen. Flachschüsse
Neue Bismarck Erinnerungen.
Der an Jahre 1904 verstorbene Landschaftsrat Reinhold v. Thadden⸗Trieglaff, der älteste Sohn des bekannten Adolf v. Trieglaff, hat über seine Beziehungen zu dem Fürsten Bismarck und seine Erinnerungen an ihn im Mai 1899 eine längere Aufzeichnung niedergeschrieben. Diese Aufzeichnung
war ursprünglich nur für die engere Familie bestimmt, wird aber
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in dankenswerter Weise jetzt von dem Sohne des Verfassers, dem
Landrate v. Thadden⸗Trieglaff im Märzhefte der bei der Deutschen]!
Verlagsanstalt in Stuttgart erscheinenden„Deutschen Revue“ der allgemeinen Kenntnis zugänglich gemacht. Reiz und Wert der Thaddenschen Erinnerungen liegen darin, daß der Verfasser Bis⸗ march durchweg in der Intimität, im Freundes⸗ oder Familien⸗ kreise beobachten konnte. Reinhold v. T n war noch Schüler, als ex Bismarck im Jahre 1842 sah. empfing damals einen gewaltigen Eindruck von dem genialen Manne.„Ich hatte in o bezaubernder Weise noch nie sprechen und darstellen gehört. O. B. schilderte uns, wie ers 38 Jahre später im Reichs⸗ oder
Landtage 5— sein Feiertagserlebnis bei einer Landung auf britischen den, wo er ein Lied pfeifend, durch einen Herrn,
Einige feine Beiträge zur Charakteristik Bismarcks gibt v. Thadden aus Gesprächen in den vierziger Jahren. Einmal sprach er vom Lügen und meinte, das Lügen sei ja tadelnswert, both es für ihn einen unwiderstehlichen Reiz, in dem Salon der u v. Natzmer in Greifenberg„Geschichte“ in Umlauf
zu setzen. Von„Medisance“ hatte Bismarck keine Spur an sich, indes wußte er die Ausdrucksweise seiner Nachbarn sehr launig zu schildern, und wie sie sich ganz mit ihrer Wirtschaft identifizierten. So habe einer nach seinem Befinden gefragter Gutsbesitzer ernsthaft geantwortet:„Mir geht es ganz gut, nur habe ich leider im Winter sehr stark die Räude gehabt.“ Auch über seinen Umgang mit Büchern weiß Reinhold v. Thadden einen interessanten Zug zu berichten. Sein Vater fragte Bismarck einmal, ob er Schlofsers Geschichte des 18. Jahrhunderts gelesen habe.„Ich habe sie ge⸗ esen, wie ich alles gelesen habe, ich habe darin geblättert.“ war die Antwort. Seine Leseweise schilderte Bismarck so:„Ich lese den Anfang des Buches, dann das Ende, dann in der Mitte dies und das. Wenn mir die Proben gefallen, lese ich das ganze Werk, sonst lege ichs beiseite.“ Fast ebenso gern, wie er las, hat Bismarck zeitweilig auch Briefe geschrieben.„Es ist herrlich,“ sagte er ein⸗ mul,„glattes Briefpapier zu haben, dann kann man so wunder⸗ voll lange Buchstaben machen.“ Diese„wundervoll langen Buch⸗ staben“ Bismarcks sind seither weltbekannt geworden. Einmal be⸗ kannte Bismarck, er habe sich immer sehr versucht gefühlt, an kriegerischen Unternehmungen teilzunehmen, und hätte schon daran gedacht gehabt, unter englischen Fahnen in Indien Dienste zu nehmen dem Beispiele des Prinzen Waldemar folgend.„Indessen,“ schloß Bismarck,„was haben mir denn die Indier zuleide getan, dachte ich mir.“ Ein offenes Bekenntnis Bismarcks über seine damalige religiöse Stellung gehört dem für seine innere Entwick⸗ lung so bedeutsamen Jahre 1844 an. Im Laufe eines ernsten
st] Gespräches im Familienkreise führte Adolf v. Thadden das Worte
Georg Herweghs an Friedrich Wilhelm IV. an:„Und wer mit seinem Gott gegrollt, kann auch mit seinem König grollen.“ Bis⸗ marck meinte:„Freilich, wenn man Gott lieben könne, so könne man auch mit Gott grollen.“ Thadden entgegnete:„Da sind Sie also Pantheist,“ was Bismarck bejahte. Das Gespräch rief in der
kleinen Familien versammlung eine tiefe innere Bewegung hervor. W̃
