Ausgabe 
(19.2.1915) 42. Erstes Blatt
Seite
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denen die erste Kunde vom Bernsteinlande im hohen

Norden zu uns kommt, zur Zeit der Herrschaft der Kreuzritter, die

mit Kreuz, Schwert und Kelle dem Lande unvergängliche Merk⸗

male aan Oper 9 dann weiter über das Mittelalter in die Ostpreuße

Zeit, wo n am meisten in deutschen Landen unter der Geißel des Krieges und der Hand des Korsen seufzte, bis wie ein Sturm in ihm die Befreiung von fremdem Joch geboren wurde. An einer sorgfältigen Auswahl hübscher Lichtbilder konnte man sich sodann ein Urteil über die landschaftlichen Schönheiten unserer östlichsten Provinz bilden. Verschwiegene Waldwinkel, ruhevolle, kristallklare Gewässex, meilenweite Forste und unübersehbare Heide⸗ und Sumpflandschaften wechseln mit den Stätten alter Ordens⸗ herrlichkeit, wo früher von Burgfried und Remter die Kreuzes⸗ fahne wehte, mit den stillen Strohhütten des Masuren und sau⸗ beren, friedlichen Dörfern und Landstädtchen. Voll unwidersteh⸗ lichen Reizes sind diese Landstriche in ihrer eigenartigen herben Schönheit für jeden, dem die Stimmen der Natur noch etwas zu sagen haben. So war es vor einem halben Jahre. Und jetzt? Die Russen sind gekommen und haben aus dem Paradies einen Dornengarten gemacht. Nicht zu militärischen Zwecken, sondern aus blinder, wahnsinniger Lust an Zerstörung And Vernichtung haben ihre Brandkolonnen in den Stätten des Friedens keinen Stein auf dem anderen gelassen, planmäßig alles zerschossen, verbrannt, niedergerissen und bis ins Kleinste ver wüstet; unschuldige Bewohner wurden aus den nichtigsten Ur⸗ sachen erschossen; über 350 Menschen wurden hingemordet. Der Gegensatz, der aus den Lichtbildern zwischen der ruhigen Schön- heit des Landes vor den Augusttagen 1914 und dem Grausen, das die Russen mit sich trugen, hervorleuchtete, hatte in seiner zwingenden Gegenwart etwas tief Erschütterndes, dem sich niemand der gespannt lauschenden Zuhörer entziehen konnte. Wie ein Auf⸗ atmen ging es durch die Reihen, als man weiter das furchtbare Strafgericht in den Sümpfen Masurens im Bilde sah, das Hin⸗ denburg den unmenschlichen Horden bei Tannenberg bereitet hat, und als des großen Feldherrn Bild auf der Leinwand erschien, grüßte spontaner Beifall den Befreier Ostpreußens. Der Redner schloß seine bis zum Ende mit voller Spannung aufgenommenen Worte mit einem Hoch auf den Kaiser, seine siegreichen Streitkräfte und Deutschlands herrliche Zukunft.

* Leutnant d. R. Gerhard Vossius f. Aus den Karpathen kommt, wie man uns schreibt, die Trauerkunde, daß Referendar und Leutnant d. R. Vossius, der Führer des Ma- schinengewehrzuges eines Infanterie-Regiments, den Helden⸗ tod gestorben ist. Aeußerlich und innerlich eine wahrhaft vor⸗ nehme, edle Erscheinung, so wird es allen denen, die ihn ge⸗ kannt haben, im Gedächtnis bleiben. Die Armee verliert in ihm einen der Tüchtigsten und Tapfersten: konnte an dieser Stelle doch noch vor wenigen Tagen berichtet werden, daß er für eine ganz besondere Heldentat das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten hat. Besonders lebhaft ist die Teilnahme der vielen Angehörigen des deutschen Heeres, denen die Kunst, die nie versiegende Geduld 5 8 des Vaters des Gefallenen Rettung ge wesen ist. a

* Die geschichtliche Entwicklung der Un⸗ terseeboote, unserer Hauptwaffe im Kampfe gegen England, wird am nächsten Donnerstag auf Veranlassung des Flottenvereins Prof. Dr. Schulze aus Lübeck in einem Vortrage in der Neuen Aula behandeln. Wir ver- weisen auf die betreffende Bekanntmachung in der vor liegenden Nummer.

