Nr. 32 Erstes Blatt Der Siepener Anzei erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sietener Kamilienblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche deitfragen Ferusprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.
Neue Schlachten in den Karpathen. Die Russen in der Bukowina in vollem Rückzuge. England und die Blockade.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 6. Februar. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Erneute französische Angriffe gegen die von uns gewon⸗ nenen Stellungen nördlich von Massiges blieben ohne Erfolg. Ebenso scheiterte ein feindlicher Vorstoß in den Ar⸗ gonnen.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
„Die Russen griffen gestern an der ostpreußischen Grenze, sowie füdlich der Weichsel gegen unsere Front Humin— Bzura⸗Abschnitt an. Alle Angriffe wurden abgewiesen. Wir machten 1000 Gefangene und erbeuteten sechs Ma⸗ schinengewehre.
Hauptsächlich von englischer, aber auch von französischer Seite wird fortgesetzt die Behauptung wiederholt, daß die Deutschen gewissermaßen zur Feier des Geburtstages S. M. des Kaisers Vorstöße in großem Stil inszeniert —. die sämtlich mit schweren Rückschlägen für uns en⸗
igten.
Daß diese Behauptung in heimtückischer Absicht einfach erfunden ist, beweisen unsere amtlichen Be⸗ richte über die Ereignisse an den in Frage lommenden Tagen. Eine solche Kampfesweise kann natürlich auch nicht die Per⸗ son des Kriegsherrn berühren. Die deutsche Heeresleitung möchte aber nicht unterlassen, sie in ihrer Erbärmlichkeit vor aller Welt an den Pranger zu stellen.
Oberste Heeresleitung.
Großes Hauptquartier, 7. Febr.(WTB. Amt⸗ lich.) Südöstlich Npern nahmen wir einen französischen Schützengraben und erbeuteten dabei zwei englische Maschi⸗ nengewehre.
Südlich des Kanals bei La Bassée drang der Feind in 1 unserer Schützengräben; der Kampf dort ist noch im Gange.
Im übrigen auf beiden Kriegsschauplätzen außer Ar⸗ tilleriekämpfen keine wesentlichen Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
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Die Russen haben, wie sie in ihrem amtlichen Bericht zugeben, gegenwärtig auf fast allen ihren Linien heiß zu kämpfen. Das scheint weniger das Zeichen ihrer angeblich neu erwachten Offensive zu sein als vielmehr ein plan⸗ mäßiges Zusammenarbeiten der verbündeten. Deutschen und Oesterreicher. Wenn nicht alles täuscht, gibt es in den nächsten Tagen Ueberraschungen, wie wir sie aus der Taktik Hindenburgs von früher her kennen. Schon jetzt freuen wir uns der neuesten Erfolge Oesterreich-Ungarns in der Bukowina, wo die Russen nach der amtlichen Wiener Meldung in vollem Rückzuge sind und wo Kimpolung, eine Stadt von etwa 50000 Einwohnern, wieder den Ein⸗ zug unserer Verbündeten begrüßt hat.
„Von England haben wir heute einige Treibereien in Bezug auf die deutsche Ankündigung der Blockade zu ver⸗ zeichnen. Manche Londoner Blätter scheinen nicht an den Er nst der deutschen Absichten zu glauhen, wobei sie natür⸗ lich darauf hinwirken wollen, daß die Panik der Reedereien und die Einstellung von Handelsverbindungen sich nicht weiter verbreiten. Man will den Protest gegen das deutsche Vorgehen in der Hauptsache den Neutralen überlassen. In dieser Beziehung läßt man es an den üblichen Hetzereien nicht fehlen. Washingtoner Berichterstatter der englischen Blätter wollen schon wissen, wie Präsident Wilson und seine Ratgeber gegen die deutschen Pläne vorgehen wollen. Wir dürfen die Angaben einer„Morning Post“ jedoch als müßiges Gerede abtun. In Wirklichkeit wissen wir noch gar nichts darüber, wie die Neutralen etwa auf die deutsche Denkschrift sich einrichten werden, aus dem ein⸗ fachen Grunde, weil die Zeit, die seit der Berliner Veröffent⸗ lichung verstrichen ist, noch viel zu kurz ist. Unmaßgebliche Zeitungsäußerungen, die in ihren Ansichten wenig bestimmt sind und ziemlich weit auseinandergehen, brauchen wir nicht langer Widerlegungen zu würdigen. Wir sind davon über⸗ zeugt, daß die deutsche Regierung festbleibt! Bemerkens⸗ wert aus der englischen Presseflut ist nur die Aeußerung der„Times“, die erklärt, es sei keineswegs unerlaubt, wenn gefährdete Handelsschiffe neutrale Flaggen hissen! Das klingt also wie ein Geständnis, daß England eine darauf bezügliche gehezme Anweisung herausgegeben hat. Zu widerlegen braucht man die„Times“ nicht mehr, ihre Meinung atmet echt englischen Geist: erlaubt ist, was nützt.
