Ausgabe 
(11.2.1915) 35. Zweites Blatt
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en haben

Hungen erlebt. Ihren Trilt Re leinen Teil von Galizien besess* das einzige, was das ungeheure, zahlenmäßige Gewicht ihrer Truppenmassen bewirkt hatte. Wie haben aber denn die Schlachten ausgesehen, die sie bestanden haben! Hinden⸗ burg, der die großspurigen Reden in der Duma ja wohl auch zu Gesichte bekommen haben wird, mag darüber gelächelt haben. Es ist eine ganz theatermäßige Steigerung in dieser Redemache gewesen. Zuerst der Präsident Rodzianko. Er vergleicht das kämpfende Rußland einemFelsen im brül⸗ lenden Meere. Dies tönende Wort wird nicht einmal den Franzosen sonderlich gefallen, denn die russischen Heere soll⸗ ten ja eine schwere Dampfwalze sein, die sich fortbewegt, nicht ein solcher Fels, der sich nicht bewegt ünd nichts be wirkt. Wir wollen nur die hervorstechenden sachlichen Feststellungen der Dumaredner betrachten und von den bei⸗ gegebenen Phrasen ganz absehen, so sehr auch die Bemerkung des Präsidenten vomTriumph des Geistes über rohe Kraft zum Spott herausfordern mag! Der zweite Redner, Mi nisterpräsident Goremykin, prägte das Wort von demhe⸗ roischen Stolz Rußlands, dessen Macht immer mehr zunehme. Was die Kriegstaten anlangt, so rühmte er die russischen Siege an der kaukasischen Front! Was dort von Rußland bisher erreicht sein soll, ist uns wirklich schleier⸗ haft. Aber derFelsen im brüllenden Meere mußte in einer bengalischen Beleuchtung erstrahlen. Darum wurde den fabel⸗ haften Ereignissen am Kaukasus gleich noch das Wahnbild von derglänzenden Zukunft am Schwarzen Meere vor den Mauern Konstantinopels mit⸗ gegeben! Das ist doch gewiß eine Steigerung heroischer Gefühle schade nur, daß das brüllende Meer am Felsen doch auch von einiger Dauer ist. Felsen können abbröckeln, aber das Meer ist ewig und kann nicht gebändigt werden.. Wir greifen vorweg, daß diese vom Ministerpräsidenten so blendend hervorgekehrten Eroberung sp läne Rußlanßs auch in der folgenden Aussprache, besonders von dem Ka dettenführer Miljukow, unterstrichen worden sind. Das sind gewichtige Mahnungen an Balkanstaaten, wie Bulgarien und Rumänien, die auf solchen ungestümen Ehrgeiz des Zaren reiches mit sehr gemischten Gefühlen blicken werden.

Das stärkste leistete sich der Minister des Auswärtigen Sasonow. Nach ihm marschieren die russischen Heere be⸗ reits auf ihr Ziel los! Die russische Duma ist sogebildet, daß sie gar nicht nach der nüchternen Wirklichkeit fragt, sondern nur nach demglücklichen Augenblick des schließ⸗ lichen Triumphs. Aber wo marschieren die russischen Truppen? Antwort: in Galizien und in der Bukowina. Rückwärts, Don Rodrigo, so heißt aber ihre Parole! Wenn man genauer zusieht, so lieferte also Sasonow, nachdem er die höchste Steigung genommen hatte, wieder einen sehr ver⸗ nehmlichen Abklang. Und gerade auf dem diplomatischen Hackbrett hatte er aus dem durchweg bereits bekannten Material einen schönen Hundebrei zurechtgemacht! Es lohnt vor deutschen Lesern nicht, diese Ergüsse im einzelnen zu widerlegen. Solche Dinge können nur der russischen Duma vorgemacht werden, anderswo in der Welt wird man sie still⸗ 1 übergehen. Von den panslavistischen Hetzereien

