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Brüsseler Museen bei Kriegsbeginn bis zur gegenwärkigen Wie- dereröffnung kein einziges Kunstwerk aus dem belgischen Staate gehörenden Sammlungen verschwunden sei.
Das urteil gegen gefangene deutsche Aerzte in Frankreich.
Berlin, 17. Febr. Das Revisions verfahren gegen die deutschen Stabsärzte Schulze und Davidsohn sowie sieben andere Mitglieder einer Ambulanz des 2. Armee⸗ korps hat vor dem Pariser Schwurgericht gestern begonnen. Das Urteil soll heute zu erwarten sein.
Prahlereien im englischen Unterhause.
London, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unter⸗ hause brachte gestern Marineminister Churchill den Flottenetat ein. Er sagte u. a.:
Nach sechs Monaten des Krieges, wo neue Gefahren und Schwierigkeiten in den Gesichtskreis getreten sind, haben wir allen Grund, zufrieden zu sein mit dem Ergebnis der Anstrengungen, für die Flotte vorzusorgen, welche voll bemannt und ausgerüstet sich für alle unsere Bedürfnisse als ausreichend erwiesen hat. Es gab Zeiten, wo die Hilfsquellen der Flotte bis zum Aeußersten angespannt waren. Australische, kanadische und indische Kontin⸗ gente waren unterwegs nach Europa. Ein mächtiges deutsches Ge⸗ schwader befand sich im Stillen Ozean. Zwei kleine deutsche Kreu⸗ zer und zwei Hilfskreuzer, das ist alles, was von den deutschen Vorbereitungen zum Angriff auf die Handelsstraßen übrig ge⸗ blieben ist, und diese verbergen sich. Was die deutsche Dro⸗ hung betrifft, so sehen wir uns einer Kriegführung gegenüber, wie sie noch nie von einem zivilisierten Staate ver⸗ wirklicht worden ist. Aber man muß nicht glauben, weil der An⸗ griff außergewöhnlich ist, daß keine gute Verteidigung dagegen möglich wäre. Verluste werden natürlich erlitten werden. Churchill erklärte aber, er glaube nicht, daß britische Lebensinteressen getroffen werden können und sagte: Unsere Ant⸗ wort wird vielleicht nicht ganz wirkungslos sein. Deutschland darf nicht in die Lage kommen, sein System von offen⸗ barem Mord und Seeraub anzuwenden. Es ist aller Grund vor⸗ handen, anzunehmen, daß der durch die englische Flotte verursachte
schaftliche Drucksichin Deutschland fühlbar macht. Bisher wollten wir die Einfuhr von Lebensmitteln nicht verhin⸗ dern. Wir haben neutrale Schiffe nicht daran gehindert, einen direkten Verkehr mit deutschen Häfen zu unterhalten. Wir haben ungehindert deutsche Ausfuhrartikel auf neutralen Schif⸗ sen durchgelassen. Die Zeit ist aber gekommen, wo man erwagen muß, ob einem Staate, der sich durch seine Politik systematisch außerhalb aller internationalen Verpflichtungen gestellt hat, der Genuß dieser Rechte nicht entzogen werden muß. Die verbün⸗ deten Regierungen haben eine neue Erklärung abgegeben, um dem Feind jetzt mit aller Macht den Druck der Seemacht füh⸗ len zu lassen.. b
Llohd George sagte in seiner Rede noch: Die ge⸗ meinsamen Ausgaben der Verbündeten in dem am
31. Dezember 1915 endenden Jahre dürften nicht weit hinter
2000 Millionen zurückbleiben; der britische Anteil ist etwa um 100 bis 150 Millionen größer als der von einer an⸗ deren Großmacht auszugebende Betrag. Die Verbündeten
bekämpfen die gesamte mobilisierte Kraft Deutschlands mit
weniger als einem Drittel ihrer eigenen Kraft. Lloyd George betonte die Wirkung der Unterdrückung des Verkaufs von Alkohol in Rußland.
