Sießener Familienblätter;
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105. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
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f Donnerstag, II. Februar 1015
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Ein theatralisches Schauspiel der russischen Duma. Eine neue Konferenz der Nordlandsstaaten.
1 Großes Hauptquartier, 10. Februar, vormittags.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Abgesehen von kleineren Erfolgen, die unsere Trup⸗ pen in den Argonnen, am Westabhang der Vogesen bei Ban⸗de⸗Sapt und im Hirzbacher Wald erreichten, ist nichts zu melden.
Oestlicher Kriegsschauplatz. Die vereinzelten Gefechte an der ostpreußischen Grenze entwickel⸗ ten sich hier und da zu Kampfhandlungen von grö⸗ ßerem Umfang. Ihr Verlauf ist überall normal.
In Polen rechts und links der Weichsel sind keine Ver⸗ änderungen eingetreten. Oberste Heeresleitung.
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Die Kriegssitzung des preußischen Abgeordnetenhauses war ein politisches Ereignis von nicht unwesentlicher Be— deutung. Sie hat uns, soweit wir die Etatrede des Finanz— ministers Dr. Lentze betrachten, unsere Kriegslage von einer neuen, befriedigenden Seite gezeigt, nämlich in der Entwick— lung wirtschaftlicher Zusammenhänge, die durchaus nicht den trostlosen Anblick eines Trümmerhaufens bieten. Wenn auch nach außen manche Tore sich geschlossen haben— im Innern leben die schaffenden Kräfte ungehemmt weiter und sie haben sich einen sprossenden Organismus geschaffen, der aller dunk⸗ len Pläne unserer Feinde spottet. Ein Gradmesser für die wirtschaftliche Stärke und Lebensfähigkeit Deutschlands auch inmitten einer Welt von Feinden ist besonders das hoch⸗ erfreuliche Betriebsergebnis unserer Eisenbahnen, wie es von Dr. Lentze nochmals vorgeführt worden ist.„Das Deutsche Reich wird nicht zugrunde gehen. Es wird ein Hort der Bil- dung, Kultur, Pflichterfüllung und treuester Arbeit weiter bleiben.“
Das waren schöne Schlußsätze, die uns trösten müssen über vieles Leid und harte Schläge, die Tausende von Fa⸗ milien getroffen haben und noch treffen werden. Wenn wir
in die Zukunft blicken, die uns der Frieden bringen mag, so schwebt uns kein schattenloses Elysium vor:
wir werden Menschen und Kämpfer bleiben. Aber des Volkes Bedürf— nis ist, während die blutigen Schlachten noch toben und die Erde von weltgeschichtlichen Erschütterungen bebt, den inne⸗ ren Burgfrieden zu hüten, bis die neuen Grundlagen ge— schaffen sind für innerpolitische Programme. Daher werden nur Wenige der Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Hirsch etwas Angenehmes abgewonnen haben. Sollen wir jetzt um Wahlrechtsfragen streiten, um Dänen- und Polen⸗ politik, wo über den Grenzen des Reiches die Kämpfe lodern und von des Schicksals Hand den Völkern ihre Rechte und Grenzen zugemessen werden? Der Abgeordnete Hirsch sprach von den Friedensstimmen, die sich mehren müßten. Ja, wir ersehnen den Frieden, aber, wie bekannte Führer der Sozial⸗ demokratie es ebenfalls ausgesprochen haben, einen dau— ernden Frieden, der deutschen Aufschwung und unge— hemmte deutsche Kulturarbeit verbürgt. Der Abgeordnete Hirsch hat nur eine Gruppe jener unentwegten Oppositions⸗ geister vertreten, die in der sozialdemokratischen Partei und namentlich im preußischen Landtag schon immer durch aller- lei Extravaganzen geglänzt haben. Was ihm vom Abgeord— neten v. Heydebrandt namens anderer Parteien vor⸗ gehalten wurde, war sehr berechtigt.