er Vergangenheit schweigt man, nachdem mit de glänzenden Aussichten, die Rußland angeblich am Bos porus winken sollen, die Gemüter der Duma genugsam er⸗ schüttert worden sind. Die matte Entschließung, die von der Duma einstimmig angenommen worden ist, wird nur eine Eintagsbedeutung haben. Lügen haben zwar in Rußland etwas längere Beine als anderswo, aber durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden ja die großen Fragen der Zeit

dieser erdenkliche Opfer liefern,

** Derr rtr damit er das große nationale Werk vollenden könne. Seine Partei

werde, obwohl sie zur Petersburg, duma und der Reichsrat habe

Wünsche des Petersburg, 11. Reichsrat beendete di

nahm folgende Anträge an: Maßnahmen als dringlich an:

duktiven Hilfsquellen des dem a

nationalen Landwirtschaft tung der Grundlage unser 3. die Revision des ganzen

ter verteilten Besteuerung;

kung desGrundeigentums

scher Einwanderer in Rußland ö . Anwendung der Arbeit von Kriegs- nen bei Unternehmun

die ausgedehnte gefa wobei so viel wie möglich sondere Gruppen kommen

Opposition gehöre, für das 11. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)

Drucke der auswärtigen Industrie

Budget stimmen. Die Reichs⸗ n das Budget angenommen. russischen Reichsrats.

Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der e Beratung des Budgets und

Der Reichsrat erkennt folgende 1. die Entwicklung der pro⸗ Landes und ihre Befreiung von 2. den Schutz der in Verbindung mit der Ausarbei⸗ er internationalen Handelspolitik: Steuersystems zwecks einer gerech⸗ 4. die unverzügliche Unterdrük⸗ deutscher und österreichisch-ungari⸗ außer solcher slawischer Ab⸗

ingen von öffentlichem Nutzen, die slawischen Gefangenen in be⸗ sollen, von denen ein Teil Land⸗

arbeiten bei privaten Grundbesitzern ausführen könnte; 6. die

strenge Untersuchung und brechen und Gewaltakten die Normen des internatio

Festsetzung aller Fälle von Ver⸗ aller Arten und Verstößen gegen nalen Rechts, die von den Truppen

und Agenten feindlicher Mächte verübt wurden, und die Ab⸗

schätzung des dadurch ver terung der Lage der russi

*

rsachten Schadens; 7. die Erleich⸗ chen Kriegsgefangenen. * *

Ein englischer Dampfer von einem deutschen Unterseeboot angegriffen.

Ymuiden, 11. Febr.

pitän des englischen heute früh von schen

Java ankam, dem Maß⸗Feuerschiff und der Schouwerbank von

(WTB. Nichtamtlich.) Der Ka DampfersLaertes, der erzählte, daß er gestern zwi⸗

einem deutschen Tauchboot beschossen worden sei. Die

Projektile drangen durch den in das Schiff ein. Das Tauchboot versuchte, torpedieren, aber derLaertes entkam

die Schiffsboote das Schiff zu durch schnelles Schnelligkeit. Amsterdam,

Manöver

1

anhalten. nicht. Der Dampfer

Signal des Unterseebootes wie er erklärte, zum Schutze der befindlichen Neutralen, nämlich Neger und

Berlin, 12. Febr. Flagge schreibt dieMo sich aufs neue, daß

Ausweg mehr weiß, als ihr stecken und die der neutralen Lusitania, die bei

Erst der Fall der englische Küste die Flagg um den deutschen Unters

Der Kapitän führte keine Flagge.

*

Schornstein, den Kompaß und

und Entwicklung der größten

Febr.(B. Nichtamtlich) Der Kapitän desLaertes berichtet weiter, daß das Untersee⸗ boot, ehe es den Angriff eröffnete, ihm signalisierte, er solle

befolgte das Signal Beim ersten hißte er die holländische Flagge, zahlreichen auf dem Schiffe Cinesen.

