Ausgabe 
(8.2.1915) 32. Erstes Blatt
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das schmerzlichste empfunden werden. Er hat sein Regiment von

Sieg zu Sieg geführt, er war im Verein mit seiner unermüdlichen

Gemahlin, der Frau Oberst Rott in Wiesbaden, für das Wohl⸗

5 17 jungen Krieger stets in rührender Weise besorgt.

Oberst Rott hat sich das ehrenvollste Gedächtnis gesichert. Der

Name dieses braven Mannes wird mit dem Namen der Bischweiler

und der 222er unlösbar verbunden bleiben. 50

* Die Frage von Kleingärten für Gießen wurde am Samstag abend im Saale des Hotel Schütz in

einer öffentlichen Versammlung des Obst⸗ und Gartenbau-

vereins Gießen recht eingehend erörtert. Einleitend hielt Dr.

Hoffmann Friedberg, der in Feldgrau erschienen war,

einen sehr anschaulichen Vortrag über den vollswirtschaft

lichen Nutzen 3 r Anlagen, wobei er auch die soziale un 1 streifte. Er wies darauf hin, daß die Städte

Mainz, Darmstadt, Offenbach und Worms darin der Stadt

Gießen längst vorangegangen sind und daß er seit langen

Jahren auch in Gießen für die Schaffung von Kleingärten

eingetreten sei. Es sei erfreulich, zu hören, daß nunmehr

die Tobe ische Verwaltung der Frage ernstlich näher etreten ist, dem sich zeigte, daß dafür ein Bedürfnis ich herausgestellt hat. An den Vortrag schloß sich eine recht lebhafte Aussprache, in welcher zum Ausdruck kam, daß man diese Gärten in einfacher Weise hergestellt wünscht, daß es vollständig ausreiche, wenn deren Umzäunungen in Holz hergestellt wird, so daß die Anlage an sich nicht viel losten wird. n Compter machte die Mitteilung, daß der Eisenbahnminister verfügt habe, für

Beamte 1 Grundstücke pachten, welche sich für

Feld⸗ und Gartenbau eignen. Man habe sich bereits mit

der Stadt ins Benehmen 57 etzt, welche bereit ist, in der Nähe

der Margaretenhütte 1085

pachtweise für den Zweck zu überlassen. Dankenswerterweise

lat auch schon ein Privatmann Gelände gratis für diesen

Zweck zur Verfügung gestellt. Man betonte in der Aus⸗

sprache, daß es bei den teuren Gemüsepreisen unbedingt

nötig sei, Hand ans Werl zu legen, um jedes Stück Boden intensiv für gärtnerische Zwecke auszunutzen, und dies könne nur geschehen, wenn dem kleinen Bürgersmann, Arbeiter,

Handwerker und Beamten Gelegenheit gegeben wird, dabei

mitzuhelfen. Die Versammlung stimmte einstimmig einer

von Geh. Regierungsrat v. Ihering vorgeschlagenen

Entschließung zu, in der der Vorstand des Obst⸗ und Garten⸗

bauvereins beauftragt wurde, dem Oberbürgermeister Keller

und der Stadtverordnetenversammlung mitzuteilen, daß die

Versammlung es dankbar begrüßt, daß die städtische Ver⸗

waltung der Schaffung von Kleingärten nähergetreten ist

und daß man die Erwartung hegt, daß die Verwirklichung des Gedankens E bald in die Wege geleitet wird.

