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zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Die neuen russischen Pläne.
Je dünner und lleinlauter die russischen Generalstabs— berichte werden(weil eben gegen die schlichten und sachlichen Mitteilungen der deutschen und österreichisch-ungarischen Heeresleitung nicht mehr aufzukommen ist), desto großmäuli⸗ ger und vielversprechender wird die russische Presse. Da wird die Menge der schweren Artillerie beschrieben, die Ruß— land von Japan erhalten habe, die Waggons voll Waffen und Munition, die über Wladiwostol und Amerika gerom— men seien. Auch England habe, ehe der Hafen von Ar— changelsk vereiste, über eine Million moderner Armee— gewehre geliefert. Rußland, unerschöpflich an Menschen⸗ material, leide also keineswegs Mangel an Kriegsmitteln, und wenn man von der russischen Offensive so wenig mehr sehe und höre, so sei dies nur die Stille vor dem Sturm. Die Welt werde staunen, wenn die neuen Kriegspläne in Wirksamkeit treten. Und endlich, jetzt dürfe man es ja sagen, weil es doch schon alle Leute wissen: Frankreich hat einen seiner besten Heerführer, den General Pau natürlich nicht deshalb nach Petersburg entsandt, damit er dem Groß⸗ fürsten Nikolai Nikolajewitsch die französische Militärver— dienstmedaille auf die stolze Heldenbrust hefte, sondern damit er an die Spitze einer russischen Armee gestellt werde, mehr noch, damit er die neuen russischen Kriegspläne im Sinn und Geiste des französischen Elans zur Ausführung bringe. Für Elan können wir ruhig: Offensive setzen. Das ist mo⸗ derner und militärischer. General Pau ist der Mann der Offensive. Er hatte den Vorsitz und die geistige Leitung des Ausschusses, aus dessen Arbeiten die französische„An- leitung für den Dienst der Armeen im Felde“ vom Oktober 1913 hervorging. Diese neue Kriegslehre für die Truppen der Republik enthält tatsächlich eine Reihe grundlegender Wandlungen der früheren französischen Anschauungen über Truppen⸗ und Gefechtsführung und bricht vollständig mit der früher geltenden Verordnung vom 28. Mai 1895 über den Dienst der Armeen im Felde. Pau hat damals einen längeren Bericht an den Kriegsminister ausgearbeitet, worin sich allerlei interessante Ausführungen finden, umso inter- essanter, wenn man damit vergleicht, was Frankreich auf Grund der neuen Kriegslehre im ersten Halbjahr des großen Krieges erreicht hat. An die Spitze aller Gedanken und Vor⸗ schriften ist die Parole gesetzt: Offensive und wieder Offen- sive! Von allen Nationen, so meint Pau, biete gerade die Kriegsgeschichte Frankreichs die deutlichsten Beispiele für die großem Erfolge, zu denen der Angriffskrieg führe, wie auch für die Niederlagen, welche eine abwartende Kriegs⸗ führung nach sich ziehe.„Solange uns fast bis zur höchsten Vollkommenheit die Lehre der Offensive führte, waren uns die ruhmreichsten Erfolge beschieden, und, ein grausamer Gegenbeweis, an dem Tage, an dem wir sie mißachtet haben, hat gerade sie unseren Gegnern die Waffen geliefert, mit
deren Hilfe sie uns besiegt haben.“ Welche Selbstironie! Die Offensive, die den Franzosen über die Vogesen her miß⸗ glückte, ist gleich bei Beginn des Krieges auf die Deutschen
übergegangen. Aber kehren wir zu den Versprechungen Paus 0
urück. Er bestimmt: Die französische Armee, zu ihren Trabi itionen zurückgelehrt, erkennt für die Führung der Ope⸗ vationen kein anderes Gesetz mehr an als die Offensive. Nach dem südafrikanischen Kriege hat man gewisse Theorien wie— der erscheinen sehen, die man für immer verlassen glauben konnte, Theorien von der Unverletzlichkeit der Fronten und von der Möglichkeit, die Entscheidung durch das„Manöver“ herbeizuführen, ohne Kampf. Kurze Zeit darauf hat der russisch⸗japanische Krieg ein wahrhaft entschiedenes Dementi für diese gefährlichen Theorien gebracht; aber man muß stets fürchten, daß eine lange Friedens periode sie eines Tages wieder auftauchen läßt. Um eine derartige Wirkung
165. Jahrgang
ießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Montag, 8. Februar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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zu verhindern, bestrebt sich unsere Anleitung, dieses Haupt⸗ gesetz ins rechte Licht zu setzen, daß die Schlacht, als aus— schließlicher Operationszweck, das einzige Mittel ist, den Willen des Gegners zu brechen, und daß die erste Pflicht des Führers ist, die Schlacht zu wollen!