Der„Vorwärts“ sucht dem sozialdemokratischen Frak— tionsredner die Stange zu halten, indem er bemerkt, es hätte nach außen nicht der Eindruck erweckt werden dürfen, als ob es keinerlei Meinungsverschiedenheiten im preußischen Volke gebe. Was geht aber denn den Zaren, Sir Edward Grey oder General Joffre das preußische Wahlrecht an und wie denkt sich Herr Hirsch die Wirkung seiner Kundgebung auf diese Herren? Die Wahrheit ist, daß Hirsch und seine Auftraggeber befürchtet haben, es könne jemand den Glauben hegen, ihr Paxteikörper sei in der Zeiten Wetter einer Ab⸗ magerung verfallen. Aus dieser Stimmung heraus sind auch folgende Sätze des„Vorwärts“ entstanden, der dem Finanz- minister nur ein gedämpftes Lob gönnt:
„Die Einleitungsrede des Finanzministers beschäftigte sich eigentlich sehr wenig mit dem Etat. Aber gerade das war ihr Vor⸗ zug. Wen interessieren heute trockene Zahlen, die doch keinen An⸗ spruch darauf erheben können, daß sie der Wirklichkeit ent⸗ sprechen. Eine Schätzung, die heute richtig ist, erweist sich viel⸗ leicht morgen schon als falsch. Ob der Wunsch des Finanzministers in Erfüllung geht, dem er am Schlusse Ausdruck verlieh, daß das gemeinsam auf den Schlachtfeldern vergossene Blut zur Mil⸗ derung der Schärfe des Kampfes zwischen den Parteien beitragen möge, wissen wir nicht, das hängt nicht von uns, sondern von unseren politischen Gegnern und nicht zuletzt von der Regierung selbst ab.“ 5
Die Milderung der Schärfe des Kampfes wird wohl von
allen beteiligten Faktoren, einschließlich der Sozialdemo⸗
dingungslosen Weise, wie Herr Hirsch es meinte.
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kraten, abhängen. Wir wollen die Mehrung der Friedens⸗ stimmen wünschen, freilich nicht in der Richtung 3 innere Friede kann angebahnt werden durch die sozialen Wirkungen unserer jetzigen Volksernährungspolitik. Nicht als ob wir, übertreibend, die Maßregeln des Bundesrates als Schritte zum Sozialismus bezeichnen wollten. Gegen diese Ansicht, die von einigen sozialdemokratischen Führern
verfochten und zu Agitationszwecken empfohlen worden ist,
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hat der„Vorwärts“ vor einigen Tagen selbst Einspruch er⸗ ben, indem er erklärte, der Sozialismus verlange die
Verstaatlichung der Produktions mittel. Aber eine ver⸗ sohnljche, soziale Friedensstimmung könnte sehr wohl von
diesen Tagen einer neuen wirtschaftlichen Organisation aus⸗ gehen. Es wird notwendig sein, daß die Besitzenden opfer⸗ willig denen etwas zuteilen, die in Not geraten sind. Draußen, in den Schützengräben, wird das letzte Stück Brot brüderlich geteilt; wenn wir im Reichsinnern unsere Vor⸗ räte an Lebensmitteln haushälterisch zusammenfassen, so daß sie für die Gesamtheit ausreichen, so dürfen wiß unsere Armen, die hohe Preise nicht zahlen können, nicht darben lassen. Luxus und Genußsucht müssen zurücktreten, und die Einfachheit der Lebenshaltung bei allen Bevöllerungs⸗ klassen wird manche überflüssigen Schranken der Klassen— politik hinwegräumen helfen.