** Dr. Bruno Wille aus Friedrichshagen, der Dichter derOffenbarungen des Wacholderbaumes und der Abendburg spricht am Mittwochabend hier im Hotel Großherzog. Man schreibt uns darüber: Bruno Wille ist hier kein Unbekannter mehr und noch jedesmal, wenn er hier sprach, lauschte ein zahl⸗ reiches Publikum seinen tiefsinnigen und dichterisch verklärten Aus⸗ führungen. Ueber Bruno Wille, den Dichterphilosophen und be⸗ geisterten Propheten eines neuen Idealismus, äußert sich der Ber⸗ liner Kritiker Ernst Krauß:Aus dem verworrenen Gestrüppe, das die Berliner Literaturbewegung der 80er Jahre mit unheim⸗ licher Schnelligkeit zur Höhe trieb, haben sich nur wenige eigentlich kraftvolle und ebenmäßige Stämme herausentwickelt, die sich dank ihrer tieferen Wurzelkraft in dem steinigen Grunde festzuhalten vermochten, und die nun weit über jenes Unterholz hinaus, als ganze Naturen von reichen und eigentlichen Lebensformen vor uns tehen. Zu diesen wenigen gehört Bruno Wille. Und in der Tat erzwingt sich die glänzende Begabung dieses Dichterphilosophen in steigendem Maße die Beachtung weitester Kreise. Wurde do

s. Zt. sein RomanDie Abendburg mit dem großen Reklampreis von 30 000 Mark ausgezeichnet. So dürfte es wohl interessieren,

1 5 5 rechter Dichter in schwerer und ernster Zeit uns zu

sagen hat.

Stadttheater. Otto Ernsts KomödieFlachsmann als Erzieher, die im morgigen Dienstagsabonnement neuein⸗ studiert in Szene 2 75 ist in den Hauptrollen t mit den Herren Dworkowski, Steinhofer, Schubert, Goll und Grosser, sowie den Damen Schild, Jüngling und Sonntag⸗Blume.

* Aus dem Gefangenenlager. Die Zahl der Ge⸗

fangenen im Lager auf dem Trieb wird demnächst 10 000 er⸗

reichen. Die Militärverwaltung wird deshalb in den nächsten

Tagen die Lieferung von 6 zerlegbaren Holzbaracken

für je 200 Gefangene in Auftrag geben. Es besteht Aussicht,

daß die Arbeit wieder Gießener Unternehmern übertragen wird.

* Der Postanweisungsverkehr. Von jetzt ab gel⸗ ten neue Einzahlungskurse für Postanweisungen nach den Nie⸗ derlanden: 100 Gulden= 189 Mark, nach den vereinig⸗ ten Staaten von Amerika: 100 Dollar= 468 Mark.

Kreis Friedberg.

* Bad ⸗Nauheim, 7. Febr. In vergangener Nacht ent⸗ scklief nach schmerzlichem Leiden der Vorstand der Groß h. Bade⸗ Kurverwaltung Geheimer Baurat Dr. Karl Eser. Der Verstorbene, unter dessen Leitung die gänzliche Umgestal tung unseres Bades erfolgte und sämtliche Neu Badehäuser, Trinkkuranlagen, Ma n staatliche Waschanstalt, Fern⸗ heizkanal usw., entstanden sind, hat sich weit über die Grenzen

Hessens hinaus einen ehrenvollen Ruf als bedeutender Fachmann. auf dem Gebiete der Balneologie erworben. Dr. Eser wurde geboren 1854, studierte in München Chemie und Tiefbaukunde und trat dann in den bayerischen Staatsdienst. 1901 kam er nach Bad⸗ Nauheim und wurde 1907 nach Vollendung der Lauterer Wasserleitung zum Geh. Baurat ernannt.

r. Bad⸗-Nauheim, 7. Febr. Der Turnverein 1860 batte am 1. Januar d. Is. einen Mitgliederbestand von 11 Ehren- und 429 ordentlichen Mitgliedern, 38 Zöglingen und 25 Turnerinnen. Die Fechtriege zählt 17 ordentliche Mitglieder; 132 Mitglieder des Vereins stehen zurzeit im Felde. Trotzdem hatte der Verein mit 95 Turnstunden bei einer Teilnehmerzahl von durchschnittlich 45 bis 60 Turnern einen recht erfreulichen Turnbetrieb aufrecht erhalten. Von den ins Feld gezogenen Mitgliedern sind bisher acht gesallen, vier haben das Eiserne Kreuz erhalten.