Man sieht, es sind da allerlei Brocken gut preußischer Felderfahrungen zusammengetragen, und dem Ganzen eine sehr einseitige Hauptidee gegeben, die in Wahrheit gar nicht zur französischen Tradition, gar nicht zum Geist der fran⸗ zösischen Kriegführung paßt. Ein bekannter deutscher Mili⸗ tärschriftsteller, Generalleutnant z. D. v. Ardenne, hat kürz⸗ lich mit vollem Recht darauf hingewiesen, daß der dauernd der französischen Truppe zugesprochene Elan, der Ruf„à la bayonette“ in Wahrheit nur Phrase ist, daß die Franzosen anno 70 nur einmal(bei Beaune la Rolande) einen infante⸗ ristischen Angriff dicht an den Feind herangetragen haben, daß also die neue Ofsensivtheorie(und ihre praktische Aus⸗ probung bei Soissons) nur dem Nationalhaß und der poli— tischen Verblendung entspringe, nicht aber dem französischen Militärcharakter. Entspricht General Paus Kriegslehre nun etwa dem russischen Militärcharalter? Die bisherigen Ereignisse auf dem östlichen Kriegsschauplatz, jede Schlacht und jedes Gefecht dort haben bis jetzt das Gegenteil be— wiesen. General Pau wird im Osten mit der neuen Strategie noch weniger Erfolg haben, als sein Kollege Joffre im Westen.
Hodeidah.
Der Name des arabischen Küstenortes Hodeida wird un für immer verknüpft sein mit der Erinnerung an eine der schönsten und kühnsten seemännischen Leistungen, die die Geschichte kennt. Dort haben die prächtigen Jungen, die den Rest der berühmten Emden-Mannschaft bildeten, nach einer Fahrt, die an die romantischsten Geschichten aus der Flibustierzeit erinnert, den sicheren Port befreundeten Bodens betreten. Hodeidah zählt zu den wichtigsten Häfen Arabiens und verdankt seine Bedeutung vor allem dem Umstande, daß es der hauptsächlichste Stapelplatz des be— rühmten arabischen Kaffees, des Mokkas, ist. Nach einer Schilderung der französischen Forschungsreisenden Charnay und Deflers sieht die Stadt, wenn man sich ihr von der Seeseite aus nähert, sehr bedeutend aus, und es fallen eine Anzahl großer Bauten mit mehreren Stockwerken ins Auge, die einen palastartigen Eindruck machen. Was er aber aus der Ferne verspricht, das hält Hodeidah nicht, wenn man ihm nahe kommt⸗ Der Hafen, der in der Regel von zahl⸗ reichen Barken belebt ist, ist primitiv zu nennen. Es gibt keinen Kai, keine Landungsbrücke; die Verbindung zwischen Schiff und Land stellen die Araber her, die ins Wasser gehen und, bis an den Hals in der Flut stehend, die Ent⸗ ladung der Barken und die Ueberführung ihrer Waren ans Land besorgen. Steht nun gar eine schwere See in dem
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Gießzener Stadttheater.
Die Barbaren. Lustspiel von Heinrich Stobitzer.
Folgenden Versuch, dramatisch zu beweisen, daß die Deutschen keine Barbaren sind, neunt Heinrich Stobitzer ein Lustspiel: Der Marquis von Thérigny nebst Gemahlin und zwei heirats⸗ fähigen Töchtern leben ebenso wie der Gutsnachbar von Chavenay dem von keinerlei Kenntnis der Tatsachen getrübten Glauben, daß die Deutschen ihre Siege über die grande nation dem Zufall danken und im übrigen Uhren und Silberzeug stehlen und ihr Fleisch unter dem Sattel mürbe reiten. Diesem Irrtum muß unter allen Um⸗ ständen abgeholfen werden. Der Marquis belommt ein paar schnei⸗ dige Ulanenoffiziere als Einquartierung, die sich mit absoluter Sou⸗ veränität als die Herren jeder Situation zeigen, die vertrottelte französische Konkurrenz wie auf dem Schlachtfeld so auch im Salon meilenweit hinter sich lassen und die gräfliche Familie derart von ihren Vorzügen und ihrer Lebensart überzeugen, daß im Hause des Marquis eine Doppelhochzeit zwischen Freund und Feind den Völkerfrieden besiegeln kann. Zu diesem erfreulichen Ergebnis kommt es jedoch erst, nachdem die deutschen Offiziere ihre männ⸗ liche Ueberlegenheit mit allerlei spitzfindigen Redensarten und mit je einer Generalprobe erhärtet haben: der Rittmeister läßt seiner zu erobernden Braut, die seine wohlgemeinten Befehle nicht achtet. den Gaul unterm Leibe wegschi„zieht ihm jedoch binnen einer halben Minute die wieder aus dem Fleische, und der Leut⸗ nant klappert dem Laffen Chavenay, der in einfältiger Weise sein Mütchen an ihm kühlen möchte, mit zwei alten Dekorationsstücken von Reitersäbeln vor der Nase herum. Chavenay aber will sich leinen körperlichen Mißhelligkeiten aussetzen, und der Leutnant findet Gelegenheit, große Worte über deutschen Mannesmut und das französische Gegenteil vernehmen zu lassen. Nebenbei zeigen die Deutschen mit einer Weihnachtsfeier, gegenseitigen Geschenken von gestrickten Socken, Lebkuchen und Likör ihre unterschiedlichen menschlichen Regungen und den Mangel an angeborener Wildheit. Das älteste Grafentöchterlein rettet den Rittmeister, während der Leutnant in Seelenruhe mit dem jüngeren über die Möglichkeit einer Verlobung konferiert, aus den Händen der Franktireurs, und was man im ersten Akt mit. kommen sah, kommt leider erst im vierten und deshalb unter Mißvergnügen angehinkt: der Marquis sieht zwei Töchter unter deutsche Hauben kommen. Hand⸗