Die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion des preu⸗ ßischen Abgeordnetenhauses wird bei der Mehrheit der deut⸗ schen Sozialdemokratie kaum begeisterte Zustimmung finden. Der„Vorwärts“ muß in derselben Nummer, in der er die Kriegssitzung des Abgeordnetenhauses bespricht, folgende Notiz abdrucken, die in einem fröhlichen Gegensatze steht zu der trotzig düsteren Stimmungsmalerei über preußische Politik:
In einem Karlsruher Briefe der„Cannstatter Zeitung“ fin⸗ det sich nach der„Kreuz⸗Zeitung“ folgende Schilderung:
„Einen würdigen Auftakt der 3 des Landtages bildete gestern abend ein Empfang der Volksvertreter im Schloß. Um 5 Uhr wurden die Mitglieder der Ersten Kammer vom Groß⸗ herzog und der Großherzogin begrüßt, um 9 Uhr abends stellten sich die Volksvertreter ein, und zwar zum ersten Male vollzählig. Es war ein höchst interessantes Bild, als Großherzog Friedrich auf die Hünengestalt des Sozialdemokraten Geiß, der sich noch vor vier Jahren hartnäckig geweigert hatte, zu Hofe zu gehen, zuschritt und ihm in liebenswürdiger Weise die Hand reichte. Dann kam der bekannte Abgeordnete und„Volksfreund“ Redakteur Wilhelm Kolb an die Reihe, mit dem sich der Landes⸗ fürst in eingehender Weise über städtische Fragen(Kolb ist ja seit einigen Jahren Stadtrat) unterhielt, und dann der Abgeord⸗ nete von Pforzheim,„Genosse“ Stockinger. Letzterer glaubte den Großherzog darauf aufmerksam machen zu müssen, wie in⸗ teressant in sozialistischem Sinne die Jetztzeit sei. Auf dem Pforz⸗ heimer Rathaus stünden neben dem einfachen Fabrikarbeiter im Rathaus der reiche Kommerzienrat, jeder habe denselben Wunsch, anläßlich der Regelung der Brot- und Mehlverteilung seine Brot⸗ karte in Empfang zu nehmen. Das sei auch ein Fortschritt zum Endziel seiner Partei, meinte Stockinger. Schlagfertig parierte der Großherzog mit der Bemerkung:„daß eben außerordentliche Zeiten auch außerordentliche Mittel heischten“. Auch Prinz Max von Baden, der zukünftige Thronfolger, unterhielt sich mit je⸗ dem Sozialdemokraten, von denen nur Genosse Adolf Geck am Erscheinen verhindert war. 5
Die feierliche Eröffnung des Landtags heute früh 10 Uhr vollzog sich in hergebrachter Form, nur mit dem Unterschied, daß an Stelle des üblichen Fracks der Gehrock getragen wurde; lediglich die im Felde stehenden Abgeordneten erschienen in feld⸗ grauer Uniform. Die Leitung der Sitzung in der Zweiten Kam⸗ mer lag in den Händen des ersten Vizepräsidenten, des Sozial⸗ demokraten Geiß, dem die Minister beim Kommen in freund⸗ lichster Weise die Hand zum Gruße boten. Letzterer revanchierte sich durch eine wirklich durch und durch patriotische Rede auf das deutsche Heer und besonders auf unsere braven Badenr. Als-Geiß seine Rede, wie üblich, mit einem Hoch auf den Landes⸗ herrn schloß, liefen zum ersten Male die Sozialdemokraten, unter denen sich auch der„rote Geck“ aus Offenburg, der bekannte Kor⸗ respondent des Berliner„Vorwärts“ und der„Leipziger Volks⸗ zeitung“ befand, nicht zum Saale hinaus; sie blieben auch nicht, wie einzelne ihrer Gesinnungsgenossen im Reichstage, auf ihren Stühlen sitzen, sondern ein müti g erhob sich die gesamte sozial⸗ demokratische Fraktion wie auf ein Kommando und stimmte, man kann wohl sagen mit Begeisterung, in das dreifache Hoch ein; nur der Sozialdemokrat Böttger, der als Vizefeldwebel der Reserve erschienen 75 hielt sich verpflichtet, nicht hoch, sondern dreimal hurra zu rufen.“ 1
„Da der„Vorwärts“ sich hierzu jeglicher Randbemerkung enthält, wird seine rauhe Seele wohl auch etwas verspürt haben von dem erfreulichen und heiteren Stimmungsgehalt, der uns aus diesem parlamentarischen Zeitbild entgegen- weht.