5 Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 7. Febr. Der von der evangelischen Lan⸗ deslirche in Hessen gestiftete, mit Genehmigung des Chefs des Feldsanitätswesens aufgestellte zweite hessische Vereins⸗ lazarettzug O. 3. Großherzogin von Hessen wurde Jeute vormittag 12 Uhr in Anwesenheit der Landesmutter mit Gefolge seiner g übergeben, wozu sich außer der Fürstin mit Gesol die Vertreter des Roten Kreuzes, der Landeskirche, des Ministeriums, des Kreisamtes, der Medizinalbehörden, der Linienkommandantur eingefunden hatten. Oberkonsistorialpräsident Nebel sprach zunächst im Namen der Landeskirche der Groß⸗ herzogin und allen Gemeinden der Landeskirche herzlichen Dank aus, an dem besonders auch die Frauenvereine, welche für die innere Ausstattung sorgten, einbegriffen seien. Er bat das Rote Kreuz, den Laza zu über en, um ihn dem edlen Zwecke zuzuführen. Der Vorsitzende des Landesvereins vom Roten Kreuz Erz. Korwen sprach auch im Namen des Roten Kreuzes der Landesfürstin, den evangelischen Landesvereinen, allen Behörden und Dienststellen und auch allen Einzelpersonen, welche sich um das Zustandekommen des schönen Werkes Verdienste erworben haben, 2 Dank aus und übergab dann den Zug der Linien⸗ Kommandantur. Unter Vorantritt der Regierung wurde daun der 38 starke, mit einem Gesamtkosten-Aufwand von uber 50000 Mek. hergestellte 819 der unter der militärischen Leitung des Oberleutnants, Geh. Hberkonsistorialrates Dr. Merck,

5 besichtigt. Der Zug steht unter der ärztlichen . Medizinalrates Dr. Groß, dem 9 Herren Sanitätsrat Dr. N und Dr. Schaub zur Seite stehen.

elen⸗Fabrik) ein Grundstücksf

ch ville begeben müßten,

Kreis Wetzlar.

l. Krofdorf, 7. Febr. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde der Unteroffizier Adolf Gümbel von hier. Trotz schwerer Verwundung im Gefecht bei Neuchateau am 22. August übermittelte er einen wichtigen Befehl im heftigsten Kugelregen von einem Bataillon zum andern. Während Gümbel wieder im Osten sich befindet, erhielt dessen Frau die Auszeich⸗ 5 mit ehrenvollem Schreiben an Kaisers Geburtstag zuge⸗ andt.

= Krofdorf, 7. Febr. Am Freitag sand im hiesigen Königl. Forst(Schutzbezirk Waldhaus) ben starkem Andrang die erste Holzversteigerung statt. Die Preise waren durchaus normal. Buchenscheitholz kostete 910 Mk., Buchenknüppel 8 Mk. pro Rm. und Buchenreisig wurden 25 Rm. mit 30 Mk. bezahlt. Selbst au- grenzende hessische Gemeinden decken ihren Brennbedarf mit Vor- liebe im hiesigen Staatswald.

Hessen⸗Nassau.