* Ernste und heitere Dichtungen. Eine Stelle aus einem Feldpostbrief zu dem Abend des Herrn Willy W. Göttig wird uns mitgeteilt:Roiglise, 15. II. 15. Sehr . Herr Göttig! Von zu Hause erhalte ich denGieß. Anzeiger und lese darin von Ihrem Vortragsabend zum Besten der Sanitätshunde. Welch eine große Wohltat Sie da in die Wege leiten, kommt Ihnen vielleicht erst dann u Bewußtsein, wenn ich Ihnen mitteile, daß mein

und nach einem Gefecht allein acht Verwundete aufgefunden hat, die ohne das brave Tier sicherlich dem Tod in die Hände gefallen wären. Unbekannterweise ge⸗ statte ich mir, Ihnen einen vollen Erfolg für Ihre Be⸗ mühungen zu wünschen. Mit besten Grüßen Ihr F. R., Sanitäter. Um Irrtümern vorzubeugen, sei nochmals bemerkt, daß es sich bei dem Abend nur um eine Verlegung von Samstag, 20. Februar, auf Sonntag, den 21. Februar, abends 8 Uhr, handelt, daß also die Eintrittskarten, die das Datum des 20. Februar tragen, für den Sonntag, den 21. Februar, Gültigkeit haben.

* Unentgeltliche Rechtsberatung für Ge⸗ werbetreibende usw. Die große Bedeutung, welche die soziale Gesetzgebung, besonders aber die Kranken-, Invaliden⸗ und Hinter⸗ bliebenenversicherung auch für die Gewerbetreibenden und deren Angehörige hat, veranlaßte den hiesigen Gewerbeverein, seinen Mitgliedern und deren Angehörigen unentgeltliche Be⸗ ratung auf diesem Gebiete zu ermöglichen. Dabei soll nicht nur Aufklärung über etwaige Zweifelsfragen erfolgen, sondern auch auf die großen Vorteile der freiwilligen Versicherung der Hand⸗ werker hingewiesen werden. Auch in Steuerfragen und son⸗ fegen as Geschäftsleben berührende gesetzlichen stimmungen, sollen die Mitglieder beraten werden.(Siehe Inserat.)

* Stadttheater. In der Lokalnotiz vom 17. d. Mts. über die Aufführung des Kindermärchens am nächsten Sonntag nachmittag waren uns von der Theaterkanzlei versehentlich kleine Preise 21 worden. Es muß richtigVolkspreise heißen. Die Aufführung vonVersprechen hinter dem Herd am Sonntag abend wird in ihrem musikalischen Teil von Herrn Kapellmeister Weller dirigiert werden. 5

** Das Fest der Silbernen Hochzeit feiern morgen der Schmiedemeister Philipp Klotz und dessen Che 5

Kreis Alsfeld.

h. Alsfeld, 18. Febr. In der Wohnstube des Hofgutes Krauseberg explodierte gestern abend aus unbekannten Ur⸗ sachen die Petroleumlampe. Das umherfliegende Oel setzte im Augenblick die im Zimmer anwesenden Eheleute Hermann in Brand. Beide Leute liefen, einer Feuersäule gleichend, auf die Straße, wo ihnen zwar bald von rasch herbeieilenden Nachbarn die erste Hilfe zuteil ward. Doch waren die Brandwunden derart Mae daß Frau Hermann nach kurzer Zeit verstar b. Der

ann liegt in hoffnungslosem Zustande im hiesigen Krankenhause.

