Die„Sletzener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den kreis Siehen“ zweimal wöchentlich. Die„Land wirtschaftlichen zeit ragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Uriegsbriefe aus dem Osten.
Bon unserem zum Oftheere entsandten Kriegsberichterstatter Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, ver boten.) Bon Endtkuhnen nach Wilkowischki.
2 5 Wilkowischki, 19. Febr. 1915. E ist— festzustellen, was von Eydtkuhnen bei der letzten schen Besetzung neuverbrannt ist. Das Grenzdorf war halb zer⸗ en und schwer verwüstet, als ich es das letztemal im Oktober sah, jest stehen noch ein paar Häuser und es ist ganz verwüstet. Heberall man die Spuren der sinnlosen Zerstörungswut der Russen. überall die Abdrücke ihres Wirkens. Zerschlagene Schränke, urchlöͤcherte Bilder, aufgeschnittene Matrazen, Klaviere, von denen die Saiten mit Zangen herausgerissen wurden; daneben liegt Un⸗ rot, schmutziges. stinkende Wäsche, alte Untformstücke, ein Stüc werschimmeltes Brot, leere Konservenbüchsen und— russisches Parfüm. ist geradezu belustigend, die russische Eau de Cologne Aberull in den russischen Offtziersguartieren zu finden, es ist be⸗ zeichnend: man beseitigt nicht den Grund des Gestankes, die un⸗
liche Unsauberkeit. sondern man benutzt wohlriechendes Wasser, man 4— 5 weniger als das unverfälschte Brunnenwasser zu fürchten scheint.
Als der Wagen durch den Schlamm der aufgetauten Straße über die Brücke nach Kibarty fuhr, just an dem russischen Grenz⸗ vorbei— das hinfällige Schilderhaus ist diesmal endgültig schwunden—, sprengte ein Offizier an unseren Wagen heran.
„Na, Sie kennen mich wohl nicht mehr? Ich hab's Ihnen damals gleich gesagt:„„Kommste über'n Hund, kommste über'n Schwanz!“
Jetzt erft erkannte ich Oberstleutnant F., den ich bei den Schützengräben seines Regiments vor Gumbinnen besucht hatte. Der Regimentskommandeur war kaum wiederzuerkennen, auch da⸗
mals war er von handfestem Humor, aber das Land, auf dem sein Regiment in den feuchten und kalten Schützengräben lag, war heimatliche Erde. Jede Granate, die die schwere Artillerie über die Köpfe der langgedehnten Reihen den Russen zuschickte, zerstörte deutsches Gut deutsche Hüuser. Jetzt tanzte das Pferd des Kommandeurs, daß der Dreck uns nur so um die Köpfe flog, und der Oberstleutnant machte keine Miene, es zu beruhigen.„Auch das Tierchen hat sein Pläsierchen,“ sagte er.„Famos, was? Fein, was? Großartig, wie? Meine Kerls haben vor Vergnügen ge⸗ 5— und gesungen, als der Tanz losging. Ein Regiment samt berst und so haben wir gekapert!“ g
In den Kolonnen entstand eine Lücke. Der Oberstleutnant mußte weiter.„Na, also, kommste über'n Hund, kommste über'n Schwanz!“ Er drückte die Hand, als ob er ein Hufeisen zer⸗ brechen wollte und trabte weiter. N
Wir fuhren seitwärts und li schieren. Es waren viele ältere
Petersbu e
zeigt urir 5 eines Zuges. eiwilliger Hilfszug. Eine französische Gesellschaft hat einen Teil der Aus⸗ rüstung gestiftet und eine Anzahl französischer freiwilliger Pflege⸗ rinnen und Aerzte betätigt sich in dem Lazarettzug. Die fran⸗ zösis Damen bewegen sich mit möglichst abweisenden und kühlen Gesichtern auf dem Bahnsteig und in den Bahnhofsräumen, in denen sie sich ohne Beschränkung umtun können, einige der Damen kommen eben bon einem Spaziergang nach Kibarty zurück. Die Russinnen— meist Angehörige der Petersburger Gesellschaft— sind viel liebenswürdiger, sie zeigen den deutschen Verwundeten 5 3 5 und plaudern umher, wie Kinder, die etwas
es erleben.