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Der Kaiser bei der Armee Mackensen.
Berlin, 11. Febr. Ueber den Besuch des Kaisers bei der Armee Mackensen bringen der Berliner„Lokalanzeiger“ und das„Berliner Tageblatt“ Mitteilungen ihrer zur Ost⸗ armee entsandten Spezialberichterstatter. Im„Berliner Tageblatt“ heißt es u. a. Der Kaiser dankte seinen Soldaten für alles, was sie bisher geleistet, dachte der unzähligen Opfer an Gut und Leben, die das deutsche Volk bisher so willig auf sich genommen und kündigte mit weit vernehm⸗ barer erhobener Stimme an, daß ein ehrenvoller Friede erzwungen werden müsse, ernste aber zuversichtliche Worte. Generaloberst v. Mackensen dankte dem Kaiser für seinen Besuch und gelobte im Namen seiner Untergebenen, daß die II. Armee alles daran setzen werde, um das ihr bisher geschenkte Vertrauen des Kriegs⸗ herrn auch weiterhin sich zu erkämpfen und in Russisch⸗ Polen durchzuhalten, so lange es not tue. Im Berliner „Lokalanzeiger“ heißt es zu der Ansprache des Kaisers: Der Kaiser s zu den Truppen Mackensens von innerer Er⸗ regung gt. Er danlte ihnen für die bewiesenen Bravour⸗ 5 und forderte zu neuer Unentwegtheit und zu neuen Taten auf, denn noch seien die Feinde nicht gänzlich besiegt, aber es dürfe nicht geruht werden, bis sie nieder⸗ gerungen seien. Bei diesen Worten machte der Kaiser mit seinem Reitstock eine so energische Bewegung, daß an seiner
eigenen Willensmeinung kein Zweifel bestehen konnte.
Kanonendonner in der Nordsee.
Berlin, 11. Febr. Wie dem Berliner„Lokalanz.“ aus Rotterdam telegraphiert wird, wurde gestern aus Win⸗ schoten an der Küste der holländischen Provinz Gro⸗ ningen gemeldet, man vernehme dort Kanonendonner v der Nordsee..
Der neue Unterseebootskrieg.
Berlin, 11. Febr. Dem„Berliner Lokalanz.“ zufo berichten im Haag aus London eingetroffene holländische Reisende, daß in englischen Marinekreisen allerlei Gerüchte über große Vorbereitungen für den am 18. Februar be⸗ ginnenden Unterseebootskrieg umlaufen. U. a. seien über 100 Norpedobbote und Zerstörer für den ständi⸗ gen Aufklärungsdienst bestimmt worden.
Der amtliche französische Bericht. f 43„9. Febr.(Ctr. Frkft.) Die Kriegsberichte vom Diens⸗ ag lauten:
Um 3 Uhr nachmittags: In Belgien Artilleriekampf mit Unterbrechung. Ypern und Furnes wurden beschossen. Die bel⸗ Ai Artillerie zerstörte ein Gehöft, dessen Verteidiger flüchteten.
uf der Straße von Béthune nach La Bassée hatten wir eine Mühle wieder besetzt, wo es dem Feinde gelungen war, sich ein⸗ zurichten. Soissons wurde mit Brandgranaten beschossen. Auf der ganzen Front der Aisne und in der Campagne erwiderte unsere Artillerie wirksam das Feuer deutscher Batterien. In den Ar⸗ gonnen spielte sich der um Bagatelle entbrannte Kampf in einem der dichtesten Teile des Waldes ab und nahm infolgedessen einen ziemlich verworrenen Charakter an. Die Fronten wurden in ihrer Gesamtheit hüben und drüben behauptet. Die am 7. Februar beteiligten Bestände überschritten nicht 3 bis 4 Bataillone auf jeder Seite. Am gestrigen Tage 2 eines unserer Bataillone. In Lothringen und in den en Artillerietätigkeit.