Britische Schiffe gesunken. London, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Am Sams⸗ ist bei Falmouth das britische Segelschiff„An⸗
tag
dromeda“ mit einem Tonnengehalt von 1928, mit Getreide
London unterwegs, gestrandet. Das Schiff und die
Ladung sind verloren, die Besatzung ist bis auf einen Mann
gerettet.
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London, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der eng⸗
lische Dampfer„Hulltrader“ ist im Kanal gesunken.
Von der Besatzung sind drei Mann gerettet worden.
Die Schiffahrt der Neutralen. Berlin, 17. Febr. Aus Rotterdam erfährt der„Ber⸗
liner Lokalanz.“, daß die Batavia⸗ und die Seeland⸗
linie ihren englischen Dienst vorläufig ein⸗ gestellt haben. Da diese Dampfer den Postdienst verrich⸗ ten, seien in der nächsten Zeit Zeitungen und Briefe von England nicht zu erwarten.
Berlin, 17. Febr. Wie die„Times“ laut„Voss. Ztg.“ auf Grund verschiedener Berichte aus den Haupthäfen Eng⸗ lands zusammenfassend erfahren, soll der englische Dampferdienst zwischen den englischen, französischen und holländischen Häfen nicht eingestellt werden. Die„Ti⸗ mes“ schweigen sich leider, sagt die„Voss. Ztg.“, darüber aus, unter welcher Flagge die Schiffahrt aufrecht erhalten werden soll.
Vorstellungen der nordischen Reiche.
Berlin, 17. Febr. Noten der nordischen Reiche sollen übereinstimmenden Morgenblätterberichten aus Kopenhagen zufolge in Sicht sein. Die drei nordischen Regierungen haben beschlossen, bei der britischen und bei der deutschen Regierung Vorstellungen zu erheben wegen der Gefahren, die der nor⸗ dischen Schiffahrt drohen auf der einen Seite durch den Gebrauch der neutralen Flagge durch englische Handelsschiffe und auf der
anderen Seite durch die von Deutschland angekündigten Maß⸗ nahmen in den englischen Gewässern. Die nordischen Länder werde
jedes für sich eine Note an Deutschland und eine Note an England senden. a Die norwegischen Handelsschiffe.
Kristiania, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Dem Beschlusse des norwegischen. wird von der Kriegsversicherung anheimgestellt, daß auf allen norweg. Schiffen, die sich auf der Fahrt nach England oder Frankreich befinden, sobald wie möglich der Name des Schiffes und das Wort„Norge“ mit großen deut⸗ lichen Buchstaben angebracht wird. Vor und hinter diesen Worten werden die Nationalfarben in vertikalen Streifen aufgemalt: Ein blauer Streifen in der Mitte, dann ein
weißer Streifen und am äußersten Rande ein roter Streifen.
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Der Dampfer„Wilhelmina“.
London, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Reuter mel⸗ det aus Washington: Das Staatsdepartement über⸗ sandte dem amerikanischen Botschafter in London den Nach⸗ weis der Eigentümer des Dampfers„Wilhelmina“, daß die Ladung ausschließlich aus Lebensmitteln für Nichtkom⸗ battanten bestehe, der Beschlagnahme also nicht unterliege, und beauftragte ihn, diesen Nachweis dem britischen Auswärtigen Amt vorzulegen.
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Der griechisch⸗türtische Zwischenfall.
Konstantinopel, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Agence Milli“ veröffentlicht folgende Mitteilu Die 5 Gesandtschaft stellte mit der Erklä⸗ rung, daß der Marineattache Kriezis durch einen Zivil- beamten beleidigt wurde, gewisse 8 ungen auf. Mit Rücksicht auf die zwischen den beiden Staaten bestehen⸗ den guten Beziehungen und auf die strengen für derartige
Fälle geltenden Regeln der internationalen Höflichkeit hat die Kaiserliche Regier diese Forderungen angenom⸗ men und den e Gesandten von der Annahme Troß der diesbezüglich erzielten Einverständ⸗ hellenische Gesandte vorgestern früh abgereist.