„Der Zug ist innen— soweit ich ihn sah— ausgezeichnet ein⸗ 5 Es ist sogar ein gewisser Aufwand bei der sehr feinen
ttwäsche der Offiziersabteilungen, den Apparaten und dem Ge⸗ schirr bei dem 3 zu beobachten. In einer Koje lag ein verwundeter russischer Offizier mit mattem, sehr gepflegtem
Kriegswinter im Harz. Von Kurt Küchler. — Stöberhai, Mitte Februar. von— S 5 zu! tel eingehüllt
schlafendes Licht; mittag
ben, Schnee— solche Farbenwirbel sah Segantini im Schnee bei Sils Maria— und
ind wenn man des Tags oder zur Nacht durch diese in weißen Träumen schlafende Natur geht, dann schrickt man oft zusammen und horcht ins Weite. Die bedrückte Seele hört, fern⸗ her aus dem Osten und fernher aus dem Westen, den Donner der Kanonen; purpurner Dampf scheint hinter den Höhen zu rauchen Krieg ist in der Welt auch um wald, durch den wir schreiten, auch um den Frieden der Men⸗ schen, die e Hängen leben, bluten in der Ferne un⸗
eren
sere 2 a.
Ich lebe hier, auf dem wundervollen Ber des Stöberhai, in einem Berggasthaus, in dessen Räumen die köstliche Glut der Desen prasselt. Es kommen nicht viel Menschen aus dem Tal zu uns herauf, und nur selten bringt ein ferner Eisenbahnpfiff et⸗ was vom Lärm der Welt Ueber alle stillen und einsamen Höhen des Harzes fliegt der Blick, man atmet Freiheit, Weite, Ein⸗ samkeit, Frieden. und doch, bebt in allen Sinnen und Ner⸗ ven der Gedanke an den Krieg. Ich las im Fremdenbuch dieses Gasthauses, mit starken männlichen Schriftzügen geschrieben, ein A h d. 55—.— 2 kein 2 5 3 ernsten, 1 Zeit sich der strahlenden Schönheit unseres es zu erfreuen und sie zu genießen dankbaren Herzens.“ Ach, ich fürchte, dieser
i hat sich die Entschuldigung für seine Winterfreuden etwas leicht gemacht Geringste
Freude ist das„ was wir beim An⸗
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Winter⸗
165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Donnerstag, 25. Februar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ⸗
stratze 7. Geschastsstelle u. Verlag: S ol, Schrift ⸗
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
Gesicht. Drei Schwestern saßen bei ihm und plauderten leise, ein Glas Tee stand auf dem Klapptischchen.„Ist der Krieg bald aus?“ fragte mich plötzlich eine der Damen auf deutsch.„Das hängt von vielen Dingen ab, Schwester, ich weiß es nicht.“ „ Nitschewo,“ sagte der Offizier und legte die Hände flach auf die Bettdecke. Ich trat nach der andern, dem Bahnsteig abgewandten Sete aus Zug heraus. Wenn ich eben noch wieder das Gemeinsame, Menschliche, in allen Nöten Gleiche jedes Gefühl, jedes Verständnis für diesen Feind. Ein langer Güterzug, der bereit zur dem zweiten Gleis. Jeder dieser Wagen war mit aus o stpreußischen tädten und Dörfern gestohle⸗ nem Gut beladen. Es gab kaum einen Gegenstand, vom Kla⸗ vier bis um Photographiea um, von der Dreschmaschine bis zum Damens uh, den die Russen nicht für stehlenswert gehalten hätten. Die Klaviere waren säuberlich verpackt, die Porzellangeschirre sorg⸗ fältig in Kisten mit Heu gesteckt, dazwischen war bei der letzten hastigen 1 ur Abfahrt wahllos alles Mögliche hinein⸗ geworfen worden: tzige Wäsche, russische Konserven, Ver⸗ bandzeug, Gerümpel. Was man immer später zur Entschuldigung sagen wird und will, dieser staatlichorganisterte Die b⸗ stahl der russischen Militärbehörden ist nicht fort⸗ zudis putieren, Dazu hatte ich in den zerstörten Dörfern und Städten reichlich Gelegenheit, die Vorbereitung dieses Plünderungs⸗ systems festzustellen. In Goldap fand ich in einer Wohnung des Hausbesitzers Brehmer diese sorgfältig verpackten Kisten mit Ge⸗ schirr— ein gutes Kaffeeservice— die fertig zum Weitertransport standen. In Pillkallen stond ein Klavier in fertigem