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Stadt und Cand. Gießen, 11. Februar 1915.
» Ausfuhrverbot für Brot und Mehl aus D
a und Um die Versorgung der hiesigen Bevölkerung mit Brot und Mehl sicherzustellen, hat der Oberbürgermeister die Abgabe von Brot und Mehl außerhalbder Stadt Gießen untersagt. Auf die diesbezügliche Bekannt- machung in heutiger Nummer wird ausdrücklich verwiesen.
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Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Unterossizier Rudolf Böck, Res.-Ins.-Agt. 116, aus Ober ⸗ Lais.— Unteroff. Heinrich Dossmann, Res.-Jnf⸗Rat. 83, aus Marburg.— Gesr. Wilh. Otto, Res.-Inf⸗Rgt. 116, aus Friedberg. — Gejr. 17 Neeb, Res.-Inf.-Rgt. 83, aus Naunheim.— Gesr. Wilhelm Forster, Juf.⸗Rgt. 118, aus Worms.— Unteroffizier der Landwehr Alexander Reuter, 2. Marine-Ins.⸗Rgat., aus Hanau.— Unteroff, wald, Res.-Inf.⸗Rgt. 116, aus Ober-Ramstadt. — Reservist Heinrich Adam Frank, Res.⸗Jeld⸗Art.⸗Rgt. 21, aus Niedernhausen.— Musk. Willy Betz, Inf.⸗Rgt. 140, aus Wies baden.— Kriegsfreiw. Kandidat des höheren Lehramts Alfred Bücher, Res.⸗Inf.-Rgt. 223, aus Bierstadt.— Lt. der L. und Bat.⸗Adjut. Erich Schuster aus Wiesbaden.— Lt. d. Res. Vete⸗ rinär Dr. Hermann VButtron aus Franksurt a. M.— Ref. Friedrich Weitert, Inf.⸗Agt. 188. aus Friedberg.
Ritter des Eisernen Kreuzes: Sergt. Max Klieber aus Wetzlar, bei der Stabswache der 22. Res. Div. Musk. Josef Schmidt aus Thalheim, Königs⸗Inf.⸗ Regt. 145. Vizefeldw. OttoH Müller aus Freiendiez, Inf.⸗ Regt. 160. Gefr. Wilhelm Herold aus Neukirchen, Pion.⸗ 2575 19. Vizefeldw. Franz Uhrich aus Kloppenheim, Res.— Inf.⸗Regt. 222. Kanonier Richard Alt aus Wohnbach, FJußart.⸗Regt. 18. Feldwebel Fr. Salzmann, Gefreiter Emanuel Salzmann, Sergeant Chr. Stöhr und Uffz. 9415 Kraus kopf, sämtlich aus Rosenthal. uffz. Wilh.
id aus Butzbach, Inf.-Regt. 116.
* Postscheckverkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Januar 1915 auf 103 864 gestiegen(Zugang im Monat
anuar 796). Auf diesen Postscheckkͤnten wurden im Januar gebucht 1875 Millionen Mark Gutschriften und 1877 Millionen Mark Lastschriften. Bargeldlos wurden 2020 Millionen Mark des Umsatzes beglichen. Das Gesamtgut⸗
ben der Kontoinhaber betrug im Januar durchschnittlich
„6 Millionen Mark. Im internationalen Postüber— weisungsverkehr wurden 4,2 Millionen Mark umgesetzt.
* Geh. Kirchenrat Schlosser, der bereits vor Beginn des Krieges in den Ruhestand treten wollte, dann aber aus Anlaß des Krieges weiter im Amte verblieb, wird nun am 1. Mai l. J. Gießen verlassen, um nach Frankfurt überzusiedeln. Seine Abschiedspredigt wird er am 18. April halten.
** Ehrung eines Hessen in Wien. Eine hohe Auszeichnung ist Herrn Heinrich Schieferstein aus Lich(Oberhessen), Oberingenieur bei Siemens u. Halske in Wien, zuteil geworden. Für hervorragende Verdienste um die österreichische Armee und Marine auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie wurde ihm von Kaiser Franz Josef der Franz⸗Josef⸗Orden verliehen.