w. Frankfurt, 7. Febr. In den Römerhallen fand heute früh die Trauerfeier für den verstorbenen Oberbürgermeister a. D., Wirklichen Geheimen Rat Dr. Franz Adickes statt. Als Vertreter des Kaisers wohnte Oberpräsident Exzellenz Hengstenberg⸗ Kassel der Feier bei. Ferner waren vertreten die staatlichen Be⸗ hörden, die wissenschaftlichen Institute und Gesellschaften, zahl⸗ reiche Vereine, die Stadt Altong, wo Adickes früher Oberbürger⸗ meister gewesen war, die Universität Gießen usw. Die Trauerrede hielt Pfarrer D. Foerster. Weitere Ansprachen hielten Ober⸗ bürgermeister Voigt, Stadtverordneter Funk und der Rektor der hiesigen Universität, Prosessor Dr. Wachsmuth. An dem Leichen⸗ zug nahmen zahlreiche Vereine mit ihren Fahnen, die Studenten- schaft usw. teil. Von dem Kaiser und dem Kronprinzen sind folgende Telegramme eingelaufen:S. M. der Kaiser und König ha n Ihre Meldung von dem Hinscheiden des von Allerhöchst Ihm besonders verehrten früheren Oberbürgermeister von Frank- urt a. M., Wirklichen Geheimen Rat Adickes, mit lebhaftem Be⸗ dauern entgegengenommen und sprechen der Stadt Frankfurt zu diesem schweren Verluste Allerhöchst Ihr wärmstes Beileid aus. Seine Majestät werden der ausgezeichneten Persönlichkeit des Ent⸗ schlafenen und seiner hervorragenden Verdienste stets gern und dankbar gedenken. Seine Majestät ermächtigen Sie, auch den Hinterbliebenen des Verewigten Allerhöchst Ihr wärmstes Beileid auszusprechen. gez. von Valentini Von dem Kronprinzen des Deutschen Reiches ging folgendes Telegramm ein:Anläßlich des Ablebens des frühere 2 von Frankfurt, Adickes, den ich auf Grund persönlicher Bekanntschaft ganz besonders verehrt und dessen hochverdienstvolles Wirken für Frankfurt auch ich kennen gelernt und gewürdigt habe, spreche ich dem Magistrat meine aufrichtige Teilnahme aus. Wilhelm, Kronprinz.

Wie die Franzosen ihreGefangenen behandeln.

Aus unserem Leserkreis wird uns ein Brief zum Ab⸗ druck zur Verfügung gestellt, der sehr anschaulich zeigt, wie es mit der Menschlichkeit bestellt ist, deren unsere westlichen Nachbarn sich so gerne rühmen, indem sie uns als Bar⸗ baren und Verbrecher ausschreien. Die Verfasserin, eine Dame aus Aschaffenburg, lebte in Frankreich und war mit ihrer 3 nach dem Kriegsausbruch zunächst unbelästigt eblieben. In der Zeit vom 28. Oktober aber bis 8. Januar hatte sie die unwürdigste und roheste Behandlung auszu⸗ stehen. Die briefliche Schilderung lautet:

Wir hielten uns nach Ausbruch des Krieges in einem kleinen Seebad an der Westküste auf, weil wir uns dort gut geborgen glaubten, umsomehr als uns vom Kriegsministerium die Ver⸗ icherung E worden war, daß wir dort unbehelligt bleiben sollten. Wir lebten nun dort ich, in keiner Weise von den Aufregungen berührt, von denen ganz Frankreich bewegt war, bis am 28. Oktober uns die Mitteilung vom Polizeikommissär gemacht wurde, daß wir uns am andern Tage sofort nach Abbe⸗ wo wir weitere Bestimmungen über unsern ferneren Aufenthalt entgegenzunehmen hätten. in wurden wir frei befördert, während wir für unser Gepäck 100 Franken zahlen mußten. In Abbeville angekommen, wurden wir vom Kommisfär in ein strenges Verhör genommen, dessen Ausdehnung sich gar nicht schildern läßt. Ein fortwährendes Hervorheben der französischen Gerechtigkeit und Umsicht war begleitet von der Drohung, daß wir sicher totgeschossen würden.

Jam wurden wir in ein Gefängnis gebracht, wo wir 10 Tage in und Sorge verlebten. Wir wußten nicht, was noch weiter unser Los sein würde. Die verschlossenen Türen sowie die Eisenvergitterung des kleinen Fensters, der kalte Beton⸗ boden, das wenige nasse Stroh, welches unser Lager bildete, waren nicht dazu angetan, sich in solchem Zustande behaglich zu fühlen. Man kann sich denken, was wir gefroren und ge⸗ hungert haben. Unsere drei Kinder wurden nach fünf Tagen uns genommen und kamen in eine andere Unterkunft, wo sie etwas menschlicher behandelt wurden, aber das wußten wir nicht, und so wurde unser Leid noch weiter gesteigert durch die Sorge um unsere Kinder, über deren Schicksal wir ja nicht im geringsten unterrichtet waren.