Die Dienstpflicht in der Türkei.
Konstantinopel, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kammer nahm die Dringlichkeit des Gesetzes an, das den Los kauf von der Dienstpflicht im Heere durch Erlegung einer Befreiungstaxe im Betrage von vierund⸗ zwanzig Pfund während der jetzigen Mobilmachung für nichtmuselmanische gediente oder nicht⸗ gediente Territorial⸗Reservisten und für ein⸗ zelne Klassen nichtgedienter Muselmanen gestattet.
Der chinesisch⸗japanische Konflitt.
London, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ melden aus Peking: Die chinesisch⸗japanischen Kon⸗ ferenzen, die sich mit den Forderungen Japans befassen, sindsuspendiert worden. Der japanische Gesandte wei⸗ gert sich, sie fortzusetzen, bis China zustimmt, über die For⸗ derungen, wie sie ursprünglich vorgelegt wurden, zu ver⸗ handeln. Der chinesische Gesandte in Tokio bemüht sich
egenwärtig, die japanische Regierung zu bewegen, ihre Haltung zu ändern. Der Prozeß gegen De Wet.
London, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Tele⸗ Wet meldet aus Johannesburg: Der Prozeß gegen De Wet und den Herausgeber von„Het Volk Oost“ hat am 15. Februar in Bloemfontein begonnen.
Aus dem neiche.
Einfuhr⸗ und Durchfuhrverbote.
Berlin, 16. Febr.(WT. Nichtamtlich.) Der„Reichs⸗ anzeiger“ veröffentlicht in seiner heutigen Ausgabe die vom Bundesrat dem Reichskanzler erteilte Ermächtigung, im Wege der 5 die Einfuhr und Durchfuhr von Boden- und Gewerbeerzeugnissen feindlicher Län⸗ der über die Grenzen Deutschlands zu verbieten und zur Durchführung des Verbots die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Auf Grund dieser Ermächtigung wird durch eine weitere Bekanntmachung die Einfuhr und Durchfuhr einer Anzahl von Boden- und Gewerbeerzeugnissen von Frank⸗ reich, Großbritannien sowie von Kolonien und Schutzgebie⸗ ten dieser Länder über die Grenzen Deutschlands verboten. Die Bekanntmachung führt die betreffenden Erzeugnisse einzeln auf. 4
Umgestaltung des Paletverkehrs nach der Front.
Berlin, 16. Febr.(WTB. Amtlich.) Auf Grund der Erfahrungen, die bei den bisherigen Versuchen gewonnen sind, hat die Heeresverwaltung eine Um gest altung des Paketverkehrs nach der Front ins Auge gefaßt. Vor allem soll eine größere Gleichmäßigkeit dadurch er⸗ reicht werden, daß die Militärpaketdepots dauernd geöffnet werden. Als oberste Gewichtsgrenze sind 50 Kilo festgesetzt, so daß für die hier in Frage kommenden Bedürfnisse kaum Beschränkungen bestehen werden. Auch ist beabsichtigt, einen Paketverkehr von der Front nach der Heimat in gewissen Grenzen zuzulassen. Das Inkrafttreten der schon seit länge⸗ rer Zeit beschlossenen Neueinrichtung mußte etwas ver⸗ schoben werden, weil die Aufarbeitung und Zuführung der ungeheuren Massen von Weihnachtspaketen infolge der Kämpfe der letzten Wochen große Schwierigkeiten bereitete. Für die Zwischenzeit wurde den dringendsten Bedürfnissen durch dauernde Julassauß der Einpfundbriefe Rechnung getragen. Nach dem westlichen Kriegsschauplatz wird der Paketverkehr am 22. Februar freigegeben werden; die Ver⸗ öffentlichung der näheren Bestimmungen hierüber erfolgt demnächst. Die Zulassung des Paketverkehrs nach dem öst⸗ lichen Kriegsschauplatz hängt von dem Fortgang der dor⸗ 5 Operationen ab und wird seinerzeit bekannt gegeben werden.
verständigt. nisse ist der
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Ueble Vorkommnisse in Gebweiler.
