und Belfort mußte stündlich kapitulieren. Der heiße Wunsch nach Frieden beseelt aber heute wie damals das Volk, und das ist es, was der Kriegskarneval 1915 mit dem von 1871 gemeinsam hat.
*Die Hauskapelle im Schützengraben. Eine Anzahl seit 12 Wochen im Schützengraben hausender Ober— 9 5 hat eine Kapelle gegründet. Unter dem Instru⸗ mentenbestand vermissen sie noch eine Ziehharmonika, und setzen in uns das Vertrauen, daß wir durch eine ent— sprechende Notiz musikalische Leser veranlassen können, die Hauskapelle in dieser Beziehung vollständig zu machen. Vielleicht rechtfertigt der eine oder andere, der Gefühl für die Zustände im Schützengraben hat, das Zutrauen auf das Musikverständnis der Daheimgebliebenen, das aus dieser Bitte spricht. Die Adresse der Kunstliebhaber ist in unserer Redaktion zu erfragen.
* Verkauf von aus Belgien eingeführten Stuten. Donnerstag, den 18. Februar, vormittags 10 Uhr,
werden auf dem Paradeplatz in Darmstadt 12 Stück durch die Landwirtschastskammer aus Belgien eingeführte 1½—5jährige Stutfohlen und Stuten gegen Barzahlung versteigert. Zugelassen werden nur Landwirte aus dem Großherzogtum Hessen. Landkreis Gießen.
kl. Lollar, 15. Febr. Bei der heute im Gräflichen Friedel häuser Walde abgehaltenen Holzversteigerung wurden durchweg annehmbare Preise erzielt. So kam das Raummeter Buchenscheitholz auf durchschnittlich 8,50 Mk., Buchenknüppel auf 78 Mk, Erchen⸗ und Aspenknübpel auf 5—5.50 Mark.
Steinheim b. Hungen, 15. Febr. Wieder hat der Krieg aus unserem Orte ein Opfer gefordert. Ende Januar fiel in dem Argonnen⸗Wald der Ersatz⸗Reservist Wilhelm Fritz von hier. Der Gesallene hinterläßt Frau und Kind.
Kreis Schotten.
Schotten, 15. Jebr. Dem Rektor der hiesigen Realschule Prof. Hertsch, zurzeit Kompagnieführer in Rußland, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
n. Ulf a, 15. Febr. Durch einen Sturz in der Scheune zog sich der Schuhmachermeister Weyrich so schwere innere Ver- letzungen zu, daß bald darnach der Tod eintrat.
Kreis Friedberg.
B. Friedberg, 16. Febr. In der verflossenen Woche, also an 6 Tagen, wurden bei der hiesigen Reichsbank 104000 Mark Goldmünzen abgeliefert, darunter von der Post 65 200 Mk. Die Gesamtabliefserungen an Goldmünzen bei der 8 Reichsbank betragen seit Ausbruch des Krieges 1 436 000
ar
O Aus der Wetterau, 16. Febr. Auch der letzte starke Frost hat an der Wintersrucht keinen Schaden an- gerichtet, was der, wenn auch geringen, Schneedecke zuzuschreiben war. Weizen hat bis jetzt sehr gut überwintert, nur an nassen Stellen scheint er etwas gelitten zu haben. Auch der Roggen steht gut. Hier und da kann man zahlreiche Mauslöcher beobachten und manche Landwirte befürchten ein Mäusejahr nach der alten Bauernregel: Viel Eicheln und Bucheln im Hag, drauf folgt große Mäuseplag.— Dank der bisherigen guten Witterung ist der Land⸗ wirt eifrig bemüht, für das Frübjahr vorzuarbeiten. Dung wird hinausgefsahren und untergepflügt. Auch die Arbeiten des ein- gezogenen Nachbars werden mitgetan. Allerorts haben sich „Arbeitsgemeinschaften“ gebildet.