* Stadttheater. Der Vorstellung des Kindermärchens „Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack“ am kommenden Sonntag Nachmittag wird auch die Verfasserin Frau Marie Waldeck beiwohnen.— In der Freitag-Aufführung von Kleists„Zerbrochenem Krug“ wird die Rolle des Licht diesmal von Herrn Bochum gespielt werden, da Herr Ludwig Grosser plötzlich zum Militär einberusen worden ist.
** Bunter Abend. Am 20. Februar, abends 87 Uhr,
wird Herr Willy Werner Göttig in der Neuen Aula einen
Vortragsabend zugunsten der Spende für die Beschaffung von Sanitätshunden in der Volksküche halten. Die anfänglich in Aussicht genommene Mitwirkung des Bauerschen Gesangvereins hat sich als untunlich herausgestellt, und Herr Göttig wird das Programm allein bestreiten. Bei seiner schon wiederholt im Dienste der Kriegsfürsorge erwiesenen Unterhaltungsgabe werden die Be- sucher sicherlich auch so auf ihre Kosten kommen. Ueber die Not- wendigkeit, den oben genannten Zweck zu unterstützen, braucht nichts weiter gesagt zu werden.
* Die Tröstungen der Philosophie im Welt⸗ kriege. Vor einer zwar nicht sehr zahlreichen, aber um so williger aufhorchenden Zuhörerschaft setzte gestern abend im Saale des Hotel„Großherzog von Hessen“ der Dichterphilosoyh Bruno Wille die Art auseinander, wie sich nach seinen Anschauungen das menschliche Denken mit den Erscheinungsformen und Forde⸗ rungen des Krieges abzufinden habe. Es ist im Rahmen eines kurzen Referats unmöglich, dem inhaltsreichen und vielseitigen, fast zweistündigen Vortrag Punkt für Punkt nachzugehen; zumal es dann unvermeidlich erscheinen müßte, zu erhärten, warum zwi⸗ schen Willes Ausführungen und anderen Systemen oder Welt⸗ anschauungen Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten bestehen und bestehen müssen. Wille ging aus von der Heldengestalt Fried⸗ richs des Großen, der seine Höhe durch eine bewußte Kultur der Seelenäußerungen gewonnen habe, die sein Vater noch als Schwär⸗ merei bezeichnen zu müssen glaubte, mit anderem, richtigem Worte durch seinen Idealismus. Nie sei derselbe unent⸗ behrlicher gewesen als zur Jetztzeit. Er ermögliche uns, die Haupt⸗ forderung der Stunde, die Heldenhaftigkeit, zu erfüllen. Dieselbe bestehe nicht im äußeren Draufgängertum und der Be⸗ tätigung körperlicher Kraft und physischen Mutes, sondern sie sei eine Sache der Gesinnung. Nietzsche habe das Heldentum als den Willen zur Macht bezeichnet. Der Redner war bestrebt, nachzu⸗
weisen, daß Nietzsche darunter wohl nur den Willen zu den
idealen Mächten verstanden haben könne. Aus der Gesinnung der Heldenhaftigteit heraus betrachtet, gewännen alle Aeußerungen unserer gewaltigen Zeit jene Weihe, die man als die Tröstung der Philosophie bezeichnen könne. Das Gebot, nach dem Heldentum der Gesinnung zu streben, zwinge den Egoisten, den krämerhaften, brutalen, nur an der Materie haftenden Daseinswillen den For⸗ derungen eines idealen, individualistischen Selbst unterzuordnen und sein Leben als ein Amt zu betrachten, aus dem heraus ihm Pflichten der verschiedensten Art erwachsen. Das führe folge⸗ richtig zu einer durchaus freien, ungetrübten Vorstellung vom Tode, der nur als eine neue Erscheinungsform des Daseins und nicht mehr als ein Auslöschen, ein Ende, erscheine. Wessen Hand⸗ lungen unter den Gesetzen des besseren Selbst ständen, der könne mit Zarathustra fragen: Was soll ein langes beben, dem werde die Spur seiner Erdentage nicht in Aeonen untergehn. Der Redner beleuchtet dann den Trost, der in der Unabänderlichleit des Schick⸗ sals für die Angehörigen der Gefallenen liege, stellte das Ver⸗ hältnis des Einzelmenschen zu dem Begriff Schicksal heraus, Arntersuchte und begründete die Berechtigung des Tötens im Kriege, ging den verwickelten Zusammenhängen unter den Gefühls vor⸗ gängen* dem Massensterben im Frieden und im Kriege nach und setzte seine Ansichten über Vaterlandsliebe, Volkstum und Nationalität auseinander, Begriffe, die der Erreichung des wahren Menschentums nun und nimmer entgegenständen. Das Erstreben