Wir wollen hoffen, daß die deutschen Maßnahmen den vollen erwünschten Erfolg n. Uebermütigen und über⸗ triebenen Erwartungen wollen wir uns aber nicht hingeben.
ßadmiral v. Köster hat dieser Tage in Kiel einen Vor⸗ r gehalten, in dem er folgende Schlußsätze sprach, denen wir uns nur anschließen können:
Immerhin müsse man sich aber hüten, zu voreiligen und fal⸗ schen Schlüssen zu kommen. Unsere vereinigten Feinde hätten immer noch eine große Uebermacht, die sich in den Zahlen 1 zu 4 ausdrücken lasse, und auch im Mittelmeer stehe unseren Verbün⸗ deten eine Flotte im Verhältnis von 1 zu 2 gegenüber. England wolle seine Flotte bis zum Friedensschluß intakt erhalten, um dann beim Friedensschluß ein gewichtiges Wort mitsprechen zu können. Demgegenüber müssen wir, bei allem Offensivgeist un⸗ serer Flotte vorsichtig sein und uns nicht zu einer unüberlegten 5 hmreißen lassen. Eine Hauptaufgabe unsc rer Flotte ser der
1065. Jubtgang a
Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle
Schutz unserer Küsten, die bei einer Niederlage zur See dem Feinde leichte Angriffspunkte bieten würden. Wir müssen zu Ende des Krieges unbesiegt zu Wasser und zu Lande dastehen, dann werden wir auch einen ehrenvollen Frieden erringen, der die n Englands auf den Weltmeeren endgültig be⸗ eitigt. 0 8„
Die Antwort der Engländer.
London, 7. Febr.(WTB Nichtamtlich.) Die„Morning Post“ schreibt in einem Leitartikel über die angedrohte deutsche Blockade, die deutsche Erklärung wäre eine klare, ehrliche Prokla⸗ mation gewesen, wenn sie sich nicht auf eine Politik bezöge, mit der man schon begonnen habe. Der Feind habe bereits britische Schiffe ohne Warnung versenkt, so daß England jetzt leine Ursache habe, ihm für die Ankündigung einer schon begon- nenen Sache zu danken. Was für Schäden die deutschen Tauchboote anrichten könnten, sich darüber ein Urteil zu bilden, fehle die Er⸗ fahrung. Eine rhetorische Denunziation der deutschen Methoden sollte man den Neutralen überlassen, die als Uninteressierte in einer besseren Lage seien, ein Urteil zu fällen. Für England sei die beste Antwort, die eigene Blockade schärfer zu machen. Die britischen Handelsschiffe und Küsten⸗ dampfer könnten schnell mit Gewehren, Maschinengewehren, Bom⸗ ben und Schnellfeuerkanonen bewaffnet werden. Dadurch wür⸗ den sie noch nicht in Kriegsschiffe verwandelt und könnten sich doch gegen seeräuberische Angriffe schützen. Eine solche Methode wäre viel wirkungsvoller als moralische Denunziationen, Waffen, die bei einigen modernen Engländern r seien. Wir führen schließlich doch Krieg, schließt das Blatt, und es ist besser, wirklichen Krieg mit allen Schrecken ohne kriegerischen Altruis⸗ mus zu haben, anstatt zu versuchen, den Krieg zu zi⸗ vilisieren, denn Versuche, einen Tiger zu zähmen, führen nur zu Ueberraschungen und Enttäuschungen. Die beste Kriegführung ist und bleibt, dem Feinde den größtmögli⸗ Schaden zuzufügen, damit er sich desto schneller ergibt. rsuche anderer Art seien ohne Erfolg. Der Feind zwürgt un, zu drastischeren Maßregeln.
Es ist klar geworden, schreibt die Daily Mail“, daß die verschiedenen Nationen einen verschiedenen Geschmack für Bluff haben. Der Bluff der deutschen Blockade der britischen Küste hat überall sofort eingeschlagen. Jedermann kann eine Blockade pro⸗ klamieren. Die Schwierigkeiten fangen aber erst an, wenn man versucht, sie durchzuführen.
London, 6. Febr.(W. B. Nichtamtlich.)„Daily Telegraph“ schreibt: Nach einer Umfrage in hiesigen Schiffahrtskreisen hält man die deutsche Ankündigung nur für einen Bluff. Wenn auch einige englische und neutrale Schiffe zu Grunde gegangen sind, so besteht doch nicht die Absicht, die Fahrordnun⸗ gen zu ändern. Der Direktor einer Schiffslinie sagte, daß er nach dem Beutezug in der Irischen See daran gedacht habe, nach einer Rücksprache mit der Admiralität aber den Gedanken aufgegeben habe und auch jetzt keine Veränderungen beabsichtige.