r. Bad⸗Nauheim, 17. Febr. In der letzten Stadt- verordneten versammlung wurde folgendes verhandelt: Einem Gesuch der Jugendwehr entsprechend bewilligt die Ver⸗ sammlung dem hier gebildeten Korbs 250 Mark zur Beschaffung von Röcken und Koppeln.— Die im Frühjahr vorzunehmenden Walzarbeiten der Dampfwalze werden der Firma Theodor Ohl⸗ Limburg für den Stundenpreis von 4,80 Mark zugeschlagen.— Die Lieferung von Straßendeckmaterial wird an die Butzbacher Stein- und Kalkstein⸗Industrie als Wenigstfordernde vergeben. I Dem vorliegenden Gesuch der Anlieger, die in der Nähe der Viktoria⸗Augustastraße liegenden Gärten und sonstigen Grund⸗ stücke unter Sache 3 in die Feldbereinigung einzuziehen, tritt die Stadt bei.— Sonntag abend starb plotzlich an den 8 eines 8 der Stadtverordnete Joh. Heinrich Fritz. Der Verstorbene war Ehren⸗Kommandant der Freiwilligen Feuer⸗ wehr, Vorsitzender des Freisinnigen Vereins und gehörte dem Stadtverordneten⸗Kollegium seit 1890 an.— Zum kommissarischen Vorstand der 1 77 Bade⸗ und Kurverwaltung wurde der Großh. Oberfinanzrat Bal ser, der Referent für Bad⸗Nauheim im Mini⸗ sterium, bis auf weiteres bestellt. Oberfinanzrat Balser hat die Vertretung des Badedirektors sowohl wie die des Kurdirektors bereits übernommen. 8
Kreis Wetzlar.
Wetzlar, 16. Febr. Sämtliche Lehrer des Kreises Wetzlar, soweit sie nicht unter den Waffen stehen, waren am Montagnachmittag zu einer Konferenz im hiesigen Lehrer- seminar zusammengekommen. Rektor Richard, welcher kürzlich an
den Beratungen in Berlin teilgenommen, hielt einen allgemein be— lehrenden Vortrag über die zeitgemäße Forderung:„Warum und wie müssen wir sparen?“ Die interessanten Ausführungen gaben Anlaß zu einer regen Debatte. Hermannstein, 16. Febr. In der Nacht zum Montag brannten die Scheunen der Landwirte Hedrich und Scholl nieder. Das Vieh konnte gerettet werden, aber alle Futtervorräte wurden ein Raub der Flammen.
Hessen⸗Nassau.
Frankenbach bei Rodheim a d. B., 17. Febr. Nach Bekanntmachung der Ortspolizeibehörde wurden hier bei dem Gemeinderechner Gattinger über 5000 Mt. Gold in Papier umgewechselt. a
Marburg, 16. Febr. Am 6. März soll hier eine Kreis- tagsitzung abgehalten werden. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Beschlußfassung darüber, den vorjährigen Haus haltungs⸗ plan weiter bestehen zu lassen. Ferner schlägt der Kreisausschuß zum Zwecke der Unterstützung der Kriegerfamilien eine weitere Anleihe von 300 000 Mark vor. Die erste Anleihe betrug 200000 Mark. Der gleichfalls zur Beratung kommende Haushaltsplan der Marburger Kreisbahn schließt ab mit 91550 Mark Einnahmen und 84630 Mark Ausgaben. Um das Anlagekapital zu verzinsen, müssen 43 367,86 Mark durch Kreissteuern gedeckt werden.— Nach⸗ dem vor einigen Tagen hier zwei Knaben aus Lich, die sich auf den Kriegsschauplatz begeben wollten, auf⸗ gegriffen wurden, begaben sich auch zwei Schüler von hier auf die Reise nach Frankreich. Als sie im Begriffe standen, sich in Wiesbaden feldgrau zu kleiden, wurden sie festgenommen.
m. Kirchhain, 16. Febr. Die gestrige Stadtverord⸗ netenversammlung erledigte u. a. folgende Punkte: Da für das Jahr 1915 durch die Mobilmachung und die damit ver⸗ bundenen Stockungen bei der Sparkasse etwa 70008000 Mark Einnahmeausfälle zu erwarten sind, die Ausgaben sich aber infolge des Krieges* werden, hatte Bürgermeister Grün beantragt, für das Jahr 1915 die planmäßige Tilgung der städtischen
*
1
Schulden mit Einwilligung der Gläubiger zu unterlassen, da sonst eine ganz erhebliche Steigerung der Steuerzuschläge eintreten würde. Dem Antrag wurde zugestimmt.— Um die vorhandenen Futtervorräte nach Möglichkeit zu schonen, soll die Entnahme von Waldstreu und der Eintrieb von Vieh in den hiesigen Stadtwald gestattet werden.— Die Stadtrechnung für 1913 wurde sest⸗ gestellt und dem Stadtrechner Entlastung erteilt.— Zur Erwei⸗ terung der hiesigen Wasserleitung hat die Hessische Brand⸗ versicherungsanstalt einen Beitrag von 4000 Mark unter der Bedingung bewilligt, daß die im Interesse des Feuerlöschwesens getroffenen Einrichtungen stets ordnungsmäßig erhalten bleiben. Diese Verpflichtung wurde übernommen.