der von ihm entwickelten Begriffe des heldenhaften Charakters bezeichnete der Redner als das oberste Prinzip; wie das Samen⸗ forn in der Erde sein Wesen aufgebe und dadurch erst die Be⸗ stimmung des Hervorbringens neuer Frucht ermögliche, so müsse das Individuum aus der Unterordnung aller egoistischen Triebe unter den Pflichtgedanken den Früchten die Reife ermöglichen, die in der Betätigung der Seelencußerungen schlummern.— Es erhellt, daß der Redner mit seinen Ausführungen gar oft die
Grenzgebiete zwischen rein materialistischer Weltauffassung und ttranszendentaler Philosophie streisen mußte. Außerordentlich wohl⸗
tuend berührte dabei die fast zart zu nennende Art, mit der Wille seinen Standpunkt, wenn er das Gebiet allgemeingültiger Begriffe verließ, durchweg sozusagen als Privatansicht, als empfehlenswerte enkform und niemals als apodiktische Norm charakterisierte. Ob er die außerordentlich flüssigen Grenzen der geltenden, aus welcher Weltanschauung auch immer kommenden Moralbegriffe, nicht weiter zugunsten einer Anziehung des Gottesbegriffs hatte überschreiten können, muß unter dem eingangs angeführten Gesichtspunkt un⸗ erörtert bleiben.
*Die vereinigten Posaunenchöre von Gießen und Umgegend, die vor kurzem die in der Alten Klinik untergebrachten Verwundeten mit einem Ständchen erfreuten, werden am Sonntag nachmittag von Uhr an in einer Stärke von ungefähr 50 Bläsern im Garten der medizinischen bezw. chirurgischen Klinik spielen, um auch den dort befindlichen Verwundeten eine angenehme Abwechselung zu bieten.
* Gefangenenlazarett. In der Kaserne der Maschinengewehrabteilung sind rund 300 Gefangene unter- gebracht. Von diesen sind 120 verwundet und 180 krank. Unter den Gefangenen in Gießen befinden sich rund 50, die für den Militärdienst nicht mehr geeignet erscheinen und als Krüppel zu bezeichnen sind.— Gestern wurden zehn franzö⸗ sische Sanitätsmannschaften aus dem Gefangenenlager zu⸗ rück in ihre Heimat transportiert.
20 Landkreis Gießen.
(2) Grüningen, 10. Febr. Gefreiter stud. phil. Jakob Bingel, Kriegsfreiwilliger im Inf.⸗Regt. 222, Sohn un⸗ seres Bürgermeisters, hat in Rußland das Eiserne Kreuz 2. Klasse erworben, sein Bruder beim Landwehr-Regiment 7. Kompagnie 116 erhielt vor einiger Zeit das Eiserne Kreuz in Frankreich.— In der Reichswollwoche wurden 52 wollene Decken gearbeitet und abgeliefert.
(2) Lang-Göns, 10. Febr. Offizier Stellvertreter Otto Heidt erhielt das Eiserne Kreuz.
Kreis Lauterbach.
O Lauterbach, 10. Febr. Die Sammlungen der Reichs- Wollwoche haben hier zu einem derart reichen Ergebnis ge- führt, daß es unmöglich ist, mit den zu Gebote stehenden freiwilligen Hilfskräften die Berge von getragenen Kleidern und Wollsachen zu verarbeiten. Es mußte daher ein großer Teil nicht geeigneter Stoffe an einen Händler verkauft werden. Der Erlös soll dem Roten Kreuz zufallen. Auch in den Gemeinden des Kreises wurde eifrig gesammelt. Auch dort harren noch ganze Wagen Wollsachen der Verarbeitung.
Kreis Schotten.