Straßburg i. E., 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der „Straßburger Post“ wird aus Gebweiler geschrieben: Der hiesige Ortskommandant erläßt folgende Bekanntmachung: Beim Transport von gefangenen Franzosen hat ein Teil der hiesigen Bevölkerung ihre Sympathie für die Franzosen und für Frankreich zum Ausdruck gebracht. Ich mache die Bevöl⸗ kerung von Gebweiler darauf aufmerksam, daß die betreffenden Personen sich schwer strafbar machen, und daß ich mich im Wie⸗ derholungsfalle genötigt sehe, mit den allerstrengsten kriegs ⸗ rechtlichen Maßnahmen vorzugehen. Ich werde auch sämtliche, der Bevölkerung bisher zugestandenen Vergünstigungen annullieren..
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Torgau, 16. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Ge⸗ fangenenlager in Fort Zinna sind in der vergangenen Nacht die beiden französischen Unterleutnants Jeunot und Lebouhelec entwichen. Beide sind blond und stehen im Anfang der zwanziger Jahre. Lebouhelec ist bartlos und spricht gut deutsch. Es wird vermutet, daß die Entwichenen über die Uniformen Drillichkleider tragen. ö ———
Aus Stadt und Cand Gießen, 17. Februar 1915. Siegesfreude. Lenzesahnen, die Hoffnung auf künftige Pracht und Herrlichkeit liegt in der Luft; die Sonne hat sich durch die Morgennebel gerungen, und vom klaren Himmel läßt der Vorfrühling sein blaues Band in die Lüfte wehen. In den kahlen Kronen der Anlagen, wo schon an Baum und Strauch knospendes Leben zum Lichte drängen will, probiert hier und da schon der Buchfink schüchtern sein Werbelied. Ein Tag, wie geschaffen zur Aufnahme neuer Kunde von Alt⸗ meister Hindenburgs gewohnter Meisterschaft. Sonnenschein in den Straßen, Leuchten auf jedem Antlitz. Eine russische Armee von fast zweimalhunderttausend Menschen vernich⸗ tend geschlagen! Fahne um Fahne erscheint an den Haus⸗ fronten, und bald weht es straßauf und straßab schwarz und weiß und rot im schmeichelnden Vorfrühlingswinde. Drunten vor den Fenstern des Anzeigers gab es in den frühen Morgenstunden ein eifrig Disputieren. Da stand mit unter den ersten, die an die Arbeit gingen, die Schul— jugend zuhauf und unterhielt sich über das wichtige Thema, ob fünfzigtausend Russen einen schulfreien Tag bewirken
ng] können. Sie konnten es; Griffel und Federhalter dürfen
heute wieder einmal Hindenburg zu Ehren im Kasten bleiben. Um 10 Uhr begannen nach langer Pause dann die
Glocken wieder einmal ihren Siegesgesang und verkündeten, daß in der Winterschlacht im Osten eine neue starke Gewähr
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r 1. 9 für kommenden Siegesfrühling geschaffen worden Starke, stolze Freude leuchtet aus hellen Augen; der sonnige Tag birgt in seinem Schoße so manche Verheißung für neue Zeiten, daß jubelnde Hoffnung die Herzen schwellt. Lenzes⸗ erwachen in der Natur und Volksfrühling auf siegreichem Schlachtfelde 0
Auf dem Felde der Ehre gefallen. Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Kriegsfrerwilliger Otto Luckhardt, N-d 88, aus Hanau.— Feldw. Lt. Bernhard Gieseler, Nes.-Juf.⸗Rat. 8e, in Hanau.— Landwehrmann Fritz Fischer, Res.⸗Ins.-Agt. 88. aus Hanau.— Unteroff. d. Res. Jak. Legel, Res.-Ins.⸗Rgt. 115, aus Offenbach a. M.— Kriegsfreiw. Georg Lipp, Inf.⸗Agt. 168, aus Offenbach⸗Bürgel.— Musk. Lehrer Wilhelm Schneider, Res.⸗Inf.-Rgt. 221, aus Friedberg.