Unser Gepäck wurde in der rohesten, unmenschlichsten Weise aufgerissen und der Inhalt auf dem Boden herumgeworfen. Was irgend Wert hatte von Schmuckgegenständen, Silber, alles das wurde uns genommen, nur die notwendigsten Kleidungsstücke uns in Gnade belassen. So wurde auch unsere Wohnung in der Nähe von Paris mit allem Möbel, Bilder, Ein⸗ richtung, uns vom Staate beschlagnahmt.

Am 8. November wurden wir dann per Auto nach einem

anderen Orte verbracht. Die Herren unserer Familie, in Ket⸗ ten gefesselt, getrennt von uns, wieder wo anders hin, wir wu nichts von einander, auch nichts von den Kindern, wie es ihnen ging. Nach einer kurzen Fahrt kamen wir nach Hesdin, wo uns in einem Militärgefängnis, in einem pferde⸗ stall⸗ ähnlichen Raume, Wohnung angewiesen wurde, kalt und feucht, dunkel, mit einem Strohlager wie in Abbeville. Unsere esundheitlichen Verhältnisse waren derart, daß man uns einen Arzt schickte, der aber wenig Interesse an uns zeigte, uns aber für Decken sorgte. Neben uns waren alle möglichen Leute ein⸗ gesperrt, Leute aller Nationen, darunter eine Französin, die da⸗ bei betroffen wurde, als sie einem deutschen verwundeten Sol⸗ daten ein Stück Brot gegeben hatte.

Nach vierwöchigem Aufenthalt in diesem Schreckensgefängnis, krank, erfroren und erschöpft von Angst und Entbehrung, Tag und Nacht von Militär mit aufgepflanztem Bajonett bewacht und immer in fortwährender Sorge um unsere Kinder und Herren, in steter Angst, totgeschossen zu werden, kamen wir vor ein Kriegsgericht, wo wir wieder einem strengen Verhör unterzogen wurden. Man konnte scheinbar keine Gründe heraus⸗ finden, woraufhin sie uns wirklich totschießen durften. Diese Stunden vor dem Kriegsgericht waren die qualvollsten der ganzen Gefangenschaft. 1. ö

Nach 5 Tagen wurden wir wieder weiterbefördert, wohin, das entzog sich unserer Ahnung. Nach langer, schrecllicher Fahrt, teilweise aus Erschöpfung und Hunger auf dem des Eisenbahnwagens liegend, fuhren wir über Paris. Dann kamen wir nach Chalet. Dort sollten wir bleiben. Am nächsten Tage schickte man uns doch wieder fort. Unterwegs mußten wir in Angers umsteigen, und hier wurde uns von dem uns begleꝛ⸗ tenden Gendarmen mitgeteilt, daß wir hier bleiben müßten. Seit⸗ dem waren wir in Angers, wo es doch einigermaßen erträglich war, da wir, wenn auch nicht gerade gute, so doch genießbare Nahrung bekamen. Wir durften im Hofe der Kaserne, in der wir untergebracht waren, uns aufhalten und Luft schöpfen, wir waren nicht Tag und Nacht hinter Schloß und Riegel. Was uns hier die größte W verursachte, war der Umstand, die Grausamkeit und Ungerechtigkeit mit an⸗ sehen zu müssen, womit andere arme Gefangene behandelt wurden, besonders Frauen und Kinder. Es gibt keine Worte, um diese Zustände zu schildern. Rühmlich muß ich den Soldaten, die uns bewachten, nachreden, daß sie alle sehr rüdfichtsvoll und schonend gegen uns waren. Auch der