lüsse, Hackenzusammenschlagen, Schluß. l Wir wissen nicht, was unsere Theaterleitung bewogen hat, diese im Jahre 1870 spielende Neuheit, aus derem Stoff aber auch nicht die geringste unbekannte Nuance mehr herausgepreßt werden laun, zu erwerben. Wenn auch der Verfasser ersichtlich kaltblütig mit der Stimmung des Publikums von 1915 gerechnet hat, so möchten wir einem patriotischen Lustspiel für seine Aufführungs- berachti denn doch noch eine ganze Menge anderer Motive gönfen. Wie Soldaten einen Weihnachtsbaum dekorieren, wissen nachgerade, und es ist keine andere Ursache dafür erkenntlich,
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einen ganzen Akt damit zu füllen, als die, die vorschriftsmäßige Spieldauer zu erreichen. Die gähnende Lücke füllt der Verfasser noch gerade rechtzeitig mit Gong⸗Geläute und dem verbrauchten Zauber der„Stillen Nacht“ aus, um das sich sachte verflüchtigende Wohlwollen im Zuschauerraum noch einmal zu erflehen. Hiermit und mit dem Liede„Deutschland über alles“ ans deutsche Gemüt und die Beifallsfreudigteit zu appellieren ist wohl nicht aus⸗ reichend, darzutun, daß unsere Väter ebensowenig wie wir Kanni⸗ balen waren; und die fast ausnahmslos abgenützten Scherze, Mei⸗ nungen und Taten der handelnden Personen können selbst dem Wohlwollendsten nicht einreden, daß es sich hier um ein Lustspiel sandle. Gottlob zeigt das Repertoir unserer Bühne auch in der riegsspielzeit die Möglichkeit, recht gut zu unterhalten, auch wenn es nun nicht gerade mit sogenannten Aktualitäten ist. Jedenfalls ist der Gedanke nicht behaglich, daß es ziemlich aus⸗ schließlich ein gewisses Solidaritätsgefühl unserer feldgrauen The⸗ aterbesucher für ihre Kameraden auf der Bühne war, das dem, Beifall einigermaßen den Rücken steifen mußte.—4—
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— Ein futuristisches Theatermanifest. Der Fu⸗ turismus lebt noch— wenigstens in dem neutralen Italien, in dem man noch Zeit und Lust für die Betrachtung seiner seltsamen Sprünge zu haben scheint. Sein letztes Manifest bezieht sich auf das Theater. Der Prophet des Futurismus Marinetti ma soeben aller Welt sein Programm bekannt, das zugleich syn⸗ thetisch, untechnisch, dynamisch, autonom, unlogisch und irreal sein soll.„Unsere Akte,“ so sagt das Manifest, werden sich auch auf Serundendauer beschränken können; unser Theater pfeift auf Shakespeare, aber kümmert sich um ein Geschwätz von Komikern, schläft ein bei einem Satze von Ibsen, aber begeistert sich für die roten oder grünen Reflexe der Sessel.“ So kommt der Futurist zu folgenden Hauptleitsätzen: die Technik, unter der das„passatistische Theater stirbt, soll vollständig abgeschafft werden; alle die idealen Abenteuer, die seltsamen und untheatralischen Genieblitze sollen, so unwahrscheinlich sie auch sein mögen, sich im Theater durchsetzen: die veralteten Rampen sollen beseitigt werden, die Bühnenhand⸗ lung im Parterre und bei den Zuschauern eidringen, freier Dialog, Gleichzeitigkeit, die szenische Sinfonie, die bühnenmäßig gestaltete Empfindung, die dialogisierte Fröhlichkeit, der nega⸗ tive Akt, die außerlogische Diskussion, die synthetische Defor⸗ mation geschaffen werden... Und für diese futuristische Theater⸗ kunst kündigt das Manifest auch die futuristische Architektur an, die bald in Mailand das große metallische Gebäude schaf⸗ fen wird, das von allen elektromechanischen Komplikationen be⸗ lebt wird und das allein ermöglichen kann, die freiesten Erfin⸗ dungen bühnenmäßig zu gestalten. Von Ancona wird inzwischen der erste futuristische Theaterversuch angekündigt: zehn Werke von drei verschiedenen Verfassern an einem einzigen Abend— all⸗ gemeine Fröhlichkeit und Bombardement mit faulen Aepfeln und
ähnlichen Wurfgeschossen von seiten des Publikums.