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* Spart am Brot! Ein lehrreiches Rechenexempel entnehmen wir der„Sächs. Schulztg.“ Angenommen, jede Familie braucht, wenig gerechnet, in der Woche nur ein Pfund weniger. Wieviel macht das für das ganze deutsche Volk aus? Rechnet man in Deutschland nur 15 Mil⸗ lionen Familien zu je 4 Köpfen, so sind das wöchentlich 15 Millionen Pfund Brot oder 150 000 Zentner! Jeden Tag müßte jede Familie nur etwa 72 Gramm Brot weniger essen. Auf den Kopf kämen dann täglich 72 Gramm Brot 4 18 Gramm Brot. Zählt man am Tage vier Brot⸗ mahlzeiten, so kämen für jede Mahlzeit auf den 4 18 Gr. Brot: 4= 4½ Gr. Brot weniger als sonst. Durch einen einzigen kleinen Bissen Brot weniger bei jeder täglichen Mahlzeit also eine Brotersparnis von wöchentlich 150000 Zentnern! Bei 10 Wochen 1500 000 Zentner usw. Das gibt eine ganz ansehnliche Menge. Tue also jeder an seinem Teile!
* Amtliche Personal nachrichten. Die Groß⸗ berzogin hat dem Mitgliede des Kreisausschusses des Kreises Dieburg, Rentner Peter Ruths V. in Groß⸗Bieberau, das Rit⸗ terkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.— Die Großherzogin hat am 13. Februar d. J. den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Mainz, Ludwig Knabenschuh zu Mainz, zum Steueramtskontrolleur bei dem Steueramt Friedberg, den Finanzaspiranten Karl May aus Nieder⸗Ingelheim zum Bezirkskasseassistenten und den Fi⸗ nanzaspiranten Hermann Noll aus Gießen zum Hauptsteuer⸗ amtsassistenten ernannt. g
„Der hat es verdient!“ Wir berichteten kürz⸗ lich, daß im Osten dem Leutnant der Reserve Oberlehren Malzan das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen worden sei. Der Kriegsberichterstatter der„Frankf, Ztg.“ schreibt seinem Blatte jetzt einen Aufsatz über die Kaisertage beim Ostheere. Darin tut er der Auszeichnung des genannten jungen Offiziers wie folgt Erwähnung:
„Deutschland über alles!“ klang der vielhundertstimmige Männerchor wuchtig in die Weite und übertönte für Augenblicke das Gewehrknattern und das Russenfeuer. Der Divisionskom⸗ mandeur brachte dem Kaiser drei Hurras dar, und da mischte sich darein der helle Klang der 101 Schüsse aus einer Salutbat⸗ terie, die am Park aufgefahren war. Aber es waren scharfe Schüsse, mit denen man, wie schon am frühen Morgen, auch den, dicksten Russenschädeln Respekt vor des Kaisers Geburtstag einflößte. Und sie dröhnten noch als harte Begleitmelodie, als dann ein Leutnant vorgerufen wurde, dem durch Allerhöchsten Erlaß das Eiserne Kreuz Erster Klasse verliehen worden war. Ein Flüstern ging durch die Reihen der Krieger:„Der hat es verdient.“ Ihre Augen leuchteten, als ob es jeder einzelne von ihnen bekommen hätte. Denn der junge Leutnant der Reser ve, ein Ober⸗ lehrer seines Zeichens, hatte das ganze Bataillon in bedräng⸗ tem Augenblicke geführt. Er war eine schlanke, schöne Erscheinung, ein Leutnant von echt Liliencronschem Reiter- und Draufgänger⸗ geiste. In der Stunde der höchsten Gefahr, da„sprang sein Degen zischend aus dem Gatter“, und er entschied den Sieg. Ich war zufällig des Abends zuvor im Schützengraben und im Unterstande des Regimentskommandeurs, als man telephonisch durchsagte, der Leutnant solle morgen zum Feldgottesdienst kommandiert werden, weil er vor versammelter Mannschaft die Auszeichnung empfangen sollte. Seine Vorgesetzten hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit sie auch rechtzeitig eintreffe, und im Unterstand und int Schützengraben herrschte darüber eine Freude, als ob der Weih⸗ nachtsmann für alle gekommen wäre. Und nun stand er da, erst blaß, verlegen, dann röteten sich seine Wangen, und ein Strahlen ging von ihm aus, als er zu seinen Leuten zurücktrat, und sie ihm alle, bis hinab zum jüngsten Freiwilligen, die Hand drückten und Glück wünschten. 5
* Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt Leutnant d. R. Vossius von hier, Führer der Maschinen⸗ gewehrkompognie im Inf. Regt. 222, von dem wir vor⸗ gestern berichteten, daß er bereits das Eiserne 2. Klasse erhalten habe.