Adjutant von Angers hat sich sehr menschlich gegen uns gezeigt. Was ein Wort, das nur einen Schimmer von Mitleid in sich trägt, für eine Wirkung hat, weiß nur der, der es selbst an sich erfahren hat. Als wir nun in Erfahrung gebracht hahen, daß deutsche Gefangene, Frauen und Kinder ausgetauscht en sollen und wir unsere Kinder auch wieder ber uns hatten, haben wir sosort das Exsuchen gestellt, mit fortkommen zu können, was uns auch gewährt wurde. Einer unserer Herren wurde auch entlassen, der andere befindet sich noch in Orleans in Ge⸗ fangenschaft. 5 a Nach einer Fahrt von drei Tagen und Nächten sind wir⸗ gut verpflegt unterwegs, in Frankreich von seiten der Regierung in der Schweiz besonders von seiten der Heilsarmee und des Roten Kreuzes, wieder in Deutschland in der lieben Heimat an⸗ gekommen, wo wir Erholung und Ruhe nach so schweren Tagen zu finden hoffen.

vermischtes.

»Amerikanische Kriegs aphorismen. Die Peeise für Nahrungsmittel sind jetzt in Europa insolge des Krieges so hoch, daß sie, wenn der Krieg noch zehn oder zwölf Jahre dauert, die durchschnittlichen Preise bei uns erreichen werden.(Boston Transcript.) Das neue Wahlgesetz in China bestimmt, daß die Dauer der Präsidentschast zehn Jahre oder unbegrenzt ist. Das ist ein Ausdruck von Unbestimmtheit, den selbst Woodrow Wilson unterschreiben könnte.(Boston Transeript). Wenn die Verbündeten nach ihren Berichten brusttief im Schnee stehen, kann man glauben, daß sie das deutsche Fener kühl aushalten.(Boston Transcript).

Bandel. i Die Verbände der Papierindustrie haben für neue Abschlüsse die Preise für Schreibpapier und Lichtpausepapier durchweg auf weiteres bis zu 50 Prozent erhöht.

wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 4. Woche. Vom 17. bis 23. Januar 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900(inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 12,65%, Nach Abzug von 9 Ortsfremden und 7 im Kriege Gefallenen.

Kinder Es starben an us... ft Zu wachsene im 858 ven,. Lebens schwäche 2(2) 1 Unterleibstyphus 10) 1000 Lungentuberkulose 10 10) Tuberkulose anderer Organe 1 1

Erkrankungen der

Atmungsorgane 2(I) 2(I) Erkrankung des Herzens 1 1 Gehirnschlag 2 2 Erkrankung der Verdauungs⸗

organe 1 1 Blinddarmentzündung 10 109 Krebs 2 2 Kriegsverletzungen 7 2 anderen Krankheiten 3(63) 2(2) 109

Summa: 24(9) 19(6 3(2) 2(I)

) 1 Kriegsgefangener.

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Amtlicher Wetterbericht. 80 ö

Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen.

etteraussichten in Hessen am Dienstag, den 9. Jebruar 1915; Wechselnd bewöllt, zeitweise Niederschläge, mild, südwestliche Winde,

Letzte Nachrichten.

Eine Erklärung des Fürsten Bülow. Budapest, 8. Febr. Bei einer Unterredung, die Fürst Bülow mit der Mitarbeiterin desAz Est hatte, sagte der Fürst von der italienischen Politik: Ich habe Vertrauen zu der politischen Klugheit und Urteilskraft der leitenden Kreise in Italien und hoffe, daß sie den richtigen Weg auch fernerhin finden und befolgen werden, und ich nicht daran, daß es der italienischen Regierung und dem italienischen Volke von österreichisch-ungarischer Seite er⸗ leichtert wird, weiter in Frieden und Eintracht mit den Zen⸗ tralmächten zu leben.