Aus dem Vogelsberg, 10. Febr. Neben dem Flachsbau, der in unserem Vogelsberg früher in hoher Blüte stand und dessen Kultur völlig eingeschlafen ist, hat man auch in manchen Gemeinden die Schafzucht und damit die Produktion der Wolle abgeschafft. Man glaubte, besser zu wirtschaften, wenn man die Grasbestände, die den Schafen zur Weide dienten, versteigerte. Die e Woll- bezw. Garnpreise, die der Weltkrieg geschaffen, geben eine andere Lehre. Bisher kaufte man das Pfund Wollgarn zu 2.80 bis 3 Mk., jetzt bezahlt man dafür 4.50 bis 5 Mk. Welche große Beträge für Wollgarn jährlich und namentlich jetzt in den Gemeinden hinausgehen, in denen man keine Schafzucht mehr treibt, kann jedermann leicht ermessen. Allerdings steht im oberen Vogelsberg mit seinen vielen Weiden die Schafzucht noch in Blüte.
Kreis Friedberg.
(h) Friedberg, 10. Febr. Bei Dorheim überfuhr der Hungener Frühzug den Ackerknecht Wilhelm Meier aus Althaldensleben und tötete ihn auf der Stelle. Wie das Unglück herbeigeführt wurde, konnte noch nicht festgestellt
werden.. Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt, 11. Jebr. Der hiesige Oberbürgermeister erläßt zur Sicherung der Brotversorgung im Anschluß an die Bundesratsverordnung eine ausführliche Bekanntmachung, nach welcher 1. alles im Gebiet der Stadt Darmstadt vorhan⸗ dene Brotgetreide und Mehl zugunsten der Stadt beschlag⸗ nahmt wird. Jede Abgabe nach außerhalb des Stadtgebietes ist verboten. 2. Diese beschlagnahmten Vorräte bleiben in Verwahr der Besitzer, welche für den Bestand und dessen Güte haftbar sind. 3. Händler dürfen monatlich Mehl bis zur Hälfte der früher veräußerten Menge verkaufen, maßgebend ist hierfür die Zeit vom 1. bis 15. Januar d. J. Bäcker und Konditoren dürfen dreiviertel des Quantums, das sie täglich in der Zeit vom 1. bis 15. Januar verbrauchten, verbacken. 4. Auf einmal darf nicht über zwei Pfund Mehl zum sofortigen Verbacken 3 wer⸗ den. Für die Abgabe von Brot hat die städtische Verwaltung die Ausgabe von Brotkarten beschlossen. Sie verzeichnet den behördlich festgestellten Verbrauch des Käufers für eine be⸗ stimmte Zeit. Ueber die verzeichnete Menge hinaus darf kein Brot abgegeben werden. Für Speisehäuser, Gast⸗ und Schank⸗ wirtschasten und andere gemeinnützige Anstalten wird von Fall zu Fall entschieden. 5. Vermittelungsstellen bleiben wie bisher nach Wahl die Mehlgroßhändler oder Innungen, oder die Ein⸗ kaufs⸗ und Konsumgenossenschaften. 6. Es dürfen nur Ein⸗ beitsbrote gebacken werden und zwar sog. Kriegsbrot im Verkaufsgewicht von 2 und 4 Pfund, sowie Weißbrötchen usw. mit höchstens 70 Prozent Weizenmehl und 30 Prozent Roggenmehl, Verkaufsgewicht nicht über 100 Gramm. Das Verkaufsgewicht muß bei diesen Einheitsbroten 24 Stunden nach Fertigstellun vorhanden sein. Das Backen und der Verkauf von Milchgebäck i verboten. Die Herstellung von Weizenschrotbrot kann— beson⸗ dere Fälle gestattet werden. 7. Außer den in 6 angeführten Ein⸗ heitsbroten dürfen nur noch Zwieback und reine Konditorwaren hergestellt werden. Bei letzteren dürfen höchstens 10 Prozent der ganzen Gewichtsmasse an Weizen oder Roggenmehl verwendet werden. Gegen Zuwiderhandelnde ist Gefängnisstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis 1500 Mk., oder ev. Gaschäftsschluß angedroht.
0 a. M., 11. Febr. Bei der am 6. Februar durch Nachfrage von Haus zu Haus vorgenommenen Ar⸗ beitslosenzählung wurden 429 Personen als arbeits- los ermittelt. Da ein großer Prozentsatz hiervon lediglich erkrankte Personen sind, kann der Stand der Arbeitslosig⸗ keit— selbst unter Hinzurechnung der 55 von der Stadt beschäftigten Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr mit 756 Arbeitslosen als sehr günstig bezeichnet werden.