* Ein deutscher Fahrplan für Belgien und Nordfrankreich. Mitten im tobenden Kriege feiert deutsche Tatkraft unmittelbar hinter den Schlachtlinien durch die Wiederaufnahme des Eisenbahndienstes in Belgien und Nordfrankreich bewundernswürdige Triumphe, die sich den Erfolgen der Armeen würdig zur Seite stellen. Die Aus⸗ gestaltung des Eisenbahnbetriebes in den von unseren Trup⸗ pen besetzten Gebieten Belgiens und Nordfrankreichs ist jetzt soweit gediehen, daß nunmehr auch ein vollstän⸗ diger Fahrplan in dem bekannten Verlag von Hend⸗ schel-Frankfurt erschienen. Unter den Fahrplänen für die belgischen und nordfranzösischen Linien findet man neben den genauen Zeitangaben u. a. folgende Strecken: Köln— Lüttich, Lüttich Löwen—Brüssel, Löwen— Mecheln—Ant⸗ werpen, Brüssel— Alost—Gent, Brüssel—Contrai—Lille, BrüsselMaubeuge—Mezieres, Maubeuge St. Quentin— Terginer—Noyon. Auf dieses in wenigen Wochen von der Eisenbahnverwaltung in Feindesland geschaffene Kultur⸗ werk können„wir Barbaren“ stolz sein.
* Vortragsabend. Verschiedenen Anregungen fol- gend hat Herr Willy Werner Götti seinen Vortrag: „Ernste und heitere Dichtungen“ auf Sonntag, 21. Febr., abends 8 Uhr verlegt.(Siehe die Anzeige in Vatter Nr.) Die Abendkasse wird um 7½ Uhr im Eingang der Universität geöffnet werden(Eurdene nur von der Ludwigstraße).—
ie Verwundeten wurden in der Weise zu der Veranstaltung eingeladen, daß jedem Lazarett etwa 10 Karten zur Ver⸗ teilung überwiesen wurden. Auch an Landsturmleute ge— langten Karten zur Verteilung. 5
* Stadttheater. Das Kindermärchen„Tischlein deck dich, Esel streck dich und Knüppel aus dem Sack, von Marie Waldeck, das ant nächsten Sonntag nachmittag bei kleinen Preisen wieder⸗ holt wird, hat wohl den stärksten Beifall gefunden, den eine der⸗ artige Vorstellung hier jemals erzielte. Die Aufführung ist auch für Erwachsene sehenswert. Die Verfasserin, die bekanntlich der Erst⸗ m n e beigewohnt hat, bedankte sich, wie wir hören, noch⸗ mals in einem Schreiben für„die geschmackvolle, so gut der Hand. lung und deren nkeninhalt angepaßte Inszenierung, die das Stück mit großem Verständnis und außerordentlicher Sorgfalt verbreitet habe“. Da für die zweite Aufführung am Sonntag starke Nachfrage herrscht, werden Reflektanten gut tun, sich zeitig Plätze
zu bestellen. * Die Fastnachtstage sind entsprechend dem
Ernste der Zeit in voller Ruhe vorübergegangen Die Be⸗ völkerung hat allenthalben das Gebot der Verhältnisse, die
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