Um 11 Uhr abends: Es wurde kein wichtiges Ereignis gr⸗ meldet. Wir sprengten vor Ville südlich von Craonne einen Minengang, worin feindliche Soldaten arbeiteten, in die Luft.
Die deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich.
Bern, 10. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die 5 Post vermittelte von September bis Ende Januar an di deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich 86291 Postanweisungen im Betrage von 1648 781 Franken, ferner 409005 Pakete und 6950 572 Briefe und Karten taxfrei.
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Der Mißbrauch der neutralen Flagge.
London, 10. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Von kom⸗ petenter Seite wird dem Korrespondenten der„Berlingske Tidende“, der noch vor zwei Tagen die Erklärung der deut⸗ schen Regierung als eine bewußte Unwahrheit bezeichnete, nachdem er sich angeblich bei sämtlichen maßgebenden Stel⸗ len zuvor erkundigt hatte, folgendes versichert: Die Admirali⸗ tät hat nicht einen allgem. geheimen Befehl an die briti⸗ schen Handelsschiffe ausgegeben, sondern sie hat nur den englischen Schiffen geraten, auf der Grundlage des all gemein anerkannten Rechtes die neutrale Flagge zu hissen, wenn sie ein Fahrwasser passieren, wo sich deutsche Unterseeboote aufhalten. Die Deutschen hätten sich auch dieser Kriegslist bedient. Nicht nur die„Emden“ bei Penang, son⸗ dern auch verschiedene Patrouillenschiffe und Minenleger seien unter neutraler Flagge gefahren. Auch alle Seemächte hätten dies zu Kriegszeiten häufig getan.— Sämtliche großen Schiffsreeder Liverpools und der anderen englischen Hafenstädten hätten einstimmig erklärt, daß sie diese Verhal⸗ tungsmaßregel für völlig legitim ansähen. Die Behaup⸗ tung sei töricht, daß eine derartige Handlung einen Flecken auf Englands Flagge und Ehre bedeute.
Rotterdam, 10. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die niederländischen Schiffahrtsgesellschaften haben infolge der deutschen Kriegsgebietserklärung beschlos⸗ sen, ihre Schiffe besonders kenntlich zu machen. An beiden Seiten der Schiffe soll in großen Lettern der Name stehen, an Deck werden große Holztafeln den Namen des Schiffes und des Heimathafens zeigen; nachts sollen diese Tafeln be⸗ leuchtet werden. Außerdem läßt der Rotterdamsche Lloyd rund um die Schiffe ein breites Band in den Nationalfarbe⸗ malen.
Neue Verhandlungen der drei nordischen Reiche.
Kopenhagen, 10. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die dret nordischen Reiche haben beschlossen, die in Malmö begon⸗ nenen gemeinschaftlichen Verhandlungen fortzusetzen und über die Frage der deutschen Nordseesperrung sowie de englischen Erklärung zu beraten, die zuläßt und billigt, daß sich die englischen Handelsschiffe der neutralen Flagge bedienen, sowie über die Frage der treibenden Minen in den nordischen Wewässern. Die Zeit der neuen Zusammenkunft ist noch un⸗ bestimmt.
Die Nöte Englands.
Berlin, 10. Febr.(Priv.⸗Tel.) Die„B. Z. am Mittag“ meldet aus Amsterdam: Nach einem englischen Blatte liegen im Hafen von Liverpool nicht weniger als 42 Schiffe mit Nahrungsmitteln, die infolge des Mangels am Arbeitskräften nicht ausgeladen werden können. Die Arbeiterorganisation verweigert die Zustimmung, daß bel⸗
aische Flüchtlinge als Aushilfskräfte angenommen werden.
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