cht nichts weiß, das nimmt wohl niemanden wunder.
— Die toten Kronzeugen. Im„Temps“ erschien vor kurzer Zeit ein angebliches Interview, das aus der Westschwei stammen und u. a. auch den Beweis erbringen sollte, daß au die deutsche Schweiz mit ihren Sympathien sich mehr und mehr der Seite der Verbündeten zuneige. In diesem„Interview“ ließ der„Temps“, wie ein Bericht des Buchhändler⸗Börsenblattes mit⸗ teilt, seinen„wohlunterrichteten schweizer Gewährsmann“ u. a. folgendes sagen:„Sehen Sie z. B. Spitteler, den großen Schweizer Dichter, sehen Sie Gottfried Keller, Conrad Ferdinand Meyer, wie sie, nachdem sie die„germanische Kultur“ lange bewundert hat⸗ ten, sich jetzt über die deutschen Greuel entrüsten!“ Dem Herrn Spitteler geschieht es nur recht, wenn jetzt Ignoranten und Lügner vom Schlage des Verfassers dieses angeblichen Interviews auf ihn als ihren Spießgesellen und Kronzeugen Beschlag legen. Was aber die großen Toten der deutschen Schweiz, Gottfried Keller und Con⸗ rad Ferdinand Meyer, angeht, so wünschten wir nur, der angeb⸗ liche Westschweizer des Interviews hätte recht, und sie wären noch am Leben. Wir meinen, sie würden ihm, sowie dem bis zum Volksverrate„neutralen“ Herrn Spitteler recht hübsch auf die Finger klopfen, und Meister Conrad Ferdinand würde Spitteler vielleicht an seinen prächtigen Hauptmann Dexelhofen erinnern, der sich rühmte, vom Schwabenstamme und zugleich ein Eidgenosse gut zu sein. Daß aber der„Temps“, der als das solideste fran⸗ zösische Blatt gilt, vom Leben und Sterben Kellers und Meyers Gediegenheit und Zuverlässigkeit des Wissens ist Barbarensache und bleibt daher den Deutschen überlassen.
— Woher stammt das Wort„Blockade“? Das in diesen Tagen so viel gebrachte Wort Blockade hat einen sprach⸗ geschichtlich recht interessanten Stammbaum. Es geht zurück auf das deutsche Wort„bloch“, wovon auch die französischen Worte bloquer und blocus abgeleitet sind.„Das Bloch“ bedeutete nun ur⸗ sprünglich einen Holzkloz. Weil das Haus aus Baumstämmen errichtet und mit Baumstämmen befestigt ward, so wurde es das „Blochhaus“ 5 15 Zum„Blockhause“ wurde es erst später, als das echte rt„das Bloch“ in die jüngere Form der„Block“ entstellt wurde. Die Bedeutung dieses Wortes nahm jedoch noch eine weitere Entwicklung. Im älteren germanischen Leben diente das„Bloch“ als Verschluß, Absperrung, Haft. So wurde der Zugang des Hauses mit einem Holzklotz gesperrt, und der ge⸗ fangene Verbrecher wurde an einen Klotz geschlossen. Ein be⸗ kanntes Beispiel dieses Strafvollzuges bietet Shakespeares„König Lear“, wo Kent, der treue Diener des greisen Königs, von der widernatürlichen Tochter„in den Block“ gesperrt wird. Auf diese Weise ging nun auf das Wort Bloch oder Block allmählich die Bedeutung von Absperrung, Abschluß überhaupt über. Eine Blockade ist also nichts anderes, als eine Absperrung, und erst allmählich hat mit der Geschichte des Völker- und Seer die Bedeutung des Wortes sich dahin zugespitzt, daß es die Ab⸗
fens von der Seeseite her
sperrung einer Küste oder eines Ha bedeutet.
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