J. Frankenberg, 16. Febr. Auf dem Rittergut Thalitter wollte der Pächter Hartwig, unterstützt von seinem Kuhschweizer, den Bullen an einen anderen Platz binden. Das Tier riß sich los und verletzte den Schweizer derart, daß er alsbald seinen Geist aufgab. Er hinterläßt eine Witwe mit sechs noch un⸗ versorgten Kindern.
„ h. Frankfurt g. M., 16. Febr. Auf Veranlassung des Eisenbahndirektionspräsidenten Reuleaux fand hier eine stark⸗ besuchte Versammlung der Staats⸗Eisenbahnvereine des Direk⸗ tionsbezirkes Frankfurt statt, die sich mit der preiswerten Ver⸗ sorgung von Lebensmitteln bis zur nächsten Ernte be⸗ schäftigte. Regierungsrat Drescher bot in einem Vortrage eine Fülle von praktischen Maßnahmen. Man beschloß nach lebhaftem Gedankenaustausch folgende Maßnahmen: Gemeinsame Saatgut⸗ beschaffung und Nahrungsmittelbesorgung, Bestellung aller verfüg⸗ baren Ländereien, Hebung der Kleintierzucht. Die Durchführung 8 Vorschläge wird von den Ortsgruppen sofort in die Wege geleitet.
h. Cronberg, 16. Febr. Die Stadtverordneten⸗ versammlung beschloß die durch den Heldentod des Bürger- meisters Pitsch erledigte Bürgermeisterstelle zur Neu⸗ besetzung auszuschreiben..
fe. Limburg(Lahn), 16. Febr. Die Stadtverord⸗ neten genehmigten einstimmig zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung Limburgs mit Dauerware und Mehl den vom Magistrat dafür geforderten Kredit von 70000 Mark, und zwar 20 000 Mark für bereits angekaufte und 15 500 Mark für noch anzukaufende Dauerware. Ferner sind notarielle Kontrakte mit hiesigen Metzgermeistern abgeschlossen auf wöchentliche Schweine⸗ fleisch⸗Lieferungen für die hiesige Bevölkerung in Höhe von 21000 Mark. Die Hälfte der Fleischware geht an die Stadt, die andere bleibt in der Hand und im Risiko der Metzger, denen aber die Verkaufspreise vorgeschrieben sind. Ein Schiedsgericht entscheidet bei etwaigen Streitigkeiten mit Ausschluß des Rechtsweges. Die Stadt hat sich in diesen Verträgen ein Ueberwachungsrecht bei Herstellung und Lagerung der Dauerware vorbehalten. Für Mehl wurden 2000 Mark bereitgestellt.
Gerichts saal.
Postwagen und Eleltrische auf dem Seltersweg in Gießen. (Urteil des Oberlandesgerichts Darmstadt.)
sk. Der Postillion X hat nach Feststellung der Strafkammer den breiten zweispännigen Gepäck-Postwagen, der den Verkehr zwischen dem Stadtpostamt in der Schulstraße und dem Haupt⸗ postamt am Bahnhof zu Gießen vermittelt, gefahren. Für die Fahrt vom Stadtpostamt nach dem Bahnhof ist ihm eine Fahr⸗ zeit von 10 Minuten vorgeschrieben. Eines Abends fuhr er gegen 6. Uhr nach dem Bahnhof. An der Haltestelle der Straßenbahn, die sich am Hotel„Prinz Carl“ am Seltersweg befindet, überholte er den dort haltenden Motorwagen und fuhr dann so nahe an dem Geleise der Straßenbahn entlang, daß der Motorwagen nicht vor⸗ beifahren konnte. Ebenso fuhr er an einem anderen Tage auf der Strecke von der Plockstraße bis zum Kreuzplatz im Seltersweg unmittelbar vor einem Motorwagen der Straßenbahn auf dem Geleise dahin, obwohl er auch in diesem Falle die ununterbrochenen Läutesignale des Wagenführers hörte. N
Die Behauptung des Angeklagten, daß er infolge der Enge des Selterswegs und der dort haltenden Fuhrwerke in beiden Fällen die Fahrbahn nicht habe freimachen können, wurde durch die Be⸗ weisaufnahme nicht nur widerlegt, sondern es wurde im Gegenteil dargetan, daß seine Angabe unwahr war. Wie die Strafkammer feststellt, hätte der Angeklagte in beiden Fällen sehr wohl die Fahrbahn freimachen können. Trotz dieses Tatbestandes hat die Strafkammer den„ freigesprochen, weil nach dem klaren Sinne des 8 10 Abs. 5 der Vorschriften für den Verkehr und den Schutz der städt. elektrischen Straßenbahn in Gießen vom 8. November 1909 eine Ausnahmevorschrift aufgestellt sei, die den Postwagen ein un zweifelhaftes Vor⸗ recht vor den Straßenbahnwagen einräume, so daß eine Verur⸗ teilung des Angeklagten nicht erfolgen könne.
Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Revision beim Ober-
landesgricht Darmstadt ein, welche zur Aufhebung des Ur⸗
teils und zur Zurückverweisung der Sache an die Vorinstanz führte. Aus der Begründung: Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich § 10 Abs. 5 der Vorschriften für den Verkehr und den Schutz der städtischen elektrischen Straßenbahn in Gießen nicht in Wider⸗ spruch mit dem Reichsstrafrecht setzen darf und dies auch nicht ewollt hat. Es muß daher diese lokalrechtliche Strafvorschrift im Hurblice und mit Rücksicht auf die allgemeine Strafvorschrift des 8.366 Ziff. 3 Str. G. B., wonach derjenige, der auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder Wasserstraßen das Vorbeifahren an⸗ derer mutwillig verhindert, mit Strafe bedroht wird, in den durch diese Strafvorschrift gezogenen Grenzen und in dem dadurch be⸗ dingten einschränkenden Sinne ausgelegt werden. Die Nachprüfung des Revisionsgerichts hat ergeben, daß die Strafkammer durch die Nichtanwendung des 8 366 Ziff. 3 Str. G.B. auf den festgestellten Tatbestand das materielle Recht verletzt hat. Nach den Feststel⸗ lungen der Strafkammer hat der Angeklagte durch seine Hand⸗ lungsweise am 13. und 18. Juli 1911 vorsätzlich und mutwillig, d. h. durch keinen vernünftigen Zweck gerechtfertigt, das Vorbei⸗ fahren des Straßenbahnwagens in Gießen verhindert und dadurch gegen den F 366 Ziff. 3 Str. GG. B. verstoßen. Der Anwendung dieser Strafbestimmung steht der 8 19 des Gesetzes über das Post⸗ wesen des Deutschen Reichs vom 28. Oktober 1871 nicht entgegen, da die letztere Bestimmung einen ganz anderen Tatbestand erfor⸗ dert. Nach dieser Vorschrift sind die Postillione keineswegs berechtigt, gesetzliche Vorschriften des St. G B. zu mißachten und den Verkehr auf den Straßen zu hemmen oder zu erschweren, ohne durch die örtlichen Verhältnisse dazu gezwungen zu sein. Die Marktpreise für Vieh und Frucht
und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise
am 15. Februar 1915.
Schlachtviehpreise
in 8
53819 Fleischpreise in Gießen
Ochsen 50 ge. Fc teewich% Kg. 90-98 Pf 10 Mt.
Kälber Kg. Schlachtgw. 78—90 P.. 55 76—80„
Schweine/„ SS 0-18
Getreidepreise in Mann he im
Weizen 100 Kg. 28.05— 00.00 Mk. Roggen 100 Kg. 24.05— 00.00 Mt.
Märkte.
dc. Fraukfurt a. M. Schweinemarktberi ch: vom 17. Febr. Ausgetrieben waren 1919 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Lebendgewicht 82.50— 85.00 Mk., Schlachtgewicht 104.00 107.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 60.00-82.00 Mk., Schlachtgewicht 98.00— 102.00 Mk.; vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 82.50 85.00 Mk., Schlachtgewicht 104.00— 107 Mk., voll. von 120 bis 150 1 Lebendgewicht 82.50— 85.00 Mk., Schlachtgewicht 10 107.00 Mk. Geschäft ziemlich rege. 2
se. Frankfurt a. M., 17. Febr.(Orig.⸗Teleqr. des„Gies. Anz.) 1 In Getreide kaum ein Angebot. Futtermittel steigen enorm. Biertrebe 31,50- 32,00 Mk.,
Brotpreise in Gießen:
Weißbrot 2 Kg.— Pin. Schwarzbrot 2 Kg. 72 Pig.