Zum Mißbrauch der holländischen

rgenpost: Somit bestätigt

die englische Regierung keinen anderen

e Handelsflagge zuver⸗ Staaten zu mißbrauchen. Annäherung an die e der Vereinigten Staaten setzte,

ooten zu entgehen, und nun das

bnnen.] 5

Er gewährleisten geschickt, bis ein amklicker Pericht über den Fall derLusi⸗ kania und der amtliche Wortlaut der deutschen Erklärung vorliegen.

Berlin, 12. Febr. Nach den LondonerCentral News dementiert Präsident Wilson die Nachricht über einen gemeinschaftlichen Protest der neutralen Staaten gegen die deutsche Blockadeproklamation. Der Präsident faßt die Proklamation als eine Warnung an die neutralen Staa⸗ ten auf, daß gewisse Gegenden als gefährlich betrachtet werden müssen. g

Die Konferenz der Nordlandstaaten.

Kopenhagen, 11. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Es ist nun endgültig bestimmt, daß die Konferenz von Ver⸗ tretern der Kriese arinen der drei nordischen Staaten über die Gefahren der treibenden Minen dem⸗ nächst in Kristiania abgehalten wird.

Stockholm, 11. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Nach demSvenska Dagbladet wird die Konferenz der Re⸗ gierungen der drei nor dischen Staaten über die neue Lage zur See in nächster Zeit in Stockholm stattfinden.

Das ameritkanische Schiffkaufsgesetz. London, 11. Febr.(WTB Nichtamtlich.) Reuter meldet aus Washington: Am 9 Februar hielt der Senat wegen der Schi fsbill wieder eine die ganze Nacht währende Tauersitung ab. Viele Senatoren, die ins Theater und zu ters gegangen waren,

kehrten um Mittern in die Sitzung; In den frühen Morgenstunden wurde befohlen, me hrere ab⸗ wesende Senatoren zu verhaften und nach dem Senat

zu bringen

London, II. Febr Nichtamtlich.) DieCentral berichten aus Washington vom 9. Februc

lson erklärte fei seine Absicht, die Schiffskau

nicht fallen zu lassen, auch wenn er eine besondere Sitzung

einberufen müßte.

(WTB. 9 Pi

DieDacia.

London, 11. Febr.(W. B. Nichtamtlich. Reuter meldet aus Norsolk unter dem 9. Februar: DieDacia konnte nicht abfahren, da elf Mann ihrer Besatzung streikte n.

Die Brotversorgung in Berlin.

Berlin, 11. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Beratungen zur Neuregelung der Brotversorgung in Groß Berlin sind beendet. Nach den von der dtverwaltung getroffenen Bestim⸗ mungen ist die Ausgabe von Brotkarten am 22. Februar zu erwarten. Jede Person erhält eine nicht übertragbare, auf eine Woche gültige Karte zu einem Gesamtbezug von zwei Kilogramm die Woche mit Abschnitten für den Bez von kleineren Mengen, 5, 50, 100 und 250 Gramm. Zur gelung sind 170 Kom⸗ missionen gebildet worden Eine Einheitlichkeit des Vorgehens auch der Nachbargemeinden ist gesichert. Brotausgabe in den Re⸗ staurants ist verboten. Der Gast kann das Brot mitbringen. Ho tels und Pensionen erhalten Tageskarten nach der Zahl der poli⸗ zeilich gemeldeten Personen. Der Vorstand des Deutschen ädte⸗ tages, der morgen in Berlin zusammentritt, wird voraus sichtlich allen Städten mit über 25 000 Einwohnern dieselbe Regelung empfehlen.

191102 Tonnen britische Handelsschiffe versenkt.

London, 11. Febr Nichtamtlich ImDaily Telegraph schreibt der Korrespondent für Seeversicherung: Der Markt für Kriegsversicherung war gestern sehr belebt. Die Prämien erhalten sich auf der alten öhe. Seit Beginn des Krieges sind 191 102 Tonnen britischer Schiffe ver senkt, 31017 Tonnen durch Minen zum niken gebracht und 3385 Tonnen torpediert worden. Das ist nach Lloyds Register etwas ũber

ein Prozent der gesamten Handelsflotte. 4

W. B