O Storndorf, 17. Febr. Von den zirka 80 bei Kriegs⸗ ausbruch ausgezogenen Kriegern sind bis jetzt vier mit dem Eiser⸗ nen Kreuze ausgezeichnet worden: Offizier⸗Stellvertreter Köh⸗ ler, Feldwebel Lang, Vizefeldwebel Günther und Reservist Walter. Wehrmann Rausch und Feldwebel Lang erhielten die Hessische Tapferkeitsmedaille. Sieben Söhne un⸗ seres Ortes sind nach treuer Pflichterfüllung den Heldentod

ben. 85 Ebrin shausen(Dill), 18. Febr. Infolge der hohen Preise für einheimische Lohrinde lassen jetzt auch viele Privat-

leute in ihren Waldparzellen Lohrinde schälen, was schon seit einer Reihe von Jahren nicht mehr der Fall war. Der Zentner Lohe wird hier auf der Dill mit 6,50 7,50 Mark bezahlt gegen 2,803,20 Mark im Vorjahre.

Kreis Schotten.

Ulrichstein, 18. Febr. Um die Mitte des vergangenen Monats fiel als erster von hier im Kampf fürs Vaterland in Rußland der Unteroffizier der Reserve Karl Scharmann im Reserve-Artillexie-Regiment Nr. 25. Er war unverheiratet und stand im 26. Lebensjahre. Aus den in der Reichswoll⸗ N gesammelten Wollsachen wurden insgesamt 200 Decken

ergestellt. 5 3 18. Fehr. Lehrer Jean Diehl, der schon seit Begiun des Krieges im 2. Garde- Res.-Fußartillerie-Regt. als Feldwebel bei der Ostarmee steht, ist mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet worden. 3 Kreis Friedberg. b. Friedberg, 18 Jebr. Vor dem Frühzuge Friedberg 5 2 heute früh zwischen Erbstadt und Assenheim ein

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Maun. Ehe der Zug zum Stehen gebracht werden konnte, war der Lebensmüde zermalmt. Die Persönlichkeit des Mannes konnte noch nicht sestgest t werden. 0 Starkenburg und Rheinhessen.

eh Bingen, 18. gebr. Die Angelegenheit betreffs des Gefangenenlagers bei Bingen dürste nunmehr end siltig erledigt sein. Vom Kriegsministerium in Berlin ist bei der Stadt- verwaltung Bingen der Bescheid eingetroffen, daß Vingen zurzell dafür nicht in Frage käme.

Hessen⸗Nassau.

Marburg, 18. Febr. Der nationale Frauen⸗ dienst hat hier im Lokal der Volksküche eine Beratungs st e 1005 Fragen der Hauswirtschaft und des Gemüsebaues ein gerichtet.

m Kirchhain, 18. Febr. Dem Kreis Kirchhain war aufgegeben, 45000 Zentner Haser zu liefern. Die amtliche Stattstik jedosh hat ergeben, daß er nur 30 000 Zentner liesern kann. Mit Ausnahme der Stadt Kirchhain sind sämtliche Stadt und Landgemeinden des Kreises imstande, das erforderliche Quan tum Roggen für die Volksernährung der Kreisbewohner auf zubringen. Gleichwohl sollen vom 1. März ds. Is. ab Brot- und Mehlkarten ausgegeben werden

J. Frankenberg, 18. Febr. In der heutigen Stadt- verordneten Sitzung wurde davon Kenntnis gegeben, daß die Familie des Apothekers Theodor Schwieder zu Gießen eine weitere Stiftung von 1000 Mark für verschämte Arme unter den Angehörigen der im jetzigen Kriege Gefallenen ge macht habe. a

m. Neustadt, 18. Febr. Einen schauerlichen Fund machten heute in der Abendstunde Kinder auf dem hiesigen Fried⸗ hofe. Auf einem Grabe fanden sie ein Kistchen, in dem sie beim Oeffnen die Leiche eines neugeborenen Kindes erblick⸗ ten. Das Kind war in Zeitungspapier gewickelt und soll Spuren eines gewaltsamen Todes aufweisen.