Kokoskuchen 3536 Ml., Sesamkuchen 34,5035 Mk., Palmkuchen 34—35 Mk. Alles per 100 Kg. ab Fabrik. N
se. Frankfurt a. M., 17. Jebr.(Orig.⸗Telegr. des Gieß. Anz.) Kartoffelmarkt. Kartoffeln im Großhandel Mk. 8,00 bis 8,50, Kartoffeln im Kleinhandel Mt. 9,00 9,50, Alles per 100 Kg.
16. Frankfurt a. M., 16. Jebr, Deu⸗ und Strohmarkt. Man notierte: peu 4,70— 4,90 Mk., Stroh(Kornlangstroh) 0.00 bis 00 Mk., Wirrstroh 0,00—000 Mark. Alles je 50 Kilo. Ge⸗ schäst flott. Die Zufuhren waren aus dem Obertaunuskreis und aus den Kreisen Hanau und Dieburg.
kirchliche Nachrichten
1 Evangelische Gemeinde. Heute abend 8 Uhr: Kriegsbetstunde(Passionsandacht) in der
Johanneskirche. Pfarrer Bechtolsheimer. — 7 5 Amtlicher Wetterbericht. 2 Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. 4
Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 18. Jebr. 1915 Zunehmende Bewölkung, zeuweise Niederschläge, etwas wärmer, südwestliche Winde.
Letzte Nachrichten.
Die Kämpfe in den Karpathen. 5 1
„Kriegspressequartier, 17. Febr. Die letzten Nachrichten aus der Karpathenfront berichten von ununterbrochen andauernden Kämpfen, die überall zu Teil⸗ erfolgen für die Waffen der Verbündeten führen. Die Russen haben nunmehr ihre Offensive, die ihnen namentlich im Raume von Dukla ungeheure, und wie sie jetzt eingesehen haben, zwecklose Verluste verursachte, über⸗ all eingestellt. In der Duklasenke steht der Kampf, ohne daß jedoch Waffenruhe eingetreten wäre. Weiter östlich machen die Verbündeten ständig kleine, aber ersichtliche Fortschritte. Ein rascheres Vor⸗ dringen ist nur in der Bukowina und in Südost⸗ galizien möglich, wo die österreichischen Armeen bereits aus dem Gebirge herausgetreten sind und die Ebene erreicht haben, also 27— in der Richtung auf Kolomea und innerhalb der Eisenbahnstrecke, die diese Stadt mit Nad⸗ worna und Stanislau verbindet. An der Dunajecfront herrscht Ruhe, da der Ausgang der Karpathenkämpfe hier gleichsam von selbst eine Entscheidung herbeiführen muß. — Fliegernachrichten aus Przemysl besagen, daß die dortige Besatzung in gutem Zustande und ungebrochenen Mutes ist.(Berl. Lokalanz.) N N Die Stimmung in Spanien.
Madrid, 17. Febr. In ganz Nordspanien wurden in den letzten Tagen von hervorragenden Gelehrten und Journalisten Besprechungen abgehalten, in denen die Vorgeschichte des Krieges beleuchtet und der Bevölke⸗ rung dargetan wurde, in welcher Weise die Zentralmächte von dem Dreiverband in den Krieg gedrängt wurden. Die Stimmung, besonders in Nordspanien, ist in hohem 7 Maße deutschfreundlich. Mehrfach ist es wiederholt zu Kundgebungen gegen Frankreich und England gekommen.