Bretterver⸗ schlag, als unsere Truppen einrückten; es hatte nicht mehr fort⸗ n werden können. Die Beispiele ließen sich beliebig ver⸗ mehren. Das planmäßige Abbrennen der Häuser— ohne jeden mili⸗ tärischen Zweck— ist ein Kapitel für sich. In Goldap konnte ich den Beweis dafür untrüglich mit eigenen Augen sehen. Man muß das unsagbar erschütternde Bild dieser abgebrannten und aus⸗ geraubten Städte gesehen haben, dann in Rußland, in Willko⸗ wischki, in Suwalki die völlige Unberührtheit der Gebäude fest⸗ gestellt haben, gemerkt haben, wie die Bevölkerung von Suwalkt etwa dabei unhöflich und frech den deutschen Siegern gegenüber⸗ tritt(nach vier Tagen waren noch fast alle Läden geschlossen, selbst in Insterburg mußten seinerzeit alle Geschäfte innerhalb 24 Stunden geöffnet sein. Man muß die Not, Jen Zorn und die Bi terkeit die er Tage erlebt haben, um die Lei en Ostpreuß ens abschätzen zu können und um die Dankbartelt recht zu fühlen, die wir dieser Armee und ihren Führern schulden. Die warmen, so gütigen braunen Augen von Exzellenz Eichhorn wurden fest und stahlhart, als er mich fragte:„Haben Sie Goldap gesehen, und haben Sie die russischen Nester gesehen?“ Es lag etwas in dieser Frage, was keine Antwort brauchte. Ueber Kibarty kreisten ungeheure Schwärme von Krähen, es war, als ob die Wolken anfingen zu lärmen, so laut war das Krächzen des grauschwarzen Geflieges. Die Wolken senkten sich: rechts und links der Straße lagen Pferdekadaver, die gierig an⸗ gefressen wurden. Ganze russische Batterien müssen hier zusammen⸗ geschossen worden sein, die Kanonen standen ein wenig aus dem Kolonnenweg geschoben, die Pferde lagen in den Sielen, wie die deutsche Schrapnelldusche sie gefaßt hatte. Ein Gespann war in dem Augenblick tödlich getroffen, als es wohl wieder hoch springen wollte, es sah aus, als ob die Pferde jeden Augenblick die er⸗ 5 fscden Norge iagen st den Weg e grauen russi rren lagen fa ganzen ent⸗ inander mit Granatkörben, Gewehren,
lang, in wirrem mit Feldkesseln, Zeltbahnen. In Wirballen war eine Art Schlittenausstellung auf dent Marktplatz. Alle die vielen Bauernschlitten und guten„Ja⸗ milienschlitten“, die bei dem Tauwetter nicht mehr vorwärts⸗ gingen, hatte man hier zurückgelassen. Es gab jede Art von Fahr⸗ zeugen auf Kufen bis zu der schönsten russischen Troika. Wir wanden uns in unserm Klapperwagen aus dem Wirrsal aufgefahrenen Kolonnen und gewannen die Heeresstraße. Die Krähen flogen den Weg bis Wilkowischki, einen Rück⸗ zugsweg der 10. russischen Armee. 5 Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
dschawid nei in Berlin.
Dschawid Bei, der ehemalige türkische Finanzminister und unermüdliche Unterhändler der Pforte, trifft in diesen
n endlos Abfahrt gewesen war, stand auf
der
blick dieser schönen deutschen Landschaft empfinden. Unser Blut stürmt nicht vom Jauchzen über die Winterwunder der Berg⸗ welt, unser Blut jagt den Brüdern im Feld entgegen, kämpft mit ihnen, leidet mit ihnen, siegt mit ihnen. Unser Blut treibt uns den Grimm in die Stirn, denn wir sehen in dieser weißen Win⸗ terwelt, in der deutschen Schönheit dieser Landschaft, wie in einem Symbol das ganze, furchtbar bedrohte Vaterland wir müssen die Freude aufschieben, bis alles deutsche Land wieder aufatmet in heroisch erkämpfter Freiheit, wir dürfen noch nicht wieder lachen, wir müssen im Zorn die Zähne aufeinanderbeißen und mit heißem Herzen all unsere Liebe den Männern hin⸗ schicken, die einen Wall von Eisen um dieses deutsche Land auf⸗ gerichtet haben. 