h Frankfurt a. N., 18. Febr. Die Erzieherin der Kinder einer vornehmen Familie im Westend wurde als ge wöhnliche Einbrecherin entlarvt. Neulich wurden der Familie aus der Schlasstube fämtliche Schmuck- und Wertsachen gestohlen. Polizeiliche Haussuchungen ergaben dann, daß die Er zieherin die Einbrecherin gewesen war. Man sand in deren Zimmer eine richtige Schatztammer von Diebs gut, das die Diebin im Lause der letzten Jahre in ihren verschiedenen Stellungen zusammen geraubt hatte. Das Mädchen pestand auch, im vorigen Sommer den großen, bisher unaufgeklärten Brillantendiebstahl in der Beethovenstraße verübt zu haben. Auch in verschiedenen anderen Städten hat die Diebin ihre Herrschaften gründlich bestohlen.

h. Schwanheim a. M., 19. Febr. Der Mitbegründer und eifrigste Förderer des Rhein⸗Mainischen Verbandes für Volks⸗ bildung, Prof. Dr. Wilhelm Kobelt, feiert morgen in be⸗ wundernswerter Frische seinen 75 Geburtstag. Ursprüng⸗ lich Arzt, wandte sich Kobelt später den Naturwissenschaften zu. In der Erforschung der heimischen Kleintier-Lebewelt leistete er Bedeutendes, nicht minder aber in der praktischen Heimatkunde. Er schuf das erste Heimatmuseum in Hessen und Nassau. Noch heute gilt das Schwan heimer Museum als Muster für alle jüngeren Gründungen. Als Herausgeber derGemeinnützigen Blätter für Hessen und Nassau und Verfasser vieler heimatkund⸗ licher Schriften hat Kobelt sich einen bleibenden Namen in der Heimatgeschichte Hessens und Nassaus gesichert. Kobelt entstammt aus Alsfeld und studierte in Gießen. Vor 3 Jahren erneuerte die Gießener Universität Kobelts Doktordiplom, als er sein 50⸗ jähriges Doktorjubiläum feierte.

h. Heddernheim, 18. Febr. Der fast erblindete 59 jährige Arbeiter Ludwig Preiß stürzte in der Dunkelheit in die Nidda und ertrank. Die Leiche wurde heute früh aufgefunden.

b. Limburg, 18. Febr. Nach langem Leiden starb hier am Mittwoch der Direztor des hiesigen Gymnasiums Karl Theo- dor Beckmann. Der Verewigte, der sich als Neuphilologe in den deutschen Schulkreisen eines ausgezeichneten Rufes erfreute, stand erst seit vier Jahren an der Spitze unserer Austalt. Er hat ein Alter von 58 Jahren erreicht.

k. Kassel, 18. Febr. Dem Regierungspräsidenten Grafen von Bernstorff wurde der Charakter als Wirklicher Ge⸗ heimer Ober-Regierungsrat mit dem Rang der Räte erster Klasse verliehen.

Baundel.

Hüttenwerk Niederschönweide Aktien gesellschaft vormals J. F. Ginsberg in Berlin Niederschönweide. In der heute abgehaltenen Sitzung des Aussichtsrates wurde der Abschluß für das Geschästsjahr 1914 vor- gelegt. Es wurde beschlossen, der auf Donnerstag, den 8. April d. Is. einzuberusenden Hauptversammlung vorzuschlagen, bei reich lichen Abschreibungen und Rückstellungen aus dem Mk. 518 638.60 betragenden Reingewinn 16 Proz. Diwidende zur Verteilung zu bringen. Das Unternehmen ist auch für das laufende Jahr mit ausreichenden Austrägen versehen.

Märkte.

Marburg, 18. Febr. Heute wurde hier der erste dies⸗ jährige Schweinemarkt abgehalten. Bei regem Handel wur⸗ den bezahlt für 68 Wochen alte Ferkel 2535 Mk., für 3 bis 4 Monate alte Läufer 6080 Mk. das Paar je nach Größe und Qualität. Die Zufuhr belief sich auf nur 290 Stück.

ch. Bingen, 17. Febr. Marktpreise. Weizen Mk. 27,50, Korn Mk. 23,50, Gerste Mk. 22,50, Hafer Mk. 23,5), Heu Mk. 0,00, Stroh Mk. 0,00, Kartosseln Mk. 8,00, Erbsen Mk. 00,00, Linsen Mt. 00,00, Bohnen Mk. 00,00, Weißmehl Mk. 47,00, Roggenmehl Mt. 39,50; alles für 100 Klgr. Butter 1 Klgr. Mk. 2,30, Milch 1 Liter 22 Pig., Eier 10 Stück Mk. 1,10.

