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Erstes Blatt
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nr. 52
Der Sietzener
—.4 4 wöchentl. Kreis lati für den Kreis Sietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. wirtschastliche Se
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General⸗Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.
Mittwoch, 3. März 1015
GSezuger ret: monatl. 75 N., viertel
Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.
neuer Notenaustausch über den Seekrieg. Eine Rede des englischen Ministerpräfidenten. Der Angriff auf die Dardanellen.
(WTB) Großes Hauptquartier, 2. März, vor⸗
Atttugs.(Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz. 1
Erneute, wieder mit starken Kräften angesetzte Angriffe in der Champa* e brachen meist schon in unserem Feuer unter gewaltigen Verlusten für den Feind zusammen. Nah⸗ kümpfe an einzelnen Stellen waren durchweg für uns sieg⸗ reich Unfere Stellungen blieben in unserer Hand.
Im Argonnerwald eroberten wir mehrere Grüben, machten 80 Gefangene und erbeuteten 5 Minenwerfer.
Angriffe auf Vauquois wurden blutig abgewiesen.
Die in den Vogesen in den letzten Tagen von uns er⸗ rungenen Vorteile wurden trotz heftiger Gegenangriffe fest⸗
Gestrige Abendangriffe der Franzosen nordöstlich Cel⸗
les waren für den Feind besonders verlustreich. Oestlicher Kriegsschauplatz.
Russische Vorstöße südöstlich und südlich des Augusto⸗ wer Waldes waren erfolglos.
Russische Nachtang und östlich Plock wurden zur Obe
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riffe nordöstlich Lomza ückgeschlagen.
rste Heeresleitung.
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Man darf kaum erwarten, daß der diplomatische Noten- austausch über die Führung des Seekrieges irgend welche bemerkenswerten praktischen Folgen haben wird. Amerikas neueste Vorschläge sind heute, nebst der deutschen Antwort darauf, von deutschen Regierung veröffentlicht worden (siehe 2. Blatt!). Zunächst ist festzustellen, daß Präsident Wilson, der sich wahrscheinlich von der ungeheuren Schwie⸗
igkett voraussichtlichen Erfolglosigkeit seines Ein⸗ schreitens mehr und mehr überzeugt hat, in auffallend freundschaftli und zurückhaltendem Tone spricht. Das wäre kein besonderes Entgegenkommen gegenüber dem deut⸗ schen Standpunkt, da eine gleichlautende Note auch nach Lon⸗ don gerichtet worden ist, wenn nicht sachlich die amerikan. Vorschläge annähernd auf das hinausliefen, was Deutsch⸗ Land von Anfang an gewünscht hat. Präsident Wilson gibt in seiner Note im Grunde zu, daß England zu erst völker⸗ rechtswidrige Maßnahmen zur See getroffen und dadurch die ganzen peinlichen Folgerungen heraufbeschworen hat. Wir können die Entwicklung dieser diplomatischen Aus- sprache getrost als einen deutschen Erfolg buchen. Die Ant⸗ wortnote Deutschlands bezeichnet denn auch die amerikani— schen Anregungen als einen neuen Beweis für die von deut⸗ scher Seite voll erwiderten freundschaftlichen Gefühle der amerikanischen gegenüber der deutschen Regierung. Abge⸗ sehen von kleinen Einschränkungen in der Minenfrage könnte Deutschland ein solches, von Washington vorgeschlagenes Uebereinkommen ruhig schließen. Ob aber England sich dazu bequemen wird, ist sehr die Frage. Es würde damit zugeben, daß es allein an der für die Neutralen ärgerlichen Entwicklung der Dinge die Schuld trug. Würden Deutsch⸗ land und England wirklich einen Vertrag der angedeuteten Art abschließen, so dürften bestimmte Garantien nicht fehlen, denn in Kriegszeiten darf nicht mit bloßen