Die Blockade der englischen Küfte. Rotterdam, 8. Febr. Zur deutschen Blockadeankündigung gegen England schreibt derNieuwe Rotterdamsche Cou⸗ rant: Daß die deutsche Erklärung eine Prahlerei ist, ist mög⸗ lich, aber man weiß nicht, inwieweit die englischen Erklärungen nicht auch Prahlereien sind. Die Engländer reden nur von Schif⸗ fen und Versicherungen, vergessen aber, daß die Schiffe ohne Be⸗ satzung nicht fahren können. Es sei fraglich, nachdem erst einige Handelsschiffe versenkt wurden, ob sich noch Leute finden lassen werden, die für die Interessen anderer ihr Leben wagen. Der

antirevolutionäreStandard schreibt: Deutschland hat sicherlich

das Recht, keinen Versuch zu unterlassen, um die Ueberfahrt eng⸗ lischer Truppen über den Kanal zu verhindern. Zu diesem Zweck bedarf es der Aktionen in der Luft, auf dem Wasser und unter dem Wasser. Dadurch muß natürlich das Meer für die Handels⸗ flotte weniger sicher werden. Die Kämpfe am Duklapaß.

K. K. Kriegspressequartier, 8. Febr. Der Kampf

am Duklapaß ist zugunsten der österreichisch-ungarischen Armee

ausgefallen. Die russische Artillerie war in diesem Falle der Schwierigkeiten des Transportes und wegen anderweitiger Bindung

verhältnismäßig schwach: dagegen hatten die Russen im Raume

von Dukla sehr starke Infanteriekräfte, mit denen sie gegen die Paßhöhe vorstießen. Bei diesem Vorstoß suchten sie nach ihrer alten durch Massenwirkung zu erzwingen. Das Vorgehen geschah staffel⸗ förmig in Schwarmlinien, die bis zu 6 Reihen hintereinander lagen. In einem Falle wurden die ersten 3 Schwarmlinien von den österreichisch⸗ungarischen Schützengräben aus beim Sturm voll⸗ ständig abgeschossen, erst den anderen drei Linien gelang das Eindringen in die Stellung der öpsterreichisch⸗unga⸗ rischen Truppen, die sich hier zurückziehen mußten. Die Russen drangen hierauf über die Paßhöhe vor. Ihr weiterer Vormarsch wurde noch am hellen Tage eingeleitet, indem die russi⸗ schen Schwarmlinien von den Höhenzügen in das Tal herabstiegen. Abends begannen sie die von den österreichisch⸗ungarischen Truppen gehaltenen Hügel r Auf halber Höhe machten sie im tiefen Schnee, da ein wütender Schneesturm einsetzte, notgedrun⸗ gen Halt und verbrachten so die ganze Nacht im Freien. Als dann am anderen Morgen der Sturm anbefohlen wurde, hatten zahlreiche Leute erfrorene Gliedmaßen, die übrigen waren vollstän⸗ dig erschöpft. Infolgedessen brach der Sturmangriff unter dem Feuer der österreichisch⸗ungarischen Truppen zusammen. Haufen von Toten und Verwundeten bedeckten das Schlachtfeld und es wurden viele Gefangene gemacht. Die Russen zogen sich schließlich fluchtartig zurück und wurden von den nachdrängenden österreichisch⸗ ungarischen Truppen verfolgt.

Wunderbare Rettung.

Rom, 7. Febr.(Priv.⸗Telegr.) In Paterno haben heute*

vom 13. Januar den 33 Jahre alten Richete Caiolo ge⸗

Automobil 5

Soldaten aus n Trümmern des Erdbebens borgen, der sich bei guter Gesundheit befand. Caiolo lag einem Gewölbe und hat sich ohne Nahrung am Leben er und nur Wasser getrunken. Er wurde in einem

Avezzano gebracht, wo er allein und ohne Hilfe ausstieg.

zweifle auch

ethode den Erfolg ohne Schonung ihres Menschenmaterials