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1— Erböhung des Bierpreises Stellung nahm. Der rsitzende des Gießener Gastwirte⸗Vereins, Herr Jas⸗ komsky, erstattete das einleitende Referat. Er stellle fest, daß die Brauereien die Erhöhung des Bierpreises vorgenom“ men, ohne sich mit den Wirten vorher in Verbindung zu
1, ging dann auf frühere Bierpreiserhöhungen und die
damit für die Wirte verbundenen Schwierigkeiten ein, be⸗ handelte ferner die Frage, ob für die Brauereien gerade jetzt eine zwingende Notwendigkeit zur Bierpreiserhöhung vor⸗ gelegen habe und berichtete schließlich über die mit den Braue⸗ reibesitzern stattgehabten Verhandlungen, wegen Aufhebung des Bieraufschlags, die trotz aller eindringlichen Vorstellun⸗ gen der Wirte ein negatives Resultat gezeitigt hätten. Die Ver⸗ sammlung müsse Mittel und Wege finden, wie man sich am besten mit der von den Brauereien angeordneten Erhöhung des Bierpreises abfinden könne.— In der Erörterung er⸗ klärten sämtliche Redner, daß sich die Wirte gegen die Er⸗ höhung des Bierpreises mit aller Entschiedenheit wehren müßten, weil die von den Brauereien angeführten Gründe nicht stichhaltig seien. Dazu komme, daß das Wirtsgewerbe unter den Wirkungen des Krieges wie kein anderes zu leiden babe, den Aufschlag also selbst nicht tragen, diesen aber auch nicht auf die Schultern des ohnehin schwer belasteten Publi- kums abwälzen könne Die Versammlung nahm hierauf ein⸗ st im mig folgende Entschließung an:
Die heute am 3. März im Restaurant„Hindenburg“ in Gießen stattgefundene, außerordentlich stark besuchte Wirte⸗Ver⸗ sammlung lann sich nach dem Referat des Vorsitzenden des Wirtevereins nicht davon überzeugen, daß der von den Brauereien eingeführte Bieraufschlag berechtigt ist. Die Versammlung steht auf dem Standpunkt, daß der Aufschlag von den Wirten, die unter den Wirkungen des Krieges außerordentlich zu leiden haben, nicht getragen werden kann, daß es aber auch in einer Zeit all⸗ gemeiner Teuerung unmöglich ist, die Erhöhung auf das konsu mie e Publikum abzuwälzen. Eine Bierpreiserhöhung würde
eichbedeutend mit der Vernichtung zahlreicher Existenzen im
gewerbe sein. Die Wirte lehnen deshalb die Bier hreiserhöhung ab und verpflichten sich, fernerhin Bier nur zu den alten Preisen von den Brauereien zunehmen. Die Versammlung erwartet, daß die Wirte in diesem
Kampf um ihre Existenz von dem Publitum in weitgehendstem
Maße unterstützt werden.
c Kreis Friedberg.
Friedberg, 4. März. Durch eine Verbrecher— jagd wurde heute in den Morgenstunden die Stadt in Aufregung versetzt. Der 1880 in Dresden geborene Schweizer Müller, ein schwer vorbestrafter Mensch, der sein halbes Leben im Zuchthause zugebracht hat, hatte vor drei Wochen seine Frau und einen derselben zu Hilfe kommenden Ar- beiter mit Totschlag bedroht und war wegen dieses Verbrechens am Dienstag zu einem Jahr und zehn Mo⸗ naten Gefängnis verurteilt worden. Er sollte heute vor⸗ mittag nach Düsseldorf gebracht werden, wo er sich wegen anderer Straftaten zu verantworten hatte. Als man ihn heute früh abholen wollte, war er entwichen und hatte sich in die Wohnung seiner Frau begeben, die sogleich vor ihm die Flucht ergriff. Als die Gendarmerie kam und den Flüchtling festnehmen wollte, floh derselbe auf das Dach des Hauses und von da von Dach zu Dach weiter, bis in der Üsagasse seine Flucht ein Ende fand, weil dort die Häuserreihen aufhören. Als die Verfolger nicht locker ließen, riß der Verbrecher Steine von den Kaminen und eröffnete damit ein Bombardement auf die Gendarmen und die Passanten. Die Beamten schossen auf den Flüchtling, ohne ihn jedoch zu treffen. Inzwischen hatte man die Feuerwehr alarmiert, und die Töne des Feuerwehrhorns in Verbin⸗ dung mit dem Schießen verursachten keine geringe Aufre⸗ gung. Als der Verbrecher sah, daß es keinen Ausweg mehr gab, rief er mit weitschallender Stimme: lebend bekommt Ihr mich nicht, und stürzte sich vom Dache des dreistöcki⸗ gen Hauses in die Tiefe, wo er zerschmettert lie
ab⸗
en blieb. Die Leiche wurde in die Leichenhalle spitals gebracht. Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt, 3. März. Das bekannte große Waren- haus der Firma M. Schneider am Marktplatz, Ecke Lud⸗ wigs⸗ und Kirchstraße, wird am 1. Mai d. J. geschlossen werden. Das erst vor wenig Jahren neuerrichtete fünfstöckige Gebäude ist an die Firma S. Wronker& Co. Nachf., Frankfurt a. M. übertragen worden.
n. Offenbach, 2. März. Vor einer zahlreichen Zuhérer⸗ schaft hielt heute abend Prof. Dr. Eck von Gießen in der Goetheturnhalle einen hochmieressanten Vortrag über: Der Schotte Carlyle, Deutschland und England. Der Reinertrag des Abends ist für bedürstige Konfirmanden von Kriegsteilnehmern bestimmt.
Gerichtssaal.
Berlin, 3. März.(Priv.⸗Tel.) Wegen Beleidigung der preußischen Armee wurde der Pfarrer Paul Czep⸗ lewski aus Schöneich(Kreis Kulm, Westpreußen) von der fünften Strafkammer des Landgerichts zu sechs Monaten Gefän g⸗ nis verurteilt. Ter Angeklagte hatte am 22. Oktober in der Garderobe eines Berliner Weinrestaurants geäußert, die Kosaten seien die humansten Menschen, die preußischen Soldaten seien Mord⸗ brenner und Plünderer. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Ge⸗ fängnis beantragt.
des
Vermischtes.
Hindenburg als Jäger. Wenig bekannt ist, daß Generalfeldmarschall Hindenburg, der geniale Bezwinger der Rus⸗ sen, auch ein großer Jäger ist. Die Jagdzeitschrift„St. Huber⸗ tus“ teilt mit, daß er vor dem Kriege fast alljährlich längere Zeit in den salzburgischen Gebirgen als Jagdgast des Grafen Hachstedt, dessen Jagdschlösser sich im Tännergebirge befinden, zur Gamsbirsch weilte und sich als guter Schütze auszeichnete. Ein Jäger, der sich gegenwärtig im Prager Spitale befindet, hat den Generalfeldmarschall oft auf seinen Pirschgängen begleitet und er zählt davon Folgendes:„Ich habe bereits viele Bilder des Gene⸗ ralfeldmarschalls gesehen, aber sie unterscheiden sich vielfach von dem wirklichen Aussehen dieses großen Mannes. Es mag sein, daß die Uniform sein Aeußeres verändert hat, aber in der Jäger tracht konnte ich immer nur den Eindruck eines echten Waid⸗ mannes gewinnen. Nichts Finsteres im Blick, eher etwas Her⸗ teres und Gemütliches, wie überhaupt das ganze Wesen dieses Mannes auf jeden, der Gelegenheit hatte, ihn näher kennen zu lernen, einen, ich möchte sagen, beruhigenden Eindruck machte. Nie habe ich während meines langjährigen Dienstes Gelegenheit gehabt, einen ausdauernden Jäger zu begleiten, als General Hin- denburg. Kein Steig war ihm zu schwierig, kein Weg zu weit. Bevor nicht der gute Stand erreicht war, gabs auch kein Nach⸗ geben, und der Erfolg war stets sicher.“
Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. sichten in Hessen am Freitag, den 5. März 1915: Wolkig, doch meist trocken, wechselnde Winde.
Letzte Nachrichten.
Ein deutsches„U“⸗-Boot vor Calais.
i. Köln, 4. März. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der französischen Grenze: Das„Echo de Paris“ meldet aus Calais: Am vergangenen Samstag wurde hier in der Entfernung von fünf Meilen von der Küste ein deut⸗ sches Unterseeboot bemerkt. Sofort wurden die Küstenwachen alarmiert und die Batterien eröffneten das Feuer. Bevor sie sich aber eingeschossen hatten, ver⸗ schwand das Unterseeboot hinter einem auf der Reede liegenden Lazarettschiff.
Die deutsch⸗narwrgischen Handelsbeziehungen.
i. Köln, 4. März.„Sjoefarts Tidende“ schreiben:
Von irgend einem Durchgangs verkehr von Norwegen nach
Deutschland faun seit dem Kri 5 kaum noch die Rede sein, teils infolge der exlassenen Ausfuhr verbute, teils durch die englischen Maßnahmen. Was Norwegen an Deutschland aus⸗ führen kann, kann den Krieg kaum um einen Tag verlängern. Die neuen englischen Absichten treffen Norwegen also kaum.
Die Kämpfe in den Karpathen.
Wien, 14 März. In den Karpathen wird gegenwärtig trotz der großen Kälte und der hohen Schneelage erbittert ge⸗ kämpft. Es finden dort derzeitig interessante Versuche mit einer neuen Art der Proviantzufuhr statt. Der Südvol⸗ forscher Dr. König, der seinerzeit die Expedition Filchner mit⸗ gemacht hat, und der bekanntlich mit dessen Schiff„Deutschland“ eine neue Südpolreise plante, die jedoch infolge des Krieges nicht zustande kam, hat der Militärverwaltung 90 grönländische Hunde zur Verfügung gestellt, die an kleinen Schlitten zum Ziehen des Proviants verwendet werden. Diese Versuche sind ge⸗ lungen, die Einrichtung hat sich bestens bewährt.
Die Lage auf dem österreichischen Süd⸗Kriegsschauplatz.
Wien, 4. März. Oesterreichische Flieger kreisen, wie aus Ofenpest berichtet wird, fast täglich über dem nörd⸗ lichen Teile von Serbien und liefern dem Heere wert⸗ volles Nachrichtenmaterial. Vor einigen Tagen beschossen österreichische Flieger Belgrad und warfen Papierzettel ab, die von dem glänzenden Siege Hindenburgs berichteten. Sonst herrscht an der Save Ruhe.
Die Beschießung der Dardanellen— eine verfehlte Kundgebung.
Sofia, 4. März. Von dem großen Eindruck, den der Dreiverband von der Beschießung der Dardanellen auf die bisher neutralen Baltanstaaten erhoffte, ist bis jetzt wenig zu bemerken. Die höheren bulgarischen militärischen Kreise sind jedoch davon überzeugt, daß die
Bezwingung der Dardanellen ohne die gleichzeitige Lan⸗ dung einer starken Landarmee unmöglich ist. Eine solche
Landung wird aber mit Rücksicht auf die bereitgehaltenen bedeutenden türkischen Kräfte schwerlich agt werden. Es
liegt vielmehr die Annahme nahe, daß die Beschießung der äußersten Dardanellenforts nur eine auf äußere Wir⸗
kung abzielende Demonstration ist, die ihren Zweck verfehlt haben dürfte. Der Streik in England.
i. Köln, 4. März. Dem„Nieuwe Rotterdamsche Courant“
wird aus London gemeldet: Obschon die„Times“ gestern aus Glasgow meldete, daß die Ausständigen heute oder morgen an die Arbeit zurückkehren würden, ist die Lage dennoch wenig befriedigend. Die Arbeiter nehmen die Arbeit nur unter der Bedingung wieder auf, daß keine Ueberstunden von ihnen verlangt werden. Wenn man ihnen nicht den geforderten Aufschlag bewilligt, werden sie zwar nicht erneut in den Ausstand gehen, aber sich so einrichten, daß möglichst wenig geleistet wird.
Die royalistische Bewegung in Portugal.
Genf, 4. März. Ueber Madrid melden französische Blätter, daß die royalistische Bewegung in Portu⸗ gal täglich zunehme. Zwischen der Bevölkerung und den Truppen komme es häufig zu Zusammenstößen. In einem Theater in Lissabon wurden republikanische Lieder ausgepfiffen. Man mache sich auf ernste Ereig- nisse gefaßt. Die Partei Alfonso Castos bestehe darauf, daß das Parlament am 4. März zusammentreten werde, was die Regierung gegebenenfalls mit Gewalt zu verhin⸗ dern entschlossen ist.
Die Ziehung der 5. Geldlotterie zum Besten des Thüringer Museums in Eisenach, die des Krieges wegen verlegt werden mußte, ist nunmehr auf den 1 3. und 1 5. März d. J. sestgesetzt worden. Dieser Termin wird unwiderruflich eingehalten wer⸗ den und da nur noch eine beschränkte Anzahl von Losen dieser beliebten Lotterie vorhanden sind, die bald vergriffen sein werden, dürfte es empfehlenswert erscheinen, sich seine Lose à 1 Mk. bal⸗ digst in den bekannten Verkaufsstellen, oder bei der Lotterie⸗ bank G. m. b. H. in Eise nach zn sichern. /½b]
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