Versprechungen gerechnet werden, und die britische Ehrlichkeit und Glaub⸗ würdigkeit genießt bei uns ein fortschreitend vermindertes Ansehen. England hat inzwischen großspurige Anstalten ge⸗ troffen, um„Repressalien“ Deutschland gegenüber durch⸗ zuführen, und es hat an die neutralen Staaten ein Akten⸗ stück gerichtet, das zwar keinerlei Reiz der Neuheit mehr trägt, sondern lediglich den Beweis liefert, daß England sich auf seinen rechtlich haltlosen Standpunkt unter allen Umständen versteifen und verbeißen will. Die neuen Maß⸗ regeln, die uns angedroht werden, sind offenbar gar nicht neu; die Engländer haben längst damit begonnen, skrupel⸗ los jeden Handel mit Deutschland zu beeinträchtigen. Nun hat zwar Herr Asquith im Unterhause dieser Tage wieder einmal starke Töne angeschlagen und dabei über die deutsche Blockade“ gespottet, die dem Inselreiche nicht viel Schaden zufügen könne. Es liegt darin ein gewisses Zu⸗ geständnis, daß Englands völkerrechtswidrige Uebergriffe in London als gerechtfertigt dargetan werden sollen.„Seht her, wir sind doch die Schlaueren gewesen!“ Es ist also für England nicht ganz bequem, die amerikanischen Bedingun⸗ gen zu erfüllen, und die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß man unter allerlei Vorwänden die neuen Vorschläge des Vermittlers in Washington ablehnen wird.
Vielleicht hat das neue Vorgehen an den Darda⸗ nellen dem kriegsuntundigen Herrn Asquith den Mut ge⸗ geben, über die Ziele des Weltkrieges noch immer den Mund so voll zu nehmen. Die Kriegslage im Westen und Osten ist 75 nicht derart, daß auch nur ein gelinderes Maß bri⸗ tischer Hoffnun, Sseligkeit berechtigt erscheinen könnte. Die zweifelhafte Millionenarmee Lord Kitcheners kann im gün⸗ stigsten Falle erst in Jahren auf der Bildfläche erscheinen. Aber was der englische Ministerpräsident über die Unter⸗ nehmung gegen die Dardanellen vorgebracht hat, ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Wir vertrauen frei⸗ lich darauf, daß der wackere türkische Kammerpräsident recht behält, wenn er in einer eindrucksvollen Rede betonte, es sei unwahrscheinlich, daß der Feind durch die Meerenge hin⸗ durchkommen könne. Halil Bey fügte indessen sinzu, daß der größte Teil der türkis Armee an der 1 5 Stelle zusammengezogen sei, un
vo erscheint in der Tat gerecht⸗
fertigt, was Asquith von den politischen und strategischen Gesichtspunkten der feindlichen Verbündeten angedeutet hat. Die Türkei kann ihre vollen Kräfte nicht gegen Aegypten und die Russen einsetzen. Ueber das in diesem Punkte nicht unwirksame Zusammengehen unserer Feinde brauchen wir uns freilich nicht zu wundern. Es war erstaunlich genug, daß man bisher von der großen, durch Frankreichs Seestreitkräfte verstärkten britischen Flotte so wenig gehört hatte. Aber auch die Türken haben ihre Vorbereitungen getroffen, und es er⸗ klärt sich, daß ihre Unternehmungen auf den andern Kriegs- schauplätzen nicht so flott vorangeschritten sind, wie es unter andern Verhältnissen zweifellos der Fall gewesen wäre.
1 a***.
Der Seekrieg.
Berlin, 3. März. Trotz aller Beschwichtigungsversuche in der englischen Presse erlahmt der Schiffsverkehr laut „Vossischer Zeitung“ immer mehr. Der Verkehr mit Holland und Dänemark ruht fast gänzlich. Zwischen Lowestoft und Crinsby begegneten nach derselben Quelle einem schwedischen Schiffe nicht weniger als fünf englische Dampfer, die die schwedische Flagge führten und die Erkennungsmarken ihrer Reedereien auf den Schornsteinen übermalt hatten. Einer der Dampfer war mindestens 6000 Tonnen groß.