Amsterdam, 6. Febr.(W. B. Nichtamtlich.)„Allgemeen Handelsblad“ meldet aus London: Der Korrespondent der„Times“ sagt, daß alle Schiffe, die in den englischen Küstengewässern fahren, alle verständigen Vorsichtsmaßregeln ergreifen. müßten. Die englische Flotte dürfe in ihrer Wachsamkeit nicht nachlassen. Es sei aber töricht, der deutschen Blockade große Bedeutung beizumessen. Die deutsche Erklärung sei nur ein neues Zeichen von Angst. Diese Drohungen seien zum„Konsum“ in Deutschland selbst bestimmt, um dem deutschen Volke Mut zu machen. In der ganzen Zeit, während welcher die deutschen Unterseeboote sich im Kanal befanden, sei kein einziges englisches Truppentransportschiff in den Grund gebohrt worden. Darum habe man es für nötig befunden, eine Erklärung auf dem Papier anzukündigen, um die Gefahren in übertriebenem Lichte darzustellen.(Es scheint, daß vielmehr die„Times“ ihren Landsleuten Mut zu machen nötig hat, als Deutschland. Im, übrigen: Man warte doch ab! D. Red.)
London, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Tele⸗ graph“ meldet aus New Pork: Einige Freunde der ameri⸗ kanischen Schiffahrt hielten es für möglich, daß die Gefahr der deutschen Tauchboote eine Aenderung in der britischen Politik be⸗ züglich der Uebertragung von Handelsschiffen Krieg⸗ führender an Amerikaner und andere neutrale Flag⸗ gen herbeiführen werde, da die britische Regierung es vorteilhaft finden könnte, wenn deutsche Schiffe in amerikanischen Besitz über⸗ gehen, um sie für den Transport von Lebensmittel nach England zu benutzen. Diese Partei bilde jedoch eine kleine Minorität.
London, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich) Der Washing⸗ toner Korrespondent der„Morning post“ meldet: Das Staatsdepartement unterzieht die deutsche Ankündigung einer ernsten Erwägung, da es sich bewußt sei, daß Deutsch⸗ land eine Frage angeschnitten habe, die für die Vereinigten Staa⸗ ten von unabsehbaren Folgen sein könne. Die Regierung habe noch keine Schritte getan, da da Angelegenheit reifliche Ueber— legung erfordere. In amtlichen Kreisen herrschte die Meinung vor, daß die Regierung zu tainem Protest gezwungen sei, und daß im Falle der Versenkung amerikanischer Schiffe durch deutsche Unterseeboote zwischen beiden Regierungen eine Krise entstehen würde. Die Versenkung amerikanischer Handels⸗ schiffe auf hoher See würde nach Ansicht dieser Kreise einer kriegerischen Handlung und Absicht der Seeräuberei gefährlich nahekommen. Die Washingtoner Regierung würde dadurch zu Maßnahmen. der Wiedervergeltung getrieben werden. Amerika erkenne nur eine effektive Blockade, keine papierne Blok⸗ kade an. Die deutsche Drohung, Schiffe ohne Rücksicht auf das Leben der Besatzung zu zerstören, rief Entrüstung hervor. Die Schiffahrtskreise sind jedoch nicht sehr beunruhigt, da man nur an einen Bluff glaubt, der darauf berechnet sei, Entsetzen zu verbreiten. 0
London, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Telegraph“ meldet aus Washington, Amerika werde sehr wahrschein⸗ lich gegen die deutsche Ankündigung Protest einlegen.
Magdeburg, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der
„Magdeburger Zeitung“ berichtet ein Mitarbeiter: Nach
f Montag, 8. Februar 1015 9 Bezugspreis:
monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den
euilleton: Aug. Goetz; ür Stadt und Land, Bermischtes und Ge⸗ ichtssaal: Otto Braun, für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.
Schul
einer Londoner Drahtnachricht des„Stockholms Dagblad“ wurden durch Befehl der britischen Admiralität sämtliche Handelshäfen des vereinigten Königreichs für be⸗ festigte Plätze erklärt.
Ein Geständnis der„Times“.