1e. Wiesbaden, 18. Febr. eu- und Strohmarkt: Man notierte: Heu 5,00 5,70 Mk., Stroh(Richtstroh) 3,20 bis 3,60 Mk., Krummstroh 0,00 9,00 Pik. Alles per 50 Kilo. Am Fruchtmarkt war nichts angefahren.

fe. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 18. Febr. Auftrieb: Rinder 83(Ochsen 10, Bullen 0, Kühe und Färsen 73), Kälber 882, Schafe 230, Schweine 1723.

Tendenz in allen Viehgattungen schleppend. Preise für 100 Pfd. Lebend- Schlacht

gewicht.

Kälber. Mk. Mk. eie Mane. 5660 93100 Mittlere Mast- und beste Saugkälber. 5054 83 90 Geringere Mast- und gute Saugkälber.. 46-50 78-85 Geringe Saugkäl ber. 4248 7178

Sch la se.

Stallmastschafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel.. 4648 100105 Aeltere Masthammel, gut genährte junge Schase und geringere Mastlämmer.. 38-00 9000

Schweine. a Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebend gewicht Vollfleischige Schweine unter 80 kg J ˙ Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebendgewicht 2 120 bis

82.5085.00 104.00 107.00 80.00 82.00 98.00- 102.00 82.50 85.00 104.00 107. 00

Vollfleischige Schweine von 700 2. 5 82.50 85.00 104.00 107.00 Amtlicher Wetterbericht. l Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. ussichten in Hessen am Samstag, den 20. Februar 1915: Unbestandig, zellweise Mederschläge, mild, südwestliche Winde.

Letzte nachrichten.

Englands wankende Herrschaft. i. Köln, 19. Febr. DieKöln. Ztg. meldet aus Kopenhagen: Polititen schreibt: Seitdem die Armada

im Jahre 1588 Englands Küsten bedroht hat, hat leine,

Macht einen so herausfordernden Schritt mehr 1 England unternommen, wie es jetzt Deutschland mit

r Androhung des Unterseebootskrieges getan hat. Gelingt den Deutschen die Sperre der englischen Küste, dann ist der Wendepunkt in der Geschichte Englands gekommen. Die Lebensmittel sind jetzt schon im Preise deli der Handel nach den Auslandsstaaten hat in be⸗

nklicher Weise abgenommen. Die Finanzstellung der Eity ist geschwächt. New York wird England als finanzieller Mitbewerber immer gefährlicher. England hat nicht wie Frankreich und Deutschland den Krieg seit einem Menschen alter vorbereitet. Es hat keine Vorräte im Lande auf⸗ gespeichert, sondern blind auf die Stärke seiner Flotte vertraut. Englands Macht ist auf dem Glauben an die Unangreifbarleit seiner Inselwelt aufgebaut. Eine wenn auch nur kurze erfolgreiche Blockade muß dem An⸗ sehen Englands auf der ganzen Erde empfindlichen A b 7 tun und das Vertrauen der englischen Kolonien zum Mutterland erschüttern.

Die englischen Seeverluste.

Rotterdam, 19. Febr. Churchill teilte im eng⸗ lischen Unterhause mit, daß die Marine seit Kriegs⸗ anfang folgende Verluste an Mannschaften erlitten 4 Getötet 348 Offiziere und 5812 Mann; verwundet 45 Offi⸗ ziere und 352 Mann, vermißt 8 Offiziere und 5 Mann. Ferner habe die königliche Marinedivision verloren: Ge tötet 5 Offiziere und 36 Mann; verwundet 4 Offiziere und 184 Mann; vermißt 7 Offiziere und 868 Mann; interniert 39 Offiziere und 1524 Mann.