Ein Jahrzehnt später stand Bismarck bereits im diplomati⸗ schen Dienste und hatte gelernt, hohe und höchste Würdenträger mit unbarmherziger Kritik zu beurteilen. Damals traf der Ver⸗ fasser der Aufzeichnungen ihn in Magdeburg, wo er einen Besuch beim Oberpräsidenten v. Witzleben machte. Dieser begleitete ihn unbedeckten Hauptes zum Bahnhofe. Als Witzleben fortgegangen war, um sich Kopfbedeckung zu holen, äußerte Bismarck:„Dieser Witzleben hat wirklich ein Talent, seine Stirn in Falten zu legen, das erstaunlich ist.“ In Magdeburg 1856 fragte v. Thadden Bis⸗ marc nach seinen Militärverhältnissen. Er erzählte, daß er Se⸗ kondeleutnant sei und daß Friedrich Wilhelm IV. sich sträube, ihn
prallen wirkungslos an den Küstenfelsen ab. Richtet man die Geschütze höher, dann schlagen die Geschosse weit hinter dem Ziel ein, ohne die Befestigungswerke im geringsten zu beschädigen.“ 8
Da Steilfeuergeschütze vom Schiff aus aber nicht ver⸗ wendet werden können, stehen den Verbündeten beim wei⸗ teren Kampf um die Dardanellen die größten Schwierig⸗ keiten entgegen. Zwar gäbe es einen Weg, die Befestigungs⸗ werke zu umgehen. Wenn eine Flotte im Golf von Keros einlief, könnte sie bei Gallipoli, an der 772 Stelle der Halbinsel Truppen landen. Auch dieser Fal. erheben sich doch bei Gallipoli ebenfalls mächtige Befesti⸗ gungswerke, deren Aufgabe es ist, einen Landungsversuch abzuschlagen. Ihr größtes Fort heißt— es klingt wie ein Treppenwitz der Geschichte— Napoleon, zur Erinnerung daran, daß hier französische Truppen während des Krim⸗ krieges ein bewaffnetes Lager aufgeschlagen hatten.
Das deutsche Reichsschuldbuch. l
Die Einrichtung des Reichsschuldbuches ist für diejenigen bestimmt, die Gelder in Deutscher Reichsanleihe anlegen wollen, aber nicht geneigt sind, für die Aufbewahrung von Wertpapieren und die Einkassierung von Zinsscheinen selbst Sorge zu tragen. Die Schuldbuchgläubiger erhalten keine Wertpapiere und keine Zinsscheine, sondern haben eine ver⸗ zinsliche Buchforderung an das Reich. Ihr Recht beruht lediglich auf der Eintragung im Schuldbuch, so daß sie gegen die Gefahr geschützt sind, durch Verlust oder Ver⸗ nichtung von Schuldverschreibungen oder Zinsscheinen Schaden zu erleiden. Die Eintragung in das Reichsschuldbuch erfolgt gebührenfrei. Die Zinsen erhalten die chgläu⸗ biger jeweils einige Tage vor Fälligkeit ohne besonderen
Antrag durch die Post zugesandt. Sie können aber auch, falls
sie dies vorziehen und einen entsprechenden Antrag stellen, die Zinsen bei den Reichsbankanstalten oder bei öffentlichen Kassen erheben oder sie ihrer Sparkasse oder Genossen⸗ schaft überweisen oder übersenden lassen oder durch Ver⸗ mittelung eines Bankhauses usw. in Empfang nehmen. Um zur Benutzung des Schuldbuches anzuregen, pflegen bei der 1 von Anleihen den Zeichnern, die die Eintragung ins Schuldbuch beantragen und sich verpflich- ten, ihre Forderung während einer gewissen Sperrfrist im Schuldbuch stehen zu lassen, Vorzugsbedingungen bewilli zu werden. Auch bei der jetzt aufgelegten Kriegsanleiße wird den Schuldbuchzeichnern, die sich einer Sperre bis zum 15. April 1916 unterwerfen, eine Preisermäßigung von 20 Pfg.(98,30 statt 98,50) für je 100 Mk. Nennwert ewährt. Für die Schuldbuchzeichner werden besondere 9(auf rotem Papier) ausgegeben, die gleich die Angaben enthalten, welche der Zeichner m. muß, damit die Eintragung in das Schuldbuch bewirkt de cen gde ergelt ber e ie n gesagt, er weder We iere noch nach Ablauf Sperrfrist, Grunde Wertpapiere zu erha im Schuldbuch löschen Zinsscheinen im Es bedarf dazu nur eines beglaubigten Antrages an die
wenn er aus irgend einem [ten wünscht, seine Forde sich dafür Anleihestücke nebst
Reichsschuldenverwaltung und der Entrichtung einer kleinen
Gebühr(75 Pfg. für je 1000 Mk., mindestens aber 2 Mk.). Es sei indessen darauf hingewiesen, daß das Schuldbuch seiner ganzen Einrichtung nach nur für solche Gläubiger bestimmt ist, die ihr Geld auf längere Dauer in Deutscher
Reichsanleihe anlegen wollen und die Absicht haben, ihre 9 bis auf weiteres im Schuldbuch zu belassen.