Berlin, 8. Febr. Der Vertreter der„National Ti⸗ dende“ teilte gestern, wie verschiedenen Morgenblättern aus Kopenhagen gemeldet wird, mit, er habe wegen der Meldung, daß die englische Admiralität die englischen Han⸗ delsschiffe beordert habe, unter neutraler Flagge zu segeln, alle betreffenden Autoritäten befragt, aber nirgends auch nur eine Andeutung von einer Bestätigung dieser Behaup⸗ tung erhalten. Der Marinesachverständige der Londoner „Times“ läßt sich hierzu laut„Berl. Tagebl.“ vernehmen:
In gewöhnlichen Zeiten haben die Handelsschiffe nicht das Recht, eine neutrale Flagge zu führen. Aber der Gebrauch zur See und viele Präzedenzfälle beweisen, daß es zulässig ist, daß ein Schiff die neutrale Flagge hißt, um einem Feinde zur entfliehen. Jede Nation, die eine einigermaßen bedeutende Han⸗ delsflotte besessen hat, wird in ihrer Geschichte dafür Beispiele finden. Wenn unsere Handelsschiffe eine neutrale Flagge hissen, um der Aufmerksamkeit eines feindlichen Unterseebootes zu ent⸗ gehen, so haben sie das Recht vorläufig auf ihrer Seite.
Der Berliner„Lokalanzeiger“ bemerkt zu dieser Aeuße⸗ rung: Wann hatten die Engländer nicht das„Recht“ auf ihrer Seite? Für sie ist nur alles Recht und Gesetz sen, was sie tun.— Der deutsche Botschafter in Washington soll, wie das„Berl. Tagebl.“ sich melden läßt, der Regie⸗ rung der Vereinigten Staaten erklärt haben, daß Deutsch⸗
land nicht die Absicht habe, amerikanische Schiffe zu be⸗ 7
lästigen und fortzunehmen, die Lebensmittel für die bürger⸗ liche Bevölkerung der feindlichen Länder anfahren.
Die Brotverteuerung in England.
London, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Nach dem „Evening Standard“ soll der Weizenpreis in der näch⸗ sten Woche auf 60 Schilling für das Quarter erhöht werden; vor dem Kriege betrug er 35 Schilling. Der Preis des Brotes stieg auf 8 Pence für das Vierpfund-Brot, Mehl auf 4½ Pence für den Quart, Steinkohlen auf 34 Schilling für die Tonne.
Noch ein Ausstand in England.
London, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) 36 000 weibliche Arbeiter in den Khaki⸗Spinnereien von Leeds dürften nächste Woche in den Streik treten, da die Verhandlungen mit den Arbeitgebern über eine Lohn⸗ erhöhung ergebnislos geblieben sind.
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Neue Angriffe der englischen Flotte auf die
belgische Küste.
Berlin, 8. Febr. Ueber neue Angriffe der englischen Flotte auf die belgische Küste wird der„Deutschen Tageszeitung“ aus Rotterdam vom 7. Februar gemeldet: Zwischen Nieu port und Ostende hört man heftigen Kanonendonner. Die feindliche Flotte unternahm wieder einmal einen Angriff auf die belgische Küste, der durch die deutschen Küsten batterien abgewehrt wurde.
Berlin, 8. Febr. Ueber die Kämpfe an der flandrischen Küste heißt es im„Berliner Lokal-Anzeiger“ aus Amsterdam vom 7. Februar: Der„Telegraaf“ meldet aus Sluis: Samstag mittag begann die Kanonade der Marinegeschütze von neuem. Die Verbündeten setzen die Offensive fort. Auch die französi⸗ schen Flieger waren wieder sehr tätig. Deutsche Flug⸗ zeuge umkreisten Zeebrügge din größerer Zahl als bisher. Ein Luftkampf ist zu erwarten.
Neue Entscheidungen in Russisch⸗Polen?
Berlin, 8. Febr. Der Petersburger Berichterstatter des Mailänder„Secolo“ telegraphiert, wie verschiedenen Berliner Mor⸗ genblättern gemeldet wird: Die furchtbarste Schlacht, welche die Geschichte aufweist, findet zwischen der Rawka und den Kar- pathen statt. Die Deutschen haben nur einen Scheinrückzug in der Front Rawka⸗Bzura unternommen, um sich destomehr zwischen Weichsel und Rawka zu verstärken.— Auch dem„Corriere della Sera“ wird aus London gemeldet: Die deutschen Operationspläne scheinen neue Entscheidungen vorzubereiten. Die Angriffe an der Bzura und Rawla werden mit einer Stärke geführt, die alle bis⸗ herigen Kämpfe an der Front in den Schatten stellen.— Mel⸗ dungen eines polnischen Blattes zufolge werden die wirtschaft⸗ lichen Verluste in Russisch⸗Polen infolge des Krieges bis jetzt auf eine Milliarde Rubel geschätzt.
Der Kaiser im Osten.
Berlin, 6. Febr.(WTB. Amtlich.) S. M. der Kai⸗ ser hat sich über Czenstochau auf den östlichen Kriegs⸗ schauplatz begeben. 94
Berlin, 7. Febr.(WTB. Amtlich.) S. M. der Kaiser
besuchte gestern die schlesische Landwehr in ihren Schützen ⸗ gräben bei Gruszezyn östlich Wloszezowe.