O Mainz, 10. Febr. In der heutigen Sitzung der Stadt- verordneten wurde für den„Roten Halbmond“ eine Spende von 5000 Mk. einstimmig bewilligt.— Für die zweite Bauperiode der Erweiterung des Gaswerkes wurden 1207 250 Mk. bewilligt. Bei der Beratung eines Erlaß einer Ortssatzung für, das Gewerbegericht wurde von der sozialdemokratischen Fraktion bean- tragt, die Beisitzer des Gertchts von, 2 auf 4 zu erhöhen. Dieser Antrag wurde abgelehnt und beschlossen, es bei zwei Beisitzern wie bisher zu belassen.— Für die, Anschaffung einer Hasenbahn-Loko⸗ motive und Erweiterung des Lokomotivschuppens wurden 36 000 Mk. bewilligt.
Kreis n. w. Wetzlar, 10. Febr. m ndrat Dr. Sarto⸗ rius— 3 2 der Charakter als Geheimer Regie-
rungsrat verliehen. N dessen. Nassan.. Marburg, 10 Febr. Auf Einladung des Magistrats den Stadtsälen eine von weit über
estern abend in F080 re uen aller Stände besuchte Versammlung
5 einleitenden Mitteilungen der Herren Ober⸗ 5 ter Troje und Beigeordneter Müller über
die Kriegsfürsorge sprach Frau Professor Rade in etwa einstündigen Ausführungen über die Frage:„Wie können wir Frauen unserem Volke zum Siege verhelfen?“ Sie mahnte gegenüber den englischen Aushungerungsplänen zur größten Sparsamkeit in den einzelnen Haushaltungen, zur Nutzbarmachung aller zur Verfügung stehenden Nähr mittel, befürwortete die Abgabe der Haushaltsabfälle an die Vieh⸗ halter und schloß sich der Aufforderung des Magistrats an, alle brachliegenden Plätze gartenwirtschaftlich nutzbar zu machen. Weil infolge des großen Andrangs die Polizei die Türen schließen mußte, soll die Versammlung wiederholt werden. (b) Frankfurt a. M., 10. Febr. Der Präsident der l Handelskammer, Geheimer Kommerzienrat ean Andree-Passavant, ist heute nachmittag nach kurzem Leiden im Alter von 73 Jahren verstorben. De Verschiedene gehörte der Handelskammer seit 1888 an; ihr Präsidentenamt bekleidete er seit dem Jahre 1900. Frank- furts Handelswelt verliert in Andree einen ihrer hervor⸗ ragendsten Förderer und weitblickendsten Kaufherrn.
(h) Frankfurt a. M., 10. Febr. Ein ungenannter Bürger hat der Stadt für das Volksbildungsheim 100000 Mark geschenkt. Die Zinsen dieses Kapitals sollen während des Krieges der Kriegsfürsorge zufließen. Nach dent Kriege sollen die Zinsen mit je 300 Mark an je zehn in der Erwerbstätigkeit beschränkte, kriegsbeschädigte Familienväter bis zu ihrem Ableben gezahlt werden. Beim Ableben eines der Bedachten fallen die Zinsen dem Fonds des Volksbildungsheimes zu.— Vom 12. Februar ab wird für die Stadt Frankfurt das Einheitsbrot eingeführt. Das Brot darf nur als Zwei- und Vierpfünder⸗Laib ver⸗ kauft werden. Dem Roggenmehl sind zwanzig Prozent Zusatz beizufügen. Der Verkauf des Brotes darf erst zwei Tage nach seiner Herstellung erfolgen, zunächst am 15. Februar. Den Bäckern wird ausnahmsweise gestattet, Sonntag, den 14. Februar, von morgens 712 Uhr zu backen.
X. Hanau, 10. Febr. Der Landrat des Landkreises Hanau hat die bisherigen Höchstpreise für Speise⸗ lartoffeln erhöht, so daß diese nunmehr betragen für bessere ausgewählte Sorten 7,80 Mk., für alle anderen Sorten 6,80 Mk. pro Doppelzentner.— Vom Magistrat der Stadt Hanau ist den Händlern, Bäckern und Konditoren die Abgabe von Brot und Mehl außerhalb des Be⸗ zirks ihrer gewerblichen. verboten worden.