Forderun Solchen Zeichnern kann die Benutzung des Schuldbuches dringend empfohlen werden. Dagegen werden diejenigen
Zeichner, die von vornherein die Absicht haben, sich die
Stücke schon bald nach Ablauf der Sperrfrist ausrei zu lassen, gut tun, von der Benützung des Schuldbu überhaupt abzusehen.
Die Eintragung geschieht erst, nachdem die Anleihe voll 5
bezahlt ist. Ueber die erfolgte Eintragung erhält der Gläu⸗
biger von der Reichsschuldenverwaltung eine Benachrichti⸗
zu befördern, weil S. M. etwas darein setze, einen Gesandten zu haben, der nur Sekondeleutnant wäre.„Ich werde den König aber doch überlisten,“ verriet Bismarck.„Ich werde mich zu den
S. schweren Reitern versetzen lassen, da stehe ich bezüglich meines
Dienstalters besser, und da muß ich denn doch gleich Premierleut⸗
nant werden.“ Das war damals der Ehrgeiz des„ 11
Grafen, Fürsten, Reichskanzlers und Generalobersten der vallerie!
Ein neues Heilmittel gegen Tuberkulose.
In dem Kampfe gegen die Tuberkulose hat Dr. R. Nöhri (Neu⸗Coswig Sa.) beachtenswerte Erfolge mit einem— 0
ihm entdeckten Mittel erzielt, über die er auf Grund dreijähriger f
Erfahrung die ersten Mitteilungen jetzt in der„Klinisch⸗Thera⸗ peutischen Wochenschrift“ veröffentlicht. Sein neues, von ihm als B. 4 bezeichnetes Heilmittel ist ein Stoff, der aus dem Lebersekret, der Galle, isoliert worden ist. In kleinsten Dosen unter die Haut eingespritzt, löst B. 4 bei jeder Tuberkulose örtliche Reaktionen aus, die am leichtesten an tuberkulösen Drüsen oder deren Fisteln zu beobachten sind. Sie äußern sich in lebhafter Rötung, vorüber⸗ gehender Vermehrung der Absonderung und nachfolgende Abhei⸗ 2 und Verschwinden der entzündlichen Rötung. Reaktionen auf B. 4 treten an jedem tuberkulösen Herde des Organismus auf. B. 4 selbst ist ein in verdünnter Salzsäure leicht löslicher, in Alkalien unlöslicher Stoff. Mit B. 4 hat Dr. Nöhring nicht nur Fälle von Lungentuberkulose im Anfangsstadium außerordentlich günstig beeinflußt, sondern er hat auch Fülle des ersten und des zweiten Stadiums der Lungentuberkulose sicher zur Abheilung gebracht(soweit man auf Grund dreijähriger Erfahrung das be⸗ haupten kann), und schließlich ist es ihm sogar gelungen, Lungen⸗ tuberkulose des dritten Stadiums günstig zu beeinflussen. Die irkung einer einzelnen Einspritzung mit B. 4 erstreckt sich auf mindestens 14 Tage, und so hat er seine Kranken alle 14 Tage mit B. 4 behandelt. Fieber, selbst bis zu 40 Grad, bildet keine Kontraindikation, und je frischer die Ausbreitung der Tuber⸗
kulose ist, desto schmeller erfolgt die Rückbildung. Das Ergebnis
der Behandlung der Lungentuberkulose ist das Verschwinden aller Symptome, des Fiebers, des Hustens und des Auswurfes. Das Allgemeinbefinden bessert sich schon in wenigen Tagen, die Nacht⸗ schweiße lassen sich bei entsprechender Darmbehandlung stets be⸗ seitigen. Die Bazillen degenerieren, die kleinen, neten Stäbchen werden dicker und plumper, färben sich körnig, zerfallen und verschwinden aus dem Sputum. Dr. Nöhring hat in ö
ist vorgesehen,
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eichen Nennbetrage ausreichen lassen.
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