Dänemart und die Sperre.

i. Köln, 19. Febr. DieKöln. Ztg. meldet aus Ko pen⸗ hagen: Die dänische Kammer hielt eine geheime gemein⸗ same Sitzung ab, in der die Sperrmaßregeln Deutschlands gegen England erörtert wurden. Der Minister des Aeußern machte Mit⸗ teilung von den Bestrebungen der Regierung, die dänische Schiff⸗ fahrt sicherzustellen. Er beantwortete alsdann mehrere diesbezüg⸗ liche Fragen der Abgeordneten, Die Maßnahmen der Regierung wurden von der Kammer gebilligt. Viele dänische Handelsschiffe, darunter mehrere Fahrzeuge der Großen vereinigten Dampfschiff⸗ fahrtsgesellschaft, sind heute unterwegs nach England. Mit Spannung sieht man allenthalben ihrem Schicksal entgegen. Einige Dampfer, die gestern auslaufen sollten, liegen fest, weil ihre Besatzung angesichts der erhöhten Gefahr in der Nordsee höhere Löhne forderte, die aber von den Reedereien nicht bewilligt wurden.

Französische Beruhigung über die russische Niederlage.

Genf, 19. Febr. DerTemps schreibt: Es ist möglich, daß die Natur der Operationen auf der russischen Front den französischen Leser, dem man bei Kriegsbeginn von der russi⸗ schen Dampfwalze gesprochen habe, degoutiert. Aber die russische Maschine ist vielmehr eine Dreschmaschine, die un⸗ aushörlich den Weizen, d. h. die deutschen Armeen zermalmt und absorbiert. Und diese Dreschmaschine verrichtet ihr Werk vom Baltischen Meer bis zur rumänischen Grenze. Mehr braucht man von den verbündeten Russen nicht zu melden und man darf nicht immer gleich ungeduldig die russischen Reiterscharen in der Ebene von Schlesien oder Preußen erwarten.(Man ist recht bescheiden geworden.) Was die Russen täten, fährt der Petersburger Korre⸗ spondent fort, sei enorm und unbezahlbar für den Abnutzungs⸗ krieg, der das einzige Mittel zur Erreichung des gewollten Resul⸗ tates der völligen Erschöpfung Deutschlands sei. Die Dampf⸗ walze rücke noch nicht vor, dafür aber arbeite die Dreschmaschine wunderbar. Selber unbeweglich, werde sie doch Herr werden über den schnellen Stellungswechsel der Deutschen, der augen⸗ blicklich ihre einzige Ueberlegenheit sei. Inzwischen arbeite die Zeit am Werke. Der deutsche Soldat erschöpfe sich, indem er die eherne Mauer einrennen will, die er vor sich finde, und die während der Jahre, wenn es sein müsse, immer aus der gleichen Anzahl Mannschaften bestehen werde.

Die Affäre Roger Casement.

Kristiania, 19. Febr. Die Blätter von Kristi⸗ ania, die auf ausdrücklichen Wunsch des englischen Ge⸗ sandten Findlay die gegen ihn gerichteten Beschuldigungen totgeschwiegen haben, können jetzt nicht umhin, den Fall an die Oeffentlichkeit zu bringen, zumal da für die nächsten Tage die Ankunft Sir Roger Casements zum Zwecke der Uebergabe des Beweismaterials an die norwegische Regie⸗ rung angekündigt wird. Eines der hiesigen Blätter unker⸗ nimmt zum Schutze Findlays den Versuch, den Zeugenwert des norwegischen Agenten des Sir Roger Casement, Adler Christensen, herabzusetzen, da aus seiner Jugendzeit erzählt werde, daß erals Kind ein Windbeutel und eine aben⸗ teuerlich veranlagte Natur gewesen sei und daß er mit einer Deutschen verheiratet ist.

Sparsamkeit mit dem Brote ist eine patriotische Pflicht. Jeder gebe ein gutes Beispiel.

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