Usingen, 10. Febr. Wie der Landrat des Kreises Usingen amtlich bekannt gibt, wurden aus dem Kreise bereits 60 Landwirte der Staatsanwaltschaft ange⸗ zeigt, weil sie ihren Pferden täglich mehr als 2 Pfund Hafer— die behördlich vorgeschriebene tägliche Futtermenge — verabfolgt haben.— Das Verfüttern von Hafer an Zucht⸗ bullen wurden ebenfalls auf Grund einer ministeriellen Ent⸗ scheidung verboten.
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Letzte Nachrichten.
Zur deutschen Blockadeerklärung.
1. Köln, 11. Febr. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der olländischen Grenze:„Central News“ melden in einem elegramm aus Washington unterm 10. Februar: Präsi⸗
dent Wilson bestreitet die Meldung, wonach er im Namen der neutralen Staaten Einspruch gegen die Er⸗ llärung der deutschen Admiralität über das Kriegsgebiet erheben werde. Wilson erblickt in der Erklärung nichts weiter als eine wohlwollende Warnung an die Neutralen vor der Gefährdung bestimmter Seegebiete.
i. Köln, 11. Febr. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Zürich: Aus Mailand wird hierher teleg iert, daß in Rom in gutunterrichteten Kreisen das Gerücht für un⸗
richtig erklärt wird, wonach Jrtalien Schritte bei der deutschen Regierung tun wolle, um die Freiheit der neutralen Schiffahrt in der Nordsee zu verbürgen. Es verlautet, daß Deutschland Weisungen getroffen habe, italienische Kohlenschiffe nicht zu behelligen.
Russische Verluste in den Karpathen.
K. K. Kriegspressequartier, 11. Febr. Nachdem der Durchbruchsversuch starker russischer Kräfte im Raum von Dukla abgewiesen ist, steht jetzt der äußerste Westflügel der russi⸗ schen Karpathenkräfte längs der Grenzhöhen. Der russische Sturm scheint gebrochen. Die Verluste der Russen in diesem Bruchteil der Karpathenfront berechnet sich wie folgt: Bei dem Sturmangriff auf Lipno am 28. Januar verloren die Russen 1600 2 darunter 2 Oberstleutnants, und ebensoviel an Toten und 2 wundeten, insgesamt über 3000 Mann. Der abgeschlagene Angriff auf den Berg Kasteli in der Nacht vom 4. Febr. kostete den Russen über 1000 unverwundete Gefangene, 1500 Tote und Verwundete. Von der 48. sibirischen Truppendivision kehrten nur 500 bis 600 Mann zurück. Aehnlich hoch waren die Verluste weiter östlich in der nächsten Umgebung des Duklapasses, so daß ihre Gesamteinbuße auf 10 000 Mann veranschlagt werden kann. Die Verbündeten ge⸗ winnen den schwierigen Gebirgsverhältnissen entsprechend langsam aber ständig Boden. Nach Aussage von Gefangenen wurde ein dort stehendes russisches Infanterieregiment wegen Meuterei dezi⸗ miert, ein zweites in plombierten Wagen nach Lemberg abgescho⸗ ben. Alle bestätigten die enormen Verluste in den letzten Kämpfen und sagten ferner aus, daß sie drei Tage ohne warme— seien, nur alle 6 Tage schwarzes schlechtes Brot bekämen un seit 3 Monaten keine Löhnung erhalten hätten. Viele seien nach nur 15tägiger Ausbildung an die Front geschickt worden. Die Mehrzahl trug unter dem Militärmantel Zivilkleider.(B. Tabl.)
Die Lage in Albanien.
i. Köln, 11. Febr. Die„Köln. Ztg.“ berichtet von der holländischen Grenze: Aus Brindisi wird aus zuverlässigen Quellen gemeldet, daß es bestimmt feststehe, daß in Albanien allgemeine Anarchie herrsche. Ueberall treiben sich mor⸗ dende und plündernde Banden herum. Aus Cetinje wird dem „Messagero“ gemeldet, daß die Feindseligkeiten zwischen Montenegrinern und Albanesen in ständigem Wachsen seien, und daß es täglich zu Zusammenstößen komme.
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