Neuer Albanereinbruch in Serbien. 0
Mailand, 17. Febr. Dem„Socolo“ wird aus Nisch emeldet: Bei Prizrend fand ein neuer Einbruch in ferbisches Gebiet seitens der Albaner statt. Die Nachricht machte in allen Kreisen einen tiefen Eindruck Die öffentliche Meinung ist äußerst aufgeregt über diesen Angriff, der sich in dem Augenblick wiederholt, in dem a Serbien sich den anderen Feinden gegenüber in den größten Schwierigkeiten befindet. 85
Die Affäre Roger Casement. N
Kristiania, 17. Febr Sämtliche Morgenblätter bringen Meldungen über die schweren Beleidigungen, die Sir Roger Case⸗ 1 ment gegen den hiesigen englischen Gesandten Findlay gerichtet hat. Auf eine Anfrage der„Aftenposten“, ob der Gesandte einem Ausfrager Bescheid geben wolle, antwortete der Gesandte, daß er in dem jetzigen Stadium der Angelegenheit davon Abstand nehmen müsse. Es sei möglich, daß der britische Minister des Aeußern. sobald ihm der Brief bekannt sein wird, eine Erklärung abgeben 7 wird..
Der Angriff auf den„Jean Bart“. 1
Genf, 17. Febr. Französische Blätter veröffentlichen einen Brief eines französischen Offiziers des Panzers„Jean Bart“, der von einem österreichisch-ungarischen Unterseeboot angeschossen wurde. Der Offtzier berichtet, daß der„Jean Bart“ während der Fahrt am Vorderschiff von einem österreichischen Tor⸗ð pedo getroffen wurde. Mehrere Abteilungen des Schiffes liefen sofort voll Wasser und der Panzer senkte sich stark nach vorn. Dank der übermenschlichen Anstrengung der Besatzung ge⸗ lang es, das große Leck zu verstopfen. Durch die Vergrößerung des Ballastes am Heck konnte auch das Gleichgewicht wiederher⸗ gestellt werden. Nach einer Stunde war die Gefahr beschworen und das Kriegsschiff konnte mit eigener Kraft nach Walta sah⸗ ren, wo die Ausbesserungen vorgenommen wurden, die vor weni⸗ gen Tagen beendet worden sind. Glücklicherweise, so schreibt dern Seeoffizier, sei ein zweites, von dem Unterseeboot abgefeuertes a Torpedo etwa 100 Meter hinter dem„Jean Bart“ vorbeiges gangen. Hätte dieser Schuß getroffen, so wäre das Schiff zweifeln2?! los verloren gewesen. 2
5 8—
3
China und Japan. 5
Kopenhagen, 17. Febr.„Rjetsch“ wird aus Irkutsk tele⸗ graphiert: Die Ablehnung der japanischen Forderungen durch Muanschikai hat keine Beruhigung hervorgerufen. Die anti⸗ japanische Agitation steigt überall. Die revolutio⸗ ö nären Blätter verbreiten Proklamationen, die die Zustimmung 8 Muanschikais zu den wirtschaftlichen Forderungen Japans als 1 einen Anschlag auf die nationalen Interessen Chinas hinstellen. In 2 Tokio soll die Antwort Chinas mit Entrüstung aufgenommen 5 worden sein. Es fanden öffentliche Versammlungen und Sitzungen der japanisch⸗chinesischen Industriegesellschaften statt, denen große Bedeutung beigelegt wird. 1
Ausweisungen deutscher Redakteure aus Japan.
Amsterdam, 17. Febr. Wie Reuter meldet, sind 5 vier deutscheehemalige Redakteure san deutschen Zeitungen aus Japan ausgewiesen worden.
Der Journalist Jules Huret gestorben.
Berlin, 17. Febr. Wie französische Blätter melden, ist am Sonntag der französische Journalist Jules Huret im Alter von 1 52 Jahren an Lungenentzündung gestorben. Huret bereiste vor g einigen Jahren bekanntlich Deutschland, das er für einen großen 0 Teil des französischen Publikums geradezu entdeckte. 3
Sendet Euren Lieben Heizmaterial ins feld
damit sie sich jederzeit heiße Getränke oder Speisen bereiten können. Die seit einigen Monaten im Handel befindliche Patent Heizmasse mit Brenngestell“ ist nach zahlreichen Briefen von Offizieren und 1 zaun schasten ein dringendes Bedürfnis für die Truppen. Ein Feldpostbrief, mit Heizmasse zur Erbicung von etwa 50 Feldbechern kostet M. 1.—
also das Getränk nur 2 Pfg. Viemand sollte die kleine Ausgabe scheuen, seinen Angehörigen die Woyltat zu bereiten. Man verlange 1 in allen einschlägigen Geschäften Pharmakon-Patent⸗Helzmasse. Wo 8
n
1
nicht exbältlich wende man sich direkt an den Fabrikanten: Vharmakon: Geiellschaft Berlin⸗Weißensee. 1512 5 0