1 Es ist keine Stelle deutschen Landes, es ist keine Menschen⸗ seele unter uns, die nicht ernst und schwer widerhallt vom Ge⸗ danken an den Krieg. In allen Winkeln Deutschlands sitzt im roten Mantel der Krieg und schaut uns aus großen, drohenden Augen au. Unten im Tal dampfen die Schornsteine der Eisen⸗ hütten: da werden Oefen geschmiedet für die kalten Schützengräben, da werden unermeßliche Mengen von Granatenhüllen geformt. Ich sah einen Eisenbahnzug angefüllt mit erobertem französischen Kriegsmaterial, mit Protzkästen und Munitionswagen über die Schienenstränge der Harzquerbahn rollen. Hochgetürmte Wagen⸗ ladungen mit Holzschuhen für die Kriegsgefangenen sah ich aus den Fabriktoren fahren. Dem Postboten, der täglich aus dem Tal zu uns heraufstampft, hat man an der Sambre die rechte Hand rschossen. Er war vor dem Krieg Holzschläger, dem das Leben till und arbeitsam hinglitt. Nun weiß er zu erzühlen vom bun⸗ ten Kriegsleben, von heißen Abenteuern, von schrecklichen Erleb⸗ nissen vor Lüttich, vor Namur In den Dörfern zwischen den. verschneiten Hängen geht wie überall die Sorge umher und fragt nach den Männern und Söhnen im Feld, und in so vielen Häu⸗ sern sitzt die Trauer am Herd. In Schierke, Braunlage, Harzburg, Bad Sachsa, wo sonst das Jauchzen der Rodler zum blauen Win⸗ terhimmel aufstieg, sind aus den großen Hotels Genesungsheime für unsere verwundeten Krieger geworden. Es ist wie überall in Deutsch land: auch über den verschneiten Tälern und Bergen des Harzes rauschen schwere, dunkle Flügel. Aber es ist wundervoll zu erleben, wie auch hier die Menschen, nachdenklicher, beson⸗ nener und mehr ihren Gedanken ausgeliefert als die Menschen in der Stadt, in einer sast heiteren Klarheit leben, in einem Zu⸗ stand leidvoller Zuversicht, ganz hingegeben an den Ernst und die Bitterkeit und die Freude dieser Zeit. 5 2 Am Tage des neuen großen Sieges in Ostpreußen waren 50, 60 Kinder aus der Schule von Wieda mit ihrem Lehrer hier oben auf dem Stöberhai, Jungens und Mädels von 10, 11 Jahren, braun und blond, mit blanken Augen und frischen Backen, Kinder von Arbeitern aus der Eisenhütte, von Holsschlägern, Köhlern,
gefunden hatte, hier verschwand
Tagen, wie gemeldet, in Berlin ein. Seine Aufgabe ist die Fortführung der Verhandlungen mit der Deutschen Bank und mit der deutschen Regierung über die Bagdadbahn, über die 4 prozentige Zollerhöhung und über eine ganze Reihe deutsch⸗türkischer Finanzfragen. Der Ausbruch des Welt⸗ krieges hat im vorigen Jahre jene Verhandlungen jäh unterbrochen Heute ist der Gegenstand wieder reif zur Wei⸗ terführung. Allerdings auf einer veränderten Grundlage. Die Türkei, die noch im vorigen Jahre finanziell stark nach Paris und London gravitiert hatte, ist jetzt unser Kriegsbruder ge⸗ worden und muß sich naturgemäß nicht nur militärisch, son⸗ dern auch wirtschaftlich an die Politik des kämpfenden Zwei⸗ bundes anlehnen. Es wird ihr sicherlich nicht schwer fallen und gerade der kluge Fachmann Dschawid weiß hier gut Be⸗ scheid. Er war es ja, der die letzte große Türkenanleihe, an der die deutsche und die österreichisch-ungarische Finanzwelt beteiligt war, abschloß. Es war die 4prozentige Zollanleihe von 1911. Sie umfaßte rund 200 Millionen Mark. Dazwischen liegt die nun ins Wasser gefallene fran⸗ zösische Anleihe von 800 Millionen Frank, die im April 1914 in Paris abgeschlossen wurde. Sie wäre für die Franzosen ein„festes Geschäft“ gewesen; schienen ihnen doch die lange vergeblich erstrebten Eisenbahnkonzessionen in Syrien sicher. Ueberall sollte fremdes Kapital ausgeschaltet werden, damit das französische um so freieren sind zuschanden geworden. Wir wollen nicht schadenfroh sein. Aber es ist doch erfreulich, daß unsere Feinde hier auch außer⸗ ordentliche Verluste an Geld und finanziellem Einfluß zu buchen haben. Von den 800 Millionen hatte Frankreich bei Ausbruch des Krieges bereits 500 Millionen nach Konstan⸗ tinopel geschickt. Nun ist der Schuldner ihr Todfeind gewor⸗ den. Er wird sich alle Mühe geben, Syrien den Krallen des französischen Hahns zu entreißen und alle Türen zuzuschlie⸗ ßen, vor denen die Franzosen bereits gewinngierig warteten. Unterliegt der Dreiverband in diefem Weltkrieg, was wir vom Rhein bis zum Bosporus alle hoffen und erwarten, so geht auch die Türkei aus ihren Kämpfen als ein wirt⸗ schaftlich gewaltig gesteigerter Machtfaktor hervor und kann über alle Drangsalierungen seiner früheren Gläubiger lachend zur Tagesordnung übergehen. Sie baut die asiati⸗ schen Gebiete ihres Besitzes ungestört aus. Bedrohung der armenischen, kurdischen und an den russi⸗ schen Kaukasus angrenzenden Landesteile durch Rußland
hört auf; ja die Türkei wird wahrscheinlich, soweit man
es jetzt schon beurteilen kann, ihren ostanatolischen Besitz durch Wiedereroberung des früheren türkischen Kaukasus erweitern. Durch Anbahnung und Ausgestaltung eines festen Bündnisses mit Persien und vielleicht auch mit Afghanistan
kann die Türkei die Vormacht eines mächtigen mohammeda:
nischen Staatenbundes in Asien werden, dessen Existenz
n
brachten in ihren Kleidern den frischen Schneegeruch des Winters mit. Als sie vor ihrer Tasse Kaffee saßen, wollte ich ihnen eine Freude machen. Ich holte aus meinem Koffer ein paar Dutzend Postkarten mit Bildern unserer Heerführer, setzte mich zu der Ju⸗ gend an den langen Tisch und fragte. Fragte nach Krieg und Schlachten, nach Fürsten und Generälen und Feldherren. Und wie Blitze flogen die Antworten aus f henden Herzen. Ich zeigte ein Bild und fragte.
„Weddigen! U 9! Weddigen!“ rief es rasch und bunt und jauckzend durcheinander. Alle saßen sie tief im Herzen dieser Dorf⸗ kinder, die neuen Helden, da war kein Name, der nicht sogleich von den Lippen flog, wenn ich das Bild zeigte. Emmich, Bülow, Kapitän Müller, Kluck, Heeringen... alle wurden lebendig im Ruf der Kinder.
Dann fragte ich:„Weshalb führen wir mit Rußland Krieg?“
„Weil Rußland sich von England hat aufwiegeln lassen!“ rief ein blonder Junge. 2
„Und weshalb führen wir Krieg mit England?“
„Weil England unseren Handel kaput machen wollte!“ schrie ein zehnjähriges Bürschlein. 5
„Und weshalb ist Frankreich unser Feind?“
Und gleich flog die Antwort:
„Wegen 1870!“
So tief und auf die einfachste Formel gebracht sitzt die Wahr⸗ heit in den Kinderherzen und die Gewißheit, daß es so ist und nicht anders!.
Das Schönste aber war, als ich fragte:
„Und nun sagt mir mal, wen von allen Generälen, die in diesem Krieg unser Heer angeführt haben, müssen wir unser gan⸗ zes Leben lang an meisten lieben und verehren?“
Und ich hatte kaum ausgesprochen, da brauste es wie eine einzige Stimme aus 60 Kehlen, da schwoll und jauchzte wie eine sich mächtig bäumende Meereswelle der Name empor:
„Hindenburg!“
Es war wie triumphierender Gesang, wie ein Frühlings⸗ wetter, wie Sturm, der die Fichten des Harzes beugt, es war wie ein herrliches und strahlendes Aufbrechen der Herzen. Und ich sah im Geiste hinter diesen 60 Harzkindern die ganze Jugend
Deutschlands Heng aneinander gedrängt, eine unabsehbare Schar, und hörte, wie die vielen Millionen den teuren Namen dankbar hineinjauchzten in den deutschen Himmel l
Mir und den Hästen und unseren Wirten kamen die Tränen,
und der Lehrer, im ergrauenden Bart, auch ein
Jungens und Mädels, und er dachte gewiß, was wir alle in beben⸗
der Seele dachten: l „Nie, nie kann Deutschland untergehen!“
Platz hat. Jene Hoffnungen
Die ständige
Forstarbeitern. Sie zogen ihre Rodelschlitten hinter sich her und
frischen Mündern, aus glü⸗
Sohn dieser Harzberge, schaute mit still leuchtenden, gütigen Augen auf seine 1
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