Paris, 2. März.(WTB. Nichtamtlich.)„Petit Jour⸗ nal“ meldet: Bei Morlaix an der Nordküste des Departe⸗ ments Finisterre trieb ein Rettungsboot an, in welchem sich die Leichname zweier Neger befanden. Das Rettungs- boot gehörte nach der Aufschrift zu dem Dampfer„Li⸗ verpool“, welcher vermutlich von einem Unter⸗ seeboot versenkt worden ist. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet.
Lyon, 2. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Répu⸗ blicain“ meldet aus Dieppe: Die Marineverwaltung von Dieppe wurde Freitag nachmittag durch den Leuchtturmwäch⸗ ter von Ailly benachrichtigt, daß ein englischer Damp⸗ fer 15 Meilen vor Dieppe angeschossen wurde. Ein eng⸗ lischer Dampfer fuhr sofort zur Hilfeleistung aus, doch konnte er an der Unfallstelle nichts mehr von dem angeschossenen Dampfer entdecken, außer einem Brette, das erst kurze Zeit im Wasser gelegen hatte.
Berlin, 3. März. Das Amsterdamer Handelsblad erwidert auf die Frage, wer diese Art der Seekriegführung angefangen hat, laut„Berl. Lok.⸗Anz.“: Wenn England, wie es zu Beginn des Krieges tun zu wollen erklärte, sich an die Bestimmungen der Lon⸗ doner Deklaration gehalten hätte, dann würde sich die ganze Sache wohl anders gestaltet haben. Eine Abweichung von der festgestellten Regel zieht die andere nach sich. Die einseitige Abänderung, die England an der Londoner Deklaration vornahm, habe die deutschen Maßregeln zur Folge gehabt.
Das englische Großkampfschiff„Audacions“ nicht gesunken? Amsterdam, 2. März.(WTB. Nichtamtlich.) Ein hie⸗ siges Blatt berichtet nach dem„New York Herald“ vom 15. Februar, daß das englische Großkampfschiff„Aud a⸗ cious“ nächste Woche wieder mit der großen Flotte ver⸗ einigt werden solle. Hiernach hat das Schiff, am 15. Fe⸗ bruar völlig repariert, die Belfaster Werft Harland u. Wolf verlassen. Die„Audacious“ war dem„New Porker Herald“ zufolge nach der Havarie vom 27. Oktober gegenüber der irischen Küste nicht gesunken, wie es anfangs hieß. Nach— dem das Leck unter— Wasserlinie verstopft worden war, hielt sich das Schiff über Wasser und wurde einige Stunden nach der Abfahrt des White-Star⸗Dampfers„Olympic“, der auf das Notsignal herbeigekommen war, nach dem Trockendock geführt. Die britische Admiralität be absichtigt, auch weiterhin Schweigen über die Ha—⸗ varie des Schiffes zu beobachten, und wird die Wieder⸗ einstellung in den 1 nicht veröffentlichen. Die Oeffent⸗ lichkeit in England soll von der Vereinigung der„Auda⸗ cious“ mit der Flotte erst erfahren, wenn sie an einem Seegefecht teilgenommen hat oder aber nach dem Kriege. „New Pork Herald“ berichtet weiter, daß„Audacious“ durch die Explosion, die den Kiel verletzte, viel Wasser erhielt, so daß sie sehr tief in der See lag. Sie wurde in diesem Zu⸗ stande von an Bord der„Olympic“ befindlichen Passagieren photographiert und erscheint auf den Photographien als sinkend, aber es gelang, das Leck zu verstopfen und das Schiff 140 Meilen weit nach Belfast zu schleppen.(Besonders glaubwürdig klingt dies alles nicht. Die Red.) Frankreich und England an die neutralen Staaten. Amsterdam, 2. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die Morgenblätter veröfsentlichen folgende Mitteilung der fran⸗ zösischen Gesandtschaft im Haag: Die Regierungen Frank⸗ reichs und Großbritanniens teilen den Regierungen der neu⸗ tralen Staaten folgende Erklärung mit: Deutschland erklärte, daß der nal und die Nord- und
Westküste sowie die die britischen Inseln umgebenden Gewässer] Da
Kriegsgebiet seien. Es gab amtlich bekannt, daß alle feindlichen Schisfe, die in dieser Zone angetroffen würden, vernichtet werden sollen, und daß neutrale Schiffe sich dort in Gefahr befänden. Das bedeutet auf den ersten Blick, daß ohne Rücksicht auf die Sicherheit der Bemannungen und der Passagiere jedes Handels⸗ schiff, gleichviel unter welcher Flagge, torpediert werden soll. Da das deutsche Marine⸗Amt nicht die Macht hat, in deefen Ge⸗
wässern ein einziges an der Oberfläche fahrendes Schiff zu unter⸗ halten, können diese Angriffe nur durch Unterseeboote aus⸗ geführt werden. Das Völkerrecht und die internationalen Kriegs⸗ gebräuche sind bei Angriffen auf Handelsschiffe stets von der Voraussetzung ausgegangen, daß es die erste Pflicht derer, die ein Handelsschiff nehmen, sei, das Schiff vor ein Prisengericht zu bringen, wo der Fall beurteilt und die Rechtmäßigkeit der Be⸗ schlagnahme erwogen werden kann, durch dessen Spruch Neutrale ihre Ladung zurückerhalten können.
Die Versenkung des erbeuteten Schiffes ist an und für sich eine bestrittene Sache, zu der man nur unter außergewöhnlichen Umständen schreiten darf, und erst, nachdem Maßregeln getroffen sind, die ganze Mannschaft und die Passagiere in Sicherheit zu bringen. Die Verantwortung, zwischen einem feindlichen, und einem neutralen Schiffe und zwischen feindlicher und neutraler Ladung zu unterscheiden, liegt unstreitig bei dem angreifenden Schiff, dessen Pflicht es ist, die Natur und den Charakter des Schiffes und der Ladung festzustellen und die Schiffspapiere in Sicherheit zu bringen, bevor es das Schiff erbeutet oder versenkt. Ebenso ist es Pflicht jedes Kriegführenden, für die Sicherheit der Bemannung sowohl eines neutralen als eines feindlichen Schiffes zu sorgen. Alle früheren Beratungen über das Recht, das die Re⸗ geln für den Seekrieg aufstellen sollten, beruhten auf diesem Grundsatz. Das deutsche Unterseeboot aber ist nicht im⸗ stande, einer dieser Verpflichtungen nachzukommen. Es bringt die erbeuteten Schiffe nicht vor ein Prisengericht und führt keine Prisenbemannung mit sich, die es an Bord eines erbeuteten Schif⸗ fes gehen ließe. Es wendet kein ausreichendes Mittel an, um zwischen einem neutralen und einem feindlichen Schiffe einen Unterschied zu machen, und es nimmt die Mannschaft und die Passagiere eines zu versenkenden Schiffes nicht an Bord, um sie in Sicherheit zu bringen. N
Diese Methoden der Kriegführung fallen demnach völlig außer⸗
halb des Rahmens aller internationalen Vorschriften, die die
kriegerischen Maßnahmen gegen den Handel in Kriegszeiten re⸗ geln. Die deutsche Erklärung setzt die unterschiedslose Vernichtung anstelle der Regeln einer entsprechenden Aufbringung. Deutsch⸗ tand wendet diese Methode gegen friedliche Kaufleute und nicht⸗ kombattante Schiffsbesatzungen an, in der Absicht, zu verhindern, daß Waren aller Art, darunter Vorräte für die Ernährung der Zivilbevölkerung, nach den britischen Inseln und nach Nordfrank⸗ reich eingeführt oder ausgeführt werden. Deutschlands Gegner sind daher gezwungen, zu Vergeltungsmaßregeln ihre Zuflucht zu nehmen, um ihrerseits zu verhindern, daß Waren ir⸗ gendwelcher Art in Deutschland eingehen, oder daraus ausgehen. Indessen sollen diese Maßregeln von England und Frankreich ohne Gefahr für die Schiffe sowie das Leben von Neutralen und Nichtkombattanten in genauer Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der Menschlichkeit ausgeführt werden. Demgemäß halten sich die englische und die französische Regierung für berech⸗ tigt, Schiffe mit Waren, die mutmaßlich für den Feind bestimmt sind, oder ihm gehören, oder feindlichen Ursprungs sind anzuhalten und in ihre Häfen zu bringen. Diese Schiffe und Ladungen sollen nicht für konfisziert erklärt werden, wenn sie nicht auch sonst der Verurteilung als Krife unterliegen. Die Behandlung der Schiffe mit Ladungen, die vor diesem Datum ausgefahren, soll keine Aenderung erfahren.
Aus dem englischen Unterhause.
London, 2. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ bureau meldet, daß ein Sturm eine Verzögerung der Ope⸗ rationen vor den Dardanellen zur Folge gehabt habe.
London, 2. März.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unterhaus beantragte Asquith einen neuen Kriegskredit von 250 Mil⸗ lionen Pfund Sterling und führte hierbei aus: Die Kriegskosten aller Art sind auf zwei Millionen Pfund Sterling täglich ge⸗ stiegen, aber England und das britische Reich sind so fest wie je entschlossen, den Krieg zu einem siegreichen Ende zu führen. Asquith sagte weiter, daß die Unternehmung ge⸗ gen die Dardanellen sorgfältig vorbereitet sei und ein be⸗ stimmtes Ziel verfolge, in politischer, strategischer und wirtschaft⸗ licher Hinsicht. Die Unternehmung sei ein neues Beispiel für das enge Zusammenwirken der Verbündeten, die sich in die Gefahr und den Ruhm des Unternehmens teilten.
Asquith spottete über die angebliche deutsche Blockade Englands und sagte: Die Wahrheit ist, daß die deutsche Flotte die englischen Küsten nicht blockiert, nicht blockieren kann und niemals wird blockieren können. Deutschlands Handlungsweise ist eine Ver⸗ letzung aller bisher anerkannten internationalen Verpflichtungen und Uebereinkommen. Die Verbündeten haben daher beschlossen,
zu Repressivmaßregeln überzugehen, um zu ver⸗ hindern, daß Güter irgend welcher Art nach Deutsch⸗ land eingeführt oder von dort ausgeführt werden. Die eng⸗
lische und die französische Regierung behalten sich die Freiheit vor, Schiffe, von denen die Vermutung besteht, daß sie Güter mit feindlicher Bestimmung oder eines feindlichen Eigentümers oder feindlichen Ursprungs an Bord haben, anzuhalten und nach eng⸗ lischen oder französischen Häfen zu bringen. Die Verbündeten halten sich berechtigt, zu allen wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen ihre Zuflucht zu nehmen; aber ihre Absicht ist nicht, die Ladungen der angeführten Schiffe für konfisziert zu erklären, wenn nicht be⸗ sondere Umstände die Konfiskation rechtfertigen. Die neuen Maß⸗ regeln sollen nicht auf Schiffe angewendet werden, die vor diesem tum ausgefahren sind. Asquith fuhr fort: Wenn die Neu- tralen durch diese Maßregeln belästigt werden, so bedauern wir das, aber die Neutralen mögen bedenken, daß nicht wir diese Phase der Kriegführung herbeigeführt haben. Deutschland hat mit der Unterscekampagne, der Seeräuberei und Plünderung begonnen. Die Verbündeten können nicht ruhig zusehen, als ob sie noch den Schutz der Regeln der zivilisierten Kriegführung genössen. Asquith erwähnte dann die Friedensgerüchte und schloß unter